Eine Ingelheimer Riemenzunge und mögliche Gürtel (Update)

RiemenzungeBei der links dargestellten Riemenzunge handelt es sich um die Replik eines Fundes der  1994 im Umfeld der Aula Regia („…in einer Grube, die in dem Laufniveau über dem 1. Bauhorizont
(dritte Drittel des 8. Jh. bis frühe 9. Jh.) eingetieft war…“) von Ingelheim unter Holger Grewe gemacht wurde.

Die im Tassilokelstil dekorierte Rimenzunge misst 89 x 15 x 3 mm und besteht aus Kupfer mit einer feuervergoldeten Oberfläche.

Die zu sehende Replik wird im dortigen Museumshop als Lesezeichen verkauft, was das rote Stoffband erklärt und ist aus Messing gefertigt, entspricht aber in allen Details dem Original, was der Grund für den Kauf war.

Sie datieren auf Ende des 8., Anfang des 9. Jahrhunderts und passen daher in meinen groben zeitlichen Rahmen. Gerade die Rückseite der Riemenzunge , aber auch die abgeschrägten Seitenflächen der Vorderseite, werden durch ihre Ornamentik  als frühe Form der Pfalzenornamentik der Karolingerzeit nach 800 gedeutet.

Der Grund das ich mich nun hier mit ihnen auseinandersetzte, wurde durch das rote Band ausgelöst. Da ich noch Bronzenieten habe werde ich dieses Band natürlich entfernen und durch einen adäquaten Riemen ersetzten. Nur welchen?
Die Aufnahme des Riemens besteht nur aus einem kleinen Schlitz und reicht nur auf die wenigen Millimeter im Bereich der Nieten ins Metall.Das ist nicht etwa ein Fehler der Replik sondern ebenso beim Original und bei vergleichbaren Riemenzungen.

Ein Gedanke der mir dabei in den Kopf schoss, war die Frage ob für diese Riemenzungen eine Form einer Brettchenwebborte in Frage käme. Dies führte dazu, dass ich mir vergleichbare Riemenzungen einmal genauer ansah. Vergleibare stammen aus Gornji Vrbljani, Rossum, Dorestadt, Harreshausen (zw. Darmstadt und Aschaffenburg) , und Medvedicka. Ergänzt werden diese durch zwei etwas kürzeren Funde aus Dorestadt und einem nicht näher verortbaren Fund aus Belgien.1

Diese beiden zuletzt genannten Funde sind die Einzigen die Reste eines Riemens aufweisen. Es handelt sich um einfaches Leder.

Müssen wir daher mit einfachen, naturbraunen Gürteln leben? Nein, müssen wir nicht. Leider bieten die Abbildungen karolingischer Handschriften kaum Abbildungen von Leibgürteln. Meist sind die Gürtel vom darüber fallenden Bauchbereich der Tunika verdeckt. Dies zeigt auch das die Riemenden bei Leibe nicht so lang gehalten waren, wie sie dies etwa im Hochmittelalter waren, sondern wohl nur wenige Zentimeter unterhalb des Gürtelknoten endeten. Ein Beispiel ist auf dem Sakramentar Karls des Kahlen (ca. 870) zu erahnen (Bild bei Wiki Commons hier). Das Bild zeigt aber auch das der Gürtelriemen selbst zumindest leicht verziert erscheint, denn achtet man auf die Ränder erkennt man hier dunkle, kontrastierte Streifen. Hierbei könnte es sich um eine Punzierung oder aber eine andersartige Verzierung handeln.

Ein schönes Beispiel streifenartiger Verzierungen von Gürteln zeigen sich am Gürtel und Manschetten der im Grab der Arnegunde (+565/70). Zu den Manschetten ist in „Die Königinnen der Merowoniger“ zu lesen: „… aus mehreren Streifen Kalbsleder sind ringförmig umlaufend mit drei Ziernähten in Saumurstichart, olastische Rippen und à jour eingestempelten Dreiecken mit unterlegtem vergoldetem Pergament verziert“.
Dieses Beispiel, obwohl zeitlich zu früh, hab ich gewählt um die Vielfalt der Verzierungen aufzuzeigen die hier auf einem einzigen Stück zu finden sind.
Hinzu kommt die Möglichkeit der Färbung des Leders.

Letztendlich bleibt damit festzuhalten , dass im Grunde niemand mit einem einfachen naturbraunen Gürtel herumlaufen müsste. Auch die Verwendung von weicherem Klabsleder, im gegenzug zum heute oft verwendeten steiferen Rindsleder, eröffnet wesentlich feinere Gestaltungsmöglichkeiten.

Update: Ich wurde gerade über einen „in Tuchbindung gewebter Gürtel aus Leinen-Kettfäden mit Goldlahnschuss“ informiert der sich fragmentarisch an einer Schließe und Riemenzunge erhalten hat!

  1. Der ältere Lindauer Buchdeckel in seinen Originalbestandteilen, Ulrike Sander 2007 []

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