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Vexillum Sancti Martini – Das Banner der Franken

Ich habe ja eine gewisse Faszination für Reliquien – Reliquien als Zeitzeugen, also archäologisches Fundstück und zum Teil als Kuriosum.
Besonders interessieren mich aber die Reliquien des hl. Martin von Tours, da sie einen Teil der fränkischen Staatsreliquien bildeten und mein genau gesuchtes Objekt ist der Mante, der als Banner bei Feldzügen der Franken Verwendung gefunden haben soll.

Einziges interessantes Ergebnis in der Suche war bisher eine Reliquie aus Bussy-Saint-Martin  die mitunter als Mantel des hl. Martin ( hape de Saint-Martin) bezeichnet wird , aber tatsächlich das Fragment eines Polsterwamses ist  (Hier habe ich damals darüber geschrieben) 

Der Weg der „echten“ Mantelreliquie verliert sich zumindest über die Jahrhunderte und soll wohl durch die Hugenotten zerstört worden sein. Aber ich habe mich entschieden mal ein wenig zu bohren, auch weil es vielleicht einen neuen Blick auf Banner/Fahnen/Wimpel eröffnet.

Meine erster Gedanke in der Suche war die Frage woher der Mantel denn nun überhaupt stammen soll. Geht man davon aus die Mantelteilung trug sich wirklich so zu, teilte Martin seine Chlamys, den römischen Militärmantel,  334 in Amiens.

Nach der Vita von 395 die noch zu Lebzeiten Martins entstand wurde er 351 getauft und errichtete ab 361 das erste Kloster des Abendlandes. Daraus darf man vermuten das wohl erst nach 350 die Sache mit der Mantelteilung für die Öffentlichkeit überhaupt erst interessant wurde, wenn nicht sogar erst mit Entstehung der Vita. Das Martin oder oder die römische Armee den Rest des Mantels mehr als 20 Jahre lang im Schrank liegen ließ ist eher unwahrscheinlich. Martin dürfte schon bald nach dem Ereignis einen neuen Mantel besessen haben, und der Rest sollte eher den Weg eines Putzlumpens genommen haben, als fein säuberlich verwahrt zu werden.

Als er 397 starb,  hatte er in höchsten Kreisen verkehrt und bereits eine bedeutende Anhängerschaft angehäuft, wobei aber der richtige Martins-Boom erst durch Gregor von Tours einsetzte. Also nochmal 200 Jahre später.

Die Reliquie selbst taucht dann auch erst 682 unter Theuderich III.  als cappa domni Martini auf, über der Schwüre geleistet werden. 709 hatte der Hausmeier Grimoald der Jüngere Verfügungsgewalt  über die Reliquie und nutzte sie als Feldzeichen in Feldzügen, aber vielleicht hatte schon sein Vater Pippin der Mittlere sie für die Karolinger in Besitz genommen.

Verwalter der Reliquie unter karolingischer Herrschaft  waren wohl die Laienäbte von Tours, darunter so illustre Namen wie Vivian von Tours und Robert der Tapfere. Nach der Zerstörung der Abtei von Tours kam die Reliquie wahrscheinlich über Cormery nach St. Denis.  Wobei aber anzumerken ist das im Hochmittelalter jeder zweitklassige Graf in Frankreich ein Martinsbanner besessen zu haben scheint und es nicht wirklich feststellbar ist wer denn nun das Original besaß…

Letztendlich durch Robert  gelangte die Cappa in den Besitz der Kapetinger und wurde somit Teil des französischen Kronschatzes. Eine Theorie zur Namensgebung der Kapetinger leitet den Namen der Kapetinger übrigens  von der Mantelreliquie , der Cappa, ab.

Nun ist ein wenig Licht auf den Weg der Reliquie geworfen. Fragt sich nun woher die Reliquie kam die bei Theuderich auftauchte. Hier hilft mal wieder das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde weiter. Und mehr noch!

Demnach hatte Dagobert I. 629/39 die Grablege Martins restaurieren lassen und  sich wohl auch Reliquien einverleibt. Demnach ist die Cappa aber nicht der Mantel, die römische Chlamys, des Soldaten Martinus (Warum hätte auch ein Bischof damit bestattet werden sollen?) , sonder die palla sepulchri, das Grab- oder Sargtuch!!! Und jetzt wird es richtig interessant, wie ich finde.

Auch wenn man unter Grabtuch vielleicht sofort an das Grabtuch von Turin denken muss, kennen wir doch tatsächlich einige solcher Tücher die zu Verehrungszwecken Gräbern entnommen wurden. Eines der bekanntesten dürfte der Quadrigastoff sein, der aus dem Grab Karls des Großen stammen soll. Aber auch gerade aus unzähligen Bischofsgräbern kennt man solche Stoffe.

Und Martin von Tours war Bischof – und was für einer. Einer der der sich schon mal in Trier mit Kaiser Magnus Maximus anlegte. Er hatte also durchaus Einfluss und Zugang zu höchsten Kreisen. Selbst wenn er eher als Asket bekannt ist, so dürften es sich doch seine Anhänger, sein Bistum und Andere sich bei der Bestattung nicht zurückgenommen haben. (Schließlich konnte er sich nicht mehr wehren)

Schaut man sich etwa das Spätantike Grab 279 aus St. Maximin in Trier an (4./5. Jahrhundert) So findet man hier gemusterte Seidengewebe (Tunika) und feine Schleiergewebe (Grabtuch). Denkbar ist auch das der eigentlich Sarg Martins noch einmal mit einem Tuch bedeckt war, ähnlich einer Tischdecke. So oder so, sollte es sich dabei nicht um ein schnödes Tuch gehandelt haben. Es war wohl schon etwas aufwendiger, womöglich ein Seidengwebe wie ein gemusterter Damast (Sponsored by Kaisers?).

Natürlich wäre es möglich das die Schwüre die über der Cappa , einem einfachen, von Leichflüssigkeit verflecktem Leinenlappen in Leinwandbindung geleistet wurden. Ein aufwändiges Tuch würde aber mehr Eindruck hinterlassen.  Auch wäre ein solches Tuch wohl eher als  Vexillum S. Martini geeignet, als welches es beschrieben wird wenn es im Feld mitgeführt wird.

Nun ergibt sich für mich die nächste Frage: Was haben wir uns unter dem Vexillum S. Martini vorzustellen?

Zunächst Einmal bezeichnet ein Vexillum ein Feldzeichen der römischen Armee, ein rechteckiges, oder quadratisches Stück Stoff, welches an einem Querbalken hängt und an einer Stange befestigt ist. Davon hat übrigens exakt Eines(!) die Jahrhunderte überdauert und befindet sich heute im Puschkin Museum in Moskau1

Aber nicht zwingend muss unter den Franken das auch noch genauso ausgesehen haben. Viele lateinische Worte hatten bereits ihre Bedeutung verändert oder wurden pars pro toto verwendet. So könnte es grundsätzlich jegliche Arte von Flagge, Banner oder Wimpel bezeichnen können. Aber eine Abbildung eines Vixillum des 11. Jahrhunderts kennen wir gut. Das päpstliche Banner auf dem Mast der Mora, dem Flaggschiff Wilhelm des Eroberers. Ein quadratisches Stück Stoff mit blauem Rand und goldenem, rot gerahmten Kreuz, so aufgehängt das es jeder erkennen kann. Eben wie ein römisches Feldzeichen.  Aber im Gegensatz dazu steht die Abbildung des päpstlichen vexillums auf dem Tricliniumsmosaik im Lateran. Hier wird das vexillum als „einfache“ Fahne dargestellt. Also doch: pars pro toto. Wir können am Namen nicht erkennen wie es tatsächlich aussah.

Grafische Iddee des vexillum s. martini. Die Farbgestaltung nimmt die farben späterer Banner, wie des Oriflamme und der des französischen Königsbanners auf (Für größeres Bild klicken)

Nun tendiere ich aber persönlich tatsächlich dazu das das  Vexillum S. Martini, da es von jedem erkannt werden sollte und auch entsprechend kostbar war,   ebenso in die Schlacht getragen wurde: gut erkennbar über den Köpfen aller, ohne es dabei großartig hin und her zu schwenken, wie es etwa für eine Fahne notwendig wäre um sie erkenntlich zu machen. Eben als Banner oder Standarte. Wobei ich denke das die eigentliche cappa hierbei auf einen Trägerstoff appliziert war. 

Dies würde auch der Handhabe von heutigen Kirchenbannern entsprechen, von denen ich in meiner Laufbahn als Ministrant einige bei Prozessionen schleppen durfte.


Zusätzliches Gedankenspiel:
Gedanklich ratterte es in mir , aber um dies fix zu machen fehlen zu viele Hintergründe und zu viel Theorie steckt hier drin. Daher gesondert als Denkanstoß oder Gedankenspiel.

Bei der Frage nach dem Aussehen des Vexillums stellte ich mir die Frage wie den nun der Stab, oder eher die Lanze aussah an dem das Vexillum hing.

Dabei musste ich an Oriflamme, Montjoie  und die heilige Lanze denken.2

Nun werden sowohl Oriflamme, als auch Montjoie als Banner Karls des Großen beschrieben, jedoch ohne dafür einen Beweis zu haben. Grundsätzlich beginnt das alles erst mit dem Rolandslied aus dem 11./12. Jahrhundert. Einzig zeitgenössisch in den Quellen für Franken und frühe Karolinger ist das Vexillum S. Martini. Und über das wissen wir auch nicht viel. Eine angeblich graublau Färbung rührt nur aus dem Umstand das man in irgendeiner Weise die blaue Grundfarbe der Flagge der französischen Könige begründen wollte.

Was spräche also dagegen das Oriflamme, Montjoie und das vexillum S. Martini (Chape de Saint  Martin) ein und das Selbe sind? Vielleicht sind ja die angeblichen gelben Aplikationen auf der Oriflamme die wiederverwendeten Muster eines Damastgewebes aus des Vixillum?

Und war es nicht Heinrich I. der die Heilige Lanze einst von dem Welfen  Rudolph von Burgund erworben hatte? War nicht Hugo Abbas, Abt von St. Martin in Tours , ebenfalls Welfe? War die Heilige Lanze vielleicht die Fahnenstange zum vexillum s martini?

Ok, ich gebs zu. Das ist jetzt super holprig und eher eine Spinnerei die in eine der History Channel Dokus auf Phoenix oder sonst wo gehört.

Aber im Prinip finde ich den Gedanken dennoch interessant. Da die Flügellanzenspitze der heiligen Lanze niemals zum Kämpfen genutzt wurde könnte sie ursprünglich als Spitze eines Banners genutzt worden sein. Aber dazu Wiener Heiligen Lanze gibts dann auch den nächsten Post.

  1. Bild, WikiComons: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vexilla?uselang=de#/media/File:Vexillum-Pushkin_Museum_of_Fine_Arts.png []
  2. Zu den Sachen hatte ich hier geschrieben. http://www.tribur.de/blog/2012/04/17/das-ende-der-fahnenstange-flaggen-banner-wimpel/ http://www.tribur.de/blog/2012/04/19/lanzen-als-herrschaftszeichen-im-bezug-zu-oriflamme/  []

Eigentümliche Fibelabbildungen auf Herrscherbildern der Karolingerzeit

Scheibenfiebeln sind im gesamten Frühmittelalter nichts ungewöhnliches.  Wir kennen wunderbare große Modelle aus Gold und Almandin aus der Merowingerzeit, wir kennen wunderbare Kreuzfibeln, Scheibenfibeln  mit Emaileinlage  aus der Karolingerzeit und Salierzeit usw. Und dennoch wurde mir kürzlich eine interessante Frage gestellt:

In karolingischen Abbildungen sieht man oft Mantelträger, deren Mantel mit einer großen, seltsamen Fibel geschlossen ist. Was ist das für eine Fibel?

Die Antwort ist doch leicht! Das ist eine… Das ist… Ähh…

Bevor ich versuche eine Antwort zu bekommen schauen wir uns zunächst einmal die Handschriften an in denen eine solche Fibel erkennbar ist.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit, werde ich nur einige der Abbildungen direkt anführen, bzw. bebildern. Der Stuttgarter Psalter, wohl eine der bekanntesten Handschriften zeigt bisweilen Fibeln an den Mänteln. Da  die Zeichnungen zwar ausführlich, aber nicht detailreich sind (Fibeln erscheinen nur als kreisförmige Gebilde ohne weitere Details) lässt es sich schwer sagen ob hier einfache Scheibenfibeln oder größere, aufwendigere Modelle dargestellt sind, auf deren Suche ich mich ja befinde.

Fibel2
Fibelkonstrukt Lothars aus dem Lotharpsalter (klick mich)

Die Herrscherdarstellung des Codex Aureaus von St. Emmeram (ca.870Reims) zeigt Karl den Kahlen auf dem Thron sitzend. Auf seiner rechten Schulter ist ein Objekt, welches als Fibel identifiziert werden darf. Bei dieser Darstellung gibt es jedoch Auffälligkeiten die darauf hinweisen das es sich nicht um eine „profane“ Scheibenfibel handelt. Dieselbe Auffälligkeit findet sich auch im Psalter Lothars (Tours ca. 850).

In beiden Darstellungen steht die Fibel von der Schulter ab. Im Falle des Lothar Psalters erscheint es sogar als wäre der Mantel mit einer Dreiknopffibel der Völkerwanderungszeit geschlossen, deren Knöpfe jedoch nach oben zeigen entgegen der üblichen tragweise nach unten, während im Codex Aureus von St. Emmeram am Ende des Bügels etwas wie ein Vierpass zu erkennen ist.

fibel1
(Klick mich)

Erkennbar ist diese Art der Fibel auch in der Bibel von St. Paul vor den Mauern (Tours ca. 870). Hier ist fol CCCXXIV Karl der Kahle abgebildet, dessen Mantel mit einer kreisrunden Fibel geschlossen wird, aber wieder drei Finger nach oben abstehen und die nach unten rechteckig ausläuft. Mein erster Gedanke es könne sich um kunstvoll nach oben gedrehte Mantelteile handeln, die mit einem Band umwickelt wurden auf das dann die Fibel gesteckt wurde, musst ich nach einer genauen Prüfung von Drucken mit dem Fadenzähler fallen lassen (siehe Bild ).

Ebenfalls in der Bibel von St. Paul vor den Mauern ( fol. CCCXXXIV)findet sich eine Abbildung König Salomons. Hier ist ein rechteckiges Gebilde als Schließe erkennbar, das recht sicher als Gleicharmfibel identifiziert werden darf.

Das Lothar Evangeliar (ca. 850 Tours) zeigt den Herrscher, gerahmt von Creti und Pleti, mit einer scheibenförmigen Schließe auf der rechten Schulter, aus der zwei goldenen Bänder herab hängen.

In gleicher Art ist auch die Fibel in der Herrscherdartstellung Karls des Kahlen in der Vivian Bibel (ca. 845 Tours)dargestellt. Eine Verzierte Scheibe auf goldenen Bändern.

Im Sakramentar Karls des Kahlen (ca. 870 Tours) ist wieder der Herrscher mit einer scheibenförmigen Fibel dargestellt die den Mantel schließt. Sie erscheint zwar größer als die einer einfachen Scheibenfibel, aber auch nicht sonderlich dominant groß oder prunkvoll (Vergleiche hier die Darstellung der Riemenzunge zur Fibel).

Fassen wir also zusammen: Große (Prunk-)Fibeln finden sich auf Herrscherdarstellungen. Es scheint 2 dominante Typen zu geben:

  1. Eine Form der Bügelfibel im weitesten Sinn, die auf Grund ihrer Verzierung von mir zuerst der Begriff „asymetrische Gleicharmfibel“ in den Sinn kam( lassen wir mal  Salomon außen vor). Diese erscheint lediglich  im Psalter Lothars, Codex Aureus von St. Emmeram.  Aber auch in der Bibel von St. Paul vor den Mauern.  Auf diese Fiebeln muss  genauer eingegangen werden muss
  2. Große Scheibenfibeln.  Sichtbar in Handschriften unterschiedlichster Herkunft

Während sich groß, bzw. größere Scheibenfibeln (Durchmesser >4cm )  recht leicht als byzantinische Importe, oder etwa byzantinisch inspirierte Werke angesehen werden können1, verhält es sich mit erstgenannten Fibel anders.

Versuch die betreffenden Fibeln bildichdarzustellen
Versuch die betreffenden Fibeln bildlich darzustellen

Vom Grundaufbau sollte es sich zunächst um Bügelfibeln im weitesten Sinne handeln.  Doch allein schon mit dieser Begrifflichkeit verzettele ich mich in Wiedersprüche, denn die Bügelfibel war Bestandteil der Frauentracht und kam zudem im 7. Jahrhundert auf dem Kontinent aus der Mode.  Unsere Abbildungen stammen jedoch aus der aus der Mitte des 9. Jahrhunderts! Eine Zeit in der lediglich die gleicharmige Bügelfibel noch auftritt, aber im Fränkischen Reich auch nur noch in Nordhessen, den Küstengebieten und Ostsachsen.2

Ein anderer Ansatz ist nun die Herkunft der Abbildungen und ihren Hintergrund zu erfragen.  So  stammen alle drei Abbildungen aus den Werkstätten der Hofschule, bzw. deren Nachfolge nach der Zerstörung von St. Martin Tours durch die Nordmänner.  Trotz umfangreicher Suche konnte ich diese Fibeldarstellung auch nur bei den Brüdern Lothar I. und Karl dem Kahlen feststellen.  Bei anderen karolingischen Herrschen waren nur Scheibenfibeln zu erkennen, dies gilt sowohl für illuminierte Handschriften, als auch für Siegel und Münzen.

Am ehesten ähnelt das Objekt auf Lothars Schulter einer angelsächsischen Breitkopffibel. Doch auch die wurden in aller Regel von Frauen getragen und waren längst aus der Mode. Auch kann es sich nicht um ein englisches „Erbstück von der Oma“ handeln, da noch keine engeren Verwandtschaften nach England bestehen.  Und doch könnte dies einen entscheidenenden Hinweis geben! Denn tatsächlich gibt es im Norden, vorallem in Skandinavien noch die Nutzung von Bügelfibeln, den sogenannten disc-on-bow brooches bis etwa 10503.

Aber fassen wir bis hier noch einmal zusammen:  Die Brüder Lothar I. und Karl der Kahle, lassen sich in der Zeit von 840-8704 von Mitgliedern der Hofschule bzw. deren Nachfolge mit Fibeln abbilden, die aus der Zeit geschlagen zu scheinen.
Beide müssen etwas gemein haben, das sie von ihrem dritten Bruder Ludwig dem Deutschen unterscheidet. Etwas das so einschneidend ist das man auf repräsentativen Darstellungen nicht etwa byzantinische Scheibenfibeln mit Pendilien trägt, sondern eben Fibeln deren Art, die für den Kontinent eigentlich als veraltet gelten.

Theorie: Hier könnte das Schlüsselwort tatsächlich Skandinavien, bzw. Wikinger oder Nordmänner sein.
Ab den späten 830 Jahren wird Westfranken und Lothars Mittelreich wiederholt das Ziel schwerer Einfälle der Nordmannen, während das Ostreich nur am Rande betroffen ist. Dorestadt wird mehrfach geplündert und 863 zerstört, Paris 845 schwer in Leidenschaft gezogen, Rouen 855 geplündert und vor allem wird die Hofschule in St. Martin in Tours 853 zerstört.

Button-on-bow broochaus Gotland 10. Jahrhundert. Bild: cc-by-sa Mary Harrsch Flickr: https://www.flickr.com/photos/mharrsch/21179163629/in/photolist-ygwKtB
Button-on-bow brooch aus Gotland  ca.10. Jahrhundert. Bild: cc-by-sa Mary Harrsch Flickr: https://www.flickr.com/photos/mharrsch/21179163629/in/photolist-ygwKtB

Mir erscheint es zur Zeit so als wurden die beiden Herrscher zu einer Zeit der Wikinigereinfälle entweder mit Beutestücken dargestellt um sich als Sieger über die Feinde aus dem Norden darzustellen ( Vergleiche hier Arnulf von Kärnten und die Ausstellung erbeuteter Banner der Nordmänner in St. Emmeram in Regensburg ) , oder aber die Mönche, die die Abbildungen fertigten, fügten diese als kleine Spitze ein um den Herren zu mahnen aktiv gegen die Feinde vorzugehen.

Das nun ausgerechnet die ach so „männlichen“ Wikinger mit einer Frauenfibel herum gelaufen sein sollen, ließe sich auch mit dem Beinamen der oben abgebildeten Fibel begründen.  Diese oben abgebildete Fibel wird mit  Brisingamen gleichgesetzt. Dabei handelt es sich um ein mythisches, von Zwergen geschmiedetes Kleinod , welches in aller  Regel auch als „Halsschmuck“ bezeichnet wird. Auch im Beowulf taucht ein Schmuck namens Brosinga mene auf, den  König Ermanrich am Ende besitzt.  Sollten nun solche Fibeln mit dem Brisingamen Freyas gleichgesetzt gewesen sein, ließen sich diese als Abschiedsgeschenk der  daheim gebliebenen Frauen erklären , denn Freya war es die die die Hälfte der in der  Schlacht gefallenen Krieger beanspruchen darf und wird auch mit Bifrost in Verbindung gebracht.

Aber auch byzantinische Anleihen des Schmuckes halte ich dennoch nicht ausgeschlossen, auch wenn ich für die Fibeln keinerlei byzantinisches Vorbild fand , denn der Hof Karls des Kahlen galt als Zentrum der Byzantintisierung. Es wird berichtet das Karl sich 869 als novus constantinus ausriefen lies und in Ponthion graecisco more paratus et coronatus – nach griechischer Art gekleidet und gekrönt auftrat.5

Dies ist nur eine Theorie! Ich bitte das zu beachten und würde mich freuen wenn jemand andere Theorien hat. Ich bin definitiv für alles offen und auch letztendlich nicht ganz zufrieden mit meiner eigenen Begründung. 

  1. vergleiche hierzu auch Mechthild Schulze-Dörrlamm  „Eine goldene, byzantische Senkschmelzfibel mit dem Bild der Maria Orans aus dem 9. Jahrhundert- Entstehung und Deutung karolingischer Heiligenfibeln“ []
  2. Fibel und Fibeltracht S. 178 []
  3. letzte Funde aus Gotland, verschwinden  der disc on bow brooch mit der Christianisierung []
  4. Bevor jetzt einer mault: Natürlich ist Lothar bereits 855 gestorben… []
  5. Ute Schwab , Die vielen Kleider der Passion in Theodisca S.323 []

Gedanken zur Kaiserkrönung Karls des Großen

Kürzlich las ich einen Artikel zur Kaiserkrönung Karls des Großen der mir zu denken gab und der in seiner Konsequenz Nachhall bis zum Investiturstreit gefunden haben könnte. Es war ein wissenschaftliches PDF das ich nun leider nicht mehr finde, sich aber ähnlich in einigen Presseartikeln zum Karlsjahr wiederfand.

Rufen wir uns zunächst einmal in Erinnerung was Einhard zur Kaiserkrönung schrieb:

Damals erhielt er den Titel ‚Kaiser und Augustus‘. Das war ihm zuerst so zuwider, dass er versicherte: Er hätte an jenem Tage, obgleich es ein hohes Fest war, die Kirche nicht betreten, wenn er zuvor um die Absicht des Papstes hätte wissen können.

"Ups, wo kommt den die Krone her?"
„Ups, wo kommt den die Krone her?“

Auf den ersten Blick scheint unser Karl ein recht bescheidenes Kerlchen zu sein. Würde einfach so auf eine Kaiserkrönung verzichten…
Doch so einfach ist das nicht. Man stelle sich den Vorgang einmal vor. Karl wird vom Papst zum Weihnachtsgottesdienst eingeladen, da er sich in Rom aufhält. Karl bekommt Wind von der geplanten Krönung und sagt daher ab und zieht es vor statt mit dem Papst, die Weihnachtsmesse mit seinen eigenen Kaplanen vor dem Reisealtar zu feiern.
Oder anders gesagt: Putin lädt Merkel zum Abendessen ein, weil er ihr den Orden Held der russischen Föderation verleihen will, aber Merkel geht lieber zu McDonalds… Es wäre ein Skandal mit ungeahnten politischen Konsequenzen. Und gleiches gilt auch für Karl und sein Verhältnis zum heiligen Stuhl. Aber warum sollte es Karl auf diese Provokation ankommen lassen?

Gehen wir zeitlich noch ein Stück vor die Zeremonie von Weihnachten 800 zurück.
799 gerät Papst Leo III. durch Gegner in Bedrängnis, die ihn zu verstümmeln versuchen. Der Papst flieht ins Frankenreich und kommt in Paderborn unter. 800 zieht Karl dann mit Leo nach Rom um in einer Art Gerichtsverhandlung über Leo III. zu entscheiden dem seine Gegner Ehebruch vorwarfen.

Ich fasse zusammen: Der König und oberste Richter der Franken Karl hält Gericht über den Stellvertreter Gottes auf auf Erden  den Nachfolger Petri und höchsten Richter der Christenheit (Christenheit ist hier als Menschheit zu verstehen). Karl steht somit über dem Papst.
Obwohl der Papst als Gewinner aus dem Prozess hervorging ist er und die Kirche also dennoch in ihrer Bedeutung herabgewürdigt worden.

Er revanchiert sich auf seine Art in dem er Karl zum Kaiser krönt, und zwar so wie es ihme passt! Dadurch stellt er sich wieder über Karl in dem er, der Papst, das fränkische Gottesgnadentum ignoriert wonach Karls Königswürde einzig von Gott gegeben ist und Karl somit zum Kaiser durch die Gnade des Papstes wird.

Selbst wenn Karl und Papst Leo sich bereits zuvor in Paderborn einig gewesen sein sollten über eine Kaiserkrönung (Eine Hand wäscht die Andere!) hätte Karl sehr wahrscheinlich es eher bevorzugt wenn die Römer ihn „spontan“ zum Kaiser ausgerufen hätten, oder er nach einer Schlacht zum Kaiser ausgerufen worden wäre. Ganz im Sinne von „Dieser Sieg kommt durch Gott und somit verleiht mir Gott auch den Titel“.

Es handelt sich also um genau dieselbe Diskrepanz zwischen Vorstellungen wie sie im Investiturstreit zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. ihren Ausdruck findet. Wer steht höher? Der gottgegebene König oder aber der Stellvertreter Gottes? Und welche Rechte und Pflichten gebühren daraus?

Was Karge letztendlich sah

Es war für mich lange Zeit ein Rätsel. Oberst Leutnant Ingeneur Johann Gottfried Karge zeichnete im 18. Jahrhundert eine Karte. Die bereits oft von mir erwähnte „“vue depuis worms juisqu a mayance 1735” die neben einem schönen Ausblick ins Rheintal von Worms bis nach Mainz auch die Truppenstellungen des französisch-polnischen Erbfolgekrieges 1735 darstellte. Das sie nicht 1735 gezeichnet wurde sondern später hat sich mir mittlerweile erschlossen.

karge

 

Karge zeigt auf seiner Ansicht eben jenes Bild der Laurentiuskirche bei dem ich lange rätselte was sich nun dort eigentlich darstellt. Ein großer Turm zur rechten, Ruinen zur Linken. Sehr verwirrend. Bis mir die Eingebung kam. Karge hatte sein Bild just im Jahr 1749 gezeichnet, als der Umbau an der Laurentiuskirche begonnen hatte. Er sah tatsächlich eine Teilruine. Genau aus diesem Jahr ist ein Brief des Baumeisters Lichtenberg erhalten, in dem dieser Beschreibt was er getan hatte.

Lichtenstein hatte vom Westbau die Dächer abgenommen, die Seitenschiffe niedergelegt und begonnen das Langhaus abzutragen. Er zögerte aber das Langhaus in Gänze abzureißen, den über der Baustelle erhob sich der  1711 neu errichtete Turm, der auch noch heute steht und Lichtenberg hatte bedenken das wenn er das  Langhaus niederzulegen würde,  der Turm umstürzen würde, denn im Turm zeichneten sich Risse ab. Zudem plagten ihn Geldmangel was ihn kurz darauf zur Umplanung zwang.

Es muss ein eigenartiger Anblick gewesen sein. Ein fast separater Turm, dabene ein Querhaus mit Chor fast ohne Anbindung. Ähnlich muss es auch Karge ergangen sein. Wahrscheinlich fertigte er Vorzeichnungen der Landmarken an, bevor er die Ansicht ins Reine zeichnete.  Irgendwann in diesem Prozess bemerkte er, das das was er da gesehen hatte so im Normallfall nicht stimmen kann. Hatte er sich verzeichnet? Karge hatte auch schon eine Kirche gebaut, ihm war also bekannt wie ein solche in der Regel auszusehen hatte. Also zeichnete er was ihm mehr Sinn machte. Er dachte die Kirche sähe zur Zeit so aus:

Karge Ansich2

 

Tatsächlich aber muss er etwas gesehen haben, das mehr diesem hier ähnelte:

Karge Ansich

 

Die Bilder entstanden im Rahmen meiner Rendertätigkeiten zum Laurentiuskirchenfilm und haben im Grunde den Zweck zu erläutern wie die Chorrekonstruktion entstand. Ich habe aber für mich noch einmal die Chance genutzt um Karges Ansicht nachzuempfinden und hier noch einmal deutlich zu machen.

Mehr zu St. Stephan im Bezug zur Treburer Laurentiuskirche

Das Wochenende nutzte ich ein wenig um mich in die Literatur zu St. Stephan einzulesen. Leider ist archäologisch auch hier nicht viel getan worden. Bei Sanierungsarbeiten wurde mehr schlecht als recht einmal im Kirchenraum gegraben und dabei zwei Mauern aufgedeckt von denen man annahm sie gehörten zum ottonischen Ursprungsbau. Kurz danach wurde aber verlautbart sie seien römisch.  Einiger Bauschmuck der Kirche wurde gefunden, diese Funden lassen aber keine Rückschlüsse auf das eigentlich Aussehen zu. Zumindest wird er als sächsisch inspiriert angesehen, was als Hinweis auf Willigis Heimat in Sachsen angesehen wird. Ist also sehr viel Spekulation dabei.

Dieser Mangel an Information zeigt sich bereits bei  dem Westturm von St. Stephan. Wie in Trebur ist es nicht klar ob Alt-St. Stephan einen Westurm besaß, wie es heute der Fall ist. Der Turm von St. Laurentius  in Ahrweiler vom Ende des 13. Jahrhunderts könnte Pate gestanden haben für die noch heute existierende Turmananlage von St. Stephan.

Interessant sind dennoch die Informationen über das Westquerhaus., auf dem der heutige Turm aufsitzt.  Hierzu schreibt Ernst Coester:

Es handelt sich um den in den im Abschnitt über die Baunachrichten genannten „Eingangsbau mit , der nach Westen zu liegt“, und durch den, wie es in der Quelle heißt , „An Bittatgen Chor und Volk in Prozession einzuziehen pflegen“. In der Deutung des Ausdrucks Eingangsbau (porticus) hat sich in der Meinung von Klingenschmitt und Wilhelm-Kästner durchgesetzt, die ausgehend von der Ostanlage des Mainzer Doms und der Westanlage des Essener Münsters eine Anlage mit zwei zu Seiten des Westchores in die Seitenschiffe führende Eingänge für möglich halten.  (Ernst Coester, Baugeschichte und Künstlerische Stellung der St. Stephanskirche  S.413)

Da der Mauerrest der vor der Treburer Laurentiuskirche auf ein mögliche Planänderung des Baus hinweist, also das eigentliche Westchorjoch nicht ausgeführt wurde, finden sich bereits starke parallen von Trebur zu St. Stephan.  Die Türen im Treburer Westbau die jedoch im Befund nachgewiesen sind und sich noch heute vermauert unter dem Putz befinden führen von Nord und Süd in die Seitenschiffe des Westquerhauses. Ähnlich wie für St. Stephan angenommen. Das diese dort von Westen in das Gebäude führen ist höchst wahrscheinlich auf die veränderten Veränderten Größenverhältnisse von Trebur zu St. Stephan zurückzuführen. Während St. Steühan mehr als 60m lang ist, sind es in Trebur nur gute 25m.

Ich hatte bereits früher eine Involvierung des Willigis in den Umbau der Treburer Laurentiuskirche nicht ausgeschlossen. Die Begründung en hierfür sind simpel. Williges war zu Zeiten der Unmündigkeit Ottos III.  und nach dem Tode Teophanus 991 faktischer Regent des Reiches. Er musste also auch Sorge für die Pfalzen tragen. Diese Aufgabe teilte er mitunter mit Mathilde von Quedlinburg. Bis zu ihrem Tode war Mathilde im Besitz von Trebur, welches sie von Kaiserin Adelheid geschenkt bekam. In den Regionen in denen Adelheid keinen direkten Zugriff auf ihre Besitzungen hatte, wie dies im Oberrheingau der Fall war, übernahm Willigis für sie die Verwaltung.

Auch nach dem Heinrich IV. im Zusammenspiel mit Willigis in Mainz zum König gekrönt wurde war Willigis immer noch bis zu seinem Tode 1011 ein entscheidender Machtfaktor auf den Heinrich IV. angewiesen war. Willigis hätte also genug Möglichkeiten gehabt um in ein Treburer Baugeschehen planend einzugreifen.

Letztendlich machte die Entdeckung der Grundrissparallen es aber wahrscheinlicher das der ottonische Umbau der Laurentiuskirche Trebur bereits kurz nach dem Bau von St. Stephan (ca.990-992) stattfand. Ein Hinweis darauf könnte auch im Besuch Ottos III. liegen, der Trebur gemeinsam mit Herzog Boleslaw von Polen  zwischen dem 21. und 23. März des Jahres 1000 besuchte und hier im Gefolge von 300 Panzerreitern rastet. Es scheint als habe die Kirche hier bereits gestanden.

St. Stephan – das Mainzer Gegenstück zu St. Laurentius

Es war wieder einer dieser Zufälle der mich gestern Abend, während mein Rechner bereits 24 Stunden n einer Renderorgie schwelgte, eine Entdeckung machen lies.

St. Stephan in Mainz ist heute hauptsächlich durch seine blau leuchtenden Chagall-Fenster bekannt. Vielleicht noch das es sich um die älteste gotische Hallenkirch am Mittelrhein handelt oder vielleicht das der Erzbischof Willigis hier beigesetzt wurde.

Die Kirche selbst wurde, wie auch der Mainzer Dom, von Willigis erbaut. Möglicherweise mit Unterstützung bzw. auf Einwirkung Kaiserin Theophanus. Ersterwähnt wird Kirche und Stift erstmals 992. Ab 1275 wird die Kirche neu als gotische Hallenkirche aufgebaut.
Was ich bei meiner früheren Suche nach Kirchen mit Einwirkung Willigis nicht bedachte war der Fakt das auch die gotische Kirche den Grundrissen des Willigis Baus folgt. So hatte ich die Kirche links liegen gelassen.

Doch das ändert sich nun.
Von der Aufgehenden Bausubstanz ist keine ottonische erhalten, bzw. bekannt. Der Grundriss verrät aber eine dreischiffige Basilika, mit Querhaus und zusätzlichem Westquerhaus, das nicht über die breite der Seitenschiffe hinausreicht. Ebenso besaß die Kirche zwei Chöre.
Die Internetseite zur „virtuellen St. Stephans Kirche“ (Link am Ende) schreibt dazu:

Vermutlich handelte es sich um eine frühromanische Anlage mit einem dreischiffigen Querhaus, zwei Chören und zwei Querschiffen, deren Formensprache sowohl Merkmale aus Willigis‘ sächsischer Heimat als auch der am Rhein vorherrschenden antikisierenden karolingischen Überlieferung aufgegriffen hat.

Und warum fasziniert mich das so? Die Lösung bietet ein Bild. Ich habe darin ein Skizze von St. Stephan der Treburer Laurentiuskirche gegenüber gestellt. (Nicht Maßstabsgerecht!)
Ststephan

 

Beide Kirchen ähneln sich auf fast unnatürliche Weise! Sogar der Mauerrest vor dem westlichen Querhaus macht im Vergleich mit St. Stephan Sinn!  Der Hauptsächliche Unterschied liegt im Querhaus. Während es in der Laurentiuskirche nach nach frühchristlichem Vorbild durchgeschoben ist und auf den karolingischen Ursprungsbau verweist,  haben wir bei bei St. Stephan eine ausgeschiedene Vierung mit Bezügen zum quadratischen Schematismus. Oder um es einfach zu sagen: typisch ottonisch!

Wenn also die Regensburker Alte Kapelle und die Frankfurter Salvatorbasilika die karolingischen Geschwister der karolingischen Basilika von Trebur sind , ist St Stephan das ottonische Gegenstück!

Hier nun noch die Seite zur virtuellen St. Stephanskirche (Link führt auf die Seite mit dem Grundriss!)

Ein Knoten sie alle zu binden

Ein Gedanke der mich bei der Konstruktion eines karolingischen Schwertgurtes verfolgt, ist der Gedanke das dieser sich in irgendeiner Art und Weise in die Reihe der merowingischen Spatha Garnituren hin zum bekannten hochmittelalterlischen Schwertgurt wie wir ihn unter Anderem vom Naumburger Meister oder vom Schwert von Ferdinand de la Cerda kennen einfügt.

Schon hier tut sich aber ein Problem auf. Wir kennen Theorien von Spathagurten, zuletzt von Lars Lüppes aka Hakun Risti (Abbildungen jetzt hier) und die Oben genannten Beispiele, jedoch nichts (oder nur wenig) über die Zeit dazwischen.

Einziges verbindendes Element sind Knoten.

Ganz ähnliche Gedanken scheinen auch aus dem Bereich Ottonik, Salier und Normannen zu kommen.Ich zitiere hier aus dem Nahkampf Kitguide Gerald Uhls für das Franko Flämische Kontingent S.15 (online):

An den gefundenen Schwertscheiden konnten keine metallischen Fixierungen gefunden werden, was auf ein Befestigungsprinzip wie bei hochmittelalterlichen Schwertgurten schließen lässt. Nur waren die Verschnürungen noch nicht in dieser Komplexität vorhanden was uns wiederum die Darstellungen zeigen.

Ich möchte daher eine mögliche Entwicklungsgeschichte des Schwertgurtes durchexerzieren.

Die Merowingerzeit kannte den Schwerthurt mit Knoten und Schleppgurt. In der Karolingerzeit wurde das Reiten in militärischer Situation bedeutend. Der lange Schleppgurt war eher hinderlich. Er rutschte nach oben, behielt aber eine ähnliche Formensprache bei auch wenn diese nicht nötig wäre. Das Ende der Karolingerzeit und der Beginn der Ungarneinfälle war auch das Ende für diesen Schwertgurt. Die Punkte für die Gurtbefestigung standen schon in der Karolingerzeit fest als man das die Gurte vereinfachte: ein oben liegender Riemen zur Schnalle ein tiefer liegender Riemen zur Zunge.  Erst im Hochmittelalter findet man einen Weg dies Konstruktion wieder durch komplecere Schnürungen  zu verzieren.

Auch die Art der Befestigung lässt sich durchaus logisch erklären. Aus dem Fundgut sind keine keinerlei Nieten, Nägel oder Ähnliches zur Befestigung bekannt. Es bleiben also nur Knoten oder Nähte. Auch die Aufwendigen Beschläge der Karolingerzeit verfügen nicht über Nieten die sich direkt am Beschlag befinden. Die Nieten die zum Teil Verwendung finden, sind lediglich durch den Beschlag gesteckt ansonsten sind angegossene Ösen in Benutzung. Dies ermöglichte den Wechsel des Riemens, dessen Leder bei normaler Nutzung sicherlich schneller verschliss als  die Scheide, ohne dabei an den Beschlägen an Material zu verlieren.  Auch bei einem Bruch der Scheide könnte bei einer Knotenbefestigung der Riemen effizienter gewechselt und an eine neue Scheide angebracht werden.  Eine Ausnahme an der Befestigung scheinen die Beschläge von Stara Kourim zu bilden. Ihre Befestigung scheint tatsächlich nur aus fest an das Kleeblatt angebrachten Nieten zu bestehen.  Da mitunter von einem awarischen Einfluss in der Verzierung die Rede ist müsste man diese Beschläge daher als „Plagiat“ bezeichnen. Der Versuch die karolingischen Versionen zu imitieren ohne deren Vorzüge zu erreichen.

Der Weg zum Wehrgehänge

Wenn ich mich erneut mit dem karolingischen Wehrgehänge auseinandersetzen will, so habe ich mir überlegt das es wenig sinnvoll ist einfach nur herum zu probieren. Vielmehr sind einige Dinge zu beachten und zu erörtern um zu einem realistischen Ergebnis zu kommen.

Ich habe mir daher an dieser Stelle eine Liste erstellt, die ich versuche so gut wie möglich abzuarbeiten.

1. Existierte das karolingische Wehrgehänge als solches überhaupt? Diese Frage erscheint auf den ersten Blick etwas seltsam, dennoch gibt es einige Wissenschaftler die vermuten , das das Wehrgehänge mit (Kleeblatt-)Riemenverteiler gar nicht als Schwertgurt genutzt wurde, sondern lediglich zu Repräsentationszwecken in der Hand getragen wurde. Demnach wäre ein praktikabel tragbare Lösung gar nicht möglich. Die Idee beruht (stark vereinfacht)  auf der Sichtbarkeit der Kleeblätter in Abbildungen wie in der Vivian Bibel und der Annahmen wenn denn die Helme gar nicht existieren sollten, warum sollten es dann die Schwertgurte tun, zudem sieht man diese nur bei in der Hand gehaltenen schwerter, nicht jedoch bei umgürteten Schwertern.
Diese Frage halte ich für einfach zu beantworten und tue es daher gleich. Die Anzahl der Funde, auch wenn diese auf den ersten Blick nicht hoch erscheinen mögen, sprechen gegen ein exklusives Repräsentationsteil das bei Hofe getragen wurde. Zu dem fanden sich auch einfache Kleeblattfibeln die sich klar als Gebrauchsgegenstände ausweisen. Dies spricht für ihre tatsächliche Nutzung.

2. Ist das Wehrgehänge mit (Kleeblatt-)Riemenverteiler eine originär karolingische Erfindung im Sinne einer Weiterentwicklung  aus dem merowingischen Spathagurt oder fand eine Beeinflussung von Außerhalb statt?
Auch diese Frage erscheint vielleicht profan. Vielleicht kann sie aber Hinweise auf die Konstruktion geben. Das merowingische Wehrgänge könnte durch äußere Beeinflussung, etwa durch Kontakte mit Mauren und Awaren „mutiert“ sein zu dem was wir heute suchen. Diese Idee verfolgt mich sein einigen Jahren, seit dem ich diese sassanidischen Schwertgurtrekonstruktion sah.

3. Genaue Betrachtung der einzelnen Bauteile und deren Beschaffenheit.
Die Bauteile des Schwertgurtes erscheinen den meisten recht gleich. Kleblatt, zwei Beschläge fertig. So einfach ist das allerdings nicht, denn es es fanden nicht nur Kleeblätter Verwendung. Es gibt auch rechteckige Beschläge mit die Riemendürchzüge in drei Richtungen auf der Rückseite aufweisen, auch T-förmige Riemenverteile gibt es. Es gibt Beschläge die gebogen sind um sich dem Verlauf einer Scheide anzupassen, Beschläge mit Durchzügen und/oder mit Nieten, mit Ausbuchtungen um Riemen zurückzuführen, mehr als zwei Beschläge usw.

Erst wenn diese Liste, also die Punkte 2 und 3 abgearbeitet sind, werde ich beginnen etwas zu improvisieren und auf Tragekomfort und Tragbarkeit prüfen.

Kapellen und der Theobald

Bum durchstöbern von des Buches „Die ottonische Stadt“ fiel mir eine Vielzahl von Kapellen auf, die sich mitunter in der ottonischen Stadt befinden konnten. So nennt Herzog Kapellen auf oder neben den Toren in den Immunitätsbezirk und nennt dazu u.a. Martinskapellen in Osnarbrück und Eichstätt, eine Laurentiuskapelle der Hablerstädter Domburg, aber auch eine Martinskapelle neben dem Osttor der Pfalz Goslar, die mir bisher unbekannt war.
Ebenso weist er auch auf Sitze der Kanoniker innerhalb dies Immunitätsbezirkes hin, deren Gebäude aller wohl mit einer Kapelle in der ein oder anderen Form ausgestattet waren, ebenso wie zahlreiche Adelssitze im Umfeld mit Kapellen.
Ganz zu schweigen von dem umgebenden Kirchenkranz aus Klöstern und etwaigen Marktkirchen.

Nun gibt es ja in Trebur immer noch das Gerücht einer weiteren Kapelle. Einer Theobaldskapelle. Einziger Haken an der Sache: Es gibt keinen Beweis einer solchen Kapelle, einzig ein Theobaldsfeld weist darauf hind, das heute überbaut und von der Theobaldsstraße durchzogen wurde. Der westliche Grabenabschnitt der das Dorf umgab wurde danach Theobaldsgraben genannt. Der Rheinische Antiquarius hingegen erwähnte einen anderen Namen der sich aber exakt auf Theobald bezieht:

Desgleichen findet man auch noch Kennzeichen von vier allda gestandenen Kirchen, als von St.Albani, St.Maria, dabey jetzt die St.Ewaldschule steht, und nach Rüsselsheim zu von St.Ewaldsfeld, imgleichen von der St.Laurenzkirche.

Die Schule hieß aber nie St. Ewaldsschule, nicht mal so ähnlich, sondern war immer nur die Knabenschule. Meiner Auffassung nach hatte der Autor mit dem lokalen Dialekt zu kämpfen und machte aus Theobald einen Ewald, was bei der hiesigen Neigung aus einem „b“ ein „w“ zu machen nicht schwer fällt.

Ich versuchte daher noch einmal alle Möglichkeiten für eine Theobaldskapelle durch zu spielen um zu erfahren ob diese ominöse Kapelle in einem Zusammenhang mit der ottonischen Stadtbildung in Zusammenhang steht. Mein Gedanken gingen dabei von Marktkirche bis zur Kapelle eines Adelshofes, ich konnte jedoch keinerlei Kontext bilden. Dies veranlasste mich dazu die potentielle Weihe zu überprüfen, also St. Theobald und St. Ewald.
Heilige Theobalde die grob passen könnten sind dabei Ubald von Gubbio (+1160), Thibaut von Provins (+1066), Thibaut von Vaux-de-Cernay (+1247) und Thibaud von Vienne (+1001). Sie stammten aus Italien (Ubald) oder aus Frankreich. Ihre Verehrung in unserem Teil des Reich hält sich in Grenzen und nur Thibaud von Vienne würde ins Zeitfenster passen.
Als Träger des Namens Ewald kommen nur Ewald der Schwarze und Ewald der Weiße in Frage. Zwei Angelsachsen deren Beinamen von ihrer Haarfarbe her rührt. Sie erlitten um 692 bei der Sachsenmission den Märtyrertod. Sie würden in den Zeitrahmen passen, jedoch beschränkte sich ihre Verehrung auf den Kölner und westfälischen Raum.

Die Prüfung sämtlicher Weihungen der Umgebung anhand von Barbara Demands „Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains“ verlief ebenso Negativ. Es finden und fanden sich keinerlei Ewalds oder Theobalds Weihungen in der Region.
Ich komme daher mehr den je zu dem Schluss das es gar keine Theobaldskapelle gab. Der Name Theobaldsfeld und Theobaldsgraben könnten daher her Verballhornungen eines vollkommen anderen Namens sein, oder aber nur besitzanzeigend sein. D.h. ein Theobald besaß dieses Feld und der Volksmund wies es später dem Heiligen gleichen namens zu.

Nein Danke, Arte!

Eigentlich wollte ich erst einmal nicht mehr über Fernsehsendungen mit Geschichtshintergrund schreiben, aber was am Wochenende lief hat wirklich dem Fass den Boden ausgeschlagen!

20:15 Uhr, Arte. Arte war bisher einer der wenigen Sender meines Vertrauens, hauptsächlich wegen französischer Sendungen.  Für 20:15 Uhr, also die Primetime und als Contra zu Wetten Dass (sieht das überhaupt noch jemand?), strahlte Arte die Dokumentation „Hightech des Mittelalters: Das Wikingerschwert“   (hier die Infos) aus.

Ich weiß nicht wirklich was ich erwartete, vielleicht eine art filmische Umsetzung von Ian Pierce Swords of the Viking Age oder so, aber ich hatte den Fehler gemacht mich nicht vorher zu informieren.

Bei der Sendung handelte es sich um das dubiose Machwerks von NOVA, eine Produktion von WGBH Boston,  mit dem Originaltitel Secrets of the Viking Sword. Es wurde unverblühmt behauptet das Ulfberht Schwert sei das urtypische Wikingerschwert. Zwar kam mal die Kirche wegen des Kreuzes auf den Klingen vor, aber die Franken blieben weitestgehend außen vor.  Für die Autoren der Sendung stand es außer Frage das nur die Wikinger in der Lage gewesen seien Tiegelstahl zu importieren und das für Ulfberht Schwerter Tiegelstahl von Nöten wäre.  Damit bemühten sie Theorien die auf  Alan Williams  in den 1970ern zurückgehen. Und auch der Schwachsinn von wegen „hart und elastisch zugleich“ wurde bemüht. So waren die gezeigten Schwerten nicht etwa schmäler weil die die besseren Stähle eine ergonomischere Bauweise ermöglichten, sondern weil man damit degenartig auf Kettenhemden einpiecksen konnte, so die Doku.

Interessanter Weise bemüht der englische Wikipedia Artikel zu Ulfberht (hier) diesen Schwachsinn und beruft sich dabei eben auf jene furchtbare Dokumentation, während der deutsche Wikipediaeintrag dem um Meilen vorraus ist (hier).

Ich weiß im Moment nicht genau wem ich gerade Vorwürfe machen soll. Arte weil sie diese Schund eingekauft haben? Sie zeigen ihn übrigens losgelöst aus der kompletten Dokureihe. Den US Prodzuzenten die veraltete Theorien und Wiki-Schwertschwinger Klischees pflegen? Oder mir selbst weil ich den Scheiß überhaupt gesehen habe?

Wer sich das Ding ansehen will kann das hier  auf Youtube im Original tun. Ich papps mir nicht rein.