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Odin, Thor und Freyja – Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

„Odin, Thor und Freyja – Skandinavische Kultplätze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich“ ist eine neue Ausstellung des Archäologischen Museums in Frankfurt/Main. Da ich eingeladen war der Eröffnung beizuwohnen konnte ich die Ausstellung bereits am 10.2. in Augenschein nehmen und auch der Eröffnungsfeier im Refektorium des ehemaligen Karmeliterklosters beiwohnen.

Diese begann mit einem  unschönen Programmteil: Prof.  Egon Wamers musste dem zu früh verstorbenen Lars Jørgensen Gedenken, der einer der Mitinitatoren  und dessen Forschungen Grundlage für die Ausstellung war.  Jørgensen war im vergangenen September verstorben.

Weitere Redner waren Arne Friis Petersen, dänischer Botschafter und Schirmherr der Ausstellung, Per Kristian Madsen, Generaldirektor des Dänischen Nationalmuseums Kopenhagen, sowie eine Vertreterin (Der Name ist mir leider entfallen) für Dr. Ina Hartwig , der Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt. Umrahmt wurde die Reden durch die musikalische Untermalung  von Sopranistin Laurie Reviol und Toshinori Ozaki an den Zupfinstrumenten, die thematisch passende Stücke interpretierten und auch Teile aus Beowulf rezitierten.

Die Reden waren, vielleicht bis auf die durch die Vertreterin der Frankfurter Politik, durchweg interessant. Berichteten sie doch u.a. über die Forschung Jørgensens, dessen Ausgrabungen und Forschungen zum Fundplatz Tissø, der die herausragende Grundlage der Ausstellung bildete.
Nach dieser Einführung war für uns die Ausstellung eröffnet, die nun bei „Frankfurter Wein und Käsestangen vom Rewe“, wie es Warmers formulierte, in Augenschein genommen werden durfte.

Als ich dann in der Garderobe meinen Mantel holen wollte um mich zum eigentlichen Museumseingang zu begeben traf ich dann auch das erste bekannte Gesicht in Form von Gawan Dringenberg.

Die Einführung in die Ausstellung beginnt mit einem Blick in die (frühe) Götterwelt im Norden. Ergänzt werden die großflächigen Schautafeln mit einer Vielzahl von meist kleineren Funden, wie Götteramuletten, aber auch silbernem Geschirr das als Opfergabe in Mooren niedergelegt wurde. Diese Funde stammen zum großen Teil aus den Fundplätzen von Hoby und Gudme.

Als Übergang in die Haupträume des Museums dient die begehbare Visualisierung des Kulthauses von Tissø-Fugledegård mit zwei übergroßen Holzidolen und dem fast 2kg schweren Goldreif. Tatsächlich sind es solche Darstellungen, die ich mag. Zum einen lassen diese Visualisierungen in die Welt jener Zeit eintauchen, schaffen aber auf Grund der Wände als Fotoreproduktionen eine nötige Distanz.

Betritt man nun den Hauptraum findet man an der Stirnseite linker Hand eine digitale Rekonstruktion der  großen Halle von Tissø-Fugledegård auf 11m breite. Das Raumerlebnis wird durch eine in den Ausstellungsraum ragende Feuerstelle komplettiert. Somit wird der Verbindundungsbau des Museums zum Kirchenschiff des Karmeliterklosters zur großen Halle von Tissø.

Während sich nun die rechte Seite den Funden aus dem namensgebenden Tissø (Stiersee) findet, darunter eine merowingische Spatha und ein Schwert des 10./11. Jahrhunderts, widmet sich die linke Seite der Festtafel. Hier finden sich neben Banketaxt und Fleischgabeln auch Falknergeschirr und Hundeleinen. Als Vergleiche werden Auschnitte aus dem Teppich von Bayeux genutzt. Auch Vergleiche und Parallelen der Anlagen von Tissø zu fränkischen Königshöfen werden gezogen.

Der Abschnitt über die Beziehungen zu Franken – „Der neue Glauben aus dem Süden“ wird durch die Funde und das Modell des Bootskammergrabes aus Haithabu sowie dem erstmals aus Ingelheim verliehenen Modell der Pfalz Ingelheim gebildet  und befindet sich an dem Platz an dem normalerweise die Funde aus der Pfalz Franconofurd zu sehen sind. Ergänzt wird die gesamte Austellung noch mittels eines Films zu  Ausgrabungen und Fundplatz Tissø, zu dem ich allerdings nichts sagen kann da ich in nicht gesehen habe.

Mit der  Ausstellung ist dem Archäologischen Museum in Frankfurt ein echtes Schmankerl gelungen. Viele der ausgestellten Funde waren noch nie auf deutschen Boden zu sehen, genauso wie viele neue Erkenntnisse zum Fundplatz Tissø präsentiert werden können. Einzig zu kritisieren wäre meiner Ansicht nach mal wieder die Anbringungen der Beschriftungen innerhalb der Vitrinen, da dies Rollifahrern und Sehbehinderten das Lesen der Beschreibungen stark erschwert.

Die Ausstellung ist noch bis 6. Juni  in Frankfurt zu sehen. Eintritt beträgt 7€,  ermäßigt 3,50€. Ein Katalog ist für 17,95 € erhältlich und steht bereits bei mir im Regal. Er enthält alle Texte, sowie Bilder und Informationen  ausgestellter Funde im Katalogteil.
Weitere Informationen, auch Bilder von Funden, hat die Website des Archäologischen Museums Frankfurt

Buchveröffentlichung: Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim

ingelheimWer sich Literatur über die Pfalz Ingelheim zulegen wollte, war bislang auf Einzelveröffentlichung wie „Die Grabungen in der Königspfalz zu Nieder-Ingelheim in den Jahren 1960-1970“, Sammelveröffentlichungen wie Bindings „Deutsche Königspfalzen“ oder schwere Fachliteratur wie „Pfalz und Fiskus Ingelheim“ angewiesen.
Im Karlsjahr 2014 wurde dies mit der Veröffentlichung „Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung“ aus dem Imhofverlag behoben.
Als Herausgeber der im Auftrag der Stadt Ingelheim erschienen Publikation fungiert Forschungsleiter Holger Grewe M.A., der auch die meisten der Beiträge beisteuert.

Das im A4 Format vorliegende 143 Seiten fassende Buch gliedert sich in fünf Abschnitte: Teil I Spurensuche in der Schriftüberlieferung , Teil bildet „Spurensuche in der Kaiserpfalz“ und befasst sich mit Archäologie, Bauskulptur und final mit der Goldmnünze Karls des Großen. Als dritter Teil folgt „Metarmophosen: Palast- Ruine -Denkmal“ und folgt Pfalzanlage bis in die Gegenwart. Als vierter Teil folgt „Entdeckungen: Ausgrabung und Bauforschung“. Hier wird die Wiederentdeckung der Anlage ab dem 16. Jahrhundert und die ersten Ausgrabungen behandelt, wobei die Erwähnung einer Brechstange im zweiten Unterkapitel bereits ahnen lässt wohin der Weg führt.
Der letzte Abschnitt trägt den Titel „Spurensuche in der Gegenwart“. Gerade in diesem Teil weiß mich das Buch zu überzeugen und erläutert Fragen wie etwa warum nicht die Pfalz oder Teile davon wiederaufgebaut wird und wie während Sanierung vorgegangen wird.
Gerade dieser Abschnitt sollte doch von vielen gelesen werden die in einem Denkmalgebiet leben. Aber auch sonst sind diese Beiträge höchst interessant vermitteln sie doch wie sich die Auffassung von Archäologie und Wissensvermittlung geändert haben.

Das Buch ist generell gut zu lesen, auch wenn die Texte dem ungeübten in der Materie hin und wieder ein wenig kompliziert vorkommen könnten, so etwa wenn Caspar Ehlers über einen Hoftag eher beiläufig erwähnt das er unter den Begriffen synodus und auch generalis conventus auftaucht. In der Regel hält man sich jedoch daran Begriffe zu erläutern, so findet sich dann auch hinter „Dreikonchenbau“ der in Klammern gesetzte Einschub mit der Erläuterung was denn überhaupt eine Konche ist.
Viele, auch großformatige, Farbbilder erläutern die dargestellte Materie, auch wenn man wohl die meisten der Bilder bereits kennt wenn man in der Materie ist.

Zwar richtet sich das Buch, wie bereits angedeutet, eher an den interessierten, denn den versierten Leser, ist aber jedem nahe zu legen der sich für die Geschichte und die Architektur der Pfalz Ingelheim interessiert. Zumal man so kompakt die Informationen nicht noch einmal bekommt.

Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung
Holger Grewe (Hg), Michael Imhhof Verlag
ISBN 978-3-7319-0074-0
19,95€
 

Eine Quick-and-Dirty Rekonstruktion der Johanniskirche

Nach meinem Besuch hat mich die Johanniskirche nicht losgelassen, zu unterschiedlich sind die Raumeindrücke im Urzustand und heute. Ich habe daher eine schnelle Reko angefertigt. Sie achtet nicht wirklich auf die Bemaßung und ist nur Pi mal Daumen erstellt, versucht aber sich an die Vorgaben zu halten.
Ich habe mich dabei entschieden auch Krypta und Chorbereich einzufügen. Vorlage war dabei ein Text von Frau Mechthild Schulze-Dörrlamm, die sich hier findet. Schulze-Dörlamm stellt dabei die Frage ob es sich bei der Darstellung auf der Chorschranke aus dem alten Dom nicht um eine Architekturdarstellung des Altarbereichs handelt. Ich habe mich dabei entsprechend an ihre Vorlage gehalten.

Was den Chor angeht so ist man sich (noch) nicht einig wie er aussah. Ich folge hierbei von Winterfeld und Anderen, die den heutigen Chor, der entgegen gotischer Gepflogenheiten in der Region fast quadratisch ist, als Fortführung eines karolingischen Rechteckchores sehen. Die Andere Schiene geht etwa Wegener (1988), der einen Halbkreischor vermutet.

Der Betrachter im Bild steht in der Vorhalle und blickt durch den Bogen in das ca. 13 x 13m große Schiff und weiter zur fast gleichgroßen Vierung in die die Krypta hineinragt. Die Eingänge in die Krypta führen aus dem Querhaus hinunter etwa dort wo die Treppen hinauf führen.  Die Positionierung der Krypta versucht somit Befund der potentiellen Kryptentür und der Idee von Schulze-Dörlamm gerecht zu werden.

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Ein Besuch der Grabungen in der Johanniskirche Mainz

Eigentlich hätte es nur ein kleine Grabung werden sollen als bei der Sanierung im Juni 2013 in der Mainzer Johanniskirche, dem alten Dom, einige Mauerreste auftauchten. 3 Wochen waren angesetzt doch nun gräbt man seit über einem Jahr.

Am vergangenen Wochenende nun konnte ich mich gemeinsam mit Terraplana e.V. über den momentanen Stand der Grabungen informieren. Die Führung übernahm Grabungsleiter Dr. Ronald Knöchlein von der Direktion Landesarchäologie Mainz.

Betritt man im Moment die Jaohanniskirche, gleicht diese mehr einem im Bau befindlichen Schwimmbad. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man vor der knapp 2m tiefen Baugrube im Inneren steht und man kann erahnen was noch alles hier zu tun ist.
Dr. Knöchlein begann seine Ausführungen mit dem Hintergrund zur Johanniskirche. Es ist zu vermuten das sie sich auf dem Areal befinden auf dem in römischer Zeit das Forum lag. Wann hier eine erste Kirche entstand ist ungewiss, sicher aber gab es eine unter Bischof Sidonius im 6. Jahrhunder, wenn auch unklar ist ober eine bestehende Bischofskirche sanierte oder neu erbauen lies. Diese Kathedralkirche, wie der heutige Dom ebenfalls dem fränkischen Staatsheiligen Martin geweiht, war Teil einer Kirchenfamilie die durch eine Marienkirche im Norden (am heutigen Gutenbergplatz gelegen) und einer Taufkirche, deren Position unbekannt ist, kompetiert wurde. Es ist zu vermuten das die Taufkirche Johannes dem Täufer geweiht war. Nachdem der neue Dom dem heiligen Martin geweiht wurde erhielt der alte Dom das Patronizium der Taufkirche. Auch die Marienkirche wurde aufgegeben und durch die Liebfrauenkirche (auch Maria ad gradus, Mariengreden) als Vorkirche des neuen Doms ersetzt.

Die Bauteile die wir heute noch sehen können stammen größtenteils aus der Zeit Bischof Hattos und somit aus dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert. Sie werden als Bau II, bezeichnet während die fränkische Vorgängerkirche als Bau I bezeichnet wird.

Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Der Raumeindruck den die heutige Johanniskirche bis vor kurzem vermittelte war ein Eigenartiger. Ungewöhnlich breit erschien das Kirchenschiff, zu breit für die Höhe. Dabei aber auch wieder zu hoch für die niedrigen, vermauerten Arkaden, die, gedrungen wie sich darstellten einen hochromanischen Eindruck hinterließen. Oder kurz gesagt: irgendwas stimmte hier nicht mit den Dimensionen.
Das da was nicht stimmte war auch schon anderen aufgefallen, weshalb man davon ausging das der ursprüngliche Laufhorizont tiefer liegen musste. Doch das die Pfeiler fast noch einmal so tief in den Boden reichten, wie sie darüber lagen ahnte fast niemand, obwohl Kautsch bereits 1909 von einem 2,65m tiefer liegenden Laufhorizont ausging.

Im Kirchenschiff, gleich links der Vorhalle die ehemals einen Ostchor bildetet, fand sich im Langhaus ein Altarsockel im Boden der in knapp 2m tiefe auf einem Plattenboden aus dem 12./13. Jahrhundert stand. Noch ein kleines Stück darunter war dann an der Wand endlich die Basis der Pfeiler von Bau II. erreicht. Doch auch noch darunter fand sich ein Boden, wohl von Bau I. Man hatte also den ursprünglichen Boden des Hattobaus erreicht. Und ohne die Auffüllungen in der Kirche wirkt nun der Raum vollkommen anders. Die niedrigen Arkaden wachsen nun in ungeahnte Höhen und wirken nun Schlank und filigran.

Auch der Chor brachte Überraschungen. Der gotische Chor war mit Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg verfüllt unter dem man den gotischen Boden fand. Diesem fehlten aber die rechteckigen Sandsteinplatten, die ihn einst bedeckten. Sie hatten jedoch im Mörtel sichtbare Abdrücke hinterlassen. Einer dieser Abdrücke war jedoch besonders. Er zeigte den Abdruck einer mit Flechtwerk verzierten Chorschranke, der zu jener passte die bereits 1906 gefunden worden war. Ein Chorabschluss konnte jedoch bis jetzt nicht gefunden werden. Wie also der Westchor der Kirche aussah muss also zunächst offenbleiben. Die Vermutungen pendeln zwischen halbrunder Apsis und Rechteckchor, wobei viele dem Rechteckchor den Vorzug geben da sich so der eigenwillige gotische Chor erklären ließe.

Unser Weg führte uns nun durch die ehemaligen Seitenschiffe ins Frei und nun wieder in die Kellerräume der Kirche, von wo aus auch die Baugrube zu erreichen ist. Der Weg führte uns in einen kleinen Seitenraum, der ehemals für Öltanks genutzt wurde. Hier konnte man nun die bereits erwähnte karolingische Säulenbasis sehen, die im Gegensatz zur Kirchenschiffseite noch voll plastisch ausgeformt war.

Zwischen Langhauswand und Außenmauer, die ebenfalls auf den Mauern von Hattos Seitenschiffen aufbaut befinden sich die Reste einer weiteren Mauer. Sie ist in ihrer Mauertechnik ähnlich fein säuberlich wie römische Mauern aufgebaut, ihrem Mörtel fehlt jedoch der typische Ziegelklein. Die Mauer ist Bau I des Sindonius zuzuordnen. Direkt an die Mauer angelehnt fand sich eine gemauerte Grabkammer in der einst ein Holzsarg lag. Die hier bestatte Person muss hochgestellt gewesen sein, war jedoch bis auf ein undefinierbares Stück Metall auf dem Oberarm beigabenlos.

Am Eingang in den Kellerbereich findet sich noch ein weiteres Schmankerl. Knapp über dem heutigen Boden befindet sich der Bogen eines Durchganges in der Wand, der in oder unter den Altarraum führen würde. Es wird vermutet das es sich um den Zugang in eine Krypta handelt. Zur Zeit wird hier am Gewände des Durchgangs nach unten gegraben, in der Hoffnung auf die Treppen der Krypta zu stoßen.

Leider vergaß ich Herrn Dr. Knöchlein über die Westung der Kirche zu fragen, denn genau wie der heutige Dom ist auch die Johanniskirche gewestet. Im Regelfall befindet sich die Krypta jedoch unter dem Hauptaltar, was bedeuten würde das auch die Johanniskirche bzw. der alte Dom gewestet gewesen wäre.Dies wiederum würde der Vermutung Willigis habe den neuen Dom gewestet um ihn Alt-St. Peter in Rom ähnlich werden zu lassen. Er hätte ihn also nur gewestet um in der Tradition des Vorgängerbaus zu stehen.

Im Anschluß gingen wir mit Herrn Dr. Knöchlein noch essen, wobei mir eines nicht aus dem Kopf ging. Als wir in der Kirche waren und ich den ursprünglichen Zustand vor meinem inneren Auge rekonstruierte, fielen mir immer mehr Parallelen den Bauten Hattos auf der Reichenau auf. Allen voran die ausgeschiedene Vierung. Ich Sprach Dr. Knöchlein darauf an und tatsächlich sind es diese Parallelen die es den Historikern erlauben den Bau Hatto zu zuzuordnen, denn entsprechende archäologische Funde gibt es bisher leider nicht. Die Füllschichten waren bisher frei von jeglichen Scherben. Aber das könnte sich noch ändern!
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat beschlossen das Bodennivau auf das des 12. Jahrhunderts abzusenken um so den ursprünglichen Raumeindruck wieder herzustellen. Für Dr. Knöchlein bedeutet das noch eine ganze Menge Arbeit und wahrscheinlich auch noch einige überraschende Funde. Wir dürfen gespannt sein.

Hier findet sich eine Bildergalerie (Bei Facebook)

Vorbericht zu den Untersuchungen 2009 bis 2012 im Königsgutbezirk undPfalzgebiet Salz

Als ich am Wochenende Informationen zu Bodman suchte (und relativ allein gelassen und auf meine Bücher angewiesen war) entdeckte ich auf academia.edu (immer wieder zu empfehlen) den „Vorbericht zu den Untersuchungen 2009 bis 2012 im Königsgutbezirk undPfalzgebiet Salz“.

Das PDF fasst nicht nur die Grabungen auf dem Veitsberg zusammen sondern wirft auch einen Blick auf den gesamten Fiscus der Pfalz.

Das PDF findet sich hier

St. Johannis Mainz – ein Fest für Archäologen

Über die Johanniskirche in Mainz hatte ich bei verschiedenen Gelegenheiten schon geschrieben. Durch das drunter und drüber bei mir habe ich aber die Entwicklung ein wenig verschlafen, denn in der Johanniskirche wurden einige bedeutende Funde gemacht.

Nachdem bei den Renovierungsarbeiten der letzten Zeit erste Funde gemacht werden konnten legten die Bauarbeiter die Spaten aus der Hand und für unbestimmte Zeit regieren nun die Werkzeuge der Archäologen unter der Leitung von Ronald Knöchlein im alten Dom.

Knöchlein hat sich zur Zeit etwa 3 Meter unter den heutigen Kirchenboden vorgearbeitet.  In dieser Schicht ist er auf ein karolingisches Grab aus der Zeit um 800  gestoßen und auf Mauern eines  Vorgängerbaus aus eben jener Zeit. Der Kirchenbau Hattos baute also auf älteren Bauten auf. Man stellt inzwischen sogar schon Theorien über einen möglichen römischen Tempel darunter auf und hat sich vorgenommen bis dorthin vorzustoßen.  Damit ist die Johanniskirche nun wohl der zweitälteste Kathedralbau Deutschlands nach dem Trierer Dom. Auch geplant ist die einen vermauerten Bogen zu öffnen, der früher im Keller zu sehen war und nun in einer Baugrube liegt. Man vermutet dahinter, bzw. darunter den Eingang in eine Gang- oder Hallenkrypta.

Hier eine kleine Linksammlung:

Der SWR (mit Videos), die Allgemeine Zeitung aus Mainz, die FAZ, der Deutschlandfunk, die Evangelische Kirche Reinhessen und auch archaeologie-mainz.de hat einen Pressespiegel

Ich muss noch mal die Brücke nach Trebur schlagen, wenn ich schon die Möglichkeit habe. Treburs Laurentiuskirche wird eher als „Kirchlein“ bezeichnet. Nicht ganz verwunderlich wenn man von einer Länge von ursprünglich knapp 25m ausgeht. Bedenkt man aber das eine ca.40 Jahre später Kathedrale im nahen Mainz „nur“ die doppelte länge von ca. 50m hatte, hebt es doch die Größe der Treburer Kirche. Zumal wenn man bedenkt das es sich „nur“ um eine (königliche) Kapelle handelt.

Erste Schritte in der Erforschungs des Weilerhügels

Mehrfach hatte ich bereits darüber geschrieben das mit mit dem Abschtieg der Pfalz Trebur analog der Aufstieg der Fürsten und Kleinadligen begann. Hiervon zeugen unter Anderem  viele Mottenhügel in der Region, von denen wahrscheinlich nicht mal alle bekannt sind. Über den Weilerhügel bei Bickenbach hatte ich hier einmal geschrieben.

Terraplana hatte sich nun im vergangen Jahr u.a. mit dem Museum Pfungstadt, aufgemacht einem anderen Turmhügelburg nachzugehen. Dem Wellberg bei Pfungstadt.

Nun konnte man neben einer Mehrphasigkeit der Anlage auch Steinbauten innerhalb der bisher unbekannten Vorburg entdecken. (Würde jemand den Wikipedia Artikel umschreiben?)

Die ganze Meldung von Dr. Thomas Maurer findet sich hier

Ein Kleeblattbeschlag aus Wymondham

Über das Wochenende hatte ich mich wieder ein wenig in die Sache mit dem karolingischen Wehrgehänge eingelesen und will mir in nächster Zeit mal einen Dummy bauen dem ich einige Tragweisen simulieren kann. Bei der Quellensuche fand ich nicht nur dieses , leider versteigerte exquisite Stücke, sondern auch noch ein PDF zu Beschlägen aus Wymondham, Groß Britannien.
In der kurzen Beschreibung des Kleeblattbeschlages weist Jane Kershaw auf die Ähnlichkeit des Beschlages mit einem Beschlag aus Haithabu hin.

Das PDF „a 9th-century trefoil fitting from Wymondham“ kann bei Academia.edu auch heruntergeladen werden

Römische Brücke bei Eschollbrücken? Gedanken zum Fund

Vor einigen Tagen hat mich eine Nachricht in der örtlichen Presse aufhorchen lassen.
Was war passiert?

Der Landkreis Darmstadt-Dieburg wollte in Verbindung mit dem Nabu den Lohraingraben, ein altes Flussbett des Neckars, westlich von Eschollbrücken renaturieren. Das Gebiet soll eine Ausgleichsfläche für den Wald der dem Flughafenausbau zum Opfer fiel bilden.
Die Arbeiten bedeuteten das Feuchtgebiet wieder auszubaggern, wobei auch Holzstämme aus dem morastigen Untergrund befördert wurden.
Der Vorsitzende der NABU Gruppe Pfungstadt Wolfgang Wengenroth fielen an den Stämmen bearbeitungspruren auf. Er informierte den Heimtverein Eschollbrücken über die Holzfunde. Dieser wiederum informierte die Außenstelle der Landesdenkmalpflege im Darmstädter Schloß und alles nahm seinen Lauf.

Die ca. 120cm langen Balken wurden mittels Dendrochronologie auf ein Fälldatum zwischen 60 und 107 n.Chr. datiert. Sie waren wohl Teil einer römischen Brückenanlage.

Der Grabungstechniker Ralf Klausman bedauerte , dass die Balken sich nicht mehr in Situ befinden und somit keine Rückschlüsse mehr auf die potentiell hier sich befundene Brücke gemacht werden können

Soweit berichtete das Darmstädter Echo (Link)

 

Ob die Brücke nun Teil einer ersten Verbindung von Gernsheim nach Dieburg war, sei dabei einmal dahin gestellt. Tatsächlich zeigt sich aber hier ein Problem, das archäologisch Interessierte nur zu gut kennen. Was wäre geschehen wenn Wengenroth nicht die Weitsicht gehabt hätte die ominösen Hölzer jemandem zu melden? Sie wären wahrscheinlich wie Einbäume am Wegesrand verrottet oder abtransportiert worden und niemand hätte je davon erfahren. Erst wenn ein Herr Dr. Maurer oder ein Marco Hardy MA sich auf Spuren römischer Funde mal danach erkundigt hätten, hätte sich möglicherweise jemand daran erinnert. Es wäre zu spät gewesen.

Nun war es in diesem Fall auch zu spät um die Hölzer noch in situ zu beobachten, aber man hat sie zumindest noch datieren können. Ich kann bzw. ich will niemanden irgendwelche Vorwürfe machen. Wieso auch sollte der Baggerfahrer daran denken das unter ihm sich die Fragmente einer römischen Brücke befinden? Aber vielleicht sollte man in Zukunft ein wenig mehr Weitsicht walten lassen. Gerade die letzten Jahre haben gezeigt das das hessische Ried immer noch voller Funde steckt die nach und nach vernichtet werden und die Beobachtungen gelten nicht nur für Hessen. Ich erinnere an die Funde am Harzhorn.

Man müsste im Vorfeld  Bauarbeiten jeglicher Art auf mögliche Funde sensibilisieren. Gerade wo doch der Altneckarlauf mit seinem sumpfigen Boden hervorragende Konservierungseigenschaften aufweist. Auch die Meldekette, die ja in diesem Fall über einige Umwege stattfand, müsste verkürzt und gestrafft werden.Eine Art Info-Hotline vielleicht? Und zu guter letzt bräuchte es mehr Geld für die Denkmalpflege um in solchen Fällen ein schnelleres Eingreifen zu ermöglichen.

Frühmittelalterliche Bestattungen und Siedlungsbefunde aus Thunau am Kamp

Den Schanzberg von Gars Thunau hatte ich schon einmal in dem PDF „Der Schanzberg von Gars-Thunau in Niederösterreich – Eine befestigte Höhensiedlung mit Zentralortfunktion aus dem 9.-10.Jahrhundert“ (hier) verlinkt. Direkt aus Thunau stammt nun dieser Vorbericht über Gräber und Siedlungsbefunde  von Martin Obenaus, Wolfgang Breibert und Erik Szameit, den Wolfgang Breiber auf academia.edu online gestellt hat.

Das eauch herunterladbare PDF findet sich hier