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St. Panthaleon – Besuch und Beschreibung

westbau
Westbau von St. Pantaleon

Vergangene Woche war ich recht spontan in Köln. Im Rahmen meiner Idee möglichste viele Graborte deutscher Herrscher zu besuchen war es natürlich selbstverständlich auch St. Pantaleon zu besuchen wo Kaiserin Theophanu beigesetzt ist, die byzantinische Gemahlin von Otto II.

Zur Erklärung: Nur eins Vorweg. Mir erscheint es das sich niemand mehr die Grundrisse seit den Grabungen genauer angesehen hat, bzw. als wenn es nicht legitim erscheint die Westwerks-Theorie anzuzweifeln. Oder aber man sieht den Westwerks-Begriff sehr, sehr weit gefächert. So heißt es auf den Seiten der romanischen Kirchen Köln und auch auf der Seite von St. Pantaleon selbst „Westwerk karolingischen Typs“. Hier scheiden sich die Geister. Ich hatte bereits über die müssige Westwerksdiskussion geschrieben. (Hier zum Nachlesen!)

Wenn man, so wie ich es tue, davon ausgeht das  nur der Aufbau in Corvey ein echtes Westwerk ist, so bleibt als einzige weitere Kirche mit einem Westwerk die alte Kathedrale von Winchester in England, die von der karolingischen Baukunst beeinflusst wurde. Wobei auch hier letztendlich nicht klar ist wie sie nun aufgebaut war.  Nicht aber St. Pantaleon! Hier stimmt der Grundriss überhaupt nicht, also können auch weitere Stockwerke nicht passen! Es gibt keinen Umgang, somit kein Westwerk! Finito! Westbau dagegen ja, weshalb ich den Begriff Westbau verwenden werde!

Mein Besuch:  St. Pantaleon liegt wenige hundert Meter außerhalb der römischen Stadtgrenze Kölns, die sich hier am Blaubach entlang zog und heute durch die Straße Blaubach erkenntlich ist.  Nach einer Grünfläche erreicht man von der Innenstadt kommend ein Tor und durchquert man dieses fällt der Blick sofort auf den Monumentalen Westbau von St. Pantaleon. Leider ist jedoch nur weniges noch Original, denn weniger der Zweite Weltkrieg, denn die Umbauten des Barock hatten dem Westbau schwer zugesetzt. Der Zentrale Turm war erhöht worden, der Porticus entfernt und die Treppentürme nach einem Einsturz  bis hinunter auf den quadratischen Teil hin abgebrochen gewesen.

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Sarg Theophanus

Rechts des Porticus befindet sich der Eingang, der in das südlich  Seitenschiff führt.
Wenige Schritte nur und man befindet sich im Westbau. Gleich rechts im Annex des Westbaus steht ein weißer Marmorsargophag der die sterblichen Reste Theophanos beherbergt. Sein Deckel ist mit quadratischen Ornamenten geschmückt die man auch von byzantinischen Miniaturen her kennt. Er stammt aus dem Jahr 1965.
Die Bögen des Westbaus und seiner Empore sind in alternierend rot aus rotem und hellen Sandstein gefertigt, etwas das man auch als byzantinischen Stil bezeichnet.

Vor dem barocken Chor findet sich ein spätgotischer Lettner, der vor eine moderne Betonwand montiert ist. Der Grund für diese eigenwillige Konstruktion sind nicht etwa Kriegsschäden. Der durch einen großen Bogen vom Schiff getrennte Westbau war im barock vermauert worden. Dort Stand der Lettner ohne Rückwand und trug die Orgel. Im Zuge der Romanisierung rückte er wieder vor den Chor.

Irgendwann an diesem Punkt meines Besuches muss mein Gemurmel, Blickachsensucherei und Abschreiten von Distanzen die Aufmerksamkeit eines bis dato unscheinbaren Herren in der hintersten Bank der Kirche auf sich gezogen haben, denn er trat an mich heran und fragte ob ich die Krypta sehen wollte. Wollte ich? Natürlich wollte ich!
Der Herr, der wie sich herrau stellte vom Verein für Romanische Kirchen in Köln war, war so freundlich mir den Chorraum zu öffnen von wo aus eine Treppe in die Krypta führte. Dort ist die Ringkrypta und ein Teil ihres Vorgängers, einer Stollenkrypta, noch erkennbar. In dem Stückchen Stollen, der nun Ringkrypta und Hallenkrypta verbindet steht der Sarg Bischof Bruns. Brun war jüngerer Bruder Ottos I. und Bischof von Köln. Er besitzt noch seinen original Sarg, nur der Deckel musste erneuert werden.

Im Anschluss wurde mir noch eine größere Ehre zu Teil, denn Herr knippste zu erst das Licht hinter in einen Raum unter dem Altar an, der nur über ein kleines Gitterchen zu sehen war um mich dann zu fragen ob er aufschließen solle. Hinter dem schmiedeisernen Türchen verbargen sich die Reste der unter der Kirche liegenden römischen Ausgrabung, inkl. Wasserleitung und Hypocaustum. Auch hier ließ ich mich nicht bitten.
Leider dachte ich im Anschluss nicht für 5 Dinarii nach, denn sicherlich wäre mir auch der Zugang auf die Emporen geöffnet worden… Dennoch danke an den netten Herrn!

 

Innenraum des Westbaus
Innenraum des Westbaus

Zur Kirche und ihrer Geschichte selbst: Die heutige Kirche steht auf den resten einer römischen villa suburbana des 3. Jahrhunderts. Zwischen 866 und 877 wird bereits eine Kirche erwähnt die dem hl. Pantaleon geweiht ist. Dies ist insoweit erstaunlich da St. Pantaleon eher ein oströmischer Heiliger ist und man daher vermuten könnte die Byzantinerin Theophanu sei für die Weihung verantwortlich. Möglicherweise war es eher umgekehrt und der byzantinische Heilige weckte ihr Interesse an Kirche und Kloster.
Es finden sich im Umfeld der Kirche jedoch bereits reiche Gräber der späten Merowingerzeit die nahelegen das hier bereits eine Kirche stand. Sven Schütte und andere gehen davon aus das bereits die Bauten der villa als Kirche genutzt wurden.

Durch Bischof Brun erfolgt zwischen 955 und 964 die Gründung einer Benediktinerabtei. Dieser Stiftet Reliquien des Heiligen und wird hier zum Bischof geweiht. Auf Wunsch seines Bruders Otto I. wird er nach seinem Tod 965 auch in dieser Kirche beigesetzt.
Kurz darauf beginnt Bischof Warin mit dem Neubau der Kirche. Sie ist einschiffig und besitzt einen Westbau dessen Eingangsbereich (Westbau) ähnlich einer Krypta überwölbt ist. Es handelt sich aber dem grundriss nach nicht um ein Westwerk im klassischen Sinn!
Vor der Kirche entsteht ein oktagonaler Bau.

Kurz darauf tritt auch schon Theophanu auf den plan und baut die Kirche erneut um. Sie erhält eine gestelzte Apsis, eine Ringkrypta, einen doppelt so tiefen Portikus wie heute mit Skulpturen und auch den Westbau. Dieser ist wie viele dieser Kirchen jener Zeit nicht als Kaiserempore oder ähnliches zu verstehen, denn die Idee einer Kaiserempore ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.
Der Sinn der Emporen ist viel profaner! Noch immer war St. Pantaleon eine Benediktinerkloster, von Mönchen bewohnt! Und Frauen, selbst wenn sie Kaiserin sind und aus Byzanz stammen, haben im Langhaus nichts zu suchen! Sie waren auf der Frauenempore. So wie in Gernrode, so wie in Kaufungen, so wie in Essen, so wie in Quedlinburg usw. Ach noch schöneres Beispiel: wie in der Hagia Sophia in Byzanz selbst!!

Mit ihrem Tod 991 wird Theophanu im Westbau beigesetzt. 11 Jahre später wird ihr toter Sohn Otto III. vor seiner Überführung nach Aachen ebenfalls in der Kirche aufgebahrt.

Es folgen weitere Umbauten. Um 1150 werden die Seitenräume des Westbaus überwölbt, die Flankentürme erhalten runde Aufsätze und Seitenschiffe werden angebaut. 1230 Wird eine Scheitelnische in die Krypta eingebaut. Im 17. Jahrhundert erfolgt dann die Barockisierung. 1835 wird auf dem Turm ein optischer Telegraph installiert. 1882 bis 92 erfolgt die Reromanisierung der Kirche, 1925 wird die Krypta freigelegt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Mittelschiff und weitere Teile stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wiederherstellung erfolgt im Anschluss und ist erst 1962 beendet.

Das ottonische Liuthar-Evangeliar unter Betrachtung des Byzantinismus

Die Darstellung Ottos III. im Luithar-Evangeliar ist eine der bemerkenswetesten Darstellungen eine Herrschers des Mittelalters.

uploadottoiiiDas Thronbild zeigt Otto III. auf dem Thron sitzend, überhöht von allen, umgeben von Engeln, umfangen von einer Mandorla die sonst in den Darstellungen einzig Christus vorbehalten ist. Gerahmt wird das Ganze durch eine Purpurne Arkade. Die Kaiserkrone erhält Otto direkt von Gott, ohne Umweg über den Papst.

Dieses Bild enthält mehr Anspielung als man auf den ersten Blick sieht und einige habe ich gerade eben schon aufgezählt.
Otto III., der erste der sich auch als römischer Kaiser bezeichnet, nutzt die den byzantinischen Herrschern vorbehaltene Farbe Pupur. Zum einen wegen seines kaiserlichen Anspruches, vielleicht aber auch als Anspielung auf seine Mutter Theophanu, von der man ja eigentlich gehofft hatte das sie eine Purpurgeborene sei.1
Die Überhöhung Ottos, verbunden mit der Krönung durch Gotteshand selbst und der Gleichsetzung bzw. Nachfolge Christi, entspricht ebenfalls der Gleichsetzung mit den byzantinischen Herrschern. Die sich als über dem Patriarchen stehend betrachteten. Gleiches macht Otto wenn er den Papst nicht einmal im Hauch darstellt.

Interessanter finde ich jedoch etwas das ich erst bei meiner Recherche zum vorhergehenden Artikel fand. Die Beschreibung Luitprand von Cremonas seiner Audienz beim byzantinischen Kaiser:

Bei meinem Eintritt erhoben die Löwen ihr Gebrüll und die Vögel zwitscherten je nach ihrem Aussehen; mich aber ergriff weder Furcht noch Erstaunen, da ich mich nach alledem bei Leuten, die damit wohl bekannt waren, genau erkundigt hatte. Nach dreimaliger tiefer Verbeugung vor dem Kaiser hob ich den Kopf empor und erblickte ihn, den ich zuerst gehoben auf einer kleinen Erhöhung sitzen sah, fast bis zur Decke der Halle emporgehoben und mit anderen Kleidern angetan. Wie dies zuging, kann ich mir nicht denken, es sei denn, daß er emporgehoben wurde wie die Bäume der Kelterpressen gehoben werden. Mit eigenem Munde sprach der Kaiser bei dieser Gelegenheit kein Wort; denn wenn er auch gewollt hätte, so wäre solches wegen der großen Entfernung unziemlich gewesen; durch seinen Kanzler aber erkundigte er sich nach Berengars Leben und Wohlergehen. Nachdem ich darauf in gebührender Weise geantwortet hatte, trat ich auf den Wink des Dolmetschers ab und wurde in die mir angewiesene Herberge zurückgebracht. (Hervorhebung durch mich)

Unter dem Eindruck des vorangegangenen Zitates halte ich es für möglich das die Abbildung nicht nur eine symbolische Darstellung der göttlichen Überhöhung zeigt, sondern auch mindestens Anspielung auf das byzantinische Hofzeremoniell sein könnte, wenn nicht sogar deren explizite Darstellung ist.

  1. der Begriff purpurgeboren rührt von einem purpurnen Raum im Palast in Byzanz der für die Geburt der Kinder des Kaisers vorbehalten war []

Die karolingische Tunika V: Ein Ausflug zum heiligen Ulrich

Eine weitere Form der Verzierung erscheint gelegentlich in Abbildungen.Sie betrifft in der Regel Kleriker. Diese tragen statt einer zentralen Clavus zwei von den Schultern herablaufende Clavi.

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Dalmatik des hl. Ulrich. Abb. aus Die Heiltumskammer, Deutscher Kunstverlag

Eigentlich wäre ich wegen der Kleriker Geschichte gar nicht auf die Tunika eingegangen, wenn es hier nicht ein schönes Beispiel gäbe an dem sich viele der Beobachtungen an karolingischen Tuniken wieder finden, selbst wenn das betreffende Kleidungsstück nicht mehr karolingisch ist.
Es handelt sich um die Dalmatik des 973 verstorbenen Bischofs Ulrich von Augsburg. (Leider verschwand die Albe im Halleschen Heiltums, es wäre interessant wenn diese auch erhalten geblieben wäre).

Die Dalmatik ist aus byzantinischer Seide gefertigt, wohl aber nicht in Byzanz, sondern im Fränkischen Reich. Besonders die Clavi können über den Stoff berichten. Es handelt sich dabei um Samit mit Ritzmuster der wohl beim Schneidern der Kasel Ulrichs übrig blieb und nun auf der Dalmatik als Clavi Verwendung fand.
Der Samit zeigt einen gekrönten Herrscher mit Nimbus. Dieses Motiv lässt es wahrscheinlich werden, das der Stoff ursprünglich vom byzantinischen Königshof als Geschenk an Kaiser Otto I. gelangte. Vielleicht in Folge der Schlacht am Lechfeld erhielt Ulrich die Stoffe als Geschenk und lies prunkvolle Messgewänder daraus fertigen in denen er letztendlich bestattet wurde.

Das Kleidungsstück weist eine Breite von 202cm und eine Länge von 143cm auf. Die Ärmel entsprechen nebeneinander gelegt der Breite der Dalmatika an ihrer breitesten Stelle. Demnach ist die Stoffbreite etwa 101cm, die Länge eines Ärmels ca 50,5cm. Die  beiden Ärmel wurden demnach aus einem Teil der Stoffbahn geschnitten.
Was zunächst einmal auffällt sind die Maße des Kleidungsstück, von dem die Veröffentlichung „Die Heiltumskammer, der mittelalterliche Reliquienschatz von St. Ulrich und Afra“ das es eher einer Tunika gleiche denn einer Dalmatik, obwohl immer so genannt wurde. Sie sind ungewöhnlich groß.
Zum vergleich meine Tunika (und ich bin bei Gott nicht schlank) eine Gesamtbreite von 172cm, Länge 105cm und einer Bahnbreite von 62cm. Nur mal zum Vergleich, der ehemalige Schwimmstar Michael Groß, genannt der Albatros, besitzt auf eine Körpergröße von 201cm eine Armspannweite von 213cm (inkl. Hände). Demnach dürfte ihm die Dalmatik nach heutigem Verständnis ganz gut gepasst haben.

Nun ist aber vom heiligen Ulrich weder bekannt das er ein Riese gewesen wäre, noch das er besonders fettleibig war. Im Gegenteil wird er als asketischer Mensch beschrieben, der auf dem Teppich schlief!
Natürlich dürfte einer der Gründe für extreme Größe des Gewandes gewesen sein kein Zoll des kostbaren Stoffes zu verschwenden und so mit Status zu demonstrieren. Aber auch Die Weite die die Oberteile mitunter in Illuminationen haben und die geschoppten Ärmel könnten sich in diesem Kleidungstück finden.

Das Schnittmuster ließ sich für mich in Teilen anhand des Bildes nachvollziehen und erweist sich als durchaus Aufschlussreich. Gerade die Konstruktion der Ärmel hat es mir angetan.
ÄrmelDer ca. 50cm lange Ärmel (Stoffbreite ca. 35cm ungefaltet) wird auf einer Länge von etwa 25cm ein bogenförmiges Stück ausgeschnitten. Das nun schmale Stück wird den Ärmelsaum bilden. Die Ausgeschnittenen Stücke werden am Oberarm angenäht und bilden nun die Verbreiterung am Oberarm. Ihre Funktion ist ähnlich den Keilen unter der Achsel die uns gewöhnlich später begegnen. Der Stoff der Ärmel wird aus der vollen Stoffbreite geschnitten.

Auch der Halsabschluss ist interessant. Er ist eng ausgeführt, der Auschnitt liegt auf der Schulter und wurde dort geschlossen, wie mir gesagt wurde.

Das oben gezeigte Bild zeigt im Übrigen die Rückseite der Dalmatik, da diese wesentlich besser erhalten ist. Aus der Vorderseite wurden zudem einige Stücke als Reliquien heraus geschnitten. Urspünglich soll sie an den Seiten offen gewesen sein. Die breiten Saumborten stammen erst aus dem 14. Jahrhundert. Die Kleidungstücke des heiligen Ulrichs waren bereits 1183 nach einem Brand aus dem Grab geborgen worden und werden seit dem verehrt. Im Heiltumsblatt von ca. 1500 wird das Stück auch mit offenen Seiten und den breiten Säumen gezeigt (wobei ich mich frage ob die Saumborten nicht angefügt wurden nachdem das Kleidungstück begann zu zerfransen als man aus der Seite Reliquienstücke schnitt) und ist mit der Beschreibung versehen „Das ist die Dalmatic oder Sarok von Ulrich(s)…“

Zum einen überlege ich im Moment die Dalmatik zu Experimantalzwecken aus billigem Leinenstoff grob nachzuschneidern um einfach die zu erfahren wie der Stoff fällt, zumal ich mit 172cm in etwa der Durchschnittsgröße des Frühmittelalters entspreche. Zum Anderen bin ich ab Freitag in Bamberg und kann mir endlich die Kleidung von Heinrich II, Kunigunde und Papst Clemens II. ansehen, wovon ich mir zumindest ein paar Erkenntnisse oder Ideen verspreche.

Ein Besuch der Grabungen in der Johanniskirche Mainz

Eigentlich hätte es nur ein kleine Grabung werden sollen als bei der Sanierung im Juni 2013 in der Mainzer Johanniskirche, dem alten Dom, einige Mauerreste auftauchten. 3 Wochen waren angesetzt doch nun gräbt man seit über einem Jahr.

Am vergangenen Wochenende nun konnte ich mich gemeinsam mit Terraplana e.V. über den momentanen Stand der Grabungen informieren. Die Führung übernahm Grabungsleiter Dr. Ronald Knöchlein von der Direktion Landesarchäologie Mainz.

Betritt man im Moment die Jaohanniskirche, gleicht diese mehr einem im Bau befindlichen Schwimmbad. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man vor der knapp 2m tiefen Baugrube im Inneren steht und man kann erahnen was noch alles hier zu tun ist.
Dr. Knöchlein begann seine Ausführungen mit dem Hintergrund zur Johanniskirche. Es ist zu vermuten das sie sich auf dem Areal befinden auf dem in römischer Zeit das Forum lag. Wann hier eine erste Kirche entstand ist ungewiss, sicher aber gab es eine unter Bischof Sidonius im 6. Jahrhunder, wenn auch unklar ist ober eine bestehende Bischofskirche sanierte oder neu erbauen lies. Diese Kathedralkirche, wie der heutige Dom ebenfalls dem fränkischen Staatsheiligen Martin geweiht, war Teil einer Kirchenfamilie die durch eine Marienkirche im Norden (am heutigen Gutenbergplatz gelegen) und einer Taufkirche, deren Position unbekannt ist, kompetiert wurde. Es ist zu vermuten das die Taufkirche Johannes dem Täufer geweiht war. Nachdem der neue Dom dem heiligen Martin geweiht wurde erhielt der alte Dom das Patronizium der Taufkirche. Auch die Marienkirche wurde aufgegeben und durch die Liebfrauenkirche (auch Maria ad gradus, Mariengreden) als Vorkirche des neuen Doms ersetzt.

Die Bauteile die wir heute noch sehen können stammen größtenteils aus der Zeit Bischof Hattos und somit aus dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert. Sie werden als Bau II, bezeichnet während die fränkische Vorgängerkirche als Bau I bezeichnet wird.

Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Der Raumeindruck den die heutige Johanniskirche bis vor kurzem vermittelte war ein Eigenartiger. Ungewöhnlich breit erschien das Kirchenschiff, zu breit für die Höhe. Dabei aber auch wieder zu hoch für die niedrigen, vermauerten Arkaden, die, gedrungen wie sich darstellten einen hochromanischen Eindruck hinterließen. Oder kurz gesagt: irgendwas stimmte hier nicht mit den Dimensionen.
Das da was nicht stimmte war auch schon anderen aufgefallen, weshalb man davon ausging das der ursprüngliche Laufhorizont tiefer liegen musste. Doch das die Pfeiler fast noch einmal so tief in den Boden reichten, wie sie darüber lagen ahnte fast niemand, obwohl Kautsch bereits 1909 von einem 2,65m tiefer liegenden Laufhorizont ausging.

Im Kirchenschiff, gleich links der Vorhalle die ehemals einen Ostchor bildetet, fand sich im Langhaus ein Altarsockel im Boden der in knapp 2m tiefe auf einem Plattenboden aus dem 12./13. Jahrhundert stand. Noch ein kleines Stück darunter war dann an der Wand endlich die Basis der Pfeiler von Bau II. erreicht. Doch auch noch darunter fand sich ein Boden, wohl von Bau I. Man hatte also den ursprünglichen Boden des Hattobaus erreicht. Und ohne die Auffüllungen in der Kirche wirkt nun der Raum vollkommen anders. Die niedrigen Arkaden wachsen nun in ungeahnte Höhen und wirken nun Schlank und filigran.

Auch der Chor brachte Überraschungen. Der gotische Chor war mit Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg verfüllt unter dem man den gotischen Boden fand. Diesem fehlten aber die rechteckigen Sandsteinplatten, die ihn einst bedeckten. Sie hatten jedoch im Mörtel sichtbare Abdrücke hinterlassen. Einer dieser Abdrücke war jedoch besonders. Er zeigte den Abdruck einer mit Flechtwerk verzierten Chorschranke, der zu jener passte die bereits 1906 gefunden worden war. Ein Chorabschluss konnte jedoch bis jetzt nicht gefunden werden. Wie also der Westchor der Kirche aussah muss also zunächst offenbleiben. Die Vermutungen pendeln zwischen halbrunder Apsis und Rechteckchor, wobei viele dem Rechteckchor den Vorzug geben da sich so der eigenwillige gotische Chor erklären ließe.

Unser Weg führte uns nun durch die ehemaligen Seitenschiffe ins Frei und nun wieder in die Kellerräume der Kirche, von wo aus auch die Baugrube zu erreichen ist. Der Weg führte uns in einen kleinen Seitenraum, der ehemals für Öltanks genutzt wurde. Hier konnte man nun die bereits erwähnte karolingische Säulenbasis sehen, die im Gegensatz zur Kirchenschiffseite noch voll plastisch ausgeformt war.

Zwischen Langhauswand und Außenmauer, die ebenfalls auf den Mauern von Hattos Seitenschiffen aufbaut befinden sich die Reste einer weiteren Mauer. Sie ist in ihrer Mauertechnik ähnlich fein säuberlich wie römische Mauern aufgebaut, ihrem Mörtel fehlt jedoch der typische Ziegelklein. Die Mauer ist Bau I des Sindonius zuzuordnen. Direkt an die Mauer angelehnt fand sich eine gemauerte Grabkammer in der einst ein Holzsarg lag. Die hier bestatte Person muss hochgestellt gewesen sein, war jedoch bis auf ein undefinierbares Stück Metall auf dem Oberarm beigabenlos.

Am Eingang in den Kellerbereich findet sich noch ein weiteres Schmankerl. Knapp über dem heutigen Boden befindet sich der Bogen eines Durchganges in der Wand, der in oder unter den Altarraum führen würde. Es wird vermutet das es sich um den Zugang in eine Krypta handelt. Zur Zeit wird hier am Gewände des Durchgangs nach unten gegraben, in der Hoffnung auf die Treppen der Krypta zu stoßen.

Leider vergaß ich Herrn Dr. Knöchlein über die Westung der Kirche zu fragen, denn genau wie der heutige Dom ist auch die Johanniskirche gewestet. Im Regelfall befindet sich die Krypta jedoch unter dem Hauptaltar, was bedeuten würde das auch die Johanniskirche bzw. der alte Dom gewestet gewesen wäre.Dies wiederum würde der Vermutung Willigis habe den neuen Dom gewestet um ihn Alt-St. Peter in Rom ähnlich werden zu lassen. Er hätte ihn also nur gewestet um in der Tradition des Vorgängerbaus zu stehen.

Im Anschluß gingen wir mit Herrn Dr. Knöchlein noch essen, wobei mir eines nicht aus dem Kopf ging. Als wir in der Kirche waren und ich den ursprünglichen Zustand vor meinem inneren Auge rekonstruierte, fielen mir immer mehr Parallelen den Bauten Hattos auf der Reichenau auf. Allen voran die ausgeschiedene Vierung. Ich Sprach Dr. Knöchlein darauf an und tatsächlich sind es diese Parallelen die es den Historikern erlauben den Bau Hatto zu zuzuordnen, denn entsprechende archäologische Funde gibt es bisher leider nicht. Die Füllschichten waren bisher frei von jeglichen Scherben. Aber das könnte sich noch ändern!
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat beschlossen das Bodennivau auf das des 12. Jahrhunderts abzusenken um so den ursprünglichen Raumeindruck wieder herzustellen. Für Dr. Knöchlein bedeutet das noch eine ganze Menge Arbeit und wahrscheinlich auch noch einige überraschende Funde. Wir dürfen gespannt sein.

Hier findet sich eine Bildergalerie (Bei Facebook)

Die Pfalz der Klosterinsel Reichenau

Beim Besuch der Reichenau habe ich ein kleines Experiment gemacht. Ich habe zwar Literatur zur Pfalz Reichenau hier (Dt. Königspfalzen Band III, MPG), jedoch habe ich sie mit Absicht nicht gelesen. Ich wollte schauen ob ich die Pfalz, von der nichts erhalten ist, innerhalb der lokalen Topographie verorten kann. Ich wusste nur, das sie sich nahe des Klosters befand.
Ums kurz zumachen. Es war kein Problem. Knapp 100m südlich gegenüber des Friedhofs. Höchster Punkte in der Umgebung…
Das hab ich allerdings nur gemacht, da es sich um eine Klosterpfalz handelte und von ihr keine Reste erhalten sind. Aber nun zur Pfalz.

Die ersten Information zur Reichenauer Pfalz stammen aus dem Jahr 995. Der Reichenauer Mönch Purchard verfasste zu diesem Zeitpunkt ein Lobgedicht zu Ehren des 10 jährigen Amtsjubiläum seines Abtes Witigowo. In dieser wird berichtet der Abt habe die baufällige Pelagiuskirche wiederhergestellt und nicht weit davon ein prächtiges Haus für Kaiser Otto III. errichten lassen um dann mit Otto nach Rom aufzubrechen.
Über die ottonische Pfalz lassen sich aber kaum Aussagen machen, denn nichts davon hat sich erhalten. Bereits im 13. Jahrhundert war die Pfalz war die Zeit der Pfalz abgelaufen, da sie nicht mehr den wehrtechnischen Anforderungen jener Zeit genügte.
Die Reichenauer Äbte zogen sich, auch zum Urkunden, in die neue Burg Schopflen zurück. Ein rechteckiger Kasten, gelegen auf dem Dammweg zur Insel.

Die ottonische Pfalz wurde im 14. Jahrhundert niedergelegt worden, St Pelagius aber, die als Pfalzkapelle anzusprechen ist, hatte bis ins 19 Jahrhundert bestand. In dem Pfalzgelände entstanden neue Gebäude von denen uns auch Zeichnungen erhalten sind.
PfalzReichenau1
Es existiert ebenfalls eine Grundriss der Anlage und auch die Raumaufteilung des großen Renaissancegebäudes ist bekannt. Zwar befasste sich Wolfgang Erdmann in Dt. Königspfalzen Band III eingehend mit der Anlage, muss aber auch eingestehen das nicht bekannt ist was von der Anlage aus ottonischer Zeit stammt. Kurz nach dem Erdmanns Beitra veröffentlicht wurde, wurde auch das letzte erhaltenen Gebäude der Anlage niedergelegt. Das „Oeconomie Gebäude“ viel der der Neuanlage einer Kreuzung zum Opfer. Der auf dem Bild zu sehende Friedhof wird noch heute genutzt undein Teil der Friedhofsmauer besteht aus Resten der Friedhofskirche.

St. Maria und Markus Reichenau

St. Maria und Markus ist die Hauptkirche der der Klosterinsel Reichenau und zu allem Übel ist sie eine der wenigen Kirchen die mir gedanklich immer einen Knoten im Hirm beschert, denn das was bei anderen Kirchen untrügerische Zeichen ihrer Datierung sind ist in Maria und Markus alles andere als ein klares Zeichen.

Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Die Geschichte der Kirche beginnt 724 als Abt Pirmin eine erste Holzkirche errichten lies. Ein einfacher Saal, der unter Arnfried, Abt der Reichenau und Bischof von Konstanz (736-746), in Stein ausgeführt, um fast die ganze länge erweitert und mit einer quadratischen Apsis versehen wurde. Soweit so normal. Abt Haito griff aber dann in die Vollen. Vor 816 lies er eine Kreuzförmige Kirche errichten. Der Typus der Kreuzkirche besteht aus einer Vierung auf der ein Turm aufsitzt, von dieser Vierung führen 4 fast gleichlange Schiffe fort. Diese Konstruktion bedingt eine quadratische Vierung die zur Stützung des darauf sitzenden Turmes ausgeschieden, also mit Bögen verstärkt sein muss. Da heute der Turm nicht mehr existiert besteht nur noch die ausgeschiedene Vierung und solche sind normalerweise ein untrügliches Zeichen der Ottonik… …nur eben nicht hier! Von diesem seltenen Bautypus gibt es nur noch 2 weitere Zeugnisse in Deutschland: Die im Paltiolum von Pfalzel errichtete Stiftskirche St Maria und die Reste der Vierungskirche in Neustadt am Main.

Bereits Haitos Nachfolger Erlebald toppt das ganze wieder: er verlängert das Langhaus um ein Joch und baut ein Westquerhaus, vor dem ein Eingangsportal mit Doppelturmanlage liegt. Eigentlich etwas das optisch an die klassische ottonische Bauweise erninnert, nur eben um 830! Die Frage ist allerdings ob es ein wirklich ein Westquerhaus war, denn schließlich sind nur die Abbruchspuren bekannt. Leider habe ich keinerlei Grabungspläne.
Der bekannte Walahfried Strabo macht aus dem Eingangsportal einen Rechteckchor (vielleicht auch Baptisterium?) und verlegt die Eingänge an die Westseite des Westquerhauses. Vor 946 wird dann hinter dem Chor in Anlehnung an die Grabeskirche in Jerusalem eine Rotunde errichtet die die neue Heilig Blut Reliquie beherbergt.

Abt Witigowo lässt dann vor 997 das Westquerhaus nieder reißen, und macht diesen Bauteil zur Verlängerung des Langhauses. Der kleine Westchor wird wieder Eingangsportal.Es entsteht danach ein Atrium vor Türmen und Eingangsportal. Dies Westlösung wird aber wieder durch Abt Berno (1008–1048) niedergerissen um erneut ein Westquerhaus zu errichten vor das ein Turm gesetzt wird, welcher nun wieder einen Westchor beherbergt für den Eingangsberreich werden links und rechts des Turmes Eingangsportale errichtet. In diesem Zustand befindet sich die Kirche fast heute noch. Nur der Chor wurde durch einen gotischen Chor ersetzt.

Für die eigentliche Wandlung der Kirche gibt es einige verständliche Gründe. So war Haito als Gesandter Karls des Großen 811 in Konstantinopel. Er kannte also um die Architektur byzantinischer Zentralbauten. Wahrscheinlich liegt hier der Grund für die Kreuzkirche.

830 erhält das Kloster Reliquien des heiligen Markus aus Venedig. Angeblich wurden die Reliquien zunächst geheim gehalten. Doch ganz so geheim kann es nicht gewesen sein, denn die Kirche bekam eine Doppelapsis, also zwei Apsiden nebeneinander! In der Regel etwas das man nur bei einer besonderen Reliquienverehrung macht.

In der Zeit Walahfried Strabos wächst das Kloster weiter, es wird zu einer der bedeutendsten Bibliotheken des Reiches und profitiert dabei auch von den Normanneneinfällen, denn Mönche der in Frankreich zerstörten Klöster. Mönche aus St. Martin in Tours etwa fliehen auf die Reichenau und prägen dort die Kunst der Buchmalerei nachhaltig. Auch beginnt die Verehrung der Markusreliquie zuzunehemen.
888 Wird die Kirche dann Grabkirche für den Abgesetzten Karl III.

Umbauten, wie etwa die Anbauten des Atriums liegen wahrscheinlich in Veränderungen von Messritus, Kanalisierung der Pilgerströme und ähnlichem.

Die Veränderungen durch Abt Berno sind in einem weiteren Kontext zu fassen. Berno hatte nicht nur die Kirche umbauen lassen, sondern wirkte im gesamten Klosterbereich und lies auch eine neue Pfalz für die Königsaufenthalte errichten (Über die wird noch zu schreiben sein).

Schwerter des 10. Jahrhunderts als Herrschaftszeichen der Ottonen

Ich bekam vergangene Woche, passend zu den Ulferht-Schwertern auch einen Link zu dem PDF „Schwerter des 10. Jahrhunderts als Herrschaftszeichen der Ottonen“ von Frau Mechtild Schulze-Dörlamm geschickt.

Schulze-Dörlamm geht darin der Frage nach ob und welche Schwerter die Ottonen äquivalent zum späteren, in der Wiener Hofburg verwahrten Reichschwert einsetzten. Der Artikel ist insgesamt sehr spannend lässt jedoch (leider) einige Fragen offen und ist somit auch als beginn neuer Blickweisen und Forschungen zu verstehen.

So habe ich einige Anmerkungen zu machen. Schulze-Dörlamm  sieht in den betrachteten Schwertern „Wikingerschwerter“, soweit so gut, so verallgemeinernd. Sie verfolgt auch die potentiellen Wege die diese Schwerter zu ihren jeweiligen Besitzern genommen haben könnten. Auch das ist sehr gut nachvollziehbar. Einzeig stellt sich mir die Frage des warum? Natürlich ist es nachvollziehbar das Schwerter als Geschenk an Herrscher gekommen sein können. Doch warum sollte ein Geschenk plötzlich als Herrschaftszeichen dem König voran getragen worden sein? Nur weil es prunkvoller als fränkische Schwerter jener Zeit war? Das erscheint mir als Begründung in einer Zeit die voller Symbolik in ihren Handlungen ist doch reichlich weit hergeholt. Man stelle sich Otto den Großen vor, den Bezwinger der Ungarn, der das Reich zu neuer Blüte brachte und er soll ein geschenktes Petersen Typ V getragen haben, bzw. Otto II. ein Petersen S, das er als Geschenk von den Kiewer Rus ode dem Dänenkönig erhielt?  Besser nachvollziehen könnte ich ein Beutestück eines herrausragenden Gegners nachvollziehen, etwa einen ungarischen Säbel um damit den Sieg und die gleichzeitige Erniedrigung des Gegners anzuzeigen. Vielleicht denke ich auch einfach nur zu kompliziert.

Nun ja, das PDF findet sich auf jedenfall hier

 

Was Karge letztendlich sah

Es war für mich lange Zeit ein Rätsel. Oberst Leutnant Ingeneur Johann Gottfried Karge zeichnete im 18. Jahrhundert eine Karte. Die bereits oft von mir erwähnte „“vue depuis worms juisqu a mayance 1735” die neben einem schönen Ausblick ins Rheintal von Worms bis nach Mainz auch die Truppenstellungen des französisch-polnischen Erbfolgekrieges 1735 darstellte. Das sie nicht 1735 gezeichnet wurde sondern später hat sich mir mittlerweile erschlossen.

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Karge zeigt auf seiner Ansicht eben jenes Bild der Laurentiuskirche bei dem ich lange rätselte was sich nun dort eigentlich darstellt. Ein großer Turm zur rechten, Ruinen zur Linken. Sehr verwirrend. Bis mir die Eingebung kam. Karge hatte sein Bild just im Jahr 1749 gezeichnet, als der Umbau an der Laurentiuskirche begonnen hatte. Er sah tatsächlich eine Teilruine. Genau aus diesem Jahr ist ein Brief des Baumeisters Lichtenberg erhalten, in dem dieser Beschreibt was er getan hatte.

Lichtenstein hatte vom Westbau die Dächer abgenommen, die Seitenschiffe niedergelegt und begonnen das Langhaus abzutragen. Er zögerte aber das Langhaus in Gänze abzureißen, den über der Baustelle erhob sich der  1711 neu errichtete Turm, der auch noch heute steht und Lichtenberg hatte bedenken das wenn er das  Langhaus niederzulegen würde,  der Turm umstürzen würde, denn im Turm zeichneten sich Risse ab. Zudem plagten ihn Geldmangel was ihn kurz darauf zur Umplanung zwang.

Es muss ein eigenartiger Anblick gewesen sein. Ein fast separater Turm, dabene ein Querhaus mit Chor fast ohne Anbindung. Ähnlich muss es auch Karge ergangen sein. Wahrscheinlich fertigte er Vorzeichnungen der Landmarken an, bevor er die Ansicht ins Reine zeichnete.  Irgendwann in diesem Prozess bemerkte er, das das was er da gesehen hatte so im Normallfall nicht stimmen kann. Hatte er sich verzeichnet? Karge hatte auch schon eine Kirche gebaut, ihm war also bekannt wie ein solche in der Regel auszusehen hatte. Also zeichnete er was ihm mehr Sinn machte. Er dachte die Kirche sähe zur Zeit so aus:

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Tatsächlich aber muss er etwas gesehen haben, das mehr diesem hier ähnelte:

Karge Ansich

 

Die Bilder entstanden im Rahmen meiner Rendertätigkeiten zum Laurentiuskirchenfilm und haben im Grunde den Zweck zu erläutern wie die Chorrekonstruktion entstand. Ich habe aber für mich noch einmal die Chance genutzt um Karges Ansicht nachzuempfinden und hier noch einmal deutlich zu machen.

1000 Jahre St. Stephan in Mainz

Die Quellen zu St. Stephan in Mainz sind leider  recht dünn gestreut.  Grabungspläne finden sich gar nicht und die Forschung scheint sich auch eher selten mit der Kirche zu befassen, was ein bisschen verwundert. Um so schöner ist es das dilibri Rheinland Pfalz das 566S. Buch „1000 Jahre St. Stephan in Mainz“ gescannt hat und auch als  135MB starkes PDF zum Download anbietet.

Das gesamte Buch findet sich hier

Mehr zu St. Stephan im Bezug zur Treburer Laurentiuskirche

Das Wochenende nutzte ich ein wenig um mich in die Literatur zu St. Stephan einzulesen. Leider ist archäologisch auch hier nicht viel getan worden. Bei Sanierungsarbeiten wurde mehr schlecht als recht einmal im Kirchenraum gegraben und dabei zwei Mauern aufgedeckt von denen man annahm sie gehörten zum ottonischen Ursprungsbau. Kurz danach wurde aber verlautbart sie seien römisch.  Einiger Bauschmuck der Kirche wurde gefunden, diese Funden lassen aber keine Rückschlüsse auf das eigentlich Aussehen zu. Zumindest wird er als sächsisch inspiriert angesehen, was als Hinweis auf Willigis Heimat in Sachsen angesehen wird. Ist also sehr viel Spekulation dabei.

Dieser Mangel an Information zeigt sich bereits bei  dem Westturm von St. Stephan. Wie in Trebur ist es nicht klar ob Alt-St. Stephan einen Westurm besaß, wie es heute der Fall ist. Der Turm von St. Laurentius  in Ahrweiler vom Ende des 13. Jahrhunderts könnte Pate gestanden haben für die noch heute existierende Turmananlage von St. Stephan.

Interessant sind dennoch die Informationen über das Westquerhaus., auf dem der heutige Turm aufsitzt.  Hierzu schreibt Ernst Coester:

Es handelt sich um den in den im Abschnitt über die Baunachrichten genannten „Eingangsbau mit , der nach Westen zu liegt“, und durch den, wie es in der Quelle heißt , „An Bittatgen Chor und Volk in Prozession einzuziehen pflegen“. In der Deutung des Ausdrucks Eingangsbau (porticus) hat sich in der Meinung von Klingenschmitt und Wilhelm-Kästner durchgesetzt, die ausgehend von der Ostanlage des Mainzer Doms und der Westanlage des Essener Münsters eine Anlage mit zwei zu Seiten des Westchores in die Seitenschiffe führende Eingänge für möglich halten.  (Ernst Coester, Baugeschichte und Künstlerische Stellung der St. Stephanskirche  S.413)

Da der Mauerrest der vor der Treburer Laurentiuskirche auf ein mögliche Planänderung des Baus hinweist, also das eigentliche Westchorjoch nicht ausgeführt wurde, finden sich bereits starke parallen von Trebur zu St. Stephan.  Die Türen im Treburer Westbau die jedoch im Befund nachgewiesen sind und sich noch heute vermauert unter dem Putz befinden führen von Nord und Süd in die Seitenschiffe des Westquerhauses. Ähnlich wie für St. Stephan angenommen. Das diese dort von Westen in das Gebäude führen ist höchst wahrscheinlich auf die veränderten Veränderten Größenverhältnisse von Trebur zu St. Stephan zurückzuführen. Während St. Steühan mehr als 60m lang ist, sind es in Trebur nur gute 25m.

Ich hatte bereits früher eine Involvierung des Willigis in den Umbau der Treburer Laurentiuskirche nicht ausgeschlossen. Die Begründung en hierfür sind simpel. Williges war zu Zeiten der Unmündigkeit Ottos III.  und nach dem Tode Teophanus 991 faktischer Regent des Reiches. Er musste also auch Sorge für die Pfalzen tragen. Diese Aufgabe teilte er mitunter mit Mathilde von Quedlinburg. Bis zu ihrem Tode war Mathilde im Besitz von Trebur, welches sie von Kaiserin Adelheid geschenkt bekam. In den Regionen in denen Adelheid keinen direkten Zugriff auf ihre Besitzungen hatte, wie dies im Oberrheingau der Fall war, übernahm Willigis für sie die Verwaltung.

Auch nach dem Heinrich IV. im Zusammenspiel mit Willigis in Mainz zum König gekrönt wurde war Willigis immer noch bis zu seinem Tode 1011 ein entscheidender Machtfaktor auf den Heinrich IV. angewiesen war. Willigis hätte also genug Möglichkeiten gehabt um in ein Treburer Baugeschehen planend einzugreifen.

Letztendlich machte die Entdeckung der Grundrissparallen es aber wahrscheinlicher das der ottonische Umbau der Laurentiuskirche Trebur bereits kurz nach dem Bau von St. Stephan (ca.990-992) stattfand. Ein Hinweis darauf könnte auch im Besuch Ottos III. liegen, der Trebur gemeinsam mit Herzog Boleslaw von Polen  zwischen dem 21. und 23. März des Jahres 1000 besuchte und hier im Gefolge von 300 Panzerreitern rastet. Es scheint als habe die Kirche hier bereits gestanden.