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Das Dilemma der Reenactmentszene und den TV-Machern

Nach dem Hiltibold und ich über die Avancen einer Werbeagentur schrieben, die an uns heran getragen wurden, hat auch Jan H. Sachers MA von blog.HistoFakt.de dazu geschrieben. Er hat sich dazu entschieden etwas über den Film zu schreiben und begründet dies. Ich kann seine Argumentation, die er als Handreichung versteht, durchaus nachvollziehen und habe dazu auch vor Ort kommentiert.

Um es kurz zu machen mein Aspekt in dieser Geschichte ist und war: Ich lasse mich nicht vor einen Werbekarren spannen und dazu stehe ich.
Um aber ganz sicher zu gehen nicht doch vielleicht den Guten etwas schlechtes nachzusagen fragte ich bei Philipp Böttcher nach was seiner Meinung nach hinter der Avance stehe. Philipp Böttcher ist selbst Betreiber der Agentur HausAmSee, zeichnet sich z.B. für den Congstar-Look verantwortlich und ganz zufällig waren wir mal in der selben Band…
Nach Philipps Meinung handelt es sich um den Versuch des Seedings, also der möglichst breit gefächerten Platzierung des Produktnamens oder Links bei “Influentials” (in dem Fall Geschichtsblogger allgemein) die eine mögliche Zielgruppe (Fensehzuschauer mit einem gewissen Geschichtsinteresse) ansprechen. Dabei ist es vollkommen egal ob positiv oder negativ berichtet wird, wichtig ist nur die Nennung der Namen, bzw. der Links. Eine Spielart des Viralenmarketings.
Ich hatte etwas in dieser Art bereits vermutet und daher beim letzten mal schon keine Namen genannt.

Nun aber zur eigentlichen Problematik und dem Grund warum ich noch einmal darüber schreibe:

Jan betrachtete die Situation aus einer anderen Position. Wobei mir die offensichtliche Werbeofferte im Vordergrund steht, sieht Jan Möglichkeiten die ich durchaus nachvollziehen kann :

Aber: Wenn sich Historiker, Reenactor, Hobbyisten von vornherein jedem Dialog verweigern, wird sich nie etwas ändern. Man hat mich um meine Meinung gebeten, und die soll man bekommen. Ja, natürlich wäre es schön und sinnvoll, VOR Beginn der Dreharbeiten gefragt bzw. als Berater hinzugezogen zu werden, aber jeder (lange) Weg beginnt mit einem ersten Schritt …

Dieses Zitat und die Werbeavance bezogen sich auf einen Filmproduktion ohne geschichtlichen Anspruch, die meiner Auflassung nach eher dem Fantasy Genre zuzuordnen ist. Beraterfunktionen wären hierbei aber wahrscheinlich so sinnlos wie der Versuch  Michael Bay den Sprengstoff und J.J. Abrams die Lensflair-Effekte wegzunehemen.  Anders sieht es bei Produktionen mit echtem Anspruch aus.
Aber leider ist  das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen…

Ich habe in persönlichen Gesprächen, Chats, Foren usw. erfahren wie die Produktionen in aller Regel abliefen, bzw. das Reenactor nicht mehr an diesen Teilnehmen würden, wozu ich hier nur einige wenige Beispiele geben möchte:

Aus Tempus Vivit (2007):

Ich bin gerade von den Dreharbeiten für eine Fernsehdokumentation für das ZDF zurück. Ich habe nach einem Tag abgebrochen, das dieses Machwerk in keinster Weise den belegten Gegebenheiten der karolingischen Zeit entspricht. Der Archeologe Herr [Name entfernt] war genauso geschockt, über das was die Regie für vorstellungen von Bekleidung und Sachkultur jener Zeit hat. So wurden die Darsteller zu großen Teil in Gewänder gesteckt, die sehr an einen sog. Mittelalter Markt erinnern. Von Hobbyisten geliehene und mitgerbrachte stimmige Gewänder wurden duchwegs als zu Bunt abgelehnt. Selbst Glasperlenketten wie sie in dieser Zeit häufig Belegt sind wurden als zu Farbig abgelehnt. Lieber hüllte man die Darsteller in Sackleinen. Männer sollten durchwegs lange Haare haben ( In Stuttgarter Psalter von 820 gibt es nur eine Abbildung eines langhaarigen Mannes). Ein orginalgetreuer Rundschild mit Zuckerhutschildbuckel und belegter Bemalung wurde auch als zu Farbig abgelehnt. (…)

 

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Der geschätzte Lindy Beige hat  in einem Youtube Video auch über die Erfahrung eines historischen Beraters berichtet:

Diese und andere Erfahrungen haben die Stimmung zwischen “Darstellern” im Allgemeinen und den Filmemachern bereits vergiftet. Die Folge davon ist das qualitativ hochwertige “Darsteller” sich nicht mehr bereit erklären in den Produktionen teilzunehmen, wenn sie den Produktionen nicht ohnehin als zu kostenintensiv erscheinen,  und ihre Positionen mit qualitativ minderwertigen “Darstellern” besetzten. Letztendlich zählt im Film “Ambiente” und “Symboldarstellung” mehr als die historische Korrektheit.

Hinzu kommt ein neuer Aspekt bei Produktionen wie ZDF-History, den das Feuilleton der Frankfurter Zeitung unter dem Titel “ZDF-Geschichtsfernsehen – Peinlichste Missgeschicke der History” kürzlich einen Artikel widmete (online hier) und es unter anderem “Fernsehen für Zuschauer mit Aufmerksamkeitsdefizit” bezeichnet.
Terra-X geht dagegen den Weg der “Promiisierung”, zunächst war es Maximilian Schell der Gesicht und Stimme der Imperiumsreihe gab, dann versuchte sich Hape Kerkeling am ZDF eigenen Geschichtsformat  (ich schrieb dazu hier) um den Stab zur Zeit an Senta Berger weiter zureichen.
Zu allem Überfluss scheint sich aber auch noch Kostendruck in den Produktionen niederzuschlagen, denn mehr den je werden ältere Spielszenen bis zum Abwinken wiederverwendet, so verwendete beispielsweise die Knopp Produktion “Der Heilige Krieg auch Szenen aus “Die Deutschen”.

All diese Faktoren weisen auf eine Abwärtsspirale hin.  Hinwendung zu prominenten Gesichtern als Testemonials die zu höheren Kosten führen und den Rückgriff auf Archivmaterial begünstigen, bzw. Großproduktionen ins kostengünstigere Ausland verlegt werden. Dies behindert wiederum die Verwendung von neuerem, möglicherweise akkuraterem Material. Reines Quotendenken in der Produktion mit möglichst reißerischer Darstellung begünstigt historisch unkorrekte Darstellung (Stichwort: Unterschichtenfernsehen ), obwohl dies bei den Privaten durch den Quotendruck bei Werbeeinnahmen zurückzuführen ist,  dem öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht unterworfen sein sollten (Stichwort: Bildungsauftrag und  ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice / GEZ ). Dies wiederum führt zur Verbannung von Kultur und Politik-Sendungen auf unattraktive Sendeplätze oder in die Spartenkanäle. Der Bildungsauftrag wird durch Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien  über das Medium #Neuland Internet bewerkstelligt.

Ein weiter Aspekt liegt möglicherweise in der Wahrnehmung von Living History und Reenactment in der Bevölkerung, nicht nur bei den Filmemachern. Die optische Unterscheidung zwischen Spass-Mittelalter á la Mittelaltermarkt fällt dem ungeübten Betrachter eines Mittelaltermarktes ohne genauere Vorbildung schwer. Oftmals wird sogar, und das ist wieder das Problem des Fernsehens, Reenactment, Living History, experimentelle Archäologie,  Mittelaltermarkt, LARP und SCA in einen Topf geworfen. Regisseure sind zwar zum Teil studierte Historiker, wie etwa bei “Die Deutschen”, dies bedeutet aber nicht das man sich auch mit angewandter Archäologie oder Kostümkunde auskennt.

Ich hatte dazu kürzlich ein Gespräch mit einem Mittelaltermarkt Enthusiasten. Meine Versuche den Unterschied zwischen meiner Kleidung und denen auf einem Mittelaltermarkt heraus zu arbeiten (Handnähte, belegte Schnitte und Nähte, z.T. handgewebt, pflanzlich gefärbt etc.) wurden entweder ignoriert oder mit “wir machen ja auch alles selber” übergangen. Aber das möchte ich an dieser Stelle nicht ausweiten.  Auf den ersten Blick scheint dies nichts mit Filmproduktionen zu tun zu haben, dennoch wir haben es hier auch mit Leuten zu tun die diese Dokumentationen verschlingen und gleichzeitig sie auch fördern und mit neuem “günstigem” Darstellermaterial beliefern. Hier beißt sich die Dokuschlange selbst in den Schwanz, schafft und fördert sich sein eigenes Klientel.

Es gälte daher diese Abwärtsspirale zu durchbrechen. Wer aber soll den ersten Schritt machen?
Die Living History und Reenactment Enthusiasten haben sicherlich nicht die Möglichkeit sich alleine durchzusetzen. Für jeden historisch korrekten Darsteller stehen fünf weitere auf Mittelaltermarktnivau bereit um diesen kostengünstig zu ersetzten, geschweige denn man kann noch günstiger auf Archivmaterial zurückgreifen. Keine Produktion wird sich freiwillig das Gemecker über die Ausstattung von “Laiendarstellern” anhören.
Größere Chancen hätten da das Fachpersonal das immer wieder in Interviewszenen auftaucht, wobei auch ihnen das Blaue vom Himmel herunter erzählt wird und auch hier die Möglichkeit des Austausches besteht.
Ein Totalboykott von Interviewpartnern und Darsteller um die Macher zu einer Veränderung zu bewegen halte ich daher für nicht möglich, genauso wenig wie ich eine Möglichkeit sehe in einer dieser Rollen von innen heraus etwas verändern zu können.

Auch das die eingesessenen Filmemacher, bzw. der Produktionsfirmen ohne Beeinflussung von Außen an ihren bewährten Konzepten etwas ändern würden kann ich mir nicht vorstellen. Zu bewährt ist das bisherige Konzept. Auch das sich die Sendeanstalten eines Besseren belehren lassen kann ich mir nicht vorstellen. (Thema: Thomas Waitz: “Unterschichtenfernsehen. Eine Regierungstechnologie“)

Eine Hoffnung bestünde wohl lediglich unbelasteten Produktionen. Ich denke hier vor allem an junge ambitionierte Filmemacher, die sich vielleicht noch im Studium befinden und etwas Neues ausprobieren möchten und dabei weg von den Klischees möchten. Im Bereich Dokumentationen kann man bei ZDF Neo hin und wieder einen Lichtblick erhaschen.

Solange bis dieser Umbruch stattfindet, und ich hoffe wirklich darauf, bleibt unser eins keine andere Möglichkeit als Briefe, Mails und Kommentare an die Verantwortlichen zu schreiben um wenigstens auf die Positionen aufmerksam zu machen. Wobei auch auf die zahlreiche Kritik im ZDF auf die Sendereihen “Die Deutschen” und “Die Deutschen 2 ” keine Reaktion erfolgte. Die einzige Reaktion die ich feststellte war, das zu keinerlei Diskussionsrunde mehr im ZDF nach dem zweiten Teil kam.

Abschließende Bemerkung: Ursprünglich wollte ich ein positiveres Bild zeichnen. Nach aber fast 2 Wochen des Nachdenkens bin ich aber tatsächlich zu diesem pessimistischen Bild gekommen. Was die Werbeavance angeht werde ich unter Umständen nach der Ausstrahlung des Stücks darüber schreiben, im Vorfeld allerdings in keinster Weise eine Namensnennung durchführen!

Warum ein echter (A) Mittelalterfilm wohl nicht klappen würde

Neulich hatte ich mich mal mit jemandem über Filme und Mittelalterfilme im speziellen unterhalten, weshalb ich mir mal ein paar Gedanken zu dem Thema gemacht habe. Sorry das ich das ganze auf Krolinger oder Franken runterbreche.

Ich hab ja meine Erwartungen, was Kleidung usw. angeht schon runtergeschraubt, aber auch über die Architektur ärgere ich mich immer über alle Maßen.  Selbstverständlich gibts nur noch wenige karolingische Bauten, und noch weniger echte Innenausmalungen, aber anständige Publikationen zu dem Thema gibt es. Einen Innenraum zu gestalten sollte also ein eher geringes Problem darstellen. Wodurch schon mal die typische Bruchsteinmauer wegfallen würde an die sich unser Auge so sehr seit der Romantik des 19. Jahrhunderts gewöhnt hat.

Mit CGI ist auch eine Außenaufnahme kein Problem, auch wenn ich eher “echte” Gebäude bevorzugen würde, denn
Kubrick hat mit “Berry Lyndon” wohl den authentischsten Historienfilm gedreht den es gibt, in dem er nur natürliche Beleuchtung verwendete. Mit CGI eher schwer realisierbar ;-) Ich würde diese Kameratechnik für den absoluten A Film präferieren. Wäre in Zukunft vielleicht mit der Klosterstadt Meßkirch auch realisierbar.

Würde man aber in dem selben Stil beispielsweise eine Karl der Große Szene in der Aula von Ingelheim drehen, mit der Ausmalung wie sie in den Rekonstruktion von Archimedix zu sehen sind, würde der Kameramann wahrscheinlich (zumindest als erstes) einen Nervenzusammenbruch bekommen.
Die erdigen Naturfarben der reich bemalten Wände würde davorstehende Personen in ähnlich farbiger Kleidung (Krapp, Waid, Birke,  etc.) in natürlicher Beleuchtung geradezu verschwinden lassen, bzw. einen Farbenbrei entstehen lassen. Der König/Kaiser, vielleicht in Purpur, würde dagegen leuchten wie eine Neonreklame, wobei das ja garnicht mal übel wäre.

Auch müsste man sich in Kampfszenen von effektvollen Einzelfights trennen. Wobei ich denke das  ein Monumentaler Linefight auch ganz gewaltig was her machen würde! Achso, ja. Monumental wäre natürlich etwas anderes als Ben-Hur Monumental. Alles ne Nummer kleiner.

Das Hauptproblem wäre aber unsere heutige Sehgewohnheit. Schon in den 70ern war “Berry Lyndon” für die Sehgewohnheiten seltsam. Heute in den Zeiten von Michael Bays Krach-Bumm-Inszinierungen oder wenn ein “shakespeareesque” agierender Jean-Luc Picard (Ist das eigentlich mal aufgefallen das Patrick Stewart den Jean-Luc immer mehr wie eine tragische Schakespeare Figur aussehen lies und  ich die TNG-Filme gerade deswegen so liebte?) gegen eine blinkendes Lense-Flare-Spektal von J.J. Abrams ausgetauscht wird, würde solch eine Optik noch mehr Befremden auslösen.

Als Blockbustermovie würde das wohl nicht funktionieren und für eine Independentproduktion würden die Mittel wohl nicht ausreichen um solch ein Format auf die Beine zu stellen. Und welcher Regisseur käme  überhaupt in Frage? Kubrick ist ja nicht mehr. Vielleicht würde ichs noch Peter Jackson zutrauen, vielleicht…

Story? Geschichten aus der Spätantike und dem (frühen ) Mittelalter gibt es zu Hauf, die noch nicht verfilmt wären oder einer Neuverfilmung würdige wären. Das Rolandslied, Das Hildebrandslied, Karl der Große liefert genug Material und mein Favorit: 10 Bücher Geschichte nach Gregor von Tours oder Heinrich IVs Leben!  Heinrich IV hat alles was man braucht. Soap Elemente mit seiner Frau, die erst loswerden will und dann liebt, Action in Hohenmölsen usw.

Für den Fall das jemand  Berry Lyndon nicht kennt, gibts hier mal einen 10 Minuten Auschnitt, leider etwas leise!

Neuer Ironclad Trailer

Bei Youtube ist ein neuer Ironclad Trailer aufgetaucht. Aus der Beschreibung:

A Medieval ‘Magnificent Seven’, that combines the visceral, stylized action of ‘300’ with the impassioned heroism and romance of ‘Braveheart.’ IRONCLAD is an ultra-violent action thriller that tells the true story of a motley crew of tough, battle hardened warriors, who withstood several brutal and bloody months under siege, in a desperate bid to defend their country’s freedom. Film stars Paul Giamatti, Kate Mara, James Purefoy and Brian Cox and directed by Jonathan English. IRONCLAD premieres on VOD on June 8, 2011 and in theaters July 8, 2011.

Die Auswirkung des “Mittelalter-Films” auf das öffentliche Verständnis des Mittelalters

Eigentlich bin ich schon gar nicht mehr zu Hause und befinde mich quasi schon auf dem Weg nach Brandenburg, aber das wollte ich doch noch raushauen.
Für seinen Doctor of Philosophy hat Paul B. Sturtevant eine Arbeit mit dem Titel “Based on a True History?: The Impact of Popular ‘Medieval Film’ on the Public Understanding of the Middle Ages” geschrieben das mit dem Satz “An early draft of this thesis contained the line ‘Epic films do not spring, fully-fledged, from the skull of Mel Gibson’.” schon sehr vielversprechend beginnt.

Dabei wird auch noch mal explizit auf die Filme “Beowulf”, “Kingdom of Heaven” und “The Lord of the Rings: The Return of the King” eingegangen, die den Testpersonen vorgeführt wurden.

Hier gibts das ganze Werk als PDF (via)

Der Adler der 9. Legion – Trailer

Es wurde in den Kommentaren schon erwähnt, das demnächst “Der Adler der 9. Legion” ins Kino kommt und der Vollständigkeit halber wollte ich Euch noch den Trailer zeigen.

Vorlage bildete das Buch “The Eagle of the Ninth” von Rosemary Sutcliff von 1954, welches in England ein sehr beliebtes Jugendbuch (!) ist und den Auftakt einer ganzen Saga um die römische Familie Aquila und ihren Delfin-Siegelring bildet und eine Brücke bis in Völkerwanderungszeit (Artur) schlägt.

Der Stoff wurde bereits von der BBC 1977 von der BBC als Serie verfilmt.

Hier noch was über die 77er Verfilmung (war das Einzige das ich fand)

Jetzt könnt Ihr sagen was ihr wollt, aber irgendwie liebe ich BBC Verfilmungen. Liegt wohl an der Kindheit mit “5 Freunden” und später dann dem “Anhalter” usw…

A.D. 235 –Schatten über dem Limes

Die Meldung über den Film “A.D. 235 –Schatten über dem Limes” sprang mir im Feed Reader entgegen und wäre fast in den Archäonews gelandet, ich hab mich aber entschlossen ihm einen eigenen Post zu widmen, sonst geht es unter dachte ich.

A.D. 235 ist ein Film der Stuttgarter Hochschule der Medien in Kooperation mit der Stadt Schwäbisch Gmünd. Von der Seite zum Film :

Das Dokudrama trug bis zur Fertigstellung den Arbeitstitel “A.D. 235 – Fall des Limes”. Es erzählt die politischen und militärischen Ereignisse im 3. Jh. n. Chr., die zum Niedergang der westlichen römischen Reichsgrenze Limes im Jahr 260 entscheidend beitrugen. Im Vordergrund steht dabei die besondere Stellung der obergermanisch-rätischen Grenze bei Schwäbisch Gmünd.

Premiere ist am 13.2. 10:30Uhr im Turmtheater in Schwäbisch Gmünd.

Ich kenn mich jetzt mit Römerklamotte nicht so aus, aber  ich finde das ganze schon irgendwie ansprechend und wenn es sich die Gelegenheit ergiebt werde ich ihn mir mal irgendwann ansehen!

Hier die Pressemeldung dazu und hier der Trailer:

Trailer A.D. 235 – Schatten über dem Limes from Tommy Niessner on Vimeo.

1066 oder wie man mir in 2 Sekunden ein Film madig macht

In England befindet man sich gerade in der Vorproduktion  zum Film “1066”  Ein Film über “1066 and all that stuff”. Das hab ich aber nur erfahren weil jemand hier danach gesucht hat.

Also hab ich bei IMDB nachgesehen und innerhalb von 2 Sekunden hat mir was ich gelesen hab  die Sache madig gemacht: Hazel D’Jan … Saracen Woman was zum Henker macht im England des Jahres 1066 Sarrazin eine Sarazenin? In einem Film der die Vorgänge aus englischer Sicht erzählt? Mit viel Godwinson Goodwill könnte man das erklären , aber ich weiß ja nicht.

Der Film soll eine Verfilmung des Romans “King Harold” von Helen Hollick werden, von dem ich nichts weiß.  Laut Seite des Films hat man sich 2009 beim kleinen Hastingsreenactment mit verschiedenen Gruppen in Verbindung gesetzt. Auf einer Lewis Collins Fanpage (spielt Earl Godwin)  fand ich die Information der Film solle  50.000.000 Pfund kosten, ganze Menge Holz. Man wolle weitestgehendst auf CGI verzicheten und überhaupt so realistisch wie möglich sein. Leider hab ich das schon viel zu oft gehört um wirklich daran zu glauben. Ausserdem arbeiten man wohl mit dem Heritage zusammen.

Hier die Seite des Films, hier der gerade erst eröffnete Youtube Kanal zum Film

Kinowochenende: Black Death

Gestern, zum Geburtstags meines kleinen Bruders haben wir uns passenderweise Black Death angesehen.

Story: Um seine heimliche Geliebte wiederzusehen erklärt sich ein junger Novize bereit eine düstere Truppe aus Veteranen der Schlacht von Crecy, Henkern und Söldnern um den bischöflichen Lehnsmann Ulric (dem Kreuz nach ein Malteser, soll aber wohl eher seine kirchliche Seite wiederspiegeln) in ein Dorf in den Sümpfen zu führen. Sie geben vor das dieser Ort von der Pest nicht heimgesucht würde und man für den Bischof ermitteln soll.
In Wirklichkeit will der Bischof Köpfe rollen sehen und man soll einen Totenbeschwörer gefangennehmen der das Dorf vor der Pest schützt und Tote auferstehen lässt…
Schon allein der Weg in das Dorf (Ukranenland Torgelow) erweist sich als Höllenkomando, Pest und Straßenräuber, dezimieren das “dreckige Dutzend” und auch die Geliebte ist vermeindlich tot.

Der Film ist ein kleines moralisches Sittengemälde einer abergläubischen Zeit in der die Rollen scheinbar klar verteilt sind, sich aber dennoch entwickeln können und vielschichtig sind. Wobei sich Sean Beans Vehalten erst am völligen Ende des Films erklärt.
Die Ausstattung im Kleidungsbereich ist wie immer eher der Story angepasst als der Wirklichkeit , ich meine aber zumindest in einer Szene Christian Pohens Wendetreter gesehen zu haben (Fortschritt!), wobei man eigentlich auch nichts anderes erwartet. Die Deko im Gebäudebereich ist postiv, auch wenn Schloß Blankenburg als klösterlich-städtische Umgebung zu neu und das Ukranenland als englisches Dorf im Sumpf eigentlich zu alt ist. So weit ich das sehen konnte wurden auch dem Ukranenland keine entstellenden Extras spendiert, lediglich eine abgelegen hölzerne Kirche wurde hinzugefügt, was dem Charakter des Dorfes gut getan hat.

Beim Ende war ich ein wenig hin und her gerissen. Eddie Redmayne (Osmund) erschien mir ein wenig zu viel nach Hayden Christensen in seiner Wandlung zu Darth Vader daher zukommen. Vielleicht hätte eine andere Mimik oder weniger schwarze Kleidung schon geholfen. Andererseits hatte “Black Death” genau die Wandlung die der “Rache der Sith” gefehlt hatte um glaubhaft zu sein.

Es ist ein kleiner altmodischer Film, der auch gar nicht vorgibt mehr zu sein. CGI sucht man vergebens. Wenn Blut, dann Blutkonserve und auch das fließt nicht so häufig wie man glauben mag.
Er lehnt sich in seiner Handlung an andere Filme an (Das vergessene Tal, Wicker Man) ohne diese zu kopieren. Ich schieb in für mich in die selbe Schiene wie etwa “Flesh and Blood” mit Rutger Hauer, (allerdings ohne viel Blood) auch wegen der Ambivalenz der dargestellten Personen, eher so etwas dreckig, etwas altmodiisch, als Sittengemälde ganz ok, kann man sich durchaus nochmal anschauen.

Nach Wikipedia, bzw. Filmkritiker Alan Jones vertritt der Film eine anti-christliche Haltung. Meiner Meinung nach tut er das nicht. Er vertritt eine atheistische Sichtweise, denn auch die vermeindlich Teufelsjünger sind keinen Deut besser als die militanten Christen.

“Centurion” oder die 9. Legion rennt

Nach dem ich hier einen ganzen Haufen Suchanfragen zu dem Film “Centurion” bekommen habe, hab ich mich entschlossen mir den Film mal anzusehen.

Die Story: Bei einem Hinterhalt im Jahr 117, der verblüffend wie eine Mischung aus “Gladiator” und Varus wirkt, wird fast die gesamte 9. Legion getötet, ihr Kommandeur und der Legionsadler von Pikten entführt und nur ein kleiner Haufen von Legionären überlebt. Sie wollen ihren Kommandeur befreien (aber irgendwie nicht den Legionsadler) und werden zu gejagten. Das ist wirklich alles.

Zum ersten fällt mir natürlich (sorry) der sorglose Umgang mit den geschichtlichen Fakten auf:
Agricola starb 93 n.Chr.  Der Hadrianswall wurde erst ab 122 n. Chr. gebaut und die große Niederlage  der Legio IX Hispania fand 61 n.Chr. statt, das letzte mal ist sie 107 n.Chr in Britanien (York) nachweisbar. Danach finden sich Spuren am Niederrhein (Nimwegen) um dann wahrscheinlich im Osten bei der Niederschlagung des Bar Kochba Aufstandes eingesetzt zu weden. Die Römer beschäftigen Zivilisten in der Legion , die sie als Manschaftsköche einsetzten und sich verhalten wie Steven Seagal in “Alarmstufe Rot” … aber lassen wir das.
Ich versuche das mal meine Probleme Probleme sein zulassen. Ist ja nur ein Film der eben 117 spielt und ich möchte mal versuchen nur den Film zu betrachten.

Achtung Spoiler voraus!

Gleich vorweg: aus dem Film hätte man mehr machen können. Die 9. Legion, die Römer, die Pikten alles nur Mittel zum Zweck.
Die Schlachtenszene, die die Varusgeschichte aufnimmt, ist rasant wie ein Videoclip geschnitten, so dass die reichlich vorhanden Splatterelemente (halbe Köpfe o. ä.) gar nicht richtig wahrgenommen werden und plötzlich ist es auch schon wieder vorbei. Bei den Szenen hat man immer das Gefühl nicht einer Schlacht einer römischen Legion in einem engen Waldstück beizuwohnen, sondern 30 mal das selbe Masacker aus 480 Blickwinkeln zu sehen, was den Eindruck erweckt hier kämpften nur 2x 10 Mann. Vielleicht ein Kostenproblem und der Mangel an Statisten der 10 Mio $ Produktion.
Blut wird Groß und glänzend rot geschrieben. Im grauen Nebelverhangenen Britanien leuchtet es um so stärker und spritzt in meterhohen Fontänen, selbst wenn nur eine Zecke zerquetscht wird. Das Auftreten von Blut ist auch immer wieder mit “saftigen” Geräuschen verbunden.
Die Ausstattung ist für 10 Millionen $ gar nicht mal so übel, es gibt da wirklich schlechteres. Was natürlich nicht bedeutet sie sei gut.

Was mich extrem stört ist dieses furchtbare Tempo. Das hat mich schon bei “Lola rennt” gestört. Hier ist es “Legionär rennt”.
Alles rennt! Alles rennt ständig! Sie rennen und rennen, und wenn sie nicht rennen sterben sie, sind kurz davor oder irgendetwas anderes stirb. Manchmal hat man das Gefühl die Schauspieler laufen ihren Charakteren weg oder fliehen vor dem Film. Das ständige Rennen wirkt unrealistisch und man fühlt an keiner Stelle mit den Gehetzten mit. Wie ich sonst zu keiner der Personen eine Beziehung aufbauen konnte.
Eine Charakterbildung findet nicht statt und ein Spannungsbogen wird gespannt und gespannt aber er findet kein wirkliches Finale. Man nimmt zwar irgendwann die Spannung raus um noch mal zum Finale durchzustarten aber irgendwie hat das bei mir nicht gezogen, was wohl generell am schnellen Tempo des Films liegt, der nur auf Action basiert.

Zu Anfangs gefiehl mir die düstere Optik, der Schmutz und die Landschaftsaufnahmen. Aber wie auch schon beim Blut wird hier inflationär mit der Landschaft umgegangen. Ständige Kameraüberflüge über Rennende erwecken irgendwann den Eindruck man habe versucht 3D Technik zu verwenden, es aber dann aus Kostengründen doch bleiben lassen. Ein wenig Kontrast zum Grau hätte gut getan. Da hilft auch der schmalzige Blütenregen vor dem Abspann nicht.

Auch der Möchtegerntwist am Ende war auf die ein oder andere Weise vorhersehbar und konnte den Film nicht mehr retten.

Das Beste an dem Film ist immer noch das man sich ein nettes Spiel mit dem Film machen kann: Mit Freunden den Film sehen und Strichlisten führen wer die meisten Filmezitate erkennt. “Herr der Ringe – Die Gefährten” mit der Rennerei geb ich schon mal vor. Sieht echt so aus!
Noch etwas Positives hat der Film: Till Schweiger spielt nicht mit, auch wenn man ihn als Sachse jeden Moment erwartet.
Man kann sich “Centurion” mal ansehen aber das wars auch schon, will ich nett insziniertes Gemetzel mit CGI-Blut schau ich mir “300” an, will ich blau angemalte Frauen nehm ich “Arthur” (oder “Avatar”) und wenn ich mich aufregen will nehm ich “Gladiator”, aber “Centurion” ist weder Fisch noch Fleisch!
Es verwundert nicht das der englische Film in Deutschland als Direct-to-DVD vermarktet wird.