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Die heilige Lanze in Wien

Vorwort:
Wer aufmerksam war, dem fiel auf das ich nie direkt über die Wiener Heilige Lanze geschrieben habe und sie immer nur in Teilen erwähnte.
Dies hat mehre Gründe. Zum einen fand ich keinen entsprechenden Artikel den ich als Basis verwenden konnte und der mir genug Informationen und Denkanstöße lieferte. Zum Anderen, und das ist für mich schwerwiegender, gibt es viel zu viele mystifizierende Geschichten wobei die Brücke von Longinus zum Ewigen Wanderer und weiter zum Ewigen Juden nur der Gipfel des Eisbergs ist. Nicht zu vergessen unendlich furchtbare Dokus, von denen ich neulich wieder eine sah.

Aber auch gerade das sollte ein Grund für mich sein das Thema nun auf das wesentliche runterzubrechen. Vor kurzem fand ich nun einen Aufsatz von Mechthild Schulze-Dörrlamm der mir hier als Basis dient und ich zusammenfassen werde, aber auch ergänzen und Gegenfragen stelle. Den Aufsatz selbst verlinke ich am Ende des Posts.

Rekonstruktionsversuch der ursprünglichen Heiligen Lanze

Einleitung
Die Heilige Lanze aus den heute in Wien aufbewahrten Reichskleinodien ist wahrscheinlich am stärksten mystifizierte Objekt der Selbigen. Dabei ist das Objekt weder großartig mystisch, noch ein Einzelstück unter der Vielzahl heiliger Lanzen.

Chronologie der sogenannten Heiligen Lanze der Wiener Reichskleinodien
Erstmals begegnet uns die Lanze im Jahr 926 als König Heinrich I. sie in Worms von Rudolf II. König von Hochburgund und zu dieser Zeit auch König von Italien erhielt.  Dieser hatte sie höchst wahrscheinlich als Herrschaftszeichen vom norditalienischen Grafen Samson zum Regierungsantritt in Italien bekommen.

Heinrich I. schrieb seinen Sieg gegen die Ungarn in Riade am Longinustag 933 der Lanze zu.  Otto I. führte die Lanze 939 gegen Aufständige und 955 auf der Schlacht beim Lechfeld mit sich. Als Otto III. 999/1000 in Polen verweilte erhielt Boleslaw Chrobry eine Kopie der Lanze in der ein Partikel des echten Kreunagels eingearbeitet worden sein soll. Otto III. lies die lanze auch auf dem weg nach Rom zur Kaiserkrönung vorweg tragen. Bei der Krönung Heinrichs II. in Mainz wurde sie zur Krönung verwendet, da die Reichskrone im Besitzt der Gegner Heinrichs war.

Unter Konrad II. wurde die Heilige Lanze den öffentlichen Blicken Entzogen  und wurde nun im Querbalken des neu angefertigten Reichskreuzes verwahrt.

Die Lanze und ihre Veränderungen
Bei der Lanze selbst handelt es sich um eine typische karolingische Flügellanze des Typ II nach Westphal die in das späte 8./ frühe 9. Jahrhundert datieren sollte. Ihre einzige Verzierung ist eine Furchenzier an der Tülle.  Sie ist aus einfachem Eisen geschmiedet und besitzt Schlackeeinschluße und Verunreinigungen, welche später auch zum Bruch führten. Auch weist das Blatt keinerlei Spuren einer Damaszierung auf. Es ist somit ein eher gewöhnliches Stück. Ihre Bedeutung kann daher nicht aus ihrer Wertigkeit abgeleitet werden.

Da das Lanzenblatt keinerlei Spuren von Scharten oder ähnliches aufweist, dürfte sie nie im Kampf eingesetzt worden sein, sondern sollte von Anfang an als Fahnenlanze fungiert haben, so Mechthild Schulze-Dörlamm im Verweis auf  Mehofer/Leusch/Bühler.1
Schulze-Dörlamm versucht nun auf Grund dieser Informationen die Herkunft der Lanze zu erörtern. Eine Königslanze Karls des Großen schließt sie auf Grund der minderen Qualität aus, ebenso scheidet eine Lanze aus die Karl vom Patriarchen von Jerusalem im Jahr 800 zugesandt bekam, da eine Lanze aus dem Kalifat der Abasiden eben keine fränkisch/karolingische Flügellanze ist.
Ihre Vermutung ist daher das es sich bei der Lanzenspitze ursprünglich um jene Lanze handeln könnte an der das päpstliche Banner befestigt war das Karl erhielt und dessen Abbildung im Tricliniumsmosaik im Lateran zu sehen war. Ich hätte an dieser Stelle noch ergänzend das Vexillum des hl. Martin anzubieten, wobei hier wohl auch eine bessere Ausführung zu vermuten wäre.

Schon bald danach wurde die einfache Lanzenspitze optisch verändert und aufgewertet. Dazu stemmte man aus dem Lanzenblatt einen spitzovalen Teil aus. Hierbei brach erstmalig das Lanzenblatt an der rechten Seite. Der Bruch konnte jedoch durch ein aufgeschweistes Metallband kaschiert werden und ist nur durch eine dunklere Stelle am Blatt zu erkennen.  Er steht übrigens in keinem Zusammenhang mit dem kompletten Bruch des Blattes der später das Anbringen der Manschette nötig machte.
In die Ausparung des Lanzenblattes wurde nun ein Knebelstift eingepasst. Dieser war passgenau eingefügt, so dass er keinerlei Halterung, wie die späteren Silberdrähte, bedurfte. (Ich könnte mir vorstellen das das Lanzenblatt dabei erhitzt wurde, so dass das Metall sich ausdehnte und anschließend der kalte Knebelstift eingesetzt wurde. Beim abkühlen klemmte dieser nun fest.)
Der Knebelstift selbst bestand ursprünglich aus 2 Lanzettenförmigen Spitzen, von denen heute nur die Obere erhalten ist. In der Mitte ist der Knebel durch drei kreuzförmige, mit Messing tauschierten Kreuzen verzierte , Verdickungen die selbst als Kreuze angesehen werden geschmückt. In diese Verdickung ist seitlich eine Nut eingefügt in der wiederum ein Metallstück sitzt, welches zwischen kreuzförmiger Verdickung und Metallstück insgesamt 4 halbmondförmige Freiräume lässt. (Zu diesen hat Schulze-Dörrlamm eine interessante Idee, doch dazu  später mehr)
Im unteren Bereich, zwischen Flügeln und eigentlichem Blatt, wurden zwei dünne Klingen angebracht. Sie waren nicht mit Silberdrähten, sondern mit Lederriemen befestigt, von denen der obere Teil erhalten blieb, da der Bereich später durch die Manschette überdeckt wurde.
Die Klingen sind im Gegensatz zum Lanzenblatt schartig.
Die verbreiterte Tülle war zu diesem Zeitpunkt noch nicht existent.

Die Veränderungen und ihre möglichen Bedeutungen
Ich möchte an dieser Stelle bei den angefügten unteren Klingenblättern beginnen um mich dann noch oben vorzuarbeiten.
Erst einmal verwundert Schulze-Dörrlamm zu recht das die Klingenblätter nur mit Riemen an der Lanze befestigt sind. Wäre es doch einem versierten Schmied ein leichtes gewesen diese zu verlöten oder sogar anzuschweißen. Schulze-Dörlamm vermutet daher das die Blätter nicht in direktem Zusammenhang mit der Lanze stehen und man die Lanze, der man bereits eine gewisse Bedeutung beimaß, nicht als solches dauerhaft verändern wollte, sondern nur eine bestimmte Optik zu erzielen suchte.
Zur Herkunft der Klingenblätter kann leider keine konkrete Auskunft gegeben werden, dennoch werden einige Varianten aufgezählt: Messer des 7. od. 8. Jahrhunderts denen man zuschrieb die Messer gewesen zu sein mit denen das Gewand Jesu zerteilt wurde, Teile eines römischen Lanzenblattes, im speziellen Fall Teile der im Liber Pontificalis erwähnten romphaea victoriae bezeichneten Lanze , die Papst Hadrian Karl 774 im Rom schenkte. Oder aber eben nichts der gleichen sondern nur der bereits erwähnte Versuche der Lanze eine bestimmte Optik zu geben.
Mich verwundert bei alledem jedoch die Schartigkeit der beiden Klingen, die Schulze-Dörrlamm lediglich der dünneren Ausführung zuschreibt. Die Scharten wären dann lediglich entstanden weil irgendjemand Beispielsweise die Lanze zu heftig irgendwo anlehnte. Etwas das mir sehr fragwürdig erscheint. Ich denke daher schon das die Klingen als solches eine Gewisse Bedeutung hatten, die über eine reine optische Funktion hinaus gingen.

Nun möchte ich zum Knebelstift übergehen. Dieser wird ja mitunter (gerne in den Eingangs erwähnten Dokus) als Kreuznagel gedeutet. Hier wiederspricht Schulze-Dörlamm. Gibt es doch einen ganzen Haufen anderer vermeintlicher Kreuznägel die wirklich nach Nagel aussehen2  Vielmehr sieht sie zwei parallele Funktionen. Zum einen sind stilisierte  3 Nägel gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.  Die mit messingtauschierten Kreuzen verzierten Verdickungen, von Schulze-Dörlamm als gleicharmige Kreuze bezeichnet, stellen demnach die Nagelköpfe dar. Den mittlersten Nagel sieht man also von oben. Die obere und untere Verdickung  mit dem jeweiligen Dorn nach oben und unten stellen somit stilisierte Nägel in Seitenansicht dar.  Die Eigentliche Nagelreliquie sieht sie nicht in den Tauschierungen selbst, sondern in den Verdickten Teilen selbst, die durch das Eisenstück in den Nuten zusammegefasst werden. Die Tauschierungen, 3 auf der Verdickung und 2 auf den Flügeln der Lanze in Form von Andreaskreuzen deutet sie mehr als Symbole der Passion Christi (Wie in der späteren Kunst auch die Marterwerkzeuge)

Aus diesem Stück zieht Mechthild Schulze-Dörlamm auch ihre Datierung der Umarbeitung. Sie verweist dazu auf die Ähnlichkeit des Mittelteils mit den drei gleicharmigen Kreuzen auf die Ähnlichkeit zu  karolingischen Gleicharmfibeln vom Typ Destelbergen, welche ebenfalls mit drei gleicharmigen Kreuzen verziert sind, als auch zur Knopfriemenzunge aus Karlsburg. Demnach sollte die Veränderung im Bereich zwischen Rhein und Mosel entstanden sein, wobei sie hier auch durchaus an die Pfalz Aachen denkt.

Nun zu der oben bereits angesprochenen Besonderheit der sichelförmigen Freiräumen zwischen „Nagelköpfen“ und dem in den Nuten eingefügte Metallstück.  Schulze-Dörlamm stellt die Frage ob die sichelförmigen Öffnungen in dem passgenau eingeklemmten Knebelstifft nicht den Sinn hatten vielleicht ein pfeifendes Geräusch zu erzeugen. Dies könne man nur mit einer genauen replik prüfen, so schreibt sie.

Was nun noch fehlt ist warum die Klingen angefügt wurden bzw. welche Optik damit erreicht werden sollte.  Ich finde die Therie von Frau Mechthild Schulze-Dörlamm etwas weit hergeholt, aber dennoch ist sie auf jeden Fall einen Gedanken wert. Zumal sie mir durchaus gefällt, weil sie um die Ecke denkt.

Ihrer Meinung nach sollte, wie bereits angedeutet,  durch Hinzufügung der Klingen das Lanzenblatt eine geschweifte Optik erhalten.  Ihr fällt dabei auf, das die Flügel der Lanze wie das Parier eines Schwertes oder Dolches wirken.

Nun denkt sie dabei an die Lancea Domini, die im 6. Jahrhundert von Pilgern in der Jerusalemer Grabeskirche gesehen wurde und 614 angeblich durch den Kommandanten der kaiserlichen Garde Patrikios Niketas vor den Persern nach Konstantinopel gerettet wurde. Im 7. Jahrhundert sah Bischof Arculf diese dem Longinus zugeschriebene Lanze und beschreibt das diese eine gespaltene Tülle besessen habe. Mit einer gespaltenen Tülle wäre sie aber weder byzantinisch, noch römisch, geschweige denn fränkisch. 1201 , nur kurz vor ihrem Verschwinden im Jahr 1204, als das Kreuzzugsheer in Konstantinopel einfällt, beschreibt der Diakon Nikolaos Mesarites die Lancea Domini erneut und beschreibt sie in Form eines zweischneidigen Schwertes , welches in Form eines Kreuzes gestaltet sei und zudem blutunterlaufen wirke.  Hieraus schließt Schulze-Dörrlamm, dieses Objekt habe aus Hämatit bestehen können, welches bei der Zerstörung der Grabeskirche großer Hitze, sprich Feuer ausgesetzt gewesen war, bevor sie wie „ein archäologischer Bodenfund“ aus der Erde gezogen wurde. Schulze-Dörlamm vermutet nun das diese Lancea Domini, die übrigens nicht identisch sein kann mit jener die  in der Loggia der hl. Veronika  im Vierungspfeiler des Petersdoms verwahrt wird, da diese ins 11. Jahrhundert zu datieren sei, nichts anderes ist als ein römischer Pugio mit zweischaligem Griff. Dieser zweischalige Griff wurde in der Beschreibung des Bischof Arculf eben zu einer gespaltenen Tülle.

Demnach hätte man mit der Umarbeitung der heute in Wien verwahrten Heiligen Lanze versucht die Optik der in Konstantinopel verwahrten Lancea Domini zu imitieren. Womit wir wieder genau beim Bestreben der Franken wären mit den Byzantinern gleich zu ziehen!

Und das finde ich nun mal wirklich super witzig! Eine möglicherweise pfeifende Heilige Lanze, die auch nur die Kopie einer weiteren heiligen Lanze ist, die in Wirklichkeit ein römischer Dolch ist!

  • Als Quelle diente: Die Heilige Lanze in Wien. Die Frühgeschichte des karolingisch-ottonischen Herrschaftszeichens aus archäologischer Sicht, Jahrb. RGZM 58, 2011 (2012) 707-742. findet sich hier
  1. Szameit 2005, 162. – Mehofer / Leusch / Bühler 2005, 181. – Zu
    den frühmittelalterlichen Fahnenlanzen []
  2. Schulze-Dörrlamm schrieb dazu selbst zur Byzanzaustellung des RGZM den Aufsatz „Heilige Nägel und heilige Lanzen“, online hier []

Vexillum Sancti Martini – Das Banner der Franken

Ich habe ja eine gewisse Faszination für Reliquien – Reliquien als Zeitzeugen, also archäologisches Fundstück und zum Teil als Kuriosum.
Besonders interessieren mich aber die Reliquien des hl. Martin von Tours, da sie einen Teil der fränkischen Staatsreliquien bildeten und mein genau gesuchtes Objekt ist der Mante, der als Banner bei Feldzügen der Franken Verwendung gefunden haben soll.

Einziges interessantes Ergebnis in der Suche war bisher eine Reliquie aus Bussy-Saint-Martin  die mitunter als Mantel des hl. Martin ( hape de Saint-Martin) bezeichnet wird , aber tatsächlich das Fragment eines Polsterwamses ist  (Hier habe ich damals darüber geschrieben) 

Der Weg der „echten“ Mantelreliquie verliert sich zumindest über die Jahrhunderte und soll wohl durch die Hugenotten zerstört worden sein. Aber ich habe mich entschieden mal ein wenig zu bohren, auch weil es vielleicht einen neuen Blick auf Banner/Fahnen/Wimpel eröffnet.

Meine erster Gedanke in der Suche war die Frage woher der Mantel denn nun überhaupt stammen soll. Geht man davon aus die Mantelteilung trug sich wirklich so zu, teilte Martin seine Chlamys, den römischen Militärmantel,  334 in Amiens.

Nach der Vita von 395 die noch zu Lebzeiten Martins entstand wurde er 351 getauft und errichtete ab 361 das erste Kloster des Abendlandes. Daraus darf man vermuten das wohl erst nach 350 die Sache mit der Mantelteilung für die Öffentlichkeit überhaupt erst interessant wurde, wenn nicht sogar erst mit Entstehung der Vita. Das Martin oder oder die römische Armee den Rest des Mantels mehr als 20 Jahre lang im Schrank liegen ließ ist eher unwahrscheinlich. Martin dürfte schon bald nach dem Ereignis einen neuen Mantel besessen haben, und der Rest sollte eher den Weg eines Putzlumpens genommen haben, als fein säuberlich verwahrt zu werden.

Als er 397 starb,  hatte er in höchsten Kreisen verkehrt und bereits eine bedeutende Anhängerschaft angehäuft, wobei aber der richtige Martins-Boom erst durch Gregor von Tours einsetzte. Also nochmal 200 Jahre später.

Die Reliquie selbst taucht dann auch erst 682 unter Theuderich III.  als cappa domni Martini auf, über der Schwüre geleistet werden. 709 hatte der Hausmeier Grimoald der Jüngere Verfügungsgewalt  über die Reliquie und nutzte sie als Feldzeichen in Feldzügen, aber vielleicht hatte schon sein Vater Pippin der Mittlere sie für die Karolinger in Besitz genommen.

Verwalter der Reliquie unter karolingischer Herrschaft  waren wohl die Laienäbte von Tours, darunter so illustre Namen wie Vivian von Tours und Robert der Tapfere. Nach der Zerstörung der Abtei von Tours kam die Reliquie wahrscheinlich über Cormery nach St. Denis.  Wobei aber anzumerken ist das im Hochmittelalter jeder zweitklassige Graf in Frankreich ein Martinsbanner besessen zu haben scheint und es nicht wirklich feststellbar ist wer denn nun das Original besaß…

Letztendlich durch Robert  gelangte die Cappa in den Besitz der Kapetinger und wurde somit Teil des französischen Kronschatzes. Eine Theorie zur Namensgebung der Kapetinger leitet den Namen der Kapetinger übrigens  von der Mantelreliquie , der Cappa, ab.

Nun ist ein wenig Licht auf den Weg der Reliquie geworfen. Fragt sich nun woher die Reliquie kam die bei Theuderich auftauchte. Hier hilft mal wieder das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde weiter. Und mehr noch!

Demnach hatte Dagobert I. 629/39 die Grablege Martins restaurieren lassen und  sich wohl auch Reliquien einverleibt. Demnach ist die Cappa aber nicht der Mantel, die römische Chlamys, des Soldaten Martinus (Warum hätte auch ein Bischof damit bestattet werden sollen?) , sonder die palla sepulchri, das Grab- oder Sargtuch!!! Und jetzt wird es richtig interessant, wie ich finde.

Auch wenn man unter Grabtuch vielleicht sofort an das Grabtuch von Turin denken muss, kennen wir doch tatsächlich einige solcher Tücher die zu Verehrungszwecken Gräbern entnommen wurden. Eines der bekanntesten dürfte der Quadrigastoff sein, der aus dem Grab Karls des Großen stammen soll. Aber auch gerade aus unzähligen Bischofsgräbern kennt man solche Stoffe.

Und Martin von Tours war Bischof – und was für einer. Einer der der sich schon mal in Trier mit Kaiser Magnus Maximus anlegte. Er hatte also durchaus Einfluss und Zugang zu höchsten Kreisen. Selbst wenn er eher als Asket bekannt ist, so dürften es sich doch seine Anhänger, sein Bistum und Andere sich bei der Bestattung nicht zurückgenommen haben. (Schließlich konnte er sich nicht mehr wehren)

Schaut man sich etwa das Spätantike Grab 279 aus St. Maximin in Trier an (4./5. Jahrhundert) So findet man hier gemusterte Seidengewebe (Tunika) und feine Schleiergewebe (Grabtuch). Denkbar ist auch das der eigentlich Sarg Martins noch einmal mit einem Tuch bedeckt war, ähnlich einer Tischdecke. So oder so, sollte es sich dabei nicht um ein schnödes Tuch gehandelt haben. Es war wohl schon etwas aufwendiger, womöglich ein Seidengwebe wie ein gemusterter Damast (Sponsored by Kaisers?).

Natürlich wäre es möglich das die Schwüre die über der Cappa , einem einfachen, von Leichflüssigkeit verflecktem Leinenlappen in Leinwandbindung geleistet wurden. Ein aufwändiges Tuch würde aber mehr Eindruck hinterlassen.  Auch wäre ein solches Tuch wohl eher als  Vexillum S. Martini geeignet, als welches es beschrieben wird wenn es im Feld mitgeführt wird.

Nun ergibt sich für mich die nächste Frage: Was haben wir uns unter dem Vexillum S. Martini vorzustellen?

Zunächst Einmal bezeichnet ein Vexillum ein Feldzeichen der römischen Armee, ein rechteckiges, oder quadratisches Stück Stoff, welches an einem Querbalken hängt und an einer Stange befestigt ist. Davon hat übrigens exakt Eines(!) die Jahrhunderte überdauert und befindet sich heute im Puschkin Museum in Moskau1

Aber nicht zwingend muss unter den Franken das auch noch genauso ausgesehen haben. Viele lateinische Worte hatten bereits ihre Bedeutung verändert oder wurden pars pro toto verwendet. So könnte es grundsätzlich jegliche Arte von Flagge, Banner oder Wimpel bezeichnen können. Aber eine Abbildung eines Vixillum des 11. Jahrhunderts kennen wir gut. Das päpstliche Banner auf dem Mast der Mora, dem Flaggschiff Wilhelm des Eroberers. Ein quadratisches Stück Stoff mit blauem Rand und goldenem, rot gerahmten Kreuz, so aufgehängt das es jeder erkennen kann. Eben wie ein römisches Feldzeichen.  Aber im Gegensatz dazu steht die Abbildung des päpstlichen vexillums auf dem Tricliniumsmosaik im Lateran. Hier wird das vexillum als „einfache“ Fahne dargestellt. Also doch: pars pro toto. Wir können am Namen nicht erkennen wie es tatsächlich aussah.

Grafische Iddee des vexillum s. martini. Die Farbgestaltung nimmt die farben späterer Banner, wie des Oriflamme und der des französischen Königsbanners auf (Für größeres Bild klicken)

Nun tendiere ich aber persönlich tatsächlich dazu das das  Vexillum S. Martini, da es von jedem erkannt werden sollte und auch entsprechend kostbar war,   ebenso in die Schlacht getragen wurde: gut erkennbar über den Köpfen aller, ohne es dabei großartig hin und her zu schwenken, wie es etwa für eine Fahne notwendig wäre um sie erkenntlich zu machen. Eben als Banner oder Standarte. Wobei ich denke das die eigentliche cappa hierbei auf einen Trägerstoff appliziert war. 

Dies würde auch der Handhabe von heutigen Kirchenbannern entsprechen, von denen ich in meiner Laufbahn als Ministrant einige bei Prozessionen schleppen durfte.


Zusätzliches Gedankenspiel:
Gedanklich ratterte es in mir , aber um dies fix zu machen fehlen zu viele Hintergründe und zu viel Theorie steckt hier drin. Daher gesondert als Denkanstoß oder Gedankenspiel.

Bei der Frage nach dem Aussehen des Vexillums stellte ich mir die Frage wie den nun der Stab, oder eher die Lanze aussah an dem das Vexillum hing.

Dabei musste ich an Oriflamme, Montjoie  und die heilige Lanze denken.2

Nun werden sowohl Oriflamme, als auch Montjoie als Banner Karls des Großen beschrieben, jedoch ohne dafür einen Beweis zu haben. Grundsätzlich beginnt das alles erst mit dem Rolandslied aus dem 11./12. Jahrhundert. Einzig zeitgenössisch in den Quellen für Franken und frühe Karolinger ist das Vexillum S. Martini. Und über das wissen wir auch nicht viel. Eine angeblich graublau Färbung rührt nur aus dem Umstand das man in irgendeiner Weise die blaue Grundfarbe der Flagge der französischen Könige begründen wollte.

Was spräche also dagegen das Oriflamme, Montjoie und das vexillum S. Martini (Chape de Saint  Martin) ein und das Selbe sind? Vielleicht sind ja die angeblichen gelben Aplikationen auf der Oriflamme die wiederverwendeten Muster eines Damastgewebes aus des Vixillum?

Und war es nicht Heinrich I. der die Heilige Lanze einst von dem Welfen  Rudolph von Burgund erworben hatte? War nicht Hugo Abbas, Abt von St. Martin in Tours , ebenfalls Welfe? War die Heilige Lanze vielleicht die Fahnenstange zum vexillum s martini?

Ok, ich gebs zu. Das ist jetzt super holprig und eher eine Spinnerei die in eine der History Channel Dokus auf Phoenix oder sonst wo gehört.

Aber im Prinip finde ich den Gedanken dennoch interessant. Da die Flügellanzenspitze der heiligen Lanze niemals zum Kämpfen genutzt wurde könnte sie ursprünglich als Spitze eines Banners genutzt worden sein. Aber dazu Wiener Heiligen Lanze gibts dann auch den nächsten Post.

  1. Bild, WikiComons: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vexilla?uselang=de#/media/File:Vexillum-Pushkin_Museum_of_Fine_Arts.png []
  2. Zu den Sachen hatte ich hier geschrieben. http://www.tribur.de/blog/2012/04/17/das-ende-der-fahnenstange-flaggen-banner-wimpel/ http://www.tribur.de/blog/2012/04/19/lanzen-als-herrschaftszeichen-im-bezug-zu-oriflamme/  []

Odin, Thor und Freyja – Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

„Odin, Thor und Freyja – Skandinavische Kultplätze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich“ ist eine neue Ausstellung des Archäologischen Museums in Frankfurt/Main. Da ich eingeladen war der Eröffnung beizuwohnen konnte ich die Ausstellung bereits am 10.2. in Augenschein nehmen und auch der Eröffnungsfeier im Refektorium des ehemaligen Karmeliterklosters beiwohnen.

Diese begann mit einem  unschönen Programmteil: Prof.  Egon Wamers musste dem zu früh verstorbenen Lars Jørgensen Gedenken, der einer der Mitinitatoren  und dessen Forschungen Grundlage für die Ausstellung war.  Jørgensen war im vergangenen September verstorben.

Weitere Redner waren Arne Friis Petersen, dänischer Botschafter und Schirmherr der Ausstellung, Per Kristian Madsen, Generaldirektor des Dänischen Nationalmuseums Kopenhagen, sowie eine Vertreterin (Der Name ist mir leider entfallen) für Dr. Ina Hartwig , der Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt. Umrahmt wurde die Reden durch die musikalische Untermalung  von Sopranistin Laurie Reviol und Toshinori Ozaki an den Zupfinstrumenten, die thematisch passende Stücke interpretierten und auch Teile aus Beowulf rezitierten.

Die Reden waren, vielleicht bis auf die durch die Vertreterin der Frankfurter Politik, durchweg interessant. Berichteten sie doch u.a. über die Forschung Jørgensens, dessen Ausgrabungen und Forschungen zum Fundplatz Tissø, der die herausragende Grundlage der Ausstellung bildete.
Nach dieser Einführung war für uns die Ausstellung eröffnet, die nun bei „Frankfurter Wein und Käsestangen vom Rewe“, wie es Warmers formulierte, in Augenschein genommen werden durfte.

Als ich dann in der Garderobe meinen Mantel holen wollte um mich zum eigentlichen Museumseingang zu begeben traf ich dann auch das erste bekannte Gesicht in Form von Gawan Dringenberg.

Die Einführung in die Ausstellung beginnt mit einem Blick in die (frühe) Götterwelt im Norden. Ergänzt werden die großflächigen Schautafeln mit einer Vielzahl von meist kleineren Funden, wie Götteramuletten, aber auch silbernem Geschirr das als Opfergabe in Mooren niedergelegt wurde. Diese Funde stammen zum großen Teil aus den Fundplätzen von Hoby und Gudme.

Als Übergang in die Haupträume des Museums dient die begehbare Visualisierung des Kulthauses von Tissø-Fugledegård mit zwei übergroßen Holzidolen und dem fast 2kg schweren Goldreif. Tatsächlich sind es solche Darstellungen, die ich mag. Zum einen lassen diese Visualisierungen in die Welt jener Zeit eintauchen, schaffen aber auf Grund der Wände als Fotoreproduktionen eine nötige Distanz.

Betritt man nun den Hauptraum findet man an der Stirnseite linker Hand eine digitale Rekonstruktion der  großen Halle von Tissø-Fugledegård auf 11m breite. Das Raumerlebnis wird durch eine in den Ausstellungsraum ragende Feuerstelle komplettiert. Somit wird der Verbindundungsbau des Museums zum Kirchenschiff des Karmeliterklosters zur großen Halle von Tissø.

Während sich nun die rechte Seite den Funden aus dem namensgebenden Tissø (Stiersee) findet, darunter eine merowingische Spatha und ein Schwert des 10./11. Jahrhunderts, widmet sich die linke Seite der Festtafel. Hier finden sich neben Banketaxt und Fleischgabeln auch Falknergeschirr und Hundeleinen. Als Vergleiche werden Auschnitte aus dem Teppich von Bayeux genutzt. Auch Vergleiche und Parallelen der Anlagen von Tissø zu fränkischen Königshöfen werden gezogen.

Der Abschnitt über die Beziehungen zu Franken – „Der neue Glauben aus dem Süden“ wird durch die Funde und das Modell des Bootskammergrabes aus Haithabu sowie dem erstmals aus Ingelheim verliehenen Modell der Pfalz Ingelheim gebildet  und befindet sich an dem Platz an dem normalerweise die Funde aus der Pfalz Franconofurd zu sehen sind. Ergänzt wird die gesamte Austellung noch mittels eines Films zu  Ausgrabungen und Fundplatz Tissø, zu dem ich allerdings nichts sagen kann da ich in nicht gesehen habe.

Mit der  Ausstellung ist dem Archäologischen Museum in Frankfurt ein echtes Schmankerl gelungen. Viele der ausgestellten Funde waren noch nie auf deutschen Boden zu sehen, genauso wie viele neue Erkenntnisse zum Fundplatz Tissø präsentiert werden können. Einzig zu kritisieren wäre meiner Ansicht nach mal wieder die Anbringungen der Beschriftungen innerhalb der Vitrinen, da dies Rollifahrern und Sehbehinderten das Lesen der Beschreibungen stark erschwert.

Die Ausstellung ist noch bis 6. Juni  in Frankfurt zu sehen. Eintritt beträgt 7€,  ermäßigt 3,50€. Ein Katalog ist für 17,95 € erhältlich und steht bereits bei mir im Regal. Er enthält alle Texte, sowie Bilder und Informationen  ausgestellter Funde im Katalogteil.
Weitere Informationen, auch Bilder von Funden, hat die Website des Archäologischen Museums Frankfurt

St. Panthaleon – Besuch und Beschreibung

westbau
Westbau von St. Pantaleon

Vergangene Woche war ich recht spontan in Köln. Im Rahmen meiner Idee möglichste viele Graborte deutscher Herrscher zu besuchen war es natürlich selbstverständlich auch St. Pantaleon zu besuchen wo Kaiserin Theophanu beigesetzt ist, die byzantinische Gemahlin von Otto II.

Zur Erklärung: Nur eins Vorweg. Mir erscheint es das sich niemand mehr die Grundrisse seit den Grabungen genauer angesehen hat, bzw. als wenn es nicht legitim erscheint die Westwerks-Theorie anzuzweifeln. Oder aber man sieht den Westwerks-Begriff sehr, sehr weit gefächert. So heißt es auf den Seiten der romanischen Kirchen Köln und auch auf der Seite von St. Pantaleon selbst „Westwerk karolingischen Typs“. Hier scheiden sich die Geister. Ich hatte bereits über die müssige Westwerksdiskussion geschrieben. (Hier zum Nachlesen!)

Wenn man, so wie ich es tue, davon ausgeht das  nur der Aufbau in Corvey ein echtes Westwerk ist, so bleibt als einzige weitere Kirche mit einem Westwerk die alte Kathedrale von Winchester in England, die von der karolingischen Baukunst beeinflusst wurde. Wobei auch hier letztendlich nicht klar ist wie sie nun aufgebaut war.  Nicht aber St. Pantaleon! Hier stimmt der Grundriss überhaupt nicht, also können auch weitere Stockwerke nicht passen! Es gibt keinen Umgang, somit kein Westwerk! Finito! Westbau dagegen ja, weshalb ich den Begriff Westbau verwenden werde!

Mein Besuch:  St. Pantaleon liegt wenige hundert Meter außerhalb der römischen Stadtgrenze Kölns, die sich hier am Blaubach entlang zog und heute durch die Straße Blaubach erkenntlich ist.  Nach einer Grünfläche erreicht man von der Innenstadt kommend ein Tor und durchquert man dieses fällt der Blick sofort auf den Monumentalen Westbau von St. Pantaleon. Leider ist jedoch nur weniges noch Original, denn weniger der Zweite Weltkrieg, denn die Umbauten des Barock hatten dem Westbau schwer zugesetzt. Der Zentrale Turm war erhöht worden, der Porticus entfernt und die Treppentürme nach einem Einsturz  bis hinunter auf den quadratischen Teil hin abgebrochen gewesen.

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Sarg Theophanus

Rechts des Porticus befindet sich der Eingang, der in das südlich  Seitenschiff führt.
Wenige Schritte nur und man befindet sich im Westbau. Gleich rechts im Annex des Westbaus steht ein weißer Marmorsargophag der die sterblichen Reste Theophanos beherbergt. Sein Deckel ist mit quadratischen Ornamenten geschmückt die man auch von byzantinischen Miniaturen her kennt. Er stammt aus dem Jahr 1965.
Die Bögen des Westbaus und seiner Empore sind in alternierend rot aus rotem und hellen Sandstein gefertigt, etwas das man auch als byzantinischen Stil bezeichnet.

Vor dem barocken Chor findet sich ein spätgotischer Lettner, der vor eine moderne Betonwand montiert ist. Der Grund für diese eigenwillige Konstruktion sind nicht etwa Kriegsschäden. Der durch einen großen Bogen vom Schiff getrennte Westbau war im barock vermauert worden. Dort Stand der Lettner ohne Rückwand und trug die Orgel. Im Zuge der Romanisierung rückte er wieder vor den Chor.

Irgendwann an diesem Punkt meines Besuches muss mein Gemurmel, Blickachsensucherei und Abschreiten von Distanzen die Aufmerksamkeit eines bis dato unscheinbaren Herren in der hintersten Bank der Kirche auf sich gezogen haben, denn er trat an mich heran und fragte ob ich die Krypta sehen wollte. Wollte ich? Natürlich wollte ich!
Der Herr, der wie sich herrau stellte vom Verein für Romanische Kirchen in Köln war, war so freundlich mir den Chorraum zu öffnen von wo aus eine Treppe in die Krypta führte. Dort ist die Ringkrypta und ein Teil ihres Vorgängers, einer Stollenkrypta, noch erkennbar. In dem Stückchen Stollen, der nun Ringkrypta und Hallenkrypta verbindet steht der Sarg Bischof Bruns. Brun war jüngerer Bruder Ottos I. und Bischof von Köln. Er besitzt noch seinen original Sarg, nur der Deckel musste erneuert werden.

Im Anschluss wurde mir noch eine größere Ehre zu Teil, denn Herr knippste zu erst das Licht hinter in einen Raum unter dem Altar an, der nur über ein kleines Gitterchen zu sehen war um mich dann zu fragen ob er aufschließen solle. Hinter dem schmiedeisernen Türchen verbargen sich die Reste der unter der Kirche liegenden römischen Ausgrabung, inkl. Wasserleitung und Hypocaustum. Auch hier ließ ich mich nicht bitten.
Leider dachte ich im Anschluss nicht für 5 Dinarii nach, denn sicherlich wäre mir auch der Zugang auf die Emporen geöffnet worden… Dennoch danke an den netten Herrn!

 

Innenraum des Westbaus
Innenraum des Westbaus

Zur Kirche und ihrer Geschichte selbst: Die heutige Kirche steht auf den resten einer römischen villa suburbana des 3. Jahrhunderts. Zwischen 866 und 877 wird bereits eine Kirche erwähnt die dem hl. Pantaleon geweiht ist. Dies ist insoweit erstaunlich da St. Pantaleon eher ein oströmischer Heiliger ist und man daher vermuten könnte die Byzantinerin Theophanu sei für die Weihung verantwortlich. Möglicherweise war es eher umgekehrt und der byzantinische Heilige weckte ihr Interesse an Kirche und Kloster.
Es finden sich im Umfeld der Kirche jedoch bereits reiche Gräber der späten Merowingerzeit die nahelegen das hier bereits eine Kirche stand. Sven Schütte und andere gehen davon aus das bereits die Bauten der villa als Kirche genutzt wurden.

Durch Bischof Brun erfolgt zwischen 955 und 964 die Gründung einer Benediktinerabtei. Dieser Stiftet Reliquien des Heiligen und wird hier zum Bischof geweiht. Auf Wunsch seines Bruders Otto I. wird er nach seinem Tod 965 auch in dieser Kirche beigesetzt.
Kurz darauf beginnt Bischof Warin mit dem Neubau der Kirche. Sie ist einschiffig und besitzt einen Westbau dessen Eingangsbereich (Westbau) ähnlich einer Krypta überwölbt ist. Es handelt sich aber dem grundriss nach nicht um ein Westwerk im klassischen Sinn!
Vor der Kirche entsteht ein oktagonaler Bau.

Kurz darauf tritt auch schon Theophanu auf den plan und baut die Kirche erneut um. Sie erhält eine gestelzte Apsis, eine Ringkrypta, einen doppelt so tiefen Portikus wie heute mit Skulpturen und auch den Westbau. Dieser ist wie viele dieser Kirchen jener Zeit nicht als Kaiserempore oder ähnliches zu verstehen, denn die Idee einer Kaiserempore ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.
Der Sinn der Emporen ist viel profaner! Noch immer war St. Pantaleon eine Benediktinerkloster, von Mönchen bewohnt! Und Frauen, selbst wenn sie Kaiserin sind und aus Byzanz stammen, haben im Langhaus nichts zu suchen! Sie waren auf der Frauenempore. So wie in Gernrode, so wie in Kaufungen, so wie in Essen, so wie in Quedlinburg usw. Ach noch schöneres Beispiel: wie in der Hagia Sophia in Byzanz selbst!!

Mit ihrem Tod 991 wird Theophanu im Westbau beigesetzt. 11 Jahre später wird ihr toter Sohn Otto III. vor seiner Überführung nach Aachen ebenfalls in der Kirche aufgebahrt.

Es folgen weitere Umbauten. Um 1150 werden die Seitenräume des Westbaus überwölbt, die Flankentürme erhalten runde Aufsätze und Seitenschiffe werden angebaut. 1230 Wird eine Scheitelnische in die Krypta eingebaut. Im 17. Jahrhundert erfolgt dann die Barockisierung. 1835 wird auf dem Turm ein optischer Telegraph installiert. 1882 bis 92 erfolgt die Reromanisierung der Kirche, 1925 wird die Krypta freigelegt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Mittelschiff und weitere Teile stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wiederherstellung erfolgt im Anschluss und ist erst 1962 beendet.

Das ottonische Liuthar-Evangeliar unter Betrachtung des Byzantinismus

Die Darstellung Ottos III. im Luithar-Evangeliar ist eine der bemerkenswetesten Darstellungen eine Herrschers des Mittelalters.

uploadottoiiiDas Thronbild zeigt Otto III. auf dem Thron sitzend, überhöht von allen, umgeben von Engeln, umfangen von einer Mandorla die sonst in den Darstellungen einzig Christus vorbehalten ist. Gerahmt wird das Ganze durch eine Purpurne Arkade. Die Kaiserkrone erhält Otto direkt von Gott, ohne Umweg über den Papst.

Dieses Bild enthält mehr Anspielung als man auf den ersten Blick sieht und einige habe ich gerade eben schon aufgezählt.
Otto III., der erste der sich auch als römischer Kaiser bezeichnet, nutzt die den byzantinischen Herrschern vorbehaltene Farbe Pupur. Zum einen wegen seines kaiserlichen Anspruches, vielleicht aber auch als Anspielung auf seine Mutter Theophanu, von der man ja eigentlich gehofft hatte das sie eine Purpurgeborene sei.1
Die Überhöhung Ottos, verbunden mit der Krönung durch Gotteshand selbst und der Gleichsetzung bzw. Nachfolge Christi, entspricht ebenfalls der Gleichsetzung mit den byzantinischen Herrschern. Die sich als über dem Patriarchen stehend betrachteten. Gleiches macht Otto wenn er den Papst nicht einmal im Hauch darstellt.

Interessanter finde ich jedoch etwas das ich erst bei meiner Recherche zum vorhergehenden Artikel fand. Die Beschreibung Luitprand von Cremonas seiner Audienz beim byzantinischen Kaiser:

Bei meinem Eintritt erhoben die Löwen ihr Gebrüll und die Vögel zwitscherten je nach ihrem Aussehen; mich aber ergriff weder Furcht noch Erstaunen, da ich mich nach alledem bei Leuten, die damit wohl bekannt waren, genau erkundigt hatte. Nach dreimaliger tiefer Verbeugung vor dem Kaiser hob ich den Kopf empor und erblickte ihn, den ich zuerst gehoben auf einer kleinen Erhöhung sitzen sah, fast bis zur Decke der Halle emporgehoben und mit anderen Kleidern angetan. Wie dies zuging, kann ich mir nicht denken, es sei denn, daß er emporgehoben wurde wie die Bäume der Kelterpressen gehoben werden. Mit eigenem Munde sprach der Kaiser bei dieser Gelegenheit kein Wort; denn wenn er auch gewollt hätte, so wäre solches wegen der großen Entfernung unziemlich gewesen; durch seinen Kanzler aber erkundigte er sich nach Berengars Leben und Wohlergehen. Nachdem ich darauf in gebührender Weise geantwortet hatte, trat ich auf den Wink des Dolmetschers ab und wurde in die mir angewiesene Herberge zurückgebracht. (Hervorhebung durch mich)

Unter dem Eindruck des vorangegangenen Zitates halte ich es für möglich das die Abbildung nicht nur eine symbolische Darstellung der göttlichen Überhöhung zeigt, sondern auch mindestens Anspielung auf das byzantinische Hofzeremoniell sein könnte, wenn nicht sogar deren explizite Darstellung ist.

  1. der Begriff purpurgeboren rührt von einem purpurnen Raum im Palast in Byzanz der für die Geburt der Kinder des Kaisers vorbehalten war []

Eine Frage der Festkleidung oder warum Byzanz nach Franken gekommen sein könnte

Schon vor 5 Jahren machte ich mir Gedanken zu Mänteln und ihrer Bedeutung als möglicher „Sonntagskleidung“ (siehe hier und hier ). Dabei schnitt ich das Thema leider viel zu kurz an , wie ich beim erneuten Lesen feststellen musste. Tatsächlich scheint hier mehr dahinter zu stehen als einfach eine spezielle Art der Kleidung des adligen Karolingers zum Kirchgang oder für zeremonielles Ritual.

Beinlinge aus byzantinischer Seide
Beinlinge aus byzantinischer Seide, getragen von einem fränkischen Grafen (Gawan Dringenberg)

Das Byzanz Einfluss auf den Kleidungsstil der Karolinger hatte. beschreibt auch Notker in seiner Gesta Karoli1 , wenn er sich über die Höflinge in ihrer feinen Kleidung lustig macht, die nicht zur Jagd geeignet sei. Wobei Notker wohl augenscheinlich etwas übertreibt, denn in der Karlsbeschreibung Einhards wird die fränkische Tracht Karls wie selbstverständlich als mit Seide verziert beschrieben. Seide als solches war also im fränkischen Reich nichts unbekanntes, wenn auch lediglich der High Society verfügbar.

Doch wie kamen die Karolinger, nach dem sie ja schon Seidenstoffe kannten und trugen und das schon seit Opas Merowingerzeit, an die Byzantinische Kleidung an sich, bzw. was veranlasste sie  byzantinischen Stil und Chick zu übernehmen oder sich von ihm beeinflussen lassen? Und das weit bevor mit den Kreuzzügen ähnliche Moden im zentralen Europa für  breite Schichten verfügbar waren?

Eine Frage der Diplomatie:
Zwar hatte der byzantinische Kaiser Michael 812 den Titel Karls des Großen als Kaiser bestätigt, sah sich aber selbst dennoch in einer Vormachtstellung über alle Fürsten der Welt. Allein schon da er über den Patriarchen stand, während der Fränkischen Kaiser im Verständnis der westlichen Kirche unter dem Papst standen.

Den Franken war diese Abwertung ihres Kaisertums durchaus bewusst, es konnte ihnen auch nicht verborgen bleiben, denn die byzantinischen Kaiser nannten sich schon bald explizit romanorum imperator augustus, also Römische Kaiser während die Franken nur den Titel des imperator augustus , also Kaiserfür sich beanspruchen konnten. Erst Otto III. fügt den Zusatz des römischen Kaisers dem Seinen hinzu.

Die Franken versuchten beständig ihren Kontakt mit Byzanz zu verbessern, auch bezüglich ihrer Anerkennung,  und schickten Botschafter in den Osten. Doch beim Kaiser empfangen zu werden war ein langwieriges Unterfangen. Es konnte Monate dauern bis man vorgelassen wurde und das Prozedere selbst war weit weniger leger als am fränkischen Hof und in ein starres Korsett gepresst, das heute als Byzantinismus bezeichnet wird. Davon weiß zum Beispiel Luitbrand von Cremoa zu berichten, als er 949/950  und 968 am byzantinischen Hof weilte.

Die als Barbaren bezeichneten fränkischen Gesandten mussten sich also ihrer Umgebung anpassen um nicht ganz als Barbaren da zu stehen. Am einfachsten war dies in dem man sich am Kleidungsstil anpasste um so zumindest optisch der Vorverurteilung zu entgehen.

Natürlich kehrten die Gesandten auch wieder ins Fränkische Reich zurück. Im Gepäck unter Anderem das Wissen um das aufwendige Hofprotokoll und die Kleidung aus Byzanz.

Aber auch der umgekehrte Fall ist uns bekannt. Byzantinische Gesandte am fränkischen Hof. So berichten die fränkischen Annalen von Ludwig dem Frommen  der in den Vogesen oder dem Pfälzerwald auf byzantinische Gesandte trifft. Der Wald ist nicht unbedingt der Ort an dem man Audienz mit den Byzantiner halten will, also gehts weiter nach Ingelheim nur um festzustellen das die Mühe eher sinnlos war:

(…)und als er hörte, dass ihre Botschaft keine andere sei als die, welche erst vor kurzem Niciforus als Gesandter desselben Kaisers überbracht hatte, entließ er sie bald wieder und reiste weiter, wohin er [eigentlich] wollte.

Man bemühte sich also den Byzantinern einen gewissen Prunk zu zeigen, denn Pfalzen hätte es durchaus gegeben auf dem Weg, nur eben keine wie Ingelheim.

Schenken wir nun Einhards Beschreibung Karls des Großen und auch der später erschienenen Gesta Notkers Glauben, so könnte sich folgendes Bild ergeben: Unter Karls Herrschaft und wohl auch noch in Teilen unter Ludwig dem Frommen herrschte noch ein gewisses fränkisches Selbstbewusstsein, das es aus eigenem Stolz heraus nicht nötig machte sich näher Byzanz anzubiedern. Den späteren karolingischen Herrschern fehlte eine Dominanz wie sie Karl inne hatte.  Man suchte die Augenhöhe mit Byzanz herzustellen in dem man mehr und mehr byzantinische Gepflogeneiten übernahm, darunter auch die Kleidung bei Hofe. So ist die nach 880 entstandene Gesta Karls mit der Anekdote der byzantinisch gekleideten Höflinge als Kritik der Anbiederung an Byzanz zu verstehen.

Dies wird auch deutlich wenn man sich ein bestimmtes Herrscherbild aus späterer Zeit ansieht, das ich jedoch in seinem Kontext gesondert morgen behandeln werde.

Es zeigt sich also das die Verwendung byzantinischer Trachtenbestandteile nicht aus modischen Aspekten zu verstehen ist. Vielmehr handelt es sich um den Versuch den Anspruch auf den westlichen Kaiserthron auch in Kleidung und Habitus zu manifestieren.

 

Ergänzend. bzw. in die Merowingerzeit führend,  findet sich bei academia.edu ein neues PDF von Fr. Mechtild Schulze Dörrlamm „Einflüsse byzantinischer Prunkgewänder auf die fränkische Frauentracht“ aus dem Arch. Korrospondezblatt von 1976, ich hab allerdings noch nicht reingeschaut…

 

  1. Gesta Karoli I 8 []

Heiß, heißer, Museumsuferfest

 

Gawan Dringenberg (Rechts) und ich
Gawan Dringenberg (Rechts) und ich am Mainufer (Oder auch comes und iudex halten einen Plausch)

Am 27. und 28.8. war ich als Gast von Reges-Francorum im Archäologischen Museum Frankfurt und durfte dort mit Anderen den fränkisch karolingischen Erklärbar geben.
Zwar habe ich Ähnliches bereits früher gemacht, jedoch wurde mir bisher nie die Ehre zu Teil dies im Verbund einer Truppe , geschweige denn im Archäologischen Museum Frankfurt zu tun.

Meine Ausrüstung hatte ich bereits am Freitag Abend im Museum deponieren können, wo uns dankenswerter Weise ein Räumlichkeit im Untergeschoss zur Verfügung gestellt wurde die mit dem wichtigsten Utensil des Wochenendes ausgestattet worden war: Wasser!
Dem Samstag konnte ich somit gelassen entgegen sehen, zumindest was Probleme der Parkplatzsuche in der Frankfurter Innenstadt anging. Am frühen morgen fuhr ich am Samstag mit dem PKW bis an die Frankfurter Stadtgrenze, schwang mich auf meine mein Crossrennrad und konnte somit entspannt die letzten 10km hinter mich bringen und pünktlich vor Ort sein, das Rad im Keller des Museums verstauen und mich in Thorsberghose, Wadenwickel, nadelgebundene Strümpfe, Wendeschuhe, Untertunika und Tunika zwängen. Warum schreibe ich was ich trug? Kleidung war an diesem Wochenende, neben der Flüssigkeitsaufnahme, ein entscheidender Faktor, sollte doch das Quecksilber bis auf 36°C klettern.

Hintergrund unserer Anwesenheit war neben dem Museumsuferfest auch der Hinweis auf die kommende Ausstellung „Odin, Thor und Freyja“, in der auch auf die Beziehung zwischen Franken und Dänen eingegangen wird.

Bereits gegen 10 Uhr, als das Museum seine Pforten öffnete, merkte jeder von uns die Hitze die uns den Tag über begleiten und im Nacken sitzen sollte. Ich konnte dies bereits merken als ich in Begleitung kurz vor 11:00 Uhr erste Flyer am Mainufer verteilte die auf unsere kommenden Aktionen hinwiesen:
Gegen 11.00, 16:00 und 19:00 Uhr gab es Vorführungen von Militärtechnik und Militärtechniken, um 13:00 und 17:00 eine Modenschau der Damenwelt und durchgehend wurden im Museum und davor Handwerk präsentiert, darunter Schmiedearbeit und Glasperlen Herstellung, Scriptoriumsarbeit und Pergament Herstellung, Bogenbau, Stick- und Näharbeiten, Nadelbinding, Brettchenweben usw.
Gerade unsere Militäreinheit muss extrem geschwitzt haben unter Stoffpanzer, Kette oder Lamellenpanzer. Umso bemerkenswerter das manche den ganzen Tag die Rüstung nicht mehr auszogen. Wohl auch aus dem Hintergrund das alles darunter vollkommen durchgeweicht war. Hut ab meine Herren!
Selbst ich in gehobener Zivilkleidung legte nach einiger Zeit mein Schwert ab, denn jedes Gramm Gewicht das man mit sich herum schleppte war zu viel. Trotz dieser Wiedrigkeiten die am Sonntag auch noch Opfer in den eigenen Reihen fordern sollte, waren alle hoch motiviert, was nicht zuletzt auch am tollen Publikum lag, dem hier ein großartiges Lob gebührt!

Modenschau
Modenschau mit privilegierter slawischer Frau, Dame aus Haithabu, dänische Hofdame und fränkischer Adligen

Trotz der großen Hitze, die dem Museumsuferfest weniger Besucher bescherte, waren die Besucher am Archäologischen Museum durchweg interessiert und aufgeschlossen. Und das war wirklich bemerkenswert wenn man bedenkt das das Museumsuferfest in großen Teilen kein Fest der Museen mehr ist, sondern eine ausgiebige Party und Fressmeile bietet.
So entstanden jedoch fantastische Gespräche. Ich habe selten so ein interessiertes Publikum erlebt!!

Der zweite Tag war für uns wesentlich schwerer zu bewältigen. Obwohl Sonntag sich ein wenig die Luft bewegte, steckte doch allen die Hitze des Vortages in den Knochen. Fehlende Mineralien und der gestörter Wasserhaushaltund mitunter schlechter Schlaf in Autos taten ihr übriges. Einige der Damen und Herren hatten nun auch leichtere Kleidung gewählt und zum Beispiel Wollkleid gegen Leinenkleid getauscht. Dennoch war vieles gemächlicher, bis auf die Kampfvorführung die sogar etwas an Zahn zulegte. Aber wir hatten Sonntag doch einzelne kreislaufbedingte Opfer zu bringen und das Obwohl wir für in regelmäßigen Abständen einige Minuten immer mal wieder im Museumsinneren für Durchzug sorgen konnten.
Auch der Besucherandrang war am Sonntag wesentlich geringer. Vielleicht auch weil gegen 17:00 Uhr Windböhen aufkamen und dunkle Wolken ein Gewitter ankündigten das jedoch ausblieb. So lagen viele der Kämpfer nur noch kraftlos um Jaxas improvisierter Schmiede und versuchten es sich so angenehm wie möglich zu machen.

Als wir gegen 19:30 mit dem Abbau begannen und aus unseren Trachten schlüpfen konnten neigte sich ein anstrengendes, aber schönes Wochenende dem Ende entgegen. Ich möchte mich bei allen beteiligten ganz herzlich Bedanken, hoffe das alle gut nach Hause gekommen sind und freue mich auf jeden Fall auf eine weitere Einladung von Reges Francorum!

Auf Facebook befindet sich ein Album mit einigen meiner Aufnahmen (Klick mich) (Ein Video folgt…)

Kurzfristiger Veranstaltungshinweis – Karolinger in Frankfurt

Heute hat das Frankfurter Museumsuferfest begonnen. Und dabei wird das Archäologische Museum durch karolinger belebt.

Hier zu der Informationstext:

Die Karolinger und ihre nordischen Nachbarn – Die Pfalz Franconofurd 800 bis 1000 n. Chr.

Reges Francorum und Gäste

Das Archäologische Museum nimmt seine Besucher beim Museumsuferfest 2016 mit in die Zeit um 800 bis 1000 n. Chr. Als Karl der Große und seine Nachfolger in mächtigen Pfalzanlagen herrschten, wurde im wikingischen Norden in prächtigen Hallen Hof gehalten. Die Gruppe Reges Francorum gibt lebendige Einblicke in diese Zeit. Im Museum dreht sich fleißig die Spindel, die Bogensehne surrt, die Feder fliegt übers Pergament. Draußen ächzen Männer unter dem Gewicht der Kettenhemden, begleitet vom Hämmern der Schmiede. Hier werden Schilde in Anschlag gebracht und die Schwerter gekreuzt. Edle Damen zeigen, was es hieß, Fränkin oder Wikingerin zu sein. (…)

Der Punkt bei der Geschichte ist, das ich einer der Gäste bin und endlich auch mal wieder was aktiv mache…

Würde mich freuen wenn man sich sieht!

Ein neuer Gürtel für den Karolinger

Vor geraumer Zeit habe ich in Ingelheim eine Replik der Ingelheimer Riemenzunge im Tassilokelchstil erstanden (hier schrieb ich darüber). Schon damals wollte ich mir einen neuen Gürtel daraus fertigen. Etwas kleines , aber feines.

Ich hatte seinerzeit tatsächlich überlegt mich mit Kammweben auseinander zusetzten und mir selbst einen entsprechenden Gürtel zu weben. Da mir aber im Moment der Nerv und die Zeit dazu fehlt entschloss ich mich dazu einen passendes Leinenband fertig zu kaufen. Als Färbung entschied ich mich für Maulbeere, zu Einen weil mir die Farbe gefällt, zum Anderen weil die Maulbeere im Capitulare de villis genannt wird.

Da ich ihn aber nicht einfach nur maulbeerfarben lassen wollte, habe ich ihn ein kleinwenig verziert. Tatsächlich erfuhr ich ja von einem Fund einer Gürtelzunge an der auch noch Reste eines kammgewebten  Textilbandes fanden das Goldlan im Schuss besaß. Aber ganz so prunkvoll wollte ich (noch) nicht daher kommen.
Was die Schnalle der neuen Gürtelgarnitur angeht war ich ein wenig im Dilemma, denn am liebsten hätte ich ebenfalls etwas im Tassilokelchstil gehabt. Andererseits wollte ich etwas aus einem lokalen Fund. Und zu allem Überfluss musste die Schnalle ja zum Hauptstück, der Ingelheimer Riemenzunge in der Größe passen.  So griff ich dann letztendlich auf eine Schließe aus Frankfurt zurück.

SchnalleSie wurde am Alten Markt nördlich der Frankfurter Pfalzgebäude gefunden. In Franconofurd I wird sie auf um 800 datiert, was zeitlich konform geht mit der Riemenzunge. Zwar wird auf Grund ihrer geringen Größe am ehesten als Teil einer Sporengarnitur gesehen, aber wie gesagt es passt zeitlich und von der Größe. Vielleicht gibts noch mal 2 in Silber für die Sporen bei Gelegenheit 😉

Auf jeden Fall ist der Gürtel nun fast fertig und harrt der Dinge die kommen mögen.

Gürtel