St. Panthaleon – Besuch und Beschreibung

westbau
Westbau von St. Pantaleon

Vergangene Woche war ich recht spontan in Köln. Im Rahmen meiner Idee möglichste viele Graborte deutscher Herrscher zu besuchen war es natürlich selbstverständlich auch St. Pantaleon zu besuchen wo Kaiserin Theophanu beigesetzt ist, die byzantinische Gemahlin von Otto II.

Zur Erklärung: Nur eins Vorweg. Mir erscheint es das sich niemand mehr die Grundrisse seit den Grabungen genauer angesehen hat, bzw. als wenn es nicht legitim erscheint die Westwerks-Theorie anzuzweifeln. Oder aber man sieht den Westwerks-Begriff sehr, sehr weit gefächert. So heißt es auf den Seiten der romanischen Kirchen Köln und auch auf der Seite von St. Pantaleon selbst “Westwerk karolingischen Typs”. Hier scheiden sich die Geister. Ich hatte bereits über die müssige Westwerksdiskussion geschrieben. (Hier zum Nachlesen!)

Wenn man, so wie ich es tue, davon ausgeht das  nur der Aufbau in Corvey ein echtes Westwerk ist, so bleibt als einzige weitere Kirche mit einem Westwerk die alte Kathedrale von Winchester in England, die von der karolingischen Baukunst beeinflusst wurde. Wobei auch hier letztendlich nicht klar ist wie sie nun aufgebaut war.  Nicht aber St. Pantaleon! Hier stimmt der Grundriss überhaupt nicht, also können auch weitere Stockwerke nicht passen! Es gibt keinen Umgang, somit kein Westwerk! Finito! Westbau dagegen ja, weshalb ich den Begriff Westbau verwenden werde!

Mein Besuch:  St. Pantaleon liegt wenige hundert Meter außerhalb der römischen Stadtgrenze Kölns, die sich hier am Blaubach entlang zog und heute durch die Straße Blaubach erkenntlich ist.  Nach einer Grünfläche erreicht man von der Innenstadt kommend ein Tor und durchquert man dieses fällt der Blick sofort auf den Monumentalen Westbau von St. Pantaleon. Leider ist jedoch nur weniges noch Original, denn weniger der Zweite Weltkrieg, denn die Umbauten des Barock hatten dem Westbau schwer zugesetzt. Der Zentrale Turm war erhöht worden, der Porticus entfernt und die Treppentürme nach einem Einsturz  bis hinunter auf den quadratischen Teil hin abgebrochen gewesen.

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Sarg Theophanus

Rechts des Porticus befindet sich der Eingang, der in das südlich  Seitenschiff führt.
Wenige Schritte nur und man befindet sich im Westbau. Gleich rechts im Annex des Westbaus steht ein weißer Marmorsargophag der die sterblichen Reste Theophanos beherbergt. Sein Deckel ist mit quadratischen Ornamenten geschmückt die man auch von byzantinischen Miniaturen her kennt. Er stammt aus dem Jahr 1965.
Die Bögen des Westbaus und seiner Empore sind in alternierend rot aus rotem und hellen Sandstein gefertigt, etwas das man auch als byzantinischen Stil bezeichnet.

Vor dem barocken Chor findet sich ein spätgotischer Lettner, der vor eine moderne Betonwand montiert ist. Der Grund für diese eigenwillige Konstruktion sind nicht etwa Kriegsschäden. Der durch einen großen Bogen vom Schiff getrennte Westbau war im barock vermauert worden. Dort Stand der Lettner ohne Rückwand und trug die Orgel. Im Zuge der Romanisierung rückte er wieder vor den Chor.

Irgendwann an diesem Punkt meines Besuches muss mein Gemurmel, Blickachsensucherei und Abschreiten von Distanzen die Aufmerksamkeit eines bis dato unscheinbaren Herren in der hintersten Bank der Kirche auf sich gezogen haben, denn er trat an mich heran und fragte ob ich die Krypta sehen wollte. Wollte ich? Natürlich wollte ich!
Der Herr, der wie sich herrau stellte vom Verein für Romanische Kirchen in Köln war, war so freundlich mir den Chorraum zu öffnen von wo aus eine Treppe in die Krypta führte. Dort ist die Ringkrypta und ein Teil ihres Vorgängers, einer Stollenkrypta, noch erkennbar. In dem Stückchen Stollen, der nun Ringkrypta und Hallenkrypta verbindet steht der Sarg Bischof Bruns. Brun war jüngerer Bruder Ottos I. und Bischof von Köln. Er besitzt noch seinen original Sarg, nur der Deckel musste erneuert werden.

Im Anschluss wurde mir noch eine größere Ehre zu Teil, denn Herr knippste zu erst das Licht hinter in einen Raum unter dem Altar an, der nur über ein kleines Gitterchen zu sehen war um mich dann zu fragen ob er aufschließen solle. Hinter dem schmiedeisernen Türchen verbargen sich die Reste der unter der Kirche liegenden römischen Ausgrabung, inkl. Wasserleitung und Hypocaustum. Auch hier ließ ich mich nicht bitten.
Leider dachte ich im Anschluss nicht für 5 Dinarii nach, denn sicherlich wäre mir auch der Zugang auf die Emporen geöffnet worden… Dennoch danke an den netten Herrn!

 

Innenraum des Westbaus
Innenraum des Westbaus

Zur Kirche und ihrer Geschichte selbst: Die heutige Kirche steht auf den resten einer römischen villa suburbana des 3. Jahrhunderts. Zwischen 866 und 877 wird bereits eine Kirche erwähnt die dem hl. Pantaleon geweiht ist. Dies ist insoweit erstaunlich da St. Pantaleon eher ein oströmischer Heiliger ist und man daher vermuten könnte die Byzantinerin Theophanu sei für die Weihung verantwortlich. Möglicherweise war es eher umgekehrt und der byzantinische Heilige weckte ihr Interesse an Kirche und Kloster.
Es finden sich im Umfeld der Kirche jedoch bereits reiche Gräber der späten Merowingerzeit die nahelegen das hier bereits eine Kirche stand. Sven Schütte und andere gehen davon aus das bereits die Bauten der villa als Kirche genutzt wurden.

Durch Bischof Brun erfolgt zwischen 955 und 964 die Gründung einer Benediktinerabtei. Dieser Stiftet Reliquien des Heiligen und wird hier zum Bischof geweiht. Auf Wunsch seines Bruders Otto I. wird er nach seinem Tod 965 auch in dieser Kirche beigesetzt.
Kurz darauf beginnt Bischof Warin mit dem Neubau der Kirche. Sie ist einschiffig und besitzt einen Westbau dessen Eingangsbereich (Westbau) ähnlich einer Krypta überwölbt ist. Es handelt sich aber dem grundriss nach nicht um ein Westwerk im klassischen Sinn!
Vor der Kirche entsteht ein oktagonaler Bau.

Kurz darauf tritt auch schon Theophanu auf den plan und baut die Kirche erneut um. Sie erhält eine gestelzte Apsis, eine Ringkrypta, einen doppelt so tiefen Portikus wie heute mit Skulpturen und auch den Westbau. Dieser ist wie viele dieser Kirchen jener Zeit nicht als Kaiserempore oder ähnliches zu verstehen, denn die Idee einer Kaiserempore ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.
Der Sinn der Emporen ist viel profaner! Noch immer war St. Pantaleon eine Benediktinerkloster, von Mönchen bewohnt! Und Frauen, selbst wenn sie Kaiserin sind und aus Byzanz stammen, haben im Langhaus nichts zu suchen! Sie waren auf der Frauenempore. So wie in Gernrode, so wie in Kaufungen, so wie in Essen, so wie in Quedlinburg usw. Ach noch schöneres Beispiel: wie in der Hagia Sophia in Byzanz selbst!!

Mit ihrem Tod 991 wird Theophanu im Westbau beigesetzt. 11 Jahre später wird ihr toter Sohn Otto III. vor seiner Überführung nach Aachen ebenfalls in der Kirche aufgebahrt.

Es folgen weitere Umbauten. Um 1150 werden die Seitenräume des Westbaus überwölbt, die Flankentürme erhalten runde Aufsätze und Seitenschiffe werden angebaut. 1230 Wird eine Scheitelnische in die Krypta eingebaut. Im 17. Jahrhundert erfolgt dann die Barockisierung. 1835 wird auf dem Turm ein optischer Telegraph installiert. 1882 bis 92 erfolgt die Reromanisierung der Kirche, 1925 wird die Krypta freigelegt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Mittelschiff und weitere Teile stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wiederherstellung erfolgt im Anschluss und ist erst 1962 beendet.

Das ottonische Liuthar-Evangeliar unter Betrachtung des Byzantinismus

Die Darstellung Ottos III. im Luithar-Evangeliar ist eine der bemerkenswetesten Darstellungen eine Herrschers des Mittelalters.

uploadottoiiiDas Thronbild zeigt Otto III. auf dem Thron sitzend, überhöht von allen, umgeben von Engeln, umfangen von einer Mandorla die sonst in den Darstellungen einzig Christus vorbehalten ist. Gerahmt wird das Ganze durch eine Purpurne Arkade. Die Kaiserkrone erhält Otto direkt von Gott, ohne Umweg über den Papst.

Dieses Bild enthält mehr Anspielung als man auf den ersten Blick sieht und einige habe ich gerade eben schon aufgezählt.
Otto III., der erste der sich auch als römischer Kaiser bezeichnet, nutzt die den byzantinischen Herrschern vorbehaltene Farbe Pupur. Zum einen wegen seines kaiserlichen Anspruches, vielleicht aber auch als Anspielung auf seine Mutter Theophanu, von der man ja eigentlich gehofft hatte das sie eine Purpurgeborene sei.1
Die Überhöhung Ottos, verbunden mit der Krönung durch Gotteshand selbst und der Gleichsetzung bzw. Nachfolge Christi, entspricht ebenfalls der Gleichsetzung mit den byzantinischen Herrschern. Die sich als über dem Patriarchen stehend betrachteten. Gleiches macht Otto wenn er den Papst nicht einmal im Hauch darstellt.

Interessanter finde ich jedoch etwas das ich erst bei meiner Recherche zum vorhergehenden Artikel fand. Die Beschreibung Luitprand von Cremonas seiner Audienz beim byzantinischen Kaiser:

Bei meinem Eintritt erhoben die Löwen ihr Gebrüll und die Vögel zwitscherten je nach ihrem Aussehen; mich aber ergriff weder Furcht noch Erstaunen, da ich mich nach alledem bei Leuten, die damit wohl bekannt waren, genau erkundigt hatte. Nach dreimaliger tiefer Verbeugung vor dem Kaiser hob ich den Kopf empor und erblickte ihn, den ich zuerst gehoben auf einer kleinen Erhöhung sitzen sah, fast bis zur Decke der Halle emporgehoben und mit anderen Kleidern angetan. Wie dies zuging, kann ich mir nicht denken, es sei denn, daß er emporgehoben wurde wie die Bäume der Kelterpressen gehoben werden. Mit eigenem Munde sprach der Kaiser bei dieser Gelegenheit kein Wort; denn wenn er auch gewollt hätte, so wäre solches wegen der großen Entfernung unziemlich gewesen; durch seinen Kanzler aber erkundigte er sich nach Berengars Leben und Wohlergehen. Nachdem ich darauf in gebührender Weise geantwortet hatte, trat ich auf den Wink des Dolmetschers ab und wurde in die mir angewiesene Herberge zurückgebracht. (Hervorhebung durch mich)

Unter dem Eindruck des vorangegangenen Zitates halte ich es für möglich das die Abbildung nicht nur eine symbolische Darstellung der göttlichen Überhöhung zeigt, sondern auch mindestens Anspielung auf das byzantinische Hofzeremoniell sein könnte, wenn nicht sogar deren explizite Darstellung ist.

  1. der Begriff purpurgeboren rührt von einem purpurnen Raum im Palast in Byzanz der für die Geburt der Kinder des Kaisers vorbehalten war []

Eine Frage der Festkleidung oder warum Byzanz nach Franken gekommen sein könnte

Schon vor 5 Jahren machte ich mir Gedanken zu Mänteln und ihrer Bedeutung als möglicher “Sonntagskleidung” (siehe hier und hier ). Dabei schnitt ich das Thema leider viel zu kurz an , wie ich beim erneuten Lesen feststellen musste. Tatsächlich scheint hier mehr dahinter zu stehen als einfach eine spezielle Art der Kleidung des adligen Karolingers zum Kirchgang oder für zeremonielles Ritual.

Beinlinge aus byzantinischer Seide
Beinlinge aus byzantinischer Seide, getragen von einem fränkischen Grafen (Gawan Dringenberg)

Das Byzanz Einfluss auf den Kleidungsstil der Karolinger hatte. beschreibt auch Notker in seiner Gesta Karoli1 , wenn er sich über die Höflinge in ihrer feinen Kleidung lustig macht, die nicht zur Jagd geeignet sei. Wobei Notker wohl augenscheinlich etwas übertreibt, denn in der Karlsbeschreibung Einhards wird die fränkische Tracht Karls wie selbstverständlich als mit Seide verziert beschrieben. Seide als solches war also im fränkischen Reich nichts unbekanntes, wenn auch lediglich der High Society verfügbar.

Doch wie kamen die Karolinger, nach dem sie ja schon Seidenstoffe kannten und trugen und das schon seit Opas Merowingerzeit, an die Byzantinische Kleidung an sich, bzw. was veranlasste sie  byzantinischen Stil und Chick zu übernehmen oder sich von ihm beeinflussen lassen? Und das weit bevor mit den Kreuzzügen ähnliche Moden im zentralen Europa für  breite Schichten verfügbar waren?

Eine Frage der Diplomatie:
Zwar hatte der byzantinische Kaiser Michael 812 den Titel Karls des Großen als Kaiser bestätigt, sah sich aber selbst dennoch in einer Vormachtstellung über alle Fürsten der Welt. Allein schon da er über den Patriarchen stand, während der Fränkischen Kaiser im Verständnis der westlichen Kirche unter dem Papst standen.

Den Franken war diese Abwertung ihres Kaisertums durchaus bewusst, es konnte ihnen auch nicht verborgen bleiben, denn die byzantinischen Kaiser nannten sich schon bald explizit romanorum imperator augustus, also Römische Kaiser während die Franken nur den Titel des imperator augustus , also Kaiserfür sich beanspruchen konnten. Erst Otto III. fügt den Zusatz des römischen Kaisers dem Seinen hinzu.

Die Franken versuchten beständig ihren Kontakt mit Byzanz zu verbessern, auch bezüglich ihrer Anerkennung,  und schickten Botschafter in den Osten. Doch beim Kaiser empfangen zu werden war ein langwieriges Unterfangen. Es konnte Monate dauern bis man vorgelassen wurde und das Prozedere selbst war weit weniger leger als am fränkischen Hof und in ein starres Korsett gepresst, das heute als Byzantinismus bezeichnet wird. Davon weiß zum Beispiel Luitbrand von Cremoa zu berichten, als er 949/950  und 968 am byzantinischen Hof weilte.

Die als Barbaren bezeichneten fränkischen Gesandten mussten sich also ihrer Umgebung anpassen um nicht ganz als Barbaren da zu stehen. Am einfachsten war dies in dem man sich am Kleidungsstil anpasste um so zumindest optisch der Vorverurteilung zu entgehen.

Natürlich kehrten die Gesandten auch wieder ins Fränkische Reich zurück. Im Gepäck unter Anderem das Wissen um das aufwendige Hofprotokoll und die Kleidung aus Byzanz.

Aber auch der umgekehrte Fall ist uns bekannt. Byzantinische Gesandte am fränkischen Hof. So berichten die fränkischen Annalen von Ludwig dem Frommen  der in den Vogesen oder dem Pfälzerwald auf byzantinische Gesandte trifft. Der Wald ist nicht unbedingt der Ort an dem man Audienz mit den Byzantiner halten will, also gehts weiter nach Ingelheim nur um festzustellen das die Mühe eher sinnlos war:

(…)und als er hörte, dass ihre Botschaft keine andere sei als die, welche erst vor kurzem Niciforus als Gesandter desselben Kaisers überbracht hatte, entließ er sie bald wieder und reiste weiter, wohin er [eigentlich] wollte.

Man bemühte sich also den Byzantinern einen gewissen Prunk zu zeigen, denn Pfalzen hätte es durchaus gegeben auf dem Weg, nur eben keine wie Ingelheim.

Schenken wir nun Einhards Beschreibung Karls des Großen und auch der später erschienenen Gesta Notkers Glauben, so könnte sich folgendes Bild ergeben: Unter Karls Herrschaft und wohl auch noch in Teilen unter Ludwig dem Frommen herrschte noch ein gewisses fränkisches Selbstbewusstsein, das es aus eigenem Stolz heraus nicht nötig machte sich näher Byzanz anzubiedern. Den späteren karolingischen Herrschern fehlte eine Dominanz wie sie Karl inne hatte.  Man suchte die Augenhöhe mit Byzanz herzustellen in dem man mehr und mehr byzantinische Gepflogeneiten übernahm, darunter auch die Kleidung bei Hofe. So ist die nach 880 entstandene Gesta Karls mit der Anekdote der byzantinisch gekleideten Höflinge als Kritik der Anbiederung an Byzanz zu verstehen.

Dies wird auch deutlich wenn man sich ein bestimmtes Herrscherbild aus späterer Zeit ansieht, das ich jedoch in seinem Kontext gesondert morgen behandeln werde.

Es zeigt sich also das die Verwendung byzantinischer Trachtenbestandteile nicht aus modischen Aspekten zu verstehen ist. Vielmehr handelt es sich um den Versuch den Anspruch auf den westlichen Kaiserthron auch in Kleidung und Habitus zu manifestieren.

 

Ergänzend. bzw. in die Merowingerzeit führend,  findet sich bei academia.edu ein neues PDF von Fr. Mechtild Schulze Dörrlamm “Einflüsse byzantinischer Prunkgewänder auf die fränkische Frauentracht” aus dem Arch. Korrospondezblatt von 1976, ich hab allerdings noch nicht reingeschaut…

 

  1. Gesta Karoli I 8 []

Heiß, heißer, Museumsuferfest

 

Gawan Dringenberg (Rechts) und ich
Gawan Dringenberg (Rechts) und ich am Mainufer (Oder auch comes und iudex halten einen Plausch)

Am 27. und 28.8. war ich als Gast von Reges-Francorum im Archäologischen Museum Frankfurt und durfte dort mit Anderen den fränkisch karolingischen Erklärbar geben.
Zwar habe ich Ähnliches bereits früher gemacht, jedoch wurde mir bisher nie die Ehre zu Teil dies im Verbund einer Truppe , geschweige denn im Archäologischen Museum Frankfurt zu tun.

Meine Ausrüstung hatte ich bereits am Freitag Abend im Museum deponieren können, wo uns dankenswerter Weise ein Räumlichkeit im Untergeschoss zur Verfügung gestellt wurde die mit dem wichtigsten Utensil des Wochenendes ausgestattet worden war: Wasser!
Dem Samstag konnte ich somit gelassen entgegen sehen, zumindest was Probleme der Parkplatzsuche in der Frankfurter Innenstadt anging. Am frühen morgen fuhr ich am Samstag mit dem PKW bis an die Frankfurter Stadtgrenze, schwang mich auf meine mein Crossrennrad und konnte somit entspannt die letzten 10km hinter mich bringen und pünktlich vor Ort sein, das Rad im Keller des Museums verstauen und mich in Thorsberghose, Wadenwickel, nadelgebundene Strümpfe, Wendeschuhe, Untertunika und Tunika zwängen. Warum schreibe ich was ich trug? Kleidung war an diesem Wochenende, neben der Flüssigkeitsaufnahme, ein entscheidender Faktor, sollte doch das Quecksilber bis auf 36°C klettern.

Hintergrund unserer Anwesenheit war neben dem Museumsuferfest auch der Hinweis auf die kommende Ausstellung “Odin, Thor und Freyja”, in der auch auf die Beziehung zwischen Franken und Dänen eingegangen wird.

Bereits gegen 10 Uhr, als das Museum seine Pforten öffnete, merkte jeder von uns die Hitze die uns den Tag über begleiten und im Nacken sitzen sollte. Ich konnte dies bereits merken als ich in Begleitung kurz vor 11:00 Uhr erste Flyer am Mainufer verteilte die auf unsere kommenden Aktionen hinwiesen:
Gegen 11.00, 16:00 und 19:00 Uhr gab es Vorführungen von Militärtechnik und Militärtechniken, um 13:00 und 17:00 eine Modenschau der Damenwelt und durchgehend wurden im Museum und davor Handwerk präsentiert, darunter Schmiedearbeit und Glasperlen Herstellung, Scriptoriumsarbeit und Pergament Herstellung, Bogenbau, Stick- und Näharbeiten, Nadelbinding, Brettchenweben usw.
Gerade unsere Militäreinheit muss extrem geschwitzt haben unter Stoffpanzer, Kette oder Lamellenpanzer. Umso bemerkenswerter das manche den ganzen Tag die Rüstung nicht mehr auszogen. Wohl auch aus dem Hintergrund das alles darunter vollkommen durchgeweicht war. Hut ab meine Herren!
Selbst ich in gehobener Zivilkleidung legte nach einiger Zeit mein Schwert ab, denn jedes Gramm Gewicht das man mit sich herum schleppte war zu viel. Trotz dieser Wiedrigkeiten die am Sonntag auch noch Opfer in den eigenen Reihen fordern sollte, waren alle hoch motiviert, was nicht zuletzt auch am tollen Publikum lag, dem hier ein großartiges Lob gebührt!

Modenschau
Modenschau mit privilegierter slawischer Frau, Dame aus Haithabu, dänische Hofdame und fränkischer Adligen

Trotz der großen Hitze, die dem Museumsuferfest weniger Besucher bescherte, waren die Besucher am Archäologischen Museum durchweg interessiert und aufgeschlossen. Und das war wirklich bemerkenswert wenn man bedenkt das das Museumsuferfest in großen Teilen kein Fest der Museen mehr ist, sondern eine ausgiebige Party und Fressmeile bietet.
So entstanden jedoch fantastische Gespräche. Ich habe selten so ein interessiertes Publikum erlebt!!

Der zweite Tag war für uns wesentlich schwerer zu bewältigen. Obwohl Sonntag sich ein wenig die Luft bewegte, steckte doch allen die Hitze des Vortages in den Knochen. Fehlende Mineralien und der gestörter Wasserhaushaltund mitunter schlechter Schlaf in Autos taten ihr übriges. Einige der Damen und Herren hatten nun auch leichtere Kleidung gewählt und zum Beispiel Wollkleid gegen Leinenkleid getauscht. Dennoch war vieles gemächlicher, bis auf die Kampfvorführung die sogar etwas an Zahn zulegte. Aber wir hatten Sonntag doch einzelne kreislaufbedingte Opfer zu bringen und das Obwohl wir für in regelmäßigen Abständen einige Minuten immer mal wieder im Museumsinneren für Durchzug sorgen konnten.
Auch der Besucherandrang war am Sonntag wesentlich geringer. Vielleicht auch weil gegen 17:00 Uhr Windböhen aufkamen und dunkle Wolken ein Gewitter ankündigten das jedoch ausblieb. So lagen viele der Kämpfer nur noch kraftlos um Jaxas improvisierter Schmiede und versuchten es sich so angenehm wie möglich zu machen.

Als wir gegen 19:30 mit dem Abbau begannen und aus unseren Trachten schlüpfen konnten neigte sich ein anstrengendes, aber schönes Wochenende dem Ende entgegen. Ich möchte mich bei allen beteiligten ganz herzlich Bedanken, hoffe das alle gut nach Hause gekommen sind und freue mich auf jeden Fall auf eine weitere Einladung von Reges Francorum!

Auf Facebook befindet sich ein Album mit einigen meiner Aufnahmen (Klick mich) (Ein Video folgt…)

Kurzfristiger Veranstaltungshinweis – Karolinger in Frankfurt

Heute hat das Frankfurter Museumsuferfest begonnen. Und dabei wird das Archäologische Museum durch karolinger belebt.

Hier zu der Informationstext:

Die Karolinger und ihre nordischen Nachbarn – Die Pfalz Franconofurd 800 bis 1000 n. Chr.

Reges Francorum und Gäste

Das Archäologische Museum nimmt seine Besucher beim Museumsuferfest 2016 mit in die Zeit um 800 bis 1000 n. Chr. Als Karl der Große und seine Nachfolger in mächtigen Pfalzanlagen herrschten, wurde im wikingischen Norden in prächtigen Hallen Hof gehalten. Die Gruppe Reges Francorum gibt lebendige Einblicke in diese Zeit. Im Museum dreht sich fleißig die Spindel, die Bogensehne surrt, die Feder fliegt übers Pergament. Draußen ächzen Männer unter dem Gewicht der Kettenhemden, begleitet vom Hämmern der Schmiede. Hier werden Schilde in Anschlag gebracht und die Schwerter gekreuzt. Edle Damen zeigen, was es hieß, Fränkin oder Wikingerin zu sein. (…)

Der Punkt bei der Geschichte ist, das ich einer der Gäste bin und endlich auch mal wieder was aktiv mache…

Würde mich freuen wenn man sich sieht!

Ein neuer Gürtel für den Karolinger

Vor geraumer Zeit habe ich in Ingelheim eine Replik der Ingelheimer Riemenzunge im Tassilokelchstil erstanden (hier schrieb ich darüber). Schon damals wollte ich mir einen neuen Gürtel daraus fertigen. Etwas kleines , aber feines.

Ich hatte seinerzeit tatsächlich überlegt mich mit Kammweben auseinander zusetzten und mir selbst einen entsprechenden Gürtel zu weben. Da mir aber im Moment der Nerv und die Zeit dazu fehlt entschloss ich mich dazu einen passendes Leinenband fertig zu kaufen. Als Färbung entschied ich mich für Maulbeere, zu Einen weil mir die Farbe gefällt, zum Anderen weil die Maulbeere im Capitulare de villis genannt wird.

Da ich ihn aber nicht einfach nur maulbeerfarben lassen wollte, habe ich ihn ein kleinwenig verziert. Tatsächlich erfuhr ich ja von einem Fund einer Gürtelzunge an der auch noch Reste eines kammgewebten  Textilbandes fanden das Goldlan im Schuss besaß. Aber ganz so prunkvoll wollte ich (noch) nicht daher kommen.
Was die Schnalle der neuen Gürtelgarnitur angeht war ich ein wenig im Dilemma, denn am liebsten hätte ich ebenfalls etwas im Tassilokelchstil gehabt. Andererseits wollte ich etwas aus einem lokalen Fund. Und zu allem Überfluss musste die Schnalle ja zum Hauptstück, der Ingelheimer Riemenzunge in der Größe passen.  So griff ich dann letztendlich auf eine Schließe aus Frankfurt zurück.

SchnalleSie wurde am Alten Markt nördlich der Frankfurter Pfalzgebäude gefunden. In Franconofurd I wird sie auf um 800 datiert, was zeitlich konform geht mit der Riemenzunge. Zwar wird auf Grund ihrer geringen Größe am ehesten als Teil einer Sporengarnitur gesehen, aber wie gesagt es passt zeitlich und von der Größe. Vielleicht gibts noch mal 2 in Silber für die Sporen bei Gelegenheit 😉

Auf jeden Fall ist der Gürtel nun fast fertig und harrt der Dinge die kommen mögen.

Gürtel

 

Eigentümliche Fibelabbildungen auf Herrscherbildern der Karolingerzeit

Scheibenfiebeln sind im gesamten Frühmittelalter nichts ungewöhnliches.  Wir kennen wunderbare große Modelle aus Gold und Almandin aus der Merowingerzeit, wir kennen wunderbare Kreuzfibeln, Scheibenfibeln  mit Emaileinlage  aus der Karolingerzeit und Salierzeit usw. Und dennoch wurde mir kürzlich eine interessante Frage gestellt:

In karolingischen Abbildungen sieht man oft Mantelträger, deren Mantel mit einer großen, seltsamen Fibel geschlossen ist. Was ist das für eine Fibel?

Die Antwort ist doch leicht! Das ist eine… Das ist… Ähh…

Bevor ich versuche eine Antwort zu bekommen schauen wir uns zunächst einmal die Handschriften an in denen eine solche Fibel erkennbar ist.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit, werde ich nur einige der Abbildungen direkt anführen, bzw. bebildern. Der Stuttgarter Psalter, wohl eine der bekanntesten Handschriften zeigt bisweilen Fibeln an den Mänteln. Da  die Zeichnungen zwar ausführlich, aber nicht detailreich sind (Fibeln erscheinen nur als kreisförmige Gebilde ohne weitere Details) lässt es sich schwer sagen ob hier einfache Scheibenfibeln oder größere, aufwendigere Modelle dargestellt sind, auf deren Suche ich mich ja befinde.

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Fibelkonstrukt Lothars aus dem Lotharpsalter (klick mich)

Die Herrscherdarstellung des Codex Aureaus von St. Emmeram (ca.870Reims) zeigt Karl den Kahlen auf dem Thron sitzend. Auf seiner rechten Schulter ist ein Objekt, welches als Fibel identifiziert werden darf. Bei dieser Darstellung gibt es jedoch Auffälligkeiten die darauf hinweisen das es sich nicht um eine „profane“ Scheibenfibel handelt. Dieselbe Auffälligkeit findet sich auch im Psalter Lothars (Tours ca. 850).

In beiden Darstellungen steht die Fibel von der Schulter ab. Im Falle des Lothar Psalters erscheint es sogar als wäre der Mantel mit einer Dreiknopffibel der Völkerwanderungszeit geschlossen, deren Knöpfe jedoch nach oben zeigen entgegen der üblichen tragweise nach unten, während im Codex Aureus von St. Emmeram am Ende des Bügels etwas wie ein Vierpass zu erkennen ist.

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(Klick mich)

Erkennbar ist diese Art der Fibel auch in der Bibel von St. Paul vor den Mauern (Tours ca. 870). Hier ist fol CCCXXIV Karl der Kahle abgebildet, dessen Mantel mit einer kreisrunden Fibel geschlossen wird, aber wieder drei Finger nach oben abstehen und die nach unten rechteckig ausläuft. Mein erster Gedanke es könne sich um kunstvoll nach oben gedrehte Mantelteile handeln, die mit einem Band umwickelt wurden auf das dann die Fibel gesteckt wurde, musst ich nach einer genauen Prüfung von Drucken mit dem Fadenzähler fallen lassen (siehe Bild ).

Ebenfalls in der Bibel von St. Paul vor den Mauern ( fol. CCCXXXIV)findet sich eine Abbildung König Salomons. Hier ist ein rechteckiges Gebilde als Schließe erkennbar, das recht sicher als Gleicharmfibel identifiziert werden darf.

Das Lothar Evangeliar (ca. 850 Tours) zeigt den Herrscher, gerahmt von Creti und Pleti, mit einer scheibenförmigen Schließe auf der rechten Schulter, aus der zwei goldenen Bänder herab hängen.

In gleicher Art ist auch die Fibel in der Herrscherdartstellung Karls des Kahlen in der Vivian Bibel (ca. 845 Tours)dargestellt. Eine Verzierte Scheibe auf goldenen Bändern.

Im Sakramentar Karls des Kahlen (ca. 870 Tours) ist wieder der Herrscher mit einer scheibenförmigen Fibel dargestellt die den Mantel schließt. Sie erscheint zwar größer als die einer einfachen Scheibenfibel, aber auch nicht sonderlich dominant groß oder prunkvoll (Vergleiche hier die Darstellung der Riemenzunge zur Fibel).

Fassen wir also zusammen: Große (Prunk-)Fibeln finden sich auf Herrscherdarstellungen. Es scheint 2 dominante Typen zu geben:

  1. Eine Form der Bügelfibel im weitesten Sinn, die auf Grund ihrer Verzierung von mir zuerst der Begriff „asymetrische Gleicharmfibel“ in den Sinn kam( lassen wir mal  Salomon außen vor). Diese erscheint lediglich  im Psalter Lothars, Codex Aureus von St. Emmeram.  Aber auch in der Bibel von St. Paul vor den Mauern.  Auf diese Fiebeln muss  genauer eingegangen werden muss
  2. Große Scheibenfibeln.  Sichtbar in Handschriften unterschiedlichster Herkunft

Während sich groß, bzw. größere Scheibenfibeln (Durchmesser >4cm )  recht leicht als byzantinische Importe, oder etwa byzantinisch inspirierte Werke angesehen werden können1, verhält es sich mit erstgenannten Fibel anders.

Versuch die betreffenden Fibeln bildichdarzustellen
Versuch die betreffenden Fibeln bildlich darzustellen

Vom Grundaufbau sollte es sich zunächst um Bügelfibeln im weitesten Sinne handeln.  Doch allein schon mit dieser Begrifflichkeit verzettele ich mich in Wiedersprüche, denn die Bügelfibel war Bestandteil der Frauentracht und kam zudem im 7. Jahrhundert auf dem Kontinent aus der Mode.  Unsere Abbildungen stammen jedoch aus der aus der Mitte des 9. Jahrhunderts! Eine Zeit in der lediglich die gleicharmige Bügelfibel noch auftritt, aber im Fränkischen Reich auch nur noch in Nordhessen, den Küstengebieten und Ostsachsen.2

Ein anderer Ansatz ist nun die Herkunft der Abbildungen und ihren Hintergrund zu erfragen.  So  stammen alle drei Abbildungen aus den Werkstätten der Hofschule, bzw. deren Nachfolge nach der Zerstörung von St. Martin Tours durch die Nordmänner.  Trotz umfangreicher Suche konnte ich diese Fibeldarstellung auch nur bei den Brüdern Lothar I. und Karl dem Kahlen feststellen.  Bei anderen karolingischen Herrschen waren nur Scheibenfibeln zu erkennen, dies gilt sowohl für illuminierte Handschriften, als auch für Siegel und Münzen.

Am ehesten ähnelt das Objekt auf Lothars Schulter einer angelsächsischen Breitkopffibel. Doch auch die wurden in aller Regel von Frauen getragen und waren längst aus der Mode. Auch kann es sich nicht um ein englisches “Erbstück von der Oma” handeln, da noch keine engeren Verwandtschaften nach England bestehen.  Und doch könnte dies einen entscheidenenden Hinweis geben! Denn tatsächlich gibt es im Norden, vorallem in Skandinavien noch die Nutzung von Bügelfibeln, den sogenannten disc-on-bow brooches bis etwa 10503.

Aber fassen wir bis hier noch einmal zusammen:  Die Brüder Lothar I. und Karl der Kahle, lassen sich in der Zeit von 840-8704 von Mitgliedern der Hofschule bzw. deren Nachfolge mit Fibeln abbilden, die aus der Zeit geschlagen zu scheinen.
Beide müssen etwas gemein haben, das sie von ihrem dritten Bruder Ludwig dem Deutschen unterscheidet. Etwas das so einschneidend ist das man auf repräsentativen Darstellungen nicht etwa byzantinische Scheibenfibeln mit Pendilien trägt, sondern eben Fibeln deren Art, die für den Kontinent eigentlich als veraltet gelten.

Theorie: Hier könnte das Schlüsselwort tatsächlich Skandinavien, bzw. Wikinger oder Nordmänner sein.
Ab den späten 830 Jahren wird Westfranken und Lothars Mittelreich wiederholt das Ziel schwerer Einfälle der Nordmannen, während das Ostreich nur am Rande betroffen ist. Dorestadt wird mehrfach geplündert und 863 zerstört, Paris 845 schwer in Leidenschaft gezogen, Rouen 855 geplündert und vor allem wird die Hofschule in St. Martin in Tours 853 zerstört.

Button-on-bow broochaus Gotland 10. Jahrhundert. Bild: cc-by-sa Mary Harrsch Flickr: https://www.flickr.com/photos/mharrsch/21179163629/in/photolist-ygwKtB
Button-on-bow brooch aus Gotland  ca.10. Jahrhundert. Bild: cc-by-sa Mary Harrsch Flickr: https://www.flickr.com/photos/mharrsch/21179163629/in/photolist-ygwKtB

Mir erscheint es zur Zeit so als wurden die beiden Herrscher zu einer Zeit der Wikinigereinfälle entweder mit Beutestücken dargestellt um sich als Sieger über die Feinde aus dem Norden darzustellen ( Vergleiche hier Arnulf von Kärnten und die Ausstellung erbeuteter Banner der Nordmänner in St. Emmeram in Regensburg ) , oder aber die Mönche, die die Abbildungen fertigten, fügten diese als kleine Spitze ein um den Herren zu mahnen aktiv gegen die Feinde vorzugehen.

Das nun ausgerechnet die ach so “männlichen” Wikinger mit einer Frauenfibel herum gelaufen sein sollen, ließe sich auch mit dem Beinamen der oben abgebildeten Fibel begründen.  Diese oben abgebildete Fibel wird mit  Brisingamen gleichgesetzt. Dabei handelt es sich um ein mythisches, von Zwergen geschmiedetes Kleinod , welches in aller  Regel auch als “Halsschmuck” bezeichnet wird. Auch im Beowulf taucht ein Schmuck namens Brosinga mene auf, den  König Ermanrich am Ende besitzt.  Sollten nun solche Fibeln mit dem Brisingamen Freyas gleichgesetzt gewesen sein, ließen sich diese als Abschiedsgeschenk der  daheim gebliebenen Frauen erklären , denn Freya war es die die die Hälfte der in der  Schlacht gefallenen Krieger beanspruchen darf und wird auch mit Bifrost in Verbindung gebracht.

Aber auch byzantinische Anleihen des Schmuckes halte ich dennoch nicht ausgeschlossen, auch wenn ich für die Fibeln keinerlei byzantinisches Vorbild fand , denn der Hof Karls des Kahlen galt als Zentrum der Byzantintisierung. Es wird berichtet das Karl sich 869 als novus constantinus ausriefen lies und in Ponthion graecisco more paratus et coronatus – nach griechischer Art gekleidet und gekrönt auftrat.5

Dies ist nur eine Theorie! Ich bitte das zu beachten und würde mich freuen wenn jemand andere Theorien hat. Ich bin definitiv für alles offen und auch letztendlich nicht ganz zufrieden mit meiner eigenen Begründung. 

  1. vergleiche hierzu auch Mechthild Schulze-Dörrlamm  „Eine goldene, byzantische Senkschmelzfibel mit dem Bild der Maria Orans aus dem 9. Jahrhundert- Entstehung und Deutung karolingischer Heiligenfibeln“ []
  2. Fibel und Fibeltracht S. 178 []
  3. letzte Funde aus Gotland, verschwinden  der disc on bow brooch mit der Christianisierung []
  4. Bevor jetzt einer mault: Natürlich ist Lothar bereits 855 gestorben… []
  5. Ute Schwab , Die vielen Kleider der Passion in Theodisca S.323 []

Zur Information

Liebe Freunde der Geschichte oder von was auch immer,

Ich muss zugeben, dass ich nachlässig war und dieses Blog vernachlässige. Es tut mir sehr weh das dies geschehen ist. Doch manchmal muss man im Leben Prioritäten setzten.

Nun ist eine Veränderung eingetreten und ich hoffe das ich diese zu meinem Vorteil nutzen kann.

Markus

Battle Abbey und die Schlacht von Hastings

Als ich in Südengland unterwegs konnte ich es mir nicht nehmen lassen Hastings und die Battle Abbey, den Ort der Schlacht von Hastings zu besuchen. Die Schlacht hatte ja nicht unwesentlich an meiner geschichtlichen Entwicklung schuld. Und eine Woche nach dem 14. Oktober, dem Jahrestag der Schlacht, schreibe ich einmal über meinen Besuch vor Ort.

Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus
Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus

Die Battle Abbey, deren Errichtung von Wilhelm nach der Schlacht veranlasst und ihren Ort markiert, ist recht leicht zu finden. Ich kam von Norden ist das kleine Straßendorf Battle und ehe man sich versieht erreicht man einen kleinen Platz an dessen südlicher Seite sich das imposante Torhaus der Abtei  erhebt. Einmal rechts abbiegen (mein größter abturn beim Autofahren in England weil das verwöhnte deutsche Hirn immer auf eine geistige Probe gestellt wird) und man erreicht einen der großzügigen (und teuren) Parkplätze die überall in England bei Sehenswürdigkeiten zu finden sind.

Einige meter Fußmarsch und man befindet sich im Torhaus, wo sich Museumsshop und Kasse verbergen. Betritt man nun das Gelände fällt der Blick zunächst auf das ehemalig Abtshaus, welches heute eine Schule beherbergt. Dies erklärt auch einige Sportplätze auf die man blickt und die Schüler, die mit ihren Schuluniformen vor der historischen Bausubstanz ein wenig an Harry Potter und Hogwarts erinnern.

Direkt vor dem Tor befindet sich die erste Station des extrem ausführlichen Audioguides. Zu jeder Station gibt es in der Regel zwei erweiternde Einträge auf dem Display die man sich ergänzend zum Hauptartikel noch vorspielen lassen kann,  darunter auch Aussagen von Historikern im englischen Original.
Der Weg führt zunächst nach rechts weiter zum recht neuen Visitor Center, einem kleinen Museum mit Kaffee und den obligatorischen Picknickplätzen. Im Visitor Center kann man sich über Vorgänge die zur Schlacht führten von normannischer und angelsächsischer Seite nähern und auch die Bewaffnung mal anfassen. Zudem gibt es alle 20 Minuten einen Film zur Schlacht der man durchaus bekannte grün rote Schilde sehen kann.  Alles in allem klein aber attraktiv.

Der weiter Weg führt nun nach Süden in Richtung des Schlachtfeldes. Hier, an der Terrasse knapp unterhalb der Abteigebäude hat man nun die Wahl ob man über das Schlachtfeld laufen möchte oder nur den kurzen Weg über die Abtei nimmt. Natürlich entschied ich mich für den langen Weg über das Schlachtfeld.
Dieser führt hinab zum New Pond, einem Fischteich neueren Datums (vor 1840) in der Talsenke. Obwohl der Seerosen bestandene Fischteich die Optik der Senke verändert kann man sehr gut erahnen wie feucht und sumpfig diese Senke einst gewesen sein muss und bei Regen auch immer noch ist.
Zwar vermerkt der Führer das im Oktober 1066 wahrscheinlich eher feucht war, geht jedoch davon aus das die sumpfige Senke kein ernstes Hindernis für die Normannen war. Das mag bei einfacher Durchquerung stimmen, aber die Normannen stürmten mehrfach die Anhöhe hinauf und kamen immer wieder zur Senke hinab und obwohl gut gefettete Wendeschuhe im Morast immer noch besser sind als Turnschuhe dürfte es doch unbehaglich und Anstrengend gewesen sein, um es zurückhalten auszudrücken.

Vorbei an den klösterlichen Fischteichen führt der Weg nun wieder die Anhöhe hinauf. Hier bei den Fischteichen hat man in etwa die Mitte des Schlachtfeldes erreicht, obwohl sie im Vergleich zum Kloster etwas versetzt liegt. Die östliche Flanke des Schlachtfeldes, die von den Franco-Flamen besetzt wurde, befand sich weiter östlich über die Powder Mill Lane hinweg zur Straße Lower Lake.
Hier, auf Höhe der Fischteiche vermutet der Guide auch den Ort an dem Wilhelm seine Truppen wieder sammelte und sich den Truppen zu zeigen um dem Gerücht entgegen zu wirken er sei gefallen.

Auf halber höhe den Senlac hinauf trafen wir auf eine Schulklasse, die, in Schuluniformen und mit Stöcken bewaffnet, unter Anleitung ihres Lehrers ein miniatur Reenactment durchführte, wobei der Lehrer sich verzweifelt bemühte einen Schildwall zu erklären. Ohne Schilde ein recht aussichtsloses unterfangen. Gerne hätte ich mir in diesem Moment meine Normannenausrüstung herbeigewünscht um einmal, den Kids entgegen,unter Lauten altfranzösischem Kampfgeschrei den Hang hochzustürmen.

Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse
Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse

 

Weiter führt der Weg bis zur Terasse unterhalb der alten Latrinenanlage des Klosters. Hier erhält man einige, interessante Informationen zu Topographie, denn hier kann man es am besten nachvollziehen. Der Hang zum Senlac wirkt heute flacher und niedriger als zu Zeiten der Schlacht. Im oberen Bereich wurde der Hang stark terassiert um Platz für die Abtei zu schaffen. Daher beginnen die Gebäude bereits unterhalb des Plateaus, was den Hügel optisch stark verkleinert.
Eine weitere Terrasse findet sich auf halber Höhe des Senlac. Der Audioguide nennt als Grund für de Geländeveränderung die bessere Möglichkeit zur Bewirtschaftung mit Ackerbau und Viehzucht als Grund für die Terrasse. M.K.Lawson hingegen1 schließt nach einem Survey das der Heritage durchführte nicht aus das es sich ursprünglich um eine Grabenanlage gehandelt haben könnte, die die Angelsachsen in der Nacht vor der Schlacht errichtet hatten.

Blick von der oberesn Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.
Blick von der oberesten Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.

So unterschiedlich die Meinungen erschienenen müssen sie sich jedoch nicht ausschließen. Es wäre durchaus denkbar das die Angelsachsen ein Erdwerk errichteten, welches später als Grundlage der Terrassierung diente.

links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage
links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage

Hier oben  an der Terasse befinden sich die riesigen Bögen die einst die Latrinenalage trugen.  Zwischen dahinter liegender Außenmauer und Bögen fielen die Fäkalien hinab. Von Zeit zu Zeit musste sie von Außen durch die Bögen entfernt werden. Im Kloster Lorsch gab es eine ganz ähnliche, wenn auch kleinere, Anlage, die ich hier bereits einmal Visualisiert hatte.

Außer dem Dormitorium und Latrinenanlage ist nicht viel vom alten Glanz der Abtei erkennbar. Zwar besteht noch das Absthaus in dem sich heute eine Schule befindet, jedocht stammt dieses in seiner heutigen Form  in weiten Teilen aus dem 16. Jahrhundert als die Abtei in den Besitz Heinrichs VIII Stallmeister Sir Anthony Browne ging. Dementsprechend gleicht das Gebäude auch eher einem Tudor Manor als einem Kloster Gebäude.

Viel ist auch von der 1094 geweihten Abteikirche nicht geblieben. Lediglich die Krypta der Chorerweiterung aus dem 13. Jahrhundert ist erhalten. Die Grundrisse des übrigen Baus jedoch markiert. An der Stelle des Hochaltars soll sich der Ort befunden haben an dem König Harold II. starb, weshalb sich dort eine Platte mit folgender Inschrift befindet:

The tradition site of
the high altar of Battle Abbey
founded to commemorate
the victory of Duke William
on the 14 October 1066
The high altar was placed to mark
the spot where King Harold died

 

  1. In “The Battle of Hastings” (2002) S.250 []