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Liebe Freunde der Geschichte oder von was auch immer,

Ich muss zugeben, dass ich nachlässig war und dieses Blog vernachlässige. Es tut mir sehr weh das dies geschehen ist. Doch manchmal muss man im Leben Prioritäten setzten.

Nun ist eine Veränderung eingetreten und ich hoffe das ich diese zu meinem Vorteil nutzen kann.

Markus

Battle Abbey und die Schlacht von Hastings

Als ich in Südengland unterwegs konnte ich es mir nicht nehmen lassen Hastings und die Battle Abbey, den Ort der Schlacht von Hastings zu besuchen. Die Schlacht hatte ja nicht unwesentlich an meiner geschichtlichen Entwicklung schuld. Und eine Woche nach dem 14. Oktober, dem Jahrestag der Schlacht, schreibe ich einmal über meinen Besuch vor Ort.

Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus
Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus

Die Battle Abbey, deren Errichtung von Wilhelm nach der Schlacht veranlasst und ihren Ort markiert, ist recht leicht zu finden. Ich kam von Norden ist das kleine Straßendorf Battle und ehe man sich versieht erreicht man einen kleinen Platz an dessen südlicher Seite sich das imposante Torhaus der Abtei  erhebt. Einmal rechts abbiegen (mein größter abturn beim Autofahren in England weil das verwöhnte deutsche Hirn immer auf eine geistige Probe gestellt wird) und man erreicht einen der großzügigen (und teuren) Parkplätze die überall in England bei Sehenswürdigkeiten zu finden sind.

Einige meter Fußmarsch und man befindet sich im Torhaus, wo sich Museumsshop und Kasse verbergen. Betritt man nun das Gelände fällt der Blick zunächst auf das ehemalig Abtshaus, welches heute eine Schule beherbergt. Dies erklärt auch einige Sportplätze auf die man blickt und die Schüler, die mit ihren Schuluniformen vor der historischen Bausubstanz ein wenig an Harry Potter und Hogwarts erinnern.

Direkt vor dem Tor befindet sich die erste Station des extrem ausführlichen Audioguides. Zu jeder Station gibt es in der Regel zwei erweiternde Einträge auf dem Display die man sich ergänzend zum Hauptartikel noch vorspielen lassen kann,  darunter auch Aussagen von Historikern im englischen Original.
Der Weg führt zunächst nach rechts weiter zum recht neuen Visitor Center, einem kleinen Museum mit Kaffee und den obligatorischen Picknickplätzen. Im Visitor Center kann man sich über Vorgänge die zur Schlacht führten von normannischer und angelsächsischer Seite nähern und auch die Bewaffnung mal anfassen. Zudem gibt es alle 20 Minuten einen Film zur Schlacht der man durchaus bekannte grün rote Schilde sehen kann.  Alles in allem klein aber attraktiv.

Der weiter Weg führt nun nach Süden in Richtung des Schlachtfeldes. Hier, an der Terrasse knapp unterhalb der Abteigebäude hat man nun die Wahl ob man über das Schlachtfeld laufen möchte oder nur den kurzen Weg über die Abtei nimmt. Natürlich entschied ich mich für den langen Weg über das Schlachtfeld.
Dieser führt hinab zum New Pond, einem Fischteich neueren Datums (vor 1840) in der Talsenke. Obwohl der Seerosen bestandene Fischteich die Optik der Senke verändert kann man sehr gut erahnen wie feucht und sumpfig diese Senke einst gewesen sein muss und bei Regen auch immer noch ist.
Zwar vermerkt der Führer das im Oktober 1066 wahrscheinlich eher feucht war, geht jedoch davon aus das die sumpfige Senke kein ernstes Hindernis für die Normannen war. Das mag bei einfacher Durchquerung stimmen, aber die Normannen stürmten mehrfach die Anhöhe hinauf und kamen immer wieder zur Senke hinab und obwohl gut gefettete Wendeschuhe im Morast immer noch besser sind als Turnschuhe dürfte es doch unbehaglich und Anstrengend gewesen sein, um es zurückhalten auszudrücken.

Vorbei an den klösterlichen Fischteichen führt der Weg nun wieder die Anhöhe hinauf. Hier bei den Fischteichen hat man in etwa die Mitte des Schlachtfeldes erreicht, obwohl sie im Vergleich zum Kloster etwas versetzt liegt. Die östliche Flanke des Schlachtfeldes, die von den Franco-Flamen besetzt wurde, befand sich weiter östlich über die Powder Mill Lane hinweg zur Straße Lower Lake.
Hier, auf Höhe der Fischteiche vermutet der Guide auch den Ort an dem Wilhelm seine Truppen wieder sammelte und sich den Truppen zu zeigen um dem Gerücht entgegen zu wirken er sei gefallen.

Auf halber höhe den Senlac hinauf trafen wir auf eine Schulklasse, die, in Schuluniformen und mit Stöcken bewaffnet, unter Anleitung ihres Lehrers ein miniatur Reenactment durchführte, wobei der Lehrer sich verzweifelt bemühte einen Schildwall zu erklären. Ohne Schilde ein recht aussichtsloses unterfangen. Gerne hätte ich mir in diesem Moment meine Normannenausrüstung herbeigewünscht um einmal, den Kids entgegen,unter Lauten altfranzösischem Kampfgeschrei den Hang hochzustürmen.

Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse
Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse

 

Weiter führt der Weg bis zur Terasse unterhalb der alten Latrinenanlage des Klosters. Hier erhält man einige, interessante Informationen zu Topographie, denn hier kann man es am besten nachvollziehen. Der Hang zum Senlac wirkt heute flacher und niedriger als zu Zeiten der Schlacht. Im oberen Bereich wurde der Hang stark terassiert um Platz für die Abtei zu schaffen. Daher beginnen die Gebäude bereits unterhalb des Plateaus, was den Hügel optisch stark verkleinert.
Eine weitere Terrasse findet sich auf halber Höhe des Senlac. Der Audioguide nennt als Grund für de Geländeveränderung die bessere Möglichkeit zur Bewirtschaftung mit Ackerbau und Viehzucht als Grund für die Terrasse. M.K.Lawson hingegen1 schließt nach einem Survey das der Heritage durchführte nicht aus das es sich ursprünglich um eine Grabenanlage gehandelt haben könnte, die die Angelsachsen in der Nacht vor der Schlacht errichtet hatten.

Blick von der oberesn Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.
Blick von der oberesten Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.

So unterschiedlich die Meinungen erschienenen müssen sie sich jedoch nicht ausschließen. Es wäre durchaus denkbar das die Angelsachsen ein Erdwerk errichteten, welches später als Grundlage der Terrassierung diente.

links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage
links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage

Hier oben  an der Terasse befinden sich die riesigen Bögen die einst die Latrinenalage trugen.  Zwischen dahinter liegender Außenmauer und Bögen fielen die Fäkalien hinab. Von Zeit zu Zeit musste sie von Außen durch die Bögen entfernt werden. Im Kloster Lorsch gab es eine ganz ähnliche, wenn auch kleinere, Anlage, die ich hier bereits einmal Visualisiert hatte.

Außer dem Dormitorium und Latrinenanlage ist nicht viel vom alten Glanz der Abtei erkennbar. Zwar besteht noch das Absthaus in dem sich heute eine Schule befindet, jedocht stammt dieses in seiner heutigen Form  in weiten Teilen aus dem 16. Jahrhundert als die Abtei in den Besitz Heinrichs VIII Stallmeister Sir Anthony Browne ging. Dementsprechend gleicht das Gebäude auch eher einem Tudor Manor als einem Kloster Gebäude.

Viel ist auch von der 1094 geweihten Abteikirche nicht geblieben. Lediglich die Krypta der Chorerweiterung aus dem 13. Jahrhundert ist erhalten. Die Grundrisse des übrigen Baus jedoch markiert. An der Stelle des Hochaltars soll sich der Ort befunden haben an dem König Harold II. starb, weshalb sich dort eine Platte mit folgender Inschrift befindet:

The tradition site of
the high altar of Battle Abbey
founded to commemorate
the victory of Duke William
on the 14 October 1066
The high altar was placed to mark
the spot where King Harold died

 

  1. In “The Battle of Hastings” (2002) S.250 []

Tintagel: Starker Herzog, schwacher König und der Traum von Artus

Wer Cornwall besucht und sich für Burgen und Sagen interessiert kommt eigentlich nicht um  Burg Tintagel herum.

Je nach dem von wo man kommt kann schon die Anfahrt ein kleines Abenteuer sein. Auf schmalen Hohlwegen, im Linksverkehr und Bussen im Gegenverkehr…
Wer diese Hürde gemeistert und auf einem der Long Stay Parkplätze sein “Show and Display” Ticket gezogen hat muss es dann noch schaffen unbeschadet an bergeweise Souvenirläden vorbei zukommen. Diese Verkaufen übrigens billige Dekoschwerter zum doppelten Preis eines einfachen Paul Binns!!

Nun kann man mit dem Abstieg beginnen. Einen halben Kilometer lang ist der Weg der einem Bachlauf folgt bis man das kleine Besucherzentrum des Heritage erreicht welches in den ehemaligen Lagergebäuden eines Schieferbruchs liegt. Der Schiefer wurde hier schon seit römischer Zeit gebrochen, ebenso wie Kupfer und Zinn aus dem Boden gefördert wurde.

Mein Bild von Tintagel war bisher geprägt von Simon Marsden Photographien und einigen Dokus. Meist sah man Felsen im Sturm, es war düster und immer wieder war ein Tor zu sehen. Als ich dort ankam, war wunderschöner blauer Himmel und das Meer schillerte türkis und das Tor vernachlässigbar. So viel zu Erwartungen.

Tintagel1
Blick auf das Tor mit dem Aufgang zum Plateau

Und dennoch sind mehr Spuren verschiedener Zeitstellungen erkennbar als man zunächst glauben mag. Doch fangen wir dort an wo der Boom Tintagels begann.

Es war Geoffrey von Monmouth der Tintagel im 12. Jahrhundert wieder populär machte. In seiner “Historia Regum Britanniae” (Geschichte der Könige Brittaniens) nannte er Tintagel als den Ort an dem König Artus gezeugt wurde. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Geoffreys Buch war ein Renner seiner Zeit. Dieses Buch war wohl auch dem zweiten Sohn von König Johann Ohneland bekannt, dem Bruder von König Heinrich III. von England , Richard dem ersten Earl von Cornwall, Graf von Poitou und erfolgloser König der Römer. In Deutschland einfach bekannt als König Richard von Cornwall.
Im Gegensatz zu seiner erfolglosen Regentschaft als römisch-deutscher König in Folge der Doppelwahl von 1256/57 war Richard in England höchst erfolgreich und ist noch heute populär. Populärer als sein königlicher Bruder.

Von Geoffrey von Mornmouth inspiriert beschließt Richard sich im Glanz von König Artus zu sonnen und auf Tintagel eine Burg zu errichten. Doch keine normale Burg. Er errichtet eine Anlage ohne Verteidigungstürme, mit dünnen Mauern und ohne Donjon/Keep, abseits von allen auch nur einigermaßen wichtigen Verkehrswegen. Richard baute sich ein Märchenschloss!
Genau wie Ludwig II. von Bayern inspiriert von Wagner Märchenschlösser baute, schuf sich Richard sein Camelot (Mit dem Unterschied das Richard das Geld dazu besaß) um sich im Glanze Artus zu sonnen.

Richard lies auf einer felsigen Anhöhe vor der Insel eine Vorburg errichten. Sie war geschützt durch einen Graben der in die Spätantike datiert. Der höher liegende Teil wird als Oberer Festlandhof (Upper Mainland Courtyard) , der Niedrigere durch ein Tor erreichbare als Unterer Festlandhof (Lower Mainland Courtyard) bezeichnet. Der Untere Hof war über eine natürliche schmale Landzunge mit der eigentlichen (Halb-)Insel verbunden. Hier gab es ein weiteres Tor. Hatte man dieses durchquert, erreichte über eine schmale Felszunge den Haupthof der auf einer Ebene unter dem eigentlichen Plateau der Insel liegt. Hier befand sich eine Great Hall. Durch ein Tor (eben jenes bekannte Tor) konnte man das Plateau besteigen, das aber nicht bebaut war, oder aber den Abstieg in Richtung der Bucht wagen, wo Schiffe geschützt ankern konnten.

Richards Burg hatte in dieser Form jedoch keine hundert Jahre bestand. Wind, Wetter und Wellen forderten ihren Tribut. So stürzte die gesamte Westseite der Vorburg ins Meer, genauso wie die Ostseite der Great Hall und die dortigen Westmauern. Man baute in leicht veränderter Form wieder auf bis um 1540 die verbindende Landzunge durch die Erosion zerstört wurde und das Tor der Hauptburg vom Meer verschlungen wurde.

Tintagel wurde in der Folge (1580er) als befestigter Landeplatz für Schiffe genutzt, da man in England einen Angriff der spanischen Armada fürchtete. An den Klippen wurden einige kleinere Kanonenstellungen errichtet, die aber nie zum Einsatz kamen.
Die Befestigungen verfallen mit der Zeit, der natürliche Hafen wird zum Verladen von Schiefer genutzt. Durch die Wellen natürliche geschaffene Höhlen werden auf der Suche nach Zinnadern erweitert.

Im 17.und 18. Jahrhundert gewinnt Tintagel wieder an Bedeutung als Ziel für den beginnenden Tourismus. So erwähnt Alfred Lord Tennyson Tintagel in einem Gedicht, genauso wie andere. 1899 entsteht auf dem Festland das King Arthur´s Castle Hotel (heute Camelot Castle Hotel und war schon mal Deko für einen Horror Film).

1930 fanden erste archäologische Grabungen statt. Der Zufall führte in den 80ern zu erneuten Grabungen. Damals kam es zu einem Feuer im trockenen Gras auf dem Felsen. Der trockene, ungeschützte Boden wurde in der Folge weggeschwemmt und zu Tage kamen eine Vielzahl von Hausgrundrissen. In Folge dessen und mit der Gesamtheit der archäologischen Funde zeigte sich nun ein wesentlich komplexeres Bild der Anlage.
Zwar lassen sich keine eindeutigen Funde in die englische Eisenzeit (ca. 700 v.Chr- 100 n.Chr) finden, aber ähnlich gelegene Anlagen in der Umgebung legen nahe das sich bereits zu dieser Zeit eine befestigte Anlage befand.
Auch Hinweise auf eine direkte römische Besiedelung fehlen, aber an Tintagel führte eine Römerstraße vorbei. Dies beweist ein Wegstein der bei der 500m entfernten Kirche gefunden wurde.
Richtig los geht es dann in der post-römischen Ära, den Dark Ages. Eben genau jener Zeit die König Artus zugeschrieben wird. Zu dieser Zeit musste sich auf Tintagel ein bedeutender Fürstensitz befunden haben. Zahlreiche Scherben deuten auf international Beziehungen hin in den kompletten Mittelmeerraum. Glas aus Gibraltar, Öl aus Nordafrika, Wein aus Byzanz und Kleinasien.
Wahrscheinlich war Tintagel eine Festung des keltischen Königreichs von Dumnonia. Leider wissen wir über dieses Reich nur sehr wenig. Einige Könige, wie Constantin und Geraint, sind uns bekannt, weitere zwar in Betracht gezogen jedoch sehr unsicher (Siehe Wikipedia: List of Kings of Dumnonia ). Vieles ist hierbei von Mythen überlagert. So soll Constantin einmal Nachfolger Artus sein, dann wieder Identisch mit Marc von Cornwall, dem Onkel von Tristan und Ehemann von Isolde (Tristan und Isolde spielt übrigens in späteren Legenden auch auf Tintagel)

Das Reich ging 709/710 unter, als sie durch die Angelsachsen aus Wessex erobert wurden. In jener Zeit wurde auch Tintagel verlassen. Eine einsame Münze Alfreds des Großen und nur wenige Scherben aus dem Bereich der Kapelle auf dem Berg sind das einzige was sich aus jener Zeit fand.

Ob nun tatsächlich ein Artus, wenn es ihn denn so  gab, sich hier aufhielt oder gezeugt wurde sei dahin gestellt. Dennoch war die Anlage eine bedeutende Festung jener Tage, wie geschaffen für einen bedeutenden Fürsten jener Tage, aber auch das Märchenschloss eines Fürsten des Hochmittelalters im Selbstversändnis seiner Zeit.

Old Minster Winchester

2011 schrieb ich bereits einmal über das Old Minster, der Vorgängerbau der heutigen Kathedrale von Winchester. Was mich damals antrieb war Übernahme karolingischer Bauformen, eines Westbaus oder Westwerks, in einen angelsächsischen Bau. Damals hatte ich nicht daran gedacht jemals vor der Kathedrale zu stehen
So dachte ich auch gar nicht mehr an das Old Minster als ich vor Ort war, denn meine Begleitung wollte die Kirche lediglich wegen Jane Austens Grab besuchen. Jedoch hatte ich etwas im Hinterkopf und als und tatsächlich lief ich an den markierten Grundmauern des Old Minsters vorbei. Leider gab es im Kirchenladen keine Literatur zum Old Minster weshalb ich mich nun noch einmal schlau gemacht. Zum Teil mit überraschenden Erkenntnissen.

WinchesterPlan
Plan der Befunde des Old Minster Winchester, Tafel vor den um Boden markierten Befunden

Zunächst aber musste ich feststellen das die Rekonstruktionen die ich seiner Zeit verlinkte ( Link1 und Link2 ) nicht alles wiedergeben, was sich dort eingezeichnet findet, bzw. auf den am Gehweg angebrachten Tafeln aufgeführt wird, bzw.  Zwischenstände die ich für beachtenswert halte nur kurz angeschnitten werden.
Dies hat mich dazu bewogen die einzelnen Bauphasen zu rekonstruieren, wobei ich entgegen den bestehen Rekonstruktionen einige wenige Veränderungen eingefügt habe. Dazu entsprechend im Text mehr.

Winchester1Bauphase I ca. 648
Im Jahr 648 erhält Birinus, der von Papst Honrius zur Missionierung nach England geschickt worden war, von König Cenwalh von Wessex den Auftrag in Winchester in direktem Umfeld des königlichen Palastes ein Münster zu errichten. Zuvor hatte Birinus bereits im 70km entfernten Dorcic (Dorchester-on-Themes), der ursprünglichen Hauptstadt Wessex, ein Bistum eingerichtet.
Mit dem Bau einer steinernen Kirche wurde der Sitz des Bistums nach Winchester verlegt. Falls es sich bei der Kirche in Dorcic nur um eine Holzkirche gehandelt haben sollte, wäre nun die neue Bischofskirche der erste steinerne Großbau seit dem Abzug der Römer in Britanien.

Birinus lies einen 72 Fuß langen, einschiffigen Saalbau errichten. Anstelle eines Querhauses besaß der Bau zwei quadratische Annexe, von denen der nördliche wahrscheinlich ein Taufbecken beherbergte. Unklar scheint zu sein ob der Bau bereits von Anfang an eine eingezogene Rechteckapsis besaß oder an ihrer Stelle sich zunächst lediglich eine weniger als halb so tiefe Nische befand. Die Steine für den Bau bezog Birinius aus den Resten des römischen Winchester. Beim Bau kamen möglicherweise Franken zum Einsatz die Brinius vom Festland holte.

 

Winchester2Bauphase II ca. 725-750

In dieser Zeit wird der Kirche ein Torbau mit darüber liegender St. Martinskapelle vorgelagert, der von der Kirche in etwa genauso weit entfernt ist wie das Kirchenschiff lang ist.  Der Torbau trennt Palast- und Kirchenbezirk voneinander, ist aber noch weitaus bemerkenswerter!

Ich erinnere dazu an diesen Artikel von mir und erinnere explizit an Lorsch und andere Torhallen im fränkischen Reich ! Es scheint als habe man in Wessex ebenfalls, oder beeinflusst durch die Franken und/oder Rom ebenfalls Torkapellen genutzt um hier ein höfisches Empfangsritual durchzuführen!

In mir bekannten Rekonstruktionen wird diese Torhalle, oder Torturm, meist als steilaufragender Turm dargstellt, begündet aus der lateinischen Angabe “turre”. Absichtlich bin ich davon abgekommen und habe eine flachere Halle dargestellt, da ich diese im vorangegangenen Kontext sinniger finde, zumal “turre” nicht zwingend eine Turm im echten Sinne sein muss, sondern lediglich die Mehrstöckigkeit andeutet.

852 wird der Lord High Chancellor Königs Egbert von Wessex und Tutor Æthelwulfs und Alfreds des Großen Swithin Bischof von Winchester. Swithin erfreut sich großer Beliebtheit. Als er 862 starb,  verfügte er man möge ihn im Hof der Kirche bestatten wo sein Grab vom “süßen Regen des Himmels” benetzt wurde. So wurde er im Hof zwischen Kirche und Torbau beigesetzt.

Sein Grab wurde schnell zur Pilgerstätte und Swithin als Heiliger verehrt. Dies sollte sich auch auf die weitere Entwicklung der Kirche auswirken.

Unter der Herrschaft Alfreds des Großen (+899) wird Winchester Teil des Systems der Burghal Hidage, befestigterAnlagen die der Verteidigung und als Rückzugspunkte gegen die einfallenden Wikinger dienen.

Nach Alfreds tot wurde dieser zunächst im Old Minster beigesetzt. Eduard der Ältere, Alfreds Sohn, lies für seinen Vater jedoch direkt neben dem Old Minster eine weitere Kirche, das New Minster, errichten in das die Überreste 901 überführt werden. Die Kirchen lagen snur wenige Meter voneinander entfernt so das die Gesänge der Mönche sich gegenseitig störten.

Winchester3Bauphase III 903-971

Das Kirchenschiff erhält nun zwei Anbauten die ebenfalls an ein Querschiff erinnern, jedoch wieder ohne es zu sein.  Es ist ein schmaler Gang der aus dem Gebäude führt und an den sich jeweils 3 Räume anschließen.  Trotz langen Überlegens fiel mir hierzu nichts vergleichbares ein. Möglicherweise diente die Räume ja Schreibern oder einer Hofschule.

Im Hof liegt nun markiert das Grab Swithins.

In diesen Zeitraum fallen einige der intensivsten Kontakte mit den beiden  fränkischen Reichen.  Um 919 heiratete der Westfranke Karl III.  Eadgifu , die Tochter Eduards I. von Wessex und Enkelin Alfreds des Großen. Ostfranken und der noch jungen Herrschaft der Luidolfinger konnten dem nicht Nachstehen. So heiratete Otto I, Eadgifus jüngere Schwester Edgitha. Zu dem haben Westfranken und Engländer einen gemeinsamen Feind: die Dänen.


Winchester4Bauphase IV 971-975

Der Bau des nördlich liegenden New Minsters führt zum Konkurenzkampf der beiden Kirchen. Das Old Minster errichtet nun einen Turm über dem Grab Swithins, der auf einer kreuzförmigen Basis ruht. Die Balken des Kreuzes sind nach Norden und Süden mit riesigen Konchen abgeschlossen. Die Torhallebildet nun das Eingangsportal der Kirche.

Das New Minster zieht nach und baut in den 980ern  einen 6 stöckigen Turm, der mit Figuren im Winchester Stil geschmückt ist.

 

Winchester5Bauphase V 975-980

Die Conchen-Anlage fällt aber schnell der Bauwut zum Opfer. Wobei einigige Mauern, wie etwa die Westwand, weiterverwendet werden. Mögliche wäre auch eine Erhöhung des Turms, dessen Höhe mit 100 Fuss angegeben wird.

Die Torhalle wird in das Gebäude, mit nun quadratischem Grundriss, integriert, Ihr zur Seite werden zwei Türme gestellt.  Ganz ähnlich wie es im fränkischen Corvey geschah , wo  ebenfalls eine Torhalle überbaut wurde.

Gewollt oder zufällig erreichte man die Optik eines Westwerks.


Winchester6aBauphase VI 980-992/4

In der letzten Bauphase erhält die Kathedrale einen neuen Chor und wird somit verlängert. Aber auch weitere Umbauten, wie etwa die Entstehung eines marmornen Baptysteriums werden vorgenommen. Der Chor wird im Vergleich zum Vorgänger angehoben und erhält eine Krypta. Ein Querhaus mit Conchen wird erbaut und darüber ein 5 stufiger Glockenturm.

Bis zum Eintreffen der Normannen bleibt diese Kirche bestehen und dient vielen Königen als Grablege. 1093 beginnt der normannische Bischof Walkelin mit dem Neubau einer Kathedrale im normanno-romanischen Stil südlich des Old Minsters. Nur der der südliche Turm des Westbaus wird als Nordturm integriert. Die Gebeine der im Oldminster begrabenen Könige von Wessex und England, der Bischöfe und nicht zuletzt Swithin werden in die neue Kathedrale überführt.  Das New Minster wird ebenfalls abgerissen und die Mönche nach Hyde Mead, nördlich der Stadtmauer vertrieben. Das neue Langhaus der normannischen Kathedrale ist allein nun so groß wir die das gesamte Old Minster. Vom normannischen Bau ist allerdings heute auch nur noch das Querhaus erhalten, der Rest wurde im Stil der Gotik umgebaut. Winchester ist unter den Normannen auch  nicht länger Hauptstadt Englands, sie verlegen diese nach London.  Der letzte König der in Winchester beigesetzt wird ist Wilhelm II. Rufus, Sohn von Wilhelm dem Erober, der im nahen New Forrest bei der Jagd von einem Pfeil getroffen wurde.

Englische Museen

Ich war gerade einige Zeit in England unterwegs und hab relativ stressig den Süden der Insel unsicher gemacht, viel gesehen und noch viel mehr verpasst. Einige Sachen möchte ich hier jedoch aufgreifen.

Das England kein günstiges Urlaubsziel ist dürfte sich rumgesprochen haben (Zigaretten £11,95). Das gilt auch für die meisten Museen. Zwar sind staatliche Museen in England (z.B. Tate Modern London) kostenlos, die meisten Museen sind aber Privat, oder in der Hand von National Trust und English Heritage.

Die Aussage eines Herren vom Heritage der Unterschied der beiden Organisation bestehe darin das der Heritage mehr Burgen besäße, ist zwar richtig aber erfasst bei weitem nicht alles.  Beide Organisationen  bilden gemeinsam in etwa das was bei uns die Denkmalpflege ist. Zwar tragen beide Organisationen im vollen Namen den Trust, also den Treuhänder, jedoch wird nur der 1895 gegründete National Trust  auch als Treuhänder in der Rechtsform geführt, der Heritage läuft dagegen als Gemeinnützig. Ihr Geld bekomme aber beide im Großteil durch Spenden, Eintrittsgelder und selbst betriebene Kaffees u.ä.

Dementsprechend ist auch die Preisgestaltung eine vollkommen andere als  in Deutschen Museen denen meist Gemeinden, Städte oder Land als Träger auftreten und auch bezuschussen.
So bezahlt man etwa als nicht Engländer im vom Heritage geführten Stonhenge £14,50 (Engländer können noch mal £1,50 mehr bezahlen und das als Spende deklarieren, als Gift Aid bezeichnet) auf den Tisch legen, für den St. Michaels Mount vom National Trust immer noch £11,95 und für das private Hever Castle £16,00. Kirchen und Kathedralen können schon mal mit £5,00 zu Buche schlagen. Da kommt was zusammen…

Im Gegensatz zu vielen deutschen Museen oder Orten von Bedeutung bekommt man aber meist einiges Geboten. Shuttle Service in Stonehenge (Ich Depp bin 35° 2,5km hin und zurück durchs offene Feld gelatscht!), mehrsprachige Audioguides, kostenlose Führungen etc. Besonders fiel mir auf das auf das behindertengerechtes Umfeld geachtet wurde. Das betraf Leihrollstühle, Großdruckkarten oder Führer (die gabs dann kostenlos zum Leihen). Gelegentlich gab es auch Sonderpreise für Behinderte und es wurde dann in unserem Fall auch immer der deutsche Behindertenausweis (in meinem Fall gabs es einen mit B für Begleitperson), wodurch nur ein Sonderpreis bezahlt werden musste und die Begleitperson kostenlosen Eintritt erhielt.

Auch die Präsentation in den Museeun gefihl mir zum Teil sehr gut. Oftmals wurde Multimedia eingesetzt, große Videoprojektionen und Filme verwendet, etwa in Stonehenge, oder in Battle Abbey. Viel gab es auch zum Anfassen (Schwerter und Schilde in Battle Abbey). Und fast überall präsent sind Darsteller im Period Costume. Ich möchte nicht soweit gehen und diese als Reenactors bezeichnen, dazu habe ich mich auch zu wenig unterhalten, aber es hat mir durchweg gefallen. Die Kleidung der Dame in Hever Castle sah sehr ansprechend aus , auch wenn ich keine Ahnung von der Kleidung der Tudor Zeit habe. Auch haben die entsprechen Personen kein Marktsprech, in England wohl eher Shakespeare-Sprech, verwendet, mal abgesehen von den Schauspielern im Shakespeare Haus Monologe aus Shakespeare Stücken zum besten gaben. Aber die dürfen das! Zu dem waren diese Leute doch immer recht bewandert in der Zeitstellung in der sie auftraten. Hut ab!

Einzig muss ich die Fachbuchausbeute etwas kritisieren. Meine beläuft sich nämlich auf Null! Ich hatte mir in Winchester einiges über das Old Minster erhofft, fand aber nichts, ebenso bei Old Sarum. In Hailes Abbey lagen einzig, angebunden, einige Grabungsergebnisse aus. Diese aber durchzuackern hätte viel zu viel Zeit gekostet.

Je mehr ich aber im Ausland unterwegs bin, desto mehr muss ich festellen das wir Deutschen doch der internationalen Entwicklung im Museumswesen hinterher hinken, zumindest was Präsentation, Vermittlung  und Behindertenfreundlichkeit angeht.

PS: Eins möchte ich nicht vergessen zu erwähnen. Ich war erfreut in Stonehenge allgegenwärtig darauf hingewiesen zu werden das Stonehenges Erbauung nichts mit Druiden zu tun hat. Komisch war dann aber die Dame in “Irgendwie-Eso-Klamotte-die-Druide-sein-soll” in der Ecke des Ausstellungsraums mit ihrem Knochen behangenen Wanderstock saß und irgendwas von Druiden erzählte (keine Ahnung was). War wohl ein Zugeständnis an das Eso-Pagan Volk oder so.

Der Helm von Verden – kein karolingischer Helm

Vor kurzem bekam ich eine Anfrage bezüglich des “Helmes von Verden”. Dieser Helm war mir schon bei meinen Recherchen zu Helmen untergekommen, aber auf Grund der mangelhaften Informationslage hatte ich ihn nicht berücksichtigt. Nun aber versuche ich dem Helm, bzw. der Problematik des Selben gerecht zu werden. Da der Helm im Gesichtbereich einen keilförmigen Ausschnitt besitzt und auch über die Möglichkeit einer Aufnahme einer Helmzier verfügt wird mit unter Angenommen das es sich hierbei um “den Karolinger Helm” handeln müsse. Davon ging im übrigen auch sein “Entdecker” aus.

Helm1
Der Verdener Helm nach „Zeitschrift für historischen Waffenkunde“ Band 6. Links der Ausschnit für das Gesicht

Über den Helm wurde erstmals, und wie es scheint auch einzigst, in der „Zeitschrift für historischen Waffenkunde“ Band 6, erschienen zwischen 1912 und 1914, publiziert. Verfasser des dortigen Atrikels mit dem Titel „Ein Frühmittelalterlicher Spangenhelm“ war ein gewisser Dr. jur. W.A.J. Wilbrand, der auch der damalige Besitzer des Helmes war. Der Verfasser ist höchst wahrscheinlich  mit dem Darmstädter Dr. jur. Wilhelm (Willi) August Julius Wilbrand (1871-1957) gleichzusetzen , dem Sohn eines Darmstädter Ministerialrates, selbst Politiker, Jurist und auch Verfasser einiger weniger geschichtlicher Schriften.

Fundgeschichte und erste Probleme
Wilbrand hatte den Helm und eine Lanzenspitze bei einem Händler erworben wie er schreibt. Dieser berichtete beide Funde stammen aus dem Verdener Moor, wo sie beim Torfstechen von zwei Torfstechern gefunden worden seien. Wie Wilbrand selbst berichtet sind ihm die Finder, als auch die Fundumstände unbekannt und auch der Händler konnte keine weiteren Angaben machen.
Diese Aussagen müssen daher mit einer gesunden Skepsis betrachtet werden und Fundumstände und Fundort hinterfragt werden.
Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts blühte der Versuch dem „Verdener Blutgerichtes“, der angeblichen Sachsenschlächtung Karls des Großen 782, habhaft zu werden. Zahlreiche mehr oder minder wissenschaftliche Texte und Bücher wurden verfasst und auch Heimatdichter Hermann Löns befasste sich 1912  damit. In dieser, auch politisch, aufgeheizten Stimmung um (neu-)Heidentum, „Sachenschlächter“ Karl und und Nationalstolz konnte mit einem Helmfund der den Sachsenkriegen zugeordnet wurde, wesentlich bessere Preise erzielt werden als mit einem profanen Helmfund. Ähnliche Vorgänge im Kunst- und Antikenhandel waren, und sind auch heute noch keine Seltenheit.

Vor diesem Hintergrund müssen Fundort und Fundzusammenhang von Helm und Lanze infrage gestellt , bzw. müssen mit Vorsicht genossen werden, weshalb ich mich auch nicht der Lanzenspitze sondern lediglich dem Helm widmen werde.

Der Fund als Solches
Der Helm besteht aus 2 überkreuzt laufenden Spangen, die jeweils 4 Segmente in Form halten und dem Helm seine halbkugelige Form geben. Auf dem Zentrum des Helm befindet sich eine zentrale  quadratische Platte, die an den Längseiten gekerb und in der Mitte halbkugelig ausgetrieben ist. Sie verbindet noch einmal die Segmente miteinander und in der Austreibung befindet sich eine schräge Bohrung, wahrscheinlich zur Aufnahme einer Helmzier.
Der Helm weist neben dieser recht gängigen Form einige Besonderheiten auf. Wie bereits beim Helm von Gnezdovo sind die Platten der Kalotte nicht direkte miteinander vernietet, sondern sind an den Spangen befestigt, welche eine kammartige Aufwölbung besitzen.
Auf der Vorderseite ist der Helm keilförmig eingeschnitten, so dass die Spange hier kürzer ist, aber die Nieten sich in gleicher Höhe wie bei den anderen Spangen befindet. Hierdurch liegt die Spange in diesem Bereich nur auf den Platten an und ist nicht fest mit ihnen verbunden.
Auch die Spangen an sich scheinen ungewöhnlich, den sie sind in keiner Weise verziert, bis auf die Aussparungen in kreissegmentform so dass sich ein Wellenmuster ergibt.
Der Rand des Helmes ist leicht nach oben gebogen. Eine Einfassung mit einem Metallband ist daher nicht anzunehmen. Am Rand selbst befinden sich einige Löcher, wohl zur Befestigung eines Innenfutters, Wilbrand fand wohl in den Löchern einen grünlichen Filzstoff darin.
Neben dem Ausschnitt für das Gesichtsfeld befinden sich 3 direkt nebeneinander liegende Löcher. Wilbrand vermutete hier die Befestigung eines Riemens. Andere vermuteten die Befestigung von Wangenklappen.

Vergleiche:
Zunächst erscheint der Verdener Helm einzigartig. Bei näherer Betrachtung finden sich jedoch parallelen zu anderen Helmen.
Die Wellen förmige, bzw der Kreissegmentauschnitt der Spangen findet sich bei slawischen Helmen wieder, zum Teil auch bei zu Platten verbreiterten Spangen wie etwa dem Helmen Cherna Mogolia (ca.960-970), Mokroe (ca.1000) , Raiki(ca. 1100-1250) oder stark verzierte Spangen bei Gnezdovo (2) (10. Jahrhundert.)

Helm von Peshki,
Helm von Peshki, Kirpichnikov 1971

Ebenso wie sich die Wellenform der Spangen bei slawischen Helmen findet, findet sich auch der quadratische Aufsatz für die Helmzier bei slawischen Helmen. Am vielleicht ähnlichsten ist hier die am Helm von Peshki (ca. 1250-1300)  zu finden, wobei hier die Spitzen des Quadrats sternförmig verlängert wurden.

Ebenso verhält es sich mit einer fehlenden Randeinfassung, die sich immer wieder bei slawischen Helmen findet.
Mehr noch gibt der keilförmige Ausschnitt für das Gesichtsfeld zu denken. Wie bereits beschrieben ist die Spange am Ende nicht mit den Platten vernietet und liegt lose auf diesen auf. Bei einen Schlag auf den Helm fängt dieser Teil an zu schwingen, was nicht nur unangenehm, sondern schädlich für die restliche Vernietung der Spangen ist! Ein Rüstungsschmied hätte diesen Malus wohl kaum beabsichtigt. Es scheint als sei der Ausschnitt für das Gesichtsfeld erst später vorgenommen worden zu sein, vielleicht um den Helm für einen Träger mit kleinerem Kopf tragbar zu machen, vielleicht auch um einen Defekt (defektes Nasal oder Brille?) zu entfernen.

Fazit
Eine Abschließende Wertung für diesen Helm abzugeben fällt mir schwer. So interessant dieser Helm auch erscheint, so sehr beschleicht mich das Gefühl das Wilbrand einem Betrüger aufgesessen ist, de ihm ein X für U vormachte.
Neben den bereits genannten Ähnlichkeiten zu slawischen Helmen kommen weitere Indizien hinzu.
Wilbrand berichtet von grünen Filzresten in den Löchern des Helmrandes. Wenn man aber davon ausgeht das der Helm ca. 1100 Jahre im Torfmoor lag, sollte man denken das Gerb- und Huminsäuren die Textilreste zu einem Rotbraun verfärbt haben. Da dies aber nicht der Fall scheint, ist anzunehmen das der Helm nicht im Moor lag. Wenn also anzunehmen ist, dass die Geschichte von den zwei Torfstechern nicht stimmt ist die Wahrscheinlichkeit das Wilbrand einem Betrüger aufgesessen ist extrem hoch.

Meine persönliche Meinung ist, dass es sich bei dem sogenannten Verdener Helm um einen slawischen Helm des 12.- 13. Jahrhunderts handelt, der aus welchen Gründen auch immer, im Gesichtsbereich verändert wurde. So oder so würde ich jedem von diesem Helm für eine Karolingerdarstellung abraten!

Wenn jemand neuere Erkenntnisse zu dem Helm hat, oder aber auch anderer Meinung ist,  würde es mich freuen davon zu hören.

Gedanken zur Kaiserkrönung Karls des Großen

Kürzlich las ich einen Artikel zur Kaiserkrönung Karls des Großen der mir zu denken gab und der in seiner Konsequenz Nachhall bis zum Investiturstreit gefunden haben könnte. Es war ein wissenschaftliches PDF das ich nun leider nicht mehr finde, sich aber ähnlich in einigen Presseartikeln zum Karlsjahr wiederfand.

Rufen wir uns zunächst einmal in Erinnerung was Einhard zur Kaiserkrönung schrieb:

Damals erhielt er den Titel ‘Kaiser und Augustus’. Das war ihm zuerst so zuwider, dass er versicherte: Er hätte an jenem Tage, obgleich es ein hohes Fest war, die Kirche nicht betreten, wenn er zuvor um die Absicht des Papstes hätte wissen können.

"Ups, wo kommt den die Krone her?"
“Ups, wo kommt den die Krone her?”

Auf den ersten Blick scheint unser Karl ein recht bescheidenes Kerlchen zu sein. Würde einfach so auf eine Kaiserkrönung verzichten…
Doch so einfach ist das nicht. Man stelle sich den Vorgang einmal vor. Karl wird vom Papst zum Weihnachtsgottesdienst eingeladen, da er sich in Rom aufhält. Karl bekommt Wind von der geplanten Krönung und sagt daher ab und zieht es vor statt mit dem Papst, die Weihnachtsmesse mit seinen eigenen Kaplanen vor dem Reisealtar zu feiern.
Oder anders gesagt: Putin lädt Merkel zum Abendessen ein, weil er ihr den Orden Held der russischen Föderation verleihen will, aber Merkel geht lieber zu McDonalds… Es wäre ein Skandal mit ungeahnten politischen Konsequenzen. Und gleiches gilt auch für Karl und sein Verhältnis zum heiligen Stuhl. Aber warum sollte es Karl auf diese Provokation ankommen lassen?

Gehen wir zeitlich noch ein Stück vor die Zeremonie von Weihnachten 800 zurück.
799 gerät Papst Leo III. durch Gegner in Bedrängnis, die ihn zu verstümmeln versuchen. Der Papst flieht ins Frankenreich und kommt in Paderborn unter. 800 zieht Karl dann mit Leo nach Rom um in einer Art Gerichtsverhandlung über Leo III. zu entscheiden dem seine Gegner Ehebruch vorwarfen.

Ich fasse zusammen: Der König und oberste Richter der Franken Karl hält Gericht über den Stellvertreter Gottes auf auf Erden  den Nachfolger Petri und höchsten Richter der Christenheit (Christenheit ist hier als Menschheit zu verstehen). Karl steht somit über dem Papst.
Obwohl der Papst als Gewinner aus dem Prozess hervorging ist er und die Kirche also dennoch in ihrer Bedeutung herabgewürdigt worden.

Er revanchiert sich auf seine Art in dem er Karl zum Kaiser krönt, und zwar so wie es ihme passt! Dadurch stellt er sich wieder über Karl in dem er, der Papst, das fränkische Gottesgnadentum ignoriert wonach Karls Königswürde einzig von Gott gegeben ist und Karl somit zum Kaiser durch die Gnade des Papstes wird.

Selbst wenn Karl und Papst Leo sich bereits zuvor in Paderborn einig gewesen sein sollten über eine Kaiserkrönung (Eine Hand wäscht die Andere!) hätte Karl sehr wahrscheinlich es eher bevorzugt wenn die Römer ihn “spontan” zum Kaiser ausgerufen hätten, oder er nach einer Schlacht zum Kaiser ausgerufen worden wäre. Ganz im Sinne von “Dieser Sieg kommt durch Gott und somit verleiht mir Gott auch den Titel”.

Es handelt sich also um genau dieselbe Diskrepanz zwischen Vorstellungen wie sie im Investiturstreit zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. ihren Ausdruck findet. Wer steht höher? Der gottgegebene König oder aber der Stellvertreter Gottes? Und welche Rechte und Pflichten gebühren daraus?

Kostenlos und Kultur

Wie bereits vor einiger Zeit angedeutet bin ich wegen der Verwendung meiner digitalen Rekonstruktion des Einhardsbogens für eine Ausstellung angefragt worden. Ich habe dem zugesagt und nach einigen Mailwechseleln kam die Frage auf wie viel ich den für die Verwendung des Bildes an Geldwert haben möchte.
Ich muss zugeben das mir dies schmeichelte, aber NEIN, ich will kein Geld für das was ich tue.

Klar steh ich wie die meisten darauf nichts oder möglichst wenig für etwas zu zahlen, bin aber dennoch kein verfechter der absoluten “Kostenloskulter”.
Aber das Bild als Solches existierte ja bereits, ich hatte es in relativ hoher Auflösung unter CC-BY-SA online gestellt. Also benutzen, Namen nennen, glücklich sein.

Nun bot ich aber an das Bild ein wenig zu überarbeiten. Das tat ich weil ich selbst in einigen Teilen unzufrieden war, mehr Details rein bringen wollte und auch Ideen hatte dies effektiver Umzusetztem. Das war aber nur mein Bier. Das ich nun ein fast vollkommen neues Modell bauen würde ahnte ich dabei nicht, ist aber ebenfalls mein Bier. Nur ungern würde ich ein Bild von mir in einer Ausstellung sehen, dass ich als “unfertig” ansehe. Aber das ist letztendlich unerheblich für die Entscheidung kein Geld zu verlangen.

Der eigentliche Grund warum ich kein Geld dafür haben möchte ist ein anderer. Den Museen geht es auf gut deutsch scheiße. Ich weiß nicht ob schon mal jemand hier versucht hat die Rechte an einem Bild, zum Beispiel aus dem Katalog zur Ausstellung “Die Franken” zu bekommen. Für die Kohle kann man schon einiges auf die Beine stellen! Aber die Leute, die Graphiker und Wissenschaftler, die diese Bilder erstellt haben leben davon. Im Gensatz zu mir. Es ist mein Hobby und nicht mein Job. Ich bin und sollte also nicht auf dieses Geld angewiesen. Ich bin daher der Meinung das ich kein Geld für ein Bild verlangen sollte das nicht eine spezielle Auftragsarbeit ist. (Und selbst wenn, gab ich mich bisher immer mit Büchern oder ähnlichem zufrieden)
Ich sehe es eher als meine Pflicht an mit einem Bild zu helfen, in der Hoffnung einen kleinen Beitrag zu leisten. Eigentlich ganz so wie dieses ganze Blog. Ich möchte das wir mehr für unser Geld bekommen und dazu möchte ich einen Beitrag leisten.
Hinzu kommt, das es sich beim “Museum bei der der Kaiserpfalz Ingelheim”, wo das Bild nun hängt, auch nicht um ein “reiches” Museum handelt. Es besitzt eben auch mehr oder minder zufällig Ausstellungsfläche für die Kaiserpfalz Ingelheim. Und da ich nun aus der “Kaiserpfalz” Trebur komme ist es quasi auch ein bisschen Nachbarschaftshilfe.

(Generell würde ich ohnehin dafür plädieren das wir alle ein bisschen geben um im Gegenzug auch nehmen zu können. Vielleicht bin ich da ein bisschen sozialistisch oder gar kommunistisch eingestellt, vielleicht hab ich auch einfach zuviel Star Treck gesehen oder hab zu viel am Idealismustopf genascht. Aber mir gefällt die Idee das jeder das macht was er irgendwie kann, sei es auch noch so gering, und alle profitieren am Ende davon)

Ach ja, und last but not least kann ich nun sagen, dass eine meiner Rekos in der Kaiserpfalz Ingeheilm hängt 😉

Mein Bild findet sich seit 18. März in der Ausstellung zum Einhardsjahr 2015 im Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim, sowie es in dem in dem Kurzvortrag “Einzigartig – Der Einhardsbogen” am 16.4.2015 von Frau Renate Fath M.A. zu sehen sein wird. Infos unter http://www.museum-ingelheim.de/

Äpfel und Birnen: Sinnlose Waffenvergleiche im Netz

Vor einiger Zeit bekam ich aus einer privaten Sammslungsauflösung ein Katana geschenkt. Wie man das so in der Regel macht schaut man dem geschenkten Gaul dann doch mal ins Maul. Dabei stolpert man unweigerlich auch über zahlreiche Youtube Videos mit so klangvollen Namen wie: “European Longsword vs. Katana”, “Medieval Sword vs. Katana” oder “Longsword vs. Katana”.

Bei all diesen Filmchen wird man nicht müde all die Klischees zu bedienen die uns Filme und zweifelhafte Publikationen seit ewigen Zeiten zu verkaufen versuchen. Egal ob es die Mär vom Zerteilen von Schwertern oder von millionenfacher Faltung, alles wird bedient. Witziger Weise kommt jeder zu einem anderen Ergebnis.
So fragt Galileo allen Ernstes ob man den wirklich mit einem Samuraischwert ein anderes Schwert zerteilen kann wie es in Kill Bill gezeigt wird.
Die “Versuchsanordnung” ist dann auch relativ simpel: Ein eingespanntes Breitschwert wird zunächst mit einem Katana, dann mit einem Langschwert malträtiert. Und siehe da, das Katana verbiegt sich, das Langschwert überlebt und zerbricht das Breitschwert. Jeder der mal mit Schwertern gekämpft hat bekommt hierbei allein vom zusehen Bauchschmerzen. Galileo jedoch folgert: “Das deutsche Langschwert zerteilt die Klinge und erweist sich damit als das wahre Superschwert”. Aua!

Tatsächlich aber macht es nicht einmal Sinn das Katana mit einem europäischen Schwert des hohen oder späten Mittelalters zu vergleichen. Es ist der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln und Birnen.
Der Schlag eines Katanas entspricht mehr einem Schnitt als einem Schlag. Dies beding bereits die Form des Schwertes. Tatsächlich war ich ein bisschen erstaunt wie man doch durch die Form von Griff und Klinge dazu gezwungen wird bei einem Katana eine schneidende Bewegung durchzuführen. Dies erklärt sich durch die Art der japanischen Rüstungen, deren einfachere Modelle Aus mit Lack verstärkten Bambusplättchen und gehörtetem Leder gehörten und eine größtmögliche Beweglichkeit ermöglichten. Großflächige Metallteile an Rüstungen tauchten in Japan erst mit dem Nanbandō auf. Einem Kürass, den man direkt von den im 16. Jahrhundert in Japan auftauchenden Portugiesen kopierte und dessen primäres Ziel nicht der Schutz vor Schwerthieben, sondern der Schutz vor Gewehrkugeln war.
Die Portugiesen ihrerseits liefen auch nicht mehr mit dem Langeschwert herum sondern trugen Rapiere.
Das Langschwert war aber eine Entwicklung die mit der Plattenrüstung in Europa einher ging. Im Gegensatz zur japanischen Rüstung hatte die Plattenrüstung ein wesentlich höheres Schutzpotential, schränkte aber die Bewegung wesentlich stärker ein. Also vollkommen unterschiedliche Gegebenheiten. Und davon findet sich im Netz ein Haufen Mist.

Ein Katana mit einem europäischen Schwert zu Vergleichen kommt also dem Vergleich eines Tomahawks mit einer Bartaxt gleich. Es macht keinen Sinn, man kann aber Sendezeit damit füllen.

Dazu gibts auch zwei kurze Filmchen von Youtube (wobei ich mir Skallagrim mal näher anschauen muss, erinnert mich an den guten Lindy Beige) :

Spiegel Geschichte und der Campus Galli

Ursprünglich war das Thema Campus Galli/ Klosterstadt Meßkirch für mich abgehakt. Lediglich nach meinem Besuch vor Ort vor Ort schrieb ich noch einmal darüber. Zudem berichtet Hiltibold ausführlich zum Thema und hinterfragt jegliche Bewegung vor Ort.
Nun bewegte mich aber ein Facebookpost von Andreas Sturm, den ich vor einigen Tagen las, doch noch einmal das Wort zu ergreifen, da ich mich dabei persönlich angesprochen fühle. Er zitierte daraus aus dem aktuellen Ausgabe ( 1/2015) von Spiegel Geschichte.

Der Spiegel Geschichte berichtet darin auf S112 bis 119 in einem Artikel von Alexander Smoltczyk unter dem Titel “Zeitreise handgemacht” über den Campus Galli. Der Artikel selbst bietet nichts wesentlich neues. Er versucht scheinbar neutral zu beleiben, lässt aber eine gewisse begeisterung für die Idee erkennen und lässt nur die Teilnehmer des Projekts zu Wort kommen und weckt somit eine pro Campus Galli Stimmung die (Mittelatermark-) Ambiente erzeugt, die ja das Projekt angeblichen zu vermeiden sucht. Die Teilnehmer äußern sich zu weilen auch über die ihnen entgegengebrachte Kritik:

“Es gibt natürlich auch immer Mittelalter-Fans, die nur hierherkommen, um nach Fehlern zu suchen. Aber das sind sehr wenige”, sagt der Schindelmacher. Die mokieren sich dann über das Nasen-Piercing der Färberin. Die fotografieren das Kleidergrößenetikett am Wollgewand oder den Elektrozaun am Schweinekoben und petzen es später aus dem sicheren Versteck ihres Blogs.
Sie haben den Campus nicht verstanden. Natürlich liegt da ein Feuerlöscher neben der Schmiede. Natürlich gibt es Sicherheitsschuhe. Die Versicherungen leben nämlich nicht im Mittelalter. Und die damalige Dichte an Einäugigen und Krüppeln möchte man nicht wiederaufleben lassen. (…) S.116
Niemand darf sich mit einer Uhr am Handgelenk oder einem Handy erwischen lassen. Auch Cola gibt es nicht, genauso wie das Rauchen für Besucher verboten ist.(…) S117)

Nun weiß ich nicht wie viele Geschichtsinteressierte vor Ort waren die später über den Campus Galli irgendwas gepetzt geblogt haben. Ich weiß aber das Hiltibold viel darüber schreibt und ich vor Ort war, Bilder machte, darüber schrieb und die Bilder auch Hiltibold zur Verfügung stellte. Ich bin daher so egoistisch und beziehe das auch auf mich und möchte hier etwas einwerfen “aus dem Versteck meines Blogs”.

Als ich vergangen Sommer in den Campus Galli fuhr, war ich auf dem Weg in den Urlaub. Ich hatte den Besuch nicht fest eingeplant, erst einen Tag zuvor erfahren das an diesem Tag das Sommerfest stattfinden würde. Ich kam auch nicht um geplant nach Fehlern zu suchen, primär wollte ich mir die Sache einmal anschauen, das mir jedoch einige Fehler ins Auge sprangen ist dann doch eher eine spezielle Aussage.
Ich glaube nicht das sich jemand ernsthaft über einen Elektrozaun oder Feuerlöscher auslassen würde. Ein Etikett am “Wollgewand” dann doch eher, zumal mir nun niemand geläufig wäre der entsprechende Kleidung verkauft und ein Etikett anbringt. Es sei denn es ist eben der Baumwollkram den man so hinterher geschmissen bekommt. Piercings könnte man rausmachen vergisst man aber gerne, gebe ich zu. Aber die Aussage das sich niemand mit Uhr oder Handy erwischen lassen darf finde fast schon lächerlich. Als ich zu Besuch war sah ich Seindenschals, normale T-Shirts unter der Tunika und Polyestergürteltaschen. Selbst wenn , wie es zum Teil an diesem Tag der Fall war, auch Leute dabei waren die nicht regulär am Campus Galli beteiligt sind, so muss doch jemand da sein der sie eben erwischt. Besonders an einem Tag wie dem Sommerfest wo mit Presse und einem Haufen Fotoapparaten zu rechnen ist. Das scheint aber nicht der Fall zu sein! Auch hat meines Wissens nie jemand die Sicherheitsschuhe als solche kritisiert. Aber wenn man keine, gar keine Wendeschuhe sieht, wirds halt doch etwas eigentümlich.

Der Vorwurf man würde aus dem Versteck eines Blogs agieren ist geradezu hanebüchen. Natürlich könnte man sich Sendezeit im Fernsehen kaufen wenn man denn das Geld hätte. Man könnte für Zeitungen schreiben, wenn man denn die Zeit hätte. Aber das alles trifft auf uns nicht zu! Ich habe ein Impressum mit voller Anschrift, auch Hiltibold hat das. Es gibt gibt die Möglichkeit zum kommentieren. Ich denke nicht das einer von uns sich gegen ein Gespräch wehren würde. Hiltibold hat kürzlich den einen Beitrag von Geschäftsführer Hannes Napierala im Blog gehabt. Dennoch wird immer wieder um bestimmte Themen einen Bogen gemacht bzw. sie verschieden wiedergegeben und Blogger als das Böse unter dem Himmel beschworen.
Im Gegenzug darf sich also niemand wundern, der im Rampenlicht irgend eines Publikums oder iInteressengruppe steht, auch von diesem beurteilt oder kritisiert zu werden!

Am besten ist jedoch der Hinweis über Behinderungen im Mittelalter. In diesem kleinen Satz sind sämtliche Vorbehalte einer unendlichen Diskussion auf einen minimalen Raum eingedampft. Erinnert sich noch jemand an die Ausseinandersetzung Hiller/Mittelalterlich Spectaculum vs. Reenactment-/Living-History-Szene? Nein? Kurz zur Auffrischung:

Wir haben nicht den Anspruch authentisch einhundert Prozent korrekt zu sein, denn Authentizität ist unserer Meinung nach nur ein Schlagwort für die Besserwisser in der Mittelalterszene.(..) Es gibt nur die eine Tatsache, dass wenn man den Überlieferungen folgen würde, eine authentische Veranstaltung wegen der darzustellenden Armut, dem Schmutz, dem Gestank, der Krankheiten etc. mit hundertprozentiger Sicherheit nicht dem Anspruch bester Unterhaltung genügen würde. (Zitiert nach Tempus Vivit)

Nun bezieht sich die Aussage in Spiegel Geschichte, die dem Schindelmacher zugeordnet ist, wohl nicht darauf das man nie vollends authentisch sein kann, sondern ist eher im Sinne zu verstehen, dass man auf die Sicherheit achten muss und daher Abstriche in der Authentizität machen muss. Und dennoch ist und bleibt es die selbe Argumentationsweise wie sie im Konflikt Mittelaltermarkt gegen Reenactment-/Living-History-Szene. Und sie bleibt genauso falsch. Niemand hat etwas gegen Sicherheit. Niemand hat etwas gegen TÜV oder Versicherungen. Andere Veranstaltungsorten zeigen doch das es anders geht, siehe Bärnau. Und nein, ich will auch nicht im Mittelalter leben, falls die Frage aufkäme (das wäre bei der Argumentation zu erwarten).

Immer wieder erweckt der Text in mir auch ein befremdliches Schmunzeln. Etwa wenn der Text die Idee beschreibt am Eingang einen Misthaufen zu platzieren um auch geruchsbedingt die “Zeitreise” ins Mittelalter einzuläuten oder wenn Artikel der für die Gemüsepflanzen zuständige Dame ein Faible für die Schriftsprache des 16. Jahrhunderts bezeugt auch wenn diese nicht mittelalterlich sei.

Es bleibt abzuwarten was in dieser, inzwischen für mich leidigen, Diskussion noch so alles passiert.

Wer sich das Video des Spiegel mal anschauen will zu dem Artikel (“…Sicherheitsschuhe der Karolingerzeit, nämlich Holzschuhe.”) kann das hier tun: www.spiegel.de/sg12015kloster