Der Begriff „Pfalz“

Der Begriff Pfalz ist aus dem lateinischen Wort palatium abgeleitet. Ursprünglich bezeichnete es aber nur den einen der 7 Hügel Roms, den Palatin (mons palatinus), auf dem Kaiser Augustus seinen Palast errichten lies . Später wurde der Begriff palatium auch auf andere römische Herrschaftszentren wie Ravenna, Mailand und Trier übertragen.

Der römischen Konsul Cassius Dio (150-234) berichtet in seiner „Geschichte Roms“ :

Die Residenz des Prinzeps wird Palatium genannt, und zwar nicht, weil es jemals beschlossene worden wäre, daß sie so genannt werden sollte, sondern weil Augustus auf dem Palatium wohnte und dort sein militärisches Hauptquartier hatte, (…) und aus diesem Grunde trägt der Wohnsitz des Prinzeps den Namen Palatium, selbst wenn sich der Prinzeps irgendwo anders aufhält.

Als im 5. Jahrhundert die Franken in Teilen des ehemaligen Weströmischen Reiches die Macht an sich zogen, konnten sie nicht mehr auf die römischen Verwaltungsstrukturen zurückgreifen. Zum Erhalt ihrer Macht waren sie gezwungen mit Gefolge und Militär durch das Land zu reisen. Unterkunft und Versorgung erfolgte in Pfalzen oder Königshöfen, in denen auch Recht gesprochen und Urkunden unterzeichnet wurden. Durch diese Urkunden sind uns ein Großteil dieser Orte überliefert.

Palatium, curtis, villa und castrum sind dabei Namen die für diese Orte in Urkunden verwendet verwendet werden, aber nur ein kleiner Teil dieser Orte wird als palatium bezeichne. Trebur selbst erfährt diesen Titel nur in Urkunden die durch das Kloster Fulda geschrieben wurden. Häufiger wird der Begriff villa und curtis verwendet, was Königshof bedeutet. castrum bezeichnet dagegen eine explizit befestigte Anlage. Ein Begriff der nie im Zusammenhang mit Trebur verwendet wurde.

Einige Wissenschaftler gehen davon aus, das diese Begriffe auch die Teile eines ganzen bedeuten können. So ist bei „palatium“ das „Königshaus“ zu verstehen, „curtis“ bezeichnet den Hof, bzw. den Wirtschaftshof und „villa“ die Siedlung

Der heutige Begriff Pfalz wird heute daher auch für Anlagen und Orte verwendet, die in Urkunden nicht als palatium bezeichnet wurden. Es wird dabei nach Kriterien wie Anzahl, Häufigkeit und Bedeutung der Herrscherbesuche aber auch baulicher Ausstattung geurteilt.

Königspfalz oder Kaiserpfalz? Über die Frage ob es nun Kaiserpfalz oder Königspfalz heißen muss, haben sich schon viele Wissenschaftler die Köpfe zerbrochen, allgemein hat sich jedoch die Bezeichnung Königspfalz durchgesetzt, denn zunächst waren die Herrscher fränkische oder deutsche Könige. Sie strebten zwar alle den Kaisertitel an, jedoch erreichten nicht alle diesen Status, daher ist bei den Anlagen von Königspfalz zu sprechen. Bei einigen bekannten Anlagen hat sich jedoch der Name Kaiserpfalz als Eigenname durchgesetzt, wie etwa bei der „Kaiserpfalz Ingelheim“

2 Gedanken zu „Der Begriff „Pfalz““

  1. Ein wirklich gelungener Blog, der immer wieder mit neuen, spannenden und gut recherchierten historischen Hintergrundwissen überrascht. Weiter so!!

    Liebe Grüße aus der Nordpfalz!

  2. Als Mitglied im Vorstand des Historischen Vereins Ingelheim e.V. und als Redakteur der ca. 700 Webseiten zur Ingelheimer Geschichte befasse ich mich schon seit Jahren mit der Pfalzgeschichte. Zum Begriff „palatium“ möchte ich Folgendes beitragen:

    1. „palatium“ wird im Frühmittelalter sowohl für königliche Herrschaftsgebäude als auch für seine Regierung benutzt (vielleicht sogar in umgekehrter Reihenfolge) ähnlich wie im Deutschen „Hof“. Es ist also keineswegs sicher, dass mit dem Vermerk unter Urkunden, dass sie „in palatio nostro“ (+ Ortsname) ausgefertigt worden seien, tatsächlich immer Gebäude gemeint sind. Es könnte auch heißen: „in unserer Regierung“. Oft mag es identisch gewesen sein.
    Nach Otto I. verliert sich jedoch die Bezeichnung „in palatio nostro“ in der Urkundenausfertigung zugunsten der bloßen Angabe des Ortsnamens (von Ingelheim) völlig. Siehe:
    http://www.ingelheimergeschichte.de/index.php?id=689

    2. Einhard, in allen Jahrhunderten gelesen, meinte jedoch mit seiner Erwähnung von Nijmegen und Ingelheim eindeutig den Beginn („inchoavit“) des Baues eine Palastes, also von Gebäuden.

    3. In der Ingelheimer Sprache hat „palatium“ („Pfalz“ o.ä.) erstaunlicherweise keinerlei Spuren hinterlassen. Auch der Flurname „Belzer/Belzen“ auf dem Gelände, wo man den Königshof vermutet, wird von Fachleuten etymologisch von „Pflanzgarten“, „Pfropfgarten“ abgeleitet, nicht von „palatium“. Das Gelände, von dem man annimmt, dass Einhard es meinte, weil es schon Forscher früherer Jahrhunderte so annahmen und weil es durch die Umwandlung in eine Burg so klar abgrenzbbar erscheint, wurde seit dem Spätmittelalter stets nur (königlicher oder kaiserlicher) „Saal“, also Herrenland genannt, solange es eine deutsche Überlieferung dafür gibt. Erst Daniel Schöpflin schuf mit seinem lateinischen Aufsatz 1766 den Begriff „Kaiserpfalz“ („De Caesareo Ingelheimensi Palatio“), den die Ingelheimer gegen alles Fachwissen über Königspfalzen seit den 1960er Jahren gerne aufgriffen und zäh festhalten. Siehe:
    http://www.ingelheimergeschichte.de/index.php?id=699

    4. Mit der Schrift des Bischofs Hinkmar aus dem 9. Jahrhundert „De ordine palatii“ (zu verstehen nicht als „Die Ordnung der Pfalz“, sondern als „Die (gute) Ordnung von Politik“, palatium als Struktur der Regierungstätigkeit) besitzen wir eine einzige, unschätzbar wertvolle, aber bisher in der Pfalzenforschung zu wenig berücksichtigte Quelle dafür, wie karolingische Reichsversammlungen abliefen und welcher Raumbedarf sich daraus ergab. Das kann bzw. muss man wahrscheinlich auf alle karolingischen (!) „Pfalzen“ anwenden. Siehe:
    http://www.ingelheimergeschichte.de/index.php?id=695

    Denn durch Hinkmar gewinnt man eine Plattform für die funktionalen Gedanken, die vor dem Bau eines solchen Palatiums standen (nicht die ästhetischen).

    Da wir keinerlei vergleichbaren Quellen über die Abläufe ottonischer und salischer Hoftage besitzen, können wir für diese folgenden Epochen ihren Raumbedarf nicht so gut feststellen wie für die karolingische Zeit. Ja, eine Kirche für die feierliche Messe, eine zweite Kirche zum Anlegen des Krönungsornates – ja, einen großen Saal für politische Versammlungen – sicher und wahrscheinlich auch für das Osterfestessen, aber dann hört es schon auf. Es ist deshalb durchaus möglich, dass dass spätere „Pfalzen“ einen anderen Raumbedarf hatten als karolingische.

    Ich hoffe und wünsche Ihnen, dass diese Überlegungen auch Anregungen für Trebur sein mögen.

    Hartmut Geißler
    Hist. Verein Ingelheim, 21.09.2016

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