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Battle Abbey und die Schlacht von Hastings

Als ich in Südengland unterwegs konnte ich es mir nicht nehmen lassen Hastings und die Battle Abbey, den Ort der Schlacht von Hastings zu besuchen. Die Schlacht hatte ja nicht unwesentlich an meiner geschichtlichen Entwicklung schuld. Und eine Woche nach dem 14. Oktober, dem Jahrestag der Schlacht, schreibe ich einmal über meinen Besuch vor Ort.

Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus
Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus

Die Battle Abbey, deren Errichtung von Wilhelm nach der Schlacht veranlasst und ihren Ort markiert, ist recht leicht zu finden. Ich kam von Norden ist das kleine Straßendorf Battle und ehe man sich versieht erreicht man einen kleinen Platz an dessen südlicher Seite sich das imposante Torhaus der Abtei  erhebt. Einmal rechts abbiegen (mein größter abturn beim Autofahren in England weil das verwöhnte deutsche Hirn immer auf eine geistige Probe gestellt wird) und man erreicht einen der großzügigen (und teuren) Parkplätze die überall in England bei Sehenswürdigkeiten zu finden sind.

Einige meter Fußmarsch und man befindet sich im Torhaus, wo sich Museumsshop und Kasse verbergen. Betritt man nun das Gelände fällt der Blick zunächst auf das ehemalig Abtshaus, welches heute eine Schule beherbergt. Dies erklärt auch einige Sportplätze auf die man blickt und die Schüler, die mit ihren Schuluniformen vor der historischen Bausubstanz ein wenig an Harry Potter und Hogwarts erinnern.

Direkt vor dem Tor befindet sich die erste Station des extrem ausführlichen Audioguides. Zu jeder Station gibt es in der Regel zwei erweiternde Einträge auf dem Display die man sich ergänzend zum Hauptartikel noch vorspielen lassen kann,  darunter auch Aussagen von Historikern im englischen Original.
Der Weg führt zunächst nach rechts weiter zum recht neuen Visitor Center, einem kleinen Museum mit Kaffee und den obligatorischen Picknickplätzen. Im Visitor Center kann man sich über Vorgänge die zur Schlacht führten von normannischer und angelsächsischer Seite nähern und auch die Bewaffnung mal anfassen. Zudem gibt es alle 20 Minuten einen Film zur Schlacht der man durchaus bekannte grün rote Schilde sehen kann.  Alles in allem klein aber attraktiv.

Der weiter Weg führt nun nach Süden in Richtung des Schlachtfeldes. Hier, an der Terrasse knapp unterhalb der Abteigebäude hat man nun die Wahl ob man über das Schlachtfeld laufen möchte oder nur den kurzen Weg über die Abtei nimmt. Natürlich entschied ich mich für den langen Weg über das Schlachtfeld.
Dieser führt hinab zum New Pond, einem Fischteich neueren Datums (vor 1840) in der Talsenke. Obwohl der Seerosen bestandene Fischteich die Optik der Senke verändert kann man sehr gut erahnen wie feucht und sumpfig diese Senke einst gewesen sein muss und bei Regen auch immer noch ist.
Zwar vermerkt der Führer das im Oktober 1066 wahrscheinlich eher feucht war, geht jedoch davon aus das die sumpfige Senke kein ernstes Hindernis für die Normannen war. Das mag bei einfacher Durchquerung stimmen, aber die Normannen stürmten mehrfach die Anhöhe hinauf und kamen immer wieder zur Senke hinab und obwohl gut gefettete Wendeschuhe im Morast immer noch besser sind als Turnschuhe dürfte es doch unbehaglich und Anstrengend gewesen sein, um es zurückhalten auszudrücken.

Vorbei an den klösterlichen Fischteichen führt der Weg nun wieder die Anhöhe hinauf. Hier bei den Fischteichen hat man in etwa die Mitte des Schlachtfeldes erreicht, obwohl sie im Vergleich zum Kloster etwas versetzt liegt. Die östliche Flanke des Schlachtfeldes, die von den Franco-Flamen besetzt wurde, befand sich weiter östlich über die Powder Mill Lane hinweg zur Straße Lower Lake.
Hier, auf Höhe der Fischteiche vermutet der Guide auch den Ort an dem Wilhelm seine Truppen wieder sammelte und sich den Truppen zu zeigen um dem Gerücht entgegen zu wirken er sei gefallen.

Auf halber höhe den Senlac hinauf trafen wir auf eine Schulklasse, die, in Schuluniformen und mit Stöcken bewaffnet, unter Anleitung ihres Lehrers ein miniatur Reenactment durchführte, wobei der Lehrer sich verzweifelt bemühte einen Schildwall zu erklären. Ohne Schilde ein recht aussichtsloses unterfangen. Gerne hätte ich mir in diesem Moment meine Normannenausrüstung herbeigewünscht um einmal, den Kids entgegen,unter Lauten altfranzösischem Kampfgeschrei den Hang hochzustürmen.

Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse
Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse

 

Weiter führt der Weg bis zur Terasse unterhalb der alten Latrinenanlage des Klosters. Hier erhält man einige, interessante Informationen zu Topographie, denn hier kann man es am besten nachvollziehen. Der Hang zum Senlac wirkt heute flacher und niedriger als zu Zeiten der Schlacht. Im oberen Bereich wurde der Hang stark terassiert um Platz für die Abtei zu schaffen. Daher beginnen die Gebäude bereits unterhalb des Plateaus, was den Hügel optisch stark verkleinert.
Eine weitere Terrasse findet sich auf halber Höhe des Senlac. Der Audioguide nennt als Grund für de Geländeveränderung die bessere Möglichkeit zur Bewirtschaftung mit Ackerbau und Viehzucht als Grund für die Terrasse. M.K.Lawson hingegen1 schließt nach einem Survey das der Heritage durchführte nicht aus das es sich ursprünglich um eine Grabenanlage gehandelt haben könnte, die die Angelsachsen in der Nacht vor der Schlacht errichtet hatten.

Blick von der oberesn Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.
Blick von der oberesten Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.

So unterschiedlich die Meinungen erschienenen müssen sie sich jedoch nicht ausschließen. Es wäre durchaus denkbar das die Angelsachsen ein Erdwerk errichteten, welches später als Grundlage der Terrassierung diente.

links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage
links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage

Hier oben  an der Terasse befinden sich die riesigen Bögen die einst die Latrinenalage trugen.  Zwischen dahinter liegender Außenmauer und Bögen fielen die Fäkalien hinab. Von Zeit zu Zeit musste sie von Außen durch die Bögen entfernt werden. Im Kloster Lorsch gab es eine ganz ähnliche, wenn auch kleinere, Anlage, die ich hier bereits einmal Visualisiert hatte.

Außer dem Dormitorium und Latrinenanlage ist nicht viel vom alten Glanz der Abtei erkennbar. Zwar besteht noch das Absthaus in dem sich heute eine Schule befindet, jedocht stammt dieses in seiner heutigen Form  in weiten Teilen aus dem 16. Jahrhundert als die Abtei in den Besitz Heinrichs VIII Stallmeister Sir Anthony Browne ging. Dementsprechend gleicht das Gebäude auch eher einem Tudor Manor als einem Kloster Gebäude.

Viel ist auch von der 1094 geweihten Abteikirche nicht geblieben. Lediglich die Krypta der Chorerweiterung aus dem 13. Jahrhundert ist erhalten. Die Grundrisse des übrigen Baus jedoch markiert. An der Stelle des Hochaltars soll sich der Ort befunden haben an dem König Harold II. starb, weshalb sich dort eine Platte mit folgender Inschrift befindet:

The tradition site of
the high altar of Battle Abbey
founded to commemorate
the victory of Duke William
on the 14 October 1066
The high altar was placed to mark
the spot where King Harold died

 

  1. In „The Battle of Hastings“ (2002) S.250 []

Gedanken zur Kaiserkrönung Karls des Großen

Kürzlich las ich einen Artikel zur Kaiserkrönung Karls des Großen der mir zu denken gab und der in seiner Konsequenz Nachhall bis zum Investiturstreit gefunden haben könnte. Es war ein wissenschaftliches PDF das ich nun leider nicht mehr finde, sich aber ähnlich in einigen Presseartikeln zum Karlsjahr wiederfand.

Rufen wir uns zunächst einmal in Erinnerung was Einhard zur Kaiserkrönung schrieb:

Damals erhielt er den Titel ‚Kaiser und Augustus‘. Das war ihm zuerst so zuwider, dass er versicherte: Er hätte an jenem Tage, obgleich es ein hohes Fest war, die Kirche nicht betreten, wenn er zuvor um die Absicht des Papstes hätte wissen können.

"Ups, wo kommt den die Krone her?"
„Ups, wo kommt den die Krone her?“

Auf den ersten Blick scheint unser Karl ein recht bescheidenes Kerlchen zu sein. Würde einfach so auf eine Kaiserkrönung verzichten…
Doch so einfach ist das nicht. Man stelle sich den Vorgang einmal vor. Karl wird vom Papst zum Weihnachtsgottesdienst eingeladen, da er sich in Rom aufhält. Karl bekommt Wind von der geplanten Krönung und sagt daher ab und zieht es vor statt mit dem Papst, die Weihnachtsmesse mit seinen eigenen Kaplanen vor dem Reisealtar zu feiern.
Oder anders gesagt: Putin lädt Merkel zum Abendessen ein, weil er ihr den Orden Held der russischen Föderation verleihen will, aber Merkel geht lieber zu McDonalds… Es wäre ein Skandal mit ungeahnten politischen Konsequenzen. Und gleiches gilt auch für Karl und sein Verhältnis zum heiligen Stuhl. Aber warum sollte es Karl auf diese Provokation ankommen lassen?

Gehen wir zeitlich noch ein Stück vor die Zeremonie von Weihnachten 800 zurück.
799 gerät Papst Leo III. durch Gegner in Bedrängnis, die ihn zu verstümmeln versuchen. Der Papst flieht ins Frankenreich und kommt in Paderborn unter. 800 zieht Karl dann mit Leo nach Rom um in einer Art Gerichtsverhandlung über Leo III. zu entscheiden dem seine Gegner Ehebruch vorwarfen.

Ich fasse zusammen: Der König und oberste Richter der Franken Karl hält Gericht über den Stellvertreter Gottes auf auf Erden  den Nachfolger Petri und höchsten Richter der Christenheit (Christenheit ist hier als Menschheit zu verstehen). Karl steht somit über dem Papst.
Obwohl der Papst als Gewinner aus dem Prozess hervorging ist er und die Kirche also dennoch in ihrer Bedeutung herabgewürdigt worden.

Er revanchiert sich auf seine Art in dem er Karl zum Kaiser krönt, und zwar so wie es ihme passt! Dadurch stellt er sich wieder über Karl in dem er, der Papst, das fränkische Gottesgnadentum ignoriert wonach Karls Königswürde einzig von Gott gegeben ist und Karl somit zum Kaiser durch die Gnade des Papstes wird.

Selbst wenn Karl und Papst Leo sich bereits zuvor in Paderborn einig gewesen sein sollten über eine Kaiserkrönung (Eine Hand wäscht die Andere!) hätte Karl sehr wahrscheinlich es eher bevorzugt wenn die Römer ihn „spontan“ zum Kaiser ausgerufen hätten, oder er nach einer Schlacht zum Kaiser ausgerufen worden wäre. Ganz im Sinne von „Dieser Sieg kommt durch Gott und somit verleiht mir Gott auch den Titel“.

Es handelt sich also um genau dieselbe Diskrepanz zwischen Vorstellungen wie sie im Investiturstreit zwischen Heinrich IV. und Papst Gregor VII. ihren Ausdruck findet. Wer steht höher? Der gottgegebene König oder aber der Stellvertreter Gottes? Und welche Rechte und Pflichten gebühren daraus?

Entstehung einer Turmhügelburg

Oftmals steht in der ersten Phase bereits eine Ansiedelung. Im Beispiel Walluf wissen wir das eine Besiedelung spätestens im 6 Jahrhundert begann, eine frühere Besiedelung aber wahrscheinlich ist. Im Wallufer Fall gab es einen königlichen Hof der Filiale, bzw. Teil des Fiskus, Wiesbaden im Königssondergau war. Dies ist hier symbolisch durch eine Sala Regalis mit Kapelle dargestellt.

turmburg1

Im 10. Jahrhundert, genauer gesagt nach dem Tod Ottos II. und der Vergabe von königlichen Eigengut zwecks Sicherung der Herrschaft, beginnt der Aufstieg der Ministerialen. Ihre neuen Besitzungen werden Ausgebaut. Wehrhaftigkeit ist dabei von großem Vorteil, kann doch bereits der nächste Nachbar nur einige Kilometer weiter  Anhänger einer gegnerischen Partei sein.
Die einfachste Möglichkeit den Besitz zu sichern ist dabei ein wehrhafter Turm. Sowohl aus Stein, als auch aus Holz. Im Untergeschoss Lagerräume (gerne als Verließ missverstanden und später auch schon mal dazu genutzt) und im oberen Geschoss Wohnräume, in der Mitte  Wachräumen oder ähnlichem ausgestattet. Der erhöhte Eingang war über eine hölzerne Treppe zu erreichen, die im Notfall abgerissen werden konnte.

Ich muss aber einschieben das sich die Gelehrten durchaus uneins sind wie es sich mit den Beziehungen zwischen Motte, steinernem Turm, Festem Haus und Ähnlichem verhält. Zudem liegen hier auch zeitliche Verhältnisse im Dunkel. Vielleicht schreibe ich irgendwann mal darüber.

Es gab Türme, die nicht weiter gesichert waren und weder Motte, noch Mauer besaßen. Andere besaßen lediglich eine Umfassungsmauer (Arnsburg), andere waren eingemottet und mit einem Graben umgeben. Der Mottenhügel konnte zusätzlich eine Umfassungsmauer oder Palisade besitzen oder später mit einer solchen ausgerüstet werden.
In unserem Fall ist der umgebende Graben quadratisch wie in Walluf, er kann aber auch rund sein.

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turmburg2a

Nun kommt eine erste Zeit des Umbruchs. Viele Turmhügelburgen erreichten diese Zeit gar nicht mehr und das obwohl in Frankreich die Turmhügelburg mit dem Donjon zu neuen Größen wächst. Dem französischen Vorbild folgt man im heutigen Deutschland nur selten. Aus dem Stegreif sind mir nur die Bischofsburgen in Xanten und Soest bekannt, diese stehen jedoch in städtischem Kontext und wurden Beide von den Kölner Erzbischöfen erbaut.

In der Regel fängt man am Ende des 11. Jahrhunderts an in Teilen die königlichen Pfalzen zu imitieren und legt sich einen Palas oder zumindest ein beheiztes Steinhaus (Kemenate) zu.
in unserem Fall ist zur Turmhügelburg ein kleiner Palas hinzu gekommen. Er ersetzt die Wohnräume im zugigen Turm, der nun nur noch die Funktion einer Fluchtburg besitzt. Vorbild war hier die Turmburg der Burg Dreieich.
Zusätzlich hat unsere Burg noch einen Wassergraben erhalten, der das gesamte Burggelände umfasst, er könnte zusätzlich noch eine Mauer erhalten.

turmburg3Das unsere kleine Burg ihren Turm behält ist eher unwahrscheinlich. Wahrscheinlich wird er später niedergelegt, der Palas vergrößert , der Turm vielleicht durch einen klassischen Bergfried ersetzt und mit der Zeit könnte sich eine Wasserburg daraus entwickeln.

 

Die salische Turmburg Niederwalluf

Es ist fast verrückt das ich in dem Text von gestern über die salische Turmburg bei Hungen auch die Burg Niederwalluf erwähnte ohne darüber nach zu denken, denn schließlich arbeite ich jetzt dort.

walluf
Turmstumpf und Ruine der Johanniskirche in Niederwalluf

500m vom heutigen Ortskern entfernt, westlich der Hauptstraße liegt das sogenannte Johannisfeld. Es hat seinen Namen von der Johanniskirche. Diese Kirche war bis ins 17. Jahrhundert das religiöse Zentrum Niederwallufs und das obwohl zu diesem Zeitpunkt das Dorf das sie umgab bereist seit dem 13. Jahrhundert 500m nach Westen gewandert war um sich in den Schutz des Rheingauer Gebücks zu begeben (über das Gebück schreib ich auch noch mal gesondert), eine Art rheingauer Danewerk.

Die Kirchenruine die heute noch steht hat ihre Erhaltung einem findigen Pfarrer zu verdanken, denn als man sie 1783 abreißen wollte mahnte er an das sie als Station der Fronleichnamsprozession nicht abgerissen werden dürfe.

Der erste Bau der Kirche datiert wohl ins 10. Jahrhundert und war eine kleine Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor. Keine 15m östlich jedoch befand sich noch etwas anderes. Eine salische Turmburg, deren Stumpf durch Ausgrabungen freigelegt ist.

Der Steinturm besaß einen Grundriss von 10,4 x 10,4m und war etwa 1m in den gewachsenen Grund eingetieft. Mit dem anfallenden Erdreich aus dem Aushub des Grabens war er eingemottet. Auf dem Hügel fand sich zudem auch noch eine quadratische Ringmauer mit 90cm Stärke umwehrt. Die Kirche befand sich somit genau am Rand, aber auf der anderen Seite des Grabens. Zusammen mit dem Turm bildete sie den Teil einer Kleinburg zu der noch ein Herrenhof und eine Kemenate gehörten .

Besitzer der Burg wahr wahrscheinlich ein Reichsministerialer, der  das Gut für im Königssondergau verwaltete. Später fiel es an das Kloster Kornelienmünster.

Die Lage der Burg war mit Sorgfalt gewählt. Zum einen lag sie am Westende des Königsondergaus, dessen Grenze vom Wallufbach gebildet wurde. Die Rhein beendete an dieser Stelle seine Biegung um Mainz und ermöglichte so der Besatzung einen weiten Blick den Rhein entlang und zu dem Befand sich an dieser Stelle die Kreuzung wichtiger Handelsstraßen. Zum einen Verlif hier die Rheinuferstraße, zum anderen der Handelsweg von der Lahn kommen , die sich über eine Furt über den Rhein nach Süden fortsetzte.

Wann die Burg genau entstand ist allerdings nicht bekannt. Eine Siedlung bestand nachweislich seit dem 6. Jahrhundert an der Stelle des Turmes. Es gibt Vermutungen das sich unter der merowingischen Schicht auch eine römische Siedlungsschicht befindet. Man muss dazu wissen das die Ausgrabengen in Walluf in den 30er Jahren recht sporadisch waren.

Dazu wurde eine Theorie an mich heran getragen, die die Möglichkeit nicht ausschließt das die salischen Turmburgen in der Tradition des römischen Burgus stehen. Dies beinhaltet einer gewissen Logik, wenn man bedenkt das gerad im romanisch geprägten Frankreich die Turmburg mit dem Dojon eine noch länger andauernde Tradition besitzt als im germanisch geprägten Deutschland. Dazu wurde ich noch darauf hingewiesen das der Standort des Burgus Mannheim-Neckarau  Johann-Kirchof heißt, während es in Walluf ein Johannisfeld ist. Bei frühen Johanniskirchen handelt es sich in der Regel um Taufkirchen, nach Johannes dem Täufer. Es stellt sich also die Frage ob es hier kleine Taufkirchen der Spätantike gab.

Quellen: Die Salier – Burgen der Salierzeit Band 2 S. 20-22, Sowie : http://www.elmar-lorey.de/Kultur_Initiative.htm

Eine salische Burg bei Hof Grass

Nördlich von Hof Grass, direkt am Rundeweg des Limesszentrums Hungen, liegt der Grasser Berg. Eine bewaldete Anhöhe über den Horloff Auen mit gutem Rundumblick.

Bekannt war durch Urkunden bisher nur das sich auf dem Hügel im Spätmittelalter eine Kirche befand, die wahrscheinlich dem hl. Cyriakus geweiht war. Nun konnte eine Lehrgrabung durchgeführt werden, die überraschendes zu Tage förderte.

Zwar konnten die Reste der Kirche lokalisiert werden jedoch auch noch etwas anderes. Westlich der Reste der Kirche konnte ein Turmbau lokalisiert werden, der eine Mauerstärke von fast 3m und eine Kantenlänge von ca 10m besaß. Analogien in der Bauweise weisen auf einen salischen Wohnturm hin, wie er aus dem 11. Jahrhundert Teil vieler früher Burgen war. Vergleichbar ist hier die nicht weit entfernte Arnsburg , die Burg Niederwalluf aber auch in dem in Teilen erhaltene Turm der Burg Dreieich.

In geringen Abstand umlief den Turm eine 1,5m starke Ringmauer, die im Osten und Westen nachgewiesen werden konnte. Daneben fanden sich aber auch zahlreiche Scherben aus dem 9. und 10. Jahrhundert die  vor Ort als Importware beschrieben wurde.

wohnturmBereits 1311 wird der Hof Grass erwähnt, der 1347 von Ritter Johann von Bellersheim an die Falkensteiner verkauft wird.  Bei der Turmburg könnte es sich um einen Vorläufer des Hofes handeln. Interessant ist zu dem das die Bellersheimer nach dem Ort Bellersheim benannt sind, der nur etwa 3-4 km entfernt liegt. Das Geschlecht , dessen Stammbücher verloren gingen, lässt sich, je nach Sichtweise, ins 11. oder 13. Jahrhundert zurückverfolgen

Auf dem Weg nach Canossa

Vor kurzem wurde ich gebeten über den Gang nach Canossa zu schreiben. Mir ist das immer etwas Müssig Trebur nur auf den Fürstentag von 1076 zu reduzieren, weshalb ich immer einen Bogen drum gemacht habe. Zumal das Thema ja unendlich Weitschweifig ist, und viel hinein interpretiert wird. Nun tue ich es doch einmal, aber versuche das ganze ein bisschen verständlich zu machen und auch die Hintergründe zu Beleuchten. Ich mach das absichtlich flapsig und verkürzt ums nicht zu verkomplizieren. Im Grunde mach ich also den Knopp, versuch aber dabei nicht allzu viel auszulassen.  Wer sich noch mal mit der Fried-Geschichte um Canossa als Vertrag auseinandersetzten möchte, dem kann ich hier die beiden Vorträge von Weinfurter anbieten, den ich mit geschrieben hatte. ( Vortrag in Trebur, Vortrag in Mainz)

 

Grundlagen
Um die ganze Vorgänge die zum Gang von Canossa führten etwas besser zu verstehen ist es notwendig einen Blick in die Vergangenheit zu werfen und die verschiedenen Standpunkte zu verstehen.

Der Papst – einer unter Vielen
Die Rolle, bzw. der Status den Papst im 11. Jahrhundert plötzlich bekam war eine vollkommen neue. In der Spätantike war er lediglich der Bischof von Rom und somit Metropolit/Patriarch einer Kirchenprovinz. Sein Stand war exakt identisch mit den Patriarchen von Alexandria, von Antiochia, von Jerusalem und von Konstantinopel. Rom hatte hatte lediglich einen Vorrang beim Auftritt oder der Aufzählung wegen der Zurückführung auf Petrus. Ansonsten hatte Rom aber keine Vormachtstellung! Das ist auch der Grund warum man in Byzanz/Konstantinopel nicht sonderlich glücklich ist als man 800 eigenmächtig mit Karl dem Großen einen neuen Weströmischen Kaiser krönt.
Mit der Ernennung der Franken als Schutzherren des Bischofs von Rom begibt man sich zudem in eine Abhängigkeit. Als die Ottonen mit Heinrich I. jedoch die Macht im Reich bekommen ist Rom erst einmal wieder auf sich gestellt. Die Sachsen haben mit den Ungarn und der Reichskonsolidierung erst einmal ganz andere Probleme.
In Rom steppte der Bär. Bereits 882 begann das saeculum obscurum – das dunkle Jahrhundert, das bis 1049 reichen sollte. Von 45 Päpsten in dieser Zeit wurde ein knappes Drittel abgesetzt. Päpste wurden nach belieben vom römischen Adel eingesetzt. Vom „Weiber- und Hurenregiment“ und einer „Pornokratie“ ist die Rede. Da soll schon mal ein Diakon im Pferdestall geweiht worden sein und die Dame vom horizontalen Gewerbe wurde mit Kircheninventar bezahlt (Johannes XII).

Erst unter Heinrich III., der kurzerhand 3 Päpste auf einmal absetzte und seinem Verwandten  Leo IX. auf den Papstthron verhalf, wurde dem Chaos einhalt geboten. Heinrich III. und Leo IX. erwiesen sich als eifrige Reformer bzw. Unterstützer von Reformen. Es war aber auch eine Zeit in der die Spaltung zwischen West- und Ostkirche voran schritt. U.A. Exkommunizierten sich Leo IX und sein östliches Pendant  gegenseitig, zum Teil über die Frage ihrer Vorherrschaft.

Bei den Franken
Die Franken hatten so ihre ganz eigene Vorstellung von Kirche. Ihre Christianisierung erfolgte nicht durch Rom. Die  frühen Märtyrer die im 5./6. und 7. Jahrhundert das Christentum in die germanischen Reichsteile brachten waren iro-schottische Mönche. Erst im 8. Jahrhundert kam der Einfluss Roms durch Personen wie Bonifatius mehr und mehr zum tragen.
Da hatten die Franken aber bereits ihr fränkischen Eigenkirchenwesen. Das bedeutet die Adligen errichteten ihre eigenen Kirchen, meist zum eigenen Seelenheil, denn wo sollte man hin mit der Kohle die man hatte? Man konnte es ja nicht mit ins Jenseits nehmen. Also musste man vor Gott gut dar stehen und man baute also eine Kapelle, eine Kirche oder ein Kloster. Je nach dem wie man finanziell eben da stand.
Diese Einrichtungen mussten natürlich auch betrieben sein und da diese Eigentum des jeweiligen Adels waren konnten diese auch bestimmen wer nun dort drin war. Sie bestimmten also die Investitur!
Mit der Zeit wurden Bistümer und Klöster immer bedeutender. Sie besaßen eigene Truppenkontingente und Herrschaftsgebiete. Für den König ein entscheidender Machtfaktor, den er versuchte mit entsprechenden Besetzungen der Ämter auszunutzen. ( Eine Geschichte aus der Spätzeit in der Trebur und Lorsch eine Rolle spielt hier )

Reformen als Neuanfang
Unter anderem um all dem Übel entgegen zu wirken, das sich im Sündenpfuhl Rom abspielt, kommt es zu Reformbestrebungen. Die Bedeutendste hat ihren Ursprung in dem französischen Kloster Cluny, wonach sie Cluniazensische Reform genannt wird.  Zwar bezog sich diese auf das klösterliche Leben, regte aber auch weite Kreise zum Nachdenken an.

So sprach man sich gegen die Simonie aus, also das Erkaufen von kirchlichen Posten, so wie es der römische Stadtadel, allem voran die Familie der Grafen von Tusculum getan hatte.

Am Beginn der Diskussion um die Simonie und die Investitur, also das Einsetzten von weltlichen Personen in kirchliche Ämter, war der römisch-deutsche König außen zunächst vor, da seine Herrschaft als von Gott gegeben angesehen war ( Gotttesgnadentum), und somit auch er den direkten Draht zu Gott besaß. Mit der Zeit aber erweiterte sich die Diskussion und die Stellung des Königs  in der Frage der Investitur wurde in Zweifel gezogen.

Der neue Papst
Zu eben jenen Radikalreformern gehörte auch Hildebrand von Soana, der spätere Papst Gregor VII. . Hildebrand war 1054 bei der Papstwahl nicht berücksichtigt worden und als Papst Alexander II. 1073 starb, lies sich Hildebrand vom Volk zum neuen Papst ausrufen. Dabei überging er die erforderliche Dreiviertelmehrheit der Kardinäle und das Mitspracherecht des römisch-deutschen Königs. Dies war 1059 im Papstwahldekret so festgelegt worden um den bisherigen Missständen, darunter Gegenpäpste, entgegen zu wirken.

Gregor hat sich viel vorgenommen. Am liebsten würde er mit eigenen Truppen den Byzantinern gegen die Seldschuken zur Seite stehen, könnte dies doch dem Schisma mit der Ostkirche entgegen wirken. Er will sogar Heinrich IV. als seinen Stellvertreter in Abwesenheit ernennen! (Regesta Imperii: http://www.regesta-imperii.de/id/1074-12-07_3_0_3_2_3_722_722) Doch daraus wird nichts.

Die ersten Konflikte lassen nicht lange auf sich warten. Philip I. von Frankreich gedenkt 1074 in Macon einen neuen Bischof einzusetzen. Der neue Papst schwing die Keule des Entzugs sämtlichen christlichen Heils, dem Inderdikt. Philip gibt klein bei. 1:0 für Gregor.

Wohl in dieser Zeit (so Schieffer) diktiert Gregor VII einige Gedanken. Man würde es wohl heute Brainstorming nennen. Das Dokument „Dictatus Papae“ enthält einige brandheiße Ideen und war wohl nur für den internen Gebrauch gedacht. Enthalten sind so mutige Aussagen wie:

8. Dass er (der Papst) allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden kann
9. Dass alle Fürsten nur des Papstes Füße küssen.
12. Dass es ihm (dem Papst) erlaubt ist, Kaiser abzusetzen.

Und da ist es nun! Der Papst steht über dem König/Kaiser!

Nördlich der Alpen
Heinrich IV. hatte nördlich der Alpen derweil ganz andere Probleme, als sich um den von ihm unlegitimierten Papst zu kümmern. Der sieht in dem jungen König noch einen Helfer in Sachen Reform, hatte doch sein Vater ebenfalls Reformbemühungen unterstützt. Heinrich IV schrieb in einem Brief an den Papst, dass er seine Jugendsünden mit dem letzten Papst bereue und machte Zusagen um Zeit zu gewinnen, denn seit 1073 liegt er im Clinch mit den Sachsen, die die Macht, die sie sich während der Unmündigkeit des jungen Königs aufgebaut hatten, nicht mehr hergeben wollen.

Nach dem sich Heinrich 1075 mit einem Sieg gegen die Sachsen bei der Schlacht von Homburg an der Unstrut etwas Luft verschafft hat, kümmert er sich um Italien… …und will prompt in Mailand einen neuen Bischof einsetzten.
Gregor ist erbost und schreiben einen neuen Brief. Die Vermittlungen scheitern jedoch und der Papst exkommuniziert einige Berater Heinrichs und mahnt ihn an das für ihn als Christ der Umgang mit diesen verboten ist.

Heinrich IV. beruft im Januar 1076 eine Synode in Worms ein und alle kommen.
Die Synode leitete Bischof Siegfried I. von Mainz. Die Bischöfe im Reich fürchten um ihre Macht durch den neuen Papst und unterstützen den König in seinem Bestreben gegen den Papst.
Sie setzten ein Dokument auf in dem Gregor nur mit Hildebrand angeredet wird, er als unrechtmäßig auf dem Papstthron angesehen wird, auf die Göttlichkeit des Könisgamtes verweisen und enden mit den berühmten Worten: “ Ego, H. dei gratia rex cum omnibus episcopis nostris tibi dicimus: descende, descende!/ Ich, Heinrich, durch die Gnade Gottes König, sage Dir zusammen mit allen meinen Bischöfen: Steige herab, steige herab!“

Auf nach Canossa
Der Papst schießt Ende Februar 1076, auf der Fastensynode von Rom zurück , hat er doch gerade noch mit Mainz und Siegfried ein Hühnchen zu rupfen. Die Mainzer hatten Papst Leo IX 1053 bei der Weihnachtsfeier in Worms eine Messe mit Mainzer Ritus aufgedrückt und Siegfried druckste die ganze Zeit nur rum und erschien nicht in Rom wenn er vorgeladen war. Kurzer Hand enthebt Gregor Siegfried und andere Bischöfe ihrer Ämter und belegt sie mit dem Interdikt. Als Hammer erklärt er den König für abgesetzt und exkommuniziert. Er Begründet die Exkommunikation durch den Umgang mit den Exkommunizierten, die Absetzung mit Auflehnung gegen den Papst.

Der Erdkreis soll erbebt haben von dieser Entscheidung. Naja, wahrscheinlich eher vom Applaus der Sachsen und der Adligen, denn deren Chance ist nun gekommen, endlich haben sie etwas gegen den König in der Hand. Aber ein Paar Monate brauchen sie noch um sich wieder zu organisieren und mit den wenigen Anhängern Gregors nördlich der Alpen zusammen zu tun.
Und Siegfried von Mainz beweist einmal mehr sein Geschick als Wendehals und setzt sich an die Spitz der neuen Opposition. Er Organisiert ein Treffen der Opposition, wo man über ein weiteres Vorgehen zum Thema Heinrich beraten will. Die Pfalz Trebur wird dafür ausgewählt, nahe bei Mainz und für alle gut zu erreichen. Und da die Mainzer blöder Weise königstreu sind auch etwas entfernt von diesen. Der Einzige der Trebur nicht gut erreicht ist Heinrich IV, denn der ist gerade auf der westlichen Rheinseite und Siegfried lässt von Worms ab alle Schiffe konfiszieren und hindert den König am überqueren des Rheins.
Während am 16. Oktober 1076 in Trebur die Fürsten beraten, sitzt Heinrich mit seinen Truppen in Oppenheim fest.
Da aber auch die Fürsten sich an gewisse Spielregeln und Gepflogenheiten der Zeit halten müssen um nicht selbst als die Bösen da zustehen , fordern sie Heinrich IV auf sich bis zum Jahrestag seiner Bannung von dieser Beim Papst zu befreien, dafür wählt man keinen neuen König.

Das Finale in den Alpen
Das Ganze ist natürlich vom Timing her geschickt gewählt. Es ist Herbst. Der Papst erst auf dem Weg nach Augsburg wo man sich im Februar 1077 treffen will um sich zu einigen. Der Terminplan ist damit verflucht eng. Wenn der Winter hart wird, schafft es Gregor nicht pünktlich nach Augsburg und alles ist gelaufen. Zudem berichten auch einige Quellen das der Termin bereits im Januar ablaufen würde, was Heinrich bedeuten würde das der Februar Termin ohnehin zu spät wäre.
Heinrich beschließt also sich auf den Weg dem Papst entgegen zu machen.
Die Herzöge versperrten jedoch die Alpenpässe um es ihm noch schwerer zu machen, was Heinrich da zu bewegte den Umweg über Burgund zu machen um in Richtung der Burg von Canossa zu kommen wo der Papst überwinterte. Eigentlich ein Selbstmordkommando, doch Heinrich schaffte es und wird vom Bann gelöst.

Fragen zum Tafelgüterverzeichnis

Vor längerer Zeit hatte ich schon einmal über das sogenannte Tafelgüterverzeichnis geschrieben. Nun hatte ich mich noch einmal näher damit befasst, was aber zu mehr Fragen als Antworten führte.
Zur Erinnerung, hier der Auszug über Franken:

Dies sind die Höfe in Rheinfranken: Tiel 2 königliche Dienste, Nymwegen 8; Aachen 8; Konzen 2; Düren 2; Remagen 2; Sinzig 2; Hammerstein 2; Andernach 2; Boppard 3; Ingelheim 3; Lautern 8; die Burg Briey 8; Diedenhofen 3; Flörchingen 7; Zolver 7; Sierck 7; Hassloch 1; Nierstein 1; Trebur 4; Frankfurt 3. Dies sind die Höfe in Franken. So viel geben sie: 40 Schweine, 7 saugende Ferkel, 50 Hühner, 500 Eier, 10 Gänse, 5 Pfund Pfeffer, 90 Käse, 10 Pfund Wachs, 4 große Fuder Wein.“

1) Welchen Zweck hatte das Tafelgüterverzeichnis?

Der Grund für die Erstellung des Tafelgüterverzeichnises ist unbekannt, wobei es zwei Möglichkeiten die verstärkt diskutiert wurden und werden. Eine Möglichkeit ist, das es sich um eine Liste von Gütern in bestimmten Regionen handelt und ihre Abgaben verzeichnet. Also eine Art von Steuer- oder Abgabenliste. Hier stellt sich die Frage warum es nur so wenige Güter sind, der König besaß eigentlich viel mehr Güter.
Die zweite Möglichkeit wäre das die Liste einen Reiseweg vorgibt, denn die Orte sind in einer Reihenfolge aufgeschrieben, die ein wunderbares Intinerar abgeben. Dies ist die vielleicht meist vertretene Meinung.

2) Wann entstand das Tafelgüterverzeichnis?

Ums kurz zu machen. Keiner weiß es so wirklich. Die häufigsten Daten sind 1045/46 (Schulte/Weiland) , 1064/65 (Weiland, zeitweilig Brühl), Lothar III. (Kaminsky, Brühl) , Umritt Friedrich I.(Schlesinger, Brühl), 1185 (Haller) „Zeit der Staufer“ (Dannebauer), „Mitte 12. Jh.“ (Zotz),
Die momentan populäre Stauferdatierung ist zum Teil den Ortsnamen, als auch der Nichterwähnung Schwabens – Familiengut wird geschont – geschuldet.

3) generelles Häähhh???

Dieses „Häähhh“ beschreibt meine generelle Verwunderung die sich beim Grübeln breit gemacht hat. Ich schaue nun mal Grundsätzlich darauf wo Trebur drauf steht. Und so ergeben sich mir einige Fragen im Bezug auf Trebur.
Also angenommen es handelt sich um die Planung einer Reise Von Pfalz zu Pfalz , von Hof zu Hof. In der Liste sind die Höfe verzeichnet die zur Versorgung dienen, nicht aufgezeichnet sind einfache Nächtigungsplätze. Ok, soweit so klar. Warum Trebur? Trebur sollte doch eigentlich nach 1077 „verbrannt“ sein („verbrannt“ im Sinne nicht mehr besuchbar für den König , weil Schande und so 😉 ). Wenn es denn die Staufer waren kümmerten sie sich zeitweilig nicht mehr um das was die Salier für Probleme hatten?

Sicher ist zumindest das Trebur nach 1119 bis zur Verpfändung nicht mehr in königlichem Zusammenhang auftritt, Zu Beginn der Stauferzeit scheint es schon fest in Hand der Lehnsmänner, ja mehr noch. Das Zerpflücken beginnt schon vor der Verpfändung!

(1219)  Friedrich II schreibt dem Schultheiss und den Bauern in Tribur dass er die Schenkung der Wiese in Huserbrucken an das Kloster Eberbach durch Wigand von Nauheim und Walter von Mörfelden aufrecht erhalten wolle und gebietet den zu Hassloch verweilenden Brüdern wegen dieser Wiese keine Beschwerde zu machen noch solche den Erben der Schenker zu gestatten, da die Brüder dem Willen der Schenker gemäss zu einem Zins von einem halben Pfund Wachs bereit sind

Es erscheint mir alles seltsam. Die Itinerar-Geschichte macht für mich ernsthaft nur Sinn wenn es aus salischer Zeit, Heinrich IV. oder Heinrich V., stammen würde, mit Ach und Krach auch noch  Lothar III. Aber später?

 

Noch abschliesend eine kurze Anmerkung zur Reiseroutegeschichte. Die Liste sieht  so aus , das nach Nierstein, Trebur und dann Frankfurt kommt. Nierstein – Trebur sind ca. 5km. Aber der Rhein liegt dazwischen. Wahrscheinlich wollte man in Nierstein übernachten, mögliche Geschäfte mit Mainz abwickeln (dort gab es keine Eigengüter mehr) , über den Rhein übersetzten, den Tross wieder sammeln und dann weiter nach Frankfurt reisen.

 

Der Ausgangspunkt – Trebur in der Zeit um 1100

Der Übergang vom 11. ins 12. Jahrhundert war eine Zeit der Konflikte. Kaiser Heinrich IV. lag noch immer im Rahmen des  Investiturstreits im Konflikt mit der Reformpartei der Päpste und deren Anhänger. Dies ging soweit das er 1098 seinen erstgeborenen Sohn Konrad enterbte, da sich dieser auf die Seite der Reformpartei geschlagen hatte und den jüngeren Heinrich (Heinrich V.) als Thronfolger einsetzte.
Dieser aber sollte sich 1104 ebenfalls gegen den Vater erheben, sich der Reformpartei anschließen und den Kaiser entmachten. Die Fürsten und Ministerialen gewinnen immer mehr an Macht und wechseln mitunter die Parteien, wie es ihrem Vorteil gerade dient.

Seit dem die Mainzer Rudolph von Rheinfelden 1077 nach seiner Krönung zum Gegenkönig vertrieben hatten und er auch in Worms keine Unterkunft bekam und sich kurz in Trebur aufhielt, war kein Herrscher mehr in Trebur. Wie Michael Gockel erläutert ist aber davon auszugehen, das die Pfalz Trebur noch für eine königliche Gastung ohne Einschränkung fähig war. Der Fiskalbezirk, also die Ortschaften um Trebur herum, die ebenfalls für das königliche Gut wirtschafteten, waren noch in vollem Besitz.
Bereits seit 882 führt Trebur seinen neunten Teil (Nona) an den Bartholomäusstift (Pfalzstift) in Frankfurt ab1

Die Gerauer Mark gehörte seit einer Schenkung Heinrichs II 1013 dem Bistum Würzburg. Und Märkte/Messen wie in Frankfurt, wenn auch erst knapp 50 Jahre später bezeugt, beginnen zu boomen.

Und dennoch hatte die Pfalz und der Fiskus Trebur bereits an Einfluss verloren, ein Fakt der in der Literatur bisher kaum oder gar nicht beachtet wurde. 1076 wurde erstmals Eberhard von Hagen bei Lampert von Hersfeld als erster des Hauses Hagen Münzenberg erwähnt2  . Zwar wird Konrad von Hagen erst 1128 als Besitzer des Lehens des Wildbanns genannt3, doch der Wildbann, der einstmals aus 3 Teilen, Frankfurt, Dieburg und Trebur bestand, waren bereits in ottonischer Zeit zusammengefasst worden4 . Somit war Trebur bereits der direkten Verwaltung seines Teils des Wilbannes beraubt. Hinzu kommt, dass in der Zeit Eberhards die Burg Hain als steinerne Turmhügelburg mit einem  Turm, dessen Seitenlängen  12 x 13m betrug und der sich mit 5 Stockwerken auf  25m Höhe erhob5 , erbaut worden war. Dieses neue Zentrum des Wilbanns war in seiner Wehrhaftigkeit in den schwierigen Zeiten des späten 11. und frühen 12. Jahrhunderts der alten, flächigen Pfalz Trebur um ein weites Überlegen.

  1. siehe dazu hier: http://www.tribur.de/blog/2010/12/01/trebur-und-die-nona-des-bartholomausstifts/  []
  2. Ergänzung zu den Herren von Hagen- Münzenberg: Die Wikipedia ( Link )  verzeichnet zu den Herren von Hagen Münzenberg einen potentiellen Ahnherren namens Wetti, der als Meier im Dienst König Otto I. steht und von diesem Land in Seckbach erhält.  In keiner der mir zugänglichen Literatur ( Schalles-Fischer „Pfalz und Fiskus Frankfurt“, Hans Otto Keunecke „Die Münzenberger – Quellen und Studien zur Emancipation  einer Reichsdiensmannenfamilie“ Michael Gockel „Karolingische Königshöfe am Mittelrhein“ und „Die Bedeutung Treburs als Pfalzort“ ) wird diese Theorie auch nur erwähnt. Natürlich besteht immer eine Möglichkeit das es sich bei dem Meier (villicus) Wetti um einen Verwandten/Vorfahren der Herren von Hagen Münzenberg handelt, da es aber in jedem Ort, das zu einem Fiskalbezirk gehört einen Meier gab, besteht hierzu nur eine geringe Möglichkeit []
  3. Hans Otto Keunecke „Die Münzenberger – Quellen und Studien zur Emancipation  einer Reichsdiensmannenfamilie“  S53 []
  4. Michael Gockel „Karolingische Königshöfe am Mittelrhein“S205 []
  5. Rudolf Knappe „Burgen in Hessen“S408 []

Kurze Korrektur und Ergänzung zu den Marienfesten

Da ist mir doch glatt ein kleiner Fehler bei den Marienfesten unterlaufen! Nich das Hochfest Maria am 1.1. war bedeutend, bzw. wurde im Mittelalter gefeiert, sondern der 2. Februar Maria Reinigung!

So hält Heinrich III. am 2. Februar 1051 in Augsburg einen Reichstag ab, bei dem auch der kleine Heinrich IV. anwesend ist. Ich hab darauf hin noch einmal die Januar Termine Heinrich IV in Trebur überprüft, leider ohne Ergebnis. denn 1064 reist er von Trebur direkt nach Augsburg ab wo er den 2. Februar explizit begeht.

Der Termin im Jahr 1066 (Die Sache mit Udalrich von Lorsch) jedoch könnte passen, denn der letzte Termin des Aufenthaltes  der bekannt ist lautet laut Regesta Imperii „1066 (vor dem 2. Februar), Tribur“ und erläutert im Text:

Die Datierung folgt der Angabe im Cod. Lauresh., nach der Abt Udalrich quarta nonas Februarii nach Lorsch zurückgekehrt sein soll. – Vgl. Meyer von Knonau, Jbb. 1, 494; Wehlt, Reichsabtei und König (1970) 59; Seibert, Libertas und Reichsabtei (Salier 2, 1991) 547; Vogtherr, Reichsabteien (2000) 102; Seibert, Geld, Gehorsam, Gerechtigkeit, Gebet (VuF 69, 2009) 313; sowie Reg. 431. (Quelle)

Wenn also Udalrich vor dem 2.2. abreist, bedeutet das das der Rest der Gesellschaft wo noch vor Ort blieb, wohl um das Fest Maria Reinigung zu begehehn.

Marienfeste 1040 bis 1047 nach den Jahrbüchern

Mittlerweile habe ich die Jahrbücher für Heinrich III vom Jahr 1040 bis 1047 gelesen. Ich muss gestehen das ich mir ein wenig mehr erhofft hatte davon im Bezug auf Marienfeierlichkeiten.   Und dennoch kann ich daraus einiges mitnehmen.
Zunächst einmal scheint der 25. März, Verkündigung des Herrn, nicht über Gebühr gefeiert worden zu sein. Dieses Datum taucht fast nie auf, weder als Fest noch als Termin in irgend einer anderen Weise. Der 15. August und der 8.September (Mariä Himmelfahrt und Maria Geburt) scheinen dagegen durchaus Beachtung zu finden.

Gerne finden an diesen Terminen Heeressammlungen statt, wie etwa am 15 August 1040 oder am 8. September 1041, aber auch Schenkungen zugunsten von Marienkirchen an diesen Daten kann beobachtet werden, wie etwa am 8. August 1043 als Heinrich in Kaufungen der Marienkirche Aachen, also dem Pfalzstift, eine Schenkung macht.

Ob nun die Herressammlungen und Feldzüge zu Marienfesttagen stattfanden um einen extra Segen für das Vorhaben zu erhalten oder einfach weil der Termin im christlichen Kalender klar fest stand vermag ich nicht zu sagen. Es war wohl eine Kombination aus beidem.