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Buchveröffentlichung: Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim

ingelheimWer sich Literatur über die Pfalz Ingelheim zulegen wollte, war bislang auf Einzelveröffentlichung wie „Die Grabungen in der Königspfalz zu Nieder-Ingelheim in den Jahren 1960-1970“, Sammelveröffentlichungen wie Bindings „Deutsche Königspfalzen“ oder schwere Fachliteratur wie „Pfalz und Fiskus Ingelheim“ angewiesen.
Im Karlsjahr 2014 wurde dies mit der Veröffentlichung „Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung“ aus dem Imhofverlag behoben.
Als Herausgeber der im Auftrag der Stadt Ingelheim erschienen Publikation fungiert Forschungsleiter Holger Grewe M.A., der auch die meisten der Beiträge beisteuert.

Das im A4 Format vorliegende 143 Seiten fassende Buch gliedert sich in fünf Abschnitte: Teil I Spurensuche in der Schriftüberlieferung , Teil bildet „Spurensuche in der Kaiserpfalz“ und befasst sich mit Archäologie, Bauskulptur und final mit der Goldmnünze Karls des Großen. Als dritter Teil folgt „Metarmophosen: Palast- Ruine -Denkmal“ und folgt Pfalzanlage bis in die Gegenwart. Als vierter Teil folgt „Entdeckungen: Ausgrabung und Bauforschung“. Hier wird die Wiederentdeckung der Anlage ab dem 16. Jahrhundert und die ersten Ausgrabungen behandelt, wobei die Erwähnung einer Brechstange im zweiten Unterkapitel bereits ahnen lässt wohin der Weg führt.
Der letzte Abschnitt trägt den Titel „Spurensuche in der Gegenwart“. Gerade in diesem Teil weiß mich das Buch zu überzeugen und erläutert Fragen wie etwa warum nicht die Pfalz oder Teile davon wiederaufgebaut wird und wie während Sanierung vorgegangen wird.
Gerade dieser Abschnitt sollte doch von vielen gelesen werden die in einem Denkmalgebiet leben. Aber auch sonst sind diese Beiträge höchst interessant vermitteln sie doch wie sich die Auffassung von Archäologie und Wissensvermittlung geändert haben.

Das Buch ist generell gut zu lesen, auch wenn die Texte dem ungeübten in der Materie hin und wieder ein wenig kompliziert vorkommen könnten, so etwa wenn Caspar Ehlers über einen Hoftag eher beiläufig erwähnt das er unter den Begriffen synodus und auch generalis conventus auftaucht. In der Regel hält man sich jedoch daran Begriffe zu erläutern, so findet sich dann auch hinter „Dreikonchenbau“ der in Klammern gesetzte Einschub mit der Erläuterung was denn überhaupt eine Konche ist.
Viele, auch großformatige, Farbbilder erläutern die dargestellte Materie, auch wenn man wohl die meisten der Bilder bereits kennt wenn man in der Materie ist.

Zwar richtet sich das Buch, wie bereits angedeutet, eher an den interessierten, denn den versierten Leser, ist aber jedem nahe zu legen der sich für die Geschichte und die Architektur der Pfalz Ingelheim interessiert. Zumal man so kompakt die Informationen nicht noch einmal bekommt.

Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung
Holger Grewe (Hg), Michael Imhhof Verlag
ISBN 978-3-7319-0074-0
19,95€
 

Die Pfalz der Klosterinsel Reichenau

Beim Besuch der Reichenau habe ich ein kleines Experiment gemacht. Ich habe zwar Literatur zur Pfalz Reichenau hier (Dt. Königspfalzen Band III, MPG), jedoch habe ich sie mit Absicht nicht gelesen. Ich wollte schauen ob ich die Pfalz, von der nichts erhalten ist, innerhalb der lokalen Topographie verorten kann. Ich wusste nur, das sie sich nahe des Klosters befand.
Ums kurz zumachen. Es war kein Problem. Knapp 100m südlich gegenüber des Friedhofs. Höchster Punkte in der Umgebung…
Das hab ich allerdings nur gemacht, da es sich um eine Klosterpfalz handelte und von ihr keine Reste erhalten sind. Aber nun zur Pfalz.

Die ersten Information zur Reichenauer Pfalz stammen aus dem Jahr 995. Der Reichenauer Mönch Purchard verfasste zu diesem Zeitpunkt ein Lobgedicht zu Ehren des 10 jährigen Amtsjubiläum seines Abtes Witigowo. In dieser wird berichtet der Abt habe die baufällige Pelagiuskirche wiederhergestellt und nicht weit davon ein prächtiges Haus für Kaiser Otto III. errichten lassen um dann mit Otto nach Rom aufzubrechen.
Über die ottonische Pfalz lassen sich aber kaum Aussagen machen, denn nichts davon hat sich erhalten. Bereits im 13. Jahrhundert war die Pfalz war die Zeit der Pfalz abgelaufen, da sie nicht mehr den wehrtechnischen Anforderungen jener Zeit genügte.
Die Reichenauer Äbte zogen sich, auch zum Urkunden, in die neue Burg Schopflen zurück. Ein rechteckiger Kasten, gelegen auf dem Dammweg zur Insel.

Die ottonische Pfalz wurde im 14. Jahrhundert niedergelegt worden, St Pelagius aber, die als Pfalzkapelle anzusprechen ist, hatte bis ins 19 Jahrhundert bestand. In dem Pfalzgelände entstanden neue Gebäude von denen uns auch Zeichnungen erhalten sind.
PfalzReichenau1
Es existiert ebenfalls eine Grundriss der Anlage und auch die Raumaufteilung des großen Renaissancegebäudes ist bekannt. Zwar befasste sich Wolfgang Erdmann in Dt. Königspfalzen Band III eingehend mit der Anlage, muss aber auch eingestehen das nicht bekannt ist was von der Anlage aus ottonischer Zeit stammt. Kurz nach dem Erdmanns Beitra veröffentlicht wurde, wurde auch das letzte erhaltenen Gebäude der Anlage niedergelegt. Das „Oeconomie Gebäude“ viel der der Neuanlage einer Kreuzung zum Opfer. Der auf dem Bild zu sehende Friedhof wird noch heute genutzt undein Teil der Friedhofsmauer besteht aus Resten der Friedhofskirche.

St. Maria und Markus Reichenau

St. Maria und Markus ist die Hauptkirche der der Klosterinsel Reichenau und zu allem Übel ist sie eine der wenigen Kirchen die mir gedanklich immer einen Knoten im Hirm beschert, denn das was bei anderen Kirchen untrügerische Zeichen ihrer Datierung sind ist in Maria und Markus alles andere als ein klares Zeichen.

Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Die Geschichte der Kirche beginnt 724 als Abt Pirmin eine erste Holzkirche errichten lies. Ein einfacher Saal, der unter Arnfried, Abt der Reichenau und Bischof von Konstanz (736-746), in Stein ausgeführt, um fast die ganze länge erweitert und mit einer quadratischen Apsis versehen wurde. Soweit so normal. Abt Haito griff aber dann in die Vollen. Vor 816 lies er eine Kreuzförmige Kirche errichten. Der Typus der Kreuzkirche besteht aus einer Vierung auf der ein Turm aufsitzt, von dieser Vierung führen 4 fast gleichlange Schiffe fort. Diese Konstruktion bedingt eine quadratische Vierung die zur Stützung des darauf sitzenden Turmes ausgeschieden, also mit Bögen verstärkt sein muss. Da heute der Turm nicht mehr existiert besteht nur noch die ausgeschiedene Vierung und solche sind normalerweise ein untrügliches Zeichen der Ottonik… …nur eben nicht hier! Von diesem seltenen Bautypus gibt es nur noch 2 weitere Zeugnisse in Deutschland: Die im Paltiolum von Pfalzel errichtete Stiftskirche St Maria und die Reste der Vierungskirche in Neustadt am Main.

Bereits Haitos Nachfolger Erlebald toppt das ganze wieder: er verlängert das Langhaus um ein Joch und baut ein Westquerhaus, vor dem ein Eingangsportal mit Doppelturmanlage liegt. Eigentlich etwas das optisch an die klassische ottonische Bauweise erninnert, nur eben um 830! Die Frage ist allerdings ob es ein wirklich ein Westquerhaus war, denn schließlich sind nur die Abbruchspuren bekannt. Leider habe ich keinerlei Grabungspläne.
Der bekannte Walahfried Strabo macht aus dem Eingangsportal einen Rechteckchor (vielleicht auch Baptisterium?) und verlegt die Eingänge an die Westseite des Westquerhauses. Vor 946 wird dann hinter dem Chor in Anlehnung an die Grabeskirche in Jerusalem eine Rotunde errichtet die die neue Heilig Blut Reliquie beherbergt.

Abt Witigowo lässt dann vor 997 das Westquerhaus nieder reißen, und macht diesen Bauteil zur Verlängerung des Langhauses. Der kleine Westchor wird wieder Eingangsportal.Es entsteht danach ein Atrium vor Türmen und Eingangsportal. Dies Westlösung wird aber wieder durch Abt Berno (1008–1048) niedergerissen um erneut ein Westquerhaus zu errichten vor das ein Turm gesetzt wird, welcher nun wieder einen Westchor beherbergt für den Eingangsberreich werden links und rechts des Turmes Eingangsportale errichtet. In diesem Zustand befindet sich die Kirche fast heute noch. Nur der Chor wurde durch einen gotischen Chor ersetzt.

Für die eigentliche Wandlung der Kirche gibt es einige verständliche Gründe. So war Haito als Gesandter Karls des Großen 811 in Konstantinopel. Er kannte also um die Architektur byzantinischer Zentralbauten. Wahrscheinlich liegt hier der Grund für die Kreuzkirche.

830 erhält das Kloster Reliquien des heiligen Markus aus Venedig. Angeblich wurden die Reliquien zunächst geheim gehalten. Doch ganz so geheim kann es nicht gewesen sein, denn die Kirche bekam eine Doppelapsis, also zwei Apsiden nebeneinander! In der Regel etwas das man nur bei einer besonderen Reliquienverehrung macht.

In der Zeit Walahfried Strabos wächst das Kloster weiter, es wird zu einer der bedeutendsten Bibliotheken des Reiches und profitiert dabei auch von den Normanneneinfällen, denn Mönche der in Frankreich zerstörten Klöster. Mönche aus St. Martin in Tours etwa fliehen auf die Reichenau und prägen dort die Kunst der Buchmalerei nachhaltig. Auch beginnt die Verehrung der Markusreliquie zuzunehemen.
888 Wird die Kirche dann Grabkirche für den Abgesetzten Karl III.

Umbauten, wie etwa die Anbauten des Atriums liegen wahrscheinlich in Veränderungen von Messritus, Kanalisierung der Pilgerströme und ähnlichem.

Die Veränderungen durch Abt Berno sind in einem weiteren Kontext zu fassen. Berno hatte nicht nur die Kirche umbauen lassen, sondern wirkte im gesamten Klosterbereich und lies auch eine neue Pfalz für die Königsaufenthalte errichten (Über die wird noch zu schreiben sein).

Die Pfalz Zürich – Vor Ort

Da ich auch in Zürich war konnte ich die Chance nicht vergehen lassen auch einen Blick auf den Lindenhof, den Ort der Züricher Pfalz, zu werfen.

Die Pfalz Zürich liegt auf einer wirklich markanten Erhebung am Limmat Ufer. Es ist eine wirklich beeindruckende Lage, die bereits Kelten und Römer anzog.

Die Kelten Siedelten auf dem Hügel am Limmatufer, die Römer hatten hier zunächst ein Lager und unter Valentinian wurde auf dem Hügel ein Kastell errichtet. Die Karolinger, Ottonen, Salier und Staufer hatten an dieser Stelle ihre Pfalz und als die Zähringer als Reichsvögte austarben wurde die mittlerweile als Burg ausgebaut Pfalz geschleift.

Blick von der Limmat auf den Lindenhof
Blick von der Limmat auf den Lindenhof

Dies erklärt den den leeren Platz der später als Festplatz genutzt werden sollte.

Ich erreichte den Lindenhof von Norden kommend. Über eine Treppenanlage erreichte ich die Lindenhofstraße und konnte durch eine Grünanlage den von einer Stützmauer umgebenen Lindenhof erreichen. Leider sind Hinweistafeln gering zur Geschichte des Platzes und das  Archäologische Fenster, im Gegensatz zum Archäologischen Fenster der Pfahlbauten im Parkhaus Opera, nur durch einen Schlüssel den man im Baugeschichtlichen Archiv  erhält , erreichbar. Leider konnte ich den Schlüssel nicht organisieren da das Archiv Samstags geschlossen hatte.
Heutzutage erfährt man die Höhe des Lindenhofs schwer erfassen den die umliegenden Bauten sind fast gleich hoch wie der Hügel, dennoch hat man einen schönen Ausblick auf die Limmat.

Der Weg der über den Lindenhof führt folgt in etwa der Straße die das römische Kastell durchquerte. Zu zeiten der Pfalzanlage befand sich hier ein Graben der den östlichen Teil des Platzes mit der Pfalz vom nördlichen trennte. Die Straße führt weiter nach Süden in die Altstadt bis zur ehemals ausserhalb liegenden, von Ludwig dem Deutschen gegründeten Frauenmünster. Direkt gegenüber, auf der anderen Limmatseite liegt das Großmünster , welches auf das 8. Jahrhundert zurückgeht. Witzigerweise befindet sich gegeüber des Großmünsters ein Haus das, so will es die Sage, von Karl dem Großen bewohnt worden sein soll. Ehr unwahrscheinlich, hatte er doch gegenüber seine Pfalz.

Die Lage der Pfalz, ihre herausragende Position erschloss sich mir aber schließlich erst als ich am Nachmittag mit der Seilbahn auf den Felsenegg, einen der Zürcher Hausberge, fuhr. Hier oben Blick man von den Alpen, über den Zürichsee, bis nach Zürich im Tal. Die Pfalz auf dem Hügel der Limmat, die hier aus dem See fließt konnte den gesamten Handel der über die Alpen (die Wegroute führte zur Pfalz Zizers, durch die Alpen nach Lugano, bzw. die Europastraße 43) kam kontrollieren und war somit auch ein herausragender militärischer Vorposten.

Die Pfalz Bodman – Vor Ort

Vor kurzem habe ich über die Pfalz Bodman geschrieben (hier) und nun kann ich nochmal darüber schreiben, denn ich habe sie persönlich in Augenschein genommen (Ebenso wie Gegebenheiten dreier weiterer Pfalzen).

Unterhalb des Bodanrück, der den Überlinger See vom Zeller See trennt, liegt am Ufer die langestreckte Ortschaft Bodman. Es ist der einzige Ort am Bodensee der keine Durchgangstraße besitzt da die flachere Uferzone direkt in die Steilhänge des Bodanrück übergeht. Bevor die Uferzone in den Steilhang übergeht verbreitet sie sich noch einemal ist relativ flach, wohl ein Ergebnis des Baches der hier von den Hängen herab kommt und seine Sedimente abgeladen hat. Kurz vor dieser Verbreiterung lag die Pfalz Boman. Hier läuft der Hang jedoch nicht in einen Flachen Strand aus, sondern Bildet an der Uferlinie eine etwa 2-3m hohe Kante und fällt steil zum See hin ab. Auch zum Ort hin ist die Kante stärker deffiniert, jedoch auch errodiert. Da sie auf einem Privatgrundstück liegt konnte ich sie nicht direkt in Augenschein nehmen.

Die Pfalz Bodman, im Bereich des Kirchturms, vom Ufer in Ludwigshafen-Bodman gesehen
Die Pfalz Bodman, im Bereich des Kirchturms, vom Ufer in Ludwigshafen-Bodman gesehen. Nach rechts abfallend die Ortschaft. Links endet die Flache Uferzone direkt nach dem Bildauschnitt.

Betritt man das Pfalzgebiet befindet man sich oberhalb der Kante die die Pfalz vom Ort trennt. Zur Rechten liegt das Schloss der Grafen von Bodman, der Nachfahren der staufischen Lehnsmänner, gerade aus schaut man direkt auf die Kirche. Zu linker Hand findet sich nun ein langestrecktes Geäude, wohl ein ehemaliger Schuppen an den sich ein Wohnhaus anschließt. Auf ihm stand ehemals der staufische Wohnturm und zuvor ein Teil des Palas der Pfalz. Folgt man der Straße weiter fällt das Gelände wieder ab und man verlässt die eigentliche Pfalz wieder.

Tatsächlich ist die Kirche in Bodman ähnlich, wenn auch nicht so hoch vom übrigen Gelände getrennt. Auch sonst lassen sich gewisse Parallelen erkennen. Zunächst hatte ich das Gefühl die Kante hin zum Überlingersee sei wesentlich höher als die Kante die das Pfalzgelände in Trebur vom Schwarzbach trennt.  Jedoch dürfte es in etwa die selbe Höhe habe.
Was nun die Sache angeht die Pfalz Bodman habe kaum, oder nur geringe Befestigungen besessen lässt sich dies recht gut nachvollziehen. Durch ihre Lage, war es nur nötig die Pfalz in eine Richtung abzusichern, da die Karolinger in der Regel nicht von Wasser her sondern nur über Land angriffen.

 

Vorbericht zu den Untersuchungen 2009 bis 2012 im Königsgutbezirk undPfalzgebiet Salz

Als ich am Wochenende Informationen zu Bodman suchte (und relativ allein gelassen und auf meine Bücher angewiesen war) entdeckte ich auf academia.edu (immer wieder zu empfehlen) den „Vorbericht zu den Untersuchungen 2009 bis 2012 im Königsgutbezirk undPfalzgebiet Salz“.

Das PDF fasst nicht nur die Grabungen auf dem Veitsberg zusammen sondern wirft auch einen Blick auf den gesamten Fiscus der Pfalz.

Das PDF findet sich hier

Die Dinge die da kommen werden

Den Begriff „Dinge die da kommen werden“ hab ich bereits mehrfach verwendet, es ist allerdings eine Weile her das das letzte mal  tat. Stattdessen nahm ich mich dem Projekt Video an.

Während aber die Rechner so vor sich hin rechnen, und eine Animation, eine Bild nach dem andern rendert, habe ich das was da kommen mag so weit entwickelt , das ich es verkünden kann. Natürlich war der Deckname „Dinge die da kommen werden“  der Deckname für ein Buch das ich schreibe zum Thema Pfalz Trebur. Das ich es nicht beim Namen nannte, hatte einfach damit zu tun das ich mich nicht unter Druck setzten wollte. Am Wochenende führte ich die bis dahin bestehenden Einzeldokumenet in ein Globaldokument zusammen und bemerkte das ich bereits 85 Seiten bei einem ursprünglichen Minimum von 200 geplanten Seiten hatte. Somit entschloss ich mich nun hinter dem Berg vor zu kommen.

Wann es allerdings fertig sein wird und wo ich es veröffentlichen werde, steht noch in den Sternen. Es ist einfach noch zuviel zu machen. (allein Formatierung als Globaldokument hat mich 2 Tage gekostet)

Selbstverständlich basieren viele Sachen die in dem Buch stehen werden , auf denen die hier im Blog sind. Sie werden allerdings ergänzt, in eine andere Form gebracht, aktualisiert und was sonst noch so anfällt. Das heißt zum Beispiel das ich alle Urkunden noch einmal durchgehe. Zusätzlich noch Blicke auf alle erwähnten Personen- und Ortsnahmen werfen werde und schau ob sich hier etwas ergibt. Mittlerweile rechne ich mit 400 Seiten…

Trebur bei Marquard Freher (1599)

Ich habe mir neulich noch einmal alte Quellen zu Trebur angesehen, darunter auch solche die in Latein geschrieben waren und ich wohl in der Vergangenheit einfach zu faul war sie zu übersetzten. Darunter fällt auch Marquard Freher, Diplomat und Historiker aus Heidelberg. In seiner Origines Palatinae erwähnt er auch Trebur. Es sind nur wenige Zeilen, die fast nichts neues erbringen bis auf eines:  Zwar nennt er den Kaisersweiher und die Hofstatt (nisi quod pratum vicinum portae etiamnum a Curia nomen habet, et stagnum proximum, Caesarem dominum refert) doch lokalisiert er  die Pfalz nicht in der Hofstatt wie es mitunter später geschah! Stattdessen schreibt er, um die Besitzverhältnisse des Ortes zu erklären:

Auf einem erhöhten Punkt die Kirche, wo einst Schloss oder Sitz des Richters (castellum vel praetorium) waren, doch nun gehören Patronatsrechte und der Platz hier der Kirche von Mainz. Doch das Dorf ist hessisch (…)

Woher wusste Freher das? Vor Freher schrieb nur Trittenheim und Abraham Saur über Trebur und diese schreiben nichts in diese Richtung. Waren es alte überkommen Erzählungen?

Unerwartetes – Identifikation der Personen in der Ersterwähnungsurkunde Treburs

Im Moment habe ich mir nebenbei ein wenig Zeit abgekanpst um alte Sachen aufzuarbeiten und in eine ausführliche mit Quellen versehene Form zu bringen. Weil ich einige Gedanken hatte habe ich mich zunächst mit der Ersterwähnungsurkunde Treburs auseinander gesetzt. Der Volltext dazu findet sich in deutscher Übersetzung hier!

Zunächst fand ich endlich auf Google Maps den in der Urkunde erwähnten Ort „Foncouverte“. Es handelt sich dabei, recht profan, um das heutige Fontcouverte im Tal der Aude zwischen Narbonne und Carcasonne.  (Auf Google Maps)

Nun packte mich der Ehrgeiz und ich wollte herausfinden ob ich etwas mehr über die genannten Personen Suniefredus und dessen Vater Borellus herausfinden konnte. Da es sich Bei Suniefredus oder Sunifred um einen fränkischen Namen handelt nam ich als Angriffspunkt den namen des Vaters Borellus, der sich mir nicht erschloss.

Fündig wurde ich schließlich in „Hispano-romanisches Namenbuch: Untersuchung der Personennamen vorrömische, griechischer, und lateinisch-romanischer Ethymologie auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter (6.-12. Jahrhundert)“ von Lidia Becker (Google Books).

Hier wird Borellus aufgeführt und vom Adjektiv „burellus“ rötlich abgeleitet mit der Bedeutung „rot im Gesicht vom Alkoholgebrauchs, betrunken“ . Ich suchte also nach einem iberischen Alkoholiker , wenn man so will. Aber das Namensbuch hatte noch einen weiteren Hinweis zu liefern:

Der PN (Personenname) wurde wohl vom  früh verstorbenen Graf von Barcelona Guifré II (897-911) in den dynastischen Namenschatz eingeführt.

Die logische Konsequenz die ich nun zog, war die Frage ob es bereits vor Guifré II., also vor 829 einen Grafen von Barcelona gab der den Namen Borellus führte und der einen Sohn mit dem fränkischen namen Sunifred hatte.  Und tatsächlich gab es den Grafen Borell von Osona, der als als Stammvater des späteren katalanisch-aragónesischen Herrscherhauses in Betracht gezogen wird. Der neueren Forschung nach soll er Vater des Sinifred I. Graf von Barcelona gewesen sein. Und woher wird das geschlossen? Aus eben der Treburer Urkunde! Das steht, wie ich sogar eben sehe auch auf Wikipedia, natürlich ohne die Erwähnung Treburs, sondern nur im Bezug auf eine namenlose Urkunde von 829.  (Wiki zu Sunifred und Borell)

Nun aber ergiebt alles Sinn! Bereits Borell hatte gegen die Mauren gekämpft, ebenso Sunifred. Ab 822 kam es immer wieder zu Überfällen von Sarazenen und Basken im Grenzgebiet. Zu dem kommt eine Furcht vor weiteren Überfällen die fast ins Paranoide umschlägt. Heere werden aufgestellt und wieder aufgelöst weil kein Feind weit und Breit ist, zu dem Versucht Ludwig der Fromme innere Missstände im Reich durch aussenden von Missi Herr zu werden und beruft in diesem Rahmen 2 Reichsversammlungen und vier Synoden in nur 2 Jahren ein. Auf der 2 Reichsversammlung in Worms taucht Sunifred auf und lässt sich seine Besitzungen bestätigen. Ludwig der Fromme und Sunifred kennen sich mit Sicherheit aus Ludwigs Zeit als König von Aquitanien. Man freute sich sich wiederzusehen und Ludwig lud Sunifred auf die Herbstjagd ein wor die Urkunde in Trebur unterzeichnete. Zudem brauchte Ludwig in der Grenzmark starke verbündete, denn das auftsellen immer neue Heere war auf die Dauer nicht durchzuhalten. Folglich bestätigte er die Väterliche Schenkung.