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St. Panthaleon – Besuch und Beschreibung

westbau
Westbau von St. Pantaleon

Vergangene Woche war ich recht spontan in Köln. Im Rahmen meiner Idee möglichste viele Graborte deutscher Herrscher zu besuchen war es natürlich selbstverständlich auch St. Pantaleon zu besuchen wo Kaiserin Theophanu beigesetzt ist, die byzantinische Gemahlin von Otto II.

Zur Erklärung: Nur eins Vorweg. Mir erscheint es das sich niemand mehr die Grundrisse seit den Grabungen genauer angesehen hat, bzw. als wenn es nicht legitim erscheint die Westwerks-Theorie anzuzweifeln. Oder aber man sieht den Westwerks-Begriff sehr, sehr weit gefächert. So heißt es auf den Seiten der romanischen Kirchen Köln und auch auf der Seite von St. Pantaleon selbst „Westwerk karolingischen Typs“. Hier scheiden sich die Geister. Ich hatte bereits über die müssige Westwerksdiskussion geschrieben. (Hier zum Nachlesen!)

Wenn man, so wie ich es tue, davon ausgeht das  nur der Aufbau in Corvey ein echtes Westwerk ist, so bleibt als einzige weitere Kirche mit einem Westwerk die alte Kathedrale von Winchester in England, die von der karolingischen Baukunst beeinflusst wurde. Wobei auch hier letztendlich nicht klar ist wie sie nun aufgebaut war.  Nicht aber St. Pantaleon! Hier stimmt der Grundriss überhaupt nicht, also können auch weitere Stockwerke nicht passen! Es gibt keinen Umgang, somit kein Westwerk! Finito! Westbau dagegen ja, weshalb ich den Begriff Westbau verwenden werde!

Mein Besuch:  St. Pantaleon liegt wenige hundert Meter außerhalb der römischen Stadtgrenze Kölns, die sich hier am Blaubach entlang zog und heute durch die Straße Blaubach erkenntlich ist.  Nach einer Grünfläche erreicht man von der Innenstadt kommend ein Tor und durchquert man dieses fällt der Blick sofort auf den Monumentalen Westbau von St. Pantaleon. Leider ist jedoch nur weniges noch Original, denn weniger der Zweite Weltkrieg, denn die Umbauten des Barock hatten dem Westbau schwer zugesetzt. Der Zentrale Turm war erhöht worden, der Porticus entfernt und die Treppentürme nach einem Einsturz  bis hinunter auf den quadratischen Teil hin abgebrochen gewesen.

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Sarg Theophanus

Rechts des Porticus befindet sich der Eingang, der in das südlich  Seitenschiff führt.
Wenige Schritte nur und man befindet sich im Westbau. Gleich rechts im Annex des Westbaus steht ein weißer Marmorsargophag der die sterblichen Reste Theophanos beherbergt. Sein Deckel ist mit quadratischen Ornamenten geschmückt die man auch von byzantinischen Miniaturen her kennt. Er stammt aus dem Jahr 1965.
Die Bögen des Westbaus und seiner Empore sind in alternierend rot aus rotem und hellen Sandstein gefertigt, etwas das man auch als byzantinischen Stil bezeichnet.

Vor dem barocken Chor findet sich ein spätgotischer Lettner, der vor eine moderne Betonwand montiert ist. Der Grund für diese eigenwillige Konstruktion sind nicht etwa Kriegsschäden. Der durch einen großen Bogen vom Schiff getrennte Westbau war im barock vermauert worden. Dort Stand der Lettner ohne Rückwand und trug die Orgel. Im Zuge der Romanisierung rückte er wieder vor den Chor.

Irgendwann an diesem Punkt meines Besuches muss mein Gemurmel, Blickachsensucherei und Abschreiten von Distanzen die Aufmerksamkeit eines bis dato unscheinbaren Herren in der hintersten Bank der Kirche auf sich gezogen haben, denn er trat an mich heran und fragte ob ich die Krypta sehen wollte. Wollte ich? Natürlich wollte ich!
Der Herr, der wie sich herrau stellte vom Verein für Romanische Kirchen in Köln war, war so freundlich mir den Chorraum zu öffnen von wo aus eine Treppe in die Krypta führte. Dort ist die Ringkrypta und ein Teil ihres Vorgängers, einer Stollenkrypta, noch erkennbar. In dem Stückchen Stollen, der nun Ringkrypta und Hallenkrypta verbindet steht der Sarg Bischof Bruns. Brun war jüngerer Bruder Ottos I. und Bischof von Köln. Er besitzt noch seinen original Sarg, nur der Deckel musste erneuert werden.

Im Anschluss wurde mir noch eine größere Ehre zu Teil, denn Herr knippste zu erst das Licht hinter in einen Raum unter dem Altar an, der nur über ein kleines Gitterchen zu sehen war um mich dann zu fragen ob er aufschließen solle. Hinter dem schmiedeisernen Türchen verbargen sich die Reste der unter der Kirche liegenden römischen Ausgrabung, inkl. Wasserleitung und Hypocaustum. Auch hier ließ ich mich nicht bitten.
Leider dachte ich im Anschluss nicht für 5 Dinarii nach, denn sicherlich wäre mir auch der Zugang auf die Emporen geöffnet worden… Dennoch danke an den netten Herrn!

 

Innenraum des Westbaus
Innenraum des Westbaus

Zur Kirche und ihrer Geschichte selbst: Die heutige Kirche steht auf den resten einer römischen villa suburbana des 3. Jahrhunderts. Zwischen 866 und 877 wird bereits eine Kirche erwähnt die dem hl. Pantaleon geweiht ist. Dies ist insoweit erstaunlich da St. Pantaleon eher ein oströmischer Heiliger ist und man daher vermuten könnte die Byzantinerin Theophanu sei für die Weihung verantwortlich. Möglicherweise war es eher umgekehrt und der byzantinische Heilige weckte ihr Interesse an Kirche und Kloster.
Es finden sich im Umfeld der Kirche jedoch bereits reiche Gräber der späten Merowingerzeit die nahelegen das hier bereits eine Kirche stand. Sven Schütte und andere gehen davon aus das bereits die Bauten der villa als Kirche genutzt wurden.

Durch Bischof Brun erfolgt zwischen 955 und 964 die Gründung einer Benediktinerabtei. Dieser Stiftet Reliquien des Heiligen und wird hier zum Bischof geweiht. Auf Wunsch seines Bruders Otto I. wird er nach seinem Tod 965 auch in dieser Kirche beigesetzt.
Kurz darauf beginnt Bischof Warin mit dem Neubau der Kirche. Sie ist einschiffig und besitzt einen Westbau dessen Eingangsbereich (Westbau) ähnlich einer Krypta überwölbt ist. Es handelt sich aber dem grundriss nach nicht um ein Westwerk im klassischen Sinn!
Vor der Kirche entsteht ein oktagonaler Bau.

Kurz darauf tritt auch schon Theophanu auf den plan und baut die Kirche erneut um. Sie erhält eine gestelzte Apsis, eine Ringkrypta, einen doppelt so tiefen Portikus wie heute mit Skulpturen und auch den Westbau. Dieser ist wie viele dieser Kirchen jener Zeit nicht als Kaiserempore oder ähnliches zu verstehen, denn die Idee einer Kaiserempore ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.
Der Sinn der Emporen ist viel profaner! Noch immer war St. Pantaleon eine Benediktinerkloster, von Mönchen bewohnt! Und Frauen, selbst wenn sie Kaiserin sind und aus Byzanz stammen, haben im Langhaus nichts zu suchen! Sie waren auf der Frauenempore. So wie in Gernrode, so wie in Kaufungen, so wie in Essen, so wie in Quedlinburg usw. Ach noch schöneres Beispiel: wie in der Hagia Sophia in Byzanz selbst!!

Mit ihrem Tod 991 wird Theophanu im Westbau beigesetzt. 11 Jahre später wird ihr toter Sohn Otto III. vor seiner Überführung nach Aachen ebenfalls in der Kirche aufgebahrt.

Es folgen weitere Umbauten. Um 1150 werden die Seitenräume des Westbaus überwölbt, die Flankentürme erhalten runde Aufsätze und Seitenschiffe werden angebaut. 1230 Wird eine Scheitelnische in die Krypta eingebaut. Im 17. Jahrhundert erfolgt dann die Barockisierung. 1835 wird auf dem Turm ein optischer Telegraph installiert. 1882 bis 92 erfolgt die Reromanisierung der Kirche, 1925 wird die Krypta freigelegt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Mittelschiff und weitere Teile stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wiederherstellung erfolgt im Anschluss und ist erst 1962 beendet.

Battle Abbey und die Schlacht von Hastings

Als ich in Südengland unterwegs konnte ich es mir nicht nehmen lassen Hastings und die Battle Abbey, den Ort der Schlacht von Hastings zu besuchen. Die Schlacht hatte ja nicht unwesentlich an meiner geschichtlichen Entwicklung schuld. Und eine Woche nach dem 14. Oktober, dem Jahrestag der Schlacht, schreibe ich einmal über meinen Besuch vor Ort.

Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus
Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus

Die Battle Abbey, deren Errichtung von Wilhelm nach der Schlacht veranlasst und ihren Ort markiert, ist recht leicht zu finden. Ich kam von Norden ist das kleine Straßendorf Battle und ehe man sich versieht erreicht man einen kleinen Platz an dessen südlicher Seite sich das imposante Torhaus der Abtei  erhebt. Einmal rechts abbiegen (mein größter abturn beim Autofahren in England weil das verwöhnte deutsche Hirn immer auf eine geistige Probe gestellt wird) und man erreicht einen der großzügigen (und teuren) Parkplätze die überall in England bei Sehenswürdigkeiten zu finden sind.

Einige meter Fußmarsch und man befindet sich im Torhaus, wo sich Museumsshop und Kasse verbergen. Betritt man nun das Gelände fällt der Blick zunächst auf das ehemalig Abtshaus, welches heute eine Schule beherbergt. Dies erklärt auch einige Sportplätze auf die man blickt und die Schüler, die mit ihren Schuluniformen vor der historischen Bausubstanz ein wenig an Harry Potter und Hogwarts erinnern.

Direkt vor dem Tor befindet sich die erste Station des extrem ausführlichen Audioguides. Zu jeder Station gibt es in der Regel zwei erweiternde Einträge auf dem Display die man sich ergänzend zum Hauptartikel noch vorspielen lassen kann,  darunter auch Aussagen von Historikern im englischen Original.
Der Weg führt zunächst nach rechts weiter zum recht neuen Visitor Center, einem kleinen Museum mit Kaffee und den obligatorischen Picknickplätzen. Im Visitor Center kann man sich über Vorgänge die zur Schlacht führten von normannischer und angelsächsischer Seite nähern und auch die Bewaffnung mal anfassen. Zudem gibt es alle 20 Minuten einen Film zur Schlacht der man durchaus bekannte grün rote Schilde sehen kann.  Alles in allem klein aber attraktiv.

Der weiter Weg führt nun nach Süden in Richtung des Schlachtfeldes. Hier, an der Terrasse knapp unterhalb der Abteigebäude hat man nun die Wahl ob man über das Schlachtfeld laufen möchte oder nur den kurzen Weg über die Abtei nimmt. Natürlich entschied ich mich für den langen Weg über das Schlachtfeld.
Dieser führt hinab zum New Pond, einem Fischteich neueren Datums (vor 1840) in der Talsenke. Obwohl der Seerosen bestandene Fischteich die Optik der Senke verändert kann man sehr gut erahnen wie feucht und sumpfig diese Senke einst gewesen sein muss und bei Regen auch immer noch ist.
Zwar vermerkt der Führer das im Oktober 1066 wahrscheinlich eher feucht war, geht jedoch davon aus das die sumpfige Senke kein ernstes Hindernis für die Normannen war. Das mag bei einfacher Durchquerung stimmen, aber die Normannen stürmten mehrfach die Anhöhe hinauf und kamen immer wieder zur Senke hinab und obwohl gut gefettete Wendeschuhe im Morast immer noch besser sind als Turnschuhe dürfte es doch unbehaglich und Anstrengend gewesen sein, um es zurückhalten auszudrücken.

Vorbei an den klösterlichen Fischteichen führt der Weg nun wieder die Anhöhe hinauf. Hier bei den Fischteichen hat man in etwa die Mitte des Schlachtfeldes erreicht, obwohl sie im Vergleich zum Kloster etwas versetzt liegt. Die östliche Flanke des Schlachtfeldes, die von den Franco-Flamen besetzt wurde, befand sich weiter östlich über die Powder Mill Lane hinweg zur Straße Lower Lake.
Hier, auf Höhe der Fischteiche vermutet der Guide auch den Ort an dem Wilhelm seine Truppen wieder sammelte und sich den Truppen zu zeigen um dem Gerücht entgegen zu wirken er sei gefallen.

Auf halber höhe den Senlac hinauf trafen wir auf eine Schulklasse, die, in Schuluniformen und mit Stöcken bewaffnet, unter Anleitung ihres Lehrers ein miniatur Reenactment durchführte, wobei der Lehrer sich verzweifelt bemühte einen Schildwall zu erklären. Ohne Schilde ein recht aussichtsloses unterfangen. Gerne hätte ich mir in diesem Moment meine Normannenausrüstung herbeigewünscht um einmal, den Kids entgegen,unter Lauten altfranzösischem Kampfgeschrei den Hang hochzustürmen.

Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse
Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse

 

Weiter führt der Weg bis zur Terasse unterhalb der alten Latrinenanlage des Klosters. Hier erhält man einige, interessante Informationen zu Topographie, denn hier kann man es am besten nachvollziehen. Der Hang zum Senlac wirkt heute flacher und niedriger als zu Zeiten der Schlacht. Im oberen Bereich wurde der Hang stark terassiert um Platz für die Abtei zu schaffen. Daher beginnen die Gebäude bereits unterhalb des Plateaus, was den Hügel optisch stark verkleinert.
Eine weitere Terrasse findet sich auf halber Höhe des Senlac. Der Audioguide nennt als Grund für de Geländeveränderung die bessere Möglichkeit zur Bewirtschaftung mit Ackerbau und Viehzucht als Grund für die Terrasse. M.K.Lawson hingegen1 schließt nach einem Survey das der Heritage durchführte nicht aus das es sich ursprünglich um eine Grabenanlage gehandelt haben könnte, die die Angelsachsen in der Nacht vor der Schlacht errichtet hatten.

Blick von der oberesn Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.
Blick von der oberesten Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.

So unterschiedlich die Meinungen erschienenen müssen sie sich jedoch nicht ausschließen. Es wäre durchaus denkbar das die Angelsachsen ein Erdwerk errichteten, welches später als Grundlage der Terrassierung diente.

links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage
links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage

Hier oben  an der Terasse befinden sich die riesigen Bögen die einst die Latrinenalage trugen.  Zwischen dahinter liegender Außenmauer und Bögen fielen die Fäkalien hinab. Von Zeit zu Zeit musste sie von Außen durch die Bögen entfernt werden. Im Kloster Lorsch gab es eine ganz ähnliche, wenn auch kleinere, Anlage, die ich hier bereits einmal Visualisiert hatte.

Außer dem Dormitorium und Latrinenanlage ist nicht viel vom alten Glanz der Abtei erkennbar. Zwar besteht noch das Absthaus in dem sich heute eine Schule befindet, jedocht stammt dieses in seiner heutigen Form  in weiten Teilen aus dem 16. Jahrhundert als die Abtei in den Besitz Heinrichs VIII Stallmeister Sir Anthony Browne ging. Dementsprechend gleicht das Gebäude auch eher einem Tudor Manor als einem Kloster Gebäude.

Viel ist auch von der 1094 geweihten Abteikirche nicht geblieben. Lediglich die Krypta der Chorerweiterung aus dem 13. Jahrhundert ist erhalten. Die Grundrisse des übrigen Baus jedoch markiert. An der Stelle des Hochaltars soll sich der Ort befunden haben an dem König Harold II. starb, weshalb sich dort eine Platte mit folgender Inschrift befindet:

The tradition site of
the high altar of Battle Abbey
founded to commemorate
the victory of Duke William
on the 14 October 1066
The high altar was placed to mark
the spot where King Harold died

 

  1. In „The Battle of Hastings“ (2002) S.250 []

Der Helm von Verden – kein karolingischer Helm

Vor kurzem bekam ich eine Anfrage bezüglich des “Helmes von Verden”. Dieser Helm war mir schon bei meinen Recherchen zu Helmen untergekommen, aber auf Grund der mangelhaften Informationslage hatte ich ihn nicht berücksichtigt. Nun aber versuche ich dem Helm, bzw. der Problematik des Selben gerecht zu werden. Da der Helm im Gesichtbereich einen keilförmigen Ausschnitt besitzt und auch über die Möglichkeit einer Aufnahme einer Helmzier verfügt wird mit unter Angenommen das es sich hierbei um „den Karolinger Helm“ handeln müsse. Davon ging im übrigen auch sein „Entdecker“ aus.

Helm1
Der Verdener Helm nach „Zeitschrift für historischen Waffenkunde“ Band 6. Links der Ausschnit für das Gesicht

Über den Helm wurde erstmals, und wie es scheint auch einzigst, in der „Zeitschrift für historischen Waffenkunde“ Band 6, erschienen zwischen 1912 und 1914, publiziert. Verfasser des dortigen Atrikels mit dem Titel „Ein Frühmittelalterlicher Spangenhelm“ war ein gewisser Dr. jur. W.A.J. Wilbrand, der auch der damalige Besitzer des Helmes war. Der Verfasser ist höchst wahrscheinlich  mit dem Darmstädter Dr. jur. Wilhelm (Willi) August Julius Wilbrand (1871-1957) gleichzusetzen , dem Sohn eines Darmstädter Ministerialrates, selbst Politiker, Jurist und auch Verfasser einiger weniger geschichtlicher Schriften.

Fundgeschichte und erste Probleme
Wilbrand hatte den Helm und eine Lanzenspitze bei einem Händler erworben wie er schreibt. Dieser berichtete beide Funde stammen aus dem Verdener Moor, wo sie beim Torfstechen von zwei Torfstechern gefunden worden seien. Wie Wilbrand selbst berichtet sind ihm die Finder, als auch die Fundumstände unbekannt und auch der Händler konnte keine weiteren Angaben machen.
Diese Aussagen müssen daher mit einer gesunden Skepsis betrachtet werden und Fundumstände und Fundort hinterfragt werden.
Bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts blühte der Versuch dem „Verdener Blutgerichtes“, der angeblichen Sachsenschlächtung Karls des Großen 782, habhaft zu werden. Zahlreiche mehr oder minder wissenschaftliche Texte und Bücher wurden verfasst und auch Heimatdichter Hermann Löns befasste sich 1912  damit. In dieser, auch politisch, aufgeheizten Stimmung um (neu-)Heidentum, „Sachenschlächter“ Karl und und Nationalstolz konnte mit einem Helmfund der den Sachsenkriegen zugeordnet wurde, wesentlich bessere Preise erzielt werden als mit einem profanen Helmfund. Ähnliche Vorgänge im Kunst- und Antikenhandel waren, und sind auch heute noch keine Seltenheit.

Vor diesem Hintergrund müssen Fundort und Fundzusammenhang von Helm und Lanze infrage gestellt , bzw. müssen mit Vorsicht genossen werden, weshalb ich mich auch nicht der Lanzenspitze sondern lediglich dem Helm widmen werde.

Der Fund als Solches
Der Helm besteht aus 2 überkreuzt laufenden Spangen, die jeweils 4 Segmente in Form halten und dem Helm seine halbkugelige Form geben. Auf dem Zentrum des Helm befindet sich eine zentrale  quadratische Platte, die an den Längseiten gekerb und in der Mitte halbkugelig ausgetrieben ist. Sie verbindet noch einmal die Segmente miteinander und in der Austreibung befindet sich eine schräge Bohrung, wahrscheinlich zur Aufnahme einer Helmzier.
Der Helm weist neben dieser recht gängigen Form einige Besonderheiten auf. Wie bereits beim Helm von Gnezdovo sind die Platten der Kalotte nicht direkte miteinander vernietet, sondern sind an den Spangen befestigt, welche eine kammartige Aufwölbung besitzen.
Auf der Vorderseite ist der Helm keilförmig eingeschnitten, so dass die Spange hier kürzer ist, aber die Nieten sich in gleicher Höhe wie bei den anderen Spangen befindet. Hierdurch liegt die Spange in diesem Bereich nur auf den Platten an und ist nicht fest mit ihnen verbunden.
Auch die Spangen an sich scheinen ungewöhnlich, den sie sind in keiner Weise verziert, bis auf die Aussparungen in kreissegmentform so dass sich ein Wellenmuster ergibt.
Der Rand des Helmes ist leicht nach oben gebogen. Eine Einfassung mit einem Metallband ist daher nicht anzunehmen. Am Rand selbst befinden sich einige Löcher, wohl zur Befestigung eines Innenfutters, Wilbrand fand wohl in den Löchern einen grünlichen Filzstoff darin.
Neben dem Ausschnitt für das Gesichtsfeld befinden sich 3 direkt nebeneinander liegende Löcher. Wilbrand vermutete hier die Befestigung eines Riemens. Andere vermuteten die Befestigung von Wangenklappen.

Vergleiche:
Zunächst erscheint der Verdener Helm einzigartig. Bei näherer Betrachtung finden sich jedoch parallelen zu anderen Helmen.
Die Wellen förmige, bzw der Kreissegmentauschnitt der Spangen findet sich bei slawischen Helmen wieder, zum Teil auch bei zu Platten verbreiterten Spangen wie etwa dem Helmen Cherna Mogolia (ca.960-970), Mokroe (ca.1000) , Raiki(ca. 1100-1250) oder stark verzierte Spangen bei Gnezdovo (2) (10. Jahrhundert.)

Helm von Peshki,
Helm von Peshki, Kirpichnikov 1971

Ebenso wie sich die Wellenform der Spangen bei slawischen Helmen findet, findet sich auch der quadratische Aufsatz für die Helmzier bei slawischen Helmen. Am vielleicht ähnlichsten ist hier die am Helm von Peshki (ca. 1250-1300)  zu finden, wobei hier die Spitzen des Quadrats sternförmig verlängert wurden.

Ebenso verhält es sich mit einer fehlenden Randeinfassung, die sich immer wieder bei slawischen Helmen findet.
Mehr noch gibt der keilförmige Ausschnitt für das Gesichtsfeld zu denken. Wie bereits beschrieben ist die Spange am Ende nicht mit den Platten vernietet und liegt lose auf diesen auf. Bei einen Schlag auf den Helm fängt dieser Teil an zu schwingen, was nicht nur unangenehm, sondern schädlich für die restliche Vernietung der Spangen ist! Ein Rüstungsschmied hätte diesen Malus wohl kaum beabsichtigt. Es scheint als sei der Ausschnitt für das Gesichtsfeld erst später vorgenommen worden zu sein, vielleicht um den Helm für einen Träger mit kleinerem Kopf tragbar zu machen, vielleicht auch um einen Defekt (defektes Nasal oder Brille?) zu entfernen.

Fazit
Eine Abschließende Wertung für diesen Helm abzugeben fällt mir schwer. So interessant dieser Helm auch erscheint, so sehr beschleicht mich das Gefühl das Wilbrand einem Betrüger aufgesessen ist, de ihm ein X für U vormachte.
Neben den bereits genannten Ähnlichkeiten zu slawischen Helmen kommen weitere Indizien hinzu.
Wilbrand berichtet von grünen Filzresten in den Löchern des Helmrandes. Wenn man aber davon ausgeht das der Helm ca. 1100 Jahre im Torfmoor lag, sollte man denken das Gerb- und Huminsäuren die Textilreste zu einem Rotbraun verfärbt haben. Da dies aber nicht der Fall scheint, ist anzunehmen das der Helm nicht im Moor lag. Wenn also anzunehmen ist, dass die Geschichte von den zwei Torfstechern nicht stimmt ist die Wahrscheinlichkeit das Wilbrand einem Betrüger aufgesessen ist extrem hoch.

Meine persönliche Meinung ist, dass es sich bei dem sogenannten Verdener Helm um einen slawischen Helm des 12.- 13. Jahrhunderts handelt, der aus welchen Gründen auch immer, im Gesichtsbereich verändert wurde. So oder so würde ich jedem von diesem Helm für eine Karolingerdarstellung abraten!

Wenn jemand neuere Erkenntnisse zu dem Helm hat, oder aber auch anderer Meinung ist,  würde es mich freuen davon zu hören.

Buchveröffentlichung: Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim

ingelheimWer sich Literatur über die Pfalz Ingelheim zulegen wollte, war bislang auf Einzelveröffentlichung wie „Die Grabungen in der Königspfalz zu Nieder-Ingelheim in den Jahren 1960-1970“, Sammelveröffentlichungen wie Bindings „Deutsche Königspfalzen“ oder schwere Fachliteratur wie „Pfalz und Fiskus Ingelheim“ angewiesen.
Im Karlsjahr 2014 wurde dies mit der Veröffentlichung „Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung“ aus dem Imhofverlag behoben.
Als Herausgeber der im Auftrag der Stadt Ingelheim erschienen Publikation fungiert Forschungsleiter Holger Grewe M.A., der auch die meisten der Beiträge beisteuert.

Das im A4 Format vorliegende 143 Seiten fassende Buch gliedert sich in fünf Abschnitte: Teil I Spurensuche in der Schriftüberlieferung , Teil bildet „Spurensuche in der Kaiserpfalz“ und befasst sich mit Archäologie, Bauskulptur und final mit der Goldmnünze Karls des Großen. Als dritter Teil folgt „Metarmophosen: Palast- Ruine -Denkmal“ und folgt Pfalzanlage bis in die Gegenwart. Als vierter Teil folgt „Entdeckungen: Ausgrabung und Bauforschung“. Hier wird die Wiederentdeckung der Anlage ab dem 16. Jahrhundert und die ersten Ausgrabungen behandelt, wobei die Erwähnung einer Brechstange im zweiten Unterkapitel bereits ahnen lässt wohin der Weg führt.
Der letzte Abschnitt trägt den Titel „Spurensuche in der Gegenwart“. Gerade in diesem Teil weiß mich das Buch zu überzeugen und erläutert Fragen wie etwa warum nicht die Pfalz oder Teile davon wiederaufgebaut wird und wie während Sanierung vorgegangen wird.
Gerade dieser Abschnitt sollte doch von vielen gelesen werden die in einem Denkmalgebiet leben. Aber auch sonst sind diese Beiträge höchst interessant vermitteln sie doch wie sich die Auffassung von Archäologie und Wissensvermittlung geändert haben.

Das Buch ist generell gut zu lesen, auch wenn die Texte dem ungeübten in der Materie hin und wieder ein wenig kompliziert vorkommen könnten, so etwa wenn Caspar Ehlers über einen Hoftag eher beiläufig erwähnt das er unter den Begriffen synodus und auch generalis conventus auftaucht. In der Regel hält man sich jedoch daran Begriffe zu erläutern, so findet sich dann auch hinter „Dreikonchenbau“ der in Klammern gesetzte Einschub mit der Erläuterung was denn überhaupt eine Konche ist.
Viele, auch großformatige, Farbbilder erläutern die dargestellte Materie, auch wenn man wohl die meisten der Bilder bereits kennt wenn man in der Materie ist.

Zwar richtet sich das Buch, wie bereits angedeutet, eher an den interessierten, denn den versierten Leser, ist aber jedem nahe zu legen der sich für die Geschichte und die Architektur der Pfalz Ingelheim interessiert. Zumal man so kompakt die Informationen nicht noch einmal bekommt.

Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung
Holger Grewe (Hg), Michael Imhhof Verlag
ISBN 978-3-7319-0074-0
19,95€
 

Tunikaverziehrungen und mögliche Vorbilder – Ein Brainstorming

Seit einigen Tagen bin ich mit einigen Details meiner Tunika-Suche nicht mehr ganz glücklich. Wobei es wohl aber nur eine Frage der Ergänzung bzw. des Zusammenhangs ist.

Im Rahmen der Ulrichsdamatik durchwühlte ich natürlich eine Menge historischer Messgewänder, war irgendwann beim Rationale und damit auch beim Superhumerale in seiner kirchlichen Fassung.  Und hier beginnt mein Kopfzerbrechen.

Das Superhumerale war, bevor es in unser Region eine religiöse Form erhielt, ein Herrschaftszeichen. Bereits spätantike Herrscher und Herrscherinnen trugen es. Am bekanntesten ist wohl die Darstellung Theodoras, der Frau Justunians, auf den Mosaiken Ravennas mit Superhumerale. Es taucht aber auch immer wieder auf späteren Darstellung bis weit ins Hochmittelalter auf. Es verschmiltz bei der Männerkleidung bisweilen mit dem Loros, auf das wir auch gleich kommen werden. Die Ähnlichkeit des Superhumerale als Kreisrunder, reichbestickter Stoffkragen, bzw. Collier mit dem Kragenbesatz karolingischer Tuniken ist frappierend. Besonders extrem wird diese Ahnlichkeit bei Superhumeralen die Streifen auf die Ärmel und auf Front und Rücken besitzen.
Es scheint so als haben die Karolinger ihre Tunikenbesätze nach Vorbildern byzantinischer Herrschaftskleidung gefertig, bzw. diese adaptiert.

Doch stellt sich die Frage ob es denn überhaupt byzantinische Kleidungsstücke gab, die sich in veränderter Form auf, oder als Inspirationsquelle für Kleidungsstücken unserer Breiten erweisen.

Tatsächlich fand ich in Bamberg, bzw. in Folge meines Bambergsbesuchs einen Hinweis.
So wird auf S. 67 von „Gekrönt auf Erden und im Himmel – Das heilige Kaiserpaar Heinrich II. und Kunikunde“ über die Tunika Heinrichs II, bzw. Tunika Kunigundes (wirklicher Träger unbekannt) geschrieben das es sich bei dem asymmetrischen Halsauschnitt um die Adaption eines byzantinischen Loros Handeln könnte. (Die Veröffentlichung bezeichnet den Halsauschnitt als „ohne Vergleichsbeispiel“. Wie wir jedoch bereits gesehen haben gibt es eine Vielzahl von Ausschnitten die nicht zentral und auch nicht symmetrisch sind, eine prominentes Beispiel ist etwa die blaue Tunicella aus den Reichskleinodien. Bezieht sich die Aussage auf die verzierten Beläge als solches stimmt dieses jedoch). Der Loros ist mit dem Superhumerale verwand und besteht aus einem Langen, reichverzierten Schal der kunstvoll um den Körper gewunden wird.

Ein weiteres Stück, welches scheinbar die Übernahme aus klerikaler Verwendung findest sich auf der Alba aus den Reichskleinodien. Hier wird die Rationale in ihrer Urform als Brustschild in Stickereien nachgebildet.

Nun, da ich diese Gedanken niedergeschrieben habe, bemerke ich etwas. Nicht zwingen muss es sich um byzantinische Vorlagen für die Übernahmen handeln, denn all diese Elemente kommen oder kamen auch in nahezu gleicher Verwendung an oder auf klerikalen Gewändern vor.
Dies könnte bedeuten ,das die Übernahme von klerikalen Gewändern erfolgte. So wie sei auch bei den Kleidungsstücken der Reichskleinodien erfolgte (darüber wird noch gesondert zu schreiben sein) um das Gottesgnadentum auch symbolisch in der Kleidung zu zeigen.

Sollte sich jemand hierzu einmal Gedanken gemacht haben, würde ich mich über ein Feedback freuen.

Ein Besuch der Grabungen in der Johanniskirche Mainz

Eigentlich hätte es nur ein kleine Grabung werden sollen als bei der Sanierung im Juni 2013 in der Mainzer Johanniskirche, dem alten Dom, einige Mauerreste auftauchten. 3 Wochen waren angesetzt doch nun gräbt man seit über einem Jahr.

Am vergangenen Wochenende nun konnte ich mich gemeinsam mit Terraplana e.V. über den momentanen Stand der Grabungen informieren. Die Führung übernahm Grabungsleiter Dr. Ronald Knöchlein von der Direktion Landesarchäologie Mainz.

Betritt man im Moment die Jaohanniskirche, gleicht diese mehr einem im Bau befindlichen Schwimmbad. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man vor der knapp 2m tiefen Baugrube im Inneren steht und man kann erahnen was noch alles hier zu tun ist.
Dr. Knöchlein begann seine Ausführungen mit dem Hintergrund zur Johanniskirche. Es ist zu vermuten das sie sich auf dem Areal befinden auf dem in römischer Zeit das Forum lag. Wann hier eine erste Kirche entstand ist ungewiss, sicher aber gab es eine unter Bischof Sidonius im 6. Jahrhunder, wenn auch unklar ist ober eine bestehende Bischofskirche sanierte oder neu erbauen lies. Diese Kathedralkirche, wie der heutige Dom ebenfalls dem fränkischen Staatsheiligen Martin geweiht, war Teil einer Kirchenfamilie die durch eine Marienkirche im Norden (am heutigen Gutenbergplatz gelegen) und einer Taufkirche, deren Position unbekannt ist, kompetiert wurde. Es ist zu vermuten das die Taufkirche Johannes dem Täufer geweiht war. Nachdem der neue Dom dem heiligen Martin geweiht wurde erhielt der alte Dom das Patronizium der Taufkirche. Auch die Marienkirche wurde aufgegeben und durch die Liebfrauenkirche (auch Maria ad gradus, Mariengreden) als Vorkirche des neuen Doms ersetzt.

Die Bauteile die wir heute noch sehen können stammen größtenteils aus der Zeit Bischof Hattos und somit aus dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert. Sie werden als Bau II, bezeichnet während die fränkische Vorgängerkirche als Bau I bezeichnet wird.

Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Der Raumeindruck den die heutige Johanniskirche bis vor kurzem vermittelte war ein Eigenartiger. Ungewöhnlich breit erschien das Kirchenschiff, zu breit für die Höhe. Dabei aber auch wieder zu hoch für die niedrigen, vermauerten Arkaden, die, gedrungen wie sich darstellten einen hochromanischen Eindruck hinterließen. Oder kurz gesagt: irgendwas stimmte hier nicht mit den Dimensionen.
Das da was nicht stimmte war auch schon anderen aufgefallen, weshalb man davon ausging das der ursprüngliche Laufhorizont tiefer liegen musste. Doch das die Pfeiler fast noch einmal so tief in den Boden reichten, wie sie darüber lagen ahnte fast niemand, obwohl Kautsch bereits 1909 von einem 2,65m tiefer liegenden Laufhorizont ausging.

Im Kirchenschiff, gleich links der Vorhalle die ehemals einen Ostchor bildetet, fand sich im Langhaus ein Altarsockel im Boden der in knapp 2m tiefe auf einem Plattenboden aus dem 12./13. Jahrhundert stand. Noch ein kleines Stück darunter war dann an der Wand endlich die Basis der Pfeiler von Bau II. erreicht. Doch auch noch darunter fand sich ein Boden, wohl von Bau I. Man hatte also den ursprünglichen Boden des Hattobaus erreicht. Und ohne die Auffüllungen in der Kirche wirkt nun der Raum vollkommen anders. Die niedrigen Arkaden wachsen nun in ungeahnte Höhen und wirken nun Schlank und filigran.

Auch der Chor brachte Überraschungen. Der gotische Chor war mit Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg verfüllt unter dem man den gotischen Boden fand. Diesem fehlten aber die rechteckigen Sandsteinplatten, die ihn einst bedeckten. Sie hatten jedoch im Mörtel sichtbare Abdrücke hinterlassen. Einer dieser Abdrücke war jedoch besonders. Er zeigte den Abdruck einer mit Flechtwerk verzierten Chorschranke, der zu jener passte die bereits 1906 gefunden worden war. Ein Chorabschluss konnte jedoch bis jetzt nicht gefunden werden. Wie also der Westchor der Kirche aussah muss also zunächst offenbleiben. Die Vermutungen pendeln zwischen halbrunder Apsis und Rechteckchor, wobei viele dem Rechteckchor den Vorzug geben da sich so der eigenwillige gotische Chor erklären ließe.

Unser Weg führte uns nun durch die ehemaligen Seitenschiffe ins Frei und nun wieder in die Kellerräume der Kirche, von wo aus auch die Baugrube zu erreichen ist. Der Weg führte uns in einen kleinen Seitenraum, der ehemals für Öltanks genutzt wurde. Hier konnte man nun die bereits erwähnte karolingische Säulenbasis sehen, die im Gegensatz zur Kirchenschiffseite noch voll plastisch ausgeformt war.

Zwischen Langhauswand und Außenmauer, die ebenfalls auf den Mauern von Hattos Seitenschiffen aufbaut befinden sich die Reste einer weiteren Mauer. Sie ist in ihrer Mauertechnik ähnlich fein säuberlich wie römische Mauern aufgebaut, ihrem Mörtel fehlt jedoch der typische Ziegelklein. Die Mauer ist Bau I des Sindonius zuzuordnen. Direkt an die Mauer angelehnt fand sich eine gemauerte Grabkammer in der einst ein Holzsarg lag. Die hier bestatte Person muss hochgestellt gewesen sein, war jedoch bis auf ein undefinierbares Stück Metall auf dem Oberarm beigabenlos.

Am Eingang in den Kellerbereich findet sich noch ein weiteres Schmankerl. Knapp über dem heutigen Boden befindet sich der Bogen eines Durchganges in der Wand, der in oder unter den Altarraum führen würde. Es wird vermutet das es sich um den Zugang in eine Krypta handelt. Zur Zeit wird hier am Gewände des Durchgangs nach unten gegraben, in der Hoffnung auf die Treppen der Krypta zu stoßen.

Leider vergaß ich Herrn Dr. Knöchlein über die Westung der Kirche zu fragen, denn genau wie der heutige Dom ist auch die Johanniskirche gewestet. Im Regelfall befindet sich die Krypta jedoch unter dem Hauptaltar, was bedeuten würde das auch die Johanniskirche bzw. der alte Dom gewestet gewesen wäre.Dies wiederum würde der Vermutung Willigis habe den neuen Dom gewestet um ihn Alt-St. Peter in Rom ähnlich werden zu lassen. Er hätte ihn also nur gewestet um in der Tradition des Vorgängerbaus zu stehen.

Im Anschluß gingen wir mit Herrn Dr. Knöchlein noch essen, wobei mir eines nicht aus dem Kopf ging. Als wir in der Kirche waren und ich den ursprünglichen Zustand vor meinem inneren Auge rekonstruierte, fielen mir immer mehr Parallelen den Bauten Hattos auf der Reichenau auf. Allen voran die ausgeschiedene Vierung. Ich Sprach Dr. Knöchlein darauf an und tatsächlich sind es diese Parallelen die es den Historikern erlauben den Bau Hatto zu zuzuordnen, denn entsprechende archäologische Funde gibt es bisher leider nicht. Die Füllschichten waren bisher frei von jeglichen Scherben. Aber das könnte sich noch ändern!
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat beschlossen das Bodennivau auf das des 12. Jahrhunderts abzusenken um so den ursprünglichen Raumeindruck wieder herzustellen. Für Dr. Knöchlein bedeutet das noch eine ganze Menge Arbeit und wahrscheinlich auch noch einige überraschende Funde. Wir dürfen gespannt sein.

Hier findet sich eine Bildergalerie (Bei Facebook)

St. Maria und Markus Reichenau

St. Maria und Markus ist die Hauptkirche der der Klosterinsel Reichenau und zu allem Übel ist sie eine der wenigen Kirchen die mir gedanklich immer einen Knoten im Hirm beschert, denn das was bei anderen Kirchen untrügerische Zeichen ihrer Datierung sind ist in Maria und Markus alles andere als ein klares Zeichen.

Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Die Geschichte der Kirche beginnt 724 als Abt Pirmin eine erste Holzkirche errichten lies. Ein einfacher Saal, der unter Arnfried, Abt der Reichenau und Bischof von Konstanz (736-746), in Stein ausgeführt, um fast die ganze länge erweitert und mit einer quadratischen Apsis versehen wurde. Soweit so normal. Abt Haito griff aber dann in die Vollen. Vor 816 lies er eine Kreuzförmige Kirche errichten. Der Typus der Kreuzkirche besteht aus einer Vierung auf der ein Turm aufsitzt, von dieser Vierung führen 4 fast gleichlange Schiffe fort. Diese Konstruktion bedingt eine quadratische Vierung die zur Stützung des darauf sitzenden Turmes ausgeschieden, also mit Bögen verstärkt sein muss. Da heute der Turm nicht mehr existiert besteht nur noch die ausgeschiedene Vierung und solche sind normalerweise ein untrügliches Zeichen der Ottonik… …nur eben nicht hier! Von diesem seltenen Bautypus gibt es nur noch 2 weitere Zeugnisse in Deutschland: Die im Paltiolum von Pfalzel errichtete Stiftskirche St Maria und die Reste der Vierungskirche in Neustadt am Main.

Bereits Haitos Nachfolger Erlebald toppt das ganze wieder: er verlängert das Langhaus um ein Joch und baut ein Westquerhaus, vor dem ein Eingangsportal mit Doppelturmanlage liegt. Eigentlich etwas das optisch an die klassische ottonische Bauweise erninnert, nur eben um 830! Die Frage ist allerdings ob es ein wirklich ein Westquerhaus war, denn schließlich sind nur die Abbruchspuren bekannt. Leider habe ich keinerlei Grabungspläne.
Der bekannte Walahfried Strabo macht aus dem Eingangsportal einen Rechteckchor (vielleicht auch Baptisterium?) und verlegt die Eingänge an die Westseite des Westquerhauses. Vor 946 wird dann hinter dem Chor in Anlehnung an die Grabeskirche in Jerusalem eine Rotunde errichtet die die neue Heilig Blut Reliquie beherbergt.

Abt Witigowo lässt dann vor 997 das Westquerhaus nieder reißen, und macht diesen Bauteil zur Verlängerung des Langhauses. Der kleine Westchor wird wieder Eingangsportal.Es entsteht danach ein Atrium vor Türmen und Eingangsportal. Dies Westlösung wird aber wieder durch Abt Berno (1008–1048) niedergerissen um erneut ein Westquerhaus zu errichten vor das ein Turm gesetzt wird, welcher nun wieder einen Westchor beherbergt für den Eingangsberreich werden links und rechts des Turmes Eingangsportale errichtet. In diesem Zustand befindet sich die Kirche fast heute noch. Nur der Chor wurde durch einen gotischen Chor ersetzt.

Für die eigentliche Wandlung der Kirche gibt es einige verständliche Gründe. So war Haito als Gesandter Karls des Großen 811 in Konstantinopel. Er kannte also um die Architektur byzantinischer Zentralbauten. Wahrscheinlich liegt hier der Grund für die Kreuzkirche.

830 erhält das Kloster Reliquien des heiligen Markus aus Venedig. Angeblich wurden die Reliquien zunächst geheim gehalten. Doch ganz so geheim kann es nicht gewesen sein, denn die Kirche bekam eine Doppelapsis, also zwei Apsiden nebeneinander! In der Regel etwas das man nur bei einer besonderen Reliquienverehrung macht.

In der Zeit Walahfried Strabos wächst das Kloster weiter, es wird zu einer der bedeutendsten Bibliotheken des Reiches und profitiert dabei auch von den Normanneneinfällen, denn Mönche der in Frankreich zerstörten Klöster. Mönche aus St. Martin in Tours etwa fliehen auf die Reichenau und prägen dort die Kunst der Buchmalerei nachhaltig. Auch beginnt die Verehrung der Markusreliquie zuzunehemen.
888 Wird die Kirche dann Grabkirche für den Abgesetzten Karl III.

Umbauten, wie etwa die Anbauten des Atriums liegen wahrscheinlich in Veränderungen von Messritus, Kanalisierung der Pilgerströme und ähnlichem.

Die Veränderungen durch Abt Berno sind in einem weiteren Kontext zu fassen. Berno hatte nicht nur die Kirche umbauen lassen, sondern wirkte im gesamten Klosterbereich und lies auch eine neue Pfalz für die Königsaufenthalte errichten (Über die wird noch zu schreiben sein).

Vorbericht zu den Untersuchungen 2009 bis 2012 im Königsgutbezirk undPfalzgebiet Salz

Als ich am Wochenende Informationen zu Bodman suchte (und relativ allein gelassen und auf meine Bücher angewiesen war) entdeckte ich auf academia.edu (immer wieder zu empfehlen) den „Vorbericht zu den Untersuchungen 2009 bis 2012 im Königsgutbezirk undPfalzgebiet Salz“.

Das PDF fasst nicht nur die Grabungen auf dem Veitsberg zusammen sondern wirft auch einen Blick auf den gesamten Fiscus der Pfalz.

Das PDF findet sich hier

Der Heiligenberg bei Heidelberg

Die Osterzeit habe ich unter Anderem mit einem Besuch auf dem Heiligenberg bei Heidelberg verbracht. Einem Ort der vor Geschichte nur so strotzt.

Der Heiligenberg gehörte ursprünglich nicht zu Heidelberg und hatte auch recht wenig mit der Stadt am Neckar zu tun. Eher war er dem darunterliegenden Ort Handschuhsheim zugewand. Zum Neckar hin waren die Hänge, die später zum Teil als Weinberge genutzt wurden, einfach zu steil. Erst mit der Hochstraße, einem Höhenweg in den Odenwald, gewann der Heiligenberg für Heidelberg an Bedeutung. Und dieser Weg ist es dann auch über den man den Heiligenberg am gelenkschonensten, sprich mit dem PKW,  erreicht.

Im Grunde besteht der Komplex Heiligenenberg aus zwei Bergen. Dem 375m hohen vorgelagerten Michaelsberg und dem mit einem Sattel verbundenen 439m hohen Heiligenberg.

Wenn man den Michaelsberg erreicht und sich der Weg etwas abflacht durchquert man fast unbemerkt einen verfallenen Wall. Er umfasste Michaels- und Heiligenberg und ist der Rest einer keltischen Wallanlage das religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Kelten in  der Region bildetet, die den Berg von etwa 500v.Chr an besiedelten.  Um 200 v. Chr. verlagerte sich dieses Zentrum ins Tal nach Ladenburg.

Hat man den Wall passiert erblickt man zur Linken etwas das wie eine Schutzhütte aussieht. Doch schützt der Bau nich den Wanderer sondern ein Loch. Ein fast 60m tiefes Loch! Das Heidenloch!

Wer dieses Loch und aus welchem Grund baute ist rästelhaft. Wikipedia vermutet die Römer als Erbauer, da unter dem Brunnemantel aus dem vermuteten 11. Jahrhundert römische Ziegel lagen. Vor Ort erklärt eine Schautafel aber das die Bearbeitungsspuren die umliegenden Gesteins nicht römisch, sondern älter sind. Man vermutet hier keltischen Ursprung. Ob es ein „einfacher“ Brunnenschacht oder ein Art von Kultschacht war muss offenbleiben.

Nur wenige Meter weiter erreicht man den nachsten  kulturgeschichtlichen Überrest. Es sind die Reste des Stephanskloster, von dem man einen hervorragenden Blick auf Heidelberg hat.

Das Kloster, entstand 1090 als einfache Klause eines Benediktiners und wird bald schon durch das Michaelskloster ausgebaut und erhielt eine Kirche und angrenzende Bauten .

Folgt man nun dem Weg den Heiligenberg hinauf, passiert man nicht nur eine Gaststätte, sondern macht auch geschichtlich einen riesigen Sprung nach vorne. Man erreicht die „Thingstätte“, in etwa die Heidelberger Version der Berliner Waldbühne. Die Nazis hatten im Wahn der Blut-und-Boden Mystik den keltischen Ringwall zu einem germanischen Heiligtum erklärt und wurden für Sonnenwendfeiern und obskure Thingspiele genutzt. Zwar wurden bei den Bauarbeiten keltische und römische Funde gemacht, ich jedoch musste bei dem monströsen Anblick der Anlage eher daran denken wieviel vernichtet wurde.

Folgt man nun dem Weg weiter nach oben, auf den Gipfel des Heiligenberges erreicht man das eigentlich Zentrum. Die Ruinen des Klosters St. Michael mit seinen zwei markanten Turmstümpfen. Bevor hier ein Kloster entstand waren jedoch die Kelten hier, gefolgt von den Römern die hier einen Tempel des  Mercurius Cimbrianus umgeben von weiteren Steinbauten errichteten. 

Die Franken sind die weiteren Nutzer der Bergkuppe. Sie errichteten die Aberinsburg. Im 9. Jahrhundertwurde die Aberinsburg dem Kloster Lorsch gestiftet die hier mit St. Michael ein Fillialkloster errichteten. Die heutigen Baureste stammen entstammen dem Bau des Jahres 1027, der auf dem karolingischen Bau aufbaut. Dieser wiederum orientiert sich am genordeten MErkur Heiligtum der Römer, welches, genordet, unter dem Kirchenschiff liegt.

Die Vor Ort gemachte Angabe das sich das Westwerk (wie oft noch? das ist kein Westwerk sondern ein Westbau!!!) auf die karolingische Burg beziehe und daher so Wehrhaft darstelle, erscheint mir sehr weit hergeholt. Zumal ich dies in keinster Weise mittels anderer Quellen verifizieren konnte. Westbau und vorgelagertes Paradies sind vielmehr das ergebnis eines langen Prozesses, so sind mindestens 7 Entwicklungstufen des Paradieses bekannt!

Natürlich habe ich auch die Klosterkirche besucht um mir ein Bild von der Architektur des Grundrisses zu machen und diesen in Beziehung zu St. Laurentius in Trebur zu setzten. Und tatsächlich fand ich interessante Ähnlichkeiten im Chorbereich.

stMichaelLinks im Bild sieht man die Apsis, gefolgt vom Chorjoch. Es folgt eine weitere Ecke, die an die ergrabenen  Pastophorien  der Laurentiuskirche erninnern. Daneben befindet sich, kenntlich durch das Fenster, eine Seitenapsis des Querschiffes.

Bei St. Michael handelt es sich jedoch nicht um Pastophorien, sondern um Abgänge zu einer kleine Krypta unter dem Chorjoch. Dies führte bei mir zu einem kleinen Gedankenspiel: Was wäre wenn in Trebur nicht nur der Plan einen echten Westchor zu bauen verworfen wurde, sondern auch der Plan einer Krypta aufgegeben wurde, denn auf eine solche gab es bei den Grabungen Diefenbachs in den 1934ern keine Hinweise?

 

 

Erste Schritte in der Erforschungs des Weilerhügels

Mehrfach hatte ich bereits darüber geschrieben das mit mit dem Abschtieg der Pfalz Trebur analog der Aufstieg der Fürsten und Kleinadligen begann. Hiervon zeugen unter Anderem  viele Mottenhügel in der Region, von denen wahrscheinlich nicht mal alle bekannt sind. Über den Weilerhügel bei Bickenbach hatte ich hier einmal geschrieben.

Terraplana hatte sich nun im vergangen Jahr u.a. mit dem Museum Pfungstadt, aufgemacht einem anderen Turmhügelburg nachzugehen. Dem Wellberg bei Pfungstadt.

Nun konnte man neben einer Mehrphasigkeit der Anlage auch Steinbauten innerhalb der bisher unbekannten Vorburg entdecken. (Würde jemand den Wikipedia Artikel umschreiben?)

Die ganze Meldung von Dr. Thomas Maurer findet sich hier