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Odin, Thor und Freyja – Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

„Odin, Thor und Freyja – Skandinavische Kultplätze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich“ ist eine neue Ausstellung des Archäologischen Museums in Frankfurt/Main. Da ich eingeladen war der Eröffnung beizuwohnen konnte ich die Ausstellung bereits am 10.2. in Augenschein nehmen und auch der Eröffnungsfeier im Refektorium des ehemaligen Karmeliterklosters beiwohnen.

Diese begann mit einem  unschönen Programmteil: Prof.  Egon Wamers musste dem zu früh verstorbenen Lars Jørgensen Gedenken, der einer der Mitinitatoren  und dessen Forschungen Grundlage für die Ausstellung war.  Jørgensen war im vergangenen September verstorben.

Weitere Redner waren Arne Friis Petersen, dänischer Botschafter und Schirmherr der Ausstellung, Per Kristian Madsen, Generaldirektor des Dänischen Nationalmuseums Kopenhagen, sowie eine Vertreterin (Der Name ist mir leider entfallen) für Dr. Ina Hartwig , der Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt. Umrahmt wurde die Reden durch die musikalische Untermalung  von Sopranistin Laurie Reviol und Toshinori Ozaki an den Zupfinstrumenten, die thematisch passende Stücke interpretierten und auch Teile aus Beowulf rezitierten.

Die Reden waren, vielleicht bis auf die durch die Vertreterin der Frankfurter Politik, durchweg interessant. Berichteten sie doch u.a. über die Forschung Jørgensens, dessen Ausgrabungen und Forschungen zum Fundplatz Tissø, der die herausragende Grundlage der Ausstellung bildete.
Nach dieser Einführung war für uns die Ausstellung eröffnet, die nun bei „Frankfurter Wein und Käsestangen vom Rewe“, wie es Warmers formulierte, in Augenschein genommen werden durfte.

Als ich dann in der Garderobe meinen Mantel holen wollte um mich zum eigentlichen Museumseingang zu begeben traf ich dann auch das erste bekannte Gesicht in Form von Gawan Dringenberg.

Die Einführung in die Ausstellung beginnt mit einem Blick in die (frühe) Götterwelt im Norden. Ergänzt werden die großflächigen Schautafeln mit einer Vielzahl von meist kleineren Funden, wie Götteramuletten, aber auch silbernem Geschirr das als Opfergabe in Mooren niedergelegt wurde. Diese Funde stammen zum großen Teil aus den Fundplätzen von Hoby und Gudme.

Als Übergang in die Haupträume des Museums dient die begehbare Visualisierung des Kulthauses von Tissø-Fugledegård mit zwei übergroßen Holzidolen und dem fast 2kg schweren Goldreif. Tatsächlich sind es solche Darstellungen, die ich mag. Zum einen lassen diese Visualisierungen in die Welt jener Zeit eintauchen, schaffen aber auf Grund der Wände als Fotoreproduktionen eine nötige Distanz.

Betritt man nun den Hauptraum findet man an der Stirnseite linker Hand eine digitale Rekonstruktion der  großen Halle von Tissø-Fugledegård auf 11m breite. Das Raumerlebnis wird durch eine in den Ausstellungsraum ragende Feuerstelle komplettiert. Somit wird der Verbindundungsbau des Museums zum Kirchenschiff des Karmeliterklosters zur großen Halle von Tissø.

Während sich nun die rechte Seite den Funden aus dem namensgebenden Tissø (Stiersee) findet, darunter eine merowingische Spatha und ein Schwert des 10./11. Jahrhunderts, widmet sich die linke Seite der Festtafel. Hier finden sich neben Banketaxt und Fleischgabeln auch Falknergeschirr und Hundeleinen. Als Vergleiche werden Auschnitte aus dem Teppich von Bayeux genutzt. Auch Vergleiche und Parallelen der Anlagen von Tissø zu fränkischen Königshöfen werden gezogen.

Der Abschnitt über die Beziehungen zu Franken – „Der neue Glauben aus dem Süden“ wird durch die Funde und das Modell des Bootskammergrabes aus Haithabu sowie dem erstmals aus Ingelheim verliehenen Modell der Pfalz Ingelheim gebildet  und befindet sich an dem Platz an dem normalerweise die Funde aus der Pfalz Franconofurd zu sehen sind. Ergänzt wird die gesamte Austellung noch mittels eines Films zu  Ausgrabungen und Fundplatz Tissø, zu dem ich allerdings nichts sagen kann da ich in nicht gesehen habe.

Mit der  Ausstellung ist dem Archäologischen Museum in Frankfurt ein echtes Schmankerl gelungen. Viele der ausgestellten Funde waren noch nie auf deutschen Boden zu sehen, genauso wie viele neue Erkenntnisse zum Fundplatz Tissø präsentiert werden können. Einzig zu kritisieren wäre meiner Ansicht nach mal wieder die Anbringungen der Beschriftungen innerhalb der Vitrinen, da dies Rollifahrern und Sehbehinderten das Lesen der Beschreibungen stark erschwert.

Die Ausstellung ist noch bis 6. Juni  in Frankfurt zu sehen. Eintritt beträgt 7€,  ermäßigt 3,50€. Ein Katalog ist für 17,95 € erhältlich und steht bereits bei mir im Regal. Er enthält alle Texte, sowie Bilder und Informationen  ausgestellter Funde im Katalogteil.
Weitere Informationen, auch Bilder von Funden, hat die Website des Archäologischen Museums Frankfurt

St. Panthaleon – Besuch und Beschreibung

westbau
Westbau von St. Pantaleon

Vergangene Woche war ich recht spontan in Köln. Im Rahmen meiner Idee möglichste viele Graborte deutscher Herrscher zu besuchen war es natürlich selbstverständlich auch St. Pantaleon zu besuchen wo Kaiserin Theophanu beigesetzt ist, die byzantinische Gemahlin von Otto II.

Zur Erklärung: Nur eins Vorweg. Mir erscheint es das sich niemand mehr die Grundrisse seit den Grabungen genauer angesehen hat, bzw. als wenn es nicht legitim erscheint die Westwerks-Theorie anzuzweifeln. Oder aber man sieht den Westwerks-Begriff sehr, sehr weit gefächert. So heißt es auf den Seiten der romanischen Kirchen Köln und auch auf der Seite von St. Pantaleon selbst „Westwerk karolingischen Typs“. Hier scheiden sich die Geister. Ich hatte bereits über die müssige Westwerksdiskussion geschrieben. (Hier zum Nachlesen!)

Wenn man, so wie ich es tue, davon ausgeht das  nur der Aufbau in Corvey ein echtes Westwerk ist, so bleibt als einzige weitere Kirche mit einem Westwerk die alte Kathedrale von Winchester in England, die von der karolingischen Baukunst beeinflusst wurde. Wobei auch hier letztendlich nicht klar ist wie sie nun aufgebaut war.  Nicht aber St. Pantaleon! Hier stimmt der Grundriss überhaupt nicht, also können auch weitere Stockwerke nicht passen! Es gibt keinen Umgang, somit kein Westwerk! Finito! Westbau dagegen ja, weshalb ich den Begriff Westbau verwenden werde!

Mein Besuch:  St. Pantaleon liegt wenige hundert Meter außerhalb der römischen Stadtgrenze Kölns, die sich hier am Blaubach entlang zog und heute durch die Straße Blaubach erkenntlich ist.  Nach einer Grünfläche erreicht man von der Innenstadt kommend ein Tor und durchquert man dieses fällt der Blick sofort auf den Monumentalen Westbau von St. Pantaleon. Leider ist jedoch nur weniges noch Original, denn weniger der Zweite Weltkrieg, denn die Umbauten des Barock hatten dem Westbau schwer zugesetzt. Der Zentrale Turm war erhöht worden, der Porticus entfernt und die Treppentürme nach einem Einsturz  bis hinunter auf den quadratischen Teil hin abgebrochen gewesen.

theo
Sarg Theophanus

Rechts des Porticus befindet sich der Eingang, der in das südlich  Seitenschiff führt.
Wenige Schritte nur und man befindet sich im Westbau. Gleich rechts im Annex des Westbaus steht ein weißer Marmorsargophag der die sterblichen Reste Theophanos beherbergt. Sein Deckel ist mit quadratischen Ornamenten geschmückt die man auch von byzantinischen Miniaturen her kennt. Er stammt aus dem Jahr 1965.
Die Bögen des Westbaus und seiner Empore sind in alternierend rot aus rotem und hellen Sandstein gefertigt, etwas das man auch als byzantinischen Stil bezeichnet.

Vor dem barocken Chor findet sich ein spätgotischer Lettner, der vor eine moderne Betonwand montiert ist. Der Grund für diese eigenwillige Konstruktion sind nicht etwa Kriegsschäden. Der durch einen großen Bogen vom Schiff getrennte Westbau war im barock vermauert worden. Dort Stand der Lettner ohne Rückwand und trug die Orgel. Im Zuge der Romanisierung rückte er wieder vor den Chor.

Irgendwann an diesem Punkt meines Besuches muss mein Gemurmel, Blickachsensucherei und Abschreiten von Distanzen die Aufmerksamkeit eines bis dato unscheinbaren Herren in der hintersten Bank der Kirche auf sich gezogen haben, denn er trat an mich heran und fragte ob ich die Krypta sehen wollte. Wollte ich? Natürlich wollte ich!
Der Herr, der wie sich herrau stellte vom Verein für Romanische Kirchen in Köln war, war so freundlich mir den Chorraum zu öffnen von wo aus eine Treppe in die Krypta führte. Dort ist die Ringkrypta und ein Teil ihres Vorgängers, einer Stollenkrypta, noch erkennbar. In dem Stückchen Stollen, der nun Ringkrypta und Hallenkrypta verbindet steht der Sarg Bischof Bruns. Brun war jüngerer Bruder Ottos I. und Bischof von Köln. Er besitzt noch seinen original Sarg, nur der Deckel musste erneuert werden.

Im Anschluss wurde mir noch eine größere Ehre zu Teil, denn Herr knippste zu erst das Licht hinter in einen Raum unter dem Altar an, der nur über ein kleines Gitterchen zu sehen war um mich dann zu fragen ob er aufschließen solle. Hinter dem schmiedeisernen Türchen verbargen sich die Reste der unter der Kirche liegenden römischen Ausgrabung, inkl. Wasserleitung und Hypocaustum. Auch hier ließ ich mich nicht bitten.
Leider dachte ich im Anschluss nicht für 5 Dinarii nach, denn sicherlich wäre mir auch der Zugang auf die Emporen geöffnet worden… Dennoch danke an den netten Herrn!

 

Innenraum des Westbaus
Innenraum des Westbaus

Zur Kirche und ihrer Geschichte selbst: Die heutige Kirche steht auf den resten einer römischen villa suburbana des 3. Jahrhunderts. Zwischen 866 und 877 wird bereits eine Kirche erwähnt die dem hl. Pantaleon geweiht ist. Dies ist insoweit erstaunlich da St. Pantaleon eher ein oströmischer Heiliger ist und man daher vermuten könnte die Byzantinerin Theophanu sei für die Weihung verantwortlich. Möglicherweise war es eher umgekehrt und der byzantinische Heilige weckte ihr Interesse an Kirche und Kloster.
Es finden sich im Umfeld der Kirche jedoch bereits reiche Gräber der späten Merowingerzeit die nahelegen das hier bereits eine Kirche stand. Sven Schütte und andere gehen davon aus das bereits die Bauten der villa als Kirche genutzt wurden.

Durch Bischof Brun erfolgt zwischen 955 und 964 die Gründung einer Benediktinerabtei. Dieser Stiftet Reliquien des Heiligen und wird hier zum Bischof geweiht. Auf Wunsch seines Bruders Otto I. wird er nach seinem Tod 965 auch in dieser Kirche beigesetzt.
Kurz darauf beginnt Bischof Warin mit dem Neubau der Kirche. Sie ist einschiffig und besitzt einen Westbau dessen Eingangsbereich (Westbau) ähnlich einer Krypta überwölbt ist. Es handelt sich aber dem grundriss nach nicht um ein Westwerk im klassischen Sinn!
Vor der Kirche entsteht ein oktagonaler Bau.

Kurz darauf tritt auch schon Theophanu auf den plan und baut die Kirche erneut um. Sie erhält eine gestelzte Apsis, eine Ringkrypta, einen doppelt so tiefen Portikus wie heute mit Skulpturen und auch den Westbau. Dieser ist wie viele dieser Kirchen jener Zeit nicht als Kaiserempore oder ähnliches zu verstehen, denn die Idee einer Kaiserempore ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.
Der Sinn der Emporen ist viel profaner! Noch immer war St. Pantaleon eine Benediktinerkloster, von Mönchen bewohnt! Und Frauen, selbst wenn sie Kaiserin sind und aus Byzanz stammen, haben im Langhaus nichts zu suchen! Sie waren auf der Frauenempore. So wie in Gernrode, so wie in Kaufungen, so wie in Essen, so wie in Quedlinburg usw. Ach noch schöneres Beispiel: wie in der Hagia Sophia in Byzanz selbst!!

Mit ihrem Tod 991 wird Theophanu im Westbau beigesetzt. 11 Jahre später wird ihr toter Sohn Otto III. vor seiner Überführung nach Aachen ebenfalls in der Kirche aufgebahrt.

Es folgen weitere Umbauten. Um 1150 werden die Seitenräume des Westbaus überwölbt, die Flankentürme erhalten runde Aufsätze und Seitenschiffe werden angebaut. 1230 Wird eine Scheitelnische in die Krypta eingebaut. Im 17. Jahrhundert erfolgt dann die Barockisierung. 1835 wird auf dem Turm ein optischer Telegraph installiert. 1882 bis 92 erfolgt die Reromanisierung der Kirche, 1925 wird die Krypta freigelegt. Im Zweiten Weltkrieg wird das Mittelschiff und weitere Teile stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Wiederherstellung erfolgt im Anschluss und ist erst 1962 beendet.

Battle Abbey und die Schlacht von Hastings

Als ich in Südengland unterwegs konnte ich es mir nicht nehmen lassen Hastings und die Battle Abbey, den Ort der Schlacht von Hastings zu besuchen. Die Schlacht hatte ja nicht unwesentlich an meiner geschichtlichen Entwicklung schuld. Und eine Woche nach dem 14. Oktober, dem Jahrestag der Schlacht, schreibe ich einmal über meinen Besuch vor Ort.

Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus
Blick auf die westlichen Abteigebäuden von den Fischteichen aus

Die Battle Abbey, deren Errichtung von Wilhelm nach der Schlacht veranlasst und ihren Ort markiert, ist recht leicht zu finden. Ich kam von Norden ist das kleine Straßendorf Battle und ehe man sich versieht erreicht man einen kleinen Platz an dessen südlicher Seite sich das imposante Torhaus der Abtei  erhebt. Einmal rechts abbiegen (mein größter abturn beim Autofahren in England weil das verwöhnte deutsche Hirn immer auf eine geistige Probe gestellt wird) und man erreicht einen der großzügigen (und teuren) Parkplätze die überall in England bei Sehenswürdigkeiten zu finden sind.

Einige meter Fußmarsch und man befindet sich im Torhaus, wo sich Museumsshop und Kasse verbergen. Betritt man nun das Gelände fällt der Blick zunächst auf das ehemalig Abtshaus, welches heute eine Schule beherbergt. Dies erklärt auch einige Sportplätze auf die man blickt und die Schüler, die mit ihren Schuluniformen vor der historischen Bausubstanz ein wenig an Harry Potter und Hogwarts erinnern.

Direkt vor dem Tor befindet sich die erste Station des extrem ausführlichen Audioguides. Zu jeder Station gibt es in der Regel zwei erweiternde Einträge auf dem Display die man sich ergänzend zum Hauptartikel noch vorspielen lassen kann,  darunter auch Aussagen von Historikern im englischen Original.
Der Weg führt zunächst nach rechts weiter zum recht neuen Visitor Center, einem kleinen Museum mit Kaffee und den obligatorischen Picknickplätzen. Im Visitor Center kann man sich über Vorgänge die zur Schlacht führten von normannischer und angelsächsischer Seite nähern und auch die Bewaffnung mal anfassen. Zudem gibt es alle 20 Minuten einen Film zur Schlacht der man durchaus bekannte grün rote Schilde sehen kann.  Alles in allem klein aber attraktiv.

Der weiter Weg führt nun nach Süden in Richtung des Schlachtfeldes. Hier, an der Terrasse knapp unterhalb der Abteigebäude hat man nun die Wahl ob man über das Schlachtfeld laufen möchte oder nur den kurzen Weg über die Abtei nimmt. Natürlich entschied ich mich für den langen Weg über das Schlachtfeld.
Dieser führt hinab zum New Pond, einem Fischteich neueren Datums (vor 1840) in der Talsenke. Obwohl der Seerosen bestandene Fischteich die Optik der Senke verändert kann man sehr gut erahnen wie feucht und sumpfig diese Senke einst gewesen sein muss und bei Regen auch immer noch ist.
Zwar vermerkt der Führer das im Oktober 1066 wahrscheinlich eher feucht war, geht jedoch davon aus das die sumpfige Senke kein ernstes Hindernis für die Normannen war. Das mag bei einfacher Durchquerung stimmen, aber die Normannen stürmten mehrfach die Anhöhe hinauf und kamen immer wieder zur Senke hinab und obwohl gut gefettete Wendeschuhe im Morast immer noch besser sind als Turnschuhe dürfte es doch unbehaglich und Anstrengend gewesen sein, um es zurückhalten auszudrücken.

Vorbei an den klösterlichen Fischteichen führt der Weg nun wieder die Anhöhe hinauf. Hier bei den Fischteichen hat man in etwa die Mitte des Schlachtfeldes erreicht, obwohl sie im Vergleich zum Kloster etwas versetzt liegt. Die östliche Flanke des Schlachtfeldes, die von den Franco-Flamen besetzt wurde, befand sich weiter östlich über die Powder Mill Lane hinweg zur Straße Lower Lake.
Hier, auf Höhe der Fischteiche vermutet der Guide auch den Ort an dem Wilhelm seine Truppen wieder sammelte und sich den Truppen zu zeigen um dem Gerücht entgegen zu wirken er sei gefallen.

Auf halber höhe den Senlac hinauf trafen wir auf eine Schulklasse, die, in Schuluniformen und mit Stöcken bewaffnet, unter Anleitung ihres Lehrers ein miniatur Reenactment durchführte, wobei der Lehrer sich verzweifelt bemühte einen Schildwall zu erklären. Ohne Schilde ein recht aussichtsloses unterfangen. Gerne hätte ich mir in diesem Moment meine Normannenausrüstung herbeigewünscht um einmal, den Kids entgegen,unter Lauten altfranzösischem Kampfgeschrei den Hang hochzustürmen.

Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse
Blick auf die Battle Abbey mit reenactender Schulklasse

 

Weiter führt der Weg bis zur Terasse unterhalb der alten Latrinenanlage des Klosters. Hier erhält man einige, interessante Informationen zu Topographie, denn hier kann man es am besten nachvollziehen. Der Hang zum Senlac wirkt heute flacher und niedriger als zu Zeiten der Schlacht. Im oberen Bereich wurde der Hang stark terassiert um Platz für die Abtei zu schaffen. Daher beginnen die Gebäude bereits unterhalb des Plateaus, was den Hügel optisch stark verkleinert.
Eine weitere Terrasse findet sich auf halber Höhe des Senlac. Der Audioguide nennt als Grund für de Geländeveränderung die bessere Möglichkeit zur Bewirtschaftung mit Ackerbau und Viehzucht als Grund für die Terrasse. M.K.Lawson hingegen1 schließt nach einem Survey das der Heritage durchführte nicht aus das es sich ursprünglich um eine Grabenanlage gehandelt haben könnte, die die Angelsachsen in der Nacht vor der Schlacht errichtet hatten.

Blick von der oberesn Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.
Blick von der oberesten Terrasse ins Tal. Farblich erkennbar die Geländekannte die Teil eines Näherungshindernisses gewesen sein könnte.

So unterschiedlich die Meinungen erschienenen müssen sie sich jedoch nicht ausschließen. Es wäre durchaus denkbar das die Angelsachsen ein Erdwerk errichteten, welches später als Grundlage der Terrassierung diente.

links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage
links Dormitorium, im Vordergrund die Bögen der Latrinenalage

Hier oben  an der Terasse befinden sich die riesigen Bögen die einst die Latrinenalage trugen.  Zwischen dahinter liegender Außenmauer und Bögen fielen die Fäkalien hinab. Von Zeit zu Zeit musste sie von Außen durch die Bögen entfernt werden. Im Kloster Lorsch gab es eine ganz ähnliche, wenn auch kleinere, Anlage, die ich hier bereits einmal Visualisiert hatte.

Außer dem Dormitorium und Latrinenanlage ist nicht viel vom alten Glanz der Abtei erkennbar. Zwar besteht noch das Absthaus in dem sich heute eine Schule befindet, jedocht stammt dieses in seiner heutigen Form  in weiten Teilen aus dem 16. Jahrhundert als die Abtei in den Besitz Heinrichs VIII Stallmeister Sir Anthony Browne ging. Dementsprechend gleicht das Gebäude auch eher einem Tudor Manor als einem Kloster Gebäude.

Viel ist auch von der 1094 geweihten Abteikirche nicht geblieben. Lediglich die Krypta der Chorerweiterung aus dem 13. Jahrhundert ist erhalten. Die Grundrisse des übrigen Baus jedoch markiert. An der Stelle des Hochaltars soll sich der Ort befunden haben an dem König Harold II. starb, weshalb sich dort eine Platte mit folgender Inschrift befindet:

The tradition site of
the high altar of Battle Abbey
founded to commemorate
the victory of Duke William
on the 14 October 1066
The high altar was placed to mark
the spot where King Harold died

 

  1. In „The Battle of Hastings“ (2002) S.250 []

Old Minster Winchester

2011 schrieb ich bereits einmal über das Old Minster, der Vorgängerbau der heutigen Kathedrale von Winchester. Was mich damals antrieb war Übernahme karolingischer Bauformen, eines Westbaus oder Westwerks, in einen angelsächsischen Bau. Damals hatte ich nicht daran gedacht jemals vor der Kathedrale zu stehen
So dachte ich auch gar nicht mehr an das Old Minster als ich vor Ort war, denn meine Begleitung wollte die Kirche lediglich wegen Jane Austens Grab besuchen. Jedoch hatte ich etwas im Hinterkopf und als und tatsächlich lief ich an den markierten Grundmauern des Old Minsters vorbei. Leider gab es im Kirchenladen keine Literatur zum Old Minster weshalb ich mich nun noch einmal schlau gemacht. Zum Teil mit überraschenden Erkenntnissen.

WinchesterPlan
Plan der Befunde des Old Minster Winchester, Tafel vor den um Boden markierten Befunden

Zunächst aber musste ich feststellen das die Rekonstruktionen die ich seiner Zeit verlinkte ( Link1 und Link2 ) nicht alles wiedergeben, was sich dort eingezeichnet findet, bzw. auf den am Gehweg angebrachten Tafeln aufgeführt wird, bzw.  Zwischenstände die ich für beachtenswert halte nur kurz angeschnitten werden.
Dies hat mich dazu bewogen die einzelnen Bauphasen zu rekonstruieren, wobei ich entgegen den bestehen Rekonstruktionen einige wenige Veränderungen eingefügt habe. Dazu entsprechend im Text mehr.

Winchester1Bauphase I ca. 648
Im Jahr 648 erhält Birinus, der von Papst Honrius zur Missionierung nach England geschickt worden war, von König Cenwalh von Wessex den Auftrag in Winchester in direktem Umfeld des königlichen Palastes ein Münster zu errichten. Zuvor hatte Birinus bereits im 70km entfernten Dorcic (Dorchester-on-Themes), der ursprünglichen Hauptstadt Wessex, ein Bistum eingerichtet.
Mit dem Bau einer steinernen Kirche wurde der Sitz des Bistums nach Winchester verlegt. Falls es sich bei der Kirche in Dorcic nur um eine Holzkirche gehandelt haben sollte, wäre nun die neue Bischofskirche der erste steinerne Großbau seit dem Abzug der Römer in Britanien.

Birinus lies einen 72 Fuß langen, einschiffigen Saalbau errichten. Anstelle eines Querhauses besaß der Bau zwei quadratische Annexe, von denen der nördliche wahrscheinlich ein Taufbecken beherbergte. Unklar scheint zu sein ob der Bau bereits von Anfang an eine eingezogene Rechteckapsis besaß oder an ihrer Stelle sich zunächst lediglich eine weniger als halb so tiefe Nische befand. Die Steine für den Bau bezog Birinius aus den Resten des römischen Winchester. Beim Bau kamen möglicherweise Franken zum Einsatz die Brinius vom Festland holte.

 

Winchester2Bauphase II ca. 725-750

In dieser Zeit wird der Kirche ein Torbau mit darüber liegender St. Martinskapelle vorgelagert, der von der Kirche in etwa genauso weit entfernt ist wie das Kirchenschiff lang ist.  Der Torbau trennt Palast- und Kirchenbezirk voneinander, ist aber noch weitaus bemerkenswerter!

Ich erinnere dazu an diesen Artikel von mir und erinnere explizit an Lorsch und andere Torhallen im fränkischen Reich ! Es scheint als habe man in Wessex ebenfalls, oder beeinflusst durch die Franken und/oder Rom ebenfalls Torkapellen genutzt um hier ein höfisches Empfangsritual durchzuführen!

In mir bekannten Rekonstruktionen wird diese Torhalle, oder Torturm, meist als steilaufragender Turm dargstellt, begündet aus der lateinischen Angabe „turre“. Absichtlich bin ich davon abgekommen und habe eine flachere Halle dargestellt, da ich diese im vorangegangenen Kontext sinniger finde, zumal „turre“ nicht zwingend eine Turm im echten Sinne sein muss, sondern lediglich die Mehrstöckigkeit andeutet.

852 wird der Lord High Chancellor Königs Egbert von Wessex und Tutor Æthelwulfs und Alfreds des Großen Swithin Bischof von Winchester. Swithin erfreut sich großer Beliebtheit. Als er 862 starb,  verfügte er man möge ihn im Hof der Kirche bestatten wo sein Grab vom „süßen Regen des Himmels“ benetzt wurde. So wurde er im Hof zwischen Kirche und Torbau beigesetzt.

Sein Grab wurde schnell zur Pilgerstätte und Swithin als Heiliger verehrt. Dies sollte sich auch auf die weitere Entwicklung der Kirche auswirken.

Unter der Herrschaft Alfreds des Großen (+899) wird Winchester Teil des Systems der Burghal Hidage, befestigterAnlagen die der Verteidigung und als Rückzugspunkte gegen die einfallenden Wikinger dienen.

Nach Alfreds tot wurde dieser zunächst im Old Minster beigesetzt. Eduard der Ältere, Alfreds Sohn, lies für seinen Vater jedoch direkt neben dem Old Minster eine weitere Kirche, das New Minster, errichten in das die Überreste 901 überführt werden. Die Kirchen lagen snur wenige Meter voneinander entfernt so das die Gesänge der Mönche sich gegenseitig störten.

Winchester3Bauphase III 903-971

Das Kirchenschiff erhält nun zwei Anbauten die ebenfalls an ein Querschiff erinnern, jedoch wieder ohne es zu sein.  Es ist ein schmaler Gang der aus dem Gebäude führt und an den sich jeweils 3 Räume anschließen.  Trotz langen Überlegens fiel mir hierzu nichts vergleichbares ein. Möglicherweise diente die Räume ja Schreibern oder einer Hofschule.

Im Hof liegt nun markiert das Grab Swithins.

In diesen Zeitraum fallen einige der intensivsten Kontakte mit den beiden  fränkischen Reichen.  Um 919 heiratete der Westfranke Karl III.  Eadgifu , die Tochter Eduards I. von Wessex und Enkelin Alfreds des Großen. Ostfranken und der noch jungen Herrschaft der Luidolfinger konnten dem nicht Nachstehen. So heiratete Otto I, Eadgifus jüngere Schwester Edgitha. Zu dem haben Westfranken und Engländer einen gemeinsamen Feind: die Dänen.


Winchester4Bauphase IV 971-975

Der Bau des nördlich liegenden New Minsters führt zum Konkurenzkampf der beiden Kirchen. Das Old Minster errichtet nun einen Turm über dem Grab Swithins, der auf einer kreuzförmigen Basis ruht. Die Balken des Kreuzes sind nach Norden und Süden mit riesigen Konchen abgeschlossen. Die Torhallebildet nun das Eingangsportal der Kirche.

Das New Minster zieht nach und baut in den 980ern  einen 6 stöckigen Turm, der mit Figuren im Winchester Stil geschmückt ist.

 

Winchester5Bauphase V 975-980

Die Conchen-Anlage fällt aber schnell der Bauwut zum Opfer. Wobei einigige Mauern, wie etwa die Westwand, weiterverwendet werden. Mögliche wäre auch eine Erhöhung des Turms, dessen Höhe mit 100 Fuss angegeben wird.

Die Torhalle wird in das Gebäude, mit nun quadratischem Grundriss, integriert, Ihr zur Seite werden zwei Türme gestellt.  Ganz ähnlich wie es im fränkischen Corvey geschah , wo  ebenfalls eine Torhalle überbaut wurde.

Gewollt oder zufällig erreichte man die Optik eines Westwerks.


Winchester6aBauphase VI 980-992/4

In der letzten Bauphase erhält die Kathedrale einen neuen Chor und wird somit verlängert. Aber auch weitere Umbauten, wie etwa die Entstehung eines marmornen Baptysteriums werden vorgenommen. Der Chor wird im Vergleich zum Vorgänger angehoben und erhält eine Krypta. Ein Querhaus mit Conchen wird erbaut und darüber ein 5 stufiger Glockenturm.

Bis zum Eintreffen der Normannen bleibt diese Kirche bestehen und dient vielen Königen als Grablege. 1093 beginnt der normannische Bischof Walkelin mit dem Neubau einer Kathedrale im normanno-romanischen Stil südlich des Old Minsters. Nur der der südliche Turm des Westbaus wird als Nordturm integriert. Die Gebeine der im Oldminster begrabenen Könige von Wessex und England, der Bischöfe und nicht zuletzt Swithin werden in die neue Kathedrale überführt.  Das New Minster wird ebenfalls abgerissen und die Mönche nach Hyde Mead, nördlich der Stadtmauer vertrieben. Das neue Langhaus der normannischen Kathedrale ist allein nun so groß wir die das gesamte Old Minster. Vom normannischen Bau ist allerdings heute auch nur noch das Querhaus erhalten, der Rest wurde im Stil der Gotik umgebaut. Winchester ist unter den Normannen auch  nicht länger Hauptstadt Englands, sie verlegen diese nach London.  Der letzte König der in Winchester beigesetzt wird ist Wilhelm II. Rufus, Sohn von Wilhelm dem Erober, der im nahen New Forrest bei der Jagd von einem Pfeil getroffen wurde.

Buchveröffentlichung: Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim

ingelheimWer sich Literatur über die Pfalz Ingelheim zulegen wollte, war bislang auf Einzelveröffentlichung wie „Die Grabungen in der Königspfalz zu Nieder-Ingelheim in den Jahren 1960-1970“, Sammelveröffentlichungen wie Bindings „Deutsche Königspfalzen“ oder schwere Fachliteratur wie „Pfalz und Fiskus Ingelheim“ angewiesen.
Im Karlsjahr 2014 wurde dies mit der Veröffentlichung „Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung“ aus dem Imhofverlag behoben.
Als Herausgeber der im Auftrag der Stadt Ingelheim erschienen Publikation fungiert Forschungsleiter Holger Grewe M.A., der auch die meisten der Beiträge beisteuert.

Das im A4 Format vorliegende 143 Seiten fassende Buch gliedert sich in fünf Abschnitte: Teil I Spurensuche in der Schriftüberlieferung , Teil bildet „Spurensuche in der Kaiserpfalz“ und befasst sich mit Archäologie, Bauskulptur und final mit der Goldmnünze Karls des Großen. Als dritter Teil folgt „Metarmophosen: Palast- Ruine -Denkmal“ und folgt Pfalzanlage bis in die Gegenwart. Als vierter Teil folgt „Entdeckungen: Ausgrabung und Bauforschung“. Hier wird die Wiederentdeckung der Anlage ab dem 16. Jahrhundert und die ersten Ausgrabungen behandelt, wobei die Erwähnung einer Brechstange im zweiten Unterkapitel bereits ahnen lässt wohin der Weg führt.
Der letzte Abschnitt trägt den Titel „Spurensuche in der Gegenwart“. Gerade in diesem Teil weiß mich das Buch zu überzeugen und erläutert Fragen wie etwa warum nicht die Pfalz oder Teile davon wiederaufgebaut wird und wie während Sanierung vorgegangen wird.
Gerade dieser Abschnitt sollte doch von vielen gelesen werden die in einem Denkmalgebiet leben. Aber auch sonst sind diese Beiträge höchst interessant vermitteln sie doch wie sich die Auffassung von Archäologie und Wissensvermittlung geändert haben.

Das Buch ist generell gut zu lesen, auch wenn die Texte dem ungeübten in der Materie hin und wieder ein wenig kompliziert vorkommen könnten, so etwa wenn Caspar Ehlers über einen Hoftag eher beiläufig erwähnt das er unter den Begriffen synodus und auch generalis conventus auftaucht. In der Regel hält man sich jedoch daran Begriffe zu erläutern, so findet sich dann auch hinter „Dreikonchenbau“ der in Klammern gesetzte Einschub mit der Erläuterung was denn überhaupt eine Konche ist.
Viele, auch großformatige, Farbbilder erläutern die dargestellte Materie, auch wenn man wohl die meisten der Bilder bereits kennt wenn man in der Materie ist.

Zwar richtet sich das Buch, wie bereits angedeutet, eher an den interessierten, denn den versierten Leser, ist aber jedem nahe zu legen der sich für die Geschichte und die Architektur der Pfalz Ingelheim interessiert. Zumal man so kompakt die Informationen nicht noch einmal bekommt.

Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung
Holger Grewe (Hg), Michael Imhhof Verlag
ISBN 978-3-7319-0074-0
19,95€
 

Eine Quick-and-Dirty Rekonstruktion der Johanniskirche

Nach meinem Besuch hat mich die Johanniskirche nicht losgelassen, zu unterschiedlich sind die Raumeindrücke im Urzustand und heute. Ich habe daher eine schnelle Reko angefertigt. Sie achtet nicht wirklich auf die Bemaßung und ist nur Pi mal Daumen erstellt, versucht aber sich an die Vorgaben zu halten.
Ich habe mich dabei entschieden auch Krypta und Chorbereich einzufügen. Vorlage war dabei ein Text von Frau Mechthild Schulze-Dörrlamm, die sich hier findet. Schulze-Dörlamm stellt dabei die Frage ob es sich bei der Darstellung auf der Chorschranke aus dem alten Dom nicht um eine Architekturdarstellung des Altarbereichs handelt. Ich habe mich dabei entsprechend an ihre Vorlage gehalten.

Was den Chor angeht so ist man sich (noch) nicht einig wie er aussah. Ich folge hierbei von Winterfeld und Anderen, die den heutigen Chor, der entgegen gotischer Gepflogenheiten in der Region fast quadratisch ist, als Fortführung eines karolingischen Rechteckchores sehen. Die Andere Schiene geht etwa Wegener (1988), der einen Halbkreischor vermutet.

Der Betrachter im Bild steht in der Vorhalle und blickt durch den Bogen in das ca. 13 x 13m große Schiff und weiter zur fast gleichgroßen Vierung in die die Krypta hineinragt. Die Eingänge in die Krypta führen aus dem Querhaus hinunter etwa dort wo die Treppen hinauf führen.  Die Positionierung der Krypta versucht somit Befund der potentiellen Kryptentür und der Idee von Schulze-Dörlamm gerecht zu werden.

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Ein Besuch der Grabungen in der Johanniskirche Mainz

Eigentlich hätte es nur ein kleine Grabung werden sollen als bei der Sanierung im Juni 2013 in der Mainzer Johanniskirche, dem alten Dom, einige Mauerreste auftauchten. 3 Wochen waren angesetzt doch nun gräbt man seit über einem Jahr.

Am vergangenen Wochenende nun konnte ich mich gemeinsam mit Terraplana e.V. über den momentanen Stand der Grabungen informieren. Die Führung übernahm Grabungsleiter Dr. Ronald Knöchlein von der Direktion Landesarchäologie Mainz.

Betritt man im Moment die Jaohanniskirche, gleicht diese mehr einem im Bau befindlichen Schwimmbad. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man vor der knapp 2m tiefen Baugrube im Inneren steht und man kann erahnen was noch alles hier zu tun ist.
Dr. Knöchlein begann seine Ausführungen mit dem Hintergrund zur Johanniskirche. Es ist zu vermuten das sie sich auf dem Areal befinden auf dem in römischer Zeit das Forum lag. Wann hier eine erste Kirche entstand ist ungewiss, sicher aber gab es eine unter Bischof Sidonius im 6. Jahrhunder, wenn auch unklar ist ober eine bestehende Bischofskirche sanierte oder neu erbauen lies. Diese Kathedralkirche, wie der heutige Dom ebenfalls dem fränkischen Staatsheiligen Martin geweiht, war Teil einer Kirchenfamilie die durch eine Marienkirche im Norden (am heutigen Gutenbergplatz gelegen) und einer Taufkirche, deren Position unbekannt ist, kompetiert wurde. Es ist zu vermuten das die Taufkirche Johannes dem Täufer geweiht war. Nachdem der neue Dom dem heiligen Martin geweiht wurde erhielt der alte Dom das Patronizium der Taufkirche. Auch die Marienkirche wurde aufgegeben und durch die Liebfrauenkirche (auch Maria ad gradus, Mariengreden) als Vorkirche des neuen Doms ersetzt.

Die Bauteile die wir heute noch sehen können stammen größtenteils aus der Zeit Bischof Hattos und somit aus dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert. Sie werden als Bau II, bezeichnet während die fränkische Vorgängerkirche als Bau I bezeichnet wird.

Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Der Raumeindruck den die heutige Johanniskirche bis vor kurzem vermittelte war ein Eigenartiger. Ungewöhnlich breit erschien das Kirchenschiff, zu breit für die Höhe. Dabei aber auch wieder zu hoch für die niedrigen, vermauerten Arkaden, die, gedrungen wie sich darstellten einen hochromanischen Eindruck hinterließen. Oder kurz gesagt: irgendwas stimmte hier nicht mit den Dimensionen.
Das da was nicht stimmte war auch schon anderen aufgefallen, weshalb man davon ausging das der ursprüngliche Laufhorizont tiefer liegen musste. Doch das die Pfeiler fast noch einmal so tief in den Boden reichten, wie sie darüber lagen ahnte fast niemand, obwohl Kautsch bereits 1909 von einem 2,65m tiefer liegenden Laufhorizont ausging.

Im Kirchenschiff, gleich links der Vorhalle die ehemals einen Ostchor bildetet, fand sich im Langhaus ein Altarsockel im Boden der in knapp 2m tiefe auf einem Plattenboden aus dem 12./13. Jahrhundert stand. Noch ein kleines Stück darunter war dann an der Wand endlich die Basis der Pfeiler von Bau II. erreicht. Doch auch noch darunter fand sich ein Boden, wohl von Bau I. Man hatte also den ursprünglichen Boden des Hattobaus erreicht. Und ohne die Auffüllungen in der Kirche wirkt nun der Raum vollkommen anders. Die niedrigen Arkaden wachsen nun in ungeahnte Höhen und wirken nun Schlank und filigran.

Auch der Chor brachte Überraschungen. Der gotische Chor war mit Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg verfüllt unter dem man den gotischen Boden fand. Diesem fehlten aber die rechteckigen Sandsteinplatten, die ihn einst bedeckten. Sie hatten jedoch im Mörtel sichtbare Abdrücke hinterlassen. Einer dieser Abdrücke war jedoch besonders. Er zeigte den Abdruck einer mit Flechtwerk verzierten Chorschranke, der zu jener passte die bereits 1906 gefunden worden war. Ein Chorabschluss konnte jedoch bis jetzt nicht gefunden werden. Wie also der Westchor der Kirche aussah muss also zunächst offenbleiben. Die Vermutungen pendeln zwischen halbrunder Apsis und Rechteckchor, wobei viele dem Rechteckchor den Vorzug geben da sich so der eigenwillige gotische Chor erklären ließe.

Unser Weg führte uns nun durch die ehemaligen Seitenschiffe ins Frei und nun wieder in die Kellerräume der Kirche, von wo aus auch die Baugrube zu erreichen ist. Der Weg führte uns in einen kleinen Seitenraum, der ehemals für Öltanks genutzt wurde. Hier konnte man nun die bereits erwähnte karolingische Säulenbasis sehen, die im Gegensatz zur Kirchenschiffseite noch voll plastisch ausgeformt war.

Zwischen Langhauswand und Außenmauer, die ebenfalls auf den Mauern von Hattos Seitenschiffen aufbaut befinden sich die Reste einer weiteren Mauer. Sie ist in ihrer Mauertechnik ähnlich fein säuberlich wie römische Mauern aufgebaut, ihrem Mörtel fehlt jedoch der typische Ziegelklein. Die Mauer ist Bau I des Sindonius zuzuordnen. Direkt an die Mauer angelehnt fand sich eine gemauerte Grabkammer in der einst ein Holzsarg lag. Die hier bestatte Person muss hochgestellt gewesen sein, war jedoch bis auf ein undefinierbares Stück Metall auf dem Oberarm beigabenlos.

Am Eingang in den Kellerbereich findet sich noch ein weiteres Schmankerl. Knapp über dem heutigen Boden befindet sich der Bogen eines Durchganges in der Wand, der in oder unter den Altarraum führen würde. Es wird vermutet das es sich um den Zugang in eine Krypta handelt. Zur Zeit wird hier am Gewände des Durchgangs nach unten gegraben, in der Hoffnung auf die Treppen der Krypta zu stoßen.

Leider vergaß ich Herrn Dr. Knöchlein über die Westung der Kirche zu fragen, denn genau wie der heutige Dom ist auch die Johanniskirche gewestet. Im Regelfall befindet sich die Krypta jedoch unter dem Hauptaltar, was bedeuten würde das auch die Johanniskirche bzw. der alte Dom gewestet gewesen wäre.Dies wiederum würde der Vermutung Willigis habe den neuen Dom gewestet um ihn Alt-St. Peter in Rom ähnlich werden zu lassen. Er hätte ihn also nur gewestet um in der Tradition des Vorgängerbaus zu stehen.

Im Anschluß gingen wir mit Herrn Dr. Knöchlein noch essen, wobei mir eines nicht aus dem Kopf ging. Als wir in der Kirche waren und ich den ursprünglichen Zustand vor meinem inneren Auge rekonstruierte, fielen mir immer mehr Parallelen den Bauten Hattos auf der Reichenau auf. Allen voran die ausgeschiedene Vierung. Ich Sprach Dr. Knöchlein darauf an und tatsächlich sind es diese Parallelen die es den Historikern erlauben den Bau Hatto zu zuzuordnen, denn entsprechende archäologische Funde gibt es bisher leider nicht. Die Füllschichten waren bisher frei von jeglichen Scherben. Aber das könnte sich noch ändern!
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat beschlossen das Bodennivau auf das des 12. Jahrhunderts abzusenken um so den ursprünglichen Raumeindruck wieder herzustellen. Für Dr. Knöchlein bedeutet das noch eine ganze Menge Arbeit und wahrscheinlich auch noch einige überraschende Funde. Wir dürfen gespannt sein.

Hier findet sich eine Bildergalerie (Bei Facebook)

St. Georg Reichenau

georgDie wohl bekannteste Kirche der Insel Reichenau ist die St. Georgskirche.
Der St. Gallener Mönch Notker berichtet uns das Abt Hatto III. von der Reichenau, auch Bischof von Mainz, St. Georgs Reliquien aus Rom mitbrachte und dafür ein neues Kloster Schuf. Zwar ist die genaue Jahreszahl nicht überliefert, es gilt jedoch sicher das dies im Zusammenhang mit Arnulfs Kaiserkrönung 896 zu sehen ist.1

Eine weitere Auskunft zur Datierung der St. Georgs Kirche trägt eine Notiz des Zürcher Martyriologium bei, in dem die Weihe als „Hathozelle“ für einen 18. November , der Octtavia Martini, verzeichnet. Der Name Hathozelle und das Datum mit Bezug zum Heiligen Martin führen wiederum nach Mainz und zu Bischof Hatto.

Was die Kirche aber so interessant macht sind ihre Malereien. Zwischen 1879 und 1881 wurden die Wandmalereien freigelegt und zugleich begann die Frage der Datierung. Man brachte die Darstellungen mit dem Evangeliar Ottos III. in Verbindung und somit ins Ende des 10. Jahrhunderts. Jedoch regten sich auch Stimmen die die Malereien ins späte 9. Jahrhundert datierten ohne dies aber weiter zu begründen. Erst 1979 kam es dann zu neuen Datierungsversuchen durch Koichi Koshi. Koshi daierte die Malereien in die Zeit um 888, dem Amtsantritt Hatto III. in Mainz, und begründete dies unter Anderem mit der Idee das die Malereien vor dem Erhalt der Georgsreliqiuen ausgeführt wurden, denn sie enthalten keinerlei Bezug auf den heiligen Georg. Doch hier wird entgegen gehalten, dass dies nicht zwingen notwendig sei, zumal erste Bilderzeugnisse der Georgslegende aus dem byzantinischen 11. Jahrhundert stammen. Und so dauert die Diskussion um die Datierung noch immer an und Dörthe Jakobs geht in Die Wandmalereien von St. Georg in Reichenau-Oberzell von einer Datierung von 925 bis 945 aus. Ich für meinen bescheidenen Teil kann lediglich auf die wenigen Personen in den Malereien hinweisen die keine Kleidung aus antiken Vorbildern tragen, sondern die zeitgenössische gekleidet sind. Es sind einige Herren in der Erweckungsszene des Jünglings von Nain und der Heilung des Blingeborenen. Diese Ähneln den schon bekannten Kleidungsstilen die wir aus der gesamten Karolingerzeit kennen: Knielange Tunika mit engen Ärmeln, Besatz im Halsbereich und ein zentraler Streifen über die Brust hinunter zum Saum, ähnlich den bekannten Abbildungen aus dem Stuttgarter Psalter. Eine fast identische Abbildung findet sich in der Sylvesterkapelle in Goldbach, die auch auf die Hand Reichenauer Maler zurückgeht.

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Die Untersuchung der Malereien enthüllte auch in Teilen die Bautechnik. Nachdem das Langhaus aufgemnauert war begann man von oben herab mit dem Verputzen mit Kalkmörtel. Dabei wurde das Gerüst abgesägt und die Gerüstlöcher übeputzt. Es findet sich alle 150 bis 165cm eine Putznaht, die in etwa der Gerüsthöhe entsprechen sollte. Erst als der Verputz abgetrocknet war wurde die Bemalung aufgetragen. Eine sogenannte Secco Technik. Doch die Bemalung scheint nicht einheitlich erfolgt zu sein, bzw. sie wurde nach ihrem Entstehen noch verändert. So wurden die Schriftbänder unter den Wunderbildern verändert. Die ältere Form ist an einem „A“ zu erkennen, deren „-“ durch ein „v“ ersetzt ist. Es verläuft also kein gerader Stich durch das A sondern ein v. In der späteren Version ist ein einfaches A zu sehen. Diese und ähnliche Beobachtungen führen zu unterschiedlichen Datierungen.

Interessant ist auch die Thematik der 8 Bilder. Von Norden verlaufen die Bilder von West nach Ost in folgender Reihenfolge: Die Heilung des Besessenen von Gerasa, Die Heilung eines Wassersüchtigen, Die Beruhigung des Sturms auf dem See Genezareth, Die Heilung des Blindgeborenen. Im Süden, von West nach Ost:  Auferweckung des Lazarus, Auferweckung der Tochter des Jairus, Erweckung eines jungen Mannes in Nain, Die Heilung eines Aussätzigen.

Die Bilder von Wundererzählungen sind thematisch geordnet. Auf der Südseite dominiert die Auferstehung von Toten. Kein Wunder, denn auf der Aussenseite der Südmauer lag der Friedhof! Und auf der Südseite? Dort dominiert, nicht ganz offensichtich, bis auf den See Genezareth, das Wasser (Jesus heilte den Blingeborenen mit Spucke=Wasser). Und auf der Nordseite liegt der Bodensee!

Die Kirche enthält auch Malereien aus späteren Jahrhunderten, so etwa den Mittelhochdeutschen Spruch über die geschwätzigen Weiber, deren Geschwätz auf keine Kuhhaut passt (Im Bild unten rechts zu erkennen). Wohl eine Ermahnung für den predigten Priester nicht allzu sehr auszuschweifen.

Die Baugestallt der Kirche hat sich jedoch seit der Zeit ihrer Erbauung stark verändert.  Die Ursprüngliche Kirche besaß ürsprünglich einen Triconchos, also statt eines Querhauss zwei Apsiden nach Nord und Süd, sowie eine Apsis nach Osten. Teile der Nord und Süd Apsiden sind noch im inneren erkennbar, die Hauptapsis wurde jedoch zugunsten eines Rechteckchores niedergelegt, wobei auch die Nord- und Südapsiden umgebaut wurden. Von außen ist von diesen nichts mehr zu erkennen da hier das Dach der Seitenschiffe weiter geführt wurde. Um 1000 wurde im Westen eine halbrunde Apsis angefügt, wohl zum öffentlichen Zeigen der Georgsreliquien. Im 11. Jahrhundert wurde eine niedrige Vorhallle an die Westapsis angefügt über der dann später eine Kapelle eingerichtet wurde.

Noch vor einigen Jahren konnte die Kirche einfach besucht werden, doch die hohe Anzahl von Besuchern erzeugte ein Mikroklima das sich schädlich auf die Malereien auswirkte. Um diesem entgegenzuwirken wurde die Vorhalle zur Klimaschleuse umfunktioniert. Nur noch 2 mal am Tag (12:30 und 16:00Uhr) werden Besucher in die Vorhalle eingelassen. Die Türen schließen sich und erst dann wird die Tür in die Kirche geöffnet.

Mein Besuch in der Kirche galt natürlich hauptsächlich den Fresken. Ich wollte diese auch noch mal mit meinem Model der Laurentiuskirche abgleichen, da ich hier ja einige Inspirationen zog, auch wenn ich die Malerei stark runtergeschraubt habe. (Wir sind ja schließlich nicht die Reichenau!) Im übrigen fließe ich im Moment das 3D-Model, was eine riesen Fummelei bei den Texturen darstellt.

  1. Dörthe Jakobs Die Wandmalereien von St. Georg in Reichenau-Oberzell in Wandmalereien des frühen Mittelalters S.163 []

St. Maria und Markus Reichenau

St. Maria und Markus ist die Hauptkirche der der Klosterinsel Reichenau und zu allem Übel ist sie eine der wenigen Kirchen die mir gedanklich immer einen Knoten im Hirm beschert, denn das was bei anderen Kirchen untrügerische Zeichen ihrer Datierung sind ist in Maria und Markus alles andere als ein klares Zeichen.

Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Blick von der karolingischen Vierung in das Langhaus hin zum ottonischen Westbau
Die Geschichte der Kirche beginnt 724 als Abt Pirmin eine erste Holzkirche errichten lies. Ein einfacher Saal, der unter Arnfried, Abt der Reichenau und Bischof von Konstanz (736-746), in Stein ausgeführt, um fast die ganze länge erweitert und mit einer quadratischen Apsis versehen wurde. Soweit so normal. Abt Haito griff aber dann in die Vollen. Vor 816 lies er eine Kreuzförmige Kirche errichten. Der Typus der Kreuzkirche besteht aus einer Vierung auf der ein Turm aufsitzt, von dieser Vierung führen 4 fast gleichlange Schiffe fort. Diese Konstruktion bedingt eine quadratische Vierung die zur Stützung des darauf sitzenden Turmes ausgeschieden, also mit Bögen verstärkt sein muss. Da heute der Turm nicht mehr existiert besteht nur noch die ausgeschiedene Vierung und solche sind normalerweise ein untrügliches Zeichen der Ottonik… …nur eben nicht hier! Von diesem seltenen Bautypus gibt es nur noch 2 weitere Zeugnisse in Deutschland: Die im Paltiolum von Pfalzel errichtete Stiftskirche St Maria und die Reste der Vierungskirche in Neustadt am Main.

Bereits Haitos Nachfolger Erlebald toppt das ganze wieder: er verlängert das Langhaus um ein Joch und baut ein Westquerhaus, vor dem ein Eingangsportal mit Doppelturmanlage liegt. Eigentlich etwas das optisch an die klassische ottonische Bauweise erninnert, nur eben um 830! Die Frage ist allerdings ob es ein wirklich ein Westquerhaus war, denn schließlich sind nur die Abbruchspuren bekannt. Leider habe ich keinerlei Grabungspläne.
Der bekannte Walahfried Strabo macht aus dem Eingangsportal einen Rechteckchor (vielleicht auch Baptisterium?) und verlegt die Eingänge an die Westseite des Westquerhauses. Vor 946 wird dann hinter dem Chor in Anlehnung an die Grabeskirche in Jerusalem eine Rotunde errichtet die die neue Heilig Blut Reliquie beherbergt.

Abt Witigowo lässt dann vor 997 das Westquerhaus nieder reißen, und macht diesen Bauteil zur Verlängerung des Langhauses. Der kleine Westchor wird wieder Eingangsportal.Es entsteht danach ein Atrium vor Türmen und Eingangsportal. Dies Westlösung wird aber wieder durch Abt Berno (1008–1048) niedergerissen um erneut ein Westquerhaus zu errichten vor das ein Turm gesetzt wird, welcher nun wieder einen Westchor beherbergt für den Eingangsberreich werden links und rechts des Turmes Eingangsportale errichtet. In diesem Zustand befindet sich die Kirche fast heute noch. Nur der Chor wurde durch einen gotischen Chor ersetzt.

Für die eigentliche Wandlung der Kirche gibt es einige verständliche Gründe. So war Haito als Gesandter Karls des Großen 811 in Konstantinopel. Er kannte also um die Architektur byzantinischer Zentralbauten. Wahrscheinlich liegt hier der Grund für die Kreuzkirche.

830 erhält das Kloster Reliquien des heiligen Markus aus Venedig. Angeblich wurden die Reliquien zunächst geheim gehalten. Doch ganz so geheim kann es nicht gewesen sein, denn die Kirche bekam eine Doppelapsis, also zwei Apsiden nebeneinander! In der Regel etwas das man nur bei einer besonderen Reliquienverehrung macht.

In der Zeit Walahfried Strabos wächst das Kloster weiter, es wird zu einer der bedeutendsten Bibliotheken des Reiches und profitiert dabei auch von den Normanneneinfällen, denn Mönche der in Frankreich zerstörten Klöster. Mönche aus St. Martin in Tours etwa fliehen auf die Reichenau und prägen dort die Kunst der Buchmalerei nachhaltig. Auch beginnt die Verehrung der Markusreliquie zuzunehemen.
888 Wird die Kirche dann Grabkirche für den Abgesetzten Karl III.

Umbauten, wie etwa die Anbauten des Atriums liegen wahrscheinlich in Veränderungen von Messritus, Kanalisierung der Pilgerströme und ähnlichem.

Die Veränderungen durch Abt Berno sind in einem weiteren Kontext zu fassen. Berno hatte nicht nur die Kirche umbauen lassen, sondern wirkte im gesamten Klosterbereich und lies auch eine neue Pfalz für die Königsaufenthalte errichten (Über die wird noch zu schreiben sein).

St. Johannis Mainz – ein Fest für Archäologen

Über die Johanniskirche in Mainz hatte ich bei verschiedenen Gelegenheiten schon geschrieben. Durch das drunter und drüber bei mir habe ich aber die Entwicklung ein wenig verschlafen, denn in der Johanniskirche wurden einige bedeutende Funde gemacht.

Nachdem bei den Renovierungsarbeiten der letzten Zeit erste Funde gemacht werden konnten legten die Bauarbeiter die Spaten aus der Hand und für unbestimmte Zeit regieren nun die Werkzeuge der Archäologen unter der Leitung von Ronald Knöchlein im alten Dom.

Knöchlein hat sich zur Zeit etwa 3 Meter unter den heutigen Kirchenboden vorgearbeitet.  In dieser Schicht ist er auf ein karolingisches Grab aus der Zeit um 800  gestoßen und auf Mauern eines  Vorgängerbaus aus eben jener Zeit. Der Kirchenbau Hattos baute also auf älteren Bauten auf. Man stellt inzwischen sogar schon Theorien über einen möglichen römischen Tempel darunter auf und hat sich vorgenommen bis dorthin vorzustoßen.  Damit ist die Johanniskirche nun wohl der zweitälteste Kathedralbau Deutschlands nach dem Trierer Dom. Auch geplant ist die einen vermauerten Bogen zu öffnen, der früher im Keller zu sehen war und nun in einer Baugrube liegt. Man vermutet dahinter, bzw. darunter den Eingang in eine Gang- oder Hallenkrypta.

Hier eine kleine Linksammlung:

Der SWR (mit Videos), die Allgemeine Zeitung aus Mainz, die FAZ, der Deutschlandfunk, die Evangelische Kirche Reinhessen und auch archaeologie-mainz.de hat einen Pressespiegel

Ich muss noch mal die Brücke nach Trebur schlagen, wenn ich schon die Möglichkeit habe. Treburs Laurentiuskirche wird eher als „Kirchlein“ bezeichnet. Nicht ganz verwunderlich wenn man von einer Länge von ursprünglich knapp 25m ausgeht. Bedenkt man aber das eine ca.40 Jahre später Kathedrale im nahen Mainz „nur“ die doppelte länge von ca. 50m hatte, hebt es doch die Größe der Treburer Kirche. Zumal wenn man bedenkt das es sich „nur“ um eine (königliche) Kapelle handelt.