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Karolingische Königshöfe am Mittelrhein von Michael Gockel

Ich bin momentan fleißig am schreiben und Quellen aufarbeiten und bekanntermaßen ist Dr. Michael Gockel einer der wenigen die akkurat über Trebur schrieben . Und da finde ich bei der Uni Insbruck/ULB Tirol doch tatsächlich ein Digitalisat von Karolingische Königshöfe am Mittelrhein! Bei mir steht das Buch als Reprint schon lange im Regal aber wer sich für Königshöfe abseits der bekannteren Pfalzen interessiert, dem sei das Buch wärmstens ans Herz gelegt!

Leider hab ich auf die Schnelle keinen PDF download gefunden, daher hier der Link zur ersten Seite

Die Dinge die da kommen werden

Den Begriff „Dinge die da kommen werden“ hab ich bereits mehrfach verwendet, es ist allerdings eine Weile her das das letzte mal  tat. Stattdessen nahm ich mich dem Projekt Video an.

Während aber die Rechner so vor sich hin rechnen, und eine Animation, eine Bild nach dem andern rendert, habe ich das was da kommen mag so weit entwickelt , das ich es verkünden kann. Natürlich war der Deckname „Dinge die da kommen werden“  der Deckname für ein Buch das ich schreibe zum Thema Pfalz Trebur. Das ich es nicht beim Namen nannte, hatte einfach damit zu tun das ich mich nicht unter Druck setzten wollte. Am Wochenende führte ich die bis dahin bestehenden Einzeldokumenet in ein Globaldokument zusammen und bemerkte das ich bereits 85 Seiten bei einem ursprünglichen Minimum von 200 geplanten Seiten hatte. Somit entschloss ich mich nun hinter dem Berg vor zu kommen.

Wann es allerdings fertig sein wird und wo ich es veröffentlichen werde, steht noch in den Sternen. Es ist einfach noch zuviel zu machen. (allein Formatierung als Globaldokument hat mich 2 Tage gekostet)

Selbstverständlich basieren viele Sachen die in dem Buch stehen werden , auf denen die hier im Blog sind. Sie werden allerdings ergänzt, in eine andere Form gebracht, aktualisiert und was sonst noch so anfällt. Das heißt zum Beispiel das ich alle Urkunden noch einmal durchgehe. Zusätzlich noch Blicke auf alle erwähnten Personen- und Ortsnahmen werfen werde und schau ob sich hier etwas ergibt. Mittlerweile rechne ich mit 400 Seiten…

Trebur bei Marquard Freher (1599)

Ich habe mir neulich noch einmal alte Quellen zu Trebur angesehen, darunter auch solche die in Latein geschrieben waren und ich wohl in der Vergangenheit einfach zu faul war sie zu übersetzten. Darunter fällt auch Marquard Freher, Diplomat und Historiker aus Heidelberg. In seiner Origines Palatinae erwähnt er auch Trebur. Es sind nur wenige Zeilen, die fast nichts neues erbringen bis auf eines:  Zwar nennt er den Kaisersweiher und die Hofstatt (nisi quod pratum vicinum portae etiamnum a Curia nomen habet, et stagnum proximum, Caesarem dominum refert) doch lokalisiert er  die Pfalz nicht in der Hofstatt wie es mitunter später geschah! Stattdessen schreibt er, um die Besitzverhältnisse des Ortes zu erklären:

Auf einem erhöhten Punkt die Kirche, wo einst Schloss oder Sitz des Richters (castellum vel praetorium) waren, doch nun gehören Patronatsrechte und der Platz hier der Kirche von Mainz. Doch das Dorf ist hessisch (…)

Woher wusste Freher das? Vor Freher schrieb nur Trittenheim und Abraham Saur über Trebur und diese schreiben nichts in diese Richtung. Waren es alte überkommen Erzählungen?

Unerwartetes – Identifikation der Personen in der Ersterwähnungsurkunde Treburs

Im Moment habe ich mir nebenbei ein wenig Zeit abgekanpst um alte Sachen aufzuarbeiten und in eine ausführliche mit Quellen versehene Form zu bringen. Weil ich einige Gedanken hatte habe ich mich zunächst mit der Ersterwähnungsurkunde Treburs auseinander gesetzt. Der Volltext dazu findet sich in deutscher Übersetzung hier!

Zunächst fand ich endlich auf Google Maps den in der Urkunde erwähnten Ort „Foncouverte“. Es handelt sich dabei, recht profan, um das heutige Fontcouverte im Tal der Aude zwischen Narbonne und Carcasonne.  (Auf Google Maps)

Nun packte mich der Ehrgeiz und ich wollte herausfinden ob ich etwas mehr über die genannten Personen Suniefredus und dessen Vater Borellus herausfinden konnte. Da es sich Bei Suniefredus oder Sunifred um einen fränkischen Namen handelt nam ich als Angriffspunkt den namen des Vaters Borellus, der sich mir nicht erschloss.

Fündig wurde ich schließlich in „Hispano-romanisches Namenbuch: Untersuchung der Personennamen vorrömische, griechischer, und lateinisch-romanischer Ethymologie auf der Iberischen Halbinsel im Mittelalter (6.-12. Jahrhundert)“ von Lidia Becker (Google Books).

Hier wird Borellus aufgeführt und vom Adjektiv „burellus“ rötlich abgeleitet mit der Bedeutung „rot im Gesicht vom Alkoholgebrauchs, betrunken“ . Ich suchte also nach einem iberischen Alkoholiker , wenn man so will. Aber das Namensbuch hatte noch einen weiteren Hinweis zu liefern:

Der PN (Personenname) wurde wohl vom  früh verstorbenen Graf von Barcelona Guifré II (897-911) in den dynastischen Namenschatz eingeführt.

Die logische Konsequenz die ich nun zog, war die Frage ob es bereits vor Guifré II., also vor 829 einen Grafen von Barcelona gab der den Namen Borellus führte und der einen Sohn mit dem fränkischen namen Sunifred hatte.  Und tatsächlich gab es den Grafen Borell von Osona, der als als Stammvater des späteren katalanisch-aragónesischen Herrscherhauses in Betracht gezogen wird. Der neueren Forschung nach soll er Vater des Sinifred I. Graf von Barcelona gewesen sein. Und woher wird das geschlossen? Aus eben der Treburer Urkunde! Das steht, wie ich sogar eben sehe auch auf Wikipedia, natürlich ohne die Erwähnung Treburs, sondern nur im Bezug auf eine namenlose Urkunde von 829.  (Wiki zu Sunifred und Borell)

Nun aber ergiebt alles Sinn! Bereits Borell hatte gegen die Mauren gekämpft, ebenso Sunifred. Ab 822 kam es immer wieder zu Überfällen von Sarazenen und Basken im Grenzgebiet. Zu dem kommt eine Furcht vor weiteren Überfällen die fast ins Paranoide umschlägt. Heere werden aufgestellt und wieder aufgelöst weil kein Feind weit und Breit ist, zu dem Versucht Ludwig der Fromme innere Missstände im Reich durch aussenden von Missi Herr zu werden und beruft in diesem Rahmen 2 Reichsversammlungen und vier Synoden in nur 2 Jahren ein. Auf der 2 Reichsversammlung in Worms taucht Sunifred auf und lässt sich seine Besitzungen bestätigen. Ludwig der Fromme und Sunifred kennen sich mit Sicherheit aus Ludwigs Zeit als König von Aquitanien. Man freute sich sich wiederzusehen und Ludwig lud Sunifred auf die Herbstjagd ein wor die Urkunde in Trebur unterzeichnete. Zudem brauchte Ludwig in der Grenzmark starke verbündete, denn das auftsellen immer neue Heere war auf die Dauer nicht durchzuhalten. Folglich bestätigte er die Väterliche Schenkung.

Mehr zu St. Stephan im Bezug zur Treburer Laurentiuskirche

Das Wochenende nutzte ich ein wenig um mich in die Literatur zu St. Stephan einzulesen. Leider ist archäologisch auch hier nicht viel getan worden. Bei Sanierungsarbeiten wurde mehr schlecht als recht einmal im Kirchenraum gegraben und dabei zwei Mauern aufgedeckt von denen man annahm sie gehörten zum ottonischen Ursprungsbau. Kurz danach wurde aber verlautbart sie seien römisch.  Einiger Bauschmuck der Kirche wurde gefunden, diese Funden lassen aber keine Rückschlüsse auf das eigentlich Aussehen zu. Zumindest wird er als sächsisch inspiriert angesehen, was als Hinweis auf Willigis Heimat in Sachsen angesehen wird. Ist also sehr viel Spekulation dabei.

Dieser Mangel an Information zeigt sich bereits bei  dem Westturm von St. Stephan. Wie in Trebur ist es nicht klar ob Alt-St. Stephan einen Westurm besaß, wie es heute der Fall ist. Der Turm von St. Laurentius  in Ahrweiler vom Ende des 13. Jahrhunderts könnte Pate gestanden haben für die noch heute existierende Turmananlage von St. Stephan.

Interessant sind dennoch die Informationen über das Westquerhaus., auf dem der heutige Turm aufsitzt.  Hierzu schreibt Ernst Coester:

Es handelt sich um den in den im Abschnitt über die Baunachrichten genannten „Eingangsbau mit , der nach Westen zu liegt“, und durch den, wie es in der Quelle heißt , „An Bittatgen Chor und Volk in Prozession einzuziehen pflegen“. In der Deutung des Ausdrucks Eingangsbau (porticus) hat sich in der Meinung von Klingenschmitt und Wilhelm-Kästner durchgesetzt, die ausgehend von der Ostanlage des Mainzer Doms und der Westanlage des Essener Münsters eine Anlage mit zwei zu Seiten des Westchores in die Seitenschiffe führende Eingänge für möglich halten.  (Ernst Coester, Baugeschichte und Künstlerische Stellung der St. Stephanskirche  S.413)

Da der Mauerrest der vor der Treburer Laurentiuskirche auf ein mögliche Planänderung des Baus hinweist, also das eigentliche Westchorjoch nicht ausgeführt wurde, finden sich bereits starke parallen von Trebur zu St. Stephan.  Die Türen im Treburer Westbau die jedoch im Befund nachgewiesen sind und sich noch heute vermauert unter dem Putz befinden führen von Nord und Süd in die Seitenschiffe des Westquerhauses. Ähnlich wie für St. Stephan angenommen. Das diese dort von Westen in das Gebäude führen ist höchst wahrscheinlich auf die veränderten Veränderten Größenverhältnisse von Trebur zu St. Stephan zurückzuführen. Während St. Steühan mehr als 60m lang ist, sind es in Trebur nur gute 25m.

Ich hatte bereits früher eine Involvierung des Willigis in den Umbau der Treburer Laurentiuskirche nicht ausgeschlossen. Die Begründung en hierfür sind simpel. Williges war zu Zeiten der Unmündigkeit Ottos III.  und nach dem Tode Teophanus 991 faktischer Regent des Reiches. Er musste also auch Sorge für die Pfalzen tragen. Diese Aufgabe teilte er mitunter mit Mathilde von Quedlinburg. Bis zu ihrem Tode war Mathilde im Besitz von Trebur, welches sie von Kaiserin Adelheid geschenkt bekam. In den Regionen in denen Adelheid keinen direkten Zugriff auf ihre Besitzungen hatte, wie dies im Oberrheingau der Fall war, übernahm Willigis für sie die Verwaltung.

Auch nach dem Heinrich IV. im Zusammenspiel mit Willigis in Mainz zum König gekrönt wurde war Willigis immer noch bis zu seinem Tode 1011 ein entscheidender Machtfaktor auf den Heinrich IV. angewiesen war. Willigis hätte also genug Möglichkeiten gehabt um in ein Treburer Baugeschehen planend einzugreifen.

Letztendlich machte die Entdeckung der Grundrissparallen es aber wahrscheinlicher das der ottonische Umbau der Laurentiuskirche Trebur bereits kurz nach dem Bau von St. Stephan (ca.990-992) stattfand. Ein Hinweis darauf könnte auch im Besuch Ottos III. liegen, der Trebur gemeinsam mit Herzog Boleslaw von Polen  zwischen dem 21. und 23. März des Jahres 1000 besuchte und hier im Gefolge von 300 Panzerreitern rastet. Es scheint als habe die Kirche hier bereits gestanden.

St. Stephan – das Mainzer Gegenstück zu St. Laurentius

Es war wieder einer dieser Zufälle der mich gestern Abend, während mein Rechner bereits 24 Stunden n einer Renderorgie schwelgte, eine Entdeckung machen lies.

St. Stephan in Mainz ist heute hauptsächlich durch seine blau leuchtenden Chagall-Fenster bekannt. Vielleicht noch das es sich um die älteste gotische Hallenkirch am Mittelrhein handelt oder vielleicht das der Erzbischof Willigis hier beigesetzt wurde.

Die Kirche selbst wurde, wie auch der Mainzer Dom, von Willigis erbaut. Möglicherweise mit Unterstützung bzw. auf Einwirkung Kaiserin Theophanus. Ersterwähnt wird Kirche und Stift erstmals 992. Ab 1275 wird die Kirche neu als gotische Hallenkirche aufgebaut.
Was ich bei meiner früheren Suche nach Kirchen mit Einwirkung Willigis nicht bedachte war der Fakt das auch die gotische Kirche den Grundrissen des Willigis Baus folgt. So hatte ich die Kirche links liegen gelassen.

Doch das ändert sich nun.
Von der Aufgehenden Bausubstanz ist keine ottonische erhalten, bzw. bekannt. Der Grundriss verrät aber eine dreischiffige Basilika, mit Querhaus und zusätzlichem Westquerhaus, das nicht über die breite der Seitenschiffe hinausreicht. Ebenso besaß die Kirche zwei Chöre.
Die Internetseite zur „virtuellen St. Stephans Kirche“ (Link am Ende) schreibt dazu:

Vermutlich handelte es sich um eine frühromanische Anlage mit einem dreischiffigen Querhaus, zwei Chören und zwei Querschiffen, deren Formensprache sowohl Merkmale aus Willigis‘ sächsischer Heimat als auch der am Rhein vorherrschenden antikisierenden karolingischen Überlieferung aufgegriffen hat.

Und warum fasziniert mich das so? Die Lösung bietet ein Bild. Ich habe darin ein Skizze von St. Stephan der Treburer Laurentiuskirche gegenüber gestellt. (Nicht Maßstabsgerecht!)
Ststephan

 

Beide Kirchen ähneln sich auf fast unnatürliche Weise! Sogar der Mauerrest vor dem westlichen Querhaus macht im Vergleich mit St. Stephan Sinn!  Der Hauptsächliche Unterschied liegt im Querhaus. Während es in der Laurentiuskirche nach nach frühchristlichem Vorbild durchgeschoben ist und auf den karolingischen Ursprungsbau verweist,  haben wir bei bei St. Stephan eine ausgeschiedene Vierung mit Bezügen zum quadratischen Schematismus. Oder um es einfach zu sagen: typisch ottonisch!

Wenn also die Regensburker Alte Kapelle und die Frankfurter Salvatorbasilika die karolingischen Geschwister der karolingischen Basilika von Trebur sind , ist St Stephan das ottonische Gegenstück!

Hier nun noch die Seite zur virtuellen St. Stephanskirche (Link führt auf die Seite mit dem Grundriss!)

HD Animationstest

Ein Animationstest in HD aus Standbildern und Gewitter Effekt. Es sind im Grunde alles nur 28 Einzelbilder und 3 Tonspuren. Konnte dabei eine Fehler bemerken die ich schon ausgebügelt habe.
So bekam ich auch die Frage ob der Lettner unverputzt sei. Ich versuchte aber darzustellen das das Mauerwerk unter einer Art Kalkputz hervorschimmerte. Scheinbar hat das nicht funktioniert und ich nehm das wieder raus. Wenn jemand irgend etwas auffallen sollte bitte ich darum es mit mitzuteilen!

Kapellen und der Theobald

Bum durchstöbern von des Buches „Die ottonische Stadt“ fiel mir eine Vielzahl von Kapellen auf, die sich mitunter in der ottonischen Stadt befinden konnten. So nennt Herzog Kapellen auf oder neben den Toren in den Immunitätsbezirk und nennt dazu u.a. Martinskapellen in Osnarbrück und Eichstätt, eine Laurentiuskapelle der Hablerstädter Domburg, aber auch eine Martinskapelle neben dem Osttor der Pfalz Goslar, die mir bisher unbekannt war.
Ebenso weist er auch auf Sitze der Kanoniker innerhalb dies Immunitätsbezirkes hin, deren Gebäude aller wohl mit einer Kapelle in der ein oder anderen Form ausgestattet waren, ebenso wie zahlreiche Adelssitze im Umfeld mit Kapellen.
Ganz zu schweigen von dem umgebenden Kirchenkranz aus Klöstern und etwaigen Marktkirchen.

Nun gibt es ja in Trebur immer noch das Gerücht einer weiteren Kapelle. Einer Theobaldskapelle. Einziger Haken an der Sache: Es gibt keinen Beweis einer solchen Kapelle, einzig ein Theobaldsfeld weist darauf hind, das heute überbaut und von der Theobaldsstraße durchzogen wurde. Der westliche Grabenabschnitt der das Dorf umgab wurde danach Theobaldsgraben genannt. Der Rheinische Antiquarius hingegen erwähnte einen anderen Namen der sich aber exakt auf Theobald bezieht:

Desgleichen findet man auch noch Kennzeichen von vier allda gestandenen Kirchen, als von St.Albani, St.Maria, dabey jetzt die St.Ewaldschule steht, und nach Rüsselsheim zu von St.Ewaldsfeld, imgleichen von der St.Laurenzkirche.

Die Schule hieß aber nie St. Ewaldsschule, nicht mal so ähnlich, sondern war immer nur die Knabenschule. Meiner Auffassung nach hatte der Autor mit dem lokalen Dialekt zu kämpfen und machte aus Theobald einen Ewald, was bei der hiesigen Neigung aus einem „b“ ein „w“ zu machen nicht schwer fällt.

Ich versuchte daher noch einmal alle Möglichkeiten für eine Theobaldskapelle durch zu spielen um zu erfahren ob diese ominöse Kapelle in einem Zusammenhang mit der ottonischen Stadtbildung in Zusammenhang steht. Mein Gedanken gingen dabei von Marktkirche bis zur Kapelle eines Adelshofes, ich konnte jedoch keinerlei Kontext bilden. Dies veranlasste mich dazu die potentielle Weihe zu überprüfen, also St. Theobald und St. Ewald.
Heilige Theobalde die grob passen könnten sind dabei Ubald von Gubbio (+1160), Thibaut von Provins (+1066), Thibaut von Vaux-de-Cernay (+1247) und Thibaud von Vienne (+1001). Sie stammten aus Italien (Ubald) oder aus Frankreich. Ihre Verehrung in unserem Teil des Reich hält sich in Grenzen und nur Thibaud von Vienne würde ins Zeitfenster passen.
Als Träger des Namens Ewald kommen nur Ewald der Schwarze und Ewald der Weiße in Frage. Zwei Angelsachsen deren Beinamen von ihrer Haarfarbe her rührt. Sie erlitten um 692 bei der Sachsenmission den Märtyrertod. Sie würden in den Zeitrahmen passen, jedoch beschränkte sich ihre Verehrung auf den Kölner und westfälischen Raum.

Die Prüfung sämtlicher Weihungen der Umgebung anhand von Barbara Demands „Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains“ verlief ebenso Negativ. Es finden und fanden sich keinerlei Ewalds oder Theobalds Weihungen in der Region.
Ich komme daher mehr den je zu dem Schluss das es gar keine Theobaldskapelle gab. Der Name Theobaldsfeld und Theobaldsgraben könnten daher her Verballhornungen eines vollkommen anderen Namens sein, oder aber nur besitzanzeigend sein. D.h. ein Theobald besaß dieses Feld und der Volksmund wies es später dem Heiligen gleichen namens zu.

Die ottonische Stadt und Trebur

Das der die dreieckige Marktform im Buch Die ottonische Stadt explizit in Herzogs „Die ottonische Stadt“  erwähnt wird hatte ich ja bereits geschrieben. Da sich das Buch auf Städte meist mit Bischofspfalzen, bezieht muss ein wenig zur „einfachen Pfalz“ differenziert werden. Herzog betont aber das die Unterschiede nicht wesentlich seien.
So haben wir zum einen die Pfalzanlage des Bischofs, auch ersetztbar durch die des Königs, mit einem vorgelagerten Platz vor den Hauptgebäuden. Im Falle eines Bischofs im Dombezirk der abgetrennt ist vom übrigen Umfeld, was vom baulichen mit der des Königs identisch ist.
Herzog schließt nicht aus das auch hier Handel getrieben wurde, aber wenn dann nur für herrschaftliche Zwecke.

Außerhalb dieses Bezirkes, der ja nicht im Niemandsland steht, sondern durch Handelswege erschlossen ist, befindet sich die Handelssiedlung, begünstigt durch den boomenden Handel in der Ottonenzeit. Sie wächst meist um eine Straßenkreuzung herum. Da diese in der Regel nicht zwingen rechtwinklig sind, entwickelt sich ein dreieckiger Markt.
Meine Theorie ist damit vollkommen bestätigt worden! Lediglich bei meinen Ideen zu Quedlinburg, die mich ja erst auf diesen Gedanken brachten , muss ich mich Teilen revidieren. Der dreieckige Markt lag bei der Kirche St.Blasii und ist heute kaum zu erkennen. Der Markt der heutigen Altstadt entstand dagegen später und war auf Grund des fehlenden Rathauses langestreckter in seiner Form.
Herzog bezeichnet diese Märkte als trichterförmig und setzt sie in das 11. Jahrhundert. Geht man von einer kontinuierlichen Entwicklung der Formensprache aus, so wären sie der Übergang zum langestreckten Straßenmarkt , wie er sich in der Zeit der Staufer findet und wie er auch in Trebur nachfolgte.
So kommt Herzog auch für Naumburg und Merseburg mit ihren quadratischen Märkten zu einer Zeit um 1140.

Somit haben wir bereits 2 Zentren in der ottonischen Stadt. Kaufmännisch und Herrschaftlich. Aber es gibt noch weitere. So gab es, meist zeitlich noch vor dem Dombezirk, eine nahgelegen bäuerliche Siedlung. Bei großen, bedeutenden Orten wie etwa Bamberg kamen dann noch Klöster hinzu. All diese zentralen Orte waren boten eigene Keimzellen für Zentren ein und derselben Stadt, die oftmals bereits in ottonischer oder salischer Zeit durch eine erste Stadtmauer umfasst und zu einer Stadt wurden.

Im heutigen Trebur selbst können wir daher noch 3 von vier dieser Zentren sehen. Zum einen der Platz vor der Laurentiuskirche der den Pfalzbezirk anzeigt, unweit davon der dreieckige Markt aus ottonischer Zeit, sowie das Zentrum einer Fischersiedlung weiter westlich im Bereich der Fischergasse. Ein Kloster gab es nicht. Heute nicht mehr sichtbar ist das Zentrum der offen gelassenen bäuerlichen Siedlung südlich des Schwarzbaches. Der Straßen Markt fällt auch nach Herzogs Maßstäben in staufische Zeit.
Eine Stadtwerdung in ottonischer oder salischer Zeit im Sinne einer allumfassenden Mauer fand in Trebur jedoch nicht mehr statt.