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Vexillum Sancti Martini – Das Banner der Franken

Ich habe ja eine gewisse Faszination für Reliquien – Reliquien als Zeitzeugen, also archäologisches Fundstück und zum Teil als Kuriosum.
Besonders interessieren mich aber die Reliquien des hl. Martin von Tours, da sie einen Teil der fränkischen Staatsreliquien bildeten und mein genau gesuchtes Objekt ist der Mante, der als Banner bei Feldzügen der Franken Verwendung gefunden haben soll.

Einziges interessantes Ergebnis in der Suche war bisher eine Reliquie aus Bussy-Saint-Martin  die mitunter als Mantel des hl. Martin ( hape de Saint-Martin) bezeichnet wird , aber tatsächlich das Fragment eines Polsterwamses ist  (Hier habe ich damals darüber geschrieben) 

Der Weg der „echten“ Mantelreliquie verliert sich zumindest über die Jahrhunderte und soll wohl durch die Hugenotten zerstört worden sein. Aber ich habe mich entschieden mal ein wenig zu bohren, auch weil es vielleicht einen neuen Blick auf Banner/Fahnen/Wimpel eröffnet.

Meine erster Gedanke in der Suche war die Frage woher der Mantel denn nun überhaupt stammen soll. Geht man davon aus die Mantelteilung trug sich wirklich so zu, teilte Martin seine Chlamys, den römischen Militärmantel,  334 in Amiens.

Nach der Vita von 395 die noch zu Lebzeiten Martins entstand wurde er 351 getauft und errichtete ab 361 das erste Kloster des Abendlandes. Daraus darf man vermuten das wohl erst nach 350 die Sache mit der Mantelteilung für die Öffentlichkeit überhaupt erst interessant wurde, wenn nicht sogar erst mit Entstehung der Vita. Das Martin oder oder die römische Armee den Rest des Mantels mehr als 20 Jahre lang im Schrank liegen ließ ist eher unwahrscheinlich. Martin dürfte schon bald nach dem Ereignis einen neuen Mantel besessen haben, und der Rest sollte eher den Weg eines Putzlumpens genommen haben, als fein säuberlich verwahrt zu werden.

Als er 397 starb,  hatte er in höchsten Kreisen verkehrt und bereits eine bedeutende Anhängerschaft angehäuft, wobei aber der richtige Martins-Boom erst durch Gregor von Tours einsetzte. Also nochmal 200 Jahre später.

Die Reliquie selbst taucht dann auch erst 682 unter Theuderich III.  als cappa domni Martini auf, über der Schwüre geleistet werden. 709 hatte der Hausmeier Grimoald der Jüngere Verfügungsgewalt  über die Reliquie und nutzte sie als Feldzeichen in Feldzügen, aber vielleicht hatte schon sein Vater Pippin der Mittlere sie für die Karolinger in Besitz genommen.

Verwalter der Reliquie unter karolingischer Herrschaft  waren wohl die Laienäbte von Tours, darunter so illustre Namen wie Vivian von Tours und Robert der Tapfere. Nach der Zerstörung der Abtei von Tours kam die Reliquie wahrscheinlich über Cormery nach St. Denis.  Wobei aber anzumerken ist das im Hochmittelalter jeder zweitklassige Graf in Frankreich ein Martinsbanner besessen zu haben scheint und es nicht wirklich feststellbar ist wer denn nun das Original besaß…

Letztendlich durch Robert  gelangte die Cappa in den Besitz der Kapetinger und wurde somit Teil des französischen Kronschatzes. Eine Theorie zur Namensgebung der Kapetinger leitet den Namen der Kapetinger übrigens  von der Mantelreliquie , der Cappa, ab.

Nun ist ein wenig Licht auf den Weg der Reliquie geworfen. Fragt sich nun woher die Reliquie kam die bei Theuderich auftauchte. Hier hilft mal wieder das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde weiter. Und mehr noch!

Demnach hatte Dagobert I. 629/39 die Grablege Martins restaurieren lassen und  sich wohl auch Reliquien einverleibt. Demnach ist die Cappa aber nicht der Mantel, die römische Chlamys, des Soldaten Martinus (Warum hätte auch ein Bischof damit bestattet werden sollen?) , sonder die palla sepulchri, das Grab- oder Sargtuch!!! Und jetzt wird es richtig interessant, wie ich finde.

Auch wenn man unter Grabtuch vielleicht sofort an das Grabtuch von Turin denken muss, kennen wir doch tatsächlich einige solcher Tücher die zu Verehrungszwecken Gräbern entnommen wurden. Eines der bekanntesten dürfte der Quadrigastoff sein, der aus dem Grab Karls des Großen stammen soll. Aber auch gerade aus unzähligen Bischofsgräbern kennt man solche Stoffe.

Und Martin von Tours war Bischof – und was für einer. Einer der der sich schon mal in Trier mit Kaiser Magnus Maximus anlegte. Er hatte also durchaus Einfluss und Zugang zu höchsten Kreisen. Selbst wenn er eher als Asket bekannt ist, so dürften es sich doch seine Anhänger, sein Bistum und Andere sich bei der Bestattung nicht zurückgenommen haben. (Schließlich konnte er sich nicht mehr wehren)

Schaut man sich etwa das Spätantike Grab 279 aus St. Maximin in Trier an (4./5. Jahrhundert) So findet man hier gemusterte Seidengewebe (Tunika) und feine Schleiergewebe (Grabtuch). Denkbar ist auch das der eigentlich Sarg Martins noch einmal mit einem Tuch bedeckt war, ähnlich einer Tischdecke. So oder so, sollte es sich dabei nicht um ein schnödes Tuch gehandelt haben. Es war wohl schon etwas aufwendiger, womöglich ein Seidengwebe wie ein gemusterter Damast (Sponsored by Kaisers?).

Natürlich wäre es möglich das die Schwüre die über der Cappa , einem einfachen, von Leichflüssigkeit verflecktem Leinenlappen in Leinwandbindung geleistet wurden. Ein aufwändiges Tuch würde aber mehr Eindruck hinterlassen.  Auch wäre ein solches Tuch wohl eher als  Vexillum S. Martini geeignet, als welches es beschrieben wird wenn es im Feld mitgeführt wird.

Nun ergibt sich für mich die nächste Frage: Was haben wir uns unter dem Vexillum S. Martini vorzustellen?

Zunächst Einmal bezeichnet ein Vexillum ein Feldzeichen der römischen Armee, ein rechteckiges, oder quadratisches Stück Stoff, welches an einem Querbalken hängt und an einer Stange befestigt ist. Davon hat übrigens exakt Eines(!) die Jahrhunderte überdauert und befindet sich heute im Puschkin Museum in Moskau1

Aber nicht zwingend muss unter den Franken das auch noch genauso ausgesehen haben. Viele lateinische Worte hatten bereits ihre Bedeutung verändert oder wurden pars pro toto verwendet. So könnte es grundsätzlich jegliche Arte von Flagge, Banner oder Wimpel bezeichnen können. Aber eine Abbildung eines Vixillum des 11. Jahrhunderts kennen wir gut. Das päpstliche Banner auf dem Mast der Mora, dem Flaggschiff Wilhelm des Eroberers. Ein quadratisches Stück Stoff mit blauem Rand und goldenem, rot gerahmten Kreuz, so aufgehängt das es jeder erkennen kann. Eben wie ein römisches Feldzeichen.  Aber im Gegensatz dazu steht die Abbildung des päpstlichen vexillums auf dem Tricliniumsmosaik im Lateran. Hier wird das vexillum als „einfache“ Fahne dargestellt. Also doch: pars pro toto. Wir können am Namen nicht erkennen wie es tatsächlich aussah.

Grafische Iddee des vexillum s. martini. Die Farbgestaltung nimmt die farben späterer Banner, wie des Oriflamme und der des französischen Königsbanners auf (Für größeres Bild klicken)

Nun tendiere ich aber persönlich tatsächlich dazu das das  Vexillum S. Martini, da es von jedem erkannt werden sollte und auch entsprechend kostbar war,   ebenso in die Schlacht getragen wurde: gut erkennbar über den Köpfen aller, ohne es dabei großartig hin und her zu schwenken, wie es etwa für eine Fahne notwendig wäre um sie erkenntlich zu machen. Eben als Banner oder Standarte. Wobei ich denke das die eigentliche cappa hierbei auf einen Trägerstoff appliziert war. 

Dies würde auch der Handhabe von heutigen Kirchenbannern entsprechen, von denen ich in meiner Laufbahn als Ministrant einige bei Prozessionen schleppen durfte.


Zusätzliches Gedankenspiel:
Gedanklich ratterte es in mir , aber um dies fix zu machen fehlen zu viele Hintergründe und zu viel Theorie steckt hier drin. Daher gesondert als Denkanstoß oder Gedankenspiel.

Bei der Frage nach dem Aussehen des Vexillums stellte ich mir die Frage wie den nun der Stab, oder eher die Lanze aussah an dem das Vexillum hing.

Dabei musste ich an Oriflamme, Montjoie  und die heilige Lanze denken.2

Nun werden sowohl Oriflamme, als auch Montjoie als Banner Karls des Großen beschrieben, jedoch ohne dafür einen Beweis zu haben. Grundsätzlich beginnt das alles erst mit dem Rolandslied aus dem 11./12. Jahrhundert. Einzig zeitgenössisch in den Quellen für Franken und frühe Karolinger ist das Vexillum S. Martini. Und über das wissen wir auch nicht viel. Eine angeblich graublau Färbung rührt nur aus dem Umstand das man in irgendeiner Weise die blaue Grundfarbe der Flagge der französischen Könige begründen wollte.

Was spräche also dagegen das Oriflamme, Montjoie und das vexillum S. Martini (Chape de Saint  Martin) ein und das Selbe sind? Vielleicht sind ja die angeblichen gelben Aplikationen auf der Oriflamme die wiederverwendeten Muster eines Damastgewebes aus des Vixillum?

Und war es nicht Heinrich I. der die Heilige Lanze einst von dem Welfen  Rudolph von Burgund erworben hatte? War nicht Hugo Abbas, Abt von St. Martin in Tours , ebenfalls Welfe? War die Heilige Lanze vielleicht die Fahnenstange zum vexillum s martini?

Ok, ich gebs zu. Das ist jetzt super holprig und eher eine Spinnerei die in eine der History Channel Dokus auf Phoenix oder sonst wo gehört.

Aber im Prinip finde ich den Gedanken dennoch interessant. Da die Flügellanzenspitze der heiligen Lanze niemals zum Kämpfen genutzt wurde könnte sie ursprünglich als Spitze eines Banners genutzt worden sein. Aber dazu Wiener Heiligen Lanze gibts dann auch den nächsten Post.

  1. Bild, WikiComons: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vexilla?uselang=de#/media/File:Vexillum-Pushkin_Museum_of_Fine_Arts.png []
  2. Zu den Sachen hatte ich hier geschrieben. http://www.tribur.de/blog/2012/04/17/das-ende-der-fahnenstange-flaggen-banner-wimpel/ http://www.tribur.de/blog/2012/04/19/lanzen-als-herrschaftszeichen-im-bezug-zu-oriflamme/  []

Gewissheit in Kalkriese?

Kalkriese wurde und wird mitunter als Ort der Varusschlacht angezweifelt. Warum? Wo sind die Massengräbner die Germanicus Jahre nach der Schlacht für die Toten anlegen lies nachdem die Germanen die Toten einfach liegen liesen wie es Tacitus beschreibt?

Doch eine kleine Nachricht in den Grafschafter Nachrichten lässt aufhorchen und nimmt gleichzeitig den Kritikern den Wind aus den Segeln. In Kalkriese kamen im Verlauf der Jahre 8 Gruben ans Tageslicht in den Knochen von Pferden, Maultieren und Menschen lagen. Die menschlichen Überreste lagen einige Zeit im freien bevor sie in den Gruben beigesetzt wurden. Es sollte sich somit um die Reste der toten Legionäre und des Trosses handeln die auf Befehl des Germanicus beigesetzt wurden. Somit wäre Kalkriese klar als Ort der Varusschlacht identifiziert.

Fehlt jetzt nur noch das man die Massengräber der Schlacht von Hastings findet.

Hier die Meldung der Grafschafter Nachrichten und der Osnabrücker Zeitung

Der Heiligenberg bei Heidelberg

Die Osterzeit habe ich unter Anderem mit einem Besuch auf dem Heiligenberg bei Heidelberg verbracht. Einem Ort der vor Geschichte nur so strotzt.

Der Heiligenberg gehörte ursprünglich nicht zu Heidelberg und hatte auch recht wenig mit der Stadt am Neckar zu tun. Eher war er dem darunterliegenden Ort Handschuhsheim zugewand. Zum Neckar hin waren die Hänge, die später zum Teil als Weinberge genutzt wurden, einfach zu steil. Erst mit der Hochstraße, einem Höhenweg in den Odenwald, gewann der Heiligenberg für Heidelberg an Bedeutung. Und dieser Weg ist es dann auch über den man den Heiligenberg am gelenkschonensten, sprich mit dem PKW,  erreicht.

Im Grunde besteht der Komplex Heiligenenberg aus zwei Bergen. Dem 375m hohen vorgelagerten Michaelsberg und dem mit einem Sattel verbundenen 439m hohen Heiligenberg.

Wenn man den Michaelsberg erreicht und sich der Weg etwas abflacht durchquert man fast unbemerkt einen verfallenen Wall. Er umfasste Michaels- und Heiligenberg und ist der Rest einer keltischen Wallanlage das religiöse und wirtschaftliche Zentrum der Kelten in  der Region bildetet, die den Berg von etwa 500v.Chr an besiedelten.  Um 200 v. Chr. verlagerte sich dieses Zentrum ins Tal nach Ladenburg.

Hat man den Wall passiert erblickt man zur Linken etwas das wie eine Schutzhütte aussieht. Doch schützt der Bau nich den Wanderer sondern ein Loch. Ein fast 60m tiefes Loch! Das Heidenloch!

Wer dieses Loch und aus welchem Grund baute ist rästelhaft. Wikipedia vermutet die Römer als Erbauer, da unter dem Brunnemantel aus dem vermuteten 11. Jahrhundert römische Ziegel lagen. Vor Ort erklärt eine Schautafel aber das die Bearbeitungsspuren die umliegenden Gesteins nicht römisch, sondern älter sind. Man vermutet hier keltischen Ursprung. Ob es ein „einfacher“ Brunnenschacht oder ein Art von Kultschacht war muss offenbleiben.

Nur wenige Meter weiter erreicht man den nachsten  kulturgeschichtlichen Überrest. Es sind die Reste des Stephanskloster, von dem man einen hervorragenden Blick auf Heidelberg hat.

Das Kloster, entstand 1090 als einfache Klause eines Benediktiners und wird bald schon durch das Michaelskloster ausgebaut und erhielt eine Kirche und angrenzende Bauten .

Folgt man nun dem Weg den Heiligenberg hinauf, passiert man nicht nur eine Gaststätte, sondern macht auch geschichtlich einen riesigen Sprung nach vorne. Man erreicht die „Thingstätte“, in etwa die Heidelberger Version der Berliner Waldbühne. Die Nazis hatten im Wahn der Blut-und-Boden Mystik den keltischen Ringwall zu einem germanischen Heiligtum erklärt und wurden für Sonnenwendfeiern und obskure Thingspiele genutzt. Zwar wurden bei den Bauarbeiten keltische und römische Funde gemacht, ich jedoch musste bei dem monströsen Anblick der Anlage eher daran denken wieviel vernichtet wurde.

Folgt man nun dem Weg weiter nach oben, auf den Gipfel des Heiligenberges erreicht man das eigentlich Zentrum. Die Ruinen des Klosters St. Michael mit seinen zwei markanten Turmstümpfen. Bevor hier ein Kloster entstand waren jedoch die Kelten hier, gefolgt von den Römern die hier einen Tempel des  Mercurius Cimbrianus umgeben von weiteren Steinbauten errichteten. 

Die Franken sind die weiteren Nutzer der Bergkuppe. Sie errichteten die Aberinsburg. Im 9. Jahrhundertwurde die Aberinsburg dem Kloster Lorsch gestiftet die hier mit St. Michael ein Fillialkloster errichteten. Die heutigen Baureste stammen entstammen dem Bau des Jahres 1027, der auf dem karolingischen Bau aufbaut. Dieser wiederum orientiert sich am genordeten MErkur Heiligtum der Römer, welches, genordet, unter dem Kirchenschiff liegt.

Die Vor Ort gemachte Angabe das sich das Westwerk (wie oft noch? das ist kein Westwerk sondern ein Westbau!!!) auf die karolingische Burg beziehe und daher so Wehrhaft darstelle, erscheint mir sehr weit hergeholt. Zumal ich dies in keinster Weise mittels anderer Quellen verifizieren konnte. Westbau und vorgelagertes Paradies sind vielmehr das ergebnis eines langen Prozesses, so sind mindestens 7 Entwicklungstufen des Paradieses bekannt!

Natürlich habe ich auch die Klosterkirche besucht um mir ein Bild von der Architektur des Grundrisses zu machen und diesen in Beziehung zu St. Laurentius in Trebur zu setzten. Und tatsächlich fand ich interessante Ähnlichkeiten im Chorbereich.

stMichaelLinks im Bild sieht man die Apsis, gefolgt vom Chorjoch. Es folgt eine weitere Ecke, die an die ergrabenen  Pastophorien  der Laurentiuskirche erninnern. Daneben befindet sich, kenntlich durch das Fenster, eine Seitenapsis des Querschiffes.

Bei St. Michael handelt es sich jedoch nicht um Pastophorien, sondern um Abgänge zu einer kleine Krypta unter dem Chorjoch. Dies führte bei mir zu einem kleinen Gedankenspiel: Was wäre wenn in Trebur nicht nur der Plan einen echten Westchor zu bauen verworfen wurde, sondern auch der Plan einer Krypta aufgegeben wurde, denn auf eine solche gab es bei den Grabungen Diefenbachs in den 1934ern keine Hinweise?

 

 

Die Antikenrezeption der sogenannten LorscherTorhalle

Normaler Weise schreibe ich ja nicht über Frau Merkel, aber bei Kerstin Merkel mache ich eine Ausnahme!

Den Link zu dem Aufsatz „Die Antikenrezeption der sogenannten LorscherTorhalle“ fand ich heute in meinem Postfach. Er versteckt sich auf den Seiten der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. Und ich muss gestehen das ich bei den Ausmalungen noch nie über die Antikenrezeption der Torhalle nach gedacht habe. Man betrachtet in der Regel meist das Äußere. Umso interessanter ist dieser Artikel.

Das PDF findet sich hier

Die salische Turmburg Niederwalluf

Es ist fast verrückt das ich in dem Text von gestern über die salische Turmburg bei Hungen auch die Burg Niederwalluf erwähnte ohne darüber nach zu denken, denn schließlich arbeite ich jetzt dort.

walluf
Turmstumpf und Ruine der Johanniskirche in Niederwalluf

500m vom heutigen Ortskern entfernt, westlich der Hauptstraße liegt das sogenannte Johannisfeld. Es hat seinen Namen von der Johanniskirche. Diese Kirche war bis ins 17. Jahrhundert das religiöse Zentrum Niederwallufs und das obwohl zu diesem Zeitpunkt das Dorf das sie umgab bereist seit dem 13. Jahrhundert 500m nach Westen gewandert war um sich in den Schutz des Rheingauer Gebücks zu begeben (über das Gebück schreib ich auch noch mal gesondert), eine Art rheingauer Danewerk.

Die Kirchenruine die heute noch steht hat ihre Erhaltung einem findigen Pfarrer zu verdanken, denn als man sie 1783 abreißen wollte mahnte er an das sie als Station der Fronleichnamsprozession nicht abgerissen werden dürfe.

Der erste Bau der Kirche datiert wohl ins 10. Jahrhundert und war eine kleine Saalkirche mit eingezogenem Rechteckchor. Keine 15m östlich jedoch befand sich noch etwas anderes. Eine salische Turmburg, deren Stumpf durch Ausgrabungen freigelegt ist.

Der Steinturm besaß einen Grundriss von 10,4 x 10,4m und war etwa 1m in den gewachsenen Grund eingetieft. Mit dem anfallenden Erdreich aus dem Aushub des Grabens war er eingemottet. Auf dem Hügel fand sich zudem auch noch eine quadratische Ringmauer mit 90cm Stärke umwehrt. Die Kirche befand sich somit genau am Rand, aber auf der anderen Seite des Grabens. Zusammen mit dem Turm bildete sie den Teil einer Kleinburg zu der noch ein Herrenhof und eine Kemenate gehörten .

Besitzer der Burg wahr wahrscheinlich ein Reichsministerialer, der  das Gut für im Königssondergau verwaltete. Später fiel es an das Kloster Kornelienmünster.

Die Lage der Burg war mit Sorgfalt gewählt. Zum einen lag sie am Westende des Königsondergaus, dessen Grenze vom Wallufbach gebildet wurde. Die Rhein beendete an dieser Stelle seine Biegung um Mainz und ermöglichte so der Besatzung einen weiten Blick den Rhein entlang und zu dem Befand sich an dieser Stelle die Kreuzung wichtiger Handelsstraßen. Zum einen Verlif hier die Rheinuferstraße, zum anderen der Handelsweg von der Lahn kommen , die sich über eine Furt über den Rhein nach Süden fortsetzte.

Wann die Burg genau entstand ist allerdings nicht bekannt. Eine Siedlung bestand nachweislich seit dem 6. Jahrhundert an der Stelle des Turmes. Es gibt Vermutungen das sich unter der merowingischen Schicht auch eine römische Siedlungsschicht befindet. Man muss dazu wissen das die Ausgrabengen in Walluf in den 30er Jahren recht sporadisch waren.

Dazu wurde eine Theorie an mich heran getragen, die die Möglichkeit nicht ausschließt das die salischen Turmburgen in der Tradition des römischen Burgus stehen. Dies beinhaltet einer gewissen Logik, wenn man bedenkt das gerad im romanisch geprägten Frankreich die Turmburg mit dem Dojon eine noch länger andauernde Tradition besitzt als im germanisch geprägten Deutschland. Dazu wurde ich noch darauf hingewiesen das der Standort des Burgus Mannheim-Neckarau  Johann-Kirchof heißt, während es in Walluf ein Johannisfeld ist. Bei frühen Johanniskirchen handelt es sich in der Regel um Taufkirchen, nach Johannes dem Täufer. Es stellt sich also die Frage ob es hier kleine Taufkirchen der Spätantike gab.

Quellen: Die Salier – Burgen der Salierzeit Band 2 S. 20-22, Sowie : http://www.elmar-lorey.de/Kultur_Initiative.htm

Limesinformationszentrum Hof Grass

Das Wochenende habe ich genutzt das Limesinformationszentrum Hof Grass bei Hungen zu besuchen. Ich hatte es kürzlich wegen der eigentümlichen römischen Wasserleitung erwähnt, dazu aber später mehr.

Das Limesinformationszentrum Hof Grass entstand in der Folge der Ernennung des Obergermanischen Raetischen Limes als UNESCO Weltkulturerbe. Hauptinformationszentrum ist das Kastell Saalburg bei Bad Homburg, welches durch regionale Informationszentren auf Kreisebene ergänzt wird. Dazu zählt auch das Limesinformationszentrum Hof Grass des Kreises Gießen.

Alleine die Hofanlage ist recht ansehnlich und bemerkenswert und liegt leicht erhöht in er Auenlandschaft der Horloff, etwas abseits der Hauptstraße von Nidda nach Hungen. Da liegt schon ein kleines Problem. Die Beschilderung ist noch durchaus ausbaufähig, denn kommt man aus Richtung Nidda, so wie ich es tat, kommt man ein einer kleinen Alleeneinfahrt vorbei die direkt auf den Parkplatz zuführt, jedoch keine Beschilderung aufweist. Weiter in Richtung Hungen gibts dann eine weitere Einfahrt, wohl die Offizielle, die leider nur das Schild „Hof Grass“ aufweist. Ein expliziter Hinweis auf das Informationszentrum wäre schön. Das Nichtvorhandensein ist aber vielleicht zur Zeit auch noch den Straßenbauarbeiten geschuldet.

InformationszentrumDas eigentliche Informationszentrum ist fast ein bisschen versteckt. aber gut zu finden denn es liegt gleich hinter dem Eingang in die Hofanlage

Die etwas ungewöhnlichen Öffnungszeiten sind der Betreuung durch Eherenamtilche geschuldet. So hat das Informationszentrum unter der Woche von 10:00 bis 12:00 Uhr geöffnet, Samstags von 14:00 bis 16:00Uhr, Sonntags von 10:00 bis 16:00Uhr.

Unter Umständen muss man klingeln um eingelassen zu werden, was aber kein Problem darstellt. Problematischer sollte dafür der Zugang für Rollstuhlfahrer sein.

 

Die Ausstellung als solches ist eher klein und findet ihren Platz  ihren Platz im Hauptraum der durch ein offenes Fachwerk geteilt wird. Bis auf eine Ausnahme waren die Texte gut angebracht und durchweg gut lesbar. Zu den großen Texten finden sich ebenfalls Informationen in Braille und englische und französische Übersetzungen sind in ausziehbaren Fächern vorhanden.

AusstellungSchön ist auch das es viel anzufassen gibt. Wobei ich natürlich maulen könnte das die Tuniken unter den (vernieteten!) Kettenhemden maschienengenäht sind, was ich aber in diesem Fall nicht ganz so schlimm finde.

Ergänzend zu Ausstellung gibt es noch einen Rundweg von über 3km Länge und einen Spielplatz.

Wer jetzt explizit nur wegen der Ausstellung nach Hungen fahren sollte, wird enttäuscht sein. Es lohnt sich eher für diejenigen die in der Region wohnen oder sowieso hier vorbei fahren. Dabei lohnt es sich auch einen Spaziergang über den Rundweg zu machen wobei darauf hingewiesen sei, das die Wege zum Teil unbefestigt sind und sehr schlammig sein können (wie an diesem Wochenende!)

Limesinformationzentrum Hof Grass
35410 Hungen

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag: 10:00-12:00 Uhr, Samstag 14:00-16:00Uhr, Sonntag 10:00-16:00 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt frei, Spende erbeten
Internet: http://www.liz-hofgrass.de/

 

Nun noch mal zur Wasserleitung von neulich:

Hier noch mal das Zitat aus der Ausstellung:

(…)Die fertige Bleileitung wurde in ein feuchtes Mörtelbett mit Ziegelschlag auf eine rechteckige, ebenfalls noch feuchte Tonplatte gelegt und wie eine “Biskuitrolle” eingerollt. Anschließend wurde die “Rolle” in einem Töpferofen bei hohen Temperaturen gebrannt. (…)

Und hier nun die Rolle:

RolleFür mich macht es eher den Eindruck als sei die Tonrolle separat um eine Form gewickelt und gebrannt worden. Im Anschluss wurde das Bleirohr hineingeschoben und der Hohlraum mit dem „Mörtel gefüllt worden, der dann Lufttrocknete. Er sieht sehr spröde und krümelig aus.

Falschinformtionen über ein römische Wasserleitung

Eine kleine Aufgabe aus dem Physikunterricht für Weggetretene:
Wir stellen uns einen römischen Brennofen vor in dem Ton gebrannt wird.  Zur Hintergrundinformation, ein römischer Ofen für Zigelbrand konnte ein Temperatur von ca. 1000°C erreichen1. Augusta Raurioca gibt für die von Töpferofen benötigte Temperatur zum Brennen von Keramik eine Temperatur von 1000-1200°C an2 In einen dieser Öfen legen wir jeweils ein Stück Blei und ein Stück Ton.  Blei hat einen Schmelzpunkt von 327,43 °C3

Frage: Was passiert mit dem Blei?

Wer nun als Antwort sagt das das Blei schmelze, während der Ton hart gebrannt wird liegt physikalisch auf der richtigen Schiene, nicht aber wenn man dem Limes-Infozentrum  Hof Grass in Hungen glaubt.

Dort ist an dem Fundstück einer Bleiwasserleitung aus dem Kastell Zugmantel zu lesen:

(…)Die fertige Bleileitung wurde in ein feuchtes Mörtelbett mit Ziegelschlag auf eine rechteckige, ebenfalls noch feuchte Tonplatte gelegt und wie eine „Biskuitrolle“ eingerollt. Anschließend wurde die „Rolle“ in einem Töpferofen bei hohen Temperaturen gebrannt. (…)

Dies wurde bemerkt und man informierte die zuständige Archäologin und bot auch an die Fehler mittels eines Experimentes zu demonstrieren. Leider blieb eine Antwort aus.
Da ich am Wochenende in der Nähe von Hungen sein werde, werde ich mir wahrscheinlich ie Sache noch mal aus der Nähe betrachten.

Danke an Biggi Schröder (Terraplana) für die Informationen

 

 

  1. Quelle Archäologie Online []
  2. Online   []
  3. Quelle: Wikipedia []

Das Praetorium in Köln und weitere Statthalterpaläste im Imperium Romanum

Gestern erwähnte ich das Praetorium in Köln als potentielles Vorbild für die Aachener Pfalz. Passend dazu fand ich auch eine Doktorarbeit von Felix F. Schäfer aus dem Jahr 2004 mit dem Titel „Das Praetorium in Köln und weitere Statthalterpaläste im Imperium Romanum – Eine baugeschichtliche Untersuchung und eine vergleichende Studie zu Typus und Funktion“. Die gut 500 Seiten umfassende Arbeit besitzt leider keine Abbildungen, hat aber dafür auch nur platzsparende 3,9MB

Das PDF findet sich hier (link gefixed)

Vorbild und Wahrnehmung der Pfalzen Aachen und Ingelheim im Kontext ihrer Zeit

Die (spät-)antiken Vorbilder karolingischer Bauten im architektonischen Sinne zu ermitteln stellt in der Regel keine Probleme dar. Die Trierer Basilika als Vorbild der Aula von Aachen, oder etwa San Vitale in Ravenna als Vorbild für die Aachener Marienkirche sind leicht zu erkennen.

Schwieriger wird es Intentionen zur ermitteln die mit dem Bau der Gebäude angestrebt wurde, bzw. die Gefühle die diese beim Betrachter auslösten zu erkennen.  Auf die Geschichtsschreiber jener Zeit ist dabei kaum eine Information zu entlocken. So schreibt Einhard zu Ingelheim und Nimwegen lediglich:

Auch begann Karl mit dem Bau von zwei herrlichen Palästen: Der eine war nicht weit von Mainz, in der Nähe seines Gutes Ingelheim,der andere in Nimwegen am Fluss Waal, der südlich der Bataverinsel fließt.

Die Pfalz Aachen scheint für Einhard schon vollkommen gewöhnlich zu sein, wobei er aber die Marienkirche hervorhebt.

Die  mangelnde Erläuterung erscheint uns heute eigenartig, ist jedoch bei weitem weniger verwunderlich als man vermuten könnte. Zum einen ist Pergament für Schreibarbeiten kostbar. Mit Beschreibungen von „alltäglichen“ Bauten und Vorgängen dieses Pergament zu vergeuden, zumal man sich die Bauten ja selbst ansehen konnte,  war also unnötig. Es ist genauso als würde ich einen Text über die Formel 1 schreiben und explizit darauf Hinweise das die Fahrzeuge eine hohe Beschleunigung besitzen, es wäre nicht nötig.

Dennoch versuche ich mich einmal in die Welt der Karolinger hinein zu versetzten. Ich tat dies bereits in einem meiner ersten Beiträge hier im Blog zu Ingelheim (hier), dessen Bestätigung später auch durch Holger Grewe MA (Forschungsleiter Ingelheim) erfolgte, den ich aber in diesem Zusammenhang noch einmal erweitern möchte.

Das tatsächliche bauliche Vorbild für Ingelheim ist nicht bekannt, es baut jedoch auf römischen Vorbildern auf. Diese Idee besteht bereist seit den ersten Ausgrabungen in Ingelheim. Ein Vorbild könnte die Exedra des römischen Forums in Köln sein. Ein beeindruckendes Halbrund mit Umgang (Porticus) und Portal. (Informationen dazu beschrieb ich hier)
Und obwohl sich beide Anlagen ähneln und das Forum womöglich Vorbildcharakter besitzt, unterscheiden sich beide doch elementar, was bereits in ihrem Zweck andeuet.
Das Kölner Forum stellt ein Stadtzentrum dar. Zwar war seine Außenfront gut ausgearbeitet, doch ihr Zweck war lediglich ein Trennen von Innen und Außen, Hauptaugenmerk lag auf dem Innenraum, dem freien Platz in dem sich das soziokulturelle Leben der Stadt abspielte (abgesehen von den Thermen).
In Ingelheim ist die Situation eine völlig andere. Die Pfalzanlage ist freistehend, quasi auf der grünen Wiese. Im Gegensatz zum Kölner Forum versperrt hier nichts den Blick auf die Anlage und ihr Haupttor, das sogenannte Heidesheimer Tor. Der Innenraum ist im Gegensatz zum Kölner Forum in Teilen bebaut und scheint, bis auf die Exedra, nicht der strengen Symmetrie zu folgen.
Das Hauptaugenmerk lag also nicht in der Freifläche im Inneren. Der Blick in Ingelheim sollte bereits durch das Äußere beeindrucken.

Nun geschieht im architektonischen Bereich nichts ohne Grund. Genauso wie die Bemalungen im Inneren von Kirchen die Intention hatten, den nicht Lateinern, bzw. den Analphabeten biblische Geschichten zu vermitteln, so ist dies auch bei der architektonische baulichen Gestaltung von Kirchen und vielen anderen Bauten der Fall. Spielereien mit Lichteinfällen zu bestimmten Tagen gehören genauso dazu, wie die Positionierung von Altären in bestimmten Bauteilen und Reihenfolgen, Anzahl von Säulen (etwa in der Anzahl der 12 Apostel), bestimmte Längen und ähnlichem. Alles hat einen tieferen Sinn.

Ganz ähnliches scheint auch in Ingelheim erfolgt zu sein. Der anreisende Betrachter sieht also das halbrund der Exdra mit seinen einfassenden Türmen. Er sieht etwas das der typischen Ikonographie einer Stadt entspricht. Diese Ikonographie findet sich bereits im spätantiken Notitia Dignitatum (hier). und wandert durch das gesamte Mittelalter und ist ebenso immer wieder Sinnbild für das himmliche Jerusalem. Ein schönes Beispiel ist auch der Barbarossaleuchter in Aachen (hier) oder der nicht mehr existierende Bernwardsleuchter in Hildesheim, sowie weitere Radleuchter die das Vorbild des himmlischen Jerusalem aufnehmen.
Diese Symbolik Ingelheims als himmlisches Jerusalem wird umso verständlich wenn man bedenkt das der Erbauer Karl der Große von Alkuin als David bezeichnet wird.

Wir hätten es also mit dem neuen Jerusalem zu tun, dessen Erbauer und König  sich auf eine Stufe mit dem alttestamentarischen König David setzt (nicht nur was die Anzahl der Frauen angeht 😉 ) und dies auch nach Außen proklamiert.

 

Mit Aachen verhält es sich nun etwas anders.
Wie bereits der am Montag Plan der Pfalz Aachen andeutet  kennen wir die wahre Ausdehnung der Pfalz Aachen nicht. Wir können also nicht mit Bestimmtheit sagen wo der Eingang lag, wo „Vorne“ und wo „Hinten“ ist. Auch Hugots Rasterplan1 den er über die Pfalz legte ist zunächst einmal nur Spekulation und der Versuch die bekannten Gebäude mit den Thermen zu verbinden.

In der Regel geht man davon aus, das es sich bei der Westseite der bekannten Gebäude um die „Schauseite“ handelt. D.h. man blickt auf den Porticus (Verbindungsgang) an dessen linken Ende der Blick auf die Aula mit ihrer Apsis fällt, während an ihrem rechten Ende die Marienkapelle mit ihrem Atrium steht.
Früher dachte man bei dem Mittelbau, von dem man ja nun weiß das er nicht zur Zeit Karls des Großen entstand, handele es sich um einen Torbau. Dem ist nicht so. Man weiß allerdings auch nicht was sich zunächst an seiner Stelle befand, also ob der Gang einfach durchlief oder sich hier vielleicht die Stelle befand die nach den Quellen zusammenstürzte.
Eine beliebt Meinung, der ich eigentlich auch nachhing, ist im Verbindungsgang eine Reminiszenz an den Palast Theoderichs des Großen zu sehen, wie er in Sant Apollinare Nuovo zu sehen ist (Bild), wobei dies ohne den Mittelbau fraglich ist.

Optische Parallelen zeigen sich aber auch, und durchaus stärker, im Vergleich mit dem römischen Prätorium in Köln (Bild1 und Bild2). Gerade das Kölner Praetorium wurde in den vergangen Jahren in ein neues Licht gerückt.  Tatsächlich scheint die von Sven Schüte aufgestellte Theorie um 780 hab ein Erbeben Köln und das Praetorium verwüstet korrekt2.
Bis zu diesem Zeitpunkt diente das Praetorium nicht nur als Verwaltungssitz der Römer, sondern nahm aller Wahrscheinlichkeit auch die Funktion des Herrschaftssitzes der lokalen fränkischen Kleinkönige, wie etwa Sigibert von Köln, ein.

Somit war der beeindruckende Bau des Praetoriums auch Bindeglied zwischen Römern und Franken im Sinne einer kontinuierlichen Nachfolge.

Kurzer Einschub: Die Idee Schütes in dem oktagonalen Mittelbau einen Vorläufer, bzw ein Vorbild der Marienkapelle Aachens zu sehen, betrachte ich mit Vorbehalt. Auffälliger ist es das der zu Mitte des 9. Jahrhunderts erbaut Mittelbau der Aachener Pfalz exakt die Position einnimmt die das Oktogon im Praetorium besaß. Es stellt sich also die Frage ob dieser Bau nur eine Notlösung war um dem Vorbild ähnlicher zu sein, ergänzt durch die Frage was den Erbauer zum Neubau bewegte. Letztere Frage lässt sich vielleicht mit einem Blick in die Quellen klären!
Einhard berichtet uns, dass am Himmelfahrtstag des Jahres 813 ( der 5. Mai) eine von Karl “in mühsamer Anstrengung” errichtete Porticus zwischen Aula und Basilica bis zu den Fundamenten in sich zusammen gefallen sei. Die Annales Regni Francorum hingegen berichten über das Jahr 817, dass am Gründonnerstag dieses Jahres Ludwig der Fromme der vom Gottesdienst kommend eine hölzerne Porticus durchschritt und diese mit 20 weiterer Personen in sich zusammenfiel und alle zu Boden stürzen ließ.
Man könnte daher daraus schließen, dass man nach dem Einsturz 813 eine hölzerne Behelfslösung errichtet die bereits 817 erneut einbrach. Dies machte den Weg frei für den neuen Mittelbau.3

Egal ob Theoderichspalast oder Kölner Praetorium, beide haben eine leicht unterschiedliche, aber dennoch ähnliche Konnotation.
Die Vorliebe Karls für Theoderich ist bekannt. Er lies aus seinem Palast, bzw. was zu diesem Zeitpunkt noch vorhanden war, Säulen und ein Reiterstandbild Theoderichs abtransportieren. Zu dem kommt hinzu das das die Sage es will das Theoderich durch Byzanz legitimiert gewesen sein soll einen neuen Weströmischen Kaiser zu ernennen, was er jedoch nicht tat.
Sollte dem wirklich so gewesen sein, bzw. wenn Karl der Große diesen Sachverhalt bereits kannte, könnte es sich bei einer Kopie des Palastes in der Aachener Pfalz um einen Teil seiner Herrschaftslegitimation handeln. Ebenso ist hier noch zu erwähnen das Theoderichs Palast auf den Palast der Kaiserin Galla Placidia zurückgeht und somit die Verbindung zur karolingischen Renaissance und die Verbindung zu Rom hersellt.

Ähnliches gilt auch für das Kölner Praetorium als Vorbild. Hier steht der fließende Übergang von Römern zu Franken im Vordergrund, aber auch die Verdeutlichung des Machtanspruches. Im Fall des Praetoriums war Seite die Aachens Westseite so ähnelt dem Rhein zugewand. Dennoch handelte es sich um die Schauseite, die mit ihrer beeindruckenden ca 90m langen Fassade die Germanen auf der anderen Rheinseite beeindrucken sollte.

Beiden Fällen ist also eine gewisser imperialer Machtanspruch und die Verdeutlichung der Nachfolge gemein.Dennoch muss aber darauf hingewiesen werden das es sich bei Karls Version einer römischen Palastinterpretation lediglich um einen Blender handelt! Wo es sich bei den Vorbildern noch um ganze Gebäude handelt ist Karls Version lediglich ein Gang von A nach B. Der Grund hierfür könnte auch in der bereits fortgeschrittenen Zerstörung der spätantiken Vorbilder liegen.

  1. online hier []
  2. FAZ 20.8.2012 Online []
  3. Hiermit merke ich an das ich dies zuerst veröffentlicht habe, falls das nächstes Jahr publiziert wird   []

Landwirtschaft zwischen Loire und Rhein von der Römerzeit bis zum Hochmittelalter

Den Link zu diesem PDF bkam ich zugemailt und muss ich unbedingt noch mal anständig lesen:Villa – Curtis – Grangia –   Landwirtschaft zwischen Loire und Rhein von der Römerzeit bis zum Hochmittelalter aus den Beiheften der Francia  Bd. 11

Einige der Texte sind, da es sich um eine deutsch-französische Arbeit handelt in französisch. Da aber die Texterkennung über das PDF gerannt ist, es also nicht nur um einen Scan handelt, sollte man sich die Sachen einfach rauskopieren und in z.B. Google Translate kopieren können.

Das PDF findet sich hier