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Spiegel Geschichte und der Campus Galli

Ursprünglich war das Thema Campus Galli/ Klosterstadt Meßkirch für mich abgehakt. Lediglich nach meinem Besuch vor Ort vor Ort schrieb ich noch einmal darüber. Zudem berichtet Hiltibold ausführlich zum Thema und hinterfragt jegliche Bewegung vor Ort.
Nun bewegte mich aber ein Facebookpost von Andreas Sturm, den ich vor einigen Tagen las, doch noch einmal das Wort zu ergreifen, da ich mich dabei persönlich angesprochen fühle. Er zitierte daraus aus dem aktuellen Ausgabe ( 1/2015) von Spiegel Geschichte.

Der Spiegel Geschichte berichtet darin auf S112 bis 119 in einem Artikel von Alexander Smoltczyk unter dem Titel „Zeitreise handgemacht“ über den Campus Galli. Der Artikel selbst bietet nichts wesentlich neues. Er versucht scheinbar neutral zu beleiben, lässt aber eine gewisse begeisterung für die Idee erkennen und lässt nur die Teilnehmer des Projekts zu Wort kommen und weckt somit eine pro Campus Galli Stimmung die (Mittelatermark-) Ambiente erzeugt, die ja das Projekt angeblichen zu vermeiden sucht. Die Teilnehmer äußern sich zu weilen auch über die ihnen entgegengebrachte Kritik:

„Es gibt natürlich auch immer Mittelalter-Fans, die nur hierherkommen, um nach Fehlern zu suchen. Aber das sind sehr wenige“, sagt der Schindelmacher. Die mokieren sich dann über das Nasen-Piercing der Färberin. Die fotografieren das Kleidergrößenetikett am Wollgewand oder den Elektrozaun am Schweinekoben und petzen es später aus dem sicheren Versteck ihres Blogs.
Sie haben den Campus nicht verstanden. Natürlich liegt da ein Feuerlöscher neben der Schmiede. Natürlich gibt es Sicherheitsschuhe. Die Versicherungen leben nämlich nicht im Mittelalter. Und die damalige Dichte an Einäugigen und Krüppeln möchte man nicht wiederaufleben lassen. (…) S.116
Niemand darf sich mit einer Uhr am Handgelenk oder einem Handy erwischen lassen. Auch Cola gibt es nicht, genauso wie das Rauchen für Besucher verboten ist.(…) S117)

Nun weiß ich nicht wie viele Geschichtsinteressierte vor Ort waren die später über den Campus Galli irgendwas gepetzt geblogt haben. Ich weiß aber das Hiltibold viel darüber schreibt und ich vor Ort war, Bilder machte, darüber schrieb und die Bilder auch Hiltibold zur Verfügung stellte. Ich bin daher so egoistisch und beziehe das auch auf mich und möchte hier etwas einwerfen „aus dem Versteck meines Blogs“.

Als ich vergangen Sommer in den Campus Galli fuhr, war ich auf dem Weg in den Urlaub. Ich hatte den Besuch nicht fest eingeplant, erst einen Tag zuvor erfahren das an diesem Tag das Sommerfest stattfinden würde. Ich kam auch nicht um geplant nach Fehlern zu suchen, primär wollte ich mir die Sache einmal anschauen, das mir jedoch einige Fehler ins Auge sprangen ist dann doch eher eine spezielle Aussage.
Ich glaube nicht das sich jemand ernsthaft über einen Elektrozaun oder Feuerlöscher auslassen würde. Ein Etikett am „Wollgewand“ dann doch eher, zumal mir nun niemand geläufig wäre der entsprechende Kleidung verkauft und ein Etikett anbringt. Es sei denn es ist eben der Baumwollkram den man so hinterher geschmissen bekommt. Piercings könnte man rausmachen vergisst man aber gerne, gebe ich zu. Aber die Aussage das sich niemand mit Uhr oder Handy erwischen lassen darf finde fast schon lächerlich. Als ich zu Besuch war sah ich Seindenschals, normale T-Shirts unter der Tunika und Polyestergürteltaschen. Selbst wenn , wie es zum Teil an diesem Tag der Fall war, auch Leute dabei waren die nicht regulär am Campus Galli beteiligt sind, so muss doch jemand da sein der sie eben erwischt. Besonders an einem Tag wie dem Sommerfest wo mit Presse und einem Haufen Fotoapparaten zu rechnen ist. Das scheint aber nicht der Fall zu sein! Auch hat meines Wissens nie jemand die Sicherheitsschuhe als solche kritisiert. Aber wenn man keine, gar keine Wendeschuhe sieht, wirds halt doch etwas eigentümlich.

Der Vorwurf man würde aus dem Versteck eines Blogs agieren ist geradezu hanebüchen. Natürlich könnte man sich Sendezeit im Fernsehen kaufen wenn man denn das Geld hätte. Man könnte für Zeitungen schreiben, wenn man denn die Zeit hätte. Aber das alles trifft auf uns nicht zu! Ich habe ein Impressum mit voller Anschrift, auch Hiltibold hat das. Es gibt gibt die Möglichkeit zum kommentieren. Ich denke nicht das einer von uns sich gegen ein Gespräch wehren würde. Hiltibold hat kürzlich den einen Beitrag von Geschäftsführer Hannes Napierala im Blog gehabt. Dennoch wird immer wieder um bestimmte Themen einen Bogen gemacht bzw. sie verschieden wiedergegeben und Blogger als das Böse unter dem Himmel beschworen.
Im Gegenzug darf sich also niemand wundern, der im Rampenlicht irgend eines Publikums oder iInteressengruppe steht, auch von diesem beurteilt oder kritisiert zu werden!

Am besten ist jedoch der Hinweis über Behinderungen im Mittelalter. In diesem kleinen Satz sind sämtliche Vorbehalte einer unendlichen Diskussion auf einen minimalen Raum eingedampft. Erinnert sich noch jemand an die Ausseinandersetzung Hiller/Mittelalterlich Spectaculum vs. Reenactment-/Living-History-Szene? Nein? Kurz zur Auffrischung:

Wir haben nicht den Anspruch authentisch einhundert Prozent korrekt zu sein, denn Authentizität ist unserer Meinung nach nur ein Schlagwort für die Besserwisser in der Mittelalterszene.(..) Es gibt nur die eine Tatsache, dass wenn man den Überlieferungen folgen würde, eine authentische Veranstaltung wegen der darzustellenden Armut, dem Schmutz, dem Gestank, der Krankheiten etc. mit hundertprozentiger Sicherheit nicht dem Anspruch bester Unterhaltung genügen würde. (Zitiert nach Tempus Vivit)

Nun bezieht sich die Aussage in Spiegel Geschichte, die dem Schindelmacher zugeordnet ist, wohl nicht darauf das man nie vollends authentisch sein kann, sondern ist eher im Sinne zu verstehen, dass man auf die Sicherheit achten muss und daher Abstriche in der Authentizität machen muss. Und dennoch ist und bleibt es die selbe Argumentationsweise wie sie im Konflikt Mittelaltermarkt gegen Reenactment-/Living-History-Szene. Und sie bleibt genauso falsch. Niemand hat etwas gegen Sicherheit. Niemand hat etwas gegen TÜV oder Versicherungen. Andere Veranstaltungsorten zeigen doch das es anders geht, siehe Bärnau. Und nein, ich will auch nicht im Mittelalter leben, falls die Frage aufkäme (das wäre bei der Argumentation zu erwarten).

Immer wieder erweckt der Text in mir auch ein befremdliches Schmunzeln. Etwa wenn der Text die Idee beschreibt am Eingang einen Misthaufen zu platzieren um auch geruchsbedingt die „Zeitreise“ ins Mittelalter einzuläuten oder wenn Artikel der für die Gemüsepflanzen zuständige Dame ein Faible für die Schriftsprache des 16. Jahrhunderts bezeugt auch wenn diese nicht mittelalterlich sei.

Es bleibt abzuwarten was in dieser, inzwischen für mich leidigen, Diskussion noch so alles passiert.

Wer sich das Video des Spiegel mal anschauen will zu dem Artikel („…Sicherheitsschuhe der Karolingerzeit, nämlich Holzschuhe.“) kann das hier tun: www.spiegel.de/sg12015kloster

Die Akte Campus Galli

Noch immer trauere ich der Idee des Campus Galli alias Karolingische Klosterstadt Meßkirch hinterher.  Seit dem die Ausführung des Projektes in eine andere Richtung zu gehen scheint als ich mir das erhofft hatte schrieb ich nicht mehr darüber. Für mich ergab sich aber nun die Möglichkeit mir die Anlage einmal selbst aus nächster Nähe anzusehen. Das ich dabei ausgerechnet den Tag des Sommerfestes erwischte war nicht beabsichtig. Ich konnte daher aber einigen Sachen nicht so nachgehen wie ich das gewünscht hätte, andererseits ergaben sich dadurch auch andere Möglichkeiten. Dazu mehr im Text. Die Bilder die ich machte, habe ich zu Flickr ausgelagert (Hier das Album), spezielle Beispielbilder habe ich in dem Text verlinkt.

Der Weg in den bzw. durch Campus Galli sei zu lang, war an einigen Stellen zu lesen. Ich glaube man muss hier differenzieren.  Den Weg selbst, also vom Eingang bis zu den ersten Gebäuden fand ich persönlich nicht zu lang. Er führt ein Stück über eine Wiese und biegt dann auf den Rundweg des Campus Galli ein. Dieser Rundweg führt  vorbei an den einzelnen Hütten der Handwerker durch den Wald, unterbrochen von einigen Querwegen, darunter auch dem Weg auf den „Marktplatz“ bei dem sich auch die Baustelle der Holzkirche befindet. Der längere Weg wirkt zum einen als Zeitschleuse, zum anderen schottet er das Gelände optisch und haptisch von der Straße ab.
Der Sinn und Zweck der Wegeführung ergab sich aber speziell durch den Fakt des „Sommerfestes“, bei dem weitaus mehr Besucher kamen als dies regulär der Fall sein dürfte. Der Zweck liegt einfach darin die Besucherströme auseinander zuziehen. Das Problem ist aber das dadurch das Konzept der auf einer Rodung liegenden Klosterneugründung mit Baustelle ad absurdum geführt wird. Mitunter erinnerte mich das ganze an das Konzept von Märchenparks meiner Kindheit in denen man durch ein Waldstück ging und hier und da Häuschen standen bei denen man auf einen Knopf drückte und Schneewittchen und die 7 Zwerge zu sehen sind und jemand was dazu erzählt. Die umliegenden Arbeiterhütten erweckten also das Gefühl nicht wirklich zur eigentlichen Baustelle zu gehören.
Ach ja die Häusschen. Hiltibold berichtete bereits über die rege Verwendung von Zeltplanen (Link). Dies kann ich nur bestätigen. Fast jede der Hütten besaß noch einen Platz der mit einer Zeltplane überspannt war. Dabei handelte es sich ausnahmslos um Industrieplanen, mit Industrienähten und D-Ringen oder ähnlichen Befestigungen, die neben den Hütten angebracht sind. (Beispielbild einer Plane)

„An den Schuhen sollt Ihr sie erkennen“, war ein Spruch der die Wichtigkeit von anständigen Schuhen für eine Darstellung verdeutlichen sollte und bei uns in der Anfangszeit rumging. Das in der Klosterstadt Sicherheitsschuhe und Holzschuhe (in der Funktion als Sicherheitsschuhe) getragen werden ist mir durchaus verständlich. Warum aber nun kein einziger der Klosterstadt „Bewohner“, wenn er denn keine Handwerkliche Tätigkeit ausführte (Bild jonglierender Junge),Wendeschuhe trug sondern  mit Wanderstiefeln umher lief bleibt wohl ein Rätsel. Zumal es durchaus günstige Wendeschuhe (im Notfall auch mit „unecht“ genagelter Sohle für die furchtbaren Schotterwege) gibt.

Anachronismus ick hör dir trapsen. Vor einiger Zeit wurde kritisiert das auf einem Bild ein Arbeiter zu sehen war der ein T-Shirt unter seiner Tunika trug. Auch ich konnte dies Beobachten (Bild eines T-Shirt tragenden Arbeiters). Dies war aber bei weitem nicht das Schlimmste, denn ein T-Shirt kann man mitunter Kaschieren, zumal das T-Shirt eine helle Farbe hatte. Dramatischer war aber die Verwendung anachronistischen Gürteltaschen. So gesehen einmal in der Schmiede in Form einer Gürteltasche aus Leder mit Riegelhaken/Hakenverschluss wie man sie oft auf Mittelaltermärkten findet (entsprechendes Bild), sowie einmal in Form einer Polyestergürteltasche mit Reißverschluss bei einer der Seilerinnen (Bild). Letztere trug ebenfalls noch einen Seidenschal moderner Machart.
Die größte Sammlung von Anachronismen auf einem Platz fand ich beim Drechsler. Lassen wir mal das Schild über dem Laden außer Acht auf dem das Wort Drechsler in roter Schreibschrift mit einem Drachen als D stand (Bild der Bauhütte). Das allein trieb einem schon die Schamesröte ins Gesicht. In der Hütte fand sich neben einem modernden Strohhut (Bild des Strohuts), eine römische Amphore, ein Messingtopf (der Naht nach aus Spritzguss) (Bild des Innenraums) und einen Zinnbecher  (Zinnbecher erkennbar hier). Eigenartig war auch der Verkauf(?) von unpassenden Pflanzen auf einer gegenüber angelegten Kräuterspirale (Pflanzenverkauf). Positive erwähnen muss ich dagegen das sich in der Drechslerwerkstatt 2 Räder mit einer Holzachse fand für einen möglichen neuen Karren fand. Ach und ich glaube über die Verwendung von Daubeneimern mit verzinnten oder vernickelten Ringen brauchen wir nicht zu sprechen.

Generelles Problem der Informationsvermittlung. Mitunter wurde den Bewohnern vorgeworfen falsches oder mangelndes Wissen an den Tag zu legen.  Ob dies tatsächlich der Fall ist konnte ich nicht herausfinden, denn der Andrang war einfach zu groß und man konnte nur schwer nachfragen oder sich durch die Menschentrauben zwängen die sich vor den einzelnen Märchenhaushütten Werkstätten bildeten.  Es fiel mir jedoch mitunter bei den Personen eine große Unsicherheit auf vor Publikum zu agieren.  Zum Teil wirkten sie auch so als wüsten sie zwar ihre Aufgabe, hatten jedoch nicht das Ganze verinnerlicht. Will sagen sie sie wussten was sie für eine Aufgabe hatten, das 9. Jahrhundert, in dem sie ja per Definition handelten, erschien ihnen jedoch fremd. Es waren eben Menschen des 21. Jahrhunderts die man in Kostüme des 9. Jahrhunderts gesteckt hatte und deren Erfahrung als Erklärbär sich in argen Grenzen hielt.

Ein anderes Problem in diesem Bereich waren verwaiste Baustellenteile. In meinem Fall betraf das den neuen Grubenmeiler. Man sah eine Runde Feuerstelle in bzw. an einer Grube neben der einige Kalksteine lagen. Ich ging davon aus das es sich um den Versuch einer Kalkbrennerei für den Mörtel handelte. Aber es war der Grubenmeiler. Ich hätte mir Schautafeln gewünscht, nicht nur am Grubenmeiler, die auf die dort ausgeübte Tätigkeit hinweist und informiert.

Das Programm des Sommerfestes war eher absurd.  Zwar hatte ich am Anfang das Gefühl das hier etwas richtig gemacht wird, denn direkt hinter den Kassenhäuschen fanden sich einige Stände mit Bratwurst und ein bisschen Firlefanz (Bild). Ich ging also davon aus das hier zwischen dem Markt und der Baustelle getrennt wird. Leider hatte ich mich getäuscht. Denn auch der auf dem Marktplatz gab es mehr Firlefanz als sich das jemand gewünscht hätte. So wurde auf dem „Marktplatz“ „Wikingerschach“ (Bild) angeboten während eine typische Gro-Mi-Gruppe Kalinka gab zum besten (Video).  Zudem konnte man auf dem Markplatz man „karolingische Wurst im Teigmantel“ erstehen (Bild)  aus einer karolingischen Verkaufsstand(?) herraus, oder an einem Stand die üblichen Seifen kaufen (Bild). Wohlgemerkt auf dem Marktplatz der Klosterstadt, der zentralen Rodung – Heiliger Boden Highlander!! Dieses Rahmenprogramm war vielleicht gut gemeint, aber wird extrem absurd wenn dann  auch noch Thomy der Weltenbummler „Da Vincis Malerwerkstatt“  am Baugrund der Scheune aufbaut (Bild). Ach, und zwei mal konnte ich typische Mittelaltermarktbesucher (Gewandung) erkennen. Dies hielt sich also in Grenzen.

Es mag sich nun jeder sein eigenes Bild machen.

 

Renderorgien und sonstiger Stress

Ich muss mich mal ein bisschen erklären. In letzter Zeit ist es hier, zu meinem Leidwesen, etwas ruhig. Das liegt hauptsächlich daran das zur Zeit verstärkt Begriffe wie 2008R2, SQL, Zyxel Zywal, ICW-Box, D2D und ähnliches im Kopf rumgeistern und ich meist erst spät nach Hause komme. Daran wird sich wohl bis Pfingstent auch nichts mehr ändern.
Gleichzeitig habe ich aber auch im Moment gewisse Vorteile was mein Animationsprojekt zu Laurentiuskirche angeht. Zur Zeit werkele ich an den Kamerafahrten herum, was sich als leichter gesagt als getan erweist, wohingegen das eigentliche Rendern im Moment noch ruht. Doch wenn ich damit fertig bin geht es rund, denn zur Zeit werkeln hier neben mir 4 weitere Rechner, darunter ein i5, die ich zu einer Renderfarm vernetzt habe.
Diese kleine Renderfarm beschleunigt das Rendern der Animation ungemein und erlaubt es mir sogar die Lichteffekte noch ein bisschen hoch zu schrauben. Zur Zeit rendere ich auf 2 Maschinen bei halber Leistung eine Testanimation um einen Geschwindigkeitsvergleich zu bekopmmen einzig das 100MBit Netzwerk ist etwas nervig bei beim hin und her schieben großer Daten.

I

Das Dilemma der Reenactmentszene und den TV-Machern

Nach dem Hiltibold und ich über die Avancen einer Werbeagentur schrieben, die an uns heran getragen wurden, hat auch Jan H. Sachers MA von blog.HistoFakt.de dazu geschrieben. Er hat sich dazu entschieden etwas über den Film zu schreiben und begründet dies. Ich kann seine Argumentation, die er als Handreichung versteht, durchaus nachvollziehen und habe dazu auch vor Ort kommentiert.

Um es kurz zu machen mein Aspekt in dieser Geschichte ist und war: Ich lasse mich nicht vor einen Werbekarren spannen und dazu stehe ich.
Um aber ganz sicher zu gehen nicht doch vielleicht den Guten etwas schlechtes nachzusagen fragte ich bei Philipp Böttcher nach was seiner Meinung nach hinter der Avance stehe. Philipp Böttcher ist selbst Betreiber der Agentur HausAmSee, zeichnet sich z.B. für den Congstar-Look verantwortlich und ganz zufällig waren wir mal in der selben Band…
Nach Philipps Meinung handelt es sich um den Versuch des Seedings, also der möglichst breit gefächerten Platzierung des Produktnamens oder Links bei „Influentials“ (in dem Fall Geschichtsblogger allgemein) die eine mögliche Zielgruppe (Fensehzuschauer mit einem gewissen Geschichtsinteresse) ansprechen. Dabei ist es vollkommen egal ob positiv oder negativ berichtet wird, wichtig ist nur die Nennung der Namen, bzw. der Links. Eine Spielart des Viralenmarketings.
Ich hatte etwas in dieser Art bereits vermutet und daher beim letzten mal schon keine Namen genannt.

Nun aber zur eigentlichen Problematik und dem Grund warum ich noch einmal darüber schreibe:

Jan betrachtete die Situation aus einer anderen Position. Wobei mir die offensichtliche Werbeofferte im Vordergrund steht, sieht Jan Möglichkeiten die ich durchaus nachvollziehen kann :

Aber: Wenn sich Historiker, Reenactor, Hobbyisten von vornherein jedem Dialog verweigern, wird sich nie etwas ändern. Man hat mich um meine Meinung gebeten, und die soll man bekommen. Ja, natürlich wäre es schön und sinnvoll, VOR Beginn der Dreharbeiten gefragt bzw. als Berater hinzugezogen zu werden, aber jeder (lange) Weg beginnt mit einem ersten Schritt …

Dieses Zitat und die Werbeavance bezogen sich auf einen Filmproduktion ohne geschichtlichen Anspruch, die meiner Auflassung nach eher dem Fantasy Genre zuzuordnen ist. Beraterfunktionen wären hierbei aber wahrscheinlich so sinnlos wie der Versuch  Michael Bay den Sprengstoff und J.J. Abrams die Lensflair-Effekte wegzunehemen.  Anders sieht es bei Produktionen mit echtem Anspruch aus.
Aber leider ist  das Kind aber bereits in den Brunnen gefallen…

Ich habe in persönlichen Gesprächen, Chats, Foren usw. erfahren wie die Produktionen in aller Regel abliefen, bzw. das Reenactor nicht mehr an diesen Teilnehmen würden, wozu ich hier nur einige wenige Beispiele geben möchte:

Aus Tempus Vivit (2007):

Ich bin gerade von den Dreharbeiten für eine Fernsehdokumentation für das ZDF zurück. Ich habe nach einem Tag abgebrochen, das dieses Machwerk in keinster Weise den belegten Gegebenheiten der karolingischen Zeit entspricht. Der Archeologe Herr [Name entfernt] war genauso geschockt, über das was die Regie für vorstellungen von Bekleidung und Sachkultur jener Zeit hat. So wurden die Darsteller zu großen Teil in Gewänder gesteckt, die sehr an einen sog. Mittelalter Markt erinnern. Von Hobbyisten geliehene und mitgerbrachte stimmige Gewänder wurden duchwegs als zu Bunt abgelehnt. Selbst Glasperlenketten wie sie in dieser Zeit häufig Belegt sind wurden als zu Farbig abgelehnt. Lieber hüllte man die Darsteller in Sackleinen. Männer sollten durchwegs lange Haare haben ( In Stuttgarter Psalter von 820 gibt es nur eine Abbildung eines langhaarigen Mannes). Ein orginalgetreuer Rundschild mit Zuckerhutschildbuckel und belegter Bemalung wurde auch als zu Farbig abgelehnt. (…)

 

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Der geschätzte Lindy Beige hat  in einem Youtube Video auch über die Erfahrung eines historischen Beraters berichtet:

Diese und andere Erfahrungen haben die Stimmung zwischen „Darstellern“ im Allgemeinen und den Filmemachern bereits vergiftet. Die Folge davon ist das qualitativ hochwertige „Darsteller“ sich nicht mehr bereit erklären in den Produktionen teilzunehmen, wenn sie den Produktionen nicht ohnehin als zu kostenintensiv erscheinen,  und ihre Positionen mit qualitativ minderwertigen „Darstellern“ besetzten. Letztendlich zählt im Film „Ambiente“ und „Symboldarstellung“ mehr als die historische Korrektheit.

Hinzu kommt ein neuer Aspekt bei Produktionen wie ZDF-History, den das Feuilleton der Frankfurter Zeitung unter dem Titel „ZDF-Geschichtsfernsehen – Peinlichste Missgeschicke der History“ kürzlich einen Artikel widmete (online hier) und es unter anderem „Fernsehen für Zuschauer mit Aufmerksamkeitsdefizit“ bezeichnet.
Terra-X geht dagegen den Weg der „Promiisierung“, zunächst war es Maximilian Schell der Gesicht und Stimme der Imperiumsreihe gab, dann versuchte sich Hape Kerkeling am ZDF eigenen Geschichtsformat  (ich schrieb dazu hier) um den Stab zur Zeit an Senta Berger weiter zureichen.
Zu allem Überfluss scheint sich aber auch noch Kostendruck in den Produktionen niederzuschlagen, denn mehr den je werden ältere Spielszenen bis zum Abwinken wiederverwendet, so verwendete beispielsweise die Knopp Produktion „Der Heilige Krieg auch Szenen aus „Die Deutschen“.

All diese Faktoren weisen auf eine Abwärtsspirale hin.  Hinwendung zu prominenten Gesichtern als Testemonials die zu höheren Kosten führen und den Rückgriff auf Archivmaterial begünstigen, bzw. Großproduktionen ins kostengünstigere Ausland verlegt werden. Dies behindert wiederum die Verwendung von neuerem, möglicherweise akkuraterem Material. Reines Quotendenken in der Produktion mit möglichst reißerischer Darstellung begünstigt historisch unkorrekte Darstellung (Stichwort: Unterschichtenfernsehen ), obwohl dies bei den Privaten durch den Quotendruck bei Werbeeinnahmen zurückzuführen ist,  dem öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nicht unterworfen sein sollten (Stichwort: Bildungsauftrag und  ARD ZDF Deutschlandradio Beitragsservice / GEZ ). Dies wiederum führt zur Verbannung von Kultur und Politik-Sendungen auf unattraktive Sendeplätze oder in die Spartenkanäle. Der Bildungsauftrag wird durch Bereitstellung von Unterrichtsmaterialien  über das Medium #Neuland Internet bewerkstelligt.

Ein weiter Aspekt liegt möglicherweise in der Wahrnehmung von Living History und Reenactment in der Bevölkerung, nicht nur bei den Filmemachern. Die optische Unterscheidung zwischen Spass-Mittelalter á la Mittelaltermarkt fällt dem ungeübten Betrachter eines Mittelaltermarktes ohne genauere Vorbildung schwer. Oftmals wird sogar, und das ist wieder das Problem des Fernsehens, Reenactment, Living History, experimentelle Archäologie,  Mittelaltermarkt, LARP und SCA in einen Topf geworfen. Regisseure sind zwar zum Teil studierte Historiker, wie etwa bei „Die Deutschen“, dies bedeutet aber nicht das man sich auch mit angewandter Archäologie oder Kostümkunde auskennt.

Ich hatte dazu kürzlich ein Gespräch mit einem Mittelaltermarkt Enthusiasten. Meine Versuche den Unterschied zwischen meiner Kleidung und denen auf einem Mittelaltermarkt heraus zu arbeiten (Handnähte, belegte Schnitte und Nähte, z.T. handgewebt, pflanzlich gefärbt etc.) wurden entweder ignoriert oder mit „wir machen ja auch alles selber“ übergangen. Aber das möchte ich an dieser Stelle nicht ausweiten.  Auf den ersten Blick scheint dies nichts mit Filmproduktionen zu tun zu haben, dennoch wir haben es hier auch mit Leuten zu tun die diese Dokumentationen verschlingen und gleichzeitig sie auch fördern und mit neuem „günstigem“ Darstellermaterial beliefern. Hier beißt sich die Dokuschlange selbst in den Schwanz, schafft und fördert sich sein eigenes Klientel.

Es gälte daher diese Abwärtsspirale zu durchbrechen. Wer aber soll den ersten Schritt machen?
Die Living History und Reenactment Enthusiasten haben sicherlich nicht die Möglichkeit sich alleine durchzusetzen. Für jeden historisch korrekten Darsteller stehen fünf weitere auf Mittelaltermarktnivau bereit um diesen kostengünstig zu ersetzten, geschweige denn man kann noch günstiger auf Archivmaterial zurückgreifen. Keine Produktion wird sich freiwillig das Gemecker über die Ausstattung von „Laiendarstellern“ anhören.
Größere Chancen hätten da das Fachpersonal das immer wieder in Interviewszenen auftaucht, wobei auch ihnen das Blaue vom Himmel herunter erzählt wird und auch hier die Möglichkeit des Austausches besteht.
Ein Totalboykott von Interviewpartnern und Darsteller um die Macher zu einer Veränderung zu bewegen halte ich daher für nicht möglich, genauso wenig wie ich eine Möglichkeit sehe in einer dieser Rollen von innen heraus etwas verändern zu können.

Auch das die eingesessenen Filmemacher, bzw. der Produktionsfirmen ohne Beeinflussung von Außen an ihren bewährten Konzepten etwas ändern würden kann ich mir nicht vorstellen. Zu bewährt ist das bisherige Konzept. Auch das sich die Sendeanstalten eines Besseren belehren lassen kann ich mir nicht vorstellen. (Thema: Thomas Waitz: „Unterschichtenfernsehen. Eine Regierungstechnologie“)

Eine Hoffnung bestünde wohl lediglich unbelasteten Produktionen. Ich denke hier vor allem an junge ambitionierte Filmemacher, die sich vielleicht noch im Studium befinden und etwas Neues ausprobieren möchten und dabei weg von den Klischees möchten. Im Bereich Dokumentationen kann man bei ZDF Neo hin und wieder einen Lichtblick erhaschen.

Solange bis dieser Umbruch stattfindet, und ich hoffe wirklich darauf, bleibt unser eins keine andere Möglichkeit als Briefe, Mails und Kommentare an die Verantwortlichen zu schreiben um wenigstens auf die Positionen aufmerksam zu machen. Wobei auch auf die zahlreiche Kritik im ZDF auf die Sendereihen „Die Deutschen“ und „Die Deutschen 2 “ keine Reaktion erfolgte. Die einzige Reaktion die ich feststellte war, das zu keinerlei Diskussionsrunde mehr im ZDF nach dem zweiten Teil kam.

Abschließende Bemerkung: Ursprünglich wollte ich ein positiveres Bild zeichnen. Nach aber fast 2 Wochen des Nachdenkens bin ich aber tatsächlich zu diesem pessimistischen Bild gekommen. Was die Werbeavance angeht werde ich unter Umständen nach der Ausstrahlung des Stücks darüber schreiben, im Vorfeld allerdings in keinster Weise eine Namensnennung durchführen!

PR-Firmen my ass!

Vor wenigen Wochen schrieb Hiltibold von dem Versuch einer PR-Agentur ihn zu einer Kritik für eine ZDF Produktion zu bewegen. (Text hier). Zu diesem Zeitpunkt dachte ich „Ach Hiltibold, warum schreibts du nicht drüber? Sowas könnte man doch wunderbar in der Luft zerpflücken.“

Nun habe auch ich die betreffende Mail bekommen. Brav hab ich mir die 64,8 MB ZIP-Datei mit Bildmaterial gezogen und habe nachgedacht, sogar ziemlich lang. Aber nicht wie ich den Müll, der mir dort präsentiert wurde, nieder mache.
Mir fiel der Twitter Rant von René „Nerdcore“ Walter ein, mir fiel ein Text von Stefan Niggemeier zu Werbeaktivitäten ein, mir fielen die vielen Links zu Werbegeschichten aus dem Bildblog ein und mir fiel der Satz ein „Schlechte Werbung ist auch Werbung“.

Natürlich wäre das ein gefundenes Fressen für mich gewesen den Film nieder zu machen. Gerade im Moment in dem ich wieder im Stress stecke und sowas doch relativ leicht von der Hand geht. Aber ich hätte mich zur Marionette gemacht und das will ich schlussendlich nicht. Allein die Information über die Produktion hätte Leute anregen können sich den Müll anzusehen und das will ich schon gar nicht! Ich selbst benutze meine Glotze in letzter Zeit nur noch zum PS3 spielen oder um maximal mal Arte zu sehen, nicht aber um mir den Müll anzutun der mir da in den gewöhnlichen Öffentlich-Rechtlichen und den Privaten serviert wird.

Und noch mal: Nein, ich will auch keine Blog-Parade mit dem Thema „Pilgern im Mittelalter“, vorher schreibe ich zum drölfzigsten mal über die heilige Vorhaut! Zudem ist es etwas vollkommen anderes wenn mich ein Museum, eine Ausstellung bittet über sie zu schreiben, bzw. darüber zu informieren, was ich auch weiterhin tun werde. Aber keine Werbung für euren Müll, an dem ich eh nichts mehr ändern kann!

Tebartz-van Elst und die Denkmalpflege

Nachdem vergangene Woche Bischof Tebartz-van Elst versuchte den schwarzen Peter der Kostenexplosion dem Denkmalschutz in die Schuhe zu schieben, wollte ich eigentlich etwas dazu schreiben, schaffte es aber aus Termingründen nicht.

Rainer Schreg hat jedoch alles in seinem Blog kurz und prägnant zusammengefasst. Hier nachzulesen.

Von meiner Seite wollte ich dennoch kurz Anmerken, dass die Vorgehensweise Denkmalpflege und Archäologie die Schuld für Verteuerungen zu geben sehr beliebt ist. Meist ohne ernst zunehmende Begründung.  (Wer kann denn auch schon immer Ahnen das man auf einem Burgberg archäologische Funde machen kann)

Walther Lietzmann und seine „Frühgeschichte der Geometrie auf germanischem Boden“

Lietzmann war Mathematiker und befasste sich, man könnte sagen aus Hobby, mit der Geometrie im „nordischen“ bzw. „germanischen Kulturkreise“.  Und sprach der „germanischen Geometrie“ eine Dynamik zu die die Griechen nie besässen hätten. Man kann ahnen wo sowas hinführt… Björn Kastens hat sich in seinem Staatsexamen mit dem Thema befasst und hat es für das bremer online journal geschichte aufbereitet.

Einmal Geometrie als PDF hier

Karl der Große auf Arte

Am vergangenen Wochenende, Samstag 20:15 Uhr zeigte Arte als TV-Premiere den Dokudrama Dreiteiler Karl der Große in der Langfassung bestehend aus 3 Teilen. Ich habe mir das „Drama“ angesehen und obwohl ich eigentlich zu Formaten im Knoppschen Stil nichts mehr schreiben wollte sah ich mich, dreht es sich doch um die Karolinger, genötigt einige Zeilen zu schreiben. Die ARD wird die Sendung in einer 90 Minuten Fassung am 1. Mai um 18:30 zeigen.

Bereits Guido Knopp hatte sich im Rahmen der Reihe „Die Deutschen 2“ an Karl dem Großen versucht und viel Hohn und Spott, nicht nur von mir, eingehandelt. Nun tritt der WDR in Kooperation mit TV Servus (Österreich) in die Fußstapfen des ZDF. Regie führte  Gabriele Wengler die bereits für Sphynx im ZDF tätig war, wo sie u.a. Caspar Hauser bearbeitete.

Zunächst einmal sollte die Rolle des Einhard positiv hervorgehobenen werden, denn Einhard wird seiner Kleidung nach nicht als Mönch dargestellt, wie das sonst so gerne fehlerhaft getan wird. Doch dies fällt nur bei genauerer Betrachtung auf, denn seine Kleidung ist tief schwarz und kaum von der Klischeerobe seines mönchischen Sekretärs Johannes zu unterscheiden. Zu dem muss ich zugeben das Peter Matics Rolle des Einhard durchaus potential gehabt hätte. Wie gesagt hätte.

Das war es aber auch schon an positiven Gedanken.
Darstellung und Austattung lassen die Vermutung zu, man habe versucht auf den Erfolg von Klischee und Fantassy Verfilmungen wie der Kenn Follet Reihen oder „Die Wanderhure“ anzuschließen.
Meist es es düster, die Kleidung extremst dunkel. Es wird das „Darkage“-Klischee mit nackten Mauern bemüht.
Nur in wenigen Szenen trägt Karl einen Rechteckmantel, meist sind es rote halbrunde Mäntel mit Kapuze die von den Soldaten getragen werden. Sämtliche Schwerter scheinen vom letzten Mittelaltermarkt aufgekauft worden zu sein, Spatha oder Schwerter irgendeiner frühmittelalterlichen Einordnung sind nicht zu erkennen- und fröhlich wird da mit Anderthalbhändern gekämpft. Flügellanzen sind an keiner Stelle zu sehen. Als Rüstung wird ein Klibanion ähnliches Etwas getragen, kombiniert mit byzantinisch oder sassanidisch anmutenden Helmen. Über Mantel und Panzer tragen die Franken lederene Kragenteilen mit aufgenähten Unterlegscheiben, oder niedere Stände tragen eine Gugel.
Auch die Sachsen erfüllen alle Klischees als fellbehangene Waldgermanen, allen voran mit Widukind Darsteller Erich Altenkopf (Telenovela Darsteller Dr. Niederbühl aus „Sturm der Liebe“)als blondem Wiederständler ohne echten Wiederstand.
Auch architektonisch sieht man einen Mischmasch aus Barock, Renaissance, Gotik und Spätromanik, ganz zu schweigen vom Himmelbett.

Optisch und Inhaltlich ähnelt die Sendung starkt der „Die Deutschen“-Reihe, lediglich Salier Experte Weinfurter wurde durch Karolinger Experte Schieffer ersetzt, bzw. mit Fried als „Erzfeind“ der Gegenpol geschaffen und statt des neutralen schwarzen Hintergrundes in den Interviewpassagen erzeugt der unscharfe Hintergrund eines Portals ein gewisses historisierendes Flair.

Mitunter erscheinen die Übergänge von Doku- zu Dramateil nach satirischen Aspekten gewählt. Da wird unter David Nicholle ein Dummy mit der ausgewiesenen Fernwaffe Bogen aus 10m Entfernung (!) beschossen und zum Abschluß in Nahaufnahme auf einen Schuppenpanzer festgestellt , dass diese besondere Rüstung den Karolingern einen immensen Vorteil verschaffte. Es folgt ein Umschnitt auf Karl in seinen an byzantinische Exemplare angelehnten, eigenartigen Klibanion. Es wird, unter Ingorierung sämtlicher Illuminationen und der Beschreibung der Kleidung Karls durch Einhard, der Stifter von Marls als einzige Darstellung eine karolingischen Adligen genannt und nach dem Umschnitt sieht man Karl und seine Truppen in ihrer „TV Kleidung“ über die Alpen ziehen. Bei der Erläuterung des Reisekönigtums wird auf die Bedeutung von Erlassen für die Königshöfe hingewiesen, nach dem Schnitt sieht man Männer Trauben mit den Füßen stampfen. Etwas das eben jener Erlass, das Capitulare de Villis vel Curtis, in Kapitel 48 Verbot!

Fehler die so eigentlich nicht sein sollten und die gesamte Darstellung ad absurdum führen. Falls es sich wieder Erwartens um ein Deutlichmachung von „Symboldarstellungen“ handelt, ging das dramaturgisch in die Hosen.

Hinzu kommen eine Vielzahl von Verallgemeinerungen und mangelnde Erläuterungen, die beim Gelegenheitsbetrachter zu falschen Vorstellung führen.
Die englische Historikerin Janet Nelson wird mitunter stark verkürzend und zusammenfassend übersetzt.
Hier fiel besonders auf das von Roland als dem Weggefährten Karls des Großen die Rede war. Einhards Erwähnung Rolands besteht jedoch aus der Nennung des Namens in der Liste der bedeutenden Adligen die bei dem Rückzug aus Spanien im baskischen Hinterhalt fielen1 . Die Darstellung Rolands als Weggefährte oder sogar als dessen Neffe, sowie die Verwendung der filmische Darstellung Rolands als Bläser des Horns Oliphant während er von Pfeilen durchbohrt wird, stammt aber aus Rolandslied des späten 11. Jahrhundert. Es ist anzunehmen das dies auch von den Historikern erwähnt wurde, aber dem Schnitt zum Opfer fiel.

Notger der Stammler wird schlicht und einfach als „Chronist“ erwähnt ohne ihn persönlich zu nennen, ohne seine Informationen bzw. seine Funktion als „Geschichtenerzähler“ zu hinterfragen, wird doch die erwähnte Situation, der Marsch auf Pavia,  auch bei den Grimms als „der Eisernern Karl“2 erwähnt.

Diese Liste liese sich eine ganze Weile fortsetzten, was ich aber an dieser Stelle nicht tun möchte.

Ich habe inzwischen viele solcher Dokumentationen gesehen. Ich habe Informations- und Pressemappen dazu gelesen. Ich habe mir Diskussionsrunden und Stimmen dazu gehört. Meist wird versucht zu erklären das es sich bei den Spielszenen um „Symbolbilder“ handelt. In etwa so wie bei dem berühmten Hacker-Symbolbild, welches in Wirklichkeit den Quellcode einer Toastersimulation zeigt.

Vielleicht hätte man sich , wenn denn schon so offensichtliche Diskrepanzen zwischen Erläuterungen und Spielszenen entstehen Michael Verhoevens O.K. Von 1970 für einen Beginn als Vorbild nehmen sollen, wo die bayrischen Schauspieler die 4. Wand durchbrechen, sich Vorstellen die US-Uniformen alnlegen und ab dort in bayrischem Dialekt im ebenso bayrischen Wald Vietnamkrieg klar erkennbar als Schauspieler im schwarz-weißen Wochenshow Look spielen. Gleiches wurde bei Arte bereits bei einer Verfilmung von Marcel Prousts „Auf der Suche nach der verlorenen Zeit“ gezeigt. Hier wurden die Schauspieler wärend der Anprobe und Maske gezeigt und äußerten sich zu ihren Rollen.
Die Friedrich der Große Spieldoku mit Mutter und Tochter Thalbach ging mit der Besetzung einer männlichen Person durch Frauen durchaus ihren eigenen Weg. Es konnte das Element des Symbolbildes durch die „Hosenrolle“ als surreales Element in der Doku positiv nutzen. Bei Karl dem Großen jedoch wurde wieder auf altbekanntes, weil wohlerprobtes Zurück gegriffen.

Ob die Sendung nun vom WDR produziert war oder ob Fernsehrentner Guido Knoppe und das Team von „Die Deutschen“ dahinter standen, war letzendlich unwichtig. Zu austauschbar sind die Formate, die Einstellungen. Lediglich die Rekonstruktionen bei Knopp von Faber Courtial hatten klar höheres Niveau als die wenigen Standbilder von Zeltstädten aus Hochmittelalter Zelten oder einer kleinen Animation von Aachen.

Es ist also die alte Leier. Hoch angepriesene Dokudramen entpuppen sich als halbgare Historymärchen. Dies wird sich auch nicht ändern so lange man Drehbuchautoren verwendet die Drehbücher für Musikvideos von Polarkreis 183und Terra X Produktionen schreiben. Es müsste ein totaler Neustart her, weg mit der Märchenfilmausrüstung, auch wenn sie im Magazin vor sich hin rostet und  es müssten Drehbuchschreiber her die die historische Situation korrekt dramatisieren könnten.
Dies wird aber alles erst geschehen wenn die öffentlich Rechtlichen ihren Bildungsauftrag wieder ernst nehmen.
 

Offenlegung: Teile dieser Rezension wurden bereits von mir am Sonntag auf der Arte Seite des Films als Kommentar veröffentlicht.

  1. Einhard „Vita Karoli Magni – Das Leben Karls des Großen“ Reclam S.22/23 []
  2. Brüder Grimm „Deutsche Sagen“ Nr447 online Literaturnetz.org []
  3. siehe bei Crew United []

St. Alban als Missionierungsposten?

Gestern durchstöberte ich ein bisschen die Geschichte Mainz in der Zeit zwischen 350 und 450 um mir ein Bild von der Stadt machen zu können.  Wieder blieb ich beim Rheinübergang von 4063/407 hängen. Ich bemerkte das erstemal das wir ein Opfer des Übergangs namentlich kennen.

Ein Italiener namens Albanus , später bekannt als heiliger Alban. Hrabanus Maurus berichtet von ihm das er zur Mission nach Gallien geschickt worden sei. Was darunter zu verstehen ist, bleibt schleierhaft. Entweder er missionierte gallischen, also römisch kontrollierten Hinterland von Mainz etwa bei arianischen Auxilliaren oder aber, und dieser Gedanke ist es den ich interessant finde, auf der anderen Rheinseite bei den arianischen Burgunden, Vandalen und Co.

Hrabanus Maurus berichtet weiter das Alban bei einem Angriff der Vandalen auf die Stadt, eben 406/407, durch diese enthauptet wurde.  Die Geschichte das er seinen Kopf an den Begräbnisort geschleppt hat erspar ich mir. Er wurde auf einem römischen Gräberfeld südlich von Mainz beigesetzt. Bereits 413, nur 6 Jahre später, wurde auf dem Begräbnisort eine Memoria von 50×100 römischen Fuß errichtet. Lange Zeit war dieser Bau Begräbnisort der Mainzer Bischöfe, bis zur Zeit Karls des Großen die neue Basilika gebaut und ein Kloster eingerichtet wird.

Alban erfuhr also schon bereits mit seinem Tod eine große Verehrung und trotz der komplizierten Zeit wird ihm eine Kirche beachtlicher Größe gebaut.

Gerade am Wochenende hatte ich noch einmal einen kurzen Blick in Demandt zur Verteilung der Albanskirchen geworfen. Die Albanskirchen befinden sich von Stockstadt bis Mörfelden. Demandt führt diese auf reiche Schenkungen durch Karl den Großen zurück bei der Klostergründung zurück.  Die Güter sollen aus Krongut genommen sein.
Auf der rechten Rheinseite sind St. Albanskirchen viel weiter verstreut, obwohl auch hier genug Krongut existierte. (Eine erste Beobachtung ohne tiefere Recherche)

Was wenn die St. Albanskirchen auf der östlichen Rheinseite eine viel ältere Basis haben? Etwa als Missionskirchen zur Missionierung der Arianer. Für Trebur stelle ich mir das in etwa so vor: Im Ort, wo heute St. Laurentius liegt wird gesiedelt (dies ist Fakt), die Albanskirche liegt südlich, getrennt durch den Bachlauf, da die Arianer die Kirche zwar dulden aber nicht „im Ort“ akzeptieren. Mit Annahme des katholischen Christentums verschiebt sich die Siedlung in Richtung der Missionskirche, während die Franken die geschüzte Lage der alten Siedlung weiter nutzen.

Dies sind nur Gedankenspiele. Aber vereinzelt hörte ich bereits das die St. Albanskirchen auf Missionskirchen zurückgehen könnten, jedoch konnte ich das bisher nicht einordnen.

 

„Spielerisches Wissen“

Oft genug habe ich mich über Geschichtsdokus ausgelassen und erklärt was mir daran nicht gefällt. Nun möchte ich aber zur Abwechselung mal etwas vorstellen/erläutern , das mir gefällt. Dazu muss ich ein klein wenig ausholen.

Klar hab ich einen Computer, doch das gute Stück ist inzwischen so in die Jahre gekommen, dass das der einzige Egoshooter den ich noch einigermaßen ruckelfrei spielen kann Halflife II ist.  Letztendlich bedeutet es das ich die gesamte Spielentwicklung der letzten Jahre verschlafen bzw. nur auf Youtube beobachet habe.  Nun kam ich aber in letzter Zeit in Konsolenberührung und bekam da was aufs Auge gedrückt. Assassins Creed II.
Für die dies nicht kennen: In eine Rahmenhandlung in der Jetztzeit eingebettet dreht sich das Spiel um einen Assassinen im Italien der Renaissance, dem Leonardo da Vinci als „Q“ beiseite steht und der Templer meuchelt. Alleine durch dieses Templer/Assassinen Setting hätte ich sowas nicht gespielt und dann noch Renaissance, die ich fast genauso wenig mag wie Barock…

Nun ja ich habs gespielt und fands gut. Was ich aber so richtig gut fand war etwas anderes. Das Handlung des Spiels nutzt wahre Begebenheiten wie die Pazzi-Verschwörung für seine Story und eine recht realistische Grafik, was bedeutende Landmarken, wie den Dom von Florenz etwa, sehen auch aus wie der Dom von Florenz (auch wenn das Babptysterium fehlt) . Ich merkte zunächst garnicht das ich immer wieder auf dem Handy nach den realen Hintergründen des Spiel googelte. Und wenn man sich die Statistiken von Google Insight ansieht scheine ich nicht der einzige gewesen zu sein der das getan hat.

Und das ist auch der Vorteil eines Spiels. (Fast) Keiner verlangt von einem Spiel historisch Korrekt zu sein, im Gegensatz zu einer Dokumentation und in einem Spiel verpacktes Wissen wird , so denke ich zumindest eher angenommen als wenn der Oberlehrer der Nation sein Wissen zum Besten gibt. Ich kann mir gut vorstellen das Schüler im Unterricht ihr „Spielewissen“ entsprechend eingesetzt haben, oder beim Italienurlaub plötzlich darauf bestanden haben den Dom von Florenz zu besichtigen nur um das vermeindliche Templergrab in der Kuppel zu sehen…
… damit hätte eine Spiel mehr erreicht als eine Doku oder Unterricht.