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Odin, Thor und Freyja – Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

„Odin, Thor und Freyja – Skandinavische Kultplätze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich“ ist eine neue Ausstellung des Archäologischen Museums in Frankfurt/Main. Da ich eingeladen war der Eröffnung beizuwohnen konnte ich die Ausstellung bereits am 10.2. in Augenschein nehmen und auch der Eröffnungsfeier im Refektorium des ehemaligen Karmeliterklosters beiwohnen.

Diese begann mit einem  unschönen Programmteil: Prof.  Egon Wamers musste dem zu früh verstorbenen Lars Jørgensen Gedenken, der einer der Mitinitatoren  und dessen Forschungen Grundlage für die Ausstellung war.  Jørgensen war im vergangenen September verstorben.

Weitere Redner waren Arne Friis Petersen, dänischer Botschafter und Schirmherr der Ausstellung, Per Kristian Madsen, Generaldirektor des Dänischen Nationalmuseums Kopenhagen, sowie eine Vertreterin (Der Name ist mir leider entfallen) für Dr. Ina Hartwig , der Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt. Umrahmt wurde die Reden durch die musikalische Untermalung  von Sopranistin Laurie Reviol und Toshinori Ozaki an den Zupfinstrumenten, die thematisch passende Stücke interpretierten und auch Teile aus Beowulf rezitierten.

Die Reden waren, vielleicht bis auf die durch die Vertreterin der Frankfurter Politik, durchweg interessant. Berichteten sie doch u.a. über die Forschung Jørgensens, dessen Ausgrabungen und Forschungen zum Fundplatz Tissø, der die herausragende Grundlage der Ausstellung bildete.
Nach dieser Einführung war für uns die Ausstellung eröffnet, die nun bei „Frankfurter Wein und Käsestangen vom Rewe“, wie es Warmers formulierte, in Augenschein genommen werden durfte.

Als ich dann in der Garderobe meinen Mantel holen wollte um mich zum eigentlichen Museumseingang zu begeben traf ich dann auch das erste bekannte Gesicht in Form von Gawan Dringenberg.

Die Einführung in die Ausstellung beginnt mit einem Blick in die (frühe) Götterwelt im Norden. Ergänzt werden die großflächigen Schautafeln mit einer Vielzahl von meist kleineren Funden, wie Götteramuletten, aber auch silbernem Geschirr das als Opfergabe in Mooren niedergelegt wurde. Diese Funde stammen zum großen Teil aus den Fundplätzen von Hoby und Gudme.

Als Übergang in die Haupträume des Museums dient die begehbare Visualisierung des Kulthauses von Tissø-Fugledegård mit zwei übergroßen Holzidolen und dem fast 2kg schweren Goldreif. Tatsächlich sind es solche Darstellungen, die ich mag. Zum einen lassen diese Visualisierungen in die Welt jener Zeit eintauchen, schaffen aber auf Grund der Wände als Fotoreproduktionen eine nötige Distanz.

Betritt man nun den Hauptraum findet man an der Stirnseite linker Hand eine digitale Rekonstruktion der  großen Halle von Tissø-Fugledegård auf 11m breite. Das Raumerlebnis wird durch eine in den Ausstellungsraum ragende Feuerstelle komplettiert. Somit wird der Verbindundungsbau des Museums zum Kirchenschiff des Karmeliterklosters zur großen Halle von Tissø.

Während sich nun die rechte Seite den Funden aus dem namensgebenden Tissø (Stiersee) findet, darunter eine merowingische Spatha und ein Schwert des 10./11. Jahrhunderts, widmet sich die linke Seite der Festtafel. Hier finden sich neben Banketaxt und Fleischgabeln auch Falknergeschirr und Hundeleinen. Als Vergleiche werden Auschnitte aus dem Teppich von Bayeux genutzt. Auch Vergleiche und Parallelen der Anlagen von Tissø zu fränkischen Königshöfen werden gezogen.

Der Abschnitt über die Beziehungen zu Franken – „Der neue Glauben aus dem Süden“ wird durch die Funde und das Modell des Bootskammergrabes aus Haithabu sowie dem erstmals aus Ingelheim verliehenen Modell der Pfalz Ingelheim gebildet  und befindet sich an dem Platz an dem normalerweise die Funde aus der Pfalz Franconofurd zu sehen sind. Ergänzt wird die gesamte Austellung noch mittels eines Films zu  Ausgrabungen und Fundplatz Tissø, zu dem ich allerdings nichts sagen kann da ich in nicht gesehen habe.

Mit der  Ausstellung ist dem Archäologischen Museum in Frankfurt ein echtes Schmankerl gelungen. Viele der ausgestellten Funde waren noch nie auf deutschen Boden zu sehen, genauso wie viele neue Erkenntnisse zum Fundplatz Tissø präsentiert werden können. Einzig zu kritisieren wäre meiner Ansicht nach mal wieder die Anbringungen der Beschriftungen innerhalb der Vitrinen, da dies Rollifahrern und Sehbehinderten das Lesen der Beschreibungen stark erschwert.

Die Ausstellung ist noch bis 6. Juni  in Frankfurt zu sehen. Eintritt beträgt 7€,  ermäßigt 3,50€. Ein Katalog ist für 17,95 € erhältlich und steht bereits bei mir im Regal. Er enthält alle Texte, sowie Bilder und Informationen  ausgestellter Funde im Katalogteil.
Weitere Informationen, auch Bilder von Funden, hat die Website des Archäologischen Museums Frankfurt

Heiß, heißer, Museumsuferfest

 

Gawan Dringenberg (Rechts) und ich
Gawan Dringenberg (Rechts) und ich am Mainufer (Oder auch comes und iudex halten einen Plausch)

Am 27. und 28.8. war ich als Gast von Reges-Francorum im Archäologischen Museum Frankfurt und durfte dort mit Anderen den fränkisch karolingischen Erklärbar geben.
Zwar habe ich Ähnliches bereits früher gemacht, jedoch wurde mir bisher nie die Ehre zu Teil dies im Verbund einer Truppe , geschweige denn im Archäologischen Museum Frankfurt zu tun.

Meine Ausrüstung hatte ich bereits am Freitag Abend im Museum deponieren können, wo uns dankenswerter Weise ein Räumlichkeit im Untergeschoss zur Verfügung gestellt wurde die mit dem wichtigsten Utensil des Wochenendes ausgestattet worden war: Wasser!
Dem Samstag konnte ich somit gelassen entgegen sehen, zumindest was Probleme der Parkplatzsuche in der Frankfurter Innenstadt anging. Am frühen morgen fuhr ich am Samstag mit dem PKW bis an die Frankfurter Stadtgrenze, schwang mich auf meine mein Crossrennrad und konnte somit entspannt die letzten 10km hinter mich bringen und pünktlich vor Ort sein, das Rad im Keller des Museums verstauen und mich in Thorsberghose, Wadenwickel, nadelgebundene Strümpfe, Wendeschuhe, Untertunika und Tunika zwängen. Warum schreibe ich was ich trug? Kleidung war an diesem Wochenende, neben der Flüssigkeitsaufnahme, ein entscheidender Faktor, sollte doch das Quecksilber bis auf 36°C klettern.

Hintergrund unserer Anwesenheit war neben dem Museumsuferfest auch der Hinweis auf die kommende Ausstellung „Odin, Thor und Freyja“, in der auch auf die Beziehung zwischen Franken und Dänen eingegangen wird.

Bereits gegen 10 Uhr, als das Museum seine Pforten öffnete, merkte jeder von uns die Hitze die uns den Tag über begleiten und im Nacken sitzen sollte. Ich konnte dies bereits merken als ich in Begleitung kurz vor 11:00 Uhr erste Flyer am Mainufer verteilte die auf unsere kommenden Aktionen hinwiesen:
Gegen 11.00, 16:00 und 19:00 Uhr gab es Vorführungen von Militärtechnik und Militärtechniken, um 13:00 und 17:00 eine Modenschau der Damenwelt und durchgehend wurden im Museum und davor Handwerk präsentiert, darunter Schmiedearbeit und Glasperlen Herstellung, Scriptoriumsarbeit und Pergament Herstellung, Bogenbau, Stick- und Näharbeiten, Nadelbinding, Brettchenweben usw.
Gerade unsere Militäreinheit muss extrem geschwitzt haben unter Stoffpanzer, Kette oder Lamellenpanzer. Umso bemerkenswerter das manche den ganzen Tag die Rüstung nicht mehr auszogen. Wohl auch aus dem Hintergrund das alles darunter vollkommen durchgeweicht war. Hut ab meine Herren!
Selbst ich in gehobener Zivilkleidung legte nach einiger Zeit mein Schwert ab, denn jedes Gramm Gewicht das man mit sich herum schleppte war zu viel. Trotz dieser Wiedrigkeiten die am Sonntag auch noch Opfer in den eigenen Reihen fordern sollte, waren alle hoch motiviert, was nicht zuletzt auch am tollen Publikum lag, dem hier ein großartiges Lob gebührt!

Modenschau
Modenschau mit privilegierter slawischer Frau, Dame aus Haithabu, dänische Hofdame und fränkischer Adligen

Trotz der großen Hitze, die dem Museumsuferfest weniger Besucher bescherte, waren die Besucher am Archäologischen Museum durchweg interessiert und aufgeschlossen. Und das war wirklich bemerkenswert wenn man bedenkt das das Museumsuferfest in großen Teilen kein Fest der Museen mehr ist, sondern eine ausgiebige Party und Fressmeile bietet.
So entstanden jedoch fantastische Gespräche. Ich habe selten so ein interessiertes Publikum erlebt!!

Der zweite Tag war für uns wesentlich schwerer zu bewältigen. Obwohl Sonntag sich ein wenig die Luft bewegte, steckte doch allen die Hitze des Vortages in den Knochen. Fehlende Mineralien und der gestörter Wasserhaushaltund mitunter schlechter Schlaf in Autos taten ihr übriges. Einige der Damen und Herren hatten nun auch leichtere Kleidung gewählt und zum Beispiel Wollkleid gegen Leinenkleid getauscht. Dennoch war vieles gemächlicher, bis auf die Kampfvorführung die sogar etwas an Zahn zulegte. Aber wir hatten Sonntag doch einzelne kreislaufbedingte Opfer zu bringen und das Obwohl wir für in regelmäßigen Abständen einige Minuten immer mal wieder im Museumsinneren für Durchzug sorgen konnten.
Auch der Besucherandrang war am Sonntag wesentlich geringer. Vielleicht auch weil gegen 17:00 Uhr Windböhen aufkamen und dunkle Wolken ein Gewitter ankündigten das jedoch ausblieb. So lagen viele der Kämpfer nur noch kraftlos um Jaxas improvisierter Schmiede und versuchten es sich so angenehm wie möglich zu machen.

Als wir gegen 19:30 mit dem Abbau begannen und aus unseren Trachten schlüpfen konnten neigte sich ein anstrengendes, aber schönes Wochenende dem Ende entgegen. Ich möchte mich bei allen beteiligten ganz herzlich Bedanken, hoffe das alle gut nach Hause gekommen sind und freue mich auf jeden Fall auf eine weitere Einladung von Reges Francorum!

Auf Facebook befindet sich ein Album mit einigen meiner Aufnahmen (Klick mich) (Ein Video folgt…)

Kurzfristiger Veranstaltungshinweis – Karolinger in Frankfurt

Heute hat das Frankfurter Museumsuferfest begonnen. Und dabei wird das Archäologische Museum durch karolinger belebt.

Hier zu der Informationstext:

Die Karolinger und ihre nordischen Nachbarn – Die Pfalz Franconofurd 800 bis 1000 n. Chr.

Reges Francorum und Gäste

Das Archäologische Museum nimmt seine Besucher beim Museumsuferfest 2016 mit in die Zeit um 800 bis 1000 n. Chr. Als Karl der Große und seine Nachfolger in mächtigen Pfalzanlagen herrschten, wurde im wikingischen Norden in prächtigen Hallen Hof gehalten. Die Gruppe Reges Francorum gibt lebendige Einblicke in diese Zeit. Im Museum dreht sich fleißig die Spindel, die Bogensehne surrt, die Feder fliegt übers Pergament. Draußen ächzen Männer unter dem Gewicht der Kettenhemden, begleitet vom Hämmern der Schmiede. Hier werden Schilde in Anschlag gebracht und die Schwerter gekreuzt. Edle Damen zeigen, was es hieß, Fränkin oder Wikingerin zu sein. (…)

Der Punkt bei der Geschichte ist, das ich einer der Gäste bin und endlich auch mal wieder was aktiv mache…

Würde mich freuen wenn man sich sieht!

Kostenlos und Kultur

Wie bereits vor einiger Zeit angedeutet bin ich wegen der Verwendung meiner digitalen Rekonstruktion des Einhardsbogens für eine Ausstellung angefragt worden. Ich habe dem zugesagt und nach einigen Mailwechseleln kam die Frage auf wie viel ich den für die Verwendung des Bildes an Geldwert haben möchte.
Ich muss zugeben das mir dies schmeichelte, aber NEIN, ich will kein Geld für das was ich tue.

Klar steh ich wie die meisten darauf nichts oder möglichst wenig für etwas zu zahlen, bin aber dennoch kein verfechter der absoluten „Kostenloskulter“.
Aber das Bild als Solches existierte ja bereits, ich hatte es in relativ hoher Auflösung unter CC-BY-SA online gestellt. Also benutzen, Namen nennen, glücklich sein.

Nun bot ich aber an das Bild ein wenig zu überarbeiten. Das tat ich weil ich selbst in einigen Teilen unzufrieden war, mehr Details rein bringen wollte und auch Ideen hatte dies effektiver Umzusetztem. Das war aber nur mein Bier. Das ich nun ein fast vollkommen neues Modell bauen würde ahnte ich dabei nicht, ist aber ebenfalls mein Bier. Nur ungern würde ich ein Bild von mir in einer Ausstellung sehen, dass ich als „unfertig“ ansehe. Aber das ist letztendlich unerheblich für die Entscheidung kein Geld zu verlangen.

Der eigentliche Grund warum ich kein Geld dafür haben möchte ist ein anderer. Den Museen geht es auf gut deutsch scheiße. Ich weiß nicht ob schon mal jemand hier versucht hat die Rechte an einem Bild, zum Beispiel aus dem Katalog zur Ausstellung „Die Franken“ zu bekommen. Für die Kohle kann man schon einiges auf die Beine stellen! Aber die Leute, die Graphiker und Wissenschaftler, die diese Bilder erstellt haben leben davon. Im Gensatz zu mir. Es ist mein Hobby und nicht mein Job. Ich bin und sollte also nicht auf dieses Geld angewiesen. Ich bin daher der Meinung das ich kein Geld für ein Bild verlangen sollte das nicht eine spezielle Auftragsarbeit ist. (Und selbst wenn, gab ich mich bisher immer mit Büchern oder ähnlichem zufrieden)
Ich sehe es eher als meine Pflicht an mit einem Bild zu helfen, in der Hoffnung einen kleinen Beitrag zu leisten. Eigentlich ganz so wie dieses ganze Blog. Ich möchte das wir mehr für unser Geld bekommen und dazu möchte ich einen Beitrag leisten.
Hinzu kommt, das es sich beim „Museum bei der der Kaiserpfalz Ingelheim“, wo das Bild nun hängt, auch nicht um ein „reiches“ Museum handelt. Es besitzt eben auch mehr oder minder zufällig Ausstellungsfläche für die Kaiserpfalz Ingelheim. Und da ich nun aus der „Kaiserpfalz“ Trebur komme ist es quasi auch ein bisschen Nachbarschaftshilfe.

(Generell würde ich ohnehin dafür plädieren das wir alle ein bisschen geben um im Gegenzug auch nehmen zu können. Vielleicht bin ich da ein bisschen sozialistisch oder gar kommunistisch eingestellt, vielleicht hab ich auch einfach zuviel Star Treck gesehen oder hab zu viel am Idealismustopf genascht. Aber mir gefällt die Idee das jeder das macht was er irgendwie kann, sei es auch noch so gering, und alle profitieren am Ende davon)

Ach ja, und last but not least kann ich nun sagen, dass eine meiner Rekos in der Kaiserpfalz Ingeheilm hängt 😉

Mein Bild findet sich seit 18. März in der Ausstellung zum Einhardsjahr 2015 im Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim, sowie es in dem in dem Kurzvortrag „Einzigartig – Der Einhardsbogen“ am 16.4.2015 von Frau Renate Fath M.A. zu sehen sein wird. Infos unter http://www.museum-ingelheim.de/

Belebung des Freilichtlabors Lauresham mit Reges Francorum

Nachdem mich Gawan Dringenberg fragte ob ich denn nach Lorsch zur Belebung des Freilichtlabors Lauresham kommen würde, warf ich kurzfristig meine Terminplanung um und fuhr in Begleitung nach Lorsch.

Zwar hatte ich bereits einiges an positiven über das gerade im Probebetrieb eröffnete Freilichtlabor gehört, wusste aber nicht wirklich was mich erwartete. Und fast wäre auch am Eingang die Stimmung etwas gekippt, ob der Klärung der Frage ob meine Begleitung mit Schwerbeschädigtenausweis mit Begleitperson eine Ermäßigung bekommt. Diese Unsicherheit führe ich jedoch darauf zurück das es sich hier um die erste Veranstaltung ihrer Art handelte und sich das Ganze auch noch einspielen muss.

Vom Eingangsbereich mit improvisierten Kassenhäuschen, der eigentlich Eingangsbereich ist noch nicht fertiggestellt, erreicht man den den Vorplatz der eigentlichen, mit Palisaden bewehrten, Curtis. Im Aussenbereich finden sich wirtschaftliche Nutzflächen, Schmiede, Färberhaus, eine Brunnenanlage usw. Etwas weiter entfernt von der Curtis, hinter der Schmiede befand sich ein kleiner, ebenfalls improvisierter Getränkestand an dem „Lauresham Bier“ (nach Aussage von Reges Francorium sehr lecker) und anderen Getränken, sowie Lauresham Honig verkauft wurde. Positiv zu erwähnen ist zu einem das Stand deutlich abgegrenzt war von eigentlichen Geschehen und versuchte gar nicht sich ins frühmittelalterliche Ambiente einzupassen, wodurch eine Verwechselungsgefahr erst gar nicht bestand, sowie die sehr zivilen Preise. Alle Mitarbeiter des Freilichtlabors trugen grüne Kleidung mit dem Emblem der „Staatlichen Schlösser und Gärten Hessen“, womit sie sich deutlich vom Living History Geschehen abgrenzten.

lorsch2Das Hauptgeschehen spielte sich in der Curtis ab, die über mehrere Eingänge verfügt, wobei der Haupteingang vom Vorplatz her erfolgt. Zur Rechten, in der Scheune erfolgten Holzschnitzarbeiten, zur Linken liegen das Haus der Frauen und Kinder, sowie das Frauenarbeitshaus mit Gewichtswebstühlen in dem fleißig gewebt wurde und den umstehenden Zuschauern beständig Auskunft gegeben wurde. Auf dem Hauptweg, gegenüber des noch recht kahlen Gemüsegartens mit Hochbeeten, gab es zwei Verkaufsstände. Zum einen Andi Helfert mit seinen fantastischen Schuhen, zum anderen einen wunderbaren Stand mit Keramik an dem gerade eine Tatinger Kanne ihre aufwendige Zinnfolienverzierung bekam.
Weiter auf der linken Seite liegt das Herrenhaus mit Festhalle und Feuerstelle sowie zwei angegliederten Schlafräumen. Hier wurde schon fleißig für das Essen für den Herren (Wildchschweingulasch, so die interne Information) Holz gehackt. Der indes hatte es sich gegenüber im Haus des Clericus bequem gemacht. Hier, an der oben geöffneten Halbtür/Klöntür stand er und beantwortete Fragen zu dem hinter ihm liegenden Schwert oder den Pergamenten auf dem Schreibpult . Wegen der halboffenen Tür wurde schon vom „Kiosk Dringenberg“ gefeixt.
Weiter führt der Weg auf die Kapelle mit eingezogenem Rechteckchor zu und dem auf der linken Seite liegenden kleinen Backhaus in dem gerade frisch gebackenes Brot abkühlte.

lorsch3Durch Gawan Dringenberg bekam ich einige der Requisiten aus den Dreharbeiten des Films die Päpstin zu sehen, die Herr Dr. Schefers (er hatte die Beratung des Films in Fragen des Scriptoriums inne) gezeigt. Und ich muss eingestehen das er sich wirklich die Rosinen herausgepickt hat. Auf echtem Pergament ausgeführte Handschriften mit karolingischer Minuskel, oder etwa eine Replik des Ardennenkreuzes, die nun in der Apsis der Kapelle steht.

Ich war sehr beeindruckt von der Veranstaltung. Ich wünschte mir es gäbe mehr davon. Natürlich ist es bisher nur der „Probebetrieb“ des Freilichtlabors und ja ich hatte Skepsis, aber diese Veranstaltung hat mir mehr als Hoffnung gegeben.  Und sogar meine Begleitung (inzwischen kritischer als ich) hatte nichts auszusetzen und das will was heißen!
Spätestens wenn Reges Francorum wieder dort ist, werde ich auch dort sein.

Eugen-Schenkel-Ausstellung im Foyer des Rathauses Trebur

Wer Tribur.de auf Facebook folgt hat vielleicht gemerkt das ich vor einigen Tagen Bilder aus den Funden Eugen Schenkels gepostet habe, die aus einer AUsstellung stammen die zur Zeit im Foyer des Rathauses Trebur zu sehen ist. Dazu hat mich auch eine Email von Marco Hardy M.A. erreicht erreicht:

ich möchte Sie auf eine Ausstellung hinweisen, welche seit kurzer Zeit im Foyer des Rathauses von Trebur gezeigt wird. Die Ausstellung der Eugen-Schenkel-Stiftung und ihres Fördervereins widmet sich dem ehrenamtlichen archäologischen Lebenswerk des Stifters Eugen Schenkel und zeigt eine Auswahl seiner archäologischen Funde.

Eugen Schenkel feierte am Tag der Ausstellungseröffnung seinen 90. Geburtstag und wurde durch zahlreiche Redner für sein ehrenamtliches Engagement in der Bodendenkmalpflege geehrt. Seit Jahrzehnten arbeitet er mit dem Amt für Bodendenkmalpflege (hessenArchäologie) zusammen und führt Feldbegehungen in der Gemarkung Trebur durch. Er hat so eine Sammlung von zehntausenden Fundstücken zusammengetragen und durch seine gewissenhafte Dokumentation viele Fundstellen entdeckt und für die Wissenschaft zugänglich gemacht. Im Jahr 2007 wurde seine Sammlung in die genannte Stiftung überführt, um sie auch in Zukunft am Ort für die Wissenschaft zu erhalten.

Die Ausstellung kann zu den Öffnungszeiten des Rathauses (Mo: geschlossen, Di: 8-12/14-18 Uhr, Mi: 8-12 Uhr, Do: 14-18 Uhr, Fr: 8-12 Uhr) kostenlos im Foyer besichtigt werden.

Zusätzlich gibt es an folgenden Sonntagsterminen Sonderöffnungszeiten (jeweils von 11 bis 16 Uhr):
6. April (14 Uhr Führung, verkaufsoffener Sonntag in Trebur)
13. April (14 Uhr Führung)
11. Mai (14 Uhr Führung)
18. Mai 2014 („Der Kreis rollt“)

Wer also Interesse hat kann die Ausstellung zu den regulären Öffnungszeiten des Rathauses besuchen, oder entsprechend auch zu den Führungen kommen.

Limesinformationszentrum Hof Grass

Das Wochenende habe ich genutzt das Limesinformationszentrum Hof Grass bei Hungen zu besuchen. Ich hatte es kürzlich wegen der eigentümlichen römischen Wasserleitung erwähnt, dazu aber später mehr.

Das Limesinformationszentrum Hof Grass entstand in der Folge der Ernennung des Obergermanischen Raetischen Limes als UNESCO Weltkulturerbe. Hauptinformationszentrum ist das Kastell Saalburg bei Bad Homburg, welches durch regionale Informationszentren auf Kreisebene ergänzt wird. Dazu zählt auch das Limesinformationszentrum Hof Grass des Kreises Gießen.

Alleine die Hofanlage ist recht ansehnlich und bemerkenswert und liegt leicht erhöht in er Auenlandschaft der Horloff, etwas abseits der Hauptstraße von Nidda nach Hungen. Da liegt schon ein kleines Problem. Die Beschilderung ist noch durchaus ausbaufähig, denn kommt man aus Richtung Nidda, so wie ich es tat, kommt man ein einer kleinen Alleeneinfahrt vorbei die direkt auf den Parkplatz zuführt, jedoch keine Beschilderung aufweist. Weiter in Richtung Hungen gibts dann eine weitere Einfahrt, wohl die Offizielle, die leider nur das Schild „Hof Grass“ aufweist. Ein expliziter Hinweis auf das Informationszentrum wäre schön. Das Nichtvorhandensein ist aber vielleicht zur Zeit auch noch den Straßenbauarbeiten geschuldet.

InformationszentrumDas eigentliche Informationszentrum ist fast ein bisschen versteckt. aber gut zu finden denn es liegt gleich hinter dem Eingang in die Hofanlage

Die etwas ungewöhnlichen Öffnungszeiten sind der Betreuung durch Eherenamtilche geschuldet. So hat das Informationszentrum unter der Woche von 10:00 bis 12:00 Uhr geöffnet, Samstags von 14:00 bis 16:00Uhr, Sonntags von 10:00 bis 16:00Uhr.

Unter Umständen muss man klingeln um eingelassen zu werden, was aber kein Problem darstellt. Problematischer sollte dafür der Zugang für Rollstuhlfahrer sein.

 

Die Ausstellung als solches ist eher klein und findet ihren Platz  ihren Platz im Hauptraum der durch ein offenes Fachwerk geteilt wird. Bis auf eine Ausnahme waren die Texte gut angebracht und durchweg gut lesbar. Zu den großen Texten finden sich ebenfalls Informationen in Braille und englische und französische Übersetzungen sind in ausziehbaren Fächern vorhanden.

AusstellungSchön ist auch das es viel anzufassen gibt. Wobei ich natürlich maulen könnte das die Tuniken unter den (vernieteten!) Kettenhemden maschienengenäht sind, was ich aber in diesem Fall nicht ganz so schlimm finde.

Ergänzend zu Ausstellung gibt es noch einen Rundweg von über 3km Länge und einen Spielplatz.

Wer jetzt explizit nur wegen der Ausstellung nach Hungen fahren sollte, wird enttäuscht sein. Es lohnt sich eher für diejenigen die in der Region wohnen oder sowieso hier vorbei fahren. Dabei lohnt es sich auch einen Spaziergang über den Rundweg zu machen wobei darauf hingewiesen sei, das die Wege zum Teil unbefestigt sind und sehr schlammig sein können (wie an diesem Wochenende!)

Limesinformationzentrum Hof Grass
35410 Hungen

Öffnungszeiten: Dienstag-Freitag: 10:00-12:00 Uhr, Samstag 14:00-16:00Uhr, Sonntag 10:00-16:00 Uhr, Montag geschlossen
Eintritt frei, Spende erbeten
Internet: http://www.liz-hofgrass.de/

 

Nun noch mal zur Wasserleitung von neulich:

Hier noch mal das Zitat aus der Ausstellung:

(…)Die fertige Bleileitung wurde in ein feuchtes Mörtelbett mit Ziegelschlag auf eine rechteckige, ebenfalls noch feuchte Tonplatte gelegt und wie eine “Biskuitrolle” eingerollt. Anschließend wurde die “Rolle” in einem Töpferofen bei hohen Temperaturen gebrannt. (…)

Und hier nun die Rolle:

RolleFür mich macht es eher den Eindruck als sei die Tonrolle separat um eine Form gewickelt und gebrannt worden. Im Anschluss wurde das Bleirohr hineingeschoben und der Hohlraum mit dem „Mörtel gefüllt worden, der dann Lufttrocknete. Er sieht sehr spröde und krümelig aus.

Falschinformtionen über ein römische Wasserleitung

Eine kleine Aufgabe aus dem Physikunterricht für Weggetretene:
Wir stellen uns einen römischen Brennofen vor in dem Ton gebrannt wird.  Zur Hintergrundinformation, ein römischer Ofen für Zigelbrand konnte ein Temperatur von ca. 1000°C erreichen1. Augusta Raurioca gibt für die von Töpferofen benötigte Temperatur zum Brennen von Keramik eine Temperatur von 1000-1200°C an2 In einen dieser Öfen legen wir jeweils ein Stück Blei und ein Stück Ton.  Blei hat einen Schmelzpunkt von 327,43 °C3

Frage: Was passiert mit dem Blei?

Wer nun als Antwort sagt das das Blei schmelze, während der Ton hart gebrannt wird liegt physikalisch auf der richtigen Schiene, nicht aber wenn man dem Limes-Infozentrum  Hof Grass in Hungen glaubt.

Dort ist an dem Fundstück einer Bleiwasserleitung aus dem Kastell Zugmantel zu lesen:

(…)Die fertige Bleileitung wurde in ein feuchtes Mörtelbett mit Ziegelschlag auf eine rechteckige, ebenfalls noch feuchte Tonplatte gelegt und wie eine „Biskuitrolle“ eingerollt. Anschließend wurde die „Rolle“ in einem Töpferofen bei hohen Temperaturen gebrannt. (…)

Dies wurde bemerkt und man informierte die zuständige Archäologin und bot auch an die Fehler mittels eines Experimentes zu demonstrieren. Leider blieb eine Antwort aus.
Da ich am Wochenende in der Nähe von Hungen sein werde, werde ich mir wahrscheinlich ie Sache noch mal aus der Nähe betrachten.

Danke an Biggi Schröder (Terraplana) für die Informationen

 

 

  1. Quelle Archäologie Online []
  2. Online   []
  3. Quelle: Wikipedia []

Ausstellungskatalog zu Hatto I.

Katalog
Natürlich habe ich in der Mainzer Ausstellung auch den zugehörigen Begleitband erworben.
Dabei sticht mir ins Auge das tatsächlich die Ausstellungskataloge der letzten Jahre eine immer ansprechendere Covergestaltung erhalten, was ich ja schon über den leuchtend roten Band zu Konrad I. schrieb. Die Gestaltung folgt ganz dem Corporatedesign der Ausstellung. Auf dem mattschwarzen Cover befindet sich als schwarzer Glanzdruck der bekannte Holzschnitt Hattos mit Mäusen, blau ist darüber zu lesen:“ Glanz der späten Karolinger – Hatto I. Erzbischof von Mainz (891-913) – von der Reichenau in den Mäuseturm“

Der Katalog folgt in seinem Aufbau weitestgehendst der Ausstellung, erweitert diesen jedoch, bzw. geht näher auf einzelne Sachverhalte ein.
Bereits im Vorwort deutet Kardinal Lehmann ein Problem an, das sich letztendlich durch den Katalog ziehen wird: „Die letzten Biographien Hattos sind im vorletzten Jahrhundert, vor beinahe 150 Jahren, erschienen“. Diese 150 Jahre Erkenntnisse aufzuholen, aufzubereiten und im Kontext auch für den Laien verständlich darzustellen würde mehr als einen Ausstellungskatalog mit 120 Seiten Aufsätzen plus Katalogteil erfordern. Alleine der zeitliche Kontext und personelle Hintergründe könnte das ganze Buch füllen. Man macht aber das Bestmögliche daraus und versucht dem Leser einen möglichst weiten Blick über die Zeit Hattos zu geben.
Das dies für Leute wie mich nicht genug ist mag selbstredend sein, dennoch gibt das Buch einen guten Einblick in die Zeit Hattos, speziell auf religiöse Aspekte. Wer jedoch mehr wert auf die Allgemeinkultur der späten Karolingerzeit legt, wird mit dem König Konrad I. Band aus Fulda sicher besser bedient sein. Sicher ist aber dennoch das der Band Grundlage sein kann oder sollte, um einen neuen Blick auf eine viel diskutierte Person des ausgehenden 9. und beginnenden 10. Jahrhunderts zu werfen und es bleibt zu Hoffen das hier in Zukunft noch mehr noch mehr aufgearbeitet wird.

Interessant ist im Übrigen auch das letzte Kapitel zur Johanniskirche, wobei der gleichzeitig erschienene Band zur Architektur der Johanniskirche von Dethard von Winterfeld, der im Bundle mit dem Ausstellungskatalog erhältlich war sicherlich informativer ist. (Ich werde darüber bei Gelegenheit schreiben)

Inhalt:
Geleitwort Bischof Karl Kardinal Lehmann
Vorwort zur Ausstellung
Biographische Stationen Hattos
Christian Klein – „Rettungsanker des Reiches“ oder „Eidbrecher“ und „Meuchelmörder“ Hatto Bilder der Neuzeit zwischen Legende und Wissenschaft
Stephanie Haarländer – Um 900 eine böse Zeit? Grenzen und Möglichkeiten politischen Handelns in einer Epoche im Umbruch
Stephanie Haarländer – Hatto I- Ein „böser“ Bischof oder das „Herz des Königs“ (cor regis)
Sebastian Scholz – Papst Formosus Zwischen Kaiserkrönung und Leichenprozess
Christoph Winterer – Licht und Salz – Hatto als Stifter von Kunstwerken und die Kunst um 900
Christian Stoess – Die Münzprägung in Mainz zur Zeit HattosI.
Mechthild Schulze-Dörlamm – Mainz im 9. und frühen 10. Jahrhundert
Wilfried E. Keil – Hattos Kirchenbauten in Mainz und auf der Reichenau
Aquilante de Filippo/Wilfried E. Keil – Die Johanniskirche zu Mainz um 900

ISBN 978-3795427146, Regulärer Preis 25,95, in der Ausstellung reduziert.