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Didaktik und Qualitätssicherung performativer Geschichtsdarstellung

Andreas Sturm hielt vor kurzem einen Vortrag mit dem Titel „living history = past ÷ me 4 × α uthenticity – Didaktik und Qualitätssicherung performativer Geschichtsdarstellung“.

Nun steht der Vortrag auch als Video zu Verfügung ( 1x 380MB + 1x 360MB) und kann  kostenlos herunter geladen werden.

Die Videos und PDFs finden sich hier

Vortrag Dr. Rainer Schreg: Abgegangen, abgewirtschaftet und abgesoffen

Am vergangenen Donnerstag besuchte ich den den von Terraplana organisierten Vortrag von Dr. Rainer Schreg im Museum Groß-Gerau. Der Vortrag trug den Titel „Abgegangen, abgewirtschaftet und abgesoffen“ und beschäftigte sich mit Wüstungen.

rainerschregDer Vortrag fand direkt in der aktuellen Ausstellung des Museum Groß Gerau statt, wo bereits Stühle und Leinwand aufgebaut worden waren, als der Museumsleiter Herr Volkmann, Biggi Schroeder, Rainer Schreg und ich dort als erste auftauchten. Bald schon waren alle Plätze besetzt und auch kurz nach Beginn des Vortrages kamen noch Besucher die sich weitere Stühle dazu stellten.
Aufgrund der Abwesenheit von Dr. Maurer übernahm Biggi Schroeder in einer kurzen Einführung die Vorstellung von Dr. Schreg .

Rainer Schreg begann seinen Vortrag mit der rhetorischen Frage warum Siedlungen verlassen werden  und weshalb dies zu bestimmten Zeiten geschieht um hinzu zufügen das die verallgemeinernden Antworten „durch die Pest“ oder „den 30 jährigen Krieg“ viel zu allgemein sind um diese alleine so stehen zu lassen.

Anhand von Fallbeispielen aus Gegenwart (Wüstung durch Anlegung eines Truppenübungsplatzes) und Vergangenheit (Panamá la Veija und dieverse mittelalterliche Beispiele) erläuterte Schreg zunächst die Wüstung als solches um dann darauf hinzuweisen das sich der Begriff Wüstung nur auf Siedlungen des existierenden Siedlungsrahmen bezieht, also nicht auf römische Villae oder etwa neolithische Siedlungen anzuwenden ist.

Anhand einiger Beispiele erläuterte Schreg Hinweise auf Wüstungen. So etwa auf der Stubersheimer Alp, wo es eine ungeöhnlichkeiten um Aufbau des Zelgensystems gibt. Eine Zelge wirkte seltsam zerissen. Ein andere Wüstung im Gebiet war dagegen im Zelgensystem nicht zu erkennen. Es wäre denkbar das es sich bei der im Zelgensystem nicht erkennnbare Wüstung um die Ältere handelt die über die Jahrhunderte in das System integriert wurde ohne Spuren zu hinterlassern.

Ergänzend merkte er an das viele Siedlungen die man früher auf Grund eines Ortsnamens in eine bestimmte Zeit datierte sich durch Funde als älter entpuppten. Ihren Namen erhielten sie vielleicht erst durch Siedlungsverlagerungen. Hinzu kommen Auffälligkeiten bei der Wahl der Siedlungsplätze. Da es sich bei der Alb um ein Karstgebirge handelt waren die Täler nicht besiedelt. Hier wäre das Wasser einfach versickert. Auf den Höhenzügen hatte sich dagegen Lehm abgelagert der das Wasser hielt, was die Siedlungslage auf der Höhe begünstigte.   Ältere, frühmittelalterliche Siedlungsplätze lagen an Quellen die die Frischwasser zu lieferten. Die neueren Siedlungen lagen dagegen auf den Plateaus ohne eine direkte Quelle. Ihre Frischwasserzufuhr   erfolgte über Brunnen. Was diesen Sinneswandel auslöste ist unbekannt. Möglicherweise ließen Klimaveränderungen die Quellen versiegen.

Interessant war der Hinweis auf den Ort Würzbach im Nordschwarzwald, ein Waldhufendorf. Das Waldhufendorf wurde lange als eine typische Gründungsform angesprochen, die planmäßig so angelegt wurde. Die neueren archäologischen Funde in Würzbach sprechen aber, zumindest für Würzbach,  eine andere Sprache. Hier hatten sich zwei Siedlungen auf einander zu bewegt und sind dann zu einem Waldhufendorf verschmolzen.

Andere Gründe für Wüstungen könnten Hochwasser gewesen sein. So zeigten sich in Wüstungen Erosionsrinnen die etwa durch das Magdalenenhochwasser ausgelöst worden sein könnten. Hieruist übrigens anzumerken das es neuere Informationen die beweisen das auch Neckar und Eifel vom   Magdalenenhochwasserbetroffen waren und das auch das davon auszugehen ist das das hessische Ried unter Wasser stand.

Ergänzend wies Schreg auch auf die dem Hochwasser einige Jahre später  folgende Pest hin. So zeigte er die komplexen Zusammenhänge auf: Das Korn konnte nicht geenrnet werden das vom Hochwasser weggerissen wurde, was wiederum Futter für Ratten bildete die sich dadurch wunderbar vermehren konnten, was wiederum die Mutation des Pesterreger begünstigen könnte. Zudem hatte die Erosion die fruchtbaren Böden weggeschwemmt, was wiederum zu schlechten Ernten und Krankheiten führte.

Aber auch starke Bewirtschaftung von Feldern könnte zum Beispiel deren Ertrag senken und mit der Zeit die Versorgung der Bevölkerung erschweren was wiederum zur Aufgabe des Dorfes führen könnte. So wurde die Düngung auf der Alb erst im 14.-15. Jahrhundert eingeführt. Es zeigt sich also das das Wüstwerden und die Verlagerung von Siedlungen starken Wechselwirkungen unterliegen. Viele der Geschehnisse könnten hausgemacht sein , etwa durch veränderte mikroklimatische Verhältnisse. Schreg wies darauf hin das man dies auch zwingend heute berücksichtigen sollte. Ein Hochwasser etwa wie das Magdalenenhochwasser läge außerhalb moderner Hochwasserschutzmaßnahmen.

Vortrag von Marco Hardy MA „Römerlager am Rhein bei Geinsheim – Grabungen der Universität Frankfurt“

Marco Hardy hatte meinen Blogeintrag bereits gelesen, jedoch zu kurzfristig um darauf zu reagieren. Da es sich bei dem Vortrag Marcos um den ersten Vortrag „in freier Wildbahn“ handelte, bat er mich nicht zu filmen. Das bedeutet aber nicht das der Vortrag nicht doch noch seinen Weg auf Video findet, denn Marco wird diesen Vortrag noch einmal halten und dann kann ich Filmen. Also Geduld.

MHMA
Marco Hardy MA (links) und Herr Volkmann MA

„Römerlager am Rhein bei Geinsheim – Grabungen der Universität Frankfurt“ war das Thema des Vortrags, der in dem kleinen Saal im alten Astheimer Rathaus stattfand. Der Raum war sehr gut gefüllt und obwohl neben Dr. Volkmann und mir noch zwei Plätze frei waren, standen einige Besucher lieber im hinteren Teil.
Die Einführung wurde von Herrn Sellner und Herrn  Volkmann MA (Museumsleiter Groß Gerau) gehalten.

Marco Hardy stellte zunächst sich und seine wissenschaftliche Laufbahn und das Thema seines Vortrag vor, der sich hauptsächlich der archäologischen Arbeit am Römerlager, auch Marcos Magisterarbeit, widmete.

Marco Hardy begann mit einem Blick auf das römischen Mainz und dem Lager auf dem Kästrich als regionaler römischer Ausgangspunkt. Es folgte ein Blick auf die Bodenkarte der Region um dort die die erhöhte, nah an den Rhein heranreichende Lage Geinsheims, die den Römern wohl bewusst war und somit ausschlag gebend für die Anlegung eines Lagers war.
Nach einem Luftbild des eigentlichen Grabungsplatzes wurde auf die Geschichte des Fundplatzes hingewiesesen, da durchaus Beifunde aus der anderen Zeiten zu erwarten waren, wie etwas Musketenkugeln aus dem 30-jährigen Krieg ,und Munitionsreste des zweiten Weltkrieges, zu rechenen war, was sich später noch zeigen würde.

Was war jedoch der Grund für die Grabung? Zunächst waren es Funde von römischen Scherben Eugen Schenkels die dieser bei Ortsbegehungen fand, wobei Marco jedoch für seine Magisterarbeit herausfand das von Worms bereits 1900 Melonenperlen und Bronzen vom Kornsand aufgekauft wurden. Der Fundplatz also länger bekannt war, aber in Vergessenheit geriet.
Der nächste Hinweis erfolgte durch die Luftbildarchäologie,die Gräben zeigte, wobei eine Erläuterung der Luftbildarchäologie und der Bewuchsmerkmale erfolgte.
2007/08 begann die erste Grabung, wobei der Grund dafür in der Bedrohung durch eine mögliche Auskiesung lag. Einer der ersten Schritte war der Einsatz eines Bodenraders um die besten Fundstellen zu entdecken. Jedoch ohne Erfolg, da sich nur ein graues Rauschen zu sehen war. Wohl durch die Kriegshandlungen. Man war also auf die Lufbilder angewiesen.
Es wurden die Grabungsschnitte gezeigt und auf ihre Befunde eingegangen, wie zum Beispiel wie man feststellen konnte welches der mehreren Lager zeitlich vor den anderen lag, also welcher Graben welchen Schnitt.

70 Befunde konnten dokumentiert werden auf ca. 900qm, rechnet man dies Zahl hoch, auf die Fläche des Lagers mit der größten Ausdehnung, könnte man mit 14.000 Funden auf der Gesamtfläche rechnen.
Marco Hardy ging ein auf die archäologische Arbeitsweise, die Zuordnungenvon Gräben zueinander und deren Bedeutungen, wie etwa ein doppelter Solgraben, der wohl auf auf die Pfosten einer Holzerdemauer zurückgeht.
Auch auf die Datierung der Lager anhand der Münzfunde wurde eingegangen.

Zum Abschluss wies Marco Hardy noch einmal auf die Bedrohung des Lagers durch die Auskiesung hin, bat aber auch darum mögliche Sondengänger einfach mal anzusprechen und sich deren Genehmigung zeigen zu lassen. Er verglich dabei mögliche verlorenen gegangene Funde mit dem fehlenden Teil eines Puzzlespiels.

Marco Hardy stand schon während des Vortrages für Rückfragen aller Art zur Verfügung, musste aber auch danach noch einige Beantworten. Interessant war dabei zu merken das immer noch gewisse, nun ja, eigentümliche Vorstellungen der Landschaft kursierten. So wurde durch Besucher die Vorstellung entwickelt, bzw. die Frage aufgeworfen wie es denn sein könne das der Neckar vor 10.000 verlandete, die Römer noch bei von Gernsheim ausgehend eine 300m lange Brücke über den Lauf des ehemaligen Neckars bauten, gleiches müsse auch für den Altmain gelten. Er könne also nicht verlandet sein sondern müsse Wasser geführt haben. In die folgende Diskussion um den Begriff „Verlandung“, geologische Prozesse, Sumpf, Torf, Sumpfbrücken usw. schalteten sich nicht nur Dr. Volkmann, sondern auch ein Terraplana Mitglied und ich ein.

Alles in allem ein sehr interessanter Abend und Marco Hardy hat in freier Wildbahn eine tolle Arbeit geleistet. Zudem hatte ich noch einige sehr interessante Gespräche hinterher, die dazu führten das ich mich am nächsten Tag mit zwei weiteren Personen und einer Drohne auf ein Acker wiederfand und in rasendem Tempo dabei war wie mehrere, bisher unbekannte Lagergräben lokalisiert werden konnten!
Und dann passierte noch etwas, das einen eigenen Blogeintrag wert ist, dazu später mehr!

 

Vortrag Dr. Maurer – Das nördliche hessische Ried in römischer Zeit (Video)

Vergangen Freitag war war ich auf einem Vortrag von Dr. Thomas Mauer mit dem Thema „Das nördliche hessische Ried in römischer Zeit“, der vom Förderverein der Eugen Schenkel Stiftung veranstaltet wurde. Ich fragte Dr. Maurer ob ich den Vortrag mitschneiden und ins Blogstellen dürfte. Und ratet mal was er sagte! Ja, sagte er! Wow das ist klasse und ich wünschte mir das das auch andere Wissenschaftler erlauben würden. Los gebt Euch alle nen ruck! Hier nun das Video (der Raum war etwas klein, weshalb Dr. Maurer irgendwie kaum zu sehen ist, aber dafür die Präsentation):

Das Buch, also die Dissertation von Dr. Maurer, von der er spricht findet sich als:  Thomas Maurer: Das nördliche Hessische Ried in römischer Zeit. Untersuchungen zur Landschafts- und Siedlungsgeschichte im rechtsrheinischen Vorfeld von Mainz vom 1. bis 5. Jahrhundert n. Chr. Habelt, Bonn 2011, ISBN 978-3-7749-3660-7

Kelten-Vorträge im Lobdengau-Museum Ladenburg

Zum Kelten-Jahr bietet das Lobdengau Museum in Ladenburg noch einige interessante Vorträge, die ich nicht unerwähnt lassen möchte:

8.11.2012
Prof. Dr. Dirk Krausse (Esslingen): „Neues aus dem Keltenblock. Aktuelle Untersuchungen des frühkeltischen Fürstinnengrabes von Herbertingen“

22.11.2012
Christiane Benecke M.A. (Stuttgart): „Gold, Silber, Potin – Das Münzwesen der Kelten“

6.12.2012
Dr. Günther Wieland (Karlsruhe): „Keltische Viereckschanzen – Die ländliche Besiedelung Südwestdeutschlands in spätkeltischer Zeit“

13.12.2012
Katrin Ludwig M.A. (Bonn): „´Bevor die Römer frech geworden….´ – Die Kelten am unteren Neckar“

Die genauen Termine finden sich im Veranstaltungskalender der Stadt Ladenburg (hier), Veranstaltungsort ist der Domhof Ladenburg

Tagungsbericht Kolloquium „Römische Legionslager in den Rhein- und Donauprovinzen

Da ich von den anwesenden „Römern“ auch immer wieder schöne Links bekomme (ich hänge noch im sortieren, danke!) hab ich gedacht ich hab da auch mal wieder etwas! Nämlich den Tagungsbericht des internationalen Kolloquiums „Römische Legionslager in den Rhein-  und Donauprovinzen – Nuclei spätantikfrühmittelalterlichen Lebens?“

Das ganze besteht aus 22 Seiten vollgepackt mit Zusammenfassungen von Vorträgen mit  Themen wie „ethnische Identitäten“ oder „Übergänge von der Antike zum Mittelalter – eine unendliche Debatte?“.

Das PDF findet sich hier bei der Uni Heidelberg

Vortrag in Planung

Vor einiger Zeit schon hatte ich angekündigt mich auch einmal selbst vor die Leute zu stellen und einen Vortrag halten zu wollen. Am Freitag wurde ich dann gefragt wann es denn so weit sein würde und ich musste mir eingestehen das ich letzter Zeit etwas geschludert hatte was das schreiben des Vortrags anging.  Also setzte ich mich Samstag früh und Samstag nacht hin und tippte. Naja eigentlich war da eine ganze Menge Copy und Paste dabei.

Da ich die Vortrage die ich halten möchte nach den Herrschergeschlechtern aufteilen werde, also Karolinger , Konrad I. + Ottonen und Salier,  konnte ich die Texte, die ich bisher über die Königsbesuche geschrieben haben einfach kopieren.  Im Anschluss habe ich die Texte angepasst. D.h. ich habe sie so umgestellt das daraus ein Text wird und zum Anderen habe ich sie mir ständig laut vorgelesen und so geändert, dass ich sie flüssig Vortragen kann, also Absätze für Pausen und sowas eingefügt.

Mit der Einleitung bin ich noch etwas unzufrieden, denn irgendwie muss ich ja zu den Franken/Karolingern kommen. Die war nicht aus dem Nichts da. Im Moment fängt das ganze bei Valentinian an und fasst dann alles kurz bis 829 zusammen. Einige sachen wie Gründung Kloster Lorsch und sowas muss natürlich dabei sein. Vielleicht raff ich es aber auch etwas weiter zusammen und beginne erst mit der fränkischen Landnahme, was vielleicht besser ist, weil sonst zu viel auf einmal kommt. Es sind übrigens 12 Seiten Text, für die ich zum Vorlesen ca. 1,5h brauche. Das habe ich ausprobiert in dem ich Laut vorgelesen habe, mich dabei aufgenommen habe und die Zeit gestoppt habe.

Was ich hauptächlich noch machen muss, bzw. will, sind Bilder zusammen zu stellen für den Beamer., die auch passen und nicht nur aus langweiligen Karten bestehen.

Das wirklich witzige daran finde ich das ich  mich allen Ernstes vor eine Horde Leute stellen will und denen was beibringen möchte. In der Schule hab ich immer Punktabzug bekommen weil ich vor lauter Schüchternheit die Zähne nicht auseinander bekommen habe. (bis auf einmal, da hab ich meiner Physiklehrerin was von Quantentheorie erzählt und hab sie wiederlegt und bin dann rausgeflogen 😉 da saß der Nerdcore.de René neben mir und ist aus Solidarität mitgegangen! Totaly worth it!)  Nun ja, ich denke es hat wohl eher damit zu tun ob man sich bei einem Thema wohl fühlt.

Das Einzige worüber ich mir Gedanken mache ist dann nach dem Vortrag, wenn die Leute Fragen stellen. Ich hab es schon mehrfach erlebt das bei Vorträgen die unmöglichsten Fragen kommen, wobei es ja bekanntlich keine dummen Fragen gibt.

Vortrag: Die Burgundionen und Worms – Abschied vom Königreich der Burgunden

Nachdem ich am Freitag Abend feststellen musste das mein Kühlschrank den Geist aufgegeben hatte und bereits vor einigen Tagen die Entscheidung traf meine Tiefkühlgüter aufzutauen, was sich nach dem Öffnen in einem furchtbahrem Gestank niederschlug, beschloss ich meine Wohnung zu verlassen und den Vortrag in Biebesheim zu besuchen.
Dieser fand passend im „Nibelungensaal“ des Altenwohnheimes Biebesheim statt. Ich war natürlich viel zu früh, wie das meine Angewohnheit ist, seit dem ich einmal zu einem Vortrag zu spät kam und dann auf dem Boden sitzen musste.

Der kleine Saal war mit 31 Plätzen übersichtlich bestuhlt, die sich jedoch einige Minuten vor Beginn des Vortrages zügig füllten.

Nach einer kleinen Einführung mit Biographie von Dr. Jung begann der Vortrag.
Dr. Jung bezog sich zunächst auf einen Vortrag von Dr. Castritius vom Vorjahr, der bereits ein ähnlichs Thema hatte, weshalb er sich auf neuen Erkenntnisse beziehen wollte.
Als Einstig kam das Nibelungenlied zur Sprache, mit Bezug auf „Loche“ (Lochheim bei Biebesheim) und Worms als Herrschaftsort der Burgunden.
Gab es ein Burgunderreich in Worms ist aber die Hauptfrage des Vortrags. So schrieb 2006 M.Grünewald den Burgenden Worms ab, Castritius sie zu (2008) Und Knöchlein und Ruprecht 1998 halten es für möglich. Also 3 verschiedene Meinung beim Zusammentreffen von Archäologen und Historikern.
Die Frage ist nun wem man mehr glauben schenkt: Funden oder Schriftquellen.Das ermitteln absoluter Wahrheiten ist dabei nicht möglich, so Jung

Jung präsentierte die schriftlichen Zeugnisse nach dem er die politische Situation um 400 erläuterte. Erste Textquelle ist Sophronius Eusebius Hieronymus der in Bethlemen um 409 die Ereignisse zw. 406 und 407 als große barbarische Invasion darstellt. Sein Text stellt eine moralische Aussage dar, er war kein Historiker sondern Kirchenmann, konnte er die Völker überhaupt kennen die er aufzählte, darunter die Burgunden oder war der Vorgang so katastrophal das er sich soweit im römischen Reich verbreitete? Man kann auf diese Frage keine befriedigende Antwort finden, so Jung.
Olympiodor von Theben ist die nächste Quelle aus der Mitte des 5.Jh. In der dann auch ein Guntiarios erwähnt wird. Hier wird aber die Stadt Mundiacum und Germania Secunda, statt Germania Prima und Moguntiacum erwähnt, weshalb mancher glaubt das es vielleicht Unwissen des Autors war.
Prosper Tiro von Aquitanien schrieb „Die Burgunder nahmen einen am Rhein gelegenen Teil Galliens in Besitzt“, doch welcher Teil gemeint ist, geht aus der Quelle nicht hervor.

Bis vor einigen Jahren ging man von einer Ansiedlung der Burgunden als Foederati aus, doch aus einer Neuübersetztung des Textetes der sich darauf bezog, kam man zum Entschluss das es sich um eine gewaltsame übernahme der Burgunder des Landes kam.
Hydatius, Prosper und Chronica gallica berichten über das Ende der Burgunder. Hier finden sowohl Hunnen Erwähnung als auch die Umsiedlung der Burgunden, so das Ihre Anwesenheit im Rheinland nur etwa 30 Jahre währte.

Nach Jung ist das Fundament der Schriftquellen recht schwammig, nur Rheinübergang und Untergang sind sicher.

Nun kam Jung zu den archäologischen Funden.
Aus Rheinhessen und gibt es einige Funde die immer wieder mit den Burgunden in Verbindung gebracht werden. So sollten im Kastell Alzey in dem 3 Phasen nachgewiesen worden sein. Die erste valentinianisch, nach 406/407 germanisch bis 425 und danach wieder römisch bis Mitte des 5. Jahrhunderts, so schrieb es Oldenstein 1994. Jedoch geht man inzwischen davon aus das nach 405 nur noch Germanen in diesem Lager lebten, die sich den römischen Lebenstil zu eigen machten. (Siehe Wikipedia hierzu, die mal auf dem aktuellen Stand ist)
Die Interpretation der Funde war, dass sich der Rheinübergang der bei Hironumis erwähnt wurde, sich in diesem Kastell wieder findet. Jedoch weist Jung, selbst Archäologe, immer auf das Problem hin eine Brandschicht exakt einem Ereigniss zu zuordnen, da es immer wieder brannte, sei es wegen einem außer Kontrolle geratenem Herdfeuer oder einer Räuberbande.

Eine dort gefundenen Schnalle wird ein „donauländischer Charakter““ zugeschrieben, eine germanische Perle, ein Kamm der wahlweise donauländisch oder als germanisch charakterisiert wird. Auch bei Keramik wird eine Richtung donauländisch und nordseegermanische Einflüssen zugegeschrieben.
Eine bei Worms gefundene Schnalle wurde von Schulze-Dörlamm mit ähnlichen Schnallen verglichen. Diese Äqivalente stammen aus dem Oder-Raum weshalb sie zum Schluss kommt sie sei burgundisch, da Ptolemäus die Burgunden in diese Richtung verortete.

Jung verfolgt nun die Wanderung der Burgunder anhand der Textquellen von Brandenburg, zur Donau, hin zu Valentinian, der die Burgunden zum „Verderben der Alamannnen“ eingesetzt haben soll, so das sie sich dann an Oberrhein und Main befanden.

Er geht nun auf die Bezeichnung „Stamm oder Volk“ der Burgunder ein und weist darauf hin, das es eine Schöpfung des Nationalgedankens der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts ist. Auch die Personen die wir als „Römer“ bezeichnen kommen auch nicht alle aus Rom , sondern sind Vermischungen mit Einheimischen. Er zieht Parallelen zu Personen mit Migrationshintergrund um darauf hinzuweisen das man Ethnien nicht anhand von Grabfunden nachweisen kann. Mit Ausnahme von Waffenbeigaben.

Wer waren diese Burgunder? Die Wanderungen der Burgunder könnten bedeuten das sich Gruppen absplitterten oder auch andere Gruppen hinzukamen. Absichtlich verwendet er hier den Begriff des Sozialverband statt Volk. Man sollte sich freimachen von den Gedanken eines echten Königreichs, so Jung, weshalb er als Überschrift für diesen Vortrag den Begriff Burgundionen (lat. burgundiones) statt Burgunden des Nibelungenliedes verwendet. Er weist daraufhin das es nicht „die“ Burgunder gab sondern mehrere Gruppen, wie bei den Alamamannen mit mehreren Kleinkönigen.

Er zeigt den Grabstein des Hariulfus aus dem 4.Jh. In Trier, der aus einem burgundischem Königsgeschlecht stammte und Leibgardist des röm. Kaisers in Trier war. Er ist der einzig fassbare Burgundione, neben seinem Onkel und Vater die auf dem Stein erwähnt werden. Was auch zeigt das es zumindest zwei Gruppen von Burgundionen gab. So können auch Burgundionen am Oberrhein geben so wie es Olympiodor schrieb.
Er weist auf Böhmer (Erst in diesem Jahr veröffentlicht) hin und zwar auf die Neuauswertung der Wiesbadener Fibeln, die als Hinweis auf die Burgundionen galten. Nach dieser Auswertung stammen viele Funde vom Fibeltyp „Wiesbaden“ von der Elbe, das als Gebiet aber nie mit den Burgundionen verknüpft war. Dieser Fibeltyp ist daher kein Nachweis mehr für die Anwesenheit von Burgunden.

Nach dem Notitia Dignitatum wird in der Zeit des vermeintlichen Burgunderreichs ein Präfekt für Worms verzeichnet. Ein Burgunderreich in Worms würde sich aber mit einem römischen Präfekten ausschließen . Wahrscheinlich hatten sich die Burgunder auf der rechten Rheinseite zwischen Mainz und Worms festgesetzt, wohl auch schon vor dem Rheinübergung in Form von kleineren Verbänden. Diese Burgundionen hatten einen starken Traditionskern, der dann Nachhall bis ins Hochmittelalter reichte und Einzug in das Nibelungenlied hielt.

Hof und höfisches Leben im Mittelalter

Gerade kürzlich dämmerte mir so in einem schwachen Moment das das lateinische Wort curtis, wie in curtis regis (Königshof) ja garnicht ausgestorben ist, sondern im englischen Wort court (wie in Hampton Court)  weiterexistiert. Dazu passt dann auch was wie Hof und höfisches Leben!
Prof. Dr. Heinz Dopsch hielt 2001 im Rahmen einer Ringvorlesung  einen Vortrag mit dem Titel „Hof und höfisches Leben im Spiegel der Schrift- und Bildquellen“. Man konnte aber nicht die ganzen Bildquellen ins Netz stellen und hat sich daher entschieden den Vortrag aufs wesentliche zu kürzen. Daher erhielt das PDF, das bei der Uni Salzburg liegt den Titel „Hof und höfisches Leben im Mittelalter“

Und das PDF dazu findet sich hier