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Die heilige Lanze in Wien

Vorwort:
Wer aufmerksam war, dem fiel auf das ich nie direkt über die Wiener Heilige Lanze geschrieben habe und sie immer nur in Teilen erwähnte.
Dies hat mehre Gründe. Zum einen fand ich keinen entsprechenden Artikel den ich als Basis verwenden konnte und der mir genug Informationen und Denkanstöße lieferte. Zum Anderen, und das ist für mich schwerwiegender, gibt es viel zu viele mystifizierende Geschichten wobei die Brücke von Longinus zum Ewigen Wanderer und weiter zum Ewigen Juden nur der Gipfel des Eisbergs ist. Nicht zu vergessen unendlich furchtbare Dokus, von denen ich neulich wieder eine sah.

Aber auch gerade das sollte ein Grund für mich sein das Thema nun auf das wesentliche runterzubrechen. Vor kurzem fand ich nun einen Aufsatz von Mechthild Schulze-Dörrlamm der mir hier als Basis dient und ich zusammenfassen werde, aber auch ergänzen und Gegenfragen stelle. Den Aufsatz selbst verlinke ich am Ende des Posts.

Rekonstruktionsversuch der ursprünglichen Heiligen Lanze

Einleitung
Die Heilige Lanze aus den heute in Wien aufbewahrten Reichskleinodien ist wahrscheinlich am stärksten mystifizierte Objekt der Selbigen. Dabei ist das Objekt weder großartig mystisch, noch ein Einzelstück unter der Vielzahl heiliger Lanzen.

Chronologie der sogenannten Heiligen Lanze der Wiener Reichskleinodien
Erstmals begegnet uns die Lanze im Jahr 926 als König Heinrich I. sie in Worms von Rudolf II. König von Hochburgund und zu dieser Zeit auch König von Italien erhielt.  Dieser hatte sie höchst wahrscheinlich als Herrschaftszeichen vom norditalienischen Grafen Samson zum Regierungsantritt in Italien bekommen.

Heinrich I. schrieb seinen Sieg gegen die Ungarn in Riade am Longinustag 933 der Lanze zu.  Otto I. führte die Lanze 939 gegen Aufständige und 955 auf der Schlacht beim Lechfeld mit sich. Als Otto III. 999/1000 in Polen verweilte erhielt Boleslaw Chrobry eine Kopie der Lanze in der ein Partikel des echten Kreunagels eingearbeitet worden sein soll. Otto III. lies die lanze auch auf dem weg nach Rom zur Kaiserkrönung vorweg tragen. Bei der Krönung Heinrichs II. in Mainz wurde sie zur Krönung verwendet, da die Reichskrone im Besitzt der Gegner Heinrichs war.

Unter Konrad II. wurde die Heilige Lanze den öffentlichen Blicken Entzogen  und wurde nun im Querbalken des neu angefertigten Reichskreuzes verwahrt.

Die Lanze und ihre Veränderungen
Bei der Lanze selbst handelt es sich um eine typische karolingische Flügellanze des Typ II nach Westphal die in das späte 8./ frühe 9. Jahrhundert datieren sollte. Ihre einzige Verzierung ist eine Furchenzier an der Tülle.  Sie ist aus einfachem Eisen geschmiedet und besitzt Schlackeeinschluße und Verunreinigungen, welche später auch zum Bruch führten. Auch weist das Blatt keinerlei Spuren einer Damaszierung auf. Es ist somit ein eher gewöhnliches Stück. Ihre Bedeutung kann daher nicht aus ihrer Wertigkeit abgeleitet werden.

Da das Lanzenblatt keinerlei Spuren von Scharten oder ähnliches aufweist, dürfte sie nie im Kampf eingesetzt worden sein, sondern sollte von Anfang an als Fahnenlanze fungiert haben, so Mechthild Schulze-Dörlamm im Verweis auf  Mehofer/Leusch/Bühler.1
Schulze-Dörlamm versucht nun auf Grund dieser Informationen die Herkunft der Lanze zu erörtern. Eine Königslanze Karls des Großen schließt sie auf Grund der minderen Qualität aus, ebenso scheidet eine Lanze aus die Karl vom Patriarchen von Jerusalem im Jahr 800 zugesandt bekam, da eine Lanze aus dem Kalifat der Abasiden eben keine fränkisch/karolingische Flügellanze ist.
Ihre Vermutung ist daher das es sich bei der Lanzenspitze ursprünglich um jene Lanze handeln könnte an der das päpstliche Banner befestigt war das Karl erhielt und dessen Abbildung im Tricliniumsmosaik im Lateran zu sehen war. Ich hätte an dieser Stelle noch ergänzend das Vexillum des hl. Martin anzubieten, wobei hier wohl auch eine bessere Ausführung zu vermuten wäre.

Schon bald danach wurde die einfache Lanzenspitze optisch verändert und aufgewertet. Dazu stemmte man aus dem Lanzenblatt einen spitzovalen Teil aus. Hierbei brach erstmalig das Lanzenblatt an der rechten Seite. Der Bruch konnte jedoch durch ein aufgeschweistes Metallband kaschiert werden und ist nur durch eine dunklere Stelle am Blatt zu erkennen.  Er steht übrigens in keinem Zusammenhang mit dem kompletten Bruch des Blattes der später das Anbringen der Manschette nötig machte.
In die Ausparung des Lanzenblattes wurde nun ein Knebelstift eingepasst. Dieser war passgenau eingefügt, so dass er keinerlei Halterung, wie die späteren Silberdrähte, bedurfte. (Ich könnte mir vorstellen das das Lanzenblatt dabei erhitzt wurde, so dass das Metall sich ausdehnte und anschließend der kalte Knebelstift eingesetzt wurde. Beim abkühlen klemmte dieser nun fest.)
Der Knebelstift selbst bestand ursprünglich aus 2 Lanzettenförmigen Spitzen, von denen heute nur die Obere erhalten ist. In der Mitte ist der Knebel durch drei kreuzförmige, mit Messing tauschierten Kreuzen verzierte , Verdickungen die selbst als Kreuze angesehen werden geschmückt. In diese Verdickung ist seitlich eine Nut eingefügt in der wiederum ein Metallstück sitzt, welches zwischen kreuzförmiger Verdickung und Metallstück insgesamt 4 halbmondförmige Freiräume lässt. (Zu diesen hat Schulze-Dörrlamm eine interessante Idee, doch dazu  später mehr)
Im unteren Bereich, zwischen Flügeln und eigentlichem Blatt, wurden zwei dünne Klingen angebracht. Sie waren nicht mit Silberdrähten, sondern mit Lederriemen befestigt, von denen der obere Teil erhalten blieb, da der Bereich später durch die Manschette überdeckt wurde.
Die Klingen sind im Gegensatz zum Lanzenblatt schartig.
Die verbreiterte Tülle war zu diesem Zeitpunkt noch nicht existent.

Die Veränderungen und ihre möglichen Bedeutungen
Ich möchte an dieser Stelle bei den angefügten unteren Klingenblättern beginnen um mich dann noch oben vorzuarbeiten.
Erst einmal verwundert Schulze-Dörrlamm zu recht das die Klingenblätter nur mit Riemen an der Lanze befestigt sind. Wäre es doch einem versierten Schmied ein leichtes gewesen diese zu verlöten oder sogar anzuschweißen. Schulze-Dörlamm vermutet daher das die Blätter nicht in direktem Zusammenhang mit der Lanze stehen und man die Lanze, der man bereits eine gewisse Bedeutung beimaß, nicht als solches dauerhaft verändern wollte, sondern nur eine bestimmte Optik zu erzielen suchte.
Zur Herkunft der Klingenblätter kann leider keine konkrete Auskunft gegeben werden, dennoch werden einige Varianten aufgezählt: Messer des 7. od. 8. Jahrhunderts denen man zuschrieb die Messer gewesen zu sein mit denen das Gewand Jesu zerteilt wurde, Teile eines römischen Lanzenblattes, im speziellen Fall Teile der im Liber Pontificalis erwähnten romphaea victoriae bezeichneten Lanze , die Papst Hadrian Karl 774 im Rom schenkte. Oder aber eben nichts der gleichen sondern nur der bereits erwähnte Versuche der Lanze eine bestimmte Optik zu geben.
Mich verwundert bei alledem jedoch die Schartigkeit der beiden Klingen, die Schulze-Dörrlamm lediglich der dünneren Ausführung zuschreibt. Die Scharten wären dann lediglich entstanden weil irgendjemand Beispielsweise die Lanze zu heftig irgendwo anlehnte. Etwas das mir sehr fragwürdig erscheint. Ich denke daher schon das die Klingen als solches eine Gewisse Bedeutung hatten, die über eine reine optische Funktion hinaus gingen.

Nun möchte ich zum Knebelstift übergehen. Dieser wird ja mitunter (gerne in den Eingangs erwähnten Dokus) als Kreuznagel gedeutet. Hier wiederspricht Schulze-Dörlamm. Gibt es doch einen ganzen Haufen anderer vermeintlicher Kreuznägel die wirklich nach Nagel aussehen2  Vielmehr sieht sie zwei parallele Funktionen. Zum einen sind stilisierte  3 Nägel gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven zu sehen.  Die mit messingtauschierten Kreuzen verzierten Verdickungen, von Schulze-Dörlamm als gleicharmige Kreuze bezeichnet, stellen demnach die Nagelköpfe dar. Den mittlersten Nagel sieht man also von oben. Die obere und untere Verdickung  mit dem jeweiligen Dorn nach oben und unten stellen somit stilisierte Nägel in Seitenansicht dar.  Die Eigentliche Nagelreliquie sieht sie nicht in den Tauschierungen selbst, sondern in den Verdickten Teilen selbst, die durch das Eisenstück in den Nuten zusammegefasst werden. Die Tauschierungen, 3 auf der Verdickung und 2 auf den Flügeln der Lanze in Form von Andreaskreuzen deutet sie mehr als Symbole der Passion Christi (Wie in der späteren Kunst auch die Marterwerkzeuge)

Aus diesem Stück zieht Mechthild Schulze-Dörlamm auch ihre Datierung der Umarbeitung. Sie verweist dazu auf die Ähnlichkeit des Mittelteils mit den drei gleicharmigen Kreuzen auf die Ähnlichkeit zu  karolingischen Gleicharmfibeln vom Typ Destelbergen, welche ebenfalls mit drei gleicharmigen Kreuzen verziert sind, als auch zur Knopfriemenzunge aus Karlsburg. Demnach sollte die Veränderung im Bereich zwischen Rhein und Mosel entstanden sein, wobei sie hier auch durchaus an die Pfalz Aachen denkt.

Nun zu der oben bereits angesprochenen Besonderheit der sichelförmigen Freiräumen zwischen „Nagelköpfen“ und dem in den Nuten eingefügte Metallstück.  Schulze-Dörlamm stellt die Frage ob die sichelförmigen Öffnungen in dem passgenau eingeklemmten Knebelstifft nicht den Sinn hatten vielleicht ein pfeifendes Geräusch zu erzeugen. Dies könne man nur mit einer genauen replik prüfen, so schreibt sie.

Was nun noch fehlt ist warum die Klingen angefügt wurden bzw. welche Optik damit erreicht werden sollte.  Ich finde die Therie von Frau Mechthild Schulze-Dörlamm etwas weit hergeholt, aber dennoch ist sie auf jeden Fall einen Gedanken wert. Zumal sie mir durchaus gefällt, weil sie um die Ecke denkt.

Ihrer Meinung nach sollte, wie bereits angedeutet,  durch Hinzufügung der Klingen das Lanzenblatt eine geschweifte Optik erhalten.  Ihr fällt dabei auf, das die Flügel der Lanze wie das Parier eines Schwertes oder Dolches wirken.

Nun denkt sie dabei an die Lancea Domini, die im 6. Jahrhundert von Pilgern in der Jerusalemer Grabeskirche gesehen wurde und 614 angeblich durch den Kommandanten der kaiserlichen Garde Patrikios Niketas vor den Persern nach Konstantinopel gerettet wurde. Im 7. Jahrhundert sah Bischof Arculf diese dem Longinus zugeschriebene Lanze und beschreibt das diese eine gespaltene Tülle besessen habe. Mit einer gespaltenen Tülle wäre sie aber weder byzantinisch, noch römisch, geschweige denn fränkisch. 1201 , nur kurz vor ihrem Verschwinden im Jahr 1204, als das Kreuzzugsheer in Konstantinopel einfällt, beschreibt der Diakon Nikolaos Mesarites die Lancea Domini erneut und beschreibt sie in Form eines zweischneidigen Schwertes , welches in Form eines Kreuzes gestaltet sei und zudem blutunterlaufen wirke.  Hieraus schließt Schulze-Dörrlamm, dieses Objekt habe aus Hämatit bestehen können, welches bei der Zerstörung der Grabeskirche großer Hitze, sprich Feuer ausgesetzt gewesen war, bevor sie wie „ein archäologischer Bodenfund“ aus der Erde gezogen wurde. Schulze-Dörlamm vermutet nun das diese Lancea Domini, die übrigens nicht identisch sein kann mit jener die  in der Loggia der hl. Veronika  im Vierungspfeiler des Petersdoms verwahrt wird, da diese ins 11. Jahrhundert zu datieren sei, nichts anderes ist als ein römischer Pugio mit zweischaligem Griff. Dieser zweischalige Griff wurde in der Beschreibung des Bischof Arculf eben zu einer gespaltenen Tülle.

Demnach hätte man mit der Umarbeitung der heute in Wien verwahrten Heiligen Lanze versucht die Optik der in Konstantinopel verwahrten Lancea Domini zu imitieren. Womit wir wieder genau beim Bestreben der Franken wären mit den Byzantinern gleich zu ziehen!

Und das finde ich nun mal wirklich super witzig! Eine möglicherweise pfeifende Heilige Lanze, die auch nur die Kopie einer weiteren heiligen Lanze ist, die in Wirklichkeit ein römischer Dolch ist!

  • Als Quelle diente: Die Heilige Lanze in Wien. Die Frühgeschichte des karolingisch-ottonischen Herrschaftszeichens aus archäologischer Sicht, Jahrb. RGZM 58, 2011 (2012) 707-742. findet sich hier
  1. Szameit 2005, 162. – Mehofer / Leusch / Bühler 2005, 181. – Zu
    den frühmittelalterlichen Fahnenlanzen []
  2. Schulze-Dörrlamm schrieb dazu selbst zur Byzanzaustellung des RGZM den Aufsatz „Heilige Nägel und heilige Lanzen“, online hier []

Odin, Thor und Freyja – Ausstellung im Archäologischen Museum Frankfurt

„Odin, Thor und Freyja – Skandinavische Kultplätze des 1. Jahrtausends n. Chr. und das Frankenreich“ ist eine neue Ausstellung des Archäologischen Museums in Frankfurt/Main. Da ich eingeladen war der Eröffnung beizuwohnen konnte ich die Ausstellung bereits am 10.2. in Augenschein nehmen und auch der Eröffnungsfeier im Refektorium des ehemaligen Karmeliterklosters beiwohnen.

Diese begann mit einem  unschönen Programmteil: Prof.  Egon Wamers musste dem zu früh verstorbenen Lars Jørgensen Gedenken, der einer der Mitinitatoren  und dessen Forschungen Grundlage für die Ausstellung war.  Jørgensen war im vergangenen September verstorben.

Weitere Redner waren Arne Friis Petersen, dänischer Botschafter und Schirmherr der Ausstellung, Per Kristian Madsen, Generaldirektor des Dänischen Nationalmuseums Kopenhagen, sowie eine Vertreterin (Der Name ist mir leider entfallen) für Dr. Ina Hartwig , der Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt. Umrahmt wurde die Reden durch die musikalische Untermalung  von Sopranistin Laurie Reviol und Toshinori Ozaki an den Zupfinstrumenten, die thematisch passende Stücke interpretierten und auch Teile aus Beowulf rezitierten.

Die Reden waren, vielleicht bis auf die durch die Vertreterin der Frankfurter Politik, durchweg interessant. Berichteten sie doch u.a. über die Forschung Jørgensens, dessen Ausgrabungen und Forschungen zum Fundplatz Tissø, der die herausragende Grundlage der Ausstellung bildete.
Nach dieser Einführung war für uns die Ausstellung eröffnet, die nun bei „Frankfurter Wein und Käsestangen vom Rewe“, wie es Warmers formulierte, in Augenschein genommen werden durfte.

Als ich dann in der Garderobe meinen Mantel holen wollte um mich zum eigentlichen Museumseingang zu begeben traf ich dann auch das erste bekannte Gesicht in Form von Gawan Dringenberg.

Die Einführung in die Ausstellung beginnt mit einem Blick in die (frühe) Götterwelt im Norden. Ergänzt werden die großflächigen Schautafeln mit einer Vielzahl von meist kleineren Funden, wie Götteramuletten, aber auch silbernem Geschirr das als Opfergabe in Mooren niedergelegt wurde. Diese Funde stammen zum großen Teil aus den Fundplätzen von Hoby und Gudme.

Als Übergang in die Haupträume des Museums dient die begehbare Visualisierung des Kulthauses von Tissø-Fugledegård mit zwei übergroßen Holzidolen und dem fast 2kg schweren Goldreif. Tatsächlich sind es solche Darstellungen, die ich mag. Zum einen lassen diese Visualisierungen in die Welt jener Zeit eintauchen, schaffen aber auf Grund der Wände als Fotoreproduktionen eine nötige Distanz.

Betritt man nun den Hauptraum findet man an der Stirnseite linker Hand eine digitale Rekonstruktion der  großen Halle von Tissø-Fugledegård auf 11m breite. Das Raumerlebnis wird durch eine in den Ausstellungsraum ragende Feuerstelle komplettiert. Somit wird der Verbindundungsbau des Museums zum Kirchenschiff des Karmeliterklosters zur großen Halle von Tissø.

Während sich nun die rechte Seite den Funden aus dem namensgebenden Tissø (Stiersee) findet, darunter eine merowingische Spatha und ein Schwert des 10./11. Jahrhunderts, widmet sich die linke Seite der Festtafel. Hier finden sich neben Banketaxt und Fleischgabeln auch Falknergeschirr und Hundeleinen. Als Vergleiche werden Auschnitte aus dem Teppich von Bayeux genutzt. Auch Vergleiche und Parallelen der Anlagen von Tissø zu fränkischen Königshöfen werden gezogen.

Der Abschnitt über die Beziehungen zu Franken – „Der neue Glauben aus dem Süden“ wird durch die Funde und das Modell des Bootskammergrabes aus Haithabu sowie dem erstmals aus Ingelheim verliehenen Modell der Pfalz Ingelheim gebildet  und befindet sich an dem Platz an dem normalerweise die Funde aus der Pfalz Franconofurd zu sehen sind. Ergänzt wird die gesamte Austellung noch mittels eines Films zu  Ausgrabungen und Fundplatz Tissø, zu dem ich allerdings nichts sagen kann da ich in nicht gesehen habe.

Mit der  Ausstellung ist dem Archäologischen Museum in Frankfurt ein echtes Schmankerl gelungen. Viele der ausgestellten Funde waren noch nie auf deutschen Boden zu sehen, genauso wie viele neue Erkenntnisse zum Fundplatz Tissø präsentiert werden können. Einzig zu kritisieren wäre meiner Ansicht nach mal wieder die Anbringungen der Beschriftungen innerhalb der Vitrinen, da dies Rollifahrern und Sehbehinderten das Lesen der Beschreibungen stark erschwert.

Die Ausstellung ist noch bis 6. Juni  in Frankfurt zu sehen. Eintritt beträgt 7€,  ermäßigt 3,50€. Ein Katalog ist für 17,95 € erhältlich und steht bereits bei mir im Regal. Er enthält alle Texte, sowie Bilder und Informationen  ausgestellter Funde im Katalogteil.
Weitere Informationen, auch Bilder von Funden, hat die Website des Archäologischen Museums Frankfurt

Ein neuer Gürtel für den Karolinger

Vor geraumer Zeit habe ich in Ingelheim eine Replik der Ingelheimer Riemenzunge im Tassilokelchstil erstanden (hier schrieb ich darüber). Schon damals wollte ich mir einen neuen Gürtel daraus fertigen. Etwas kleines , aber feines.

Ich hatte seinerzeit tatsächlich überlegt mich mit Kammweben auseinander zusetzten und mir selbst einen entsprechenden Gürtel zu weben. Da mir aber im Moment der Nerv und die Zeit dazu fehlt entschloss ich mich dazu einen passendes Leinenband fertig zu kaufen. Als Färbung entschied ich mich für Maulbeere, zu Einen weil mir die Farbe gefällt, zum Anderen weil die Maulbeere im Capitulare de villis genannt wird.

Da ich ihn aber nicht einfach nur maulbeerfarben lassen wollte, habe ich ihn ein kleinwenig verziert. Tatsächlich erfuhr ich ja von einem Fund einer Gürtelzunge an der auch noch Reste eines kammgewebten  Textilbandes fanden das Goldlan im Schuss besaß. Aber ganz so prunkvoll wollte ich (noch) nicht daher kommen.
Was die Schnalle der neuen Gürtelgarnitur angeht war ich ein wenig im Dilemma, denn am liebsten hätte ich ebenfalls etwas im Tassilokelchstil gehabt. Andererseits wollte ich etwas aus einem lokalen Fund. Und zu allem Überfluss musste die Schnalle ja zum Hauptstück, der Ingelheimer Riemenzunge in der Größe passen.  So griff ich dann letztendlich auf eine Schließe aus Frankfurt zurück.

SchnalleSie wurde am Alten Markt nördlich der Frankfurter Pfalzgebäude gefunden. In Franconofurd I wird sie auf um 800 datiert, was zeitlich konform geht mit der Riemenzunge. Zwar wird auf Grund ihrer geringen Größe am ehesten als Teil einer Sporengarnitur gesehen, aber wie gesagt es passt zeitlich und von der Größe. Vielleicht gibts noch mal 2 in Silber für die Sporen bei Gelegenheit 😉

Auf jeden Fall ist der Gürtel nun fast fertig und harrt der Dinge die kommen mögen.

Gürtel

 

Eigentümliche Fibelabbildungen auf Herrscherbildern der Karolingerzeit

Scheibenfiebeln sind im gesamten Frühmittelalter nichts ungewöhnliches.  Wir kennen wunderbare große Modelle aus Gold und Almandin aus der Merowingerzeit, wir kennen wunderbare Kreuzfibeln, Scheibenfibeln  mit Emaileinlage  aus der Karolingerzeit und Salierzeit usw. Und dennoch wurde mir kürzlich eine interessante Frage gestellt:

In karolingischen Abbildungen sieht man oft Mantelträger, deren Mantel mit einer großen, seltsamen Fibel geschlossen ist. Was ist das für eine Fibel?

Die Antwort ist doch leicht! Das ist eine… Das ist… Ähh…

Bevor ich versuche eine Antwort zu bekommen schauen wir uns zunächst einmal die Handschriften an in denen eine solche Fibel erkennbar ist.

Aus Gründen der Übersichtlichkeit, werde ich nur einige der Abbildungen direkt anführen, bzw. bebildern. Der Stuttgarter Psalter, wohl eine der bekanntesten Handschriften zeigt bisweilen Fibeln an den Mänteln. Da  die Zeichnungen zwar ausführlich, aber nicht detailreich sind (Fibeln erscheinen nur als kreisförmige Gebilde ohne weitere Details) lässt es sich schwer sagen ob hier einfache Scheibenfibeln oder größere, aufwendigere Modelle dargestellt sind, auf deren Suche ich mich ja befinde.

Fibel2
Fibelkonstrukt Lothars aus dem Lotharpsalter (klick mich)

Die Herrscherdarstellung des Codex Aureaus von St. Emmeram (ca.870Reims) zeigt Karl den Kahlen auf dem Thron sitzend. Auf seiner rechten Schulter ist ein Objekt, welches als Fibel identifiziert werden darf. Bei dieser Darstellung gibt es jedoch Auffälligkeiten die darauf hinweisen das es sich nicht um eine „profane“ Scheibenfibel handelt. Dieselbe Auffälligkeit findet sich auch im Psalter Lothars (Tours ca. 850).

In beiden Darstellungen steht die Fibel von der Schulter ab. Im Falle des Lothar Psalters erscheint es sogar als wäre der Mantel mit einer Dreiknopffibel der Völkerwanderungszeit geschlossen, deren Knöpfe jedoch nach oben zeigen entgegen der üblichen tragweise nach unten, während im Codex Aureus von St. Emmeram am Ende des Bügels etwas wie ein Vierpass zu erkennen ist.

fibel1
(Klick mich)

Erkennbar ist diese Art der Fibel auch in der Bibel von St. Paul vor den Mauern (Tours ca. 870). Hier ist fol CCCXXIV Karl der Kahle abgebildet, dessen Mantel mit einer kreisrunden Fibel geschlossen wird, aber wieder drei Finger nach oben abstehen und die nach unten rechteckig ausläuft. Mein erster Gedanke es könne sich um kunstvoll nach oben gedrehte Mantelteile handeln, die mit einem Band umwickelt wurden auf das dann die Fibel gesteckt wurde, musst ich nach einer genauen Prüfung von Drucken mit dem Fadenzähler fallen lassen (siehe Bild ).

Ebenfalls in der Bibel von St. Paul vor den Mauern ( fol. CCCXXXIV)findet sich eine Abbildung König Salomons. Hier ist ein rechteckiges Gebilde als Schließe erkennbar, das recht sicher als Gleicharmfibel identifiziert werden darf.

Das Lothar Evangeliar (ca. 850 Tours) zeigt den Herrscher, gerahmt von Creti und Pleti, mit einer scheibenförmigen Schließe auf der rechten Schulter, aus der zwei goldenen Bänder herab hängen.

In gleicher Art ist auch die Fibel in der Herrscherdartstellung Karls des Kahlen in der Vivian Bibel (ca. 845 Tours)dargestellt. Eine Verzierte Scheibe auf goldenen Bändern.

Im Sakramentar Karls des Kahlen (ca. 870 Tours) ist wieder der Herrscher mit einer scheibenförmigen Fibel dargestellt die den Mantel schließt. Sie erscheint zwar größer als die einer einfachen Scheibenfibel, aber auch nicht sonderlich dominant groß oder prunkvoll (Vergleiche hier die Darstellung der Riemenzunge zur Fibel).

Fassen wir also zusammen: Große (Prunk-)Fibeln finden sich auf Herrscherdarstellungen. Es scheint 2 dominante Typen zu geben:

  1. Eine Form der Bügelfibel im weitesten Sinn, die auf Grund ihrer Verzierung von mir zuerst der Begriff „asymetrische Gleicharmfibel“ in den Sinn kam( lassen wir mal  Salomon außen vor). Diese erscheint lediglich  im Psalter Lothars, Codex Aureus von St. Emmeram.  Aber auch in der Bibel von St. Paul vor den Mauern.  Auf diese Fiebeln muss  genauer eingegangen werden muss
  2. Große Scheibenfibeln.  Sichtbar in Handschriften unterschiedlichster Herkunft

Während sich groß, bzw. größere Scheibenfibeln (Durchmesser >4cm )  recht leicht als byzantinische Importe, oder etwa byzantinisch inspirierte Werke angesehen werden können1, verhält es sich mit erstgenannten Fibel anders.

Versuch die betreffenden Fibeln bildichdarzustellen
Versuch die betreffenden Fibeln bildlich darzustellen

Vom Grundaufbau sollte es sich zunächst um Bügelfibeln im weitesten Sinne handeln.  Doch allein schon mit dieser Begrifflichkeit verzettele ich mich in Wiedersprüche, denn die Bügelfibel war Bestandteil der Frauentracht und kam zudem im 7. Jahrhundert auf dem Kontinent aus der Mode.  Unsere Abbildungen stammen jedoch aus der aus der Mitte des 9. Jahrhunderts! Eine Zeit in der lediglich die gleicharmige Bügelfibel noch auftritt, aber im Fränkischen Reich auch nur noch in Nordhessen, den Küstengebieten und Ostsachsen.2

Ein anderer Ansatz ist nun die Herkunft der Abbildungen und ihren Hintergrund zu erfragen.  So  stammen alle drei Abbildungen aus den Werkstätten der Hofschule, bzw. deren Nachfolge nach der Zerstörung von St. Martin Tours durch die Nordmänner.  Trotz umfangreicher Suche konnte ich diese Fibeldarstellung auch nur bei den Brüdern Lothar I. und Karl dem Kahlen feststellen.  Bei anderen karolingischen Herrschen waren nur Scheibenfibeln zu erkennen, dies gilt sowohl für illuminierte Handschriften, als auch für Siegel und Münzen.

Am ehesten ähnelt das Objekt auf Lothars Schulter einer angelsächsischen Breitkopffibel. Doch auch die wurden in aller Regel von Frauen getragen und waren längst aus der Mode. Auch kann es sich nicht um ein englisches „Erbstück von der Oma“ handeln, da noch keine engeren Verwandtschaften nach England bestehen.  Und doch könnte dies einen entscheidenenden Hinweis geben! Denn tatsächlich gibt es im Norden, vorallem in Skandinavien noch die Nutzung von Bügelfibeln, den sogenannten disc-on-bow brooches bis etwa 10503.

Aber fassen wir bis hier noch einmal zusammen:  Die Brüder Lothar I. und Karl der Kahle, lassen sich in der Zeit von 840-8704 von Mitgliedern der Hofschule bzw. deren Nachfolge mit Fibeln abbilden, die aus der Zeit geschlagen zu scheinen.
Beide müssen etwas gemein haben, das sie von ihrem dritten Bruder Ludwig dem Deutschen unterscheidet. Etwas das so einschneidend ist das man auf repräsentativen Darstellungen nicht etwa byzantinische Scheibenfibeln mit Pendilien trägt, sondern eben Fibeln deren Art, die für den Kontinent eigentlich als veraltet gelten.

Theorie: Hier könnte das Schlüsselwort tatsächlich Skandinavien, bzw. Wikinger oder Nordmänner sein.
Ab den späten 830 Jahren wird Westfranken und Lothars Mittelreich wiederholt das Ziel schwerer Einfälle der Nordmannen, während das Ostreich nur am Rande betroffen ist. Dorestadt wird mehrfach geplündert und 863 zerstört, Paris 845 schwer in Leidenschaft gezogen, Rouen 855 geplündert und vor allem wird die Hofschule in St. Martin in Tours 853 zerstört.

Button-on-bow broochaus Gotland 10. Jahrhundert. Bild: cc-by-sa Mary Harrsch Flickr: https://www.flickr.com/photos/mharrsch/21179163629/in/photolist-ygwKtB
Button-on-bow brooch aus Gotland  ca.10. Jahrhundert. Bild: cc-by-sa Mary Harrsch Flickr: https://www.flickr.com/photos/mharrsch/21179163629/in/photolist-ygwKtB

Mir erscheint es zur Zeit so als wurden die beiden Herrscher zu einer Zeit der Wikinigereinfälle entweder mit Beutestücken dargestellt um sich als Sieger über die Feinde aus dem Norden darzustellen ( Vergleiche hier Arnulf von Kärnten und die Ausstellung erbeuteter Banner der Nordmänner in St. Emmeram in Regensburg ) , oder aber die Mönche, die die Abbildungen fertigten, fügten diese als kleine Spitze ein um den Herren zu mahnen aktiv gegen die Feinde vorzugehen.

Das nun ausgerechnet die ach so „männlichen“ Wikinger mit einer Frauenfibel herum gelaufen sein sollen, ließe sich auch mit dem Beinamen der oben abgebildeten Fibel begründen.  Diese oben abgebildete Fibel wird mit  Brisingamen gleichgesetzt. Dabei handelt es sich um ein mythisches, von Zwergen geschmiedetes Kleinod , welches in aller  Regel auch als „Halsschmuck“ bezeichnet wird. Auch im Beowulf taucht ein Schmuck namens Brosinga mene auf, den  König Ermanrich am Ende besitzt.  Sollten nun solche Fibeln mit dem Brisingamen Freyas gleichgesetzt gewesen sein, ließen sich diese als Abschiedsgeschenk der  daheim gebliebenen Frauen erklären , denn Freya war es die die die Hälfte der in der  Schlacht gefallenen Krieger beanspruchen darf und wird auch mit Bifrost in Verbindung gebracht.

Aber auch byzantinische Anleihen des Schmuckes halte ich dennoch nicht ausgeschlossen, auch wenn ich für die Fibeln keinerlei byzantinisches Vorbild fand , denn der Hof Karls des Kahlen galt als Zentrum der Byzantintisierung. Es wird berichtet das Karl sich 869 als novus constantinus ausriefen lies und in Ponthion graecisco more paratus et coronatus – nach griechischer Art gekleidet und gekrönt auftrat.5

Dies ist nur eine Theorie! Ich bitte das zu beachten und würde mich freuen wenn jemand andere Theorien hat. Ich bin definitiv für alles offen und auch letztendlich nicht ganz zufrieden mit meiner eigenen Begründung. 

  1. vergleiche hierzu auch Mechthild Schulze-Dörrlamm  „Eine goldene, byzantische Senkschmelzfibel mit dem Bild der Maria Orans aus dem 9. Jahrhundert- Entstehung und Deutung karolingischer Heiligenfibeln“ []
  2. Fibel und Fibeltracht S. 178 []
  3. letzte Funde aus Gotland, verschwinden  der disc on bow brooch mit der Christianisierung []
  4. Bevor jetzt einer mault: Natürlich ist Lothar bereits 855 gestorben… []
  5. Ute Schwab , Die vielen Kleider der Passion in Theodisca S.323 []

Kostenlos und Kultur

Wie bereits vor einiger Zeit angedeutet bin ich wegen der Verwendung meiner digitalen Rekonstruktion des Einhardsbogens für eine Ausstellung angefragt worden. Ich habe dem zugesagt und nach einigen Mailwechseleln kam die Frage auf wie viel ich den für die Verwendung des Bildes an Geldwert haben möchte.
Ich muss zugeben das mir dies schmeichelte, aber NEIN, ich will kein Geld für das was ich tue.

Klar steh ich wie die meisten darauf nichts oder möglichst wenig für etwas zu zahlen, bin aber dennoch kein verfechter der absoluten „Kostenloskulter“.
Aber das Bild als Solches existierte ja bereits, ich hatte es in relativ hoher Auflösung unter CC-BY-SA online gestellt. Also benutzen, Namen nennen, glücklich sein.

Nun bot ich aber an das Bild ein wenig zu überarbeiten. Das tat ich weil ich selbst in einigen Teilen unzufrieden war, mehr Details rein bringen wollte und auch Ideen hatte dies effektiver Umzusetztem. Das war aber nur mein Bier. Das ich nun ein fast vollkommen neues Modell bauen würde ahnte ich dabei nicht, ist aber ebenfalls mein Bier. Nur ungern würde ich ein Bild von mir in einer Ausstellung sehen, dass ich als „unfertig“ ansehe. Aber das ist letztendlich unerheblich für die Entscheidung kein Geld zu verlangen.

Der eigentliche Grund warum ich kein Geld dafür haben möchte ist ein anderer. Den Museen geht es auf gut deutsch scheiße. Ich weiß nicht ob schon mal jemand hier versucht hat die Rechte an einem Bild, zum Beispiel aus dem Katalog zur Ausstellung „Die Franken“ zu bekommen. Für die Kohle kann man schon einiges auf die Beine stellen! Aber die Leute, die Graphiker und Wissenschaftler, die diese Bilder erstellt haben leben davon. Im Gensatz zu mir. Es ist mein Hobby und nicht mein Job. Ich bin und sollte also nicht auf dieses Geld angewiesen. Ich bin daher der Meinung das ich kein Geld für ein Bild verlangen sollte das nicht eine spezielle Auftragsarbeit ist. (Und selbst wenn, gab ich mich bisher immer mit Büchern oder ähnlichem zufrieden)
Ich sehe es eher als meine Pflicht an mit einem Bild zu helfen, in der Hoffnung einen kleinen Beitrag zu leisten. Eigentlich ganz so wie dieses ganze Blog. Ich möchte das wir mehr für unser Geld bekommen und dazu möchte ich einen Beitrag leisten.
Hinzu kommt, das es sich beim „Museum bei der der Kaiserpfalz Ingelheim“, wo das Bild nun hängt, auch nicht um ein „reiches“ Museum handelt. Es besitzt eben auch mehr oder minder zufällig Ausstellungsfläche für die Kaiserpfalz Ingelheim. Und da ich nun aus der „Kaiserpfalz“ Trebur komme ist es quasi auch ein bisschen Nachbarschaftshilfe.

(Generell würde ich ohnehin dafür plädieren das wir alle ein bisschen geben um im Gegenzug auch nehmen zu können. Vielleicht bin ich da ein bisschen sozialistisch oder gar kommunistisch eingestellt, vielleicht hab ich auch einfach zuviel Star Treck gesehen oder hab zu viel am Idealismustopf genascht. Aber mir gefällt die Idee das jeder das macht was er irgendwie kann, sei es auch noch so gering, und alle profitieren am Ende davon)

Ach ja, und last but not least kann ich nun sagen, dass eine meiner Rekos in der Kaiserpfalz Ingeheilm hängt 😉

Mein Bild findet sich seit 18. März in der Ausstellung zum Einhardsjahr 2015 im Museum bei der Kaiserpfalz Ingelheim, sowie es in dem in dem Kurzvortrag „Einzigartig – Der Einhardsbogen“ am 16.4.2015 von Frau Renate Fath M.A. zu sehen sein wird. Infos unter http://www.museum-ingelheim.de/

Spiegel Geschichte und der Campus Galli

Ursprünglich war das Thema Campus Galli/ Klosterstadt Meßkirch für mich abgehakt. Lediglich nach meinem Besuch vor Ort vor Ort schrieb ich noch einmal darüber. Zudem berichtet Hiltibold ausführlich zum Thema und hinterfragt jegliche Bewegung vor Ort.
Nun bewegte mich aber ein Facebookpost von Andreas Sturm, den ich vor einigen Tagen las, doch noch einmal das Wort zu ergreifen, da ich mich dabei persönlich angesprochen fühle. Er zitierte daraus aus dem aktuellen Ausgabe ( 1/2015) von Spiegel Geschichte.

Der Spiegel Geschichte berichtet darin auf S112 bis 119 in einem Artikel von Alexander Smoltczyk unter dem Titel „Zeitreise handgemacht“ über den Campus Galli. Der Artikel selbst bietet nichts wesentlich neues. Er versucht scheinbar neutral zu beleiben, lässt aber eine gewisse begeisterung für die Idee erkennen und lässt nur die Teilnehmer des Projekts zu Wort kommen und weckt somit eine pro Campus Galli Stimmung die (Mittelatermark-) Ambiente erzeugt, die ja das Projekt angeblichen zu vermeiden sucht. Die Teilnehmer äußern sich zu weilen auch über die ihnen entgegengebrachte Kritik:

„Es gibt natürlich auch immer Mittelalter-Fans, die nur hierherkommen, um nach Fehlern zu suchen. Aber das sind sehr wenige“, sagt der Schindelmacher. Die mokieren sich dann über das Nasen-Piercing der Färberin. Die fotografieren das Kleidergrößenetikett am Wollgewand oder den Elektrozaun am Schweinekoben und petzen es später aus dem sicheren Versteck ihres Blogs.
Sie haben den Campus nicht verstanden. Natürlich liegt da ein Feuerlöscher neben der Schmiede. Natürlich gibt es Sicherheitsschuhe. Die Versicherungen leben nämlich nicht im Mittelalter. Und die damalige Dichte an Einäugigen und Krüppeln möchte man nicht wiederaufleben lassen. (…) S.116
Niemand darf sich mit einer Uhr am Handgelenk oder einem Handy erwischen lassen. Auch Cola gibt es nicht, genauso wie das Rauchen für Besucher verboten ist.(…) S117)

Nun weiß ich nicht wie viele Geschichtsinteressierte vor Ort waren die später über den Campus Galli irgendwas gepetzt geblogt haben. Ich weiß aber das Hiltibold viel darüber schreibt und ich vor Ort war, Bilder machte, darüber schrieb und die Bilder auch Hiltibold zur Verfügung stellte. Ich bin daher so egoistisch und beziehe das auch auf mich und möchte hier etwas einwerfen „aus dem Versteck meines Blogs“.

Als ich vergangen Sommer in den Campus Galli fuhr, war ich auf dem Weg in den Urlaub. Ich hatte den Besuch nicht fest eingeplant, erst einen Tag zuvor erfahren das an diesem Tag das Sommerfest stattfinden würde. Ich kam auch nicht um geplant nach Fehlern zu suchen, primär wollte ich mir die Sache einmal anschauen, das mir jedoch einige Fehler ins Auge sprangen ist dann doch eher eine spezielle Aussage.
Ich glaube nicht das sich jemand ernsthaft über einen Elektrozaun oder Feuerlöscher auslassen würde. Ein Etikett am „Wollgewand“ dann doch eher, zumal mir nun niemand geläufig wäre der entsprechende Kleidung verkauft und ein Etikett anbringt. Es sei denn es ist eben der Baumwollkram den man so hinterher geschmissen bekommt. Piercings könnte man rausmachen vergisst man aber gerne, gebe ich zu. Aber die Aussage das sich niemand mit Uhr oder Handy erwischen lassen darf finde fast schon lächerlich. Als ich zu Besuch war sah ich Seindenschals, normale T-Shirts unter der Tunika und Polyestergürteltaschen. Selbst wenn , wie es zum Teil an diesem Tag der Fall war, auch Leute dabei waren die nicht regulär am Campus Galli beteiligt sind, so muss doch jemand da sein der sie eben erwischt. Besonders an einem Tag wie dem Sommerfest wo mit Presse und einem Haufen Fotoapparaten zu rechnen ist. Das scheint aber nicht der Fall zu sein! Auch hat meines Wissens nie jemand die Sicherheitsschuhe als solche kritisiert. Aber wenn man keine, gar keine Wendeschuhe sieht, wirds halt doch etwas eigentümlich.

Der Vorwurf man würde aus dem Versteck eines Blogs agieren ist geradezu hanebüchen. Natürlich könnte man sich Sendezeit im Fernsehen kaufen wenn man denn das Geld hätte. Man könnte für Zeitungen schreiben, wenn man denn die Zeit hätte. Aber das alles trifft auf uns nicht zu! Ich habe ein Impressum mit voller Anschrift, auch Hiltibold hat das. Es gibt gibt die Möglichkeit zum kommentieren. Ich denke nicht das einer von uns sich gegen ein Gespräch wehren würde. Hiltibold hat kürzlich den einen Beitrag von Geschäftsführer Hannes Napierala im Blog gehabt. Dennoch wird immer wieder um bestimmte Themen einen Bogen gemacht bzw. sie verschieden wiedergegeben und Blogger als das Böse unter dem Himmel beschworen.
Im Gegenzug darf sich also niemand wundern, der im Rampenlicht irgend eines Publikums oder iInteressengruppe steht, auch von diesem beurteilt oder kritisiert zu werden!

Am besten ist jedoch der Hinweis über Behinderungen im Mittelalter. In diesem kleinen Satz sind sämtliche Vorbehalte einer unendlichen Diskussion auf einen minimalen Raum eingedampft. Erinnert sich noch jemand an die Ausseinandersetzung Hiller/Mittelalterlich Spectaculum vs. Reenactment-/Living-History-Szene? Nein? Kurz zur Auffrischung:

Wir haben nicht den Anspruch authentisch einhundert Prozent korrekt zu sein, denn Authentizität ist unserer Meinung nach nur ein Schlagwort für die Besserwisser in der Mittelalterszene.(..) Es gibt nur die eine Tatsache, dass wenn man den Überlieferungen folgen würde, eine authentische Veranstaltung wegen der darzustellenden Armut, dem Schmutz, dem Gestank, der Krankheiten etc. mit hundertprozentiger Sicherheit nicht dem Anspruch bester Unterhaltung genügen würde. (Zitiert nach Tempus Vivit)

Nun bezieht sich die Aussage in Spiegel Geschichte, die dem Schindelmacher zugeordnet ist, wohl nicht darauf das man nie vollends authentisch sein kann, sondern ist eher im Sinne zu verstehen, dass man auf die Sicherheit achten muss und daher Abstriche in der Authentizität machen muss. Und dennoch ist und bleibt es die selbe Argumentationsweise wie sie im Konflikt Mittelaltermarkt gegen Reenactment-/Living-History-Szene. Und sie bleibt genauso falsch. Niemand hat etwas gegen Sicherheit. Niemand hat etwas gegen TÜV oder Versicherungen. Andere Veranstaltungsorten zeigen doch das es anders geht, siehe Bärnau. Und nein, ich will auch nicht im Mittelalter leben, falls die Frage aufkäme (das wäre bei der Argumentation zu erwarten).

Immer wieder erweckt der Text in mir auch ein befremdliches Schmunzeln. Etwa wenn der Text die Idee beschreibt am Eingang einen Misthaufen zu platzieren um auch geruchsbedingt die „Zeitreise“ ins Mittelalter einzuläuten oder wenn Artikel der für die Gemüsepflanzen zuständige Dame ein Faible für die Schriftsprache des 16. Jahrhunderts bezeugt auch wenn diese nicht mittelalterlich sei.

Es bleibt abzuwarten was in dieser, inzwischen für mich leidigen, Diskussion noch so alles passiert.

Wer sich das Video des Spiegel mal anschauen will zu dem Artikel („…Sicherheitsschuhe der Karolingerzeit, nämlich Holzschuhe.“) kann das hier tun: www.spiegel.de/sg12015kloster

Buchveröffentlichung: Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim

ingelheimWer sich Literatur über die Pfalz Ingelheim zulegen wollte, war bislang auf Einzelveröffentlichung wie „Die Grabungen in der Königspfalz zu Nieder-Ingelheim in den Jahren 1960-1970“, Sammelveröffentlichungen wie Bindings „Deutsche Königspfalzen“ oder schwere Fachliteratur wie „Pfalz und Fiskus Ingelheim“ angewiesen.
Im Karlsjahr 2014 wurde dies mit der Veröffentlichung „Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung“ aus dem Imhofverlag behoben.
Als Herausgeber der im Auftrag der Stadt Ingelheim erschienen Publikation fungiert Forschungsleiter Holger Grewe M.A., der auch die meisten der Beiträge beisteuert.

Das im A4 Format vorliegende 143 Seiten fassende Buch gliedert sich in fünf Abschnitte: Teil I Spurensuche in der Schriftüberlieferung , Teil bildet „Spurensuche in der Kaiserpfalz“ und befasst sich mit Archäologie, Bauskulptur und final mit der Goldmnünze Karls des Großen. Als dritter Teil folgt „Metarmophosen: Palast- Ruine -Denkmal“ und folgt Pfalzanlage bis in die Gegenwart. Als vierter Teil folgt „Entdeckungen: Ausgrabung und Bauforschung“. Hier wird die Wiederentdeckung der Anlage ab dem 16. Jahrhundert und die ersten Ausgrabungen behandelt, wobei die Erwähnung einer Brechstange im zweiten Unterkapitel bereits ahnen lässt wohin der Weg führt.
Der letzte Abschnitt trägt den Titel „Spurensuche in der Gegenwart“. Gerade in diesem Teil weiß mich das Buch zu überzeugen und erläutert Fragen wie etwa warum nicht die Pfalz oder Teile davon wiederaufgebaut wird und wie während Sanierung vorgegangen wird.
Gerade dieser Abschnitt sollte doch von vielen gelesen werden die in einem Denkmalgebiet leben. Aber auch sonst sind diese Beiträge höchst interessant vermitteln sie doch wie sich die Auffassung von Archäologie und Wissensvermittlung geändert haben.

Das Buch ist generell gut zu lesen, auch wenn die Texte dem ungeübten in der Materie hin und wieder ein wenig kompliziert vorkommen könnten, so etwa wenn Caspar Ehlers über einen Hoftag eher beiläufig erwähnt das er unter den Begriffen synodus und auch generalis conventus auftaucht. In der Regel hält man sich jedoch daran Begriffe zu erläutern, so findet sich dann auch hinter „Dreikonchenbau“ der in Klammern gesetzte Einschub mit der Erläuterung was denn überhaupt eine Konche ist.
Viele, auch großformatige, Farbbilder erläutern die dargestellte Materie, auch wenn man wohl die meisten der Bilder bereits kennt wenn man in der Materie ist.

Zwar richtet sich das Buch, wie bereits angedeutet, eher an den interessierten, denn den versierten Leser, ist aber jedem nahe zu legen der sich für die Geschichte und die Architektur der Pfalz Ingelheim interessiert. Zumal man so kompakt die Informationen nicht noch einmal bekommt.

Auf den Spuren Karls des Großen in Ingelheim , Entdeckung – Deutung – Wandlung
Holger Grewe (Hg), Michael Imhhof Verlag
ISBN 978-3-7319-0074-0
19,95€
 

Tunikaverziehrungen und mögliche Vorbilder – Ein Brainstorming

Seit einigen Tagen bin ich mit einigen Details meiner Tunika-Suche nicht mehr ganz glücklich. Wobei es wohl aber nur eine Frage der Ergänzung bzw. des Zusammenhangs ist.

Im Rahmen der Ulrichsdamatik durchwühlte ich natürlich eine Menge historischer Messgewänder, war irgendwann beim Rationale und damit auch beim Superhumerale in seiner kirchlichen Fassung.  Und hier beginnt mein Kopfzerbrechen.

Das Superhumerale war, bevor es in unser Region eine religiöse Form erhielt, ein Herrschaftszeichen. Bereits spätantike Herrscher und Herrscherinnen trugen es. Am bekanntesten ist wohl die Darstellung Theodoras, der Frau Justunians, auf den Mosaiken Ravennas mit Superhumerale. Es taucht aber auch immer wieder auf späteren Darstellung bis weit ins Hochmittelalter auf. Es verschmiltz bei der Männerkleidung bisweilen mit dem Loros, auf das wir auch gleich kommen werden. Die Ähnlichkeit des Superhumerale als Kreisrunder, reichbestickter Stoffkragen, bzw. Collier mit dem Kragenbesatz karolingischer Tuniken ist frappierend. Besonders extrem wird diese Ahnlichkeit bei Superhumeralen die Streifen auf die Ärmel und auf Front und Rücken besitzen.
Es scheint so als haben die Karolinger ihre Tunikenbesätze nach Vorbildern byzantinischer Herrschaftskleidung gefertig, bzw. diese adaptiert.

Doch stellt sich die Frage ob es denn überhaupt byzantinische Kleidungsstücke gab, die sich in veränderter Form auf, oder als Inspirationsquelle für Kleidungsstücken unserer Breiten erweisen.

Tatsächlich fand ich in Bamberg, bzw. in Folge meines Bambergsbesuchs einen Hinweis.
So wird auf S. 67 von „Gekrönt auf Erden und im Himmel – Das heilige Kaiserpaar Heinrich II. und Kunikunde“ über die Tunika Heinrichs II, bzw. Tunika Kunigundes (wirklicher Träger unbekannt) geschrieben das es sich bei dem asymmetrischen Halsauschnitt um die Adaption eines byzantinischen Loros Handeln könnte. (Die Veröffentlichung bezeichnet den Halsauschnitt als „ohne Vergleichsbeispiel“. Wie wir jedoch bereits gesehen haben gibt es eine Vielzahl von Ausschnitten die nicht zentral und auch nicht symmetrisch sind, eine prominentes Beispiel ist etwa die blaue Tunicella aus den Reichskleinodien. Bezieht sich die Aussage auf die verzierten Beläge als solches stimmt dieses jedoch). Der Loros ist mit dem Superhumerale verwand und besteht aus einem Langen, reichverzierten Schal der kunstvoll um den Körper gewunden wird.

Ein weiteres Stück, welches scheinbar die Übernahme aus klerikaler Verwendung findest sich auf der Alba aus den Reichskleinodien. Hier wird die Rationale in ihrer Urform als Brustschild in Stickereien nachgebildet.

Nun, da ich diese Gedanken niedergeschrieben habe, bemerke ich etwas. Nicht zwingen muss es sich um byzantinische Vorlagen für die Übernahmen handeln, denn all diese Elemente kommen oder kamen auch in nahezu gleicher Verwendung an oder auf klerikalen Gewändern vor.
Dies könnte bedeuten ,das die Übernahme von klerikalen Gewändern erfolgte. So wie sei auch bei den Kleidungsstücken der Reichskleinodien erfolgte (darüber wird noch gesondert zu schreiben sein) um das Gottesgnadentum auch symbolisch in der Kleidung zu zeigen.

Sollte sich jemand hierzu einmal Gedanken gemacht haben, würde ich mich über ein Feedback freuen.

Die karolingische Tunika V: Ein Ausflug zum heiligen Ulrich

Eine weitere Form der Verzierung erscheint gelegentlich in Abbildungen.Sie betrifft in der Regel Kleriker. Diese tragen statt einer zentralen Clavus zwei von den Schultern herablaufende Clavi.

ulrich
Dalmatik des hl. Ulrich. Abb. aus Die Heiltumskammer, Deutscher Kunstverlag

Eigentlich wäre ich wegen der Kleriker Geschichte gar nicht auf die Tunika eingegangen, wenn es hier nicht ein schönes Beispiel gäbe an dem sich viele der Beobachtungen an karolingischen Tuniken wieder finden, selbst wenn das betreffende Kleidungsstück nicht mehr karolingisch ist.
Es handelt sich um die Dalmatik des 973 verstorbenen Bischofs Ulrich von Augsburg. (Leider verschwand die Albe im Halleschen Heiltums, es wäre interessant wenn diese auch erhalten geblieben wäre).

Die Dalmatik ist aus byzantinischer Seide gefertigt, wohl aber nicht in Byzanz, sondern im Fränkischen Reich. Besonders die Clavi können über den Stoff berichten. Es handelt sich dabei um Samit mit Ritzmuster der wohl beim Schneidern der Kasel Ulrichs übrig blieb und nun auf der Dalmatik als Clavi Verwendung fand.
Der Samit zeigt einen gekrönten Herrscher mit Nimbus. Dieses Motiv lässt es wahrscheinlich werden, das der Stoff ursprünglich vom byzantinischen Königshof als Geschenk an Kaiser Otto I. gelangte. Vielleicht in Folge der Schlacht am Lechfeld erhielt Ulrich die Stoffe als Geschenk und lies prunkvolle Messgewänder daraus fertigen in denen er letztendlich bestattet wurde.

Das Kleidungsstück weist eine Breite von 202cm und eine Länge von 143cm auf. Die Ärmel entsprechen nebeneinander gelegt der Breite der Dalmatika an ihrer breitesten Stelle. Demnach ist die Stoffbreite etwa 101cm, die Länge eines Ärmels ca 50,5cm. Die  beiden Ärmel wurden demnach aus einem Teil der Stoffbahn geschnitten.
Was zunächst einmal auffällt sind die Maße des Kleidungsstück, von dem die Veröffentlichung „Die Heiltumskammer, der mittelalterliche Reliquienschatz von St. Ulrich und Afra“ das es eher einer Tunika gleiche denn einer Dalmatik, obwohl immer so genannt wurde. Sie sind ungewöhnlich groß.
Zum vergleich meine Tunika (und ich bin bei Gott nicht schlank) eine Gesamtbreite von 172cm, Länge 105cm und einer Bahnbreite von 62cm. Nur mal zum Vergleich, der ehemalige Schwimmstar Michael Groß, genannt der Albatros, besitzt auf eine Körpergröße von 201cm eine Armspannweite von 213cm (inkl. Hände). Demnach dürfte ihm die Dalmatik nach heutigem Verständnis ganz gut gepasst haben.

Nun ist aber vom heiligen Ulrich weder bekannt das er ein Riese gewesen wäre, noch das er besonders fettleibig war. Im Gegenteil wird er als asketischer Mensch beschrieben, der auf dem Teppich schlief!
Natürlich dürfte einer der Gründe für extreme Größe des Gewandes gewesen sein kein Zoll des kostbaren Stoffes zu verschwenden und so mit Status zu demonstrieren. Aber auch Die Weite die die Oberteile mitunter in Illuminationen haben und die geschoppten Ärmel könnten sich in diesem Kleidungstück finden.

Das Schnittmuster ließ sich für mich in Teilen anhand des Bildes nachvollziehen und erweist sich als durchaus Aufschlussreich. Gerade die Konstruktion der Ärmel hat es mir angetan.
ÄrmelDer ca. 50cm lange Ärmel (Stoffbreite ca. 35cm ungefaltet) wird auf einer Länge von etwa 25cm ein bogenförmiges Stück ausgeschnitten. Das nun schmale Stück wird den Ärmelsaum bilden. Die Ausgeschnittenen Stücke werden am Oberarm angenäht und bilden nun die Verbreiterung am Oberarm. Ihre Funktion ist ähnlich den Keilen unter der Achsel die uns gewöhnlich später begegnen. Der Stoff der Ärmel wird aus der vollen Stoffbreite geschnitten.

Auch der Halsabschluss ist interessant. Er ist eng ausgeführt, der Auschnitt liegt auf der Schulter und wurde dort geschlossen, wie mir gesagt wurde.

Das oben gezeigte Bild zeigt im Übrigen die Rückseite der Dalmatik, da diese wesentlich besser erhalten ist. Aus der Vorderseite wurden zudem einige Stücke als Reliquien heraus geschnitten. Urspünglich soll sie an den Seiten offen gewesen sein. Die breiten Saumborten stammen erst aus dem 14. Jahrhundert. Die Kleidungstücke des heiligen Ulrichs waren bereits 1183 nach einem Brand aus dem Grab geborgen worden und werden seit dem verehrt. Im Heiltumsblatt von ca. 1500 wird das Stück auch mit offenen Seiten und den breiten Säumen gezeigt (wobei ich mich frage ob die Saumborten nicht angefügt wurden nachdem das Kleidungstück begann zu zerfransen als man aus der Seite Reliquienstücke schnitt) und ist mit der Beschreibung versehen „Das ist die Dalmatic oder Sarok von Ulrich(s)…“

Zum einen überlege ich im Moment die Dalmatik zu Experimantalzwecken aus billigem Leinenstoff grob nachzuschneidern um einfach die zu erfahren wie der Stoff fällt, zumal ich mit 172cm in etwa der Durchschnittsgröße des Frühmittelalters entspreche. Zum Anderen bin ich ab Freitag in Bamberg und kann mir endlich die Kleidung von Heinrich II, Kunigunde und Papst Clemens II. ansehen, wovon ich mir zumindest ein paar Erkenntnisse oder Ideen verspreche.

Die karolingische Tunika IV – Das Gürtel-Problem

Ursprünglich war der Gürtel der karolingischen Tunika eines der Themen mit dem ich mich zuerst befassen wollte. Jedoch stellte sich schon bald heraus das dies nicht so einfach sein würde wie ich mir das vorstellte.

Obwohl ich fast zwei  Dutzend karolingischer Handschriften und Fragmente wälzte, blieb es doch  einzig bei zwei Gürtelabbildungen bei „Zivilpersonen“. Und das war die, die ich ohnehin schon kannte.

karlkahlDas erste Bild zeigt eine Festkrönung Karls des Kahlen  die früher für eine Darstellung Karls des Großen gehalten wurde. Karl wird hier mit einer breiten Riemenzunge dargstellt (Zudem beachte man die Tunika, die potentiel aus Damastseide besteht und angedeute Schlitzungen am weit fallenden Rockteil besitzt)

Der Katalog „Die Macht des Silbers“ weiß dazu zu berichten das es sich bei vielen der bekannten großen silbernen Riemenzungen aus dem Fundgut um eben solche Riemenzungen von Klerikern handelt. Hinweise hierfür sind die geistlichen Sinnsprüche oder Kreuze die sich auf den Zungen finden. Während man in Rom  die Alba mit einem Band knotete, trug man im gallischen Raum den Gürtel mit der wuchtigen Riemenzunge. Da , so der Katalog, der Zeichner nur die die Welt der Kleriker kannte, zeichnete er auch Karl mit einem solchen Gürtel.

Ich halte das für nicht zu Ende gedacht! Kontext, my dear Watson!
Dargestellt ist eine Festkrönung, eine liturgische Handlung. Zudem kennen wir den sakralen Charakter des Königtums. Karl ist also festlich gekleidet aber nun doch nicht dargestellt wie ein gallischer Kleriker. Vielmehr ist er entsprechend seines Standes gekleidet. Zudem tragen die beiden Kleriker die Karl einrahmen den römischen Typus des geknoteten Bandes. Unwahrscheinlich das der Zeichner zwar die römische Art die Albe zu binden kannte nicht aber die eines Zivilsten. Zudem unterscheidet sich seine Gürteldarstellung von denen der Kleriker in der Bibel von St. Paul.  Während diese die Riemnzung in der Körpermitte tragen, bzw. die Riemenzunge mittig hängt, liegt sie bei Karl auf dem rechten Oberschenkel. Selbstverständlich kann dies ein zeichnerischer Kunstgriff sein um sowohl Riemenzunge als auch Rechteckmantel zu zeigen (auch keine Klerikerkleidung!)

KarlGroßSchauen wir uns nun die zweite Abbildung an. Es handel sich dabei um ein im Archivio capitolare di Modena verwahrtes Fragment einer Abschrift des 10.Jahrhunderts aus dem ersten Drittel des 9. Jahrhunderst. Die Abbildung, die für den Schwiegersohn Ludwigs des Frommen hergestellt worden war, zeigt Karl den Großen und seinen Sohn Pippin den Buckligen sich gegnübersitzend, scheinbar in Beratungen.
Es ist die Riemenszunge Karls des Großen die sichtbar ist. Leider lässt sich nicht sagen ob diese Riemenzunge zum Schwertgurt oder Leibgurt gehört.

Die meisten gefundenen Riemnzungen die zu Schwertgurten zugehörig sind, sind verhältnismäsig lang und schmal. Die in der Abbildung gezeigte Riemenzunge macht jedoch einen kürzeren und breiteren Eindruck. So wie zuvor die Riemenzunge Karls des Kahlen. Meiner Auffassung nach handelt es sich daher auch in dieser Abbildung um den Leibgurt. Und wie schon zuvor ist an der der rechten Körperhälfte Karls zu sehen. Auch hier kann dies ein Kunstgriff sein um sie überhaupt darzustellen.  (Ihr scheint also eine besondere Bedeutung zuzukommen)

Gehe ich also davon das es sich bei beiden Riemenzungen um Zungen des Leibgurtes handelt, so muss ich davon ausgehen das es den Klerikern vorbehalten war diese in der Körpermitte zu tragen, während der „Zivilist sie nach rechts verschoben trug, scheinbar sogar soweit das komplett auf der rechten Körperhälfte lag. Wenn dies der Fall sein sollte, ließe sich so erklären warum die in der Regel frontal dargestellten Personen keine Riemenzungen aufweisen. Sie befinden sich auf der rechten Körperhälfte und währen somit nicht sichtbar.
Der tragweise scheint demnach auch eine Bedeutung zu besitzten, die sich aber meiner Kenntnis entzieht. Ich erkenne aus dem Stegreif Ähnlichkeiten zur Trageweise von Orden.

Die Riemen der Leibgurte konnten im einfachsten Fall aus Leder bestehen, jedoch sind auch Funde aus Stoff bekannt. So wurde mir kürzlich über einen Gürtel berichtete, der aus Tuchbindung mit Leinenkettfäden und Goldlahnschuss(!) bestand.