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Vexillum Sancti Martini – Das Banner der Franken

Ich habe ja eine gewisse Faszination für Reliquien – Reliquien als Zeitzeugen, also archäologisches Fundstück und zum Teil als Kuriosum.
Besonders interessieren mich aber die Reliquien des hl. Martin von Tours, da sie einen Teil der fränkischen Staatsreliquien bildeten und mein genau gesuchtes Objekt ist der Mante, der als Banner bei Feldzügen der Franken Verwendung gefunden haben soll.

Einziges interessantes Ergebnis in der Suche war bisher eine Reliquie aus Bussy-Saint-Martin  die mitunter als Mantel des hl. Martin ( hape de Saint-Martin) bezeichnet wird , aber tatsächlich das Fragment eines Polsterwamses ist  (Hier habe ich damals darüber geschrieben) 

Der Weg der „echten“ Mantelreliquie verliert sich zumindest über die Jahrhunderte und soll wohl durch die Hugenotten zerstört worden sein. Aber ich habe mich entschieden mal ein wenig zu bohren, auch weil es vielleicht einen neuen Blick auf Banner/Fahnen/Wimpel eröffnet.

Meine erster Gedanke in der Suche war die Frage woher der Mantel denn nun überhaupt stammen soll. Geht man davon aus die Mantelteilung trug sich wirklich so zu, teilte Martin seine Chlamys, den römischen Militärmantel,  334 in Amiens.

Nach der Vita von 395 die noch zu Lebzeiten Martins entstand wurde er 351 getauft und errichtete ab 361 das erste Kloster des Abendlandes. Daraus darf man vermuten das wohl erst nach 350 die Sache mit der Mantelteilung für die Öffentlichkeit überhaupt erst interessant wurde, wenn nicht sogar erst mit Entstehung der Vita. Das Martin oder oder die römische Armee den Rest des Mantels mehr als 20 Jahre lang im Schrank liegen ließ ist eher unwahrscheinlich. Martin dürfte schon bald nach dem Ereignis einen neuen Mantel besessen haben, und der Rest sollte eher den Weg eines Putzlumpens genommen haben, als fein säuberlich verwahrt zu werden.

Als er 397 starb,  hatte er in höchsten Kreisen verkehrt und bereits eine bedeutende Anhängerschaft angehäuft, wobei aber der richtige Martins-Boom erst durch Gregor von Tours einsetzte. Also nochmal 200 Jahre später.

Die Reliquie selbst taucht dann auch erst 682 unter Theuderich III.  als cappa domni Martini auf, über der Schwüre geleistet werden. 709 hatte der Hausmeier Grimoald der Jüngere Verfügungsgewalt  über die Reliquie und nutzte sie als Feldzeichen in Feldzügen, aber vielleicht hatte schon sein Vater Pippin der Mittlere sie für die Karolinger in Besitz genommen.

Verwalter der Reliquie unter karolingischer Herrschaft  waren wohl die Laienäbte von Tours, darunter so illustre Namen wie Vivian von Tours und Robert der Tapfere. Nach der Zerstörung der Abtei von Tours kam die Reliquie wahrscheinlich über Cormery nach St. Denis.  Wobei aber anzumerken ist das im Hochmittelalter jeder zweitklassige Graf in Frankreich ein Martinsbanner besessen zu haben scheint und es nicht wirklich feststellbar ist wer denn nun das Original besaß…

Letztendlich durch Robert  gelangte die Cappa in den Besitz der Kapetinger und wurde somit Teil des französischen Kronschatzes. Eine Theorie zur Namensgebung der Kapetinger leitet den Namen der Kapetinger übrigens  von der Mantelreliquie , der Cappa, ab.

Nun ist ein wenig Licht auf den Weg der Reliquie geworfen. Fragt sich nun woher die Reliquie kam die bei Theuderich auftauchte. Hier hilft mal wieder das Reallexikon der Germanischen Altertumskunde weiter. Und mehr noch!

Demnach hatte Dagobert I. 629/39 die Grablege Martins restaurieren lassen und  sich wohl auch Reliquien einverleibt. Demnach ist die Cappa aber nicht der Mantel, die römische Chlamys, des Soldaten Martinus (Warum hätte auch ein Bischof damit bestattet werden sollen?) , sonder die palla sepulchri, das Grab- oder Sargtuch!!! Und jetzt wird es richtig interessant, wie ich finde.

Auch wenn man unter Grabtuch vielleicht sofort an das Grabtuch von Turin denken muss, kennen wir doch tatsächlich einige solcher Tücher die zu Verehrungszwecken Gräbern entnommen wurden. Eines der bekanntesten dürfte der Quadrigastoff sein, der aus dem Grab Karls des Großen stammen soll. Aber auch gerade aus unzähligen Bischofsgräbern kennt man solche Stoffe.

Und Martin von Tours war Bischof – und was für einer. Einer der der sich schon mal in Trier mit Kaiser Magnus Maximus anlegte. Er hatte also durchaus Einfluss und Zugang zu höchsten Kreisen. Selbst wenn er eher als Asket bekannt ist, so dürften es sich doch seine Anhänger, sein Bistum und Andere sich bei der Bestattung nicht zurückgenommen haben. (Schließlich konnte er sich nicht mehr wehren)

Schaut man sich etwa das Spätantike Grab 279 aus St. Maximin in Trier an (4./5. Jahrhundert) So findet man hier gemusterte Seidengewebe (Tunika) und feine Schleiergewebe (Grabtuch). Denkbar ist auch das der eigentlich Sarg Martins noch einmal mit einem Tuch bedeckt war, ähnlich einer Tischdecke. So oder so, sollte es sich dabei nicht um ein schnödes Tuch gehandelt haben. Es war wohl schon etwas aufwendiger, womöglich ein Seidengwebe wie ein gemusterter Damast (Sponsored by Kaisers?).

Natürlich wäre es möglich das die Schwüre die über der Cappa , einem einfachen, von Leichflüssigkeit verflecktem Leinenlappen in Leinwandbindung geleistet wurden. Ein aufwändiges Tuch würde aber mehr Eindruck hinterlassen.  Auch wäre ein solches Tuch wohl eher als  Vexillum S. Martini geeignet, als welches es beschrieben wird wenn es im Feld mitgeführt wird.

Nun ergibt sich für mich die nächste Frage: Was haben wir uns unter dem Vexillum S. Martini vorzustellen?

Zunächst Einmal bezeichnet ein Vexillum ein Feldzeichen der römischen Armee, ein rechteckiges, oder quadratisches Stück Stoff, welches an einem Querbalken hängt und an einer Stange befestigt ist. Davon hat übrigens exakt Eines(!) die Jahrhunderte überdauert und befindet sich heute im Puschkin Museum in Moskau1

Aber nicht zwingend muss unter den Franken das auch noch genauso ausgesehen haben. Viele lateinische Worte hatten bereits ihre Bedeutung verändert oder wurden pars pro toto verwendet. So könnte es grundsätzlich jegliche Arte von Flagge, Banner oder Wimpel bezeichnen können. Aber eine Abbildung eines Vixillum des 11. Jahrhunderts kennen wir gut. Das päpstliche Banner auf dem Mast der Mora, dem Flaggschiff Wilhelm des Eroberers. Ein quadratisches Stück Stoff mit blauem Rand und goldenem, rot gerahmten Kreuz, so aufgehängt das es jeder erkennen kann. Eben wie ein römisches Feldzeichen.  Aber im Gegensatz dazu steht die Abbildung des päpstlichen vexillums auf dem Tricliniumsmosaik im Lateran. Hier wird das vexillum als „einfache“ Fahne dargestellt. Also doch: pars pro toto. Wir können am Namen nicht erkennen wie es tatsächlich aussah.

Grafische Iddee des vexillum s. martini. Die Farbgestaltung nimmt die farben späterer Banner, wie des Oriflamme und der des französischen Königsbanners auf (Für größeres Bild klicken)

Nun tendiere ich aber persönlich tatsächlich dazu das das  Vexillum S. Martini, da es von jedem erkannt werden sollte und auch entsprechend kostbar war,   ebenso in die Schlacht getragen wurde: gut erkennbar über den Köpfen aller, ohne es dabei großartig hin und her zu schwenken, wie es etwa für eine Fahne notwendig wäre um sie erkenntlich zu machen. Eben als Banner oder Standarte. Wobei ich denke das die eigentliche cappa hierbei auf einen Trägerstoff appliziert war. 

Dies würde auch der Handhabe von heutigen Kirchenbannern entsprechen, von denen ich in meiner Laufbahn als Ministrant einige bei Prozessionen schleppen durfte.


Zusätzliches Gedankenspiel:
Gedanklich ratterte es in mir , aber um dies fix zu machen fehlen zu viele Hintergründe und zu viel Theorie steckt hier drin. Daher gesondert als Denkanstoß oder Gedankenspiel.

Bei der Frage nach dem Aussehen des Vexillums stellte ich mir die Frage wie den nun der Stab, oder eher die Lanze aussah an dem das Vexillum hing.

Dabei musste ich an Oriflamme, Montjoie  und die heilige Lanze denken.2

Nun werden sowohl Oriflamme, als auch Montjoie als Banner Karls des Großen beschrieben, jedoch ohne dafür einen Beweis zu haben. Grundsätzlich beginnt das alles erst mit dem Rolandslied aus dem 11./12. Jahrhundert. Einzig zeitgenössisch in den Quellen für Franken und frühe Karolinger ist das Vexillum S. Martini. Und über das wissen wir auch nicht viel. Eine angeblich graublau Färbung rührt nur aus dem Umstand das man in irgendeiner Weise die blaue Grundfarbe der Flagge der französischen Könige begründen wollte.

Was spräche also dagegen das Oriflamme, Montjoie und das vexillum S. Martini (Chape de Saint  Martin) ein und das Selbe sind? Vielleicht sind ja die angeblichen gelben Aplikationen auf der Oriflamme die wiederverwendeten Muster eines Damastgewebes aus des Vixillum?

Und war es nicht Heinrich I. der die Heilige Lanze einst von dem Welfen  Rudolph von Burgund erworben hatte? War nicht Hugo Abbas, Abt von St. Martin in Tours , ebenfalls Welfe? War die Heilige Lanze vielleicht die Fahnenstange zum vexillum s martini?

Ok, ich gebs zu. Das ist jetzt super holprig und eher eine Spinnerei die in eine der History Channel Dokus auf Phoenix oder sonst wo gehört.

Aber im Prinip finde ich den Gedanken dennoch interessant. Da die Flügellanzenspitze der heiligen Lanze niemals zum Kämpfen genutzt wurde könnte sie ursprünglich als Spitze eines Banners genutzt worden sein. Aber dazu Wiener Heiligen Lanze gibts dann auch den nächsten Post.

  1. Bild, WikiComons: https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Vexilla?uselang=de#/media/File:Vexillum-Pushkin_Museum_of_Fine_Arts.png []
  2. Zu den Sachen hatte ich hier geschrieben. http://www.tribur.de/blog/2012/04/17/das-ende-der-fahnenstange-flaggen-banner-wimpel/ http://www.tribur.de/blog/2012/04/19/lanzen-als-herrschaftszeichen-im-bezug-zu-oriflamme/  []

Der Stein von 1119

Im Februar hatte ich hier folgendes geschrieben:

Für die Groß-Gerauer Straße 2, eine Bäckerei, wurde vermerkt das hier “ein Schieferstein mit dem Treburer Wappen und der Jahreszahl 1119 gefunden ” wurde. Dahinter steht “Historische Echtheit belegt”

Jetzt habe ich die Hintergründe dazu gefunden.  Als die Bäckerei Abels das heutige Gebäude baute, war man gezwungen den alten Backofen aus dem Jahr 1949 abzureißen, den Bäckermeister Krug erbaut hatte.
Aber Krug war nicht der erste Bäcker an dieser Stelle und er erbaute auch nicht den ersten Ofen an dieser Stelle. Früher stand hier das „Oberbackhaus“, das Gemeindebackhaus. Als das Backhaus gebaut wurde, legte man eine Schieferplatte in das Fundament des Ofens, die einen Krug abdeckte in dem sich ein alter Silberpfennig befand. Glücksbringer und Grundstein in einem. Auf der Schieferplatte war auf einer Seite in gotischer Minuskel das Jahr 1519 eingeritzt, auf der anderen Seite das Treburer Sigel: ein Kreis mit einem Balken nach links, einem nach rechts und einem nach unten.
1914 Baute Bäckermeister Christian Kauter hier eine Bäckerei anstelle des Gemeindebackhauses. Dabei fand er den Krug im Fundament. Er beließ ihn an seiner Stelle und mauerte ihn im Fundament seines neuen Ofens ein, jedoch legte er eine Urkunde bei. Auf diese Urkunde beschrieb er was alles so los war 1914 in Trebur, wie man das bei einem Grundstein eben so macht, und vermerkte auch wie er die Schieferplatte fand:

Beim Abbruch des alten Backhauses wurden die eingelegten Münzen sowie eine Schieferscherbe aus dem Jahr 1119 nach Christi geborgen. Dieses alte Backhaus war schon von dem Jahr 1119 an ein Gemeindebackhaus , mithin schon vor 1000 Jahren eine Bäckerei

Was war passiert? Bäcker Kauter konnte die gotische Minuskel nicht lesen und interpretierte die Buchstaben die hier neben der arabischen „9“ standen einfach als 1119. Als 1949 Bäcker Krug die Bäckerei kaufte und wieder einen neuen Ofen baute, stieß er wieder auf Platte, Topf und Münzen. Er ergänzte den Brief um Informationen aus der Zeit zwischen 1914 und 1949 erzählte von seinem Fund und zeigte ihn herum und mauerte das ganze wieder ein.

Als die Familie Krug-Abels ihre Bäckerei erneuern wollte, riss man kurzerhand das Fachwerkhaus (kurz nach dem 30jährigen Krieg gebaut) mit Ofen ab und fand dabei Krug (leider zerstört) Platte und Münzen. Heimatforscher Ernst Schneider nahm sich der Sache an und konnte das Problem klären. Der Fund selbst wanderte nach Groß Gerau.

Schneider fand aber in der Baugrube noch etwas! Unter dem Fundament des Gemeindebackofens von 1519 fand sich etwa in einem Meter tiefe eine 30-40cm dicke Brandschicht und eine Abfallgrube. Die gefundenen Scherben in den Schichten gingen nur bis ins 16. Jahrhundert zurück. Es sollte sich um die Reste des Brandes aus dem 16.Jahrhundert gehandelt haben. In der Regel wird als Zeitpunkt des Brandes 1540 angenommen, wie es am Rathaus vermerkt ist, da sollte aber das Backhaus bereits gestanden haben. Merian gibt als Zeitpunkt des Brandes 1504 an. Was stimmt also nun ? Was aber fast schöner ist, das ich jetzt weiß  das sich seit dem etwa ein Meter Boden vor dem Pfalzhügel angesammelt, der gleich hinten dran liegt hat 😉

Trebur in Sagen – Bei den Grimms

Jetzt hab ich Trebur doch noch in einer Sage gefunden, wobei das eigentlich doch nicht ganz ist was ich meine. Wo sind die Schätze, die goldenen Dächer, die stolzen Mauern verdammt noch mal?
Egal.

Die Sage stammt aus dem 1. Band der Grimmschen „Deutsche Sagen“ von 1816 die der Grimms verlegerischer einziger Griff ins Klo waren. Der beschriebene Vorgang, also die Reichsversammlung zur geplanten Verurteilung Adalberts fand 906 statt, Aldalbert erschien hier aber nicht (Regest 2035a).  Seine Burg wurde dann belagert und er soll von Hatto von Mainz zur Aufgabe bewegt worden sein und wurde anschließend, am 9.9.906 in Vollzug der Reichsacht enhauptet. Hier jetzt die Sage:

Adalbert von Babenberg
Im Jahre 905, zu König Ludwig des Kindes Zeiten, trug sich eine Begebenheit zu, die man lange auf Kreuzwegen und Malstätten vor dem Volke singen hörte und deren die geschriebenen Bücher von den Taten der Könige nicht geschweigen. Adalbert, ein edler fränkischer Graf, hatte Konraden, König Ludwigs Bruder, erlegt und wurde in seiner Burg Babenberg darum belagert. Da man aber diese Helden mit Gewalt nicht bezwingen konnte, so sann des jungen Königs Ratgeber, Erzbischof Hatto von Mainz, auf eine List. Mit frommer Gleisnerei ging er hinauf zu einem Gespräch in das Schloß und redete dem Adalbert zu, die Gnade des Königs zu suchen. Adalbert, fromm und demütig, fügte sich gerne, bedang sich aber aus, daß ihn Hatto sicher und ohne Gefahr seines Lebens wieder in die Burg zurückbringe. Hatto gab ihm sein Wort darauf, und beide machen sich auf den Weg. Als sie sich dem nächsten Dorfe, namens Teurstadt, näherten, sprach der Bischof: »Es wird uns das Fasten schwer halten, bis wir zum Könige kommen, sollten wir nicht vorher frühstücken, wenn es dir gefiele?« Adalbert, einfältig und gläubig nach Art der Alten, ohne Böses zu ahnden, lud den Bischof alsbald nach diesen Worten bei sich zum Essen ein, und sie kehrten wieder in die Burg zurück, die sie soeben verlassen hatten. Nach eingenommenem Mahl begaben sie sich sodann ins Lager, wo die Sache des Fürsten vorgenommen und er der Klage des Hochverrats schuldig gesprochen und zur Enthauptung verdammt wurde. Als man dieses Urteil zu vollziehen Anstalt machte, mahnte Adalbert den Bischof an die ihm gegebene Treue. Hatto antwortete verräterisch: »Die hab ich dir wohl gehalten, als ich dich ungefährdet wieder in deine Burg zum Frühstücken zurückführte.« Adalbert von Babenberg wurde hierauf enthauptet und sein Land eingezogen.
Andere erzählen mit der Abweichung: Adalbert habe gleich anfangs dem Hatto eine Mahlzeit angeboten, dieser aber sie ausgeschlagen und nachher unterwegens gesagt: »Fürwahr, oft begehrt man, was man erst abgelehnt, ich bin wegmüd und nüchtern.« Da neigte sich der Babenberger auf die Knie und lud ihn ein, mit zurückzugehn und etwas zu essen. Der Erzbischof aber meinte sich seines Schwurs ledig, sobald er ihn zur Burg zurückgebracht hatte. Die Verurteilung Adalberts geschah zu Tribur.

Trebur in Fabeln – Von den Fröschen und ihrem Könige

Die Fabel „Von den Fröschen und ihrem Könige“  Erasmus Alberus, eigentlich Erasmus Albers, spielt in oder bei Trebur. Alberus war ein Freund und Schüler Luthers und kannte sich in der Region gut aus, denn er war von 1528 bis 1538 Pfarrer in Sprendlingen.
Alberus übersetzte die Äsopschen Fabeln, wie viele Andere auch, frei ins Deutsche und verlegte sie dabei an Orte die ihm , aber auch seinen Lesern bekannt waren oder sein konnten.

Es ist geschehn im Gherauer landt,
Bey einem dorff Triber genannt,
Da hatten die Frösch ein fein Sach
Vor zeitenm und ein gut gemach,
Kein uberlast, und warn ganz frey,
Sie blieben aber nicht dabey,
Sie warn nicht wol mit solcher ehr
Zufriden, und war ihr beger,
Daß ihn Gott wolt ein König geben,
Bey dem sie möchten herrlich leben,
Deshalben rieffen sie zu Gott,
Der Jupiter hatts seinen Spott
Sie wollten aber nicht ablassen,
Und schrien uber alle massen.
Als sies nun wollten nicht empern,
Da gab ihn Jupiter ein Herrn,
Ein Klotß warff er in Wasser graben,
Das solten sie zum König haben.
Als sie vernamen solchen Schal,
Die armen Frösche erschracken all,
Zum newen Könieg lieff jedermann
Gott hatt ihn ihren willn gethan,
Da warten sie gleich wie die knecht,
Wann er ihn geb gesäß und recht,
Der König gab nicht viel bescheydt.
Das war den armen Fröschen leydt,
Er ließ sies machen wie sie wolten,
Drumb sie den newen König scholten,
Und fiengen an ihn zu verlachen,
Weil er ihn nicht wolt ordnung machen,
Sie hielten nichts von solchen herrn,
Weil er sie nicht wolt mores lern.
Da traten sie ihn auch mit füssen,
Ein jegliches wolt sein mutwilln büssen.
Da rieffen sie Gott wieder an,
Daß er ihn geb ein strengen Man,
Den ersten hetten sie nicht gern.
Den Storck gab ihn Gott zu eim Herrn,
Der solt ihn mach new geseß,
Er gab ihn auff ein schwere Leß,
Dann was ihm kompt von Fröschen für,
Das geht ihm durch die Klapperthür.
Da heben sie zu klagen an,
Der Storck sey ein Schwinder man,
Er hab zumal ein heissen Magen,
Gott fragt nicht viel nach ihrem Klagen.
Sie schrein auff den heutgen Tag,
Das ihn kein ander werden mag,
Dann wann der Storck ist schlafen gangen,
So pflegten sie dann anzufangen,
Mit heiser stimm zu gecken sehr,
Ihn wird kein ander nimmermehr.
Der Jupiter fragt nicht darnoch,
Wenn sie schon schrien noch so hoch,
Er hatt ihn einen fromen geben,
Bey dem sie kündten fridlich leben,
Weil sie desselben wolten nicht,
So gab ihn Gott ein bösewicht,
Der Storck muß nun ihr könig bleiben,
Den kützel kan er ihn vertreiben.
Die Morale.
Wir sollen an den Fröschen lern,
Wan wir haben einen guten herrn,
Das wir denselben nicht verachten,
Und nach eim strengen König trachten,
Dann wann wir solchen uberkommen,
So schafft er uns gar kleinen frommen,
Drumb ist es doch ein feindtlich sach,
Das wir nicht dulden gut gemach.
Es ist ein Sprichwort ganz gemeyn,
Es müssen sein gar Starcke beyn,
Die gute tag wol können tragen,
Das Sprichwort muß die Wahrheit sagen,
Drumb muß es uns auch offt mißlingen,
Dieweil man gafft nach newen dingen.

Auf der Suche nach Sagen von Trebur

Zum 1. April fällt es mir wiedereinmal schmerzlich auf. Es gibt kaum Sagen aus Trebur! Einzig und allein als „echte“  Sage steht der Apfelbaum auf weiter Flur. Der Rest sind Geschichten wie die von Bechstein oder eine Fabel von Erasmus Alberus. (Hatte ich die schon mal?)

Natürlich gibt es da einige „Erzählungen“ wie etwa die  gefühlten 870 Tunneln um die Laurentiuskirche herum. Oder die Sache das sich ein junger Mann vor dem Krieg über die Gitter wunderte die vor einem Brunnen verlegt waren, als er aus dem Krieg zurückkehrte war er sich sicher es müssen die prächtigen Armlehenen eines Throns, ähnlich dem in Goslar, gewesen sein, doch die Gitter waren verschwunden.

Aber wo sind die Sagen? Die echten Sagen? Die Sagen die von Schätzen und unermesslichem Reichtum der Pfalz künden? Die Sagen die die von Königen und Rittern erzählen? Die Sagen, die mir als Sonntagskind versprechen, dass wenn ich mich bei Vollmond dreimal um mich selbst drehe und drei mal Heinrich Vier sage, werde ich von einem Zwerg mit Gold überhäuft?

Einmal wurde mir eine erzählt, die ich aber so nicht verifizieren konnte. Sie soll von einem Bamberger erzählt worden sein, der Trebur besuchte. Sie hat mit der hl. Kunigunde, der Frau Heinrichs II. zu tun, die drei Schleier in Bamberg habe fliegen lassen und wo diese landeten wollte sie Kirchen errichten. Einer davon soll in Trebur gelandet sein, so wurde mir erzählt.
Die Sage gibt es wirklich, nur Trebur habe ich darin nirgends gefunden. Von Bullenheim, Bamberg und  Burgeroth/Buch ist da die Rede. Ich muss zugeben die Sage würde mir in den Kram passen, zumal ich ja Heinrich II. in Verbindung mit der Laurentiuskirche vermute, aber ich kann sie, wie gesagt, so nirgends, finden.

Ich werde bei nächster Gelegenheit mal einigige ältere „echte“ Trewwerer fragen ob sie irgendwelche Märchen oder Sagen kennen, die sich speziell auf die Pfalz beziehen.

Lesestoff fürs Wochenende: Nimwegen und Mecklenburg

An einem Wochenende kann man immer/meist/(nie)  so schön gemütlich auf der Couch sitzen, einnen Kaffee oder Tee trinken ein Buch zur Hand nehmen. Nur welches?

Damit euch nicht langweilig wird hab ich was zu lesen  für euch! Und damit keiner maulen kann es es wär nicht sein Thema, sind so gar 2!

PDF 1: „Castra und Canabae, Ausgrabungen auf dem Hunerberg in Nijmwegen“ 1987-94. Auf mehr als 100 Seiten gibts hier Infos zu den Ausgrabungen in Nimwegen .

So und für die leichtere Unterhaltung
PDF 2: „Von Boltenhagen nach Ahlbeck – Mecklenburg-Vorpommerns Ostseeküste- Geschichte und Geschichten.“ Knappe 300 Seiten Sagen Geschichten und so Zeug aus dem Nord-Osten. Keine Ahnung warum man da ran kommt, vielleicht ein Versehen vom Verlag. Über die Startseite des Verlages hab ichs nicht gefunden. 😉

Vom Harzhorn und vom Judenfriedhof (Kurzmeldungen)

Bin gerade dabei meinen Feedreader zu entrümpeln, und hab noch ein paar Meldungen gefunden:

Wie die HNA schreibt, wird es weiterhin Führungen zu den Ausgrabungen der Schlacht am Harzhorn geben, auch wenn mann wegen der Waffenfunde aus dem 2. Weltkrieg nur noch die festen Wege benutzen darf.  Bis Anfang 2011 sollen möglichst alle Funde bearbeitet sein und man mit den Planungen für ein Museum beginnen. Aber man hofft auch das es 2011 noch einmal Geld für weitere Grabungen gibt.
Ausserdem gibts mittlerweile eine eigene Internetadresse für die Arbeiten, die mir entgangen war: http://www.roemerschlachtamharzhorn.de/

Und die Rems Zeitung hat einen schönen Bericht über einen sogenannten Judenfriedhof bei Schechingen, der alles ist nur eben kein jüdischer Friedhof. Die Geschichte über den Namen erinnernt mich an Astheim. Als man dort den Reihengräberfriedhof am Sportplatz fand, war für die Anwohner klar, dass soweit ausserhalb nur die Juden beerdigt worden sein könnten…

Und noch ein Geheimgang

Ich kannte die Geschichte vom Geheimgang im Großen Haus schon länger, hab aber bisher das ganze nicht schriftlich festgehalten. Aber um der lieben Gerüchte willen schreib ichs jetzt einfach mal auf. Ausserdem hat die Organistin, die bei der gestrigen Führung ein kleines Orgelkonzert gegeben hat, Stein und Bein geschworen als Kind in diesem Gang gewesen zu sein, aber als ihre Kerze ausgegangen sei sei habe sie sich erschrocken und sei herausgerannt.

Ein Zeitungsbericht schreibt über die ehemalige Hausbesitzerin, deren Sohn heute Architekt ist und auch an der Renovierung des Großen Hauses vor einigen jahren beteiligt war. Deser Sohn hat übrigens eine Mappe über das Große haus erstellt, in der auch Rekonstruktionszeichnungen von mir vorkommen, die aber leider noch nicht online steht, sonst hätte ich sie schon verlinkt. Jedenfalls wurde in einem Kellerraum ein Betonklotz entdeckt. Der Raum soll zur Kirche hin liegen. Am ehesten trifft dies auf den große, alten Gewölbekeller zu. Dieser Keller lag einst tiefer, als er es heute ist.

Man wollte wissen was es mit dem Klotz auf sich hatte und rückte ihm, glaubt man dem Zeitungsausschnitt, mit Sprengstoff (!) zu Leibe. Was exakt dahinter war wird nicht beschrieben. Es heist lediglich das sich hinter dem Klotz kein Fundament befunden habe (er muss also an der Aussenwand gelegen haben), im Gegensatz zum Rest des Hauses dessen Mauer 60-80cm tief gründe. Ob hier nur reiner Boden, etwas verschüttet oder was auch immer zu sehen war wir natürlich nicht beschrieben. Die Besitzerin vermutete, das einst ein Gang hier in Richtung Kirche führte, der nun verschüttet ist.

Manchmal gibt es schöne Momente in Trebur…

Gestern bekam ich eine Email, das an einem Treburer Haus am Rande des Pfalzbezirkes Putz entfernt wurde. Es wurde mal gemunkelt das das Haus was mit der Pfalz zu tun habe, es liegt aber auserhalb der fränkischen Curtis. Die Denkmalpflege hat wohl schon mal von Aussen geschaut, konnte aber keine genauen Aussagen treffen ausser das es möglich sei, das das Fachwerk aus dem 15. Jahrhundert stammen könnte und der steinerne Unterbau möglicherweise mittelalterlichsei.

Also ich ins Auto und rüber nach Trebur und parallel parkt da noch ein weiteres Auto. Es war der Besitzer des Hauses, mit dem ich ins Gespräch kam und der sehr interessiert an der Geschichte seines Häuschens ist. Also lud er mich zu einer Besichtigung ein, die ich auch genutzt habe. Wirklich sehr schönes Häusschen! Ich konnte mir alles ansehen, auch Dachboden und den kleinen Gewölbekeller, der vielleicht nur 1,4m hoch ist. bis auf einen etwa 40x40cm großen Kalksandsteinblock, der im Keller neben der Treppe vermauert ist und sich deutlich von dem Bruchsteinmauerwerk abhebt,  konnte ich aber nichts auffälliges bemerken.

Leider hab ich es vor Freude vergessen um die Erlaubnis zur Veröffentlichung zu fragen, weshalb die Bilder, die ich gemacht habe, nicht einstellen werde. Aber es war schön mal nicht nur Menschen zu treffen, die Angst vor der Denkmalpflege haben, sondern wissen wollen was ihnen da gehört!

Es wäre viel einfacher wenn man auch mal die Keller besuchen könnte über die sonst so getuschelt wird!