Vortrag Weinfurters in Trebur

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2 Antworten

  1. Christoph Sauerwein sagt:

    Habe mich sehr über die Zusammenfassung gefreut, da ich kurzfristig nicht kommen konnte, obwohl ich ganz in der Nähe war. Mein ausdrückliches Dankeschön dafür.

    Als Psychologe finde ich natürlich die Perspektive spannend, daß Verzerrungen des Gedächtnisses die Geschichtsschreibung verändern. Schon Nietzsche beschrieb, wie sich Gedächtnis und Gewissen streiten: „Das habe ich getan,“ sagt meint Gedächtnis. „Das kann ich nicht getan haben,“ sagt mein Gewissen. Lange sei es so hin und her gegangen. Und schließlich habe das Gedächtnis (!) nachgegeben.

    Die Psychologie lehrt, daß nicht nur das Gedächtnis anfällig ist, sondern schon die Wahrnehmung sehr unzuverlässig ist. Und was erfahren wir heute nicht alles über Geheimverträge hinter den vorgezeigten Verträgen. Da geht es um gezielte Verheimlichung tatsächlicher Machtverhältnisse. Man denke nur daran, daß sich der neu gewählte Bundeskanzler bei den alliierten Besatzungsmächten „vorzustellen“ hat, de jure aber die Wahl genehmigt werden muß.

    Heinrich ist als Junge von einem Kirchenfürsten entführt und sehr streng und ungerecht behandelt worden. Und genau dieser Heinrich soll dann zur Deeskalation einen heimlichen Friedensvertrag mit dem obersten Kirchenfürsten schließen wollen?! Ausgeschlossen! Es sei denn … der Vertrag war nur verlogene Taktik. Dann könnte beides stimmen. Dann gab es vielleicht tatsächlich Unterhändler, die einen solchen Vertrag schlossen, Gregor war geschmeichelt (denn schließlich mußte er auch Erfolge vorweisen, war er doch vorher nur einfacher Mönch gewesen und hatte die Hierarchieleiter recht unlauter übersprungen). Aber Heinrich hatte es nie ernst gemeint. Schließlich hatte er schon seinen kirchlichen Entführer damals zu überlisten gelernt. Hat er nicht auch den voller Haß gepeitscht?

    Nach Althoff hat Heinrich mit einer Inflation des Fußfalls dieses Ritual zum Erliegen gebracht. Auch der Fußfall war ein vorher vereinbartes Ritual und keinesweg eine spontane Handlung. Es gab ein ausgehandeltes Drehbuch, was den beobachtern vorgeführt wurde und was heimlich vereinbart. Da liegt es nahe anzunehmen, daß im damaligen Denken auch der Ablauf in Canossa im Voraus ausgehandelt war. Aber es lag in niemandes Interesse, diese Vorverhandlungen zuzugeben.

    Aus dem heraus, was wir heute wissen, waren beide keine integeren, ehrlichen Menschen. Stellen wir uns solche Menschen als Mächtige heute vor: Der Nicht-Angriffspakt von Hitler und Stalin war von keinem der beiden ernst im Sinne einer dauerhaften Lösung gemeint. Beide wollten Zeit gewinnen und hatten vor ihn zu brechen. Zwischen Heinrich und Gregor könnte es doch durchaus ähnlich gewesen sein?

    Danach war es weder ein Friedensfest und noch ein Unterwerfungsakt. Selten ist die Wirklichkeit so einfach. Es war doch der Versuch sich gegenseitig mit Vorteilen zu bestechen, um eigene Vorteile zu vergrößern. Es gab offene und verdeckte Schachzüge. Wie eben heute auch.

    Da finde ich einen Historiker, der ein Friedensfest vermutet entweder etwas naiv oder eben genauso gerissen mit der öffentlichen Meinung spielend wie Heinrich IV. und uns damit am eigenen Beispiel vorführend wie es damals gelaufen sein könnte.

    Nicht weniger propagandamäßig klingt es für mich allerdings, wenn es heißt, die Fürsten hätten ihre eigenen Konflikte hintanstellen wollen zur Rettung des Reiches. Es war der erste Hoftag ohne König, aber der König stand offenbar als machtvolle Figur in der Vorstellung aller im Hintergrund. Nur deshalb rückten sie zusammen aus Angst und um in der Gemeinsamkeit eine ausreichende Gegenkraft zu bilden.

  1. 20/08/2013

    […] dem kann ich hier die beiden Vorträge von Weinfurter anbieten, den ich mit geschrieben hatte. ( Vortrag in Trebur, Vortrag in […]

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