Der Tod Ludwigs des Deutschen (und eine Veranstaltung)
Am 28 August 876 stirbt in Frankfurt am Main Ludwig der Deutsche, Sohn Ludwigs des Frommen und Enkel Karls des Großen. Der Tod kommt nicht überraschend.
Ludwig ist bereits etwa 70 Jahre alt. Seine Frau war bereits im Januar in Regensburg verstorben.
Schon am nächsten Tag wird er durch seinen gleichnamigen Sohn im Kloster Lorsch beigesetzt.
Lorsch hatte in seiner Bedeutung das Kloster Fulda abgelöst, das schon Seit der Zeit des Abtes Ratgar und dem Bau seiner Basilika in eine Krise geraten war.
Ludwig III. war, als jüngster von drei Brüdern, in der Erbteilung mit Franken, Sachsen und Thüringen bedacht worden zusätzlich erhielt er den östlichen Teil Lotharingiens, der im Vertrag von Meersen seinem Vater zugeschlagen wurde, aber immer noch dem westfränkischen Vetter Karl dem Kahlen ein Dorn im Auge war. Die Allamania ging an Karl III. , Baiern erhielt Karlmann, der als Lieblingssohn Ludwigs des Deutschen betrachtet wird.
Der Tod eines Herrschers bedeutet auch immer eine Form der Rekonvaleszenz für das Reich und den neuen Herrscher. Das Staatsgefüge muss organisiert werden. Sind die Zentralorte des Vorgängers noch für den neuen Herrscher von Interesse? Kann sich der Herrscher auf die alten Gefolgsleute des Vorgängers verlassen? Wo muss das Reich gesichert werden? Was hat der Vorgänger versäumt? All das sind Aufgaben die auf den neuen Herrscher, respektive Ludwig III. zukommen.
Doch auch die Großen des Reiches suchen in aller Regel die Nähe des neuen Herrschers. Mit dem Tod des alten Herrschers sind alle mit ihm geschlossenen Verträge und Abkommen nichtig. Sie müssen den Herrscher aufsuchen, um sich ihre Benefizien und Prekarien, die Vorläufer der Lehen, wieder bestätigen zu lassen. Diese Verlängern sich noch nicht automatisch. Zudem besteht die Möglichkeit eines Neustarts oder eines Aufstiegs.
Im Normalfall entsendet der König missi, Königsboten, die Urbare erstellen und bei Hof erscheinen nach und nach die Großen mit ihren Anliegen. Doch bei Ludwig III. hat sich die Zeit geändert. Es ist jedoch nicht bekannt, dass Ludwig jemals einen missus entsendet hätte.1 In Zeiten der Instabilität oder Unsicherheit kommt es zum Königsumritt bei dem der König durch das Reich reist um proaktiv in Kontakt mit den Großen zu kommen, so erstmals wieder seit merowingischer Zeit unter Ludwig dem Kind. Aber auch dies geschieht nicht in Ludwigs Fall.
Es scheint eher so, als hätten sich entscheidende Personen aus der Gruppe der Großen bereits bei Hof in Frankfurt aufgehalten, als sich der bevorstehende Tod Ludwigs des Deutschen abzeichnete, denn nur so lässt sich erklären, was geschehen wird. In Zukunft wird Ludwig jedoch vor allem jene Gruppen fördern, die ihn einst, auch bei Aufständen gegen den eigenen Vater, unterstützen und dafür bestraft wurden.
So erhalten die von seinem Vater entmachteten Konradiner und Babenberger wieder Grafschaften. Zudem vergibt erstmals Königsgut an den luidolfingischen Stift Gandersheim
Bereits am nächsten Tag nach seinem Tod, am 29. August wird Ludwig der Deutsche im Kloster Lorsch beigesetzt. Normalerweise wäre bei der einer etwa 60km Wegstrecke in der Ebene mit 2 Tagesreisen rechnen. Bei einem langsamen Leichenzug eher 3 Tage. Mögliche Rastpunkte wäre dabei am ehesten Tribur und Gernsheim oder Bürstadt .
Auch per Schiff wäre dies kaum schneller zu bewerkstelligen, da das Schiff zwar bis zur Mainmündung mit der Strömung hätte fahren können, ab Mainz hätten die Schiffe jedoch gegen die Strömung getreidelt werden müssen um auch ab dem Zullestein die Weschnitz zum Treideln zu nutzen.
Letztendlich bedeutet dies, dass der Leichenzug mit einem enormen Tempo und ohne Pause nach Lorsch zog.
Eine ähnlich hektische Beerdigung ist von Karl dem Großen überliefert, wobei es hier darum ging , welcher Ort sich mit dem berühmten Toten schmücken kann. Möglicherweise wollte der jüngere Ludwig verhindern das der Vater bei seiner zuvor verstorbenen Frau in St. Emmeram in Regensburg beigesetzt würde, denn dies lag im Reichsteil des Bruders Karlmann2
Auch die Beisetzung als solches scheint schnell vonstatten gegangen zu sein. Es ist kein Totengedenken überliefert, was zu erwarten gewesen wäre. Hierfür sollte eigentlich genug Zeit gewesen sein. Stattdessen reiste Ludwig wieder zurück nach Frankfurt.
Hier erreicht ihn nun auch eine Nachricht.
Eine Nachricht, von der es den Eindruck macht , Ludwig habe sie bereits erwartet, oder zumindest damit gerechnet.
Karl der Kahle, Halbbruder Ludwigs des Deutschen, im Dezember des vergangenen Jahres zum Kaiser gekrönt, plant eine Invasion. Sein Ziel ist die Eroberung der Teile Lothringens Ludwigs, bzw er will die Grenze an den Rhein verschieben. Es ist nicht das erste Mal, dass dies geschieht. Beim letzten Versuch hatte Karl der Kahle geprahlt, ein so großes Heer zusammenzubringen, dass dessen Pferde den Rhein leersaufen würden.
Karl war erst seit März oder April wieder im Westfrankenreich gewesen, am 17.5. war er in Bézu-Saint-Éloi in der Normandie. Die Annales Bertiniani berichten, dass er mit einem großen Heer von Quierzy nach Metz aufbricht, was ihn in Richtung der Rheinebene gebracht hätte. Doch er dreht ab, reist wieder in Richtung Quierzy nach Stenay und dreht dann nach Norden ab und erreicht Aachen. Somit ist er in den Ostfranken zugeschlagenen Teil Lothringens eingedrungen. Von Aachen zieht er nach Köln. Über Deutz erreichen ihn die ersten Botschafter Ludwigs III. des Jüngeren, die ihm von Frankfurt aus entgegengeschickt wurden, um ihn an seine Verträge zu erinnern. Doch Karl weist darauf hin, dass er diese mit Ludwig dem Deutschen und nicht mit seinen Neffen geschlossen habe. Womit er rechtlich sogar vollkommen Recht hat, denn mit dem Tod eines Vertragspartners erschlischt ein Vertrag.
Derweil schlägt Ludwig III. der Jüngere mit seinem in Eile zusammen gerufenen Heer aus Franken, Thüringen und Sachsen in Deutz sein Lager auf. Ludwig ist in der Unterzahl und auf sich gestellt. Sein Bruder Karl III. ist in der Alamania und benötigt Zeit, um nach Norden zu kommen, während Karlmann einen Feldzug gegen die Mährer anführt.
Wir wissen nicht wie Große die Heere waren, die Quellenangabe der Chronisten Karl der Kahle habe über 50000 Mann verfügt ist sicherlich übertrieben. Es stellt sich auch die Frage, woher er auf die Schnelle, seitdem er vom Tod Ludwigs des Deutschen erfuhr, sine Leute requiriert hat. Das Heer, das er für den Italienzug aufgebracht hatte, sollte längst entlassen sein.
Ludwig III. dagegen scheint sein Glück in der Strategie zu suchen. In der Nacht verlässt er mit seinen Truppen das Lager, lässt aber das Lager aufgebaut zurück, so dass für Karl dem Kahlen auf der anderen Rheinseite der Eindruck erweckt wird, dass Ludwig noch immer in Deutz sei.
Ludwig III. der Jüngere eilt nun nach Süden und überquert bei Andernach den Rhein und bezieht dort das castellum. Das ehemalige römische Legionslager in dem mittlerweile eine Pfalz eingerichtet war und das noch immer als Befestigung in Stand gehalten wurde.
Als Karl der Kahle davon erfährt, zieht er am 7. Oktober eiligst, im strömenden Regen in voller Kampfbereitschaft die Nacht hindurch nach Andernach.
Am 8. Oktober 876 kommt es vor den Toren von Andernach, in der südlich gelegenen Ebene zur offenen Feldschlacht. Obwohl in der Minderzahl kann Ludwig Karl vernichtend schlagen. Karl zieht sich zurück. Fast genau ein Jahr später stirb er.
Im November treffen sich die drei Ostfränkischen Brüder im Ries bei Nördlingen wieder und versprechen sich Treue und fixieren die Reichsteilung. Aber Karlmann wird schon 880 sterben und Ludwig der Jüngere, der so jung auch nicht mehr ist, stirbt 882. Somit wird Karl III. alleiniger Erbe des Ostreichs. Zunächst…
Doch das ist eine andere Geschichte.
Und vor diesem Hintergrund, dem Tod Ludwigs des Deutschen findet am Wochenende in Lorsch ein Veranstaltung statt, bei der ich auch dabei bin. Würde mich freuen Euch zu sehen!



Ich bin sondengänger in eichelsdorf interessiere mich für die kelten wie und wo haben die gekebt
Danke für diese spannende Geschichte!
Oh, und wir haben letztes Jahr mit einer Karolinger-Darstellung begonnen. 😟 Naja, ein bisschen Brettchenborte und ein Trinkhorn am Gürtel…
Oh ja gerne!
Hallo, Bei Recherchen zur Tunika Heinrich des Zänkers bin ich auf eine ähnlich Lösung gekommen, ich habe mir das Stifterbild…