Englische Museen

Ich war gerade einige Zeit in England unterwegs und hab relativ stressig den Süden der Insel unsicher gemacht, viel gesehen und noch viel mehr verpasst. Einige Sachen möchte ich hier jedoch aufgreifen.

Das England kein günstiges Urlaubsziel ist dürfte sich rumgesprochen haben (Zigaretten £11,95). Das gilt auch für die meisten Museen. Zwar sind staatliche Museen in England (z.B. Tate Modern London) kostenlos, die meisten Museen sind aber Privat, oder in der Hand von National Trust und English Heritage.

Die Aussage eines Herren vom Heritage der Unterschied der beiden Organisation bestehe darin das der Heritage mehr Burgen besäße, ist zwar richtig aber erfasst bei weitem nicht alles.  Beide Organisationen  bilden gemeinsam in etwa das was bei uns die Denkmalpflege ist. Zwar tragen beide Organisationen im vollen Namen den Trust, also den Treuhänder, jedoch wird nur der 1895 gegründete National Trust  auch als Treuhänder in der Rechtsform geführt, der Heritage läuft dagegen als Gemeinnützig. Ihr Geld bekomme aber beide im Großteil durch Spenden, Eintrittsgelder und selbst betriebene Kaffees u.ä.

Dementsprechend ist auch die Preisgestaltung eine vollkommen andere als  in Deutschen Museen denen meist Gemeinden, Städte oder Land als Träger auftreten und auch bezuschussen.
So bezahlt man etwa als nicht Engländer im vom Heritage geführten Stonhenge £14,50 (Engländer können noch mal £1,50 mehr bezahlen und das als Spende deklarieren, als Gift Aid bezeichnet) auf den Tisch legen, für den St. Michaels Mount vom National Trust immer noch £11,95 und für das private Hever Castle £16,00. Kirchen und Kathedralen können schon mal mit £5,00 zu Buche schlagen. Da kommt was zusammen…

Im Gegensatz zu vielen deutschen Museen oder Orten von Bedeutung bekommt man aber meist einiges Geboten. Shuttle Service in Stonehenge (Ich Depp bin 35° 2,5km hin und zurück durchs offene Feld gelatscht!), mehrsprachige Audioguides, kostenlose Führungen etc. Besonders fiel mir auf das auf das behindertengerechtes Umfeld geachtet wurde. Das betraf Leihrollstühle, Großdruckkarten oder Führer (die gabs dann kostenlos zum Leihen). Gelegentlich gab es auch Sonderpreise für Behinderte und es wurde dann in unserem Fall auch immer der deutsche Behindertenausweis (in meinem Fall gabs es einen mit B für Begleitperson), wodurch nur ein Sonderpreis bezahlt werden musste und die Begleitperson kostenlosen Eintritt erhielt.

Auch die Präsentation in den Museeun gefihl mir zum Teil sehr gut. Oftmals wurde Multimedia eingesetzt, große Videoprojektionen und Filme verwendet, etwa in Stonehenge, oder in Battle Abbey. Viel gab es auch zum Anfassen (Schwerter und Schilde in Battle Abbey). Und fast überall präsent sind Darsteller im Period Costume. Ich möchte nicht soweit gehen und diese als Reenactors bezeichnen, dazu habe ich mich auch zu wenig unterhalten, aber es hat mir durchweg gefallen. Die Kleidung der Dame in Hever Castle sah sehr ansprechend aus , auch wenn ich keine Ahnung von der Kleidung der Tudor Zeit habe. Auch haben die entsprechen Personen kein Marktsprech, in England wohl eher Shakespeare-Sprech, verwendet, mal abgesehen von den Schauspielern im Shakespeare Haus Monologe aus Shakespeare Stücken zum besten gaben. Aber die dürfen das! Zu dem waren diese Leute doch immer recht bewandert in der Zeitstellung in der sie auftraten. Hut ab!

Einzig muss ich die Fachbuchausbeute etwas kritisieren. Meine beläuft sich nämlich auf Null! Ich hatte mir in Winchester einiges über das Old Minster erhofft, fand aber nichts, ebenso bei Old Sarum. In Hailes Abbey lagen einzig, angebunden, einige Grabungsergebnisse aus. Diese aber durchzuackern hätte viel zu viel Zeit gekostet.

Je mehr ich aber im Ausland unterwegs bin, desto mehr muss ich festellen das wir Deutschen doch der internationalen Entwicklung im Museumswesen hinterher hinken, zumindest was Präsentation, Vermittlung  und Behindertenfreundlichkeit angeht.

PS: Eins möchte ich nicht vergessen zu erwähnen. Ich war erfreut in Stonehenge allgegenwärtig darauf hingewiesen zu werden das Stonehenges Erbauung nichts mit Druiden zu tun hat. Komisch war dann aber die Dame in „Irgendwie-Eso-Klamotte-die-Druide-sein-soll“ in der Ecke des Ausstellungsraums mit ihrem Knochen behangenen Wanderstock saß und irgendwas von Druiden erzählte (keine Ahnung was). War wohl ein Zugeständnis an das Eso-Pagan Volk oder so.

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