Spiegel Geschichte und der Campus Galli

Ursprünglich war das Thema Campus Galli/ Klosterstadt Meßkirch für mich abgehakt. Lediglich nach meinem Besuch vor Ort vor Ort schrieb ich noch einmal darüber. Zudem berichtet Hiltibold ausführlich zum Thema und hinterfragt jegliche Bewegung vor Ort.
Nun bewegte mich aber ein Facebookpost von Andreas Sturm, den ich vor einigen Tagen las, doch noch einmal das Wort zu ergreifen, da ich mich dabei persönlich angesprochen fühle. Er zitierte daraus aus dem aktuellen Ausgabe ( 1/2015) von Spiegel Geschichte.

Der Spiegel Geschichte berichtet darin auf S112 bis 119 in einem Artikel von Alexander Smoltczyk unter dem Titel „Zeitreise handgemacht“ über den Campus Galli. Der Artikel selbst bietet nichts wesentlich neues. Er versucht scheinbar neutral zu beleiben, lässt aber eine gewisse begeisterung für die Idee erkennen und lässt nur die Teilnehmer des Projekts zu Wort kommen und weckt somit eine pro Campus Galli Stimmung die (Mittelatermark-) Ambiente erzeugt, die ja das Projekt angeblichen zu vermeiden sucht. Die Teilnehmer äußern sich zu weilen auch über die ihnen entgegengebrachte Kritik:

„Es gibt natürlich auch immer Mittelalter-Fans, die nur hierherkommen, um nach Fehlern zu suchen. Aber das sind sehr wenige“, sagt der Schindelmacher. Die mokieren sich dann über das Nasen-Piercing der Färberin. Die fotografieren das Kleidergrößenetikett am Wollgewand oder den Elektrozaun am Schweinekoben und petzen es später aus dem sicheren Versteck ihres Blogs.
Sie haben den Campus nicht verstanden. Natürlich liegt da ein Feuerlöscher neben der Schmiede. Natürlich gibt es Sicherheitsschuhe. Die Versicherungen leben nämlich nicht im Mittelalter. Und die damalige Dichte an Einäugigen und Krüppeln möchte man nicht wiederaufleben lassen. (…) S.116
Niemand darf sich mit einer Uhr am Handgelenk oder einem Handy erwischen lassen. Auch Cola gibt es nicht, genauso wie das Rauchen für Besucher verboten ist.(…) S117)

Nun weiß ich nicht wie viele Geschichtsinteressierte vor Ort waren die später über den Campus Galli irgendwas gepetzt geblogt haben. Ich weiß aber das Hiltibold viel darüber schreibt und ich vor Ort war, Bilder machte, darüber schrieb und die Bilder auch Hiltibold zur Verfügung stellte. Ich bin daher so egoistisch und beziehe das auch auf mich und möchte hier etwas einwerfen „aus dem Versteck meines Blogs“.

Als ich vergangen Sommer in den Campus Galli fuhr, war ich auf dem Weg in den Urlaub. Ich hatte den Besuch nicht fest eingeplant, erst einen Tag zuvor erfahren das an diesem Tag das Sommerfest stattfinden würde. Ich kam auch nicht um geplant nach Fehlern zu suchen, primär wollte ich mir die Sache einmal anschauen, das mir jedoch einige Fehler ins Auge sprangen ist dann doch eher eine spezielle Aussage.
Ich glaube nicht das sich jemand ernsthaft über einen Elektrozaun oder Feuerlöscher auslassen würde. Ein Etikett am „Wollgewand“ dann doch eher, zumal mir nun niemand geläufig wäre der entsprechende Kleidung verkauft und ein Etikett anbringt. Es sei denn es ist eben der Baumwollkram den man so hinterher geschmissen bekommt. Piercings könnte man rausmachen vergisst man aber gerne, gebe ich zu. Aber die Aussage das sich niemand mit Uhr oder Handy erwischen lassen darf finde fast schon lächerlich. Als ich zu Besuch war sah ich Seindenschals, normale T-Shirts unter der Tunika und Polyestergürteltaschen. Selbst wenn , wie es zum Teil an diesem Tag der Fall war, auch Leute dabei waren die nicht regulär am Campus Galli beteiligt sind, so muss doch jemand da sein der sie eben erwischt. Besonders an einem Tag wie dem Sommerfest wo mit Presse und einem Haufen Fotoapparaten zu rechnen ist. Das scheint aber nicht der Fall zu sein! Auch hat meines Wissens nie jemand die Sicherheitsschuhe als solche kritisiert. Aber wenn man keine, gar keine Wendeschuhe sieht, wirds halt doch etwas eigentümlich.

Der Vorwurf man würde aus dem Versteck eines Blogs agieren ist geradezu hanebüchen. Natürlich könnte man sich Sendezeit im Fernsehen kaufen wenn man denn das Geld hätte. Man könnte für Zeitungen schreiben, wenn man denn die Zeit hätte. Aber das alles trifft auf uns nicht zu! Ich habe ein Impressum mit voller Anschrift, auch Hiltibold hat das. Es gibt gibt die Möglichkeit zum kommentieren. Ich denke nicht das einer von uns sich gegen ein Gespräch wehren würde. Hiltibold hat kürzlich den einen Beitrag von Geschäftsführer Hannes Napierala im Blog gehabt. Dennoch wird immer wieder um bestimmte Themen einen Bogen gemacht bzw. sie verschieden wiedergegeben und Blogger als das Böse unter dem Himmel beschworen.
Im Gegenzug darf sich also niemand wundern, der im Rampenlicht irgend eines Publikums oder iInteressengruppe steht, auch von diesem beurteilt oder kritisiert zu werden!

Am besten ist jedoch der Hinweis über Behinderungen im Mittelalter. In diesem kleinen Satz sind sämtliche Vorbehalte einer unendlichen Diskussion auf einen minimalen Raum eingedampft. Erinnert sich noch jemand an die Ausseinandersetzung Hiller/Mittelalterlich Spectaculum vs. Reenactment-/Living-History-Szene? Nein? Kurz zur Auffrischung:

Wir haben nicht den Anspruch authentisch einhundert Prozent korrekt zu sein, denn Authentizität ist unserer Meinung nach nur ein Schlagwort für die Besserwisser in der Mittelalterszene.(..) Es gibt nur die eine Tatsache, dass wenn man den Überlieferungen folgen würde, eine authentische Veranstaltung wegen der darzustellenden Armut, dem Schmutz, dem Gestank, der Krankheiten etc. mit hundertprozentiger Sicherheit nicht dem Anspruch bester Unterhaltung genügen würde. (Zitiert nach Tempus Vivit)

Nun bezieht sich die Aussage in Spiegel Geschichte, die dem Schindelmacher zugeordnet ist, wohl nicht darauf das man nie vollends authentisch sein kann, sondern ist eher im Sinne zu verstehen, dass man auf die Sicherheit achten muss und daher Abstriche in der Authentizität machen muss. Und dennoch ist und bleibt es die selbe Argumentationsweise wie sie im Konflikt Mittelaltermarkt gegen Reenactment-/Living-History-Szene. Und sie bleibt genauso falsch. Niemand hat etwas gegen Sicherheit. Niemand hat etwas gegen TÜV oder Versicherungen. Andere Veranstaltungsorten zeigen doch das es anders geht, siehe Bärnau. Und nein, ich will auch nicht im Mittelalter leben, falls die Frage aufkäme (das wäre bei der Argumentation zu erwarten).

Immer wieder erweckt der Text in mir auch ein befremdliches Schmunzeln. Etwa wenn der Text die Idee beschreibt am Eingang einen Misthaufen zu platzieren um auch geruchsbedingt die „Zeitreise“ ins Mittelalter einzuläuten oder wenn Artikel der für die Gemüsepflanzen zuständige Dame ein Faible für die Schriftsprache des 16. Jahrhunderts bezeugt auch wenn diese nicht mittelalterlich sei.

Es bleibt abzuwarten was in dieser, inzwischen für mich leidigen, Diskussion noch so alles passiert.

Wer sich das Video des Spiegel mal anschauen will zu dem Artikel („…Sicherheitsschuhe der Karolingerzeit, nämlich Holzschuhe.“) kann das hier tun: www.spiegel.de/sg12015kloster

3 Gedanken zu „Spiegel Geschichte und der Campus Galli“

  1. Die Sache ist doch auch, es geht nicht um das Piercing und nicht um die Dreads und nicht um die Holzschuhe und nicht um die Plane und nicht um die Tshirts. All diese Kleinigkeiten würde im Einzelnen doch nie jemand bemäkeln, wenn der Rest stimmen würde.
    Es geht darum, dass in absolut JEDEM Aspekt des Campus Projekts so vorgegangen wird. Schlampig und inakkurat und lustlos. Und dass sich dadurch IM GESAMTEN ein völlig falscher Eindruck für den Besucher ergibt, der hier nicht erwartet, wie auf einem normalem Mittelaltermarkt für ein Bier und ein Paar Gaukler nicht so genau genommene Geschichte präsentiert zu bekommen, sondern gelockt wird mit „Originaltreue“ und damit, ein Bild des Mittelalters erhaltenzu können, wie es wirklich war und nicht, wies auf diversen Spaßveranstaltungen präsentiert wird. Er wird damit gelockt, mittelalterliches Handwerk zu sehen und bekommt aber stattdessen Produkte, die auch von Kindern beim Baumhausbau im Wald so erzielt werden können.

    Der Campus Galli bleibt in seiner geschichtswissenschaftlichen Gesamtleistung WEIT hinter allem zurück, was gute LH-Darsteller bereits nach einem Jahr können. Meine Güte, die Spinnerinnen können nicht mal richtig spinnen! Habt ihr schon mal die schwangeren Regenwürmer gesehen, die sie produzieren? Sowas kann ein Anfänger bringen oder ein Kind, aber nicht jemand, der seit 2 Jahren beruflich nur an diesem einen Handwerk arbeitet. Ganz zu schweigen davon, dass diese Produkte im Mittelalter nie akzeptiert worden wären in ihrer Qualität. Und die Gewebe, die sie herstellen sind für diese Zeit lächerlich schlecht.
    Den Körben der Korbflechter fehlt jede Form und sie sind absolut unsauber gemacht. Von jedem heutigen Korbmacher kannst du bessere Produkte kaufen.
    Alles ist einfach total ungenau und lieblos hingerotzt. Als sprächen wir hier von irgendwelchen hinterwäldlerischen Barbaren, die gar nix können.
    Dabei zeigen genügend LH und Museums-Projekte (die sich nach entsprechendem Fundmaterial richten), wie handwerklich geschickt und künstlerisch gefinkelt mittelalterliche Produkte gestaltet werden können.

  2. Hallo,

    mein Kommentar bezieht sich auf die Aussagen von Rotschopf.
    Da ich ganz in der Nähe des Objektes wohne und dadurch oftmaliger Besucher im letzten Jahr war, kann ich die Aussagen von lieblos hingerotzt nicht teilen. Betrachtet man die Arbeiten der Zimmerleute, des Schmiedes oder auch den Wagen des Drechslers, dann kann da meiner Ansicht nach keinesfalls von „lieblos“ die Rede sein.
    Daneben sollte alle auch mal anerkennen, dass die Beschäftigten sich sicherlich verbessert haben, dass sie bereitwillig Auskunft geben, wobei ich gestehen muss, das Weben interessiert mich nicht unbedingt.

  3. nach einigen negativen Berichte bin ich wirklich versucht mir einen Besuch des Campus abzuschminken… Undso viel Leuten koennene nciht unrecht haben. SChade um die Idee. Bin auchder Auffassung das man sihc da hötte mehr Muehe in der Vorbereitung geben muessen und mit kompetenen Stellen zusammenarbeiten sollen. Oder einene Besuch in Frankreich und sich mit den Leute dort unterhalten hätte es sicherlich auchgetan…falls noch interesse besteht hier mal der passende Link :
    http://www.guedelon.fr/de/abenteuer-guedelon_01.html

    ein trauriges Gott zum Grusse
    und Odins SChutz
    Nelda Frederiksdottir

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.