Die Höfe Dreihausen
Derzeit arbeite ich an einigen Videos zu karolingischen Burganlagen und Adels- oder Herrensitzen. Während das Video noch einen Moment zeit benötigt für Schnitt und Visualisierungen, gibt es an dieser Stelle schon einmal eine Text Version

Wir befinden uns hier in Mittelhessen, im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Anlage befindet sich auf einem Ausläufer des Vogelsbergs, dem Vorderen Vogelsberg und um ganz genau zu sein am Rand des Lumda Plateaus. Nach Norden erstreckt sich über den Ebsdorfer Grund, das Amöneburger Becken mit dem Vulkankegel von Amöneburg als nördlichstem Rest des Vogelsbergvulkans. Im Nordwesten, hinter den Lahnbergen liegt Marburg und natürlich fließt hier die Lahn, zu der es im Westen einen direkten Zugang gibt. Im Norden schließt sich an das Amöneburger Becken der Burgwald an, wo sich die karolingische Kesterburg befindet.
In merowingischer Zeit war die Gegend etwas ab vom Schuss. Zwar finden sich bei Amöneburg merowingische Reihengräber, sonst aber ist die Gegend relativ Fundarm.
Allgemein war Mittel- und Nordhessen dünn besiedelt und noch im 7 Jahrhundert scheinen zumindest verbündete des fränkisch dux Radulf von Thüringen hier das Sagen gehabt zu haben, denn der Merowinger Sigibert III. musste nach einem misslungen Feldzug gegen Radulf hier um Abzug bis hinter den Rhein bitten.
Nach 700 wird das Gebiet dann von Franken gezielt in Besitz genommen. Es werden Großburgen wie die Kesterburg im Burgwald angelegt, Fritzlar wird durch Bonifatius in Besitzt genommen. Das Gebiet wird endgültig Christianisiert und langsam stehen die Zeichen auf Sachsenkrieg.
In dieser Zeit, am Ende des 8. ,vielleicht aber auch Anfang des 9. Jahrhunderts, entsteht am Rand des Ebsdorfer Grundes, nach Norden zum Tal, geschützt durch einen Steilhang , eine befestigte militärische Anlage der Karolinger. Die Höfe.Ihren Namen hat die Anlage “Die Höfe” von den Untersuchungen, die 1843 stattfanden. Man sah in der Doppelrechteckanlage einen großen und einen kleinen Hof des Zwölften bis Dreizehnten Jahrhunderts. Im 18. Jahrhundert wurde die Anlage noch als Hainborg oder Hoynburg bezeichnet.Ihren wirklichen Namen weiß man nicht, auch wird sie in keiner Quelle erwähnt.
1906 wurde die Anlage, als: aus “Fränkisch oder Merowingische Zeit” stammend, identifiziert.Ab den 1940er Jahren war es Willi Görich, Kustos am Hessischen Landesamt für geschichtliche Landeskunde in Marburg , der besonders in der Siedlungs und Altwegeforschung engagiert war, der sich mit den Höfen auseinandersetze.
Für ihn war die Anlage das perfekte Beispiel der von ihm postulierten Rechteck Curtis. Ein Hof als Curticula, als Wirtschaftshof, und einer als militärischer Stützpunkt, die eigentliche Curtis.
Das Ganze sollte dann als Wegstation, Görich nannte es Etappensystem, für die Truppen Karls des Großen ins Sachsengebiet gedient haben. Anhand der Form der Anlage wollte er einen Rückgriff auf römischen Legionslager erkennen, was ihm wiederum eine Datierung in karolingische Zeit ermöglichte in dem er sagte: in der karolingischen Renaissance griff man eben auf die römischen Vorbilder zurück. Davon ist man jedoch auch schon bald wieder abgekommen.
Letztendlich ist es eine karolingische Burg, weiter hinter den Linien der Sachsen, auch wenn die durchaus mal bis an die Lahn vorstoßen konnten, wie 778 geschehen. Mit Sicherheit hatte sie ihre eigene wirtschaftliche Versorgung, und gleichzeitig diente sie dem Landesausbau,der Besiedelung und dem Schutz der Siedler.1 Sie liegt jedoch abseits der eigentlichen Route nach Sachsen, dürfte also in den Sachsenkriegen keine entscheidende Rolle gespielt haben.
Richtig erforscht und ergraben wurde die Anlage dann ab 1974 durch den Leiter der Außenstelle Marburg der Abteilung Vor- und Frühgeschichte im Landesamt für Denkmalpflege Hessen Dr. Rolf Gensen
Die Anlage wurde damals, wie heute, von Norden betreten.Über einen Weg der sich am Steilhang entlang zieht erreicht man das Nordtor. Durch die jahrhunderte lange Nutzung als Wirtschaftsweg sind die Spuren des Tores vergangen. Jedoch sind sind einige Mauerreste sichtbar, die aber aus einer späteren Instandsetzung stammen.
Im Gegensatz zu vielen anderen karolingerzeitlichen Anlagen, die mit Wall Graben und Palisade oder mit vorgeblendeter Trockenmauer geschützt waren, sind es vor allem die hessischen Anlagen, die mit einer Schalenmauer aufwarten konnten. Andernorts trat diese Mauertechnik erst im 10. Jahrhundert auf!2 Die Mauern, die die Höfe umgeben sind etwa 1,25 bis zwei Meter stark und aus dem lokalen Basalt gebaut, der Zwischenraum der Schalenmauer wurde mit Steinschutt gefüllt.
Nicht so gut wie die Nord und Ostseite der Anlage durch ihren Steilhang geschützt, ist die Süd und Westflanke, die flach ausläuft. Hier wurde die Mauer, mit einem Wall kombiniert und davor ein Graben angelegt.
Insgesamt ist die Anlage 2 Hektar groß, wobei die Unterburg 1,25 und die höher gelegen Oberburg 0,75 Hektar einnimmt. Die beiden Bereich sind wiederum durch einen Wall voneinander getrennt.
In der Unterburg ergaben Probebohrungen kaum Befunde, weshalb man von einer größeren Grabung absah. Es gibt Thesen wonach es hier keine feste Bebauung gegeben haben könnte und die Unterburg vielleicht nur Soldaten als Lagerplatz gedient haben könnte. Da aber bisher nicht gegraben oder aus den Problöchern keine weiteren Untersuchungen stattfanden ist die meiner bescheidenen Meinung nach eher fraglich. Andere Anlagen wie die Kesterbrug besaßen eine dichte Besiedlung, die Anhand von Pfostenlöcher nachgewiesen werden konnte.
Vor dem trennenden Wall zur Oberburg konnten einige Vertiefungen ergraben werden, die auch noch heute sichtbar sind. Ihr Zweck ist unbekannt, sie dienten aber nicht als Graben, hatten also keine fortifikatorische Funktion.
Der Zugang zur Oberburg wurde durch ein Tor im Süden des Trennwalls ermöglicht. Das Tor bestand aus eine versetzen Durchgang , der aber mit einem Hölzernen Aufbau überbaut war. Atzbach bezeichnet es als “Kammertor mit gewinkelter Erschließung und Fachwerkaufbau”3 Dies konnte anhand einer Brandschicht mit Holzkohlesplittern ermittelt werden.
Im Nordwesten der Anlage, etwa am höchsten Punkt, befanden sich aber die eindrucksvollsten Gebäude.
An der Westseite konnten zunächst zwei Gebäude mit einem einfachen Steinernem Fundament , bzw. steinernem Unterbau gefunden werden, ob sie direkt an die Mauer angeschlossen waren, konnte nicht geklärt werde. Die Gebäude waren 8,5 bzw. 14m lang und wenn sie denn an die Mauer angeschlossen waren, also der Maximalfall, wären sie etwa 7m Breit gewesen. Sie besaßen einen Fachwerkaufbau. In der Literatur ist oftmals der Begriff “Kasemattenähnlich” zu finden, was andeutet sie könnten Teil der Befestigung, also der Mauer selbst gewesen sein. Sie könnten den Verteidigern also als Podest gedient haben.
Etwas Nord-östlich davon fand sich der Mauerzug eines weiteren Gebäudes. Es besaß eine Innenfläche 9,80 m x 4,80Metern, die Mauern waren etwa 1,2 bis 1,3m stark. Es waren die Reste eines steinernen, Untergeschosses, bzw. Kellergeschoss. das leicht in den Boden eingetieft war, wobei das Gebäude auf dem gewachsenen Basalt aufsaß. Man hatte sich also nicht die Mühe gemacht einen Keller ins Gestein zu hauen. Der Eingang in das Untergeschoss erfolgte über die Schmalseite im Südosten und war ca. 1,6m breit.
Im inneren konnten Estrich und Putzreste gefunden werden. Eine Sockelfundament in der Längsachse zeugt von einer wahrscheinlich hölzernen Säule, die das Obergeschoss trug. Dieses war wohl in Fachwerk ausgeführt, wovon Flechtwandreste zeugen die im Bauschutt gefunden wurden. Zudem war dieses Fachwerk als Ständerbau ausgeführt, was sich aus der Art des Fundamentes ergab. Es ist damit der einer der frühsten Nachweise eines Ständerbaus östlich des Rheins. 4 Der Zugang zum Obergeschoss bildete wahrscheinlich eine Treppe von der Südseite.
Bei dem Gebäude handelt es sich um den Sitz der Führungspersönlichkeit der Anlage. Vergleichbar mit dem Saalbau in Pfalzen oder den späteren Sälen auf Burgen. Das überraschendste Gebäude der Anlage ist jedoch die Kirche, die sich südöstlich des Kellerraums fand.
Es handelt sich um eine Rundkriche von 6m lichter Weite und 1m Mauerstärke mit einer nach Nord-Ost weisenden halbrunden Apsis mit 1,9m länge mal 2,10m breite die etwa 25cm Höher lag als der Innenraum der Kirche. In der Apsis konnte noch das Fundament des Altars mit 1x1m Größe gefunden werden. Die Kirche war sorgfältig verputzt gewesen. In der Apsis fanden sich zahlreiche Funde von bemaltem Verputz. Sie war ursprünglich mit Figuren und Scheinarchitektur bemalt gewesen und sie werden als “von hoher Qualität” bezeichnet. Wahrscheinlich war aber der ganze Innenraum bemalt, wie ein Putzrest von der Ostseite zeigt.
Über 1300 Putzreste, ca 8qm, wurden in der Kirche gefunden.5 Sie wurden inzwischen Katalogisiert. Rekonstruktionen von Malerei etwa, liegen aber noch nicht vor.
Hinter dem Altar fand sich im Schutt zusätzlich das Fragment einer grünen Porphyrplatte. Dieser Marmor war irgendwann einmal aus Griechenland importiert worden. Wohl aber nicht für diese Kirche, sondern war wohl aus irgendeinem römischen Gebäude hier hin geschafft worden. Denkbar wäre, dass er Teil einer Altarplatte oder vielleicht eines kleinen Reisealtars war.
Eine solche Rundkirche ist in dieser Region sehr ungewöhnlich. Nun sind Runde Gebäude mit einer irgendwie gearteten religiösen Funktion keine Seltenheit. Römer und Griechen besaßen runde Tempel, Im Utrechter Psalter sind Rundzelte zu sehen die von einem Kreuz bekrönt sind. Aber in aller Regel waren runde Kirchen zunächst einmal Taufkirchen. Abgeleitet von den frühchristlichen Baptisterium. Daher wurden sie gerne in eroberten, nichtchristlichen Gebieten eingesetzt.6 Sie finden sich etwa in slawischen Gebieten, wie dem Osten Bayerns, in Kroatien bis hin in die Ukraine wo es in ottonischer zeit einen kurzen Versuch gab das westliche Christentum zu etablieren. Das klappte übrigens nicht weil die Mönche um ihr leben füchteten und wieder abzogen. Den Job übernahm daraufhin Konstantinopel. Runde Kirchen wurden aber auch als Grabkirchen verwendet, wie etwa in Fulda. Das hat nur bedingt mit der Ähnlichkeit zur Grabeskirche in Jerusalem zu tun, sondern eher damit, dass die Aussegnung des Toten quasi das Gegenstück zur Taufe ist.
Bei den Höfen geht man nun nicht davon aus, dass es sich um eine Taufkirche für die Mission handelt. Man vermutet eher, dass die hier residierende Person sich etwa Aachen zum Vorbild nahm und da ein Oktogon doch etwas komplizierter ist, wurde eine kleine runde Kirche gebaut.
Die Kombination der Kirche und des unterkellerten Baus am höchsten Punkt der Anlage sprechen dafür das hier das repräsentative Zentrum war, der Herrensitz. Seine Anlage selbst hat dabei Anleihen an die Architektur von Pfalzen7
Bei einer geoelektrischen Untersuchungen von Teilbereichen der Oberrburg konnte im Jahr 2000 ein weiteres Gebäude entdeckt werden, das sich an der Mitte der Südseite befand. Leider wurde es bei der Untersuchung nur angeschnitten, sodass hier keine Aussage getroffen werden konnte. Auch eine erneute geoelektrische Untersuchung im Jahr 2005 konnte keine größeren Erkenntnisse liefern, außer das es es vielleicht an der Südseite der Oberburg nach dem Tor wohl eine Bebauung gab. Hier ist wieder die Rede von einer “Kasemattenartigen” Bebauung. Sonst aber war die Oberburg, was die Geoelektrik angeht, befundfrei. Was wieder die Stellung der gefundenen Gebäude noch einmal hervorhebt.
Gensen vermutete zusätzlich noch in der Nordöstlichen Ecke der Oberburg, das ist dort der niedrigste Punkt, eine Zisterne zur Wasserversorgung. Dies konnte bisher nicht bestätigt werden, was aber auch nicht heißt das sie nicht doch existiert haben mag.
Südlich außerhalb der Anlage wurden Gruben entdeckt, die ebenfalls Fundmaterial aus karolingischer Zeit aufwiesen. Gensen schloss daraus das es auch eine Besiedelung außerhalb der Anlage gab.8 Dies konnte 2000 durch die Geoelektrische Messung bestätigt werden. Vielleicht waren es Siedler, die im direkten Umfeld den Schutz der Befestigung suchten, vielleicht auch Angehörige der Besatzung. Ganz ähnlich wie bei einem römischen Kastellvicus.
Eine Vielzahl der Funde, die in den Höfen gemacht wurden, stammen aus karolingischer Zeit, so fand sich viel, ausgesprochen feine Scherben vom Typ der Badorfer Keramik. Die Keramiken reichen jedoch bis ins elfte , vielleicht sogar Zwölfte Jahrhundert. Dabei wurden jedoch nie neue Gebäude in den Höfen errichtet.
Die Hochmittelalterlichen Keramiken scheinen sich aber in der Oberburg zu konzentrieren. Wahrscheinlich hatte die Anlage ihre Funktion als “Großburg” , wie in karolingischer Zeit verloren und nutzte daher nur noch die Oberburg, wobei aber die alten Gebäude noch immer ihre Aufgabe erfüllten.
Während sie im 10. Jahrhundert, während der Ungarneinfälle, sicherlich als Fluchburg diente, könnte die Auflassung der Anlage , vielleicht am Ende des 11. Jahrhunderts, durch die Wirren der Konflikte Heinrichs IV. mit den Sachsen, eingeleitet worden sein.
Rainer Atzbach9 gibt zu bedenken das um 1120 das salische Reichsgut in der Region, ausgelöst durch die Konflikte zwischen Heinrich dem Fünten und dem Mainzer Erzbischof Adalbert, an den Mainzer Erzstift übertragen wurde. Ein weiterer Grund könnte das Entstehen der Turmburg “Steinhaus” im Ort Ebsdorf gewesen sein. Die modernere Burg könnte der alten karolingischen Anlage den Rang abgelaufen haben.
Wobei zu klären wäre warum die Die Höfe scheinbar niederbrannten, denn in den Bauten fanden sich überall Holzkohlereste von Brandspuren.
Aber Immer wieder findet man auch mal für die Höfe auch die Bezeichnung” Pfalz”. Dies basiert auf drei Urkunden, die 1054, 1057 und 1066 von Heinrich II und Heinrich IV im Ort Ebsdorf selbst gezeichnet wurden, denn dort befand sich ein Königshof.
Ein direkter Zusammenhang der königlichen Besuche mit den Höfen wird heute eher ausgeschlossen auch wenn eine Beziehung von Burg und Königshof in karolingischer Zeit vermutet wird10 Atzbach, vermutet die Höfe könnten vielleicht dennoch als Zwischenstation verwendet worden sein. 11
Aber wie gesagt, sie wird nicht mal irgendwo erwähnt und auch sonst treffen keine der üblichen Definitionen für eine Pfalz, wie sie Zotz, Ehlers und anderen vorgeschlagen, auf die Anlage zu. Sie ist und bleibt eine Burg der Karolingerzeit mit entsprechendem Herrensitz, der aber scheinbar eine herausragende Stellung einnahm.
H. Dannenbauer, Freigrafschaft und Freigericht S63 ↩
Rainer Atzbach , Die Höfe bei EbsdorferGrund Dreihausen und das Ende der Karolingischen Großburgen in Nordhessen in Burgenforschung und Burgendenkmalpflege in Hessen Bd.1 S18 ↩
Bauforschung 1 S20 ↩
Atzbach Burkenkunde I S22 ↩
Zu Untersuchungen der Putzreste: Matthias Preißler, Neue Forschungen zu Putzfragmenten aus der Rundkirche der Burg Höfe bei Dreihausen in Hessen Archäologie 2015 S117 ↩
Sieh auch ((Matthias Untermann, Der Zentralbau im Mittelalter S. 175 ↩
Michael Gottwald et al ,Das Alte Gronauer Schloss – eine Pfalzartige Befestigung im Salzbödetal in Hessen Archäologie 2016 S135 ↩
Rolf Gensen, Ringwall Höfe bei Dreihausen in Hessen im Frühmittelalter S.250 ↩
Burgenforschung Atzbach S 30 ↩
Die Deutschen Königspfalzen, Band 1, Hessen erste Lieferung, Berstadt – Eschwege (Anfang) Lemma Ebsdorf II.1 S76 ↩
Burgenforschung I S29 ↩


Oh ja gerne!
Hallo, Bei Recherchen zur Tunika Heinrich des Zänkers bin ich auf eine ähnlich Lösung gekommen, ich habe mir das Stifterbild…
Hab jetzt gerade Terra X schauen wollen. Seit neusten mit KI generierten Stimmen. Diese Entwicklung gefällt mir nicht. Ich muss…
Gut gelungen. Dieses Miniriemchen im Riemendurchzug der Scheide hält das Ganze.
Freunde von mir waren schon da. Ich weiß nur nicht ob ich selbst schaffen werde :-(