Schwertscheide Teil 1 – Beutel, Beschläge und Durchzüge
Schwertscheide Teil 1 – Beutel, Beschläge und Durchzüge
Da in absehbarer Zeit wieder der Bau einer Schwertscheide ansteht, habe ich mir die Zeit genommen mich noch einmal durch die archäologischen Funde zu arbeiten. Nun kann man natürlich aus der karolingischen Warte sagen: Wir ham´ja nix!
Immer wenn dieses Problem auftritt, wende ich mich den Mährern und den dortigen Funden zu.
Die dortigen Schwertfunde sind sehr gut durch Jiří Košta und Jiří Hošek aufgearbeitet, Zum einen in “Studien zum Burgwall von Mikulcice X – Early Medieval Swords from Mikulcice”, zum andern, wieder durch Košta/Hošek, in “Ninth to mid-sixteenth century swords from the Czech Republic in their European context”
Leider sind die Schwerter, die im Forschungszentrum in Mikulcice lagerten, durch ein Feuer schwer beschädigt worden. Zum Teil haben sich nur wenige Fragmente der Klingen erhalten. Der Brand muss ein tatsächliches Höllenfeuer gewesen sein, wohl auch durch die Chemikalien zur Konservierung , die im Gebäude lagerten. Glücklicherweise waren die Funde sehr gut dokumentiert.
Bevor ich aber im nächsten Teil auf die eigentlichen Scheiden komme möchte ich mich zunächst mit ein wenig Beiwerk befassen.
Beutel
Dies wurde ausgelöst durch Grab 341 von Mikulcice, denn das Schwert, mit einem Knauf des frühen Typ X, war von einem dünnen Leder bedeckt. Zuerst hielt ich es für eine Scheidenbespannung, musste aber beim weiterlesen feststellen das dieses dünne Leder bis auf das Parier reichte und dort nicht nur in der Verlängerung der Scheide zu finden war, sondern auch seitlich davon. Auch auf dem Knauf fanden sich Spuren dieses Leders, unter dem sich ebenfalls noch eine Schicht eines leinwandbindigen Textils befand.1
Es scheint also, dass sich das Schwert in einem textilgefütterten Lederbeutel befand. Etwas Ähnliches konnte auch bei Grab 265 beobachtet werden. Hier scheint der Beutel, wenn es denn eine solcher gewesen war, aus Fell bestanden zu haben. Wobei auch das Schwert einfach in ein Fell eingewickelt worden sein könnte.
Bei Grab 90 aus Mikulcice scheint über dem ganzen Schwert ein feines Textil gelegen zu haben, das mehrfach um dieses herum gewickelt worden war.
Für Pohansko Grab 174 habe ich keine Informationen, was Schichten oder eine Hülle angeht. Kosta/Hosek schreiben jedoch, dass die Scheide in den ursprünglichen Fundbeschreibungen wie von Metallresten überzogen wirkte. Kosta/Hosek vermuten, dass es sich zum Beispiel um Lederreste gehandelt haben könnte, zumal auch in den Röntgenaufnahmen kein Metall erkennbar war.2 Dann wäre auch dieses Schwert in einem Beutel verstaut gewesen.
Es liegt also nahe zu vermuten, dass die Schwerter den Versorbenen nicht einfach ins Grab gelegt wurden, sondern sie befanden sich in einem Aufbewahrungsbeutel. Es kann vermutet werden, dass die Schwerter aber nicht erst für das Begräbnis in diesen Beutel verfrachtet wurden, eher wahrscheinlich scheint, das die Schwerter bei nichtbenutzung sorgsam in diesen beuteln verstaut waren um sie vor Feuchtigkeit und staub zu schützen.
Ebenfalls interessant in diesem Kontext könnten auch Scheiden wie etwa Grab 5803 sein. Hier hatte sich ein Leder im Ortbereich erhalten in dem sich eingeprägte Rillen erhalten hatten, die um die Scheide herum verliefen. Ein möglicher Urheber solcher Rillen fand sich in Breclav-Pohansko Grab 174.4 Hier fand sich ein Faden am Ort.
Nun könnte es sich natürlich um eine Verstärkung des Ortbereiches handeln, quasi als Ersatz für ein Ortband, es könnte aber auch sein, dass es sich hierbei um den Verschluss eines solchen Aufbewahrungsbeutel handelt. Dann wäre dieser über den Griff gestülpt worden, um vielleicht die repräsentativen Montierungen zu schützen, hätte verhindert, dass Schmutz von oben in den Beutel kommt und wäre dann am Ort verschnürt worden.
Beschläge
Da ich mich nun durch die Untersuchungen arbeitete, sah ich das ebenfalls als perfekte Gelegenheit an, mir einmal die Positionen der bekannten karolingischen Beschlägen der Schwertgurte in den Gräbern anzusehen. Ich hatte die Hoffnung, dass sich hier vielleicht etwas zur Montierung herauslesen könnte.
Dies zerschlug sich sehr schnell wieder, brachte mir aber auch wiederum eine andere wichtige Erkenntnis. Die Schwerter waren wohl in Gänze aus den Schwertgurten geknüpft worden, was schon einmal aussagen sollte, dass diese nicht fix verbunden waren.
Die einfachste Variante scheint sich im bereits erwähnten Grab 265 befunden zu haben. Hier waren die Beschläge in einem konglomerat aus Textilien “festbacken”. Es fand sich eine Schließe, eine Riemenzunge und einige undefinierbare Metallstücke. Der Schwertgurt, oder dessen Beschläge waren also vom Schwert entfernt worden und in ein Textil gewickelt und ins Grab gelegt worden.
In Breclav Pohansko Grab 174 konten zwei ovale Beschläge auf Grund der patinaspuren nachgewiesen werden. Diese hatten sich selbst jedoch zersetz. Sie waren unterhalb des Scheidenmunds und am Begin des unteren Viertels der Klinge auf der Scheide platziert worden, wobei die Langseinten parallel mit der Klinge verliefen. Auch hier scheinen die Beschläge aus dem Gurt, bzw von der Scheide entfernt worden zu sein, um dann dekorativ auf die Scheide gelegt worden zu sein.
In Grab 257 von Breclav Pohansko fanden sich drei eiserne Beschläge.5. Eine lag in Längsrichtung auf der Scheide im oberen Drittel. Die beiden anderen aber daneben, zwischen den Rippen und den Beckenknochen des Toten. Ebenfalls auf der Scheide fand sich im unteren Drittel ein Messer. Hier scheint der Gurt abgeknöpft worden zu sein und lag wohl quer über dem Körper.
Auch beim Fund aus AROHNĚVICE-OBORA Grabhügel 16 finden sich die Beschläge regelmäßig aufgereiht auf der Scheide, beginnend mit dem Kleeblattbeschlag.
Ähnliches gilt auch für das Schwert aus Blatnica, bei dem das Kleeblatt ebenfalls unter dem Parier lag.7
In Mikulcice Grab 375 fand sich ein stark korrodierter Kleeblatt beschlag und dachförmiger Riemenbeschlag (Robak Typ II ) Leider ist die Abbildung bzw. die Nummerierung der Lage der Objekte im Grab in Studien zum Burgwall Mikulčice XII Abb58 etwas verwirrend. Der Beschreibung nach aber lag der Dachförmige Beschlag rechts neben dem Griff des Schwertes. Der Riemenverteiler scheint sich auf dem Griff des Schwertes befunden zu haben, wo sich auch ein Messer mit hölzerner Scheide befand. Er war in ein Textil eingewickelt und durch das korrodierte Eisen des Verteilers und des Messers mit dem Holz des Schwertgriffes verbacken. Die Position eines Messers auf dem Schwertgriff findet sich auch in Grab 438, bei Grab Grab 2041 befand sich das Messer unter dem Griff, vielleicht heruntergerutscht.
Grab 580 besitzt keine typischen Beschläge mit Kleeblatt, jedoch fanden sich auch hier im Bereich des Griffes eine Riemenzunge und eine Schließe.
Bei Grab 500 befand sich das Schwert ausnahmsweise auf der rechten Seite des Körpers. Wieder findet sich der Kleeblattbeschlag unterhalb des Pariers. Darunter fanden sich 3 weitere Beschläge, zum Teil mit Lederanhaftungen und noch ein Stück weiter unten, etwa auf Hälfte der Schneide befand sich die Riemenzungen. Obwohl die Beschläge noch anhaftungen der Riemen besaßen, war sie nicht mit dem Schwert verbunden, denn sie befande sich außerhalb der Lederhülle, in die das Schwert verstaut worden war. Die Schwertgurte waren also definitiv von der Scheide lösbar.
Wie bereits zu Anfangs geschrieben macht es den Anschein das die Beschläge, bzw die Gurte vom Schwert gelöst wurden und entweder der ganze Gurt oder aber nur die Beschläge dekorativ auf das Schwert oder die Hülle die das Schwert barg gelegt wurden, wobei vorhanden sein eines Kleeblattes dieses im Bereich des Pariers zu suchen ist. Für das Lösen des Gurtes von der Scheide spricht auch, dass in anderen Gräbern gar keine Spur von Beschlägen gefunden wurde. Hier scheinen wohl die Schwertgurte mit Beschlägen, insofern diese Schwerter dies überhaupt besaßen, von einer zweiten Person für sich weiterverwendet worden zu sein.
Riemendurchzüge
Hinweise auf Riemendurchzüge konnte ich leider nur in zwei Fällen feststellen.
Hier ist zum einen das Schwert aus Grab 341 von Mikulcice zu nennen.8 Auf der, als B-Seite der Scheide bezeichnete Seite, fand sich ab etwa 30 mm unterhalb des Pariers ein fast quadratischer Holzblock. Er reicht nach unten bis etwa 50 mm. Er ist etwa 17mm breit. Man erkennt auf den Abbildungen deutliche Spure das er an seinem unteren Ende abgebrochen ist. Darunter scheint eine Lück von etwa 25mm nach unten zu reichen, darunter scheint ein weiterer Abdruck erkennbar wo dieser Riemendurchzug wieder angesetzt haben könnte. An dieser Lücke und auch an anderen Teil der Scheide war eine Bespannung aus einem feinen Textil mit Rhomben erkennbar, wobei ich auf ddarauf im nächsten Teil eingehen werde. Aber zumindest kann gesagt werden, das dieser hervorstehende Holzklotz sich über dies Bespannung erhob und wohl sich wie eine Brücke darüber spannte. Eben wie ein Riemendurchzug. ( Abbildung aus Early Medieval Sowrds S93 )
Der zweite Riemendurchzug stammt aus Breclav-Pohansko Grab 174. Er war aus Eisen(!) gefertigt , 14,7cm lang und 1,6cm breit. Er fand sich 12cm unterhalb des Pariers und war auf die Scheide aufgenietet.9 Seine Form ist durchaus interessant, denn er besitzt einen kleinen vertikalen Schlitz, dessen Funktion sich meinen Ideen vollkommen entzieht.
Early Medieval Swords from Mikulcice S.87ff ↩
Velkomoravské meče z Pohanska u Břeclavi a okolí – nová revize S 202 ↩
Early Medieval Swords from Mikulcice S.153 ↩
Ninth to mid-sixteenth century swords from the Czech Republic in their European context S79/80 ↩
Ninth to mid-sixteenth century swords from the Czech Republic in their European context S80 ↩
Ninth to mid-sixteenth century swords from the Czech Republic in their European context S113 ↩
BÉLA MIKLÓS SZŐKE, Tauschierte Schwertgurtbeschläge von Turóczentmárton/ Blatnica S. 393 ↩
Early Medieval Swords from Mikulcice S87ff ↩
FRANTIŠE K KALOUSE K • BŘECLA V POHANSK O I S.111 ↩




Oh ja gerne!
Hallo, Bei Recherchen zur Tunika Heinrich des Zänkers bin ich auf eine ähnlich Lösung gekommen, ich habe mir das Stifterbild…
Hab jetzt gerade Terra X schauen wollen. Seit neusten mit KI generierten Stimmen. Diese Entwicklung gefällt mir nicht. Ich muss…
Gut gelungen. Dieses Miniriemchen im Riemendurchzug der Scheide hält das Ganze.
Freunde von mir waren schon da. Ich weiß nur nicht ob ich selbst schaffen werde :-(