Nachtrag zur Ulrichsdalmatika
Vergangene Woche vergaß ich ein Bild der Ulrichsdalmatika im Vergleich zu einer römischen-byzantinischen Tunika einzufügen. Dies erwieß sich aber für mich als Glücksfall, da ich mir noch einmal die Daten genau ansah.
Die Ulrichsdalmatika hat eine Länge 143cm, Die Breite der Stoffbahn aus der sie geschnitten wurde betrug 101cm. Die Ärmel wurden ebenso aus dieser Stoffbahn geschnitten und betragen daher jeweils 50,5cm in der Länge. Insgesamt beträgt die Breite also 202cm.
Die Tunika aus dem 6. Jahrhundert aus dem Louvre ( E31969) hat eine Länge von 132cm. , insgesamt eine Breite von 185cm. Ohne den Abnäher den die Tunika auf Gürtelhöhe besitzt wäre sie 156cm lang (auf der Rückseite ist er geöffnet). Die Ärmel haben am Handgelenk einen Umfang von nur 18cm, sind dafür aber über eine Länge von 20cm geschlitzt. Die Tunika stammte aus einem Grab und wurde von einer Frau getragen deren Arme durch die Öffnungen unter den Ärmeln gesteckt waren. Die Tunika wurde zuvor aber verändert in dem der Abnäher auf dem Rücken geöffnet wurde und die Besätze, die am sich am Hals befunden haben müssen, entfernt wurden.
Man sieht also, beide Textilien unterscheiden sich in ihrer Größe gar nicht so fundamental. Übrigens, der Vollständigkeit halber: Die Reepsholt Tunika hat eine Weite von 182cm, Saum 115cm, länge 97cm. Hier ist es die Länge die den Unterschied macht.
Nun ist das was der hl. Ulrich da im Grab trug eigentlich keine Dalmatica! Ein Dalmatica hat gerade, extrem weite Ärmel, meist auch einen noch einen extrem weiten Saum und wird ungegürtet getragen, weshalb sie meist auch etwas kürzer in der Stofflänge sind.1 Sie kommt aus Dalmatien, daher der Name, und wird seit dem 3. Jh. in Rom beliebt. Tex.tilien ähnlichen Formats, mit schmalen Ärmeln werden, wenn sie den weiß sind, im kirchlichen Kontext als Albe bezeichnet
Im Kirchlichen sprachgebrauch ist die Dalmatik ein kirchliches Gewand des Diakons. Ursprünglich Trugen sie die spätantike Bischöfe mit Toga kombiniert. So wurden sie quasi in der Zeit konserviert und der Begriff hat die Zeit überdauert.
Ulrich hat in seinem Grab etwas mit schmalen Ärmeln, eine Tunica Manicata. Dazu ist auch zu erwähnen das wir nicht wissen wie Ulrich dieses Textil nannte. Erst aus dem Hochmittelalter wird es als Dalmatik bezeichnet.
Interessant ist auch das die Ulrichsdalmatika an den Seiten geöffnet gewesen sein soll und die heutigen Saumborten stammen erst aus dem 14. Jahrhundert stammen. Ein Feature das auch einige römische Tuniken besaßen, die aber zumindest alle Öffnungen unter den Armen hatten um die Arme durchzustecken und die Ärmel hinter dem Kopf zu verknoten. Das könnte man übrigens auch mit der Thorsberg Tunika machen. Auch etwas das übrigens in der Maciejowski-Bibel wieder zu sehen ist und zu dieser Zeit auch bei der Schlupfärmel Surcotte modern ist… War das nie weg? Hat das eine Auswirkung auf das was ich vorhab?
Ich muss aber anmerken das die Öffnung der Seiten der Ulrichsdalmatika auch von einer Zeigepraxis als Reliquie herrühren könnte. Also um sie von vorne und hinten gleichzeitig betrachten zu können, dagegen spricht aber das die Ärmel nicht geöffnet wurden.
Bei der Tunika, die ich hier zum Vergleich nutze, kann man auch den Abnäher erkennen. Bis vor kurzem kannte ich den Abnäher an der Hüfte nicht.
Bei Tuniken mit engen Ärmeln besitzen 62% der Textilien diesen Abnäher , Weitärmlige 40% quadratische 33% und kurzärmlige nur 5%.2 Die Kindertuniken mit eingesetzten Geren an den Seiten, eher so wie man sich eine “moderne” Tunika vorstellt, besitzen solche Abnäher überhaupt nicht.
Zwar gibt es einige Abnhäher die formend erscheinen .Hier ist der Abnhäher am Rand breiter als in der Mitte3, in der Beispieltunika ist dies der Fall, und zieht so die Seiten etwas nach oben. Dies scheint aber mehr ein Bonus als das eigentliche Feature zu sein.4 Morgan sieht die Abnäher als Möglichkeit, die Tunika zu kürzen! Diese Möglichkeit wird demnach bei Tuniken mit Verzierungen verwendet. Auch unverzierte Tuniken wurden gekürzt, dann aber am unteren Saum.
Diese Abnäher konnten kurze 2-3cm ( entsprechen 4-6cm Kürzung) bis hin zu einer die ich gefunden habe mit 19cm (38 cm Kürzung).
Das man die Tunika nicht einfach Abschnitt, war zum einen bedingt durch die aufgenähten Verzierungen, zum Anderen denke ich das man nicht das kostbare, in einem Stück gewebte Tuch zerteilen wollte. Zudem wurden die Tuniken wohl vererbt oder Gebraucht gekauft und dann verändert. Oftmals wurden die Nähte gelöst wenn sie mit ins Grab gegeben wurden, wohl um dann wirklich den ganzen Körper zu bedecken.
Die Vermutung das hier eine Schnur durchgezogen wurde um die Tunika zu gürten, lässt sie nicht gelten, denn sie fand eine Vielzahl von Tuniken bei denen Clavi über die Abnhäher genäht wurden oder diese nach innen vernäht wurden Es hätte also keine Möglichkeit bestanden eine Schnur hindurchzuziehen.
Interessant finde ich auch die Position des Abnähers, denn gürte ich die Tunika, ist der Abnäher nicht sichtbar, denn der Gürtel wird darunter angesetzt, der Abnäher fällt dann in den kolpos , die die Falte die sich bildet.5
Ich stelle mir die Frage ob dieser Abnäher, der ja ursprünglich nur Mittel zum Zweck war, zum modischen Feature wurde.
Einmal zumindest werde ich mich im Anschluss noch mal mit dem Thema befassen , da muss ich aber was zu raussuchen…
Faith Pennick Morgan, Dress and personal appearance in late antiquity S17 ↩
Faith Pennick Morgan, Dress and personal appearance in late antiquity S104 ↩
Faith Pennick Morgan, Dress and personal appearance in late antiquity S102 ↩
Faith Pennick Morgan, Dress and personal appearance in late antiquityS102 ↩
Faith Pennick Morgan, Dress and personal appearance in late antiquity S104 ↩




Hallo,
Bei Recherchen zur Tunika Heinrich des Zänkers bin ich auf eine ähnlich Lösung gekommen,
ich habe mir das Stifterbild angesehen und die Faltenwürfe der Ornamentik. Dabei ist eine praktisch Loufre-analoge Tunika entstanden.
Kann dir mal ein Bild senden
Gruoss
der Uhl
Oh ja gerne!