{"id":34218,"date":"2026-02-19T16:15:12","date_gmt":"2026-02-19T15:15:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.tribur.de\/blog\/?p=34218"},"modified":"2026-02-20T06:31:40","modified_gmt":"2026-02-20T05:31:40","slug":"die-hoefe-dreihausen-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tribur.de\/blog\/2026\/02\/19\/die-hoefe-dreihausen-2\/","title":{"rendered":"Die H\u00f6fe Dreihausen"},"content":{"rendered":"\n<p>Derzeit arbeite ich an einigen Videos zu karolingischen Burganlagen und Adels- oder Herrensitzen. W\u00e4hrend das Video noch einen Moment zeit ben\u00f6tigt f\u00fcr Schnitt und Visualisierungen, gibt es an dieser Stelle schon einmal eine Text Version&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-full\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Hoefe-Grundriss.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"896\" height=\"748\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Hoefe-Grundriss.jpg?resize=896%2C748&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-34220\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Hoefe-Grundriss.jpg?w=896&amp;ssl=1 896w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Hoefe-Grundriss.jpg?resize=300%2C250&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2026\/02\/Hoefe-Grundriss.jpg?resize=768%2C641&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 896px) 100vw, 896px\" \/><\/a><\/figure>\n\n\n\n<p>Wir befinden uns hier in Mittelhessen, im Landkreis Marburg-Biedenkopf. Die Anlage befindet sich auf einem Ausl\u00e4ufer des Vogelsbergs, dem Vorderen Vogelsberg und um ganz genau zu sein am Rand des Lumda Plateaus.\u00a0Nach Norden erstreckt sich \u00fcber den Ebsdorfergrund, das Am\u00f6neburger Becken mit dem Vulkankegel von Am\u00f6neburg als n\u00f6rdlichstem Rest des Vogelsbergvulkans.\u00a0\u00a0Im Nordwesten, hinter den Lahnbergen liegt Marburg und nat\u00fcrlich flie\u00dft hier die Lahn, zu der es im Westen einen direkten Zugang gibt. Im Norden schlie\u00dft sich an das Am\u00f6neburger Becken der Burgwald an, wo sich die karolingische Kesterburg befindet.\u00a0<\/p>\n\n\n\n<p>In merowingischer Zeit war die Gegend etwas ab vom Schuss. Zwar finden sich bei Am\u00f6neburg merowingische Reihengr\u00e4ber, sonst aber ist die Gegend relativ Fundarm.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Allgemein war Mittel- und Nordhessen d\u00fcnn besiedelt und noch im 7 Jahrhundert scheinen zumindest verb\u00fcndete des fr\u00e4nkisch dux Radulf von Th\u00fcringen hier das Sagen gehabt zu haben, denn der Merowinger Sigibert III. musste nach einem misslungen Feldzug gegen Radulf hier um Abzug bis hinter den Rhein bitten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Nach 700 wird das Gebiet dann von Franken gezielt in Besitz genommen. Es werden Gro\u00dfburgen wie die Kesterburg im Burgwald angelegt, Fritzlar wird durch Bonifatius in Besitzt genommen. Das Gebiet wird endg\u00fcltig Christianisiert und langsam stehen die Zeichen auf Sachsenkrieg.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Zeit, am Ende des 8. ,vielleicht aber auch Anfang des 9. Jahrhunderts, entsteht am Rand des Ebsdorfergrundes, nach Norden zum Tal, gesch\u00fctzt durch einen Steilhang , eine befestigte milit\u00e4rische Anlage der Karolinger. Die H\u00f6fe.Ihren Namen hat die Anlage \u201cDie H\u00f6fe\u201d von den Untersuchungen, die 1843 stattfanden.\u00a0Man sah in der Doppelrechteckanlage einen gro\u00dfen und einen kleinen Hof des Zw\u00f6lften bis Dreizehnten Jahrhunderts.\u00a0Im 18. Jahrhundert wurde die Anlage noch als Hainborg oder Hoynburg bezeichnet.Ihren wirklichen Namen wei\u00df man nicht, auch wird sie in keiner Quelle erw\u00e4hnt.<\/p>\n\n\n\n<p>1906 wurde die Anlage, als: aus \u201cFr\u00e4nkisch oder Merowingische Zeit\u201d stammend, identifiziert.Ab den 1940er Jahren&nbsp; war es Willi G\u00f6rich, Kustos am Hessischen Landesamt f\u00fcr geschichtliche Landeskunde in Marburg , der besonders in der Siedlungs und Altwegeforschung engagiert war, der sich mit den H\u00f6fen auseinandersetze.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihn war die Anlage das perfekte Beispiel der von ihm postulierten Rechteck Curtis.&nbsp;Ein Hof als Curticula, als Wirtschaftshof, und einer als milit\u00e4rischer St\u00fctzpunkt, die eigentliche Curtis.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Ganze sollte dann als Wegstation, G\u00f6rich nannte es Etappensystem, f\u00fcr die Truppen Karls des Gro\u00dfen ins Sachsengebiet gedient haben. Anhand der Form der Anlage wollte er einen R\u00fcckgriff auf r\u00f6mischen Legionslager erkennen, was ihm wiederum eine Datierung in karolingische Zeit erm\u00f6glichte in dem er sagte: in der karolingischen Renaissance griff man eben auf die r\u00f6mischen Vorbilder zur\u00fcck. Davon ist man jedoch auch schon bald wieder abgekommen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Letztendlich ist es eine karolingische Burg, weiter hinter den Linien der Sachsen, auch wenn die durchaus mal bis an die Lahn vorsto\u00dfen konnten, wie 778 geschehen. Mit Sicherheit hatte sie ihre eigene wirtschaftliche Versorgung, und gleichzeitig diente sie dem Landesausbau,der Besiedelung und dem Schutz der Siedler.<sup id=\"rf1-34218\"><a href=\"#fn1-34218\" title=\"H. Dannenbauer, Freigrafschaft und Freigericht S63\" rel=\"footnote\">1<\/a><\/sup>&nbsp;Sie liegt jedoch abseits der eigentlichen Route nach Sachsen, d\u00fcrfte also in den Sachsenkriegen keine entscheidende Rolle gespielt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Richtig erforscht und ergraben wurde die Anlage dann ab 1974 durch den Leiter der Au\u00dfenstelle Marburg der Abteilung Vor- und Fr\u00fchgeschichte im Landesamt f\u00fcr Denkmalpflege Hessen Dr. Rolf Gensen<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anlage wurde damals, wie heute, von Norden betreten.\u00dcber einen Weg der sich am Steilhang entlang zieht erreicht man das Nordtor. Durch die jahrhunderte lange Nutzung als Wirtschaftsweg sind die Spuren des Tores vergangen. Jedoch sind sind einige Mauerreste sichtbar, die aber aus einer sp\u00e4teren Instandsetzung stammen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Gegensatz zu vielen anderen karolingerzeitlichen Anlagen, die mit Wall Graben und Palisade oder mit vorgeblendeter Trockenmauer gesch\u00fctzt waren, sind es vor allem die hessischen Anlagen, die mit einer Schalenmauer aufwarten konnten. Andernorts trat diese Mauertechnik erst im 10. Jahrhundert auf!<sup id=\"rf2-34218\"><a href=\"#fn2-34218\" title=\" Rainer Atzbach , Die H\u00f6fe bei Ebsdorfergrund Dreihausen und das Ende der Karolingischen Gro\u00dfburgen in Nordhessen in Burgenforschung\u00a0 und Burgendenkmalpflege in Hessen Bd.1 S18 \" rel=\"footnote\">2<\/a><\/sup> Die Mauern, die die H\u00f6fe umgeben sind etwa 1,25 bis zwei Meter stark und aus dem lokalen Basalt gebaut, der Zwischenraum der Schalenmauer wurde mit Steinschutt gef\u00fcllt.<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht so gut wie die Nord und Ostseite der Anlage durch ihren Steilhang gesch\u00fctzt, ist die S\u00fcd und Westflanke, die flach ausl\u00e4uft.&nbsp;Hier wurde die Mauer, mit einem&nbsp; Wall kombiniert und davor&nbsp; ein&nbsp; Graben angelegt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Insgesamt ist die Anlage 2 Hektar gro\u00df, wobei die Unterburg 1,25&nbsp; und die h\u00f6her gelegen Oberburg 0,75 Hektar einnimmt. Die beiden Bereich sind wiederum durch einen Wall voneinander getrennt.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Unterburg ergaben Probebohrungen kaum Befunde, weshalb man von einer gr\u00f6\u00dferen Grabung absah. Es gibt Thesen wonach es hier keine feste Bebauung gegeben haben k\u00f6nnte und die Unterburg vielleicht nur Soldaten als Lagerplatz gedient haben k\u00f6nnte. Da aber bisher nicht gegraben oder aus den Probl\u00f6chern keine weiteren Untersuchungen stattfanden ist die meiner bescheidenen Meinung nach eher fraglich. Andere Anlagen wie die Kesterbrug besa\u00dfen&nbsp; eine dichte Besiedlung, die Anhand von Pfostenl\u00f6cher nachgewiesen werden konnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Vor dem trennenden Wall zur Oberburg konnten einige Vertiefungen ergraben werden, die auch noch heute sichtbar sind. Ihr Zweck ist unbekannt, sie dienten aber nicht als Graben, hatten also keine fortifikatorische Funktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Zugang zur Oberburg wurde durch ein Tor&nbsp; im S\u00fcden des Trennwalls erm\u00f6glicht.&nbsp;Das Tor bestand aus eine versetzen Durchgang , der aber mit einem H\u00f6lzernen Aufbau \u00fcberbaut war. Atzbach bezeichnet es als \u201cKammertor mit gewinkelter Erschlie\u00dfung und Fachwerkaufbau\u201d<sup id=\"rf3-34218\"><a href=\"#fn3-34218\" title=\" Bauforschung 1 S20 \" rel=\"footnote\">3<\/a><\/sup> Dies konnte anhand einer Brandschicht mit Holzkohlesplittern ermittelt werden.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Nordwesten der Anlage, etwa am h\u00f6chsten Punkt, befanden sich&nbsp; aber die&nbsp; eindrucksvollsten Geb\u00e4ude.<\/p>\n\n\n\n<p>An der Westseite konnten zun\u00e4chst zwei Geb\u00e4ude mit einem einfachen Steinernem Fundament , bzw. steinernem Unterbau gefunden werden, ob sie direkt an die Mauer angeschlossen waren, konnte nicht gekl\u00e4rt werde. Die Geb\u00e4ude waren 8,5 bzw. 14m lang und wenn sie denn an die Mauer angeschlossen waren, also der Maximalfall, w\u00e4ren sie&nbsp; etwa 7m Breit gewesen. Sie besa\u00dfen einen Fachwerkaufbau. In der Literatur ist oftmals der Begriff \u201cKasematten\u00e4hnlich\u201d zu finden, was andeutet sie k\u00f6nnten Teil der Befestigung, also der Mauer selbst gewesen sein. Sie k\u00f6nnten den Verteidigern also als Podest gedient haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Etwas Nord-\u00f6stlich davon fand sich der Mauerzug eines weiteren Geb\u00e4udes. Es besa\u00df&nbsp; eine Innenfl\u00e4che 9,80 m x 4,80Metern, die Mauern&nbsp; waren etwa 1,2 bis 1,3m stark.&nbsp;Es&nbsp; waren die Reste eines steinernen, Untergeschosses, bzw. Kellergeschoss. das leicht in den Boden eingetieft war, wobei das Geb\u00e4ude auf dem gewachsenen Basalt aufsa\u00df. Man hatte sich also nicht die M\u00fche gemacht einen Keller ins Gestein zu hauen. Der&nbsp; Eingang in das Untergeschoss erfolgte \u00fcber die Schmalseite im S\u00fcdosten und war ca. 1,6m breit.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im inneren konnten Estrich und Putzreste gefunden werden. Eine Sockelfundament in der L\u00e4ngsachse zeugt von einer wahrscheinlich h\u00f6lzernen S\u00e4ule,&nbsp; die das Obergeschoss trug. Dieses war wohl in Fachwerk&nbsp; ausgef\u00fchrt, wovon Flechtwandreste zeugen die im Bauschutt gefunden wurden. Zudem war dieses Fachwerk als St\u00e4nderbau ausgef\u00fchrt, was sich aus der Art des Fundamentes ergab. Es ist damit der einer der fr\u00fchsten Nachweise eines St\u00e4nderbaus \u00f6stlich des Rheins.&nbsp;<sup id=\"rf4-34218\"><a href=\"#fn4-34218\" title=\" Atzbach Burkenkunde I S22 \" rel=\"footnote\">4<\/a><\/sup> &nbsp;Der Zugang zum Obergeschoss bildete wahrscheinlich eine Treppe von der S\u00fcdseite.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei dem Geb\u00e4ude handelt es sich um den Sitz der F\u00fchrungspers\u00f6nlichkeit der Anlage. Vergleichbar mit dem Saalbau in Pfalzen oder den sp\u00e4teren S\u00e4len auf Burgen.&nbsp; Das \u00fcberraschendste Geb\u00e4ude der Anlage ist jedoch die Kirche, die sich s\u00fcd\u00f6stlich des&nbsp; Kellerraums fand.<\/p>\n\n\n\n<p>Es handelt sich um eine Rundkriche von 6m lichter Weite und 1m Mauerst\u00e4rke mit einer nach Nord-Ost weisenden halbrunden Apsis mit 1,9m l\u00e4nge mal 2,10m breite die etwa 25cm H\u00f6her lag als der Innenraum der Kirche. In der Apsis konnte noch das Fundament des Altars mit 1x1m Gr\u00f6\u00dfe gefunden werden. Die Kirche war sorgf\u00e4ltig verputzt gewesen. In der Apsis fanden sich zahlreiche Funde von bemaltem Verputz. Sie war urspr\u00fcnglich mit Figuren und Scheinarchitektur bemalt gewesen und sie werden als \u201cvon hoher Qualit\u00e4t\u201d bezeichnet.&nbsp; Wahrscheinlich war aber der ganze Innenraum bemalt, wie ein Putzrest von der Ostseite zeigt.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>\u00dcber 1300 Putzreste, ca 8qm,&nbsp; wurden in der Kirche gefunden.<sup id=\"rf5-34218\"><a href=\"#fn5-34218\" title=\" Zu Untersuchungen der Putzreste: Matthias Prei\u00dfler, Neue Forschungen zu Putzfragmenten aus der Rundkirche der Burg H\u00f6fe bei Dreihausen in Hessen Arch\u00e4ologie 2015 S117 \" rel=\"footnote\">5<\/a><\/sup> Sie wurden inzwischen Katalogisiert. Rekonstruktionen von Malerei etwa, liegen aber noch nicht vor.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter dem Altar fand sich im Schutt zus\u00e4tzlich das Fragment einer gr\u00fcnen Porphyrplatte. Dieser Marmor war irgendwann einmal aus Griechenland importiert worden. Wohl aber nicht f\u00fcr diese Kirche, sondern war wohl aus irgendeinem r\u00f6mischen Geb\u00e4ude hier hin geschafft worden. Denkbar w\u00e4re, dass er Teil einer Altarplatte oder vielleicht eines kleinen Reisealtars war.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Rundkirche ist in dieser Region sehr ungew\u00f6hnlich. Nun sind Runde Geb\u00e4ude mit einer irgendwie gearteten religi\u00f6sen Funktion keine Seltenheit. R\u00f6mer und Griechen besa\u00dfen runde Tempel, Im Utrechter Psalter sind Rundzelte zu sehen die von einem Kreuz bekr\u00f6nt sind.&nbsp; Aber in aller Regel waren runde Kirchen zun\u00e4chst einmal Taufkirchen. Abgeleitet von den fr\u00fchchristlichen Baptisterium. Daher wurden sie gerne in eroberten, nichtchristlichen Gebieten eingesetzt.<sup id=\"rf6-34218\"><a href=\"#fn6-34218\" title=\" Sieh&nbsp; auch ((Matthias Untermann, Der Zentralbau im Mittelalter S. 175 \" rel=\"footnote\">6<\/a><\/sup> Sie finden sich etwa in slawischen Gebieten, wie dem Osten Bayerns, in Kroatien bis hin in die Ukraine wo es in ottonischer zeit einen kurzen Versuch gab das westliche Christentum zu etablieren. Das klappte \u00fcbrigens nicht weil die M\u00f6nche um ihr leben f\u00fcchteten und wieder abzogen. Den Job \u00fcbernahm daraufhin Konstantinopel. Runde Kirchen wurden aber auch als Grabkirchen verwendet, wie etwa in Fulda. Das hat nur bedingt mit der \u00c4hnlichkeit zur Grabeskirche in Jerusalem zu tun, sondern eher damit, dass die Aussegnung des Toten quasi das Gegenst\u00fcck zur Taufe ist.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei den H\u00f6fen geht man nun nicht davon aus, dass es sich um eine Taufkirche f\u00fcr die Mission handelt. Man vermutet eher, dass die hier residierende Person sich etwa Aachen zum Vorbild nahm und da ein Oktogon doch etwas komplizierter ist, wurde eine kleine runde Kirche gebaut.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Kombination der Kirche und des unterkellerten Baus am h\u00f6chsten Punkt der Anlage sprechen daf\u00fcr das hier das repr\u00e4sentative Zentrum war, der Herrensitz. Seine Anlage selbst hat dabei Anleihen an die Architektur von Pfalzen<sup id=\"rf7-34218\"><a href=\"#fn7-34218\" title=\" Michael Gottwald et al ,Das Alte Gronauer Schloss &#8211; eine Pfalzartige Befestigung im Salzb\u00f6detal&nbsp; in Hessen Arch\u00e4ologie 2016 S135 \" rel=\"footnote\">7<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Bei einer geoelektrischen Untersuchungen von Teilbereichen der Oberrburg konnte im Jahr 2000 ein weiteres Geb\u00e4ude entdeckt werden, das sich an der Mitte der S\u00fcdseite befand. Leider wurde es bei der Untersuchung nur angeschnitten, sodass hier keine Aussage getroffen werden konnte. Auch eine erneute geoelektrische Untersuchung im Jahr 2005 konnte keine gr\u00f6\u00dferen Erkenntnisse liefern, au\u00dfer das es es vielleicht an der S\u00fcdseite der Oberburg nach dem Tor wohl eine Bebauung gab. Hier ist wieder die Rede von einer \u201cKasemattenartigen\u201d Bebauung. Sonst aber war die Oberburg, was die Geoelektrik angeht, befundfrei. Was wieder die Stellung der gefundenen Geb\u00e4ude noch einmal hervorhebt.<\/p>\n\n\n\n<p>Gensen vermutete zus\u00e4tzlich noch in der Nord\u00f6stlichen Ecke der Oberburg, das ist dort der niedrigste Punkt, eine Zisterne zur Wasserversorgung. Dies konnte bisher nicht best\u00e4tigt werden, was aber auch nicht hei\u00dft das sie nicht doch existiert haben mag.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>S\u00fcdlich au\u00dferhalb der Anlage wurden Gruben entdeckt, die ebenfalls Fundmaterial aus karolingischer Zeit aufwiesen. Gensen&nbsp; schloss daraus das es auch eine Besiedelung au\u00dferhalb der Anlage gab.<sup id=\"rf8-34218\"><a href=\"#fn8-34218\" title=\"Rolf Gensen, &nbsp; Ringwall H\u00f6fe bei Dreihausen in Hessen im Fr\u00fchmittelalter S.250 \" rel=\"footnote\">8<\/a><\/sup> Dies konnte 2000 durch die Geoelektrische Messung best\u00e4tigt werden. Vielleicht waren es&nbsp; Siedler, die im direkten Umfeld den Schutz der Befestigung suchten, vielleicht auch Angeh\u00f6rige der Besatzung. Ganz \u00e4hnlich wie bei einem r\u00f6mischen Kastellvicus.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Vielzahl der Funde, die in den H\u00f6fen gemacht wurden, stammen aus karolingischer Zeit, so fand sich viel, ausgesprochen feine Scherben vom Typ der Badorfer Keramik. Die Keramiken reichen jedoch bis ins elfte , vielleicht sogar Zw\u00f6lfte Jahrhundert. Dabei wurden jedoch nie neue Geb\u00e4ude in den H\u00f6fen errichtet.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Hochmittelalterlichen Keramiken scheinen sich aber in der Oberburg zu konzentrieren. Wahrscheinlich hatte die Anlage ihre Funktion als \u201cGro\u00dfburg\u201d , wie in karolingischer Zeit verloren und nutzte daher nur noch die Oberburg, wobei aber die alten Geb\u00e4ude noch immer ihre Aufgabe erf\u00fcllten.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend sie&nbsp; im 10. Jahrhundert, w\u00e4hrend der Ungarneinf\u00e4lle, sicherlich als Fluchburg diente, k\u00f6nnte die Auflassung der Anlage , vielleicht am Ende des 11. Jahrhunderts,&nbsp; durch die Wirren der Konflikte Heinrichs IV. mit den Sachsen, eingeleitet worden sein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Rainer Atzbach<sup id=\"rf9-34218\"><a href=\"#fn9-34218\" title=\" Burgenforschung Atzbach S 30 \" rel=\"footnote\">9<\/a><\/sup> gibt zu bedenken das um 1120 das salische Reichsgut in der Region, ausgel\u00f6st durch die Konflikte zwischen Heinrich dem F\u00fcnten und dem Mainzer Erzbischof Adalbert, an den Mainzer Erzstift \u00fcbertragen wurde.&nbsp; Ein weiterer Grund k\u00f6nnte das Entstehen der Turmburg \u201cSteinhaus\u201d im Ort Ebsdorf gewesen sein. Die modernere Burg k\u00f6nnte der alten karolingischen Anlage den Rang abgelaufen haben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Wobei zu kl\u00e4ren w\u00e4re warum die Die H\u00f6fe scheinbar niederbrannten, denn in den Bauten fanden sich \u00fcberall Holzkohlereste von Brandspuren.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Immer wieder findet man auch mal f\u00fcr die H\u00f6fe auch die Bezeichnung\u201d Pfalz\u201d. Dies basiert auf drei Urkunden, die 1054, 1057 und 1066 von Heinrich II und Heinrich IV&nbsp; im Ort&nbsp; Ebsdorf selbst gezeichnet wurden, denn dort befand sich ein K\u00f6nigshof.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ein direkter Zusammenhang der k\u00f6niglichen Besuche&nbsp; mit den H\u00f6fen wird heute eher ausgeschlossen auch wenn eine Beziehung von Burg und K\u00f6nigshof in karolingischer Zeit vermutet wird<sup id=\"rf10-34218\"><a href=\"#fn10-34218\" title=\" Die Deutschen&nbsp; K\u00f6nigspfalzen, Band 1, Hessen erste Lieferung, Berstadt &#8211; Eschwege (Anfang)&nbsp; Lemma&nbsp; Ebsdorf II.1 S76&nbsp; \" rel=\"footnote\">10<\/a><\/sup> Atzbach, vermutet die H\u00f6fe k\u00f6nnten vielleicht dennoch als Zwischenstation verwendet worden sein.&nbsp;<sup id=\"rf11-34218\"><a href=\"#fn11-34218\" title=\" Burgenforschung I S29 \" rel=\"footnote\">11<\/a><\/sup>&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie gesagt, sie wird nicht mal irgendwo erw\u00e4hnt und auch sonst treffen keine der \u00fcblichen Definitionen f\u00fcr eine Pfalz,&nbsp; wie sie&nbsp; Zotz, Ehlers und anderen vorgeschlagen, auf die Anlage zu. Sie ist und bleibt eine Burg der Karolingerzeit mit entsprechendem Herrensitz, der aber scheinbar eine herausragende Stellung einnahm.<\/p>\n<hr class=\"footnotes\"><ol class=\"footnotes\" style=\"list-style-type:decimal\"><li id=\"fn1-34218\"><p >H. Dannenbauer, Freigrafschaft und Freigericht S63&nbsp;<a href=\"#rf1-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 1.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn2-34218\"><p > Rainer Atzbach , Die H\u00f6fe bei Ebsdorfergrund Dreihausen und das Ende der Karolingischen Gro\u00dfburgen in Nordhessen in Burgenforschung\u00a0 und Burgendenkmalpflege in Hessen Bd.1 S18 &nbsp;<a href=\"#rf2-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 2.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn3-34218\"><p > Bauforschung 1 S20 &nbsp;<a href=\"#rf3-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 3.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn4-34218\"><p > Atzbach Burkenkunde I S22 &nbsp;<a href=\"#rf4-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 4.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn5-34218\"><p > Zu Untersuchungen der Putzreste: Matthias Prei\u00dfler, Neue Forschungen zu Putzfragmenten aus der Rundkirche der Burg H\u00f6fe bei Dreihausen in Hessen Arch\u00e4ologie 2015 S117 &nbsp;<a href=\"#rf5-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 5.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn6-34218\"><p > Sieh&nbsp; auch ((Matthias Untermann, Der Zentralbau im Mittelalter S. 175 &nbsp;<a href=\"#rf6-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 6.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn7-34218\"><p > Michael Gottwald et al ,Das Alte Gronauer Schloss &#8211; eine Pfalzartige Befestigung im Salzb\u00f6detal&nbsp; in Hessen Arch\u00e4ologie 2016 S135 &nbsp;<a href=\"#rf7-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 7.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn8-34218\"><p >Rolf Gensen, &nbsp; Ringwall H\u00f6fe bei Dreihausen in Hessen im Fr\u00fchmittelalter S.250 &nbsp;<a href=\"#rf8-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 8.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn9-34218\"><p > Burgenforschung Atzbach S 30 &nbsp;<a href=\"#rf9-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 9.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn10-34218\"><p > Die Deutschen&nbsp; K\u00f6nigspfalzen, Band 1, Hessen erste Lieferung, Berstadt &#8211; Eschwege (Anfang)&nbsp; Lemma&nbsp; Ebsdorf II.1 S76&nbsp; &nbsp;<a href=\"#rf10-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 10.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn11-34218\"><p > Burgenforschung I S29 &nbsp;<a href=\"#rf11-34218\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 11.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Derzeit arbeite ich an einigen Videos zu karolingischen Burganlagen und Adels- oder Herrensitzen. 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