{"id":33342,"date":"2023-11-02T17:56:10","date_gmt":"2023-11-02T16:56:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tribur.de\/blog\/?p=33342"},"modified":"2023-11-02T17:56:13","modified_gmt":"2023-11-02T16:56:13","slug":"umhaengetaschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tribur.de\/blog\/2023\/11\/02\/umhaengetaschen\/","title":{"rendered":"Umh\u00e4ngetaschen"},"content":{"rendered":"\n<p>Nach dem ich mich kurz mit den \u201cG\u00fcrteltaschen mit nierenf\u00f6rmigen Klappdeckel\u201d befasst habe, wollte ich mich nochmals mit Umh\u00e4ngetaschen auseinandersetzen. Ausschlaggebend war hier die Aussage&nbsp; Mechtild Schulze D\u00f6rrlamms, die, bezugnehmend auf eine Klappdeckel aus Goldblech vom Schwarzen Meer schrieb:<\/p>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote is-layout-flow wp-block-quote-is-layout-flow\">\n<p><em>Deshalb ist sie (Die Tasche mit goldenem Deckelblech) eine fr\u00fche Vorl\u00e4uferin der mittelbyzantinischen Beuteltaschen mit einem gro\u00dfen, rankenverzierten Klappdeckel aus Edelmetall, die von J\u00e4gern an einem Schulterriemen getragen worden sind (a) und im fr\u00fchen 10. Jahrhundert den vornehmsten Ungarn und Wikingern (b)&nbsp; als Rangabzeichen dienten.<\/em><\/p>\n<\/blockquote>\n\n\n\n<p>Hierzu gibt sie zwei Fu\u00dfnoten an, von mir hier (a) und (b) genannt:<\/p>\n\n\n\n<p>(a) nennt ein Elfenbeinrelief mit David-Szene aus der 1. H\u00e4lfte des 10. Jahrhunderts und einen italienischen Ausstellungskatalog, der diese Abbildung enthalten soll. Zwar habe ich bergeweise Ausstellungskataloge, nur eben keine Italienischen\u2026 Ich denke jedoch, die entsprechende Szene gefunden zu haben. Es sollte sich um den im Museo Nazionale del Palazzo di Venezia Rom, unter der Inventarnummer 1491 aufbewahrten \u201cDavid Casket\u201d handelt. Hier wird die Geschichte Davids erz\u00e4hlt. Auf der R\u00fcckseite gibt es die Szene des Kampfes Davids gegen Goliath und die Anschlie\u00dfende K\u00f6pfung Goliaths. In beiden Szenen tr\u00e4gt David eine Umh\u00e4ngetasche, in der er die Steine seiner Schleuder verwahrt, wie man im zweiten Bild klar sehen kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die K\u00f6pfungsszene scheint am detailreichsten. Hier ist diese Tasche ist nach unten halbrund. Der Rand scheint verst\u00e4rkt, Die Trageriemen scheinen an einer zus\u00e4tzlichen Lasche befestigt. Ein metallener Klappdeckel kann ich aber beim besten Willen nicht ausmachen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>(b) verweist sie auf einen 3cm starken Elfenbeindeckel der im Katalog \u201cDas Reich der Salier\u201d abgebildet ist. Mit seiner Gr\u00f6\u00dfe von 13,5cm x 14,7cm&nbsp; passt dieser in Form und Gr\u00f6\u00dfe in die Kategorie der Tarsoly Taschen (Asgesprochen \u00fcbrigens etwa Tarschoy)&nbsp; der Magyaren, auch wenn sie dies sicherlich nicht war.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grunde sagt Schulze-D\u00f6rrlamm aus der G\u00fcrteltasche, vorallem jene mit einem Metalldeckel, wie sie am Schwarzen Meer&nbsp; gefunden wurde und die byzantinischen Werkst\u00e4tten entstammt, habe sich zum einen die Tarsoly Tasche der Magyaren entwickelt und zum anderen eine \u00e4hnliche Umh\u00e4ngetasche.&nbsp;<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"aligncenter size-full\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Beispiele.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1000\" height=\"551\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Beispiele.jpg?resize=1000%2C551&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-33352\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Beispiele.jpg?w=1000&amp;ssl=1 1000w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Beispiele.jpg?resize=300%2C165&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Beispiele.jpg?resize=768%2C423&amp;ssl=1 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 1000px) 100vw, 1000px\" \/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Die von Schulze-D\u00f6rllamm angesprochenen Beispiele: Links: &#8222;David Casket&#8220;, rechts Elfenbeinplatte\/Tascheplatte byzantino-italisch <\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Der Weg der Tarsoy Tasche&nbsp;<\/h2>\n\n\n\n<p>Eine Taschenplatte einer Tarschoy Tasche findet sich im Katalog von Europas Mitte um 1000&nbsp;<sup id=\"rf1-33342\"><a href=\"#fn1-33342\" title=\" S186 \" rel=\"footnote\">1<\/a><\/sup>. Sie ist mit einem zentralen byzantinischen Kreuz geschm\u00fcckt. Die 13,6cm x 15,6cm go\u00dfe Platte wird laut Katalog auf Grund ihrer Archaischkeit mitunter noch in das 9. Jahrhundert datiert und k\u00f6nnte damit noch im Etelk\u00f6z, grob die Region&nbsp; der s\u00fcdlichen Ukraine und Moldau, entstandensein. Die offizielle Datierung ist die 1. H\u00e4lfte des 10. Jh.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr die Magyaren bedeutet dies , dass sie die Tasche vor 896 kennen gelernt haben m\u00fcssen, dem Beginn der ungarischen Landnahme. Zuvor befanden sich die Verb\u00e4nde u.a. im heutigen Gebiet der s\u00fcdlichen s\u00fcdlichen Ukraine und damit auch im byzantinischen Einflussbereich.<\/p>\n\n\n\n<p>Nun aber zu den Umh\u00e4ngetaschen<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Taschen von Sutton Hoo<\/h2>\n\n\n\n<p>Urspr\u00fcnglich gab es im Sutton Hoo Schiffsbegr\u00e4bnis (ca. 625 )&nbsp; neben der nierenf\u00f6rmigen G\u00fcrteltasche auch drei weitere Taschen. Tasche 1 scheint derart fragmentiert, dass zu ihr keine weiteren Aussagen getroffen werden k\u00f6nnen. Marquita Volken, Quita Mould und Esther Camaron<sup id=\"rf2-33342\"><a href=\"#fn2-33342\" title=\" Marquita Volken, Quita Mould und Esther Camaron,&nbsp; A Reassessment of Leatherwork from Sutton Hoo Ship Burial \" rel=\"footnote\">2<\/a><\/sup> werteten jedoch die original Unterlagen und Fotografien erneut aus und konnten so Aussagen zu Tasche 2 und 3 treffen, die \u00fcbereinander auf einem paar Schuhen im Grab abgelegt worden waren. \u00dcber und unter diesem Lederkonglomerat waren Metallsch\u00fcsseln abgelegt, was den Erhaltungszustand f\u00f6rderte. Unter dem ganzen Paket fanden sich die fragmentierten Reste eines Kettenhemdes.<\/p>\n\n\n\n<p>Die beiden Taschen bestanden demnach aus einem U-f\u00f6rmigen, oben offenen Taschenk\u00f6rper. Auf seiner Vorderseite war am oberen gerade Ende ein l\u00e4ngerer, aber ebenso u-f\u00f6rmiger Deckel befestigt, der die Tasche verschloss. Auf dem Deckel sa\u00df mittig eine Schlie\u00dfe. Ein Riemen war auf der Au\u00dfenseite des u-f\u00f6rmigen Beutels befestigt, der durch einen Schlitz im Deckel durch die Schlie\u00dfe gef\u00fchrt wurde und in einer Riemenzunge auslief.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Am Taschenk\u00f6rper und Deckel war am oberen Ende, links und rechts zwei Schlie\u00dfen angebracht um einen Tragegurt zu befestigen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Deckel von Tasche 2 hatte eine Gr\u00f6\u00dfe von ca. 25cm L\u00e4nge x 15cm Breite, Tasche 3 war etwas kleiner (Ma\u00dfe waren nicht angegeben).<\/p>\n\n\n\n<p>Die \u00dcberl\u00e4nge des Deckels im Verh\u00e4ltnis zum eigentlichen Beutel sorgte daf\u00fcr, dass der Beutel vollgestopft und ausgebeult sein konnte, der Deckel den Beutel aber dennoch auf der ganzen L\u00e4nge bedeckte.<sup id=\"rf3-33342\"><a href=\"#fn3-33342\" title=\" Beschreibung nach Marquita Volken, Quita Mould und Esther Camaron,&nbsp; A Reassessment of Leatherwork from Sutton Hoo Ship Burial \" rel=\"footnote\">3<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Die Tasche von Krefeld-Gellep<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full is-resized\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gellep001.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"546\" height=\"885\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gellep001.jpg?resize=546%2C885&#038;ssl=1\" alt=\"\" class=\"wp-image-33348\" style=\"width:300px\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gellep001.jpg?w=546&amp;ssl=1 546w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Gellep001.jpg?resize=185%2C300&amp;ssl=1 185w\" sizes=\"auto, (max-width: 546px) 100vw, 546px\" \/><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Im Kammergrab 2268 von Krefeld-Gellep (ca. 580-600) fand sich eine auf einem Wagen beigesetzte Frau. Innerhalb eines Bronzekessels fanden sich die gut erhaltenen Reste einer Tasche.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Der eigentliche Beutel des Taschenk\u00f6rpers ist wieder U-f\u00f6rmig mit einer Gr\u00f6\u00dfe von ca. 18 x 17 cm.&nbsp; Am oberen Ende des Beutels ist ein Lederdeckel mit mehreren Nieten befestigt, der die Tasche abdeckte und eine Gr\u00f6\u00dfe von 25,5 x 22,5 cm besitzt. Dieser Deckel ist mit Schlitzungen, F\u00e4den und Paspeln verziert, die in der Mitte eine freie Rechteckige Fl\u00e4che bildet, auf der eine Schnalle sitzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Verschluss der Tasche erfolgte analog zu den Taschen von Sutton Hoo. Wieder war an der U-f\u00f6rmigen Tasche ein Riemen befestigt, der durch eine Schlitzung auf dem Deckel in die Schlie\u00dfe gef\u00fchrt wurde und au\u00dfen auf dem Deckel in einer Riemenzunge auslief.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Ebenso besa\u00df die Tasche wieder zwei Schnallen am oberen Ende, diesmal jedoch nicht direkt mit der Tasche verbunden, sondern am Taschendeckel war ein weiteres kurzes St\u00fcck Riemen mit Beschlagplatte befestigt, an dem die Schnallen angebracht waren. Da sich der Umh\u00e4ngeriemen nicht vollst\u00e4ndig erhalten hatte, waren davon nur noch die Riemenzungen erhalten, die durch die Schlie\u00dfen gesteckt waren.&nbsp;<sup id=\"rf4-33342\"><a href=\"#fn4-33342\" title=\" Beschreibung nach:&nbsp; M.Martin Tasche oder T\u00e4schchen? Zu einem Accessoire der merowingischen Frauentracht \" rel=\"footnote\">4<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Weitere Taschen<\/h2>\n\n\n\n<p>Marquita Volken et. al. nennen weitere Taschen, die nach diesem Schema aufgebaut scheinen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Als Beispiel, bzw. stellvertretend f\u00fcr eine Gruppe von Taschen, nennt sie den Fund von Lich-Steinstra\u00dfe (Kreis D\u00fcren)&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p><sup id=\"rf5-33342\"><a href=\"#fn5-33342\" title=\" (B. P\u00e4ffgen Ausgrabungen, Funde und Befunde 1993 in Bd. 195.1995(1996): Bonner Jahrb\u00fccher S542 \" rel=\"footnote\">5<\/a><\/sup> Jedoch war diese Tasche wahrscheinlich nur mit einem Einzelnen Riemen am G\u00fcrtel befestigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Weiterhin wird Grab 8 von St. Ulrich und Afra in Augsburg genannt. Hier fanden sich mehrere Teile eines durch geflochtenen Leders. Ein Teil des Leders wird als in der Originalpublikation als Teile eines Armbesatzes eines Leinenhemdes\/Leinentunika gedeutet, der andere durchflochetene Besatz der sich daneben befand als Teil des Stulpen eines Handschuhs, da zwei solche Bes\u00e4tze \u00fcbereinander an einem \u00c4rmel keinen Sinn ergeben.<sup id=\"rf6-33342\"><a href=\"#fn6-33342\" title=\" nach J.Werner&nbsp; Die Ausgrabungen von St. Ulrich und Afra \" rel=\"footnote\">6<\/a><\/sup> Volken schl\u00e4gt vor das diese durchflochtene Verzierung Teil eines Taschendeckels war und ein St\u00fcck Leder mit halbrunder Biegung Teil des Taschenk\u00f6rpers.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Zur Aufh\u00e4ngung der Taschen am Riemen mittels zweier Schlie\u00dfen<\/h2>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Harley.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"281\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2023\/11\/Harley.jpg?resize=200%2C281&#038;ssl=1\" alt=\"Abbildung Harley Psalter\" class=\"wp-image-33350\"\/><\/a><figcaption class=\"wp-element-caption\">Tasche aus dem Harley Psalter<\/figcaption><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p>Die Tasche von Krefeld Gellep und Sutton Hoo besa\u00dfen zwei Schlie\u00dfen die die Tasche mit einem Schulterriemen mit zwei G\u00fcrtelzungen verband. Die Schlie\u00dfen legen nahe das eine L\u00e4ngenverstellung des Schulterriemens \u00fcber diese Schlie\u00dfen erfolgte, nicht wie heute \u00fcber eine einzelne Schlie\u00dfe oder einen Schieber. Vorteil ist das der Riemen ohne weitere Probleme gewechselt werden kann.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch auf dem Elfenbeinrelief mit David-Szene aus der 1. H\u00e4lfte des 10. Jahrhunderts w\u00e4re diese M\u00f6glichkeit gegeben, wenn dann die Verdickungen am unteren Teil des Riemens Schlie\u00dfen darstellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sicher ist jedoch das diese Art der Befestigung der Taschen am Riemen nicht nur eine Sache der Merowingerzeit ist. Auch im Harley Psalter , einer Kopie des Utrechter Psalters aus dem 11. Jahrhundert ist eine U-f\u00f6rmige Tasche, jedoch mit kleinerem Taschendeckel zu sehen, deren Riemen mittels 2 Schlie\u00dfen an der Tasche befestigt ist. (Harley Psalter f.66v ). Auf dem Gegenst\u00fcck des Utrechter Psalters auf f.65v ist aber nur eine u-f\u00f6rmige Tasche zu sehen. Details bleiben verborgen.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einschub: Ein unvergleichliches Reliquiar<\/h2>\n\n\n\n<p>Das Hildesheimer Marienreliquiar, dessen Aussehen von Wikipedia als \u201c eigent\u00fcmliche halbkreisartige, nach unten ge\u00f6ffnete Form der Kapsel  ohne Vorbilder\u201d bezeichnet. K\u00f6nnte tats\u00e4chlich einfach auf dem Kopf stehen. Umgedreht k\u00f6nnte sie eine U-f\u00f6rmige Tasche darstellen.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Das Reliquiar konnte urspr\u00fcnglich auch um den Hals getragen werden, jedoch sind die Befestigungen daf\u00fcr, ebenso wie der Originaldeckel von dem man annimmt es war ein Schiebedeckel, l\u00e4ngst verschwunden.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Damentasche am G\u00fcrtel<\/h2>\n\n\n\n<p>Diese Taschen sind auch auf der Sion Pyxis zu vermuten, bei der zwei Frauen am leeren Grab Christi stehen und mit Taschen oder Beh\u00e4ltnissen in der Hand abgebildet sind. Manuela Studaer-Karlen nennt jedoch als M\u00f6glichkeit diese Objekte als eine an einer Kette befestigtes Weihrauchgef\u00e4\u00df<sup id=\"rf7-33342\"><a href=\"#fn7-33342\" title=\" M. Studer-Karlen, Zur sp\u00e4tantiken Elfenbeinbyxis ins Sion in Boreas &#8211; M\u00fcnstersche Beitr\u00e4ge zur Arch\u00e4ologie Band 33 2010&nbsp; S50 \" rel=\"footnote\">7<\/a><\/sup><\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Einschub\/Anmerkung zu den merowingischen Damentaschen<\/h2>\n\n\n\n<p>Das von mir f\u00fcr die Beschreibung der Tasche von Krefeld-Gellep verwendete Paper von Max Martin befasst sich eigentlich unter dem Titel \u201cTasche oder oder T\u00e4schchen? Zu einem Accessoire der merowingischen Frauentracht\u201d mit den Beschl\u00e4gen auf merowingischen Frauentaschen, \u00e4hnlich denen von Lich-Steinstra\u00dfe (Kr. D\u00fcren). Ihm fiel auf das diese Beschl\u00e4ge, meist mit vier Winkeln,&nbsp; immer eine Gr\u00f6\u00dfe von 14 -13cm H\u00f6he und 11,5 &#8211; 12,5 cm bilden &#8211; definiert durch die Lage der Winkel. Diese Fl\u00e4che deckt sich in der Gr\u00f6\u00dfe mit der Freifl\u00e4che, die die Tasche von Krefeld-Gellep in ihrem Zentrum bildet. Er stellt daher die Frage ob es nicht kleine T\u00e4schchen waren ware, sondern gro\u00dfe Taschen mit der Gr\u00f6\u00dfe der Tasche von Krefeld-Gellep, was bisher nicht festgestellt werden konnte , da sich bei diesen kein Leder erhalten hatte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><strong>Tarsoly<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Der Hauptunterschied zwischen den Tarsoly und den oben genannten Taschenmodellen stellt der Verschluss der Tasche dar. So sind bei den Tarsoly drei Verschlussm\u00f6glichkeiten auszumachen:<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\">\n<li>In dem Deckel befindet sich ein Durchbruch. In dieser \u00d6ffnung befindet sich ein Riemendurchzug der auf der darunterliegenden, eigentlichen Tasche befestigt ist. \u00dcber die Vorderseite der Tasche l\u00e4uft ein Riemen, der durch den Durchzug gesteckt wird und so die Tasche verschlie\u00dft. ( Beispiel: Kryukovo Kuznoye Grab 256, Martan-Chu, Gnezdovo C160, Birka Bj93 )<\/li>\n\n\n\n<li>Grundaufbau identisch wie 1. jedoch befindet sich auf der eigentlichen Tasche kein Durchzug, sondern ein Haken der den Deckel festh\u00e4lt. ( nur Birka Bj716 ) Stellt diese vielleicht Flickwerk nach Verlust des Durchzugs dar?&nbsp;<\/li>\n\n\n\n<li>Wahrscheinlich kam diese L\u00f6sung bei allen Taschen mit massiven, aufgesetzten Metalldeckeln zum Zug. Auf der R\u00fcckseite der Tasche verl\u00e4uft ein Riemen nach unten und endet in einer Schlie\u00dfe. Aus dem Leder des Deckels lauft ein Riemen, der nun durch die Schlie\u00dfe gef\u00fchrt werden kann und die Tasche verschlie\u00dft. Auf diesem Riemen ist zus\u00e4tzlich ein weiter Riemen aufgenietet, der auf der Schauseite den Eindruck erweckt, locker nach unten zu h\u00e4ngen. Er l\u00e4uft in einer Riemenzunge aus. (Beispiel Panovo Grab 2 )<\/li>\n<\/ol>\n\n\n\n<p>H\u00e4ufig sieht man bei Tarsoly Taschen, die man fertig kaufen kann, zwei G\u00fcrtelschlaufen. Dies ist falsch. Bei den erhaltenen G\u00fcrtelschlaufen ist immer nur eine , recht schmale Schlaufe mittig vorhanden, etwa bei Panovo, oder Martan-Chu.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Dies haben die Tarsoly mit den scheinbar mit einigen Damentaschen und wahrscheinlich auch mit einigen G\u00fcrteltaschen der Herren der Merowingerzeit gemein.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Eine im tschetschenischen Dorf Martan-Chu gefundene Tarsoly ist fast vollst\u00e4ndig erhalten. Sie scheint im Aufbau den oben genannten Taschen \u00e4hnlich.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Eine byzantinische Arzttasche<\/h2>\n\n\n\n<p>Durch Zufall stie\u00df ich auf einen Blogeintrag bei <a href=\"https:\/\/nautahistoriae.com\/2021\/08\/19\/romer-und-taschen\/\">https:\/\/nautahistoriae.com\/2021\/08\/19\/romer-und-taschen\/<\/a> . Dort wurde auf Abbildungen der Heiligen Cosmas und Damian hingewiesen. Die zwei Heiligen sind in Byzanz sehr beliebt. Sie werden gerne mit einer \u201cArzttasche\u201d abgebildet. Kurzgesagt eine trapezf\u00f6rmige Tasche mit dreieckigem Deckel. Dies soll in diesem Zusammenhang kurz erw\u00e4hnt sein. <\/p>\n<hr class=\"footnotes\"><ol class=\"footnotes\" style=\"list-style-type:decimal\"><li id=\"fn1-33342\"><p > S186 &nbsp;<a href=\"#rf1-33342\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 1.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn2-33342\"><p > Marquita Volken, Quita Mould und Esther Camaron,&nbsp; A Reassessment of Leatherwork from Sutton Hoo Ship Burial &nbsp;<a href=\"#rf2-33342\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 2.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn3-33342\"><p > Beschreibung nach Marquita Volken, Quita Mould und Esther Camaron,&nbsp; A Reassessment of Leatherwork from Sutton Hoo Ship Burial &nbsp;<a href=\"#rf3-33342\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 3.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn4-33342\"><p > Beschreibung nach:&nbsp; M.Martin Tasche oder T\u00e4schchen? Zu einem Accessoire der merowingischen Frauentracht &nbsp;<a href=\"#rf4-33342\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 4.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn5-33342\"><p > (B. P\u00e4ffgen Ausgrabungen, Funde und Befunde 1993 in Bd. 195.1995(1996): Bonner Jahrb\u00fccher S542 &nbsp;<a href=\"#rf5-33342\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 5.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn6-33342\"><p > nach J.Werner&nbsp; Die Ausgrabungen von St. Ulrich und Afra &nbsp;<a href=\"#rf6-33342\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 6.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn7-33342\"><p > M. Studer-Karlen, Zur sp\u00e4tantiken Elfenbeinbyxis ins Sion in Boreas &#8211; M\u00fcnstersche Beitr\u00e4ge zur Arch\u00e4ologie Band 33 2010&nbsp; S50 &nbsp;<a href=\"#rf7-33342\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 7.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nach dem ich mich kurz mit den \u201cG\u00fcrteltaschen mit nierenf\u00f6rmigen Klappdeckel\u201d befasst habe, wollte ich mich nochmals mit Umh\u00e4ngetaschen auseinandersetzen. 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