{"id":28739,"date":"2017-02-21T11:29:03","date_gmt":"2017-02-21T10:29:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tribur.de\/blog\/?p=28739"},"modified":"2020-09-28T18:52:12","modified_gmt":"2020-09-28T17:52:12","slug":"die-heilige-lanze-in-wien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tribur.de\/blog\/2017\/02\/21\/die-heilige-lanze-in-wien\/","title":{"rendered":"Die heilige Lanze in Wien"},"content":{"rendered":"<p><strong>  Vorwort:<\/strong><br \/>\nWer aufmerksam war, dem fiel auf das ich nie direkt \u00fcber die Wiener Heilige Lanze geschrieben habe und sie immer nur in Teilen erw\u00e4hnte.<br \/>\nDies hat mehre Gr\u00fcnde. Zum einen fand ich keinen entsprechenden Artikel den ich als Basis verwenden konnte und der mir genug Informationen und Denkanst\u00f6\u00dfe lieferte. Zum Anderen, und das ist f\u00fcr mich schwerwiegender, gibt es viel zu viele mystifizierende Geschichten wobei die Br\u00fccke von Longinus zum Ewigen Wanderer und weiter zum <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ewiger_Jude\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Ewigen Juden<\/a>&nbsp;nur der Gipfel des Eisbergs ist. Nicht zu vergessen unendlich furchtbare Dokus, von denen ich neulich wieder eine sah.<\/p>\n<p>Aber auch gerade das sollte ein Grund f\u00fcr mich sein das Thema nun auf das wesentliche runterzubrechen. Vor kurzem fand ich nun einen Aufsatz von Mechthild Schulze-D\u00f6rrlamm der mir hier als Basis dient und ich zusammenfassen werde, aber auch erg\u00e4nzen und Gegenfragen stelle. Den Aufsatz selbst verlinke ich am Ende des Posts.<\/p>\n<div id=\"attachment_28749\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/HeiligeLanze.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-28749\" class=\"size-full wp-image-28749\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/HeiligeLanze.jpg?resize=200%2C1132&#038;ssl=1\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"1132\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/HeiligeLanze.jpg?w=200&amp;ssl=1 200w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/HeiligeLanze.jpg?resize=53%2C300&amp;ssl=1 53w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/02\/HeiligeLanze.jpg?resize=181%2C1024&amp;ssl=1 181w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-28749\" class=\"wp-caption-text\">Rekonstruktionsversuch der urspr\u00fcnglichen Heiligen Lanze<\/p><\/div>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><br \/>\nDie Heilige Lanze aus den heute in Wien aufbewahrten Reichskleinodien ist wahrscheinlich am st\u00e4rksten mystifizierte Objekt der Selbigen. Dabei ist das Objekt weder gro\u00dfartig mystisch, noch ein Einzelst\u00fcck unter der Vielzahl heiliger Lanzen.<\/p>\n<p><strong>Chronologie der sogenannten Heiligen Lanze der Wiener Reichskleinodien<\/strong><br \/>\nErstmals begegnet uns die Lanze im Jahr 926 als K\u00f6nig Heinrich I. sie in Worms von Rudolf II. K\u00f6nig von Hochburgund und zu dieser Zeit auch K\u00f6nig von Italien erhielt. &nbsp;Dieser hatte sie h\u00f6chst wahrscheinlich als Herrschaftszeichen vom norditalienischen Grafen Samson zum Regierungsantritt in Italien bekommen.<\/p>\n<p>Heinrich I. schrieb seinen Sieg gegen die Ungarn in Riade am Longinustag 933 der Lanze zu. &nbsp;Otto I. f\u00fchrte die Lanze 939 gegen Aufst\u00e4ndige und 955 auf der Schlacht beim Lechfeld mit sich. Als Otto III. 999\/1000 in Polen verweilte erhielt Boleslaw Chrobry eine Kopie der Lanze in der ein Partikel des echten Kreunagels eingearbeitet worden sein soll. Otto III. lies die lanze auch auf dem weg nach Rom zur Kaiserkr\u00f6nung vorweg tragen. Bei der Kr\u00f6nung Heinrichs II. in Mainz wurde sie zur Kr\u00f6nung verwendet, da die Reichskrone im Besitzt der Gegner Heinrichs war.<\/p>\n<p>Unter Konrad II. wurde die Heilige Lanze den \u00f6ffentlichen Blicken Entzogen &nbsp;und wurde nun im Querbalken des neu angefertigten Reichskreuzes verwahrt.<\/p>\n<p><strong>Die Lanze und ihre Ver\u00e4nderungen<\/strong><br \/>\nBei der Lanze selbst handelt es sich um eine typische karolingische Fl\u00fcgellanze des Typ II nach Westphal die in das sp\u00e4te 8.\/ fr\u00fche 9. Jahrhundert datieren sollte. Ihre einzige&nbsp;Verzierung ist eine Furchenzier an der T\u00fclle. &nbsp;Sie ist aus einfachem Eisen geschmiedet und besitzt Schlackeeinschlu\u00dfe und Verunreinigungen, welche sp\u00e4ter auch zum Bruch f\u00fchrten. Auch weist das Blatt&nbsp;keinerlei Spuren einer Damaszierung auf. Es ist somit ein eher gew\u00f6hnliches St\u00fcck. Ihre Bedeutung kann daher nicht aus ihrer Wertigkeit abgeleitet werden.<\/p>\n<p>Da das Lanzenblatt keinerlei Spuren von Scharten oder \u00e4hnliches aufweist, d\u00fcrfte sie nie im Kampf eingesetzt worden sein, sondern sollte von Anfang an als Fahnenlanze fungiert haben, so Mechthild Schulze-D\u00f6rlamm im Verweis auf &nbsp;Mehofer\/Leusch\/B\u00fchler.<sup id=\"rf1-28739\"><a href=\"#fn1-28739\" title=\" Szameit 2005, 162. \u2013 Mehofer \/ Leusch \/ B\u00fchler 2005, 181. \u2013 Zu&lt;br \/&gt;\nden fr\u00fchmittelalterlichen Fahnenlanzen \" rel=\"footnote\">1<\/a><\/sup><br \/>\nSchulze-D\u00f6rlamm versucht nun auf Grund dieser Informationen die Herkunft der Lanze zu er\u00f6rtern. Eine K\u00f6nigslanze Karls des Gro\u00dfen schlie\u00dft sie auf Grund der minderen Qualit\u00e4t aus, ebenso scheidet eine Lanze aus die Karl vom Patriarchen von Jerusalem im Jahr 800 zugesandt bekam, da eine Lanze aus dem Kalifat der Abasiden eben keine fr\u00e4nkisch\/karolingische Fl\u00fcgellanze ist.<br \/>\nIhre Vermutung ist daher das es sich bei der Lanzenspitze urspr\u00fcnglich um jene Lanze handeln k\u00f6nnte an der das p\u00e4pstliche Banner befestigt war das Karl erhielt und dessen Abbildung im Tricliniumsmosaik im Lateran zu sehen war. Ich h\u00e4tte an dieser Stelle noch erg\u00e4nzend das Vexillum des hl. Martin anzubieten, wobei hier wohl auch eine bessere Ausf\u00fchrung zu vermuten w\u00e4re.<\/p>\n<p>Schon bald danach wurde die einfache Lanzenspitze optisch ver\u00e4ndert und aufgewertet. Dazu stemmte man aus dem Lanzenblatt einen spitzovalen Teil aus. Hierbei brach erstmalig das Lanzenblatt an der rechten Seite. Der Bruch konnte jedoch durch ein aufgeschweistes Metallband kaschiert werden und ist nur durch eine dunklere Stelle am Blatt zu erkennen. &nbsp;Er steht \u00fcbrigens in keinem Zusammenhang mit dem kompletten Bruch des Blattes der sp\u00e4ter das Anbringen der Manschette n\u00f6tig machte.<br \/>\nIn die Ausparung des Lanzenblattes wurde nun ein Knebelstift eingepasst. Dieser war passgenau eingef\u00fcgt, so dass er keinerlei Halterung, wie die sp\u00e4teren Silberdr\u00e4hte, bedurfte. (Ich k\u00f6nnte mir vorstellen das das Lanzenblatt dabei erhitzt wurde, so dass das Metall sich ausdehnte und anschlie\u00dfend der kalte Knebelstift eingesetzt wurde. Beim abk\u00fchlen klemmte dieser nun fest.)<br \/>\nDer Knebelstift selbst bestand urspr\u00fcnglich aus 2 Lanzettenf\u00f6rmigen Spitzen, von denen heute nur die Obere erhalten ist. In der Mitte ist der Knebel durch drei kreuzf\u00f6rmige, mit Messing tauschierten Kreuzen verzierte , Verdickungen die selbst als Kreuze angesehen werden geschm\u00fcckt. In diese Verdickung ist seitlich eine Nut eingef\u00fcgt in der wiederum ein Metallst\u00fcck sitzt, welches zwischen kreuzf\u00f6rmiger Verdickung und Metallst\u00fcck insgesamt 4 halbmondf\u00f6rmige Freir\u00e4ume l\u00e4sst. (Zu diesen hat Schulze-D\u00f6rrlamm eine interessante Idee, doch dazu &nbsp;sp\u00e4ter mehr)<br \/>\nIm unteren Bereich, zwischen Fl\u00fcgeln und eigentlichem Blatt, wurden zwei d\u00fcnne Klingen angebracht. Sie waren nicht mit Silberdr\u00e4hten, sondern mit Lederriemen befestigt, von denen der obere Teil erhalten blieb, da der&nbsp;Bereich sp\u00e4ter durch die Manschette \u00fcberdeckt wurde.<br \/>\nDie Klingen sind im Gegensatz zum Lanzenblatt schartig.<br \/>\nDie verbreiterte T\u00fclle war zu diesem Zeitpunkt noch nicht existent.<\/p>\n<p><strong>Die Ver\u00e4nderungen und ihre m\u00f6glichen Bedeutungen<\/strong><br \/>\nIch m\u00f6chte an dieser Stelle bei den angef\u00fcgten unteren Klingenbl\u00e4ttern beginnen um mich dann noch oben vorzuarbeiten.<br \/>\nErst einmal verwundert Schulze-D\u00f6rrlamm zu recht das die Klingenbl\u00e4tter nur mit Riemen an der Lanze befestigt sind. W\u00e4re es doch einem versierten Schmied ein leichtes gewesen diese zu verl\u00f6ten oder sogar anzuschwei\u00dfen. Schulze-D\u00f6rlamm vermutet daher das die Bl\u00e4tter nicht in direktem Zusammenhang mit der Lanze stehen und man die Lanze, der man bereits eine gewisse Bedeutung beima\u00df, nicht als solches dauerhaft ver\u00e4ndern wollte, sondern nur eine bestimmte Optik zu erzielen suchte.<br \/>\nZur Herkunft der Klingenbl\u00e4tter kann leider keine konkrete Auskunft gegeben werden, dennoch werden einige Varianten aufgez\u00e4hlt: Messer des 7. od. 8. Jahrhunderts denen man zuschrieb die Messer gewesen zu sein mit denen das Gewand Jesu zerteilt wurde, Teile eines r\u00f6mischen Lanzenblattes, im speziellen Fall Teile der im Liber Pontificalis erw\u00e4hnten romphaea victoriae bezeichneten Lanze , die Papst Hadrian Karl 774 im Rom schenkte. Oder aber eben nichts der gleichen sondern nur der bereits erw\u00e4hnte Versuche der Lanze eine bestimmte Optik zu geben.<br \/>\nMich verwundert bei alledem jedoch die Schartigkeit der beiden Klingen, die Schulze-D\u00f6rrlamm lediglich der d\u00fcnneren Ausf\u00fchrung zuschreibt. Die Scharten w\u00e4ren dann lediglich entstanden weil irgendjemand Beispielsweise die Lanze zu heftig irgendwo anlehnte. Etwas das mir sehr fragw\u00fcrdig erscheint. Ich denke daher schon das die Klingen als solches eine Gewisse Bedeutung hatten, die \u00fcber eine reine optische Funktion hinaus gingen.<\/p>\n<p>Nun m\u00f6chte ich zum Knebelstift \u00fcbergehen. Dieser wird ja mitunter (gerne in den Eingangs erw\u00e4hnten Dokus) als Kreuznagel gedeutet. Hier wiederspricht Schulze-D\u00f6rlamm. Gibt es doch einen ganzen Haufen anderer vermeintlicher Kreuzn\u00e4gel die wirklich nach Nagel aussehen<sup id=\"rf2-28739\"><a href=\"#fn2-28739\" title=\" Schulze-D\u00f6rrlamm schrieb dazu selbst zur Byzanzaustellung des RGZM den Aufsatz &#8222;Heilige N\u00e4gel und heilige Lanzen&#8220;,&lt;a href=&quot;https:\/\/www.academia.edu\/2179729\/Heilige_N%C3%A4gel_und_heilige_Lanzen._In_F._Daim_u._J._Drauschke_Hrsg._Byzanz_Das_R%C3%B6merreich_im_Mittelalter._Monographien_RGZM_84_1_Mainz_2010_97&lt;_171&quot; target=&quot;_blank&quot; rel=&quot;noopener noreferrer&quot;&gt; online hier&lt;\/a&gt; \" rel=\"footnote\">2<\/a><\/sup> &nbsp;Vielmehr sieht sie zwei parallele Funktionen. Zum einen sind stilisierte &nbsp;3 N\u00e4gel gleichzeitig aus verschiedenen Perspektiven zu sehen. &nbsp;Die mit messingtauschierten Kreuzen verzierten Verdickungen, von Schulze-D\u00f6rlamm als gleicharmige Kreuze bezeichnet, stellen demnach die Nagelk\u00f6pfe dar. Den mittlersten Nagel sieht man also von oben. Die obere und untere Verdickung &nbsp;mit dem jeweiligen Dorn nach oben und unten stellen somit stilisierte N\u00e4gel in Seitenansicht dar. &nbsp;Die Eigentliche Nagelreliquie sieht sie nicht in den Tauschierungen selbst, sondern in den Verdickten Teilen selbst, die durch das Eisenst\u00fcck in den Nuten zusammegefasst werden. Die Tauschierungen, 3 auf der Verdickung und 2 auf den Fl\u00fcgeln der Lanze in Form von Andreaskreuzen deutet sie mehr als Symbole der Passion Christi (Wie in der sp\u00e4teren Kunst auch die Marterwerkzeuge)<\/p>\n<p>Aus diesem St\u00fcck zieht Mechthild Schulze-D\u00f6rlamm auch ihre Datierung der Umarbeitung. Sie verweist dazu auf die \u00c4hnlichkeit des Mittelteils mit den drei gleicharmigen Kreuzen auf die \u00c4hnlichkeit zu &nbsp;karolingischen Gleicharmfibeln vom Typ Destelbergen, welche ebenfalls mit drei gleicharmigen Kreuzen verziert sind, als auch zur Knopfriemenzunge aus Karlsburg. Demnach sollte die Ver\u00e4nderung im Bereich zwischen Rhein und Mosel entstanden sein, wobei sie hier auch durchaus an die Pfalz Aachen denkt.<\/p>\n<p>Nun zu der oben bereits angesprochenen Besonderheit der sichelf\u00f6rmigen Freir\u00e4umen zwischen &#8222;Nagelk\u00f6pfen&#8220; und dem in den Nuten eingef\u00fcgte Metallst\u00fcck. &nbsp;Schulze-D\u00f6rlamm stellt die Frage ob die sichelf\u00f6rmigen \u00d6ffnungen in dem passgenau eingeklemmten Knebelstifft nicht den Sinn hatten vielleicht ein pfeifendes Ger\u00e4usch zu erzeugen. Dies k\u00f6nne man nur mit einer genauen replik pr\u00fcfen, so schreibt sie.<\/p>\n<p>Was nun noch fehlt ist warum die Klingen angef\u00fcgt wurden bzw. welche Optik damit erreicht werden sollte. &nbsp;Ich finde die Therie von Frau Mechthild Schulze-D\u00f6rlamm etwas weit hergeholt, aber dennoch ist sie auf jeden Fall einen Gedanken wert. Zumal sie mir durchaus gef\u00e4llt, weil sie um die Ecke denkt.<\/p>\n<p>Ihrer Meinung nach sollte, wie bereits angedeutet, &nbsp;durch Hinzuf\u00fcgung der Klingen das Lanzenblatt eine geschweifte Optik erhalten. &nbsp;Ihr f\u00e4llt dabei auf, das die Fl\u00fcgel der Lanze wie das Parier eines Schwertes oder Dolches wirken.<\/p>\n<p>Nun denkt sie dabei an die <em>Lancea Domini<\/em>, die im 6. Jahrhundert von Pilgern in der Jerusalemer Grabeskirche gesehen wurde und 614 angeblich durch den Kommandanten der kaiserlichen Garde Patrikios Niketas vor den Persern nach Konstantinopel gerettet wurde. Im 7. Jahrhundert sah Bischof Arculf diese dem Longinus&nbsp;zugeschriebene Lanze und beschreibt das diese eine gespaltene T\u00fclle besessen habe. Mit einer gespaltenen T\u00fclle w\u00e4re sie aber weder byzantinisch, noch r\u00f6misch, geschweige denn fr\u00e4nkisch. 1201 , nur kurz vor ihrem Verschwinden im Jahr 1204, als das Kreuzzugsheer in Konstantinopel einf\u00e4llt, beschreibt der Diakon Nikolaos Mesarites die<em> Lancea Domini<\/em> erneut und beschreibt sie in Form eines zweischneidigen Schwertes , welches in Form eines Kreuzes gestaltet sei und zudem blutunterlaufen wirke. &nbsp;Hieraus schlie\u00dft Schulze-D\u00f6rrlamm, dieses Objekt habe aus H\u00e4matit bestehen k\u00f6nnen, welches bei der Zerst\u00f6rung der Grabeskirche gro\u00dfer Hitze, sprich Feuer ausgesetzt gewesen war, bevor sie wie &#8222;ein arch\u00e4ologischer Bodenfund&#8220; aus der Erde gezogen wurde. Schulze-D\u00f6rlamm vermutet nun das diese Lancea Domini, die \u00fcbrigens nicht identisch sein kann mit jener die &nbsp;in der Loggia der hl. Veronika &nbsp;im Vierungspfeiler des Petersdoms verwahrt wird, da diese ins 11. Jahrhundert zu datieren sei, nichts anderes ist als ein r\u00f6mischer Pugio mit zweischaligem Griff. Dieser zweischalige Griff wurde in der Beschreibung des Bischof Arculf eben zu einer gespaltenen T\u00fclle.<\/p>\n<p>Demnach h\u00e4tte man mit der Umarbeitung der heute in Wien verwahrten Heiligen Lanze versucht die Optik der in Konstantinopel verwahrten Lancea Domini zu imitieren. Womit wir wieder genau beim Bestreben der Franken w\u00e4ren&nbsp;mit den Byzantinern gleich zu ziehen!<\/p>\n<p>Und das finde ich nun mal wirklich super witzig! Eine m\u00f6glicherweise pfeifende Heilige Lanze, die auch nur die Kopie einer weiteren heiligen Lanze ist, die in Wirklichkeit ein r\u00f6mischer Dolch ist!<\/p>\n<ul>\n<li>Als Quelle diente: Die Heilige Lanze in Wien. Die Fr\u00fchgeschichte des karolingisch-ottonischen Herrschaftszeichens aus arch\u00e4ologischer Sicht, Jahrb. RGZM 58, 2011 (2012) 707-742. <a href=\"https:\/\/www.academia.edu\/3268186\/Die_Heilige_Lanze_in_Wien._Die_Fr%C3%BChgeschichte_des_karolingisch-ottonischen_Herrschaftszeichens_aus_arch%C3%A4ologischer_Sicht_Jahrb._RGZM_58_2011_2012_707-742\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">findet sich hier<\/a><\/li>\n<\/ul>\n<hr class=\"footnotes\"><ol class=\"footnotes\" style=\"list-style-type:decimal\"><li id=\"fn1-28739\"><p > Szameit 2005, 162. \u2013 Mehofer \/ Leusch \/ B\u00fchler 2005, 181. \u2013 Zu<br \/>\nden fr\u00fchmittelalterlichen Fahnenlanzen &nbsp;<a href=\"#rf1-28739\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 1.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><li id=\"fn2-28739\"><p > Schulze-D\u00f6rrlamm schrieb dazu selbst zur Byzanzaustellung des RGZM den Aufsatz &#8222;Heilige N\u00e4gel und heilige Lanzen&#8220;,&lt;a href=&quot;https:\/\/www.academia.edu\/2179729\/Heilige_N%C3%A4gel_und_heilige_Lanzen._In_F._Daim_u._J._Drauschke_Hrsg._Byzanz_Das_R%C3%B6merreich_im_Mittelalter._Monographien_RGZM_84_1_Mainz_2010_97 online hier<\/a> &nbsp;<a href=\"#rf2-28739\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 2.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vorwort: Wer aufmerksam war, dem fiel auf das ich nie direkt \u00fcber die Wiener Heilige Lanze geschrieben habe und sie immer nur in Teilen erw\u00e4hnte. 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