{"id":27052,"date":"2014-09-22T17:34:58","date_gmt":"2014-09-22T15:34:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tribur.de\/blog\/?p=27052"},"modified":"2014-09-22T17:34:58","modified_gmt":"2014-09-22T15:34:58","slug":"st-georg-reichenau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tribur.de\/blog\/2014\/09\/22\/st-georg-reichenau\/","title":{"rendered":"St. Georg Reichenau"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/georg.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-27104\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/georg.jpg?resize=250%2C295&#038;ssl=1\" alt=\"georg\" width=\"250\" height=\"295\" \/><\/a>Die wohl bekannteste Kirche der Insel Reichenau ist die St. Georgskirche.<br \/>\nDer St. Gallener M\u00f6nch Notker berichtet uns das Abt Hatto III. von der Reichenau, auch Bischof von Mainz, St. Georgs Reliquien aus Rom mitbrachte und daf\u00fcr ein neues Kloster Schuf. Zwar ist die genaue Jahreszahl nicht \u00fcberliefert, es gilt jedoch sicher das dies im Zusammenhang mit Arnulfs Kaiserkr\u00f6nung 896 zu sehen ist.<sup id=\"rf1-27052\"><a href=\"#fn1-27052\" title=\"D\u00f6rthe Jakobs Die Wandmalereien von St. Georg in Reichenau-Oberzell in Wandmalereien des fr\u00fchen Mittelalters S.163 \" rel=\"footnote\">1<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Eine weitere Auskunft zur Datierung der St. Georgs Kirche tr\u00e4gt eine Notiz des Z\u00fcrcher Martyriologium bei, in dem die Weihe als &#8222;Hathozelle&#8220; f\u00fcr einen 18. November , der Octtavia Martini, verzeichnet. Der Name Hathozelle und das Datum mit Bezug zum Heiligen Martin f\u00fchren wiederum nach Mainz und zu Bischof Hatto.<\/p>\n<p>Was die Kirche aber so interessant macht sind ihre Malereien. Zwischen 1879 und 1881 wurden die Wandmalereien freigelegt und zugleich begann die Frage der Datierung. Man brachte die Darstellungen mit dem Evangeliar Ottos III. in Verbindung und somit ins Ende des 10. Jahrhunderts. Jedoch regten sich auch Stimmen die die Malereien ins sp\u00e4te 9. Jahrhundert datierten ohne dies aber weiter zu begr\u00fcnden. Erst 1979 kam es dann zu neuen Datierungsversuchen durch Koichi Koshi. Koshi daierte die Malereien in die Zeit um 888, dem Amtsantritt Hatto III. in Mainz, und begr\u00fcndete dies unter Anderem mit der Idee das die Malereien vor dem Erhalt der Georgsreliqiuen ausgef\u00fchrt wurden, denn sie enthalten keinerlei Bezug auf den heiligen Georg. Doch hier wird entgegen gehalten, dass dies nicht zwingen notwendig sei, zumal erste Bilderzeugnisse der Georgslegende aus dem byzantinischen 11. Jahrhundert stammen. Und so dauert die Diskussion um die Datierung noch immer an und D\u00f6rthe Jakobs geht in Die Wandmalereien von St. Georg in Reichenau-Oberzell von einer Datierung von 925 bis 945 aus. Ich f\u00fcr meinen bescheidenen Teil kann lediglich auf die wenigen Personen in den Malereien hinweisen die keine Kleidung aus antiken Vorbildern tragen, sondern die zeitgen\u00f6ssische gekleidet sind. Es sind einige Herren in der Erweckungsszene des J\u00fcnglings von Nain und der Heilung des Blingeborenen. Diese \u00c4hneln den schon bekannten Kleidungsstilen die wir aus der gesamten Karolingerzeit kennen: Knielange Tunika mit engen \u00c4rmeln, Besatz im Halsbereich und ein zentraler Streifen \u00fcber die Brust hinunter zum Saum, \u00e4hnlich den bekannten Abbildungen aus dem Stuttgarter Psalter. Eine fast identische Abbildung findet sich in der Sylvesterkapelle in Goldbach, die auch auf die Hand Reichenauer Maler zur\u00fcckgeht.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/georg2.jpg?ssl=1\"><img data-recalc-dims=\"1\" loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-full wp-image-27105\" src=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/georg2.jpg?resize=600%2C450&#038;ssl=1\" alt=\"georg2\" width=\"600\" height=\"450\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/georg2.jpg?w=600&amp;ssl=1 600w, https:\/\/i0.wp.com\/www.tribur.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/09\/georg2.jpg?resize=300%2C225&amp;ssl=1 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Die Untersuchung der Malereien enth\u00fcllte auch in Teilen die Bautechnik. Nachdem das Langhaus aufgemnauert war begann man von oben herab mit dem Verputzen mit Kalkm\u00f6rtel. Dabei wurde das Ger\u00fcst abges\u00e4gt und die Ger\u00fcstl\u00f6cher \u00fcbeputzt. Es findet sich alle 150 bis 165cm eine Putznaht, die in etwa der Ger\u00fcsth\u00f6he entsprechen sollte. Erst als der Verputz abgetrocknet war wurde die Bemalung aufgetragen. Eine sogenannte Secco Technik. Doch die Bemalung scheint nicht einheitlich erfolgt zu sein, bzw. sie wurde nach ihrem Entstehen noch ver\u00e4ndert. So wurden die Schriftb\u00e4nder unter den Wunderbildern ver\u00e4ndert. Die \u00e4ltere Form ist an einem &#8222;A&#8220; zu erkennen, deren &#8222;-&#8220; durch ein &#8222;v&#8220; ersetzt ist. Es verl\u00e4uft also kein gerader Stich durch das A sondern ein v. In der sp\u00e4teren Version ist ein einfaches A zu sehen. Diese und \u00e4hnliche Beobachtungen f\u00fchren zu unterschiedlichen Datierungen.<\/p>\n<p>Interessant ist auch die Thematik der 8 Bilder.\u00a0Von Norden verlaufen die Bilder von West nach Ost in folgender Reihenfolge: Die Heilung des Besessenen von Gerasa, Die Heilung eines Wassers\u00fcchtigen, Die Beruhigung des Sturms auf dem See Genezareth, Die Heilung des Blindgeborenen.\u00a0Im S\u00fcden, von West nach Ost: \u00a0Auferweckung des Lazarus, Auferweckung der Tochter des Jairus, Erweckung eines jungen Mannes in Nain, Die Heilung eines Auss\u00e4tzigen.<\/p>\n<p>Die Bilder von Wundererz\u00e4hlungen sind thematisch geordnet. Auf der S\u00fcdseite dominiert die Auferstehung von Toten. Kein Wunder, denn auf der Aussenseite der S\u00fcdmauer lag der Friedhof! Und auf der S\u00fcdseite? Dort dominiert, nicht ganz offensichtich, bis auf den See Genezareth, das Wasser (Jesus heilte den Blingeborenen mit Spucke=Wasser). Und auf der Nordseite liegt der Bodensee!<\/p>\n<p>Die Kirche enth\u00e4lt auch Malereien aus sp\u00e4teren Jahrhunderten, so etwa den Mittelhochdeutschen Spruch \u00fcber die geschw\u00e4tzigen Weiber, deren Geschw\u00e4tz auf keine Kuhhaut passt (Im Bild unten rechts zu erkennen). Wohl eine Ermahnung f\u00fcr den predigten Priester nicht allzu sehr auszuschweifen.<\/p>\n<p>Die Baugestallt der Kirche hat sich jedoch seit der Zeit ihrer Erbauung stark ver\u00e4ndert. \u00a0Die Urspr\u00fcngliche Kirche besa\u00df \u00fcrspr\u00fcnglich einen Triconchos, also statt eines Querhauss zwei Apsiden nach Nord und S\u00fcd, sowie eine Apsis nach Osten. Teile der Nord und S\u00fcd Apsiden sind noch im inneren erkennbar, die Hauptapsis wurde jedoch zugunsten eines Rechteckchores niedergelegt, wobei auch die Nord- und S\u00fcdapsiden umgebaut wurden. Von au\u00dfen ist von diesen nichts mehr zu erkennen da hier das Dach der Seitenschiffe weiter gef\u00fchrt wurde. Um 1000 wurde im Westen eine halbrunde Apsis angef\u00fcgt, wohl zum \u00f6ffentlichen Zeigen der Georgsreliquien. Im 11. Jahrhundert wurde eine niedrige Vorhallle an die Westapsis angef\u00fcgt \u00fcber der dann sp\u00e4ter eine Kapelle eingerichtet wurde.<\/p>\n<p>Noch vor einigen Jahren konnte die Kirche einfach besucht werden, doch die hohe Anzahl von Besuchern erzeugte ein Mikroklima das sich sch\u00e4dlich auf die Malereien auswirkte. Um diesem entgegenzuwirken wurde die Vorhalle zur Klimaschleuse umfunktioniert. Nur noch 2 mal am Tag (12:30 und 16:00Uhr) werden Besucher in die Vorhalle eingelassen. Die T\u00fcren schlie\u00dfen sich und erst dann wird die T\u00fcr in die Kirche ge\u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Mein Besuch in der Kirche galt nat\u00fcrlich haupts\u00e4chlich den Fresken. Ich wollte diese auch noch mal mit meinem Model der Laurentiuskirche abgleichen, da ich hier ja einige Inspirationen zog, auch wenn ich die Malerei stark runtergeschraubt habe. (Wir sind ja schlie\u00dflich nicht die Reichenau!) Im \u00fcbrigen flie\u00dfe ich im Moment das 3D-Model, was eine riesen Fummelei bei den Texturen darstellt.<\/p>\n<hr class=\"footnotes\"><ol class=\"footnotes\" style=\"list-style-type:decimal\"><li id=\"fn1-27052\"><p >D\u00f6rthe Jakobs Die Wandmalereien von St. Georg in Reichenau-Oberzell in Wandmalereien des fr\u00fchen Mittelalters S.163 &nbsp;<a href=\"#rf1-27052\" class=\"backlink\" title=\"Return to footnote 1.\">&#8617;<\/a><\/p><\/li><\/ol>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die wohl bekannteste Kirche der Insel Reichenau ist die St. Georgskirche. 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