{"id":16248,"date":"2011-08-30T11:17:20","date_gmt":"2011-08-30T09:17:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.tribur.de\/blog\/?p=16248"},"modified":"2011-08-30T16:39:16","modified_gmt":"2011-08-30T14:39:16","slug":"meine-auseinandersetzung-mit-fernsehdokus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.tribur.de\/blog\/2011\/08\/30\/meine-auseinandersetzung-mit-fernsehdokus\/","title":{"rendered":"Meine Auseinandersetzung mit Fernsehdokus"},"content":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte mich heute einmal mit Fernsehdokumentation zu Geschichte im Allgemeinen auseinandersetzen. Hierzu habe ich die, meines Erachtens nach,\u00a0schwerwiegenden\u00a0Probleme der Dokumentationen notiert und auch Beispiel dazu aufgef\u00fchrt. Nat\u00fcrlich ist es m\u00f6glich das ich einige wichtige Punkte \u00fcbersehen, oder mich in irgendeiner Weise geirrt habe. Auch gebe ich zu bedenken, das einige meiner Schwerpunkte f\u00fcr mich anders wiegen als f\u00fcr Andere.<br \/>\nIch werde mich hier haupts\u00e4chlich auf Dokumentationen beschr\u00e4nken die von der V\u00f6lkerwanderungszeit bis in das hohe Mittelalter reichen, da meine Kenntnisse von Sach- und Baukultur h\u00f6her sind als etwa in der \u00a0Eisenzeit.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>EU Sponsoring<\/strong><br \/>\nDie F\u00f6rderung aus Subventionst\u00f6pfen der EU spielt auch f\u00fcr Dokumentationen eine gro\u00dfe Rolle. Der g\u00e4ngigste Weg stellt dabei die\u00a0Auslagerung\u00a0von Produktionsteilen in das innereurop\u00e4ische Ausland dar. Gerade\u00a0Tschechien\u00a0und Rum\u00e4nien sind hierbei erw\u00e4hnenswert. Aus Tschechien werden in gro\u00dfem Stil Ausr\u00fcstungsgegenst\u00e4nde gekauft oder gemietet, w\u00e4hrend in Rum\u00e4nien auf Grund niedriger Produktions- und Personalkosten gedreht wird.<br \/>\nDa aber Besipielsweise in den Knopp\u00b4schen Gro\u00dfdokumentationreihen nur die Hauptrolle mit einem deutschen Schauspieler besetzt ist, ist es zwingend notwendig die Spielszenen nach zu synchronisieren. Hierbei f\u00e4llt auf das die Synchro oftmals nicht Lippensynchron erfolgt. M\u00f6glicherweise eine Folge der zu sehr Effekt abzielenden Produktion, die dann an der der Postproduktion sparen muss.<\/p>\n<p><strong>An welches Publikum richtet sich die Dokumentation und wie wird versucht dieses zu erreichen<\/strong><br \/>\nAktuelle Dokumentation versuchen Themen leicht verdaulich und einfach konsumierbar zu machen. Themen werden so aufbereitet das ein Nachdenken des Zuschauers nicht oder nur bedingt notwendig ist. Begr\u00fcndet wird dies oft mit einem ver\u00e4nderten Fernsehverhalten ausgel\u00f6st durch Privatsender. Theorien oder Gegenmeinungen die den Betrachter auch nur leicht verwirren k\u00f6nnten werden vermieden. Spektakul\u00e4re Kampfszenen und Katastrophen treten in den Vordergrund (Stichwort &#8222;Produktion auf Hollywood Niveau&#8220;) unterbrochen von Expertenmeinungen. F\u00fcr diese Produktionen wurde analog zu Infotainment das Kunstwort Histotainment geschaffen. Geschichte (History) die unterh\u00e4lt (Entertainment) . Wie das Wort bereits suggeriert liegt das Hauptaugemerk in der Unterhaltung. Der\u00a0Bildungscharakter\u00a0r\u00fcckt in den Hintergrund und wird in der Hauptsache nur noch durch die Expertenmeinungen \u00a0vertreten.<br \/>\nIm Grunde handelt es sich damit um das selbe Publikum, das mit Handgeklapper den Mittelaltermarkt in Kleinhintertupfingen besucht und von dem nicht erwartet wird das es das gesehene kritisch hinterfragt.<\/p>\n<p>Erg\u00e4nzend hierzu wurde beim deutschen Historikertag 2010 Kritik, gerade an Guido Knopp, bei der Wissensvermittlung ge\u00fcbt.(<a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/weltspiegel\/gesundheit\/aversionen-gegen-herrn-k-\/755788.html\" target=\"_blank\">Hier beim Tagesspiegel<\/a>\u00a0und hier ein<a href=\"http:\/\/hsozkult.geschichte.hu-berlin.de\/tagungsberichte\/id=1201\" target=\"_blank\"> Tagungsbericht\u00a0<em>HT 2006: Popularisierung der Geschichte im Fernsehen \u2013 Folgen f\u00fcr die Geschichtswissenschaft?<\/em>\u00a019.09.2006-22.09.2006, Konstanz, in: H-Soz-u-Kult, 09.01.2007<\/a>) Ironischerweise waren hierbei auch Personen des <a href=\"http:\/\/www.geschichtslehrerverband.de\/\" target=\"_blank\">Verbands der Geschichtslehrer Deutschlands eV<\/a>\u00a0(man beachte deren Startseite!) anwesend, die die Lehrmaterialien zu den Knopp Produktionen &#8222;Die Deutschen I+II&#8220; mitentwickelten. In den Newslettern des Verbandes ist aber nichts von der Kritik zu lesen und die \u00a0Sendungen\u00a0werden\u00a0mehr als nur gelobt. Was zu viel weiterreichenden Problemen f\u00fchrt. Dazu aber ein andermal mehr.<\/p>\n<p><strong>Ausstattung und Darsteller<\/strong><br \/>\nDas A und O der filmischen Darstellung historischer Begebenheiten ist der Darsteller, bzw. die Qualit\u00e4t dessen Realien (Kleidung und Ausstattung allgemein). Grunds\u00e4tzlich sind hier 3 verschieden Gruppen zu festzustellen. Die erste Gruppe verwendet\u00a0professionelle\u00a0oder Laienschauspieler die mit Kleidung aus dem Fundus ausgestattet werden (z.B. Die Geschichte Mitteldeutschlands), die Zweite\u00a0engagiert\u00a0Hobbyisten von meist sehr unterschiedlicher Qualit\u00e4t (z.B. Terra X), die dritte\u00a0Gruppe verwendet\u00a0professionelle\u00a0Schauspieler in den Hauptrollen und Laien in Nebenrollen\/ als Statisten. Diese Gruppe wird meist zentral ausgestattet (z.B. Die Deutschen)<br \/>\nS\u00e4mtliche Varianten kranken meist in der historischen\u00a0Korrektheit. Da werden Wikinger als Germanen der V\u00f6lkerwanderungszeit eingesetzt (Terra X &#8211; Nibelungenlied) . Hobbyisten auf Niveau eines Fantasy-Mittelaltermarktes spielen Ritter oder Ausr\u00fcstung wird im Gro\u00dfmengen f\u00fcr Mengenrabatt gekauft und f\u00fcr verschiedenste Epochen und Kulturen verwendet.<br \/>\nDer Bereich &#8222;Ausstattung&#8220; reicht jedoch noch weiter als die reine Austattung der Darsteller mit\u00a0akkuraten\u00a0Trachten oder Waffen. Auch die Maske, also Schminken und Co. geh\u00f6rt dazu. \u00a0Redet man hier von Hollywood Niveau muss man sich auch den Vergleich mit Hollywood gefallen lassen. Angeklebte B\u00e4rte und Per\u00fccken, die jedoch den Eindruck erwecken als stammten sie aus einem Karnevalversand sprechen nicht f\u00fcr die Qualit\u00e4t der deutschen Produktionen. \u00a0Auch unpassende Kleidung f\u00e4llt h\u00e4ufiger auf. Da befinden sich im Tross des K\u00f6nigs auf seinem Zug durch das Reich schon mal Bisch\u00f6fe im vollen Festtagsornat. Bauern sehen aus \u00a0wie aus dem Ei gepellt und auch nach der gr\u00f6\u00dften Schlacht sind nur die Schwerter blutverschmiert w\u00e4hrend das Zink der Kettenhemden blinkt als handele es sich um einen Paladin aus einem Tabtetop.<br \/>\n<em>Anmerkung:<\/em>\u00a0Wor\u00fcber ich lange gegr\u00fcbelt habe ist die Darstellung des Friedrich II. in die Die Deutschen II.. Dieser tr\u00e4gt, wie auch alle anderen, permanent sein Schwert auf dem R\u00fccken. \u00a0Und das erste was in mir aufschrie war &#8222;B\u00e4h!!!&#8220; (<a href=\"https:\/\/www.tribur.de\/blog\/?p=10812\" target=\"_blank\">siehe hier<\/a>) Ich habe mir eben noch einmal dar\u00fcber gebr\u00fctet und erinnerte mich an eine Diskussion in Tempus Vivit, bei der mal jemand fragte ob es nicht denkbar w\u00e4re das jemand so sein Schwert transportierte (oder so \u00e4hnlich) wenn er es nicht ben\u00f6tigte. Es w\u00e4re vielleicht (sehr vielleicht) denkbar das der\u00a0Regisseur\u00a0 damit ausdr\u00fccken wollte das das Heer gar nicht k\u00e4mpfen wollte, da die Schwerter gar nicht zu ziehen waren. Wenn er das aussagen wollte, h\u00e4tte \u00a0man das aber wesentlich besser machen k\u00f6nnen, oder erkl\u00e4ren m\u00fcssen. Zum Thema Erkl\u00e4ren siehe auch weiter unten bei den Rekonstruktionen<\/p>\n<p><strong>Die Angst vor dem ambitionierten Reenactor<\/strong><br \/>\nDie Drehteams historischer Dokumentation sind in der Regel in 2 Trupps geteilt. Der erste Trupp filmt Historiker, Arch\u00e4ologen und andere Fachleute. Es ist das Team das das gr\u00f6\u00dfere Geschichtliche wissen besitzt, oder zumindest Stichpunktartig von der Redaktion instruiert wurde. Das Zweite Team dreht die Spielszenen. Diese wissen meist nichts vom historischen Hintergrund oder von Realien, bzw. man kann dieses Gef\u00fchl n gewinnen obwohl der\u00a0Regisseur\u00a0von &#8222;Die Deutschen II&#8220; Geschichte studiert hat. Sie wollen drehen und das mit m\u00f6glichst wenig Aufwand. Ambitionierten Reenactoren oder Living History Enthusiasten geht der Ruf voraus unter Umst\u00e4nden nicht gerade einfache Menschen zu sein was historische Korrektheit angeht. A-Papst oder einfach nur Korinthenkacker sind hier noch die harmlosesten Begriffe. Bei begrenzten Mitteln und Zeit will man schnellst m\u00f6glich Abdrehen. Sich auch noch von Darstellern in die\u00a0Inszenierung\u00a0&#8222;reinquatschen&#8220; lassen, ist etwas das sie nicht wollen. Dies ist auch in gewissem Ma\u00dfe nachvollziehbar, aber auch eine Folge mangelnder \u00a0Recherche.<br \/>\nDie Folge ist eine immer st\u00e4rker werdende Ablehnung aus der Gruppe der m\u00f6glichst authentischen Reenactors, die die Produzenten immer mehr dazu zwingt auf die zweite oder dritte Wahl zur\u00fcck zu greifen. Eine Abw\u00e4rtsspirale. \u00a0Siehe oben.<br \/>\n<em><strong>Aus eigener Erfahrung wei\u00df ich was diese Darstellung anrichten k\u00f6nnen:<\/strong><\/em> Nach der Ausstrahlung von &#8222;Die Deutschen II- Friedrich II&#8220; \u00a0machte ich Museumsdienst. In einer Vitrine befindet sich symbolisch f\u00fcr das 11. Jahrhundert ein Spangenhelm mit Nasal und darunter symbolisch f\u00fcr das fr\u00fche 13. Jahrhundert eine Barbiere, beide aus meinem privaten Bestand. Nach dem ich eine F\u00fchrung durchgef\u00fchrt hatte kam ein etwas aufgel\u00f6stes Paar mit Kind auf mich zu. \u00a0Sie fragten mich zun\u00e4chst \u00fcber das Ende der Pfalz Trebur aus um danach festzustellen das in einer meiner Vitrinen etwas nicht stimme. Es handelte sich um die &#8222;Helm-Vitrine&#8220;, bei der sie bem\u00e4ngelten, das der Spangenhelm aus der Zeit Karls des Gro\u00dfen stamme und ganz \u00e4hnliche auch zur Zeit Frichrichs II. getragen wurden und das die Barbiere wohl aus dem Sp\u00e4tmittelalter stamme. Ob dieser Aussage stellte sich bei mir Verwirrung ein. Ich kl\u00e4rte ich sie \u00fcber die \u00a0Fundarmut von Helmen des 11. Jahrhundert, Helm des hl. Wenzel etc., merkte aber das das nicht das war worauf das Paar hinaus wollte. Also fragte ich woher denn ihre Information stamme. Die Antwort h\u00e4tte ich mir denken k\u00f6nnen: &#8222;Von Dr. Guido Knopp und seiner\u00a0hervorragenden\u00a0Sendung &#8222;Die Deutschen&#8220;&#8220;. Also ging ich in die Bibliothek und holte dem Paar einen ganzen Stapel Ausstellungskataloge (wegen der Bilder!) um meine Aussagen zu beweisen und langsam kamen sie zur Einsicht, das die Spielszenen und auch einige Aussagen so nicht korrekt sind wie sie dargestellt wurden.<\/p>\n<p><strong>Was wird wie versucht zu Vermitteln<\/strong><br \/>\nEs ist das gute Recht und zum Teil auch Pflicht einer Dokumentation auch neue oder umstrittene Theorien zu pr\u00e4sentieren. Es muss jedoch Sorge getragen werden, das eine Theorie als solche gekennzeichnet ist und der Unterschied , bzw. die Gegenmeinung ebenfalls gleichberechtigt dargestellt wird um zu vermeiden das eine Theorie, die m\u00f6glicherweise h\u00f6chst umstritten ist, als neue Basisinformation beim unversierten Laien Verwendung findet. Hier w\u00e4re nat\u00fcrlich auch ein gewisser &#8222;Mut zur L\u00fccke&#8220; notwendig, der aber meist vermieden wird.<br \/>\n<strong><em>Beispiel: Terra X &#8211; Der Chiemgau-Komet<\/em><\/strong><br \/>\nIn der ZDF Sendung Terra X &#8211; Der Chiemgau-Komet wird die h\u00f6chst umstrittene Theorie ein Komet sei in der Zeit zwischen 2000 &#8211; 200 v.Chr in der Chiemsee-Region eingeschlagen und habe entscheidende Auswirkungen auf die Kultur der Kelten gehabt. Die dargestellte Theorie des sogenannten Chiemgau Impact Research Team (CIRT) wurde sogar noch \u00fcber deren Theorien hinaus ausgeweitet und ausgeschm\u00fcckt. Das die Theorie hochspekulativ ist und und von Geologen und Historikern abgelehnt wird, wird nicht erw\u00e4hnt.<br \/>\n<em>Anmerkung:<\/em> Darsteller sollen nicht gewu\u00dft haben wozu sie die Kelten mimen und waren hinterher alles andere als begeistert.<\/p>\n<p><strong>Themen- und Protagonistenwahl<\/strong><br \/>\nDie Auswahl eines durch die Sendung f\u00fchrenden Haupthemas in begrenzter Sendezeit (meist 45 Minuten) innerhalb eines gro\u00dfen Themenkomplexes, sowie der rote Faden ist oftmals entscheidend f\u00fcr die gesamte Darstellung. In der aktuellen Entwicklung der Dokumentation wird zur Zeit von Historikern eine Abkehr von bedeutenden Pers\u00f6nlichkeiten als Protagonist bef\u00fcrwortet und eine Hinwende zur Darstellung des einfachen Menschen propagiert. Beide Dartsellungsformen bieten jedoch innerhalb ihres Themenkomplexes sowohl vor als auch Nachteile. Meist ist die Kenntnis \u00fcber hochgestellte Pers\u00f6nlichkeiten durch Grabfunde oder Textquellen genauer als die eines einfachen Menschen. Die Darstellung des einfachen Menschen ist oft spekulationsbehaftet und man l\u00e4uft Gefahr innerhalb dieses roten Fadens zuviel Information unterzubringen die diese Person unrealistisch erscheinen l\u00e4sst. Andererseits birgt das nachvollziehen des Lebensweges einer hochgestellten Pers\u00f6nlichkeit die Gefahr das eigentlich Thema aus den Augen zu verlieren.<br \/>\n<strong><em>Beispiele: Die Germanen &#8211; Im Zeichen des Kreuzes und Die Deutschen 2 &#8211; Friedrich II.<\/em><\/strong><br \/>\nIn der Produktion der Sendeanstalten der ARD Die Germanen &#8211; Im Zeichen des Kreuzes wird als &#8222;einfache Person&#8220; ein fiktiver Radulf zur Zeit des Merowingerk\u00f6nigs Chlodwigs dargestellt. \u00a0Dieser vollzieht den Wandel vom heidnischen Krieger zum christlichen M\u00f6nch, nicht ohne in alamannischen Gefangenen zu geraten und Zeuge aller wichtigen Ereignisse seiner Zeit zu werden. Die Person wirkt dadurch wieder unrealistisch und zeigt ein &#8222;Vom-Tellerw\u00e4scher-zum-Million\u00e4r-Bild&#8220;<br \/>\nIn der gesamten Reihe &#8222;Die Deutschen&#8220; des ZDF werden bedeutende Personen ihrer Epoche verfolgt. Im Fall Friedrich II. wird jedoch klar, das mit Verfolgen des &#8222;sizilianischen&#8220; Staufers die Grundintention der Sendung, die Entwicklung des deutschen Volkes\/Staats zu verfolgen verletzt wird. Statt die Thronstreitigkeiten und Differenzen des deutschen Adels zu verfolgen und diese als Basis zur Zersplitterung und Kleinstaaterei zu nutzen, wird Friedrich II. auf seinem Kreuzzug verfolgt. Auf Vorg\u00e4nge wie die Wahl der Gegenk\u00f6nige Heinrich Raspe und Wilhelm von Holland und entscheidende Vorg\u00e4nge, wie die Schlacht von Nidda oder dem Engagement Siegfrieds III. von Eppstein als Mainzer Erzbischof und K\u00f6nigsmacher wird wenn \u00fcberhaupt nur am Rande eingegangen.<\/p>\n<p><strong>Digitale Geb\u00e4uderekonstruktionen<\/strong><br \/>\nSeit den fr\u00fchen 90ern , ausgel\u00f6st durch Serien wie Babylon 5, begann ein Boom der Verwendung von computergenerierten 3D Grafiken. \u00a0Erst recht sp\u00e4t, in den 2000ern erreichte die Computergrafik die deutschen Geschichtsdokumentationen. Die Vorteile der Technik liegen auf der Hand. Einmal erstellte Modelle k\u00f6nnen wiederverwendet und neuen Erkenntnissen angepasst werden, \u00a0eine platzraubende, kostspielige Einlagerung bzw. Demontage entf\u00e4llt. Br\u00e4nde, Zerst\u00f6rungen o.\u00e4. k\u00f6nnen simuliert werden ohne das Modelle zerst\u00f6rt werden.<br \/>\nDie Qualit\u00e4t der eingesetzten Animationen bleibt jedoch oft unter der angepriesenen oder erhofften Qualit\u00e4t zur\u00fcck! M\u00e4ngel, wie statisch wirkende Szenen, werden mit ziehenden Wolken oder Nebel und einem Schwarm V\u00f6gel kaschiert.<br \/>\nJedoch ist jedes erstellte Modell eine Rekonstruktion, welche zu gro\u00dfen Teilen auf Vermutungen beruht. In Dokumentationen werden jedoch oft \u00a0S\u00e4tze wie: &#8220; Durch die Grabung von XYZ kann die Anlage rekonstruiert werden&#8220; oder &#8220; Durch die Grabung von XYZ wissen wir wie die Anlage ausgesehen hat&#8220; (&#8222;haben k\u00f6nnte&#8220; wird eher selten verwendet) . F\u00fcr den Betrachter ohne Hintergrundwissen wird die Darstellung dadurch oft zur Tatsache.<br \/>\nBesonders negativ tuen sich hier Dokumentationen hervor, bei denen 3D Grafiken ohne jeglichen Kommentar genutzt werde oder diese auf l\u00e4ngst \u00fcberholten Annahmen\u00a0basieren.<br \/>\n<strong><em>Beispiel: Die Deutschen II. &#8211; Karl der Gro\u00dfe und Die Deutschen I &#8211; Barbarossa<\/em><\/strong><br \/>\nIn den allen Teilen der ZDF Sendereihe Die Deutschen I + II werden Computergenerierte Grafiken meist unkommentiert verwendet. In der Folge \u00fcber Karl den Gro\u00dfen ist mehrfach eine Rekonstruktion der Aachener Pfalzanlage zu sehen. Bei dieser Rekonstruktion ist deutlich der Querbau zu erkennen der die Porticus (Verbindungsang) in zwei Teile teilt. Dieser wird als Torbau mit halbrunden Torbogen dargestellt. Die Torbau-Theorie war bereits seit l\u00e4ngerem angezweifelt worden und \u00a0gilt sp\u00e4testens seit den 90er Jahre als \u00fcberholt (vergleiche Binding, Deutsche K\u00f6nigspfalzen von Karl dem Gro\u00dfen bis Friedrich II., Darmstadt WBG 1996). Ebenfalls ist die weitere Darstellung der Pfalzanlage hypothetisch und keinerlei r\u00f6mische Ruinen, bis auf die nur angedeuteten Thermenanlagen sind zu erkennen. Ein Wirtschaftshof scheint g\u00e4nzlich zu fehlen.<br \/>\nIn der Folge zu Friedrich I. &#8220; Barbarossa&#8220; der ersten Staffel, wie auch in weiteren Folgen, reiten K\u00f6nig und Gefolge an einer idyllisch gelegenen Pfalzanlage vorbei. Diese Szenen sind, den Bau betreffend, unkommentiert. Zu sehen ist eine Rekonstruktion des K\u00f6nigshauses der Goslarer Pfalzanlage, wie sie sich durch die Rekonstruktionsversuche des 19. Jahrhunderts darstellt. G\u00e4nzlich fehlen Pfalzkapelle, vorgelagerte Stiftskirche, Wirtschaftsgeb\u00e4ude und Stadt Goslar, daf\u00fcr ist eine Mauer mit Tor vor das Geb\u00e4ude gesetzt worden.<br \/>\nBei der kurz darauf folgenden \u00a0Szene wird kurz \u00a0die Pfalz Gelnhausen dargestellt, wobei die Raumaufteilung des zweiten Obergeschosses nicht mit den erhaltenen Vorgaben des Erdgeschosses \u00fcbereinstimmt und damit auch Abstand nimmt von anderen Rekonstruktionen.<\/p>\n<p><strong>Nutzung existierender Architektur<\/strong><br \/>\nIn vielen Dokumentionen erfolgt die Nutzung existierender Architektur. Scheinbar grunds\u00e4tzlich wird hier von den Machern lediglich ein Credo beherzigt: Spielt die Dokumentation vor ca. 1300 nimm irgendwas mit Rundb\u00f6gen, spielt die Serie nach 1300 nimm etwas mit Spitzb\u00f6gen. Dies f\u00fchrt bei Personen mit architektonischer Vorbildung zu Kopfsch\u00fctteln, der Betrachter ohne Vorkenntnis l\u00e4uft Gefahr z.B. einen sp\u00e4tromanischen Bausptil als origin\u00e4r karolingisch Wahrzunehmen.<br \/>\n<strong><em>Beispiel: Die Geschichte Mitteldeutschlands &#8211; s\u00e4mtliche im Folgen innerhalb eines Zeitraumes von 500 &#8211; 1500 n.Chr.<\/em><\/strong><br \/>\nAls &#8222;Allzweckwaffe&#8220; der MDR Produktion &#8222;Die Geschichte Mitteldeutschlands&#8220; dient der Damenstift St. Cyriakus in Gernrode. Zwar stellt die Kirche einen verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig gut rekonstruierten Zustand des sp\u00e4ten 10. Jahrhunderts da, besitzt aber Anbauten aus sp\u00e4terer Zeit und eine Ausmalung des 19. Jahrhunderts. So wurde der Kreuzgang aus dem sp\u00e4ten 12. Jahrhundert, der mit seiner Fenstergliederung in diese Zeit verweist, als Pfalz Tribur des 11. Jahrhunderts oder auch f\u00fcr die Zeit Otto I. genutzt.<\/p>\n<p><strong>Dokumentationen als Einstieg?<\/strong><br \/>\nEiner Argumentation der ich in keinster Weise folgen kann lautet, dass man die Sendung als Einstieg des totalen Laien in die Materie sehen solle, als Animierung sich mehr mit einem Thema zu besch\u00e4ftigen. Diese Argumentation krank jedoch an einem entscheidenden Punkt. Jemand der sich vorher nicht f\u00fcr Geschichte interessiert hat wird sich auch diese Sendungen nicht ansehen, oder schnell weg zappen wenn der erste Historiker seine Theorien verk\u00fcndet und ihn keine Spielzene mehr bei Laune h\u00e4lt. Wenn vielleicht doch mal jemand h\u00e4ngen bleiben sollte, rechne ich aber nicht damit das er sich nun weitreichend mit dem Thema besch\u00e4ftigt. Sollte er es jedoch tun. Kann es passieren das er sehr schnell merken, oder sp\u00fcren muss, \u00a0das das teure verzinkte Kettenhemd vielleicht doch nicht zur Darstellung eines sp\u00e4tmerowingerzeitlichen Franken passt.<\/p>\n<p>Das waren meine 5 Cent zu diesem Thema. Ich h\u00e4tte noch mehr schreiben k\u00f6nnen, aber ich denke <span style=\"text-decoration: underline;\">meine<\/span> Grundprobleme oder Bedenken werden sichtbar.Auf den Inhalt der Dokumentationen bin ich kaum eingegangen, was unter anderem damit zu tun hat, das ich beim Ansehen der Sendungen vor Kopfsch\u00fctteln nur noch Pfeifen auf den Ohren habe. Vielleicht setzte ich mich damit aber auch einmal auseinander.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich m\u00f6chte mich heute einmal mit Fernsehdokumentation zu Geschichte im Allgemeinen auseinandersetzen. Hierzu habe ich die, meines Erachtens nach,\u00a0schwerwiegenden\u00a0Probleme der Dokumentationen notiert und auch Beispiel dazu aufgef\u00fchrt. 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