Schlagwort-Archiv: Antike

Archäonews 11.06.2010 Vorwürfe, Staufer und Napoleons Bruder

  • Über anonyme Vorwürfe gegen das Landesamt für Archäologie in Sachsen-Anhalt schreibt die Volksstimme
  • Auch Hessen beteiligt sich am Stauferjahr wie mrn-news schreibt, darüber schreibt aber auch mein heimatliches Echo
  • In Bayern staunt man über römische Funde aus der Zeit Kaiser Neros, wie die Augsburger Allgemeine schreibt
  • Über Joseph Bonaparte, den Bruder Napoleons, und sein Elxil in New Jersey, sowie die dortigen Grabungen sind ein Thema für den Rheinischen Merkur
  • Über die Ausstellung “Vom alten Eisen” schreibt die Osnabrücker Zeitung

Archäonews 8.6.2010 Römercohorten, Frankfurter Fortifikation und Gladiatorenfriedhöfe

  • 20Minuten schreibt von der Entdeckung eines Gladiatorenfriedhofs in York
  • Eine hessische Pressemeldung berichtet von Voruntersuchungen in Frankfurt, die Hinweise auf die barocke Stadtbefestigung geben soll
  • Über den Fund eines Messbuchs aus Luthers Zeit in Buckow schreibt hier Die Mark Online
  • Leipzig im Mittelalter, eine Vorankündigung eines Vortrages findet sich beim Leipzig Fernsehen
  • Bei Science ORF blickt Barbara Hausmair auf die Informationen die Bestattungen Archäologen geben
  • Das Museumsfest in Xanten am kommenden Wochenende mit der I. Römercohorte Opladen ist der RP-Online einen Artikel wert

Der Astheimer Burgus und seine Begleitfunde

Ein interessanter Aspekt von Pfalzen, hauptsächlich derer im fränkischen Kerngebiet, ist der Aspekt der Kontinuität. So lassen sich unter dem Aachener Dom römische Thermen nachweisen, unter der Pfalz Frankfurt ruhen Teile eines römischen Legionslagers, in Duisburg wurden Teile einer römischen Jupitersäule gefunden.

Als wissenschaftliches Beispiel der Kontuinuität karolingischer bzw. römischer Anlagen dient oftmals die heute recht unscheinbare Burg Zullestein in Biblis-Nordheim, gerade noch in Sichtweite des bekannten AKW Biblis.

Ursprünglich war der Zullestein ein römischer Burgus, eine Art Einsatzstandort für die schnelle römische Eingreiftruppe. Am östlichen Rheinufer lagen, wie an einer Perlenkette aufgereiht, im Abstand von etwa 30 km, Kleinstkastelle. Bestehend aus einem Steinernen Haus und einer nach 3 Seiten geschlossenen Mauer die sich zum Fluß hin öffnete und so eine Hafenanlage freigab. Diese Anlagen entstanden unter der Herrschaft von Kaiser Valentinian I. der die nach der Aufgabe des Limes seit 100 Jahren wieder bestehende Rheingrenze sicherte um gegen die marodierenden Alamannen vorzugehen.

Im 5. Jahrhundert verfiel die Anlage an der Weschnitzmündung in den Rhein, wurde aber in fränkischer Zeit mit Veränderungen wieder errichtet. Bis 836 befand sich die Anlage in königlichem Eigenbesitz, fiel dann an einen Grafen Werinher, um 995 in den Besitz des nahen Klosters Lorsch zu gelangen. 1068 waren die Wormser Bischöfe Besitzer. Nach erneutem mehrfachen Besitzwechsel wurde Burg Stein im dreißigjährigen Krieg niedergebrannt die Reste anschließend abgebrochen, um in den 50er Jahren wieder entdeckt zu werden.

Der 2003 in Trebur-Astheim ergrabene Burgus lässt sich leider nicht so genau datieren wie sein Bruder bei Biblis-Nordheim. Seine Kontinuität reicht auch nicht so weit in die Gegenwart, dennoch ist er ein beeindruckendes Zeugnis, dokumentiert es doch die Zeit vom 1. bis ins 9. Jahrhundert und sogar die „Bild“ schrieb vom „Sensationsfund im Kartoffelacker“.

1999 und 2000 wurde das Gelände geoelektrisch und geomagnetisch prospektiert. Deutlich zeigten die entstandenen Bilder einen mit Mauern umgebenen Kernbereich der einen 40m breiten Uferbereich sicherte. Die Anlage wurde des weiteren von einem breiten Graben gesichert. Südöstlich der Anlage entdeckte man den Kreisgraben eines Grabhügels, der Burgus selbst wurde von einem weiteren Graben von Südwest nach Nordost durchschnitten.

Bevor die eigentliche Grabung begann wurde das Gelände mit Metalldetektoren abgegangen um möglichen Sondengängern zuvor zu kommen. Südöstlich der Befestigung fand man römisches frühkaiserzeitliches Material, alamannische und fränkische Funde beschränkten sich auf den Bereich des Burgus. Bei der Begehung tauchten auch auf dem gesamten Areal frühe und mittlere Bandkeramik auf, sowie zahlreiche Feuersteinwerkzeuge und Abschläge. Das Areal auf dem später der Burgus entstehen sollte war also schon in der Steinzeit von Menschen besiedelt.

Bei den anschließenden Grabungen achtete man darauf jedes auffällige Merkmal der Prospektion mindestens einmal anzuschneiden.

Zuerst fand man südöslich der Anlage eine Grube in der unter anderem Reste von Keramik gefunden wurden die wohl von den Töpfereien in Mainz Weisenau stammte, die 69 n. Chr. zerstört worden waren. In diese Zeit gehörte auch der in Südwest-Nordostrichtung verlaufende Graben, der unter dem Burgus lag, wie sich nun zeigte.

Vom Burgus selbst waren keinerlei Steine mehr zu finden. Sie waren im 8./9. und 12./13. Jahrhundert ausgebrochen worden, die verbliebenen kleinen Steine wurde anschließend im 18. Jahrhundert abtransportiert. Von dem Pfalrost auf dem die Befestigung errichtet wurde fanden sich nur noch Schatten im Boden. Darüber hinaus war der Boden der spätrömischen Zeit nicht mehr erhalten, durch Überschwemmungen des nahen Rheins war er um 0,8m abgeschwemmt worden.

Nur 3 spätrömische Münzen konnten gefunden werden. Glücklicherweise war eine der Münzen mit Mörtel verklebt, also beim Bau der Anlage verloren gegangen. Die 364/375 n.Chr. in Lyon geprägte Münze wies auf den Zeitraum des Sicherungsprogramms des Kaiser Valentinian I. hin.

Im Bereich zwischen Kernbau und dem Umfassungsgraben fand man alamannische Gräber des 5. Jahrhunderts, die bei der Geopreospektion nicht sichtbar gewesen waren, da sie knapp unter dem Erdboden lagen. Der Burgus war zu dieser Zeit wohl noch einigermaßen intakt, da sich keinerlei Mörtelreste oder Steine in den Grabgruben fanden.

Etwa ab dem Jahr 500 war das Areal fränkisch besiedelt, wie eine zweite Gräberschicht zeigt. Der Burgus muss nun verfallen sein, denn in diesen Gräbern findet sich Ziegel- und Mörtelreste. Eine dritte, beigabenlose Gräberschicht mit massiven Ausbruchsspuren ist wohl in das 8./9. Jahrhundert zu datieren.

Es wird davon Ausgegangen, das der Abbruch des Burgus mit dem Bau von repräsentativen Pfalzgebäuden in Trebur in Verbindung steht, denn die Pfalz in Trebur wird das erste mal 829 erwähnt, besteht aber wohl schon eine gewisse Zeit früher als Krongut.

Zum Abschluss der Grabungen wurde der Grabhügel angeschnitten, der bis dato noch nicht datiert werden konnte.In dem Grabhügel mit etwa 15m Durchmesser wurde, etwas nach Norden aus der Mitte verschoben, eine ehemals 1,6 x 2,3 x 0,7 m großen Holzkammer gefunden. Diese diente als Bestattung für einen etwa 185cm großen, 50 bis 60 Jahre alten Mannes. Dem Mann wurde seine Austrüstung mit ins Grab gegeben: Auf dem Deckel der Kammer lagen ein Lederband mit silbernen Endbeschlägen, sowie eine Lanze mit Aufhaltern, die mit silbernen Nieten befestigt waren. In der Kammer, auf der Linken des Toten lag ein Langsax, sowie ein Spatha mit Silber beschlagener Scheide,zur Rechten der Schild, von dem nur noch zuckerhutförmige Schildbuckel, wieder mit silbernen Nieten, erhalten war. An seinen Füßen waren eiserne Sporen befestigt gewesen und neben seinem Kopf lag ein ein Knochenkamm im Futteral.

Aufgrund der Waffenfunde konnte das Grab in die Zeit um 700 datiert werden. Der Mann, den die Archäologen liebevoll „Asti“ nannten, war wohl einer der letzten freien Grundherren, der noch mehr in der fränkischen Tradition stand als andere seiner Zeitgenossen, die mittlerweile beigabenlos in einfachen Gräbern beigesetzt wurden.

Prof. Dr. Heising, der die Grabungen leitete, schließt nicht aus das es sich bei dem Toten um den Namensgeber Astheims Asgemund oder Askemund handelt.

Nach den Ausgrabungen, wurden die Waffen gereinigt und konserviert, wobei sich das Spatha als herausragendes Stück zeigte, denn nicht nur die Scheidenbeschläge bestehen aus Silber auch die Nieten und Tauschierungen des Pariers sind aus Silber, ebenso der Knauf, der mit stilisierten Tierfiguren verziert ist. Ebenso ist die Scheide in hervorragendem Zustand und am Griff kann man noch Reste einer textilen Wicklung erkennen.

Zur Zeit erarbeitet Prof.Dr. Heising, der zwischenzeitlich von der Goethe Universität Frankfurt nach Tübingen Freiburg gewechselt ist, an einer Publikation über das Spatha. Interessanter Weise erinnerte man sich kürzlich an ein fragmentiertes Spatha, das bereits 1970 bei Ausbaggerungen des Rheins in etwa 2km Entfernung gefunden wurde. Es ist ebenfalls mit Silbernieten und Tauschierungen verziert und ähnelt dem im Burgus gefunden Stück. Dies lässt die Frage aufkommen, ob die Spathen möglicherweise aus einer lokalen Produktion stammen, denn bei Trebur wurden (von Eugen Schenkel) viele Schlackereste gefunden, die auf eine ausgedehnten Handwerksbezirk mit Metallverarbeitung hindeuten.

Die Schlacht am Harzhorn – Sieger waren die Römer

Die Funde eines römisch germanischen Schlachtfeldes am Harzhorn, an der A7, hatten schon für einiges Aufsehen gesorgt. Zwar dauern die Grabungen noch an, dennoch ist Kreisarchäologin Petra Lönne der Meinung sagen zu können das die Römer diese Schlacht im germanischen Hinterland gewannen.

Immer mehr Zeichen deuten darauf hin das sich bei der Schlacht am Harzhorn um die “Schlacht im Moor”  handelt, die der Feldherr Maximinus Thrax mit einem Heer aus nordafrikanischen und orientalischen Legionären gegen die Germanen ausfocht und von dem der Geschichtsschreiber Herodian in seiner Historia Augusta berichtet .

via HNA, hier hat das Archäologieportal Niedersachsen eine Informtionsseite eingerichtet

Archäonews 4.5.2010 – Welfen, Archäokunst und Kelten

  • Vergangenes Jahr starb eine Archäologin bei einem Mauereinsturz in Leipzig, nun wird Anklage gegen den Grabunsleiter erhoben. Ad-Hoc-News schreibt darüber
  • Die TAZ schreibt ironisch darüber warum nicht Wulff sondern Prinz Ernst August neuer Bundespräsident werden sollte….
  • Die Jakobspilger durch Westfalen sind ein Thema für nw-news
  • Um zu erforschen wie sich moderne Gegenstände im Boden verhalten wird ein als Kunstaktion vergrabenes Festessen nun wieder aus ausgegraben. Hier beim Bielertageblatt
  • Deutschlandradio berichtet über das Buch “Das Zeitalter der Keltenfürsten – Eine europäische Hochkultur”
  • Über die Archäologie auf dem Schlachtfeld von Lützen  und Auerstedt schreibt die Volksstimme

Archäonews 3.6.2010 Gänge, Kaiserbäder und Byzanz

  • Am  Schloßberg in Quedlinburg wurde ein Gangsystem entdeck. Hier schreib MZ-web
  • Über das Werden der “Archäologie Landschaft Wetterau” gibt es hier eine Pressemeldung
  • Über die grabungsfreie Archäologie bei der Limesforschung mittels Magnetometer schreibt das Wiesbadener Tagblatt
  • Die Entdeckung des Kaiserbades Napoleons III. am Bodensee ist See-Online.info und 20Minuten je einen Artikel wert
  • Die Austellung “Byzanz – Pracht und Alltag” in Bonn ist Thema der Allgemeinen Zeitung aus Mainz

Kiesabbau und die Römer

Die Schweden unter Gustav Adolf beim Vorrücken auf die Sternschanze. Der Hügel auf dem der Betrachter steht ist ein Kunstgriff Merians und existiert so nicht.

Nun wird auch in der Presse über die Begehung des Römerlagers am Kornsand bei Trebur Geinsheim berichtet. Dr. Maurer betonte dabei die Bedeutung des Ortes als Rheinübergang für die Römer.
Die Grabungen, die nur einen kleinen, fast winzigen, Teil der Lager erfasste ergab einen Befund von 400 Münzen, größtenteils aus Kupfer und Messing und über 1000 weitere Einzelfunde, wie etwa Militärausrüstung. Noch einmal wurde die Wichtigkeit des Areals für die Archäologie betont, denn nicht nur die Römer hatten hier ihre Basis. Auch im 30 Jährigen Krieg war das Areal und der Rheinübergang nach Oppenheim heftig umkämpft. Die Spanier hatten hier eine Sternschanze angelegt die von den Schweden heftig umkäpft wurde. (Siehe Merian Stich)
Leider ist dieses gesamte Gebiet in Gefahr, bedroht durch Kiesabbau. Wie so oft fehlt das Geld für großflächige Grabungen.

Hier der Artikel der Main Spitze, und hier die Seite der BI Kiesabbau

Archäonews 2.6.2010 Tortenstücke, römische Schiffe, virtuelle Museen

  • Noch einmal berichtet presse-service.de über den romanischen Königskopf der Pfalz Ingelheim
  • Sachsens private Schlossherren präsentieren ihre Bauten Darunter Schloß Dieskau, worüber die LVZ online schreibt
  • Der Wiesbadener Anzeiger schreibt über die Mainzer Museumsnacht, auf der unter anderem auch die Aegina, ein rekonstruiertes Frachtschiff, von Terraplana zu sehen war
  • In Schönfeld fällt ein Denkmalgeschütztes Gebäudeensemble der Abrissbirne zum Opfer obwohl es, wie die Volksstimme schreibt, wichtig  war für die Stadtgeschichte. Der Artikel kann auch als Hilfestellung dienen wenn jemand seine denkmalgeschützte Immobilie loswerden will
  • Künstler visualisiert 50000 Jahre Erdgeschichte im “Tortenstück”. Hier bei der Märkischen Allgemeinen
  • Dürener Geschichtsverein baut “Virtuelles Museum”, hier bei AZ-Web

Der Rotstift bedroht italienische Kulturgüter

Nach dem Ende März bereits ein Teil des Domus Aurea eingestürzt war, weil das Geld einfach fehlt um die Massen an Kulturgütern instand zu halten (ich habe hier darüber geschrieben), wir nun weiter der Rotstift angesetzt. 24 Milliarden(!) Euro sollen an der italienischen Kultur gespart werden.

Leider scheint es vermehrt in Mode zu kommen an der Kultur zu sparen, dies betrifft nicht nur Italien, sondern auch Deutschland, wie immer mehr zu vernehmen ist. Vor einigen Jahren betraf es noch die bevorzugt die großen Theater oder Tanzkompanien. Doch das Sparen geht weiter. Langsam schraubt es sich vor zu den Museen (hier und hier). Das dies auch die PISA Diskussion betrifft scheinen die Herren Politiker volkommen ausser Acht zu lassen. Bildung geht nicht nur von Schulen aus und Kultur ist ein wichtiger Teil davon!

Zur italienischen Sparpolitik hier die NZZ

Die Müllentsorgung des römischen Militärs

Die zahlreichen Funde in Krefeld Gellep sind noch lange nicht aufgearbeitet! Alexandra Schubert schreibt zur Zeit ihre Doktorarbeit über “Die Müllentsorgung des römischen Militärs” ausserhalb des Kastells Gelduba. Hier gab es eine Grube in der Lehm abgebaut wurde und die später mit Müll verfüllt worden war.

Das Fundgelände gehörte zum ehemaligen Guano-Werk, zeitweise waren dort Kleingärten. Als die abgeräumt waren, merkten die Linner Museumsleute, dass dort jemand eine Grube für die Autoreparatur ausgeschachtet hatte, dabei auf römische Relikte gestoßen war und sie erst einmal selber gesammelt hatte. Er war nicht der erste Raubgräber.

Hier schreibt rp-online