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Wachstafelbastelei
Eine Wachstafel, wie sie seit der Antike Verwendung fand, ist eigentlich gar nicht so schwer herzustellen. Man braucht Holz, vorzugweise Hartholz, einen Stechbeitel, einen Hammer, wenn mans luxuriöser mag vielleicht noch Schnitzmesser für Verzierungen, Bienenwachs, Kiefernharz und Ruß zum Färben des Wachses.
Man stemmt aus dem vorbereiteten Brett eine rechteckige Fläche auf etwa 2-3mm heraus, schmilzt das Wachs im Wasserbad,Harz dazu, färbt es und füllt es in die Fläche ein. Fertig.
In der Theorie ganz einfach, auch die praktische Umsetzung ist es eigentlich, wenn man mit Werkzeug umgehen kann. Das einzige Problem ist wenn man urplötzlich merkt, dass die Bienenwachsvorräte auf Daumengröße geschrumpft sind und nur noch für eine Ecke der Wachstafel reichen würden. Also hab ich das gesamte Haus durchsucht und nicht mal eine einzige dämliche Bienenwachskerze im Weihnachtskram gefunden.
Noch dämlicher wirds, wenn man feststellen muss das sämtliche Bastelläden dies früher mal gab inzwischen nicht mehr gibt oder die kein Bienenwachs haben, weil momentan so Kunststoff-Duftkerzenmist in ist! Ahhhhhh!
Bin dann heute Vormittag nach Mainz gefahren, Bienenwachsvorräte wieder aufgestockt, Rußpigmente gekauft, Flussperlen zum Besticken mitgenommen, Obdachlosen vor dem Dom was aus dem Almosenbeutel gegeben, im Dom über Kabel von Verlegearbeiten für ein Konzert gestolpert, Brezel gegessen, heim gefahren, Wachstafel fertig gemacht.
Gero vs. Wilhelm – 2 Bilder mit Geschichte(n)
Diese beiden Bilder haben etwas gemeinsam und dennoch unterscheidet sie etwas gewaltiges. Beide Bilder stammen aus dem 16. Jahrhundert. Ein Bild zeigt den Stifter der Stiftskirche St. Cyriakus in Gernrode, Markgraf Gero, das Andere zeigt Wilhelm den Eroberer.
Das Bild Wilhelms (rechts) fällt unter den Bereich “Geschichten”. Im 16. Jahrhundert wurde das Grab Wilhelms in der Abtei St. Etienne in Caen zwei mal geöffnet. Der erste normannische König Englands soll in einem hervorragenden Zustand gewesen sein. Man bestellte einen Maler ein, der dieses Portrait anfertigte.
Selbst wenn Wilhelms Gesicht noch einigermaßen intakt gewesen sein sollte (was ich nicht wirklich glaube), so stellte der Maler doch den Herrscher in der Kleidung seiner eigenen Gegenwart da, wodurch ein Wenig aussieht wie ein Mittelding aus Heinrich VIII von England und Dürers Bild Karls des Großen. Ein Vorgang der zu dieser Zeit vollkommen normal war.
Das Tafelbild Markgraf Geros Bild hingegen präsentiert den Stifter ungewöhnlicher Weise nicht in der Kleidung der der Zeit des Malers. Stattdessen zeigt es Kleidung, wie sie etwa Heinrich der Zänker in einer Darstellung des Regelbuches von Niedermünster trägt. Er trägt gewickelte Bänder um die Beine und Hosen. Darüber eine Tunika mit Borten die durch Steine und/oder Perlen verziert ist. Die Kleidung der Zeit von Geros Tod 965. In seiner Rechten trägt er eine Lanze. Ein Habitus den auch Heinrich der Zänker oder etwa Ludwig der Fromme in der Darstellung des miles christi von Hrabanus Maurus einnimmt.
Lediglich das Richtschwert und der Schild mahnt an eine andere Zeit.
Zur Zeit als das Bild im 16. Jahrhundert entstand, wurde auf Veranlassung Äbtissin Elisabeth von Waidas für den Stifter eine neue Grabtumba errichtet. Man geht davon aus das es davor eine Grablatte mit bildlicher Darstellung gab und der etwas unbedarfte Maler angewiesen wurde diese zu malen bevor sie zerstört wurde. Ein Hinweis auf das Alter ist auch die Inschrift, die wohl mit ihrer ungelenken Schreibweise wohl von der Grabplatte übernommen wurde. Dies bedeutet zum Einen das die Grabplatte älter war ist als die von Rudolf von Rheinfelden, dem “Rekordhalter”, zum Anderen ist dieses Bildnis eine detaillierte Darstellung der Kleidung zur Zeit der Ottonen.
Und diese unterschiedet sich nicht wesentlich zu der Kleidung der Karolinger wie sie etwa im Stuttgarter Psalter zu sehen sind. Lediglich der Saum der Tunika schein weiter gewesen zu sein, wahrscheinlich mit Geren geweitet und nicht mehr geschlitzt.
Also eine zwar mit Vorsicht zu genießenden, aber dennoch informative Quelle fürs Reenactment.
Kleidung als Klimaschutz und Sozialattribut bei vorgeschichtlichen Kulturen in Europa
Durch Zufall hab ich gestern beim stöbern auf dem Bibliothekssystem der Uni Hamburg die Dissertation:”Kleidung als Klimaschutz und Sozialattribut bei vorgeschichtlichen Kulturen in Europa : Eine Untersuchung an bronzezeitlichen Grabfunden” entdeckt.
Bronzezeit ist ja jetzt eigentlich nicht so meine Zeit, dennoch ist das ganze sehr interessant, weil es auch einige Rekonstruktionen und vorallem die Fundlage von Objekten zum Skelett angegeben werden! Also auch was für Reenactment.
Die Schuhe in “Aufruhr 1225″
Anständige bzw. gut erhaltene Funde von Schuhen des Mittelalter sind immer eine Seltenheit. Zur Zeit sind in der Ausstellung “Aufruhr 1225″ drei einzelne Exemplare des 13. Jahrhunderts zusehen, die im Hinterhof einer möglichen Patrizierwohnung gefunden wurden. Sie lagen in einer feuchten Grube, wie sie etwa genutzt wurde um verschlissenes Leder von alten Schuhen wieder weich zu machen um es dann wieder zu recyclen, d.h. brauchbare Teile ausschneiden um daraus wieder neue zu nähen. Man kann sich allerdings nicht wirklich vorstellen, das in dieser gehobenen Wohngegend sich eine Gerberwerkstatt oder ähnliches befand.
Der Artikel des Mindener Tageblatt ist recht interessant, interessanter ist aber das Bild der Schuhe, das ich mir schnell in meinen Archiven, in denen ich nie finde was ich suche, gespeichert habe.
600 Jahre Schlacht von Grunwald/Tannenberg
Am Wochenende wurde in Polen der 600. Jahrestag der Schacht von Grunwald und Tannenberg begangen. Während wir Deutschen eher dazu neigen das Ganze als “Schlacht von Tannenberg” zu bezeichnen verwenden die Polen eher die Bezeichnung “Schlacht von Grunwald”.
Die Schlacht war der Anfang vom Ende der Herrschaft der Deutschordensherren auf dem Gebiet des heutigen Polen. Für Polen ist das ganze so etwas wie ein Nationalfeiertag. Quasi das Hastings Polen, mit dem Unterschied das die Polen gewonnen haben, im Gegensatz zu England
Ich hab mal ein paar Flickr Alben zum Thema rausgesucht:
Die Schlacht von Grunwald mit Lego nachgebaut
Bilder der Krakow Post
und hier noch die Bilder eines Sets vom Reenactment von 2009 von diesem Jahr hab ich nichts anständiges gefunden…
Der tägliche Reenactor
Black Death Trailer
Black Death ist wieder so eine dieser unzähligen Fantasy-Mittelalter-Dinger im Stile vom 13ten Krieger. Irgendwie erinnert mich auch die Story daran. Und Sean Bean spielt mit. Und er tut wieder sein bestets: so aussehen wie Boromir bei Herrn der Ringe (leider ohne die Pfeile). Warum ich das schreibe bzw. den Film überhaupt erwähne? Das Ding wurde in Deutschland gedreht und zwar zum Teil im Ukranenland in Torgelow.
Naja, vielleicht ist es gut für Äktschn oder so…
Video – Barbaren/Die Franken
Ein Video vom History Channel über die Franken. Ich sollte es noch nicht gepostet haben… …denke ich… ich weiß es aber nicht… ….also… …Video…. …mir ist warm…
Video – Waffentechnik der Goten und Franken
Ich weiß nicht ob ich das Video schon mal hatte, zumindet hab ichs eben nicht gefunden. Es ist eine dieser unzäligen Dokus aus England, die zwar gut gemacht ist aber stellenweise nicht ganz so genau. Aber man kanns sich ansehen, auch wenns mehr um Goten als um Franken geht.
Auf jeden Fall zu 9:40 springen und sich über die Lache der Jungs von Regia Anglorum freuen wenn sie mit der Franziska das Schild zertrümmern
Warum eigentlich immer Wikinger?
Seit langem frage ich mich warum viele, wenn sie einen Einstieg ins Reenactment oder nennen wir es mal (ohne eine Wertung abzugeben) den “Versuch das Mittelalter darzustellen” wagen, den Weg des Wikingers einschlagen.
Ich glaube es hat viel mit dem Wikinger Image an sich zu tun. Wilde Kerle die Saufen können/dürfen bis zum Umfallen. Das Schwert immer griffbereit an der Seite. Kein Gesetzt hält einen auf. Einen Rang oder so was gibt es (scheinbar) nicht, der ihnen verbieten könnte eine Waffe zu tragen und das Trinkhorn darf man weiter benutzen… Tja, der Einstieg wird leichtgemacht.
Der Wikinger verbreitet ein Gefühl von Freiheit und Ungebundenheit, sozusagen der Marlboromann des frühen Mittelalters. Scheinbar bietet der Wiki dem Einsteiger einfach viel Raum für Träume und Interpretationen, so dass er leichter angenommen wird als das in Internet-Foren scheinbar stärker reglemtierte Hochmittelalter. Auch dürften die bereits existierenden Grobmittelalter-Wikis eine Rolle spielen, die mit bunten Kettchen, Thorshämmern bis zum abwinken behängt und mit totem Fuchs auf der Schulter den Urtyp des germanischen Helden geben.
Man merkt aber, dass viele, die sich tiefer mit der Materie auseinandersetzten , dann zur Darstellung eines Händlers oder Handwerkers umschwenken und Abstand vom waffenstrotzenden Brachialwiki nehmen.
Dabei ist der Wiki ja allein schon ein mißverstandene Gestalt. Die geschnitzten Comics auf Stabkirchen zeigen gut frisierte, gepflegte Menschen, der Wikinger hatte ein Bügeleisen, die Thorshämmer fanden sich in Frauengräbern und haben möglicherweise schon eine Verbindung mit dem christlichen Kreuz… usw.
Das Gerücht von den Wikingern gäbe es ja so viele Funde an denen man sich orientieren könnte, finde ich mehr oder minder an den Haaren herbeigezogen. Wikinger ist nicht gleich Wikinger, genauso wenig wie ein Schwede ein Norweger ist. Die meisten berufen sich daher ja auf eine Darstellung nach Funden aus Birka oder Haithabu. Aber Birka war, genauso wie Haithabu, eine Handelssiedlung. Viele Kulturen trafen hier aufeinander und der ein oder andere Händler segnete hier auch, fern der Heimat, das Zeitliche und lies damit Spuren seiner ursprünglichen Kultur in den Orten und den Gräbern zurück. Also muss man auch hier vorsichtig sein und kann sich nicht wahllos bedienen.
Natürlich ist das Schöne an wikingerzeitlichen Funden, gerade aus Haithabu, der Erhaltungszustand. Ich selbst hab hier auch im Schrank die Bücher über die Textilfunde aus Haithabu stehen. Der saure, feuchte Boden hat die Stoffe ja auch wunderbar konserviert.
Aber die Frage bleibt trotzdem: aus welchem Dunstkreis, aus welcher Zeit stammt der Fund, sonst geschieht es leicht das der Wikinger komplett nach Funden eingekleidet ist, aber die Funde mal locker 200 Jahre und 1000km abdecken.
Ich für meinen Teil konnte den Wikinger nie so wirklich etwas abgewinnen. Allgemein dachte ich das Frühmittelalter wäre so eine, naja, barbarische Zeit, weswegen ich erst vom staufischen Hochmittelalter und über die Salier, ins Frühmittelalter geschliddert bin.
Es war Zufall das ich zu den Karolingern gekommen bin. Als ich hier (und auch vorher schon) mit meinen Recherchen zur Pfalz Trebur begann, ging es mir um die Salier. Ich wollte eigentlich wissen wie die Pfalz zur Zeit der Salier aussah und wie es sich hier lebte. Ich wollte meinem Salier mehr Substanz geben. Mit der Zeit merkte ich, das wenn ich der Pfalz auf die Spur kommen will muss ich am Anfang beginnen und fand immer mehr Information über die Karolinger. Dabei musste ich feststellen, das die Epoche gar nicht so fundarm ist wie das manchmal dargestellt wird und Abbildungen gibts auch eine Menge (sogar sehr Gute!). Man muss also garnicht auf die Wikinger zurückgreifen wenn man das Frühmittelalter darstellen möchte.
Außerdem hab ich ein Grundproblem mit dem Wikinger darstellen. Wenn ich etwas Darstellen möchte, möchte ich auch das Umfeld, die Kultur verstehen. Vielleicht bin ich wirklich etwas ignorant, aber ich bilde mir ein das bei einem Wikinger nicht, oder nicht zufriedenstellend verstehen zu können. Ich habe kein Gefühl für die Landschaft in der der gemeine Wiki lebt, das Meer ist mir fremd und dann ist da die Sache mit der Religion… Ich bin katholisch erzogen, war mal Messdiener, aber habe jetzt nicht mehr viel damit am Hut, bilde mir aber ein darüber zumindest einen besseren Zugang zum mitteleuropäischen Frühmittelalter zu haben, als zum Nordeuropäischen. Tja und die Quellenlage was die Religion angeht finde ich auch eher dürftig. Die Edda in der Form in der wir sie kennen stammt, wenn auch von Island, aus dem 13. Jahrhundert, da war nicht mehr soviel mit dem was wir als Wiki kennen, aber vielleicht ist das nur Ansichtssache.
So, das waren meine Gedanken zum Wiki am Freitag, schönes Wochenende wünsch ich!








