Artikel-Schlagworte: „Frühmittelalter“

Grüße aus Quedlinburg

Grüße aus Quedlinburg!

Wollte mich mal kurz melden. Hotel super, essen fantastisch, Wetter so lala.

Heute habe ich die Stiftskirche und das Schlossmuseum besucht und habe dabei dieses Schwert des 9. Jahrhunderts fotografiert. Leider waren an der Vitrine keinerlei Angaben zum Fund, nur eben 9. Jh. und sowas wie:”auch die Wikis haben solche Schwerter benutzt…”

Morgen gehts nach Gernrode, den Grafen Gero besuchen und anschließend zum Kloster Wendhusen.

Visualisierung von Herrschaft in der Architektur

Bevor ich mich verkrümel, wollte ich das noch gepostet haben.

Am Donnerstag gibt es Ingelheim, in der Saalkirche, einen interessanten Vortrag von Dr. Holger Grewe, dem Leiter der Forschungsstelle Ingelheim, der auch in Trebur einen Votrag halten wird.

Der Vortrag gibt Einblicke in die teils schwierige Arbeit der Archäologen unter der dichten Überbauung im heute „Saal“ genannten ehemaligen Kaiserpfalzgebiet und trägt erste Deutungen über die besondere Bedeutung der Pfalz Ingelheim in der Stauferzeit vor.

Es schreibt hier Allgemeine Zeitung aus Mainz

Schiffsweihe zum Brandenburgtag

Eigentlich wollte ich das schon gestern schreiben, aber… Gestern wurde der Brandenburgtag in Schwedt/Oder eröffnet, der Heimat meiner besseren Hälfte, die natürlich live vor Ort war.

Das hat nun erstmal nichts mit Geschichte und solchem Zeugs zu tun, bis auf den Fakt das eben dort gestern das slavische Schiff  ”Siwa Sweeti” getauft wurde, das vom Uckermärkischen Bildungsverband nach den Torgelower Vorlagen gebaut wurde. Heute kann man noch bis 18:00 Uhr auf der Hohensaaten-Friedrichsthaler Wasserstraße mit dem Gefährt seine Runden drehen. Man sollte sich allerdings nicht an Kartoffelsack-Turnschuh-Mönchen stören, wie ich mit deutlicher Ironie erzählt bekam.

Leider juckelt sich die Presse zur Zeit an den  Rechten hoch, die die Eröffnungsrede von Platzeck störten und die der als “arme Würstchen” titulierte, und daher kaum über das Schiff berichtet.

Hier gibts eine Galerie der Bauarbeiten, hier hat die MOZ ein Foto von gestern, hier nochmal die Stadt Schwedt und hier noch mal ein Bericht über den Brandenburg Ta ganz allgemein

Trebur in Mittelrheinische Beiträge zur Pfalzenforschung

Als ich Donnerstag im Museum war, hab ich mir ein kleines bisschen Lesestoff mitgenommen. u.A. “Mittelrheinische Beiträge zur Pfalzenforschung”, ein Protokoll einer Arbeitstagung von Max Planck Institut für Geschichte und der Uni Mainz, die am 3.-4.10. 1963 in Mainz Speyer statt fand.
Klar ein alter Schinken, aber dennoch interessant. Vorallem weil da ein Text über Trebur drin ist, den ich aus Fußnoten kenne. Naja, die Fußnote in Dr. Gockels Text in “Deutsche Königspfalzen – Band III” besagt eigentlich nur das die Annahme die Herbert Wolf hier stellte, nämlich das sich Pfalzbezirk zu Burgraben, wie Burg und Vorburg verhält, fallen zu lassen sind. Klar der Burggraben ist Hoch bis Spätmittelalterlich!
Über Herbert Wolf weiß ich außerdem nur das er für Veröffentlichungsreihe der Königspfalzen Trebur bearbeiten sollte, aber es irgendwie nicht getan hat, weshalb es eben unbearbeitet blieb… (Grummel)
Interessant an dem Vortrag Wolfs zu Trebur ist aber das er die gesamte Position der Pfalz als “Spornlage” anspricht, ein Begriff der mir selbst eigentlich nur zu ottonischen Anlagen wie etwa Tilleda und Werla geläufig ist. Wolf nimmt damit Bezug auf eine mögliche Wehrhaftigkeit der Anlage. Er sagte hierzu:

Besonders in unfriedlicher Zeit, handelte es sich um innerfränkische Machtkämpfe oder Einfälle der Normannen und Ungarn, wurde die Pfalz aufgesucht.

und führt am Ende auf:

Abschließend ist zu sagen: Trebur war für drei Jahrhunderte einer der beliebtesten Aufenthaltsorte der deutschen Herrscher. Die zentrale Lage der Pfalz in einem Kerngebiet des Reiches und der starke Rückhalt , den sie jedem König als Zentrum eines geschlossenen Komplexes von Königsgut sowie in militärischer Hinsicht durch ihre Sumpflage bot, mögen viel zu ihrer Bedeutung beigetragen haben.

Die nach dem Vortrag kurz stattgefunden und mitprotokolierte Diskussion, bezog sich leider meist auf den vorangegangen Vortrag über Ingelheim, aber auch Trebur wird nochmal dikutiert. haupsächlich wegen des Begriffs Burg den Wolf verwendete. Dr. Gauert weigerte sich den Begriff zuzulassen, da es für ihn in karolingischer Zeit keine befestigten Pfalzen gab, wobei er die von “Fräulein Fischer”, die heutige Grandedame der Pfalzenforschung Marianne Schalles-Fischer, angeführte Mauer der Pfalz Frankfurt negiert und dabei vergisst das es den Begriff “castrum” für Frankfurt um 850 gibt…
Dr. Görich sieht die Pfalz Tribur aus einem Jagdhof erwachsen, worauf Wolf die Frage stellt warum Trebur ein Jagdhof darstellen sollte, wo man doch ins “trockenere” Groß-Gerau hätte gehen könnte wo das römische Castell einst stand und betont Trebur sei eine gezielt angelegte Befestigung. Woraufhin sich wieder Gauert einschaltet, sich wieder den Begriff Burg verbittet aber auch die Schutzlage Treburs betont und von einem befestigten Hof spricht. Dr. Schlesinger spricht daraufhin wegen des Namens “Burggraben” in Trebur wieder von einer Burg, aber in einem Sinne der nichts mit der modernen hochmittelalterlichen Burg zu tun hat, woraufhin nun Görich die Terminologie ableht…

Alles kapiert?

In wieweit nun der Begriff Burg zu verwenden ist, ist mir mal egal. Wichtiger finde ich, dass alle Mitdiskutierenden damals Trebur als eine Anlage mit ausgeprägten natürlichem Schutzfaktor sehen. Eine Sache die ich ja gelegentlich ebenfalls angesprochen habe.
Weiterhin interessant ist eine Sache die Wolf noch anführt, nämlich das Namen wie Trebur häufiger bei Königshöfen in Sachsen und Thüringen belegt sind, leider führt er keine Beispiele an. Er zitiert einen Herrn Weigel wonach der Name karolingischen Ursprungs sei und Edmund Stengel der den Namen als fränkisch bezeichnet. Generell vertreten alle die Meinung der Name bedeutet “bei den 3 Häusern”.

Ach ja, und ich kann Schlesinger nur beipflichten wenn er die Wichtigkeit von Grabungen in Trebur betont!

Wachstafelbastelei

Wachstafel: sieht scheiße aus, riecht aber lecker

Eine Wachstafel, wie sie seit der Antike Verwendung fand, ist eigentlich gar nicht so schwer herzustellen. Man braucht Holz, vorzugweise Hartholz, einen Stechbeitel, einen Hammer, wenn mans luxuriöser mag vielleicht noch Schnitzmesser für Verzierungen, Bienenwachs, Kiefernharz und Ruß  zum Färben des Wachses.

Man stemmt aus dem vorbereiteten Brett eine rechteckige Fläche auf etwa 2-3mm heraus, schmilzt das Wachs im Wasserbad,Harz dazu, färbt es und füllt es in die Fläche ein. Fertig.

In der Theorie ganz einfach, auch die praktische Umsetzung ist es eigentlich, wenn man mit Werkzeug umgehen kann. Das einzige Problem ist wenn man urplötzlich merkt, dass die Bienenwachsvorräte auf Daumengröße geschrumpft sind und nur noch für eine Ecke der Wachstafel reichen würden. Also hab ich das gesamte Haus durchsucht und nicht mal eine  einzige dämliche Bienenwachskerze im Weihnachtskram gefunden.
Noch dämlicher wirds, wenn man feststellen muss das sämtliche Bastelläden dies früher mal gab inzwischen nicht mehr gibt oder die kein Bienenwachs haben, weil momentan so Kunststoff-Duftkerzenmist in ist! Ahhhhhh!
Bin dann heute Vormittag nach Mainz gefahren, Bienenwachsvorräte wieder aufgestockt, Rußpigmente gekauft, Flussperlen zum Besticken mitgenommen, Obdachlosen vor dem Dom was aus dem Almosenbeutel gegeben, im Dom über Kabel von Verlegearbeiten für ein Konzert gestolpert, Brezel gegessen, heim gefahren, Wachstafel fertig gemacht.

Die Grabungen am Danewerk

Nach dem die Presse ausführlich über das Tor im Danewerk berichtet hatt, das ganze aber immer wieder mit eher nichtssagenden Bildern dekoriert hatte, hat nun das Archäologische Landesamt Schleswig Holstein eine eigene Seite zur Grabung eingerichtet. Hier kann man nun auch eine Luftaufnahme der Gesamtsituation sehen.

Am bedeutendsten Bodendenkmal Nordeuropas, dem Danewerk, ist dem Archäologischen Landesamt Schleswig-Holstein eine großartige Entdeckung gelungen. Bei Ausgrabungen an der annähernd 1300 Jahre alten Feldsteinmauer des Danewerks wurde ein bisher unbekannter Durchlass entdeckt. Hierbei könnte es sich um das lange gesuchte, erstmals im Jahr 808 in den fränkischen Reichsannalen genannte „einzige Tor“ handeln, durch das, wie es in der Schriftquelle heißt, „Wagen und Reiter hinein und wieder hinaus kommen könnten“.

Hier gehts zum Landesamt (Danke in den Hohen Norden für die Mail)

Auf dem Weg in die karolingische Ulmer Pfalz?

Zur Zeit finden in Ulm im Weinhof Grabungen statt. Der Weinhof war der Standort der staufischen Pfalzanlage. Der Standort der karolingischen Pfalzanlage Ulms ist jedoch unbekannt und sorgt mit unter für Diskussionen (zu den Theorien siehe hier).

Bei den jetzigen Grabungen tauchte eine Mauer und ein Brunnen des 14. Jahrhunderts auf, aber auch Scherben die ins 7.-8. Jahrhundert zu datieren sind und auf gut situierte Siedlung hinweisen. Jetzt dringt man tiefer ins Erdreich vor und hofft mehr zu erfahren (Es scheint mir daher so, als seinen die Scherben aus einer tieferen Schicht, bei Fundamentierungen oder ähnlichem, in die Schicht des 14. Jh.  transportiert worden zu sein) , zum Beispiel ob der Weinhof auch Standort der karolingischen Pfalzanlage sein könnte.

Hier schreibt die Augsburger Allgemeine

King Harolds Hunting Lodge

Also ich kannte die Serie “Time Team” von Channel 4 aus England bisher nicht. Das ganze macht mir den hektischen Eindruck von Zahi Hawass bei dieser furchtbaren Gantenbrink-Schacht-Öffnungs-Geschichte von National Georgaphic, für die ich mir damals die Nacht um die Ohren geschlagen habe. Aber ich dachte es interessiert vielleicht mal.

Bei “Time Team” hat ein Archäologen Team 3 Tage Zeit d eine Grabung durchzuführen… (Ich glaube deutschen Fachleuten dreht sich gerade der Magen um). In diesem Fall suchen sie “Hunting Lodge” von König Harold auf Harold’s Field in Portskewett, Monmouthshire.

Die Synode von 895 in Trebur

Als Ort der Veranstaltung wird die “villa regia Triburia” in “terra Francorum” angegeben, also der Königshof, oder Regierungsort Trebur auf fränkischer Erde, oder eben in Franken.  Als Grund der Einberufung wird die Behebung von Missständen  genannt. Die Beschreibung der Vorgänge ist durchaus interessant:

Nach dreitägigem Fasten, Litaneien  und Gebet werden die Verhandlungen eröffnet: Der König geht in reichem Ornat , umgeben von großem Gefolge, in die Pfalz und besteigt den Thron.

Nach den Fuldaer Annalen sind 27 Bischöfe aus Lothringen, Sachsen, Baiern, Alamanien und Franken anwesend.  Nach Regino von Prümm 26, nach einer weitergen Quelle 22 Bischöfe. Vorsitz haben die Metropoliten Hatto von Mainz, Hermann von Köln und Ratbold von Trier. Anwesend sind auch Äbte und andere Angehörige des Klerus.  Sie versammeln sich mit den anderen Bischöfen in der Kirche. Dies wird auch als der erster Hinweis auf die spätere Laurentiuskirche gewertet, denn die Marienkapelle (sollte sie eine Kapelle gewesen sein) wäre zu klein für eine solche Versammlung gewesen.

Das ganze lief scheinbar nach strengem Ritus ab. Der König hielt sich in den Pfalzgebäuden, möglicherweise der Aula, auf und beriet sich mit den weltlichen Fürsten und wurde durch  Boten aus der Kirche informiert und nach seiner Meinung befragt. Der König sicherte daraufhin zu den Beschlüssen seine volle Unterstützung zu. Die Boten kehrten daraufhin hin die Kirche zurück, diesesmal begleitet von einigen “Großen des Reiches” aus der Umgebung König Arnulfs, um die Nachricht zu verkünden. Von der der positiven Nachricht ist der Klerus hoch erfreut erhebt sich von seinen Sitzen und bricht in Jubel aus. Das Te Deum Laudamus wird gesungen und die Glocken geleutet. Den  Abgesandten des Königs wird der Dank ausgesprochen, welchen sie dem König überbringen. Danach beginnt die eigentliche Synode, die später auch mit dem  König bei geheimen Beratungen am Hof  (secretis palatinis) fortgesetzt wird.

Die eigentlichen Beschlüsse behandeln germanisches und Kirchenrecht: Missachtung des Kirchenbanns, Misshandlung und Mord an Geistlichen, Begräbisse, Eherecht, Unzucht, fahrlässige Tötung, vorsätzlicher Todschlag usw.wobei jeder Bischof, jeder Abt die strittigen Themen aus seiner Region vortrug, über die dann beraten wurde. Dabei kam es mitunter zu recht speziellen und verzwickten Fragen: Wie ist zu verfahren, wenn sich ein fränkischer Freier in die Hörigkeit eines anderen Franken begibt um damit die Scheidung seiner Ehe zu erwirken. Ist die Ehe dann noch gültig? Und wenn ja, wird die Frau dann auch unfrei? Antwort: Die Ehe bleibt gültig und die Frau bleibt frei! (Dumm gelaufen für den Mann würde ich sagen) Oder der Franke der lange in Ehe mit einer Sächsin lebte und mehrere Kinder mit ihr zeugte. Er verließ sie und heiratete eine Fränkin, mit der Begründung die Ehe mit der Sächsin sei nie nach fränkischem Stammesrecht besigelt worden, weshalb sie nicht seine Frau sein könne. Auch hier zog der Mann den kürzeren, die Ehe wurde wieder hergestellt und der Mann zu einer Kirchenbuße verurteilt. Es wurde also auch Recht gesprochen und dabei kanonisiert. Einige der kirchlichen Beschlüsse sind auch im heutigen katholischen Kirchenrecht noch gültig.

Wikingerstadt älter als Haithabu

Knappe hundert Häuser soll sie gehabt haben, die Wikingerstadt die bei Füsing an der Schlei gefunden wurde. Erhöht lag die sie an der Füsinger Au mit Blick auf die Schlei. Eben jenem Meeresarm (oder Förde, je nach Sichtweise) der auch nach Haithabu führt.

Ein  idealer Handelsplatz also und noch dazu gut zu verteidigen.

In den 60ern und 2003 hatte man schon erste Funde gemacht, die vermuten ließen das hier einst eine Siedlung stand und nun hat die Universität Arhus  mit Grabungen begonnen.  Ein Langhaus wurde gefunden, umgeben von den kleineren klassischen Grubenhäusern. Die Siedlung soll  bis in die Zeit um 700 zurückreichen und damit rund 100 Jahre älter sein als Haithabu.

Das überzeugte die dänische Carlsberg-Stiftung, gespeist aus dem Vermögen des gleichnamigen Brauerei-Gründers, die aktuellen Grabungen durch eine Forschungsgemeinschaft von Archäologischem Landesamt und Landesmuseum sowie der Uni Århus zu finanzieren. Der Betrag reicht für eine zweimonatige Rückkehr der Archäologen im nächsten Sommer aus. In diesem Jahr wollen sie bis in die zweite Septemberhälfte bleiben. “Dann werden wir erheblich mehr Aussagen über die Hintergründe treffen können”, so Dobat. Insbesondere interessiert ihn das Zusammenspiel zwischen der Füsinger Au-Siedlung und der Metropole Haithabu.

Den ganzen Artikel hat shz.de (Dank an Jøran-Njål vom Haithabu-Tagebuch für den Link!)

Dank an:



Empfehlung:


Ab 17.10.2010 im Museum Trebur
in den nächsten Tagen wird das Programm hier erhältlich sein
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