Äpfel und Birnen: Sinnlose Waffenvergleiche im Netz

Vor einiger Zeit bekam ich aus einer privaten Sammslungsauflösung ein Katana geschenkt. Wie man das so in der Regel macht schaut man dem geschenkten Gaul dann doch mal ins Maul. Dabei stolpert man unweigerlich auch über zahlreiche Youtube Videos mit so klangvollen Namen wie: „European Longsword vs. Katana“, „Medieval Sword vs. Katana“ oder „Longsword vs. Katana“.

Bei all diesen Filmchen wird man nicht müde all die Klischees zu bedienen die uns Filme und zweifelhafte Publikationen seit ewigen Zeiten zu verkaufen versuchen. Egal ob es die Mär vom Zerteilen von Schwertern oder von millionenfacher Faltung, alles wird bedient. Witziger Weise kommt jeder zu einem anderen Ergebnis.
So fragt Galileo allen Ernstes ob man den wirklich mit einem Samuraischwert ein anderes Schwert zerteilen kann wie es in Kill Bill gezeigt wird.
Die „Versuchsanordnung“ ist dann auch relativ simpel: Ein eingespanntes Breitschwert wird zunächst mit einem Katana, dann mit einem Langschwert malträtiert. Und siehe da, das Katana verbiegt sich, das Langschwert überlebt und zerbricht das Breitschwert. Jeder der mal mit Schwertern gekämpft hat bekommt hierbei allein vom zusehen Bauchschmerzen. Galileo jedoch folgert: „Das deutsche Langschwert zerteilt die Klinge und erweist sich damit als das wahre Superschwert“. Aua!

Tatsächlich aber macht es nicht einmal Sinn das Katana mit einem europäischen Schwert des hohen oder späten Mittelalters zu vergleichen. Es ist der sprichwörtliche Vergleich von Äpfeln und Birnen.
Der Schlag eines Katanas entspricht mehr einem Schnitt als einem Schlag. Dies beding bereits die Form des Schwertes. Tatsächlich war ich ein bisschen erstaunt wie man doch durch die Form von Griff und Klinge dazu gezwungen wird bei einem Katana eine schneidende Bewegung durchzuführen. Dies erklärt sich durch die Art der japanischen Rüstungen, deren einfachere Modelle Aus mit Lack verstärkten Bambusplättchen und gehörtetem Leder gehörten und eine größtmögliche Beweglichkeit ermöglichten. Großflächige Metallteile an Rüstungen tauchten in Japan erst mit dem Nanbandō auf. Einem Kürass, den man direkt von den im 16. Jahrhundert in Japan auftauchenden Portugiesen kopierte und dessen primäres Ziel nicht der Schutz vor Schwerthieben, sondern der Schutz vor Gewehrkugeln war.
Die Portugiesen ihrerseits liefen auch nicht mehr mit dem Langeschwert herum sondern trugen Rapiere.
Das Langschwert war aber eine Entwicklung die mit der Plattenrüstung in Europa einher ging. Im Gegensatz zur japanischen Rüstung hatte die Plattenrüstung ein wesentlich höheres Schutzpotential, schränkte aber die Bewegung wesentlich stärker ein. Also vollkommen unterschiedliche Gegebenheiten. Und davon findet sich im Netz ein Haufen Mist.

Ein Katana mit einem europäischen Schwert zu Vergleichen kommt also dem Vergleich eines Tomahawks mit einer Bartaxt gleich. Es macht keinen Sinn, man kann aber Sendezeit damit füllen.

Dazu gibts auch zwei kurze Filmchen von Youtube (wobei ich mir Skallagrim mal näher anschauen muss, erinnert mich an den guten Lindy Beige) :

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