Tunikaverziehrungen und mögliche Vorbilder – Ein Brainstorming

Seit einigen Tagen bin ich mit einigen Details meiner Tunika-Suche nicht mehr ganz glücklich. Wobei es wohl aber nur eine Frage der Ergänzung bzw. des Zusammenhangs ist.

Im Rahmen der Ulrichsdamatik durchwühlte ich natürlich eine Menge historischer Messgewänder, war irgendwann beim Rationale und damit auch beim Superhumerale in seiner kirchlichen Fassung.  Und hier beginnt mein Kopfzerbrechen.

Das Superhumerale war, bevor es in unser Region eine religiöse Form erhielt, ein Herrschaftszeichen. Bereits spätantike Herrscher und Herrscherinnen trugen es. Am bekanntesten ist wohl die Darstellung Theodoras, der Frau Justunians, auf den Mosaiken Ravennas mit Superhumerale. Es taucht aber auch immer wieder auf späteren Darstellung bis weit ins Hochmittelalter auf. Es verschmiltz bei der Männerkleidung bisweilen mit dem Loros, auf das wir auch gleich kommen werden. Die Ähnlichkeit des Superhumerale als Kreisrunder, reichbestickter Stoffkragen, bzw. Collier mit dem Kragenbesatz karolingischer Tuniken ist frappierend. Besonders extrem wird diese Ahnlichkeit bei Superhumeralen die Streifen auf die Ärmel und auf Front und Rücken besitzen.
Es scheint so als haben die Karolinger ihre Tunikenbesätze nach Vorbildern byzantinischer Herrschaftskleidung gefertig, bzw. diese adaptiert.

Doch stellt sich die Frage ob es denn überhaupt byzantinische Kleidungsstücke gab, die sich in veränderter Form auf, oder als Inspirationsquelle für Kleidungsstücken unserer Breiten erweisen.

Tatsächlich fand ich in Bamberg, bzw. in Folge meines Bambergsbesuchs einen Hinweis.
So wird auf S. 67 von „Gekrönt auf Erden und im Himmel – Das heilige Kaiserpaar Heinrich II. und Kunikunde“ über die Tunika Heinrichs II, bzw. Tunika Kunigundes (wirklicher Träger unbekannt) geschrieben das es sich bei dem asymmetrischen Halsauschnitt um die Adaption eines byzantinischen Loros Handeln könnte. (Die Veröffentlichung bezeichnet den Halsauschnitt als „ohne Vergleichsbeispiel“. Wie wir jedoch bereits gesehen haben gibt es eine Vielzahl von Ausschnitten die nicht zentral und auch nicht symmetrisch sind, eine prominentes Beispiel ist etwa die blaue Tunicella aus den Reichskleinodien. Bezieht sich die Aussage auf die verzierten Beläge als solches stimmt dieses jedoch). Der Loros ist mit dem Superhumerale verwand und besteht aus einem Langen, reichverzierten Schal der kunstvoll um den Körper gewunden wird.

Ein weiteres Stück, welches scheinbar die Übernahme aus klerikaler Verwendung findest sich auf der Alba aus den Reichskleinodien. Hier wird die Rationale in ihrer Urform als Brustschild in Stickereien nachgebildet.

Nun, da ich diese Gedanken niedergeschrieben habe, bemerke ich etwas. Nicht zwingen muss es sich um byzantinische Vorlagen für die Übernahmen handeln, denn all diese Elemente kommen oder kamen auch in nahezu gleicher Verwendung an oder auf klerikalen Gewändern vor.
Dies könnte bedeuten ,das die Übernahme von klerikalen Gewändern erfolgte. So wie sei auch bei den Kleidungsstücken der Reichskleinodien erfolgte (darüber wird noch gesondert zu schreiben sein) um das Gottesgnadentum auch symbolisch in der Kleidung zu zeigen.

Sollte sich jemand hierzu einmal Gedanken gemacht haben, würde ich mich über ein Feedback freuen.

2 Gedanken zu „Tunikaverziehrungen und mögliche Vorbilder – Ein Brainstorming“

  1. Servus Markus,

    ich stolpere immer wieder über Bilder wie z.B. das von Dirk II. (1083 a.D.) auf dem eindeutig eine frei hängende Verzierung ähnlich einem Loros zu sehen ist. Daher denke ich sind deine Rückschlüsse zu klerikalen Vorlagen durchaus nachvollziehbar.
    Andrerseits sind diese klerikalen Keidungen, ja wieder nichts anderes als „stereotypen“ der antiken römischen Gewänder.
    Also ist es aus meiner Sicht nicht zwingend nötig ein byzantinisches Stück zu besitzen.
    Wenn man andrerseits betrachtet aus welchem Umfeld die klerikale Führungsschicht stammt, ist ein Spiegelung von „Machtinsignien“ auf das weltliche Umfeld durchaus nachvollziehbar. Und nachdem ein Superhumerale etwas unpraktisch im Alltag zu tragen ist macht man sich daraus einen bestickten Kragen, und wie es die Gesetze der Mode zeigen, imitieren das wiederum die einfacheren Schichten mit ihren beschränkteren Mitteln.

    Gruoss
    der Uhl

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