Ein Besuch der Grabungen in der Johanniskirche Mainz

Eigentlich hätte es nur ein kleine Grabung werden sollen als bei der Sanierung im Juni 2013 in der Mainzer Johanniskirche, dem alten Dom, einige Mauerreste auftauchten. 3 Wochen waren angesetzt doch nun gräbt man seit über einem Jahr.

Am vergangenen Wochenende nun konnte ich mich gemeinsam mit Terraplana e.V. über den momentanen Stand der Grabungen informieren. Die Führung übernahm Grabungsleiter Dr. Ronald Knöchlein von der Direktion Landesarchäologie Mainz.

Betritt man im Moment die Jaohanniskirche, gleicht diese mehr einem im Bau befindlichen Schwimmbad. Zumindest kann man diesen Eindruck gewinnen, wenn man vor der knapp 2m tiefen Baugrube im Inneren steht und man kann erahnen was noch alles hier zu tun ist.
Dr. Knöchlein begann seine Ausführungen mit dem Hintergrund zur Johanniskirche. Es ist zu vermuten das sie sich auf dem Areal befinden auf dem in römischer Zeit das Forum lag. Wann hier eine erste Kirche entstand ist ungewiss, sicher aber gab es eine unter Bischof Sidonius im 6. Jahrhunder, wenn auch unklar ist ober eine bestehende Bischofskirche sanierte oder neu erbauen lies. Diese Kathedralkirche, wie der heutige Dom ebenfalls dem fränkischen Staatsheiligen Martin geweiht, war Teil einer Kirchenfamilie die durch eine Marienkirche im Norden (am heutigen Gutenbergplatz gelegen) und einer Taufkirche, deren Position unbekannt ist, kompetiert wurde. Es ist zu vermuten das die Taufkirche Johannes dem Täufer geweiht war. Nachdem der neue Dom dem heiligen Martin geweiht wurde erhielt der alte Dom das Patronizium der Taufkirche. Auch die Marienkirche wurde aufgegeben und durch die Liebfrauenkirche (auch Maria ad gradus, Mariengreden) als Vorkirche des neuen Doms ersetzt.

Die Bauteile die wir heute noch sehen können stammen größtenteils aus der Zeit Bischof Hattos und somit aus dem späten 9. und frühen 10. Jahrhundert. Sie werden als Bau II, bezeichnet während die fränkische Vorgängerkirche als Bau I bezeichnet wird.

Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Blick auf die freigelegten Teile der Arkaden
Der Raumeindruck den die heutige Johanniskirche bis vor kurzem vermittelte war ein Eigenartiger. Ungewöhnlich breit erschien das Kirchenschiff, zu breit für die Höhe. Dabei aber auch wieder zu hoch für die niedrigen, vermauerten Arkaden, die, gedrungen wie sich darstellten einen hochromanischen Eindruck hinterließen. Oder kurz gesagt: irgendwas stimmte hier nicht mit den Dimensionen.
Das da was nicht stimmte war auch schon anderen aufgefallen, weshalb man davon ausging das der ursprüngliche Laufhorizont tiefer liegen musste. Doch das die Pfeiler fast noch einmal so tief in den Boden reichten, wie sie darüber lagen ahnte fast niemand, obwohl Kautsch bereits 1909 von einem 2,65m tiefer liegenden Laufhorizont ausging.

Im Kirchenschiff, gleich links der Vorhalle die ehemals einen Ostchor bildetet, fand sich im Langhaus ein Altarsockel im Boden der in knapp 2m tiefe auf einem Plattenboden aus dem 12./13. Jahrhundert stand. Noch ein kleines Stück darunter war dann an der Wand endlich die Basis der Pfeiler von Bau II. erreicht. Doch auch noch darunter fand sich ein Boden, wohl von Bau I. Man hatte also den ursprünglichen Boden des Hattobaus erreicht. Und ohne die Auffüllungen in der Kirche wirkt nun der Raum vollkommen anders. Die niedrigen Arkaden wachsen nun in ungeahnte Höhen und wirken nun Schlank und filigran.

Auch der Chor brachte Überraschungen. Der gotische Chor war mit Schutt aus dem Zweiten Weltkrieg verfüllt unter dem man den gotischen Boden fand. Diesem fehlten aber die rechteckigen Sandsteinplatten, die ihn einst bedeckten. Sie hatten jedoch im Mörtel sichtbare Abdrücke hinterlassen. Einer dieser Abdrücke war jedoch besonders. Er zeigte den Abdruck einer mit Flechtwerk verzierten Chorschranke, der zu jener passte die bereits 1906 gefunden worden war. Ein Chorabschluss konnte jedoch bis jetzt nicht gefunden werden. Wie also der Westchor der Kirche aussah muss also zunächst offenbleiben. Die Vermutungen pendeln zwischen halbrunder Apsis und Rechteckchor, wobei viele dem Rechteckchor den Vorzug geben da sich so der eigenwillige gotische Chor erklären ließe.

Unser Weg führte uns nun durch die ehemaligen Seitenschiffe ins Frei und nun wieder in die Kellerräume der Kirche, von wo aus auch die Baugrube zu erreichen ist. Der Weg führte uns in einen kleinen Seitenraum, der ehemals für Öltanks genutzt wurde. Hier konnte man nun die bereits erwähnte karolingische Säulenbasis sehen, die im Gegensatz zur Kirchenschiffseite noch voll plastisch ausgeformt war.

Zwischen Langhauswand und Außenmauer, die ebenfalls auf den Mauern von Hattos Seitenschiffen aufbaut befinden sich die Reste einer weiteren Mauer. Sie ist in ihrer Mauertechnik ähnlich fein säuberlich wie römische Mauern aufgebaut, ihrem Mörtel fehlt jedoch der typische Ziegelklein. Die Mauer ist Bau I des Sindonius zuzuordnen. Direkt an die Mauer angelehnt fand sich eine gemauerte Grabkammer in der einst ein Holzsarg lag. Die hier bestatte Person muss hochgestellt gewesen sein, war jedoch bis auf ein undefinierbares Stück Metall auf dem Oberarm beigabenlos.

Am Eingang in den Kellerbereich findet sich noch ein weiteres Schmankerl. Knapp über dem heutigen Boden befindet sich der Bogen eines Durchganges in der Wand, der in oder unter den Altarraum führen würde. Es wird vermutet das es sich um den Zugang in eine Krypta handelt. Zur Zeit wird hier am Gewände des Durchgangs nach unten gegraben, in der Hoffnung auf die Treppen der Krypta zu stoßen.

Leider vergaß ich Herrn Dr. Knöchlein über die Westung der Kirche zu fragen, denn genau wie der heutige Dom ist auch die Johanniskirche gewestet. Im Regelfall befindet sich die Krypta jedoch unter dem Hauptaltar, was bedeuten würde das auch die Johanniskirche bzw. der alte Dom gewestet gewesen wäre.Dies wiederum würde der Vermutung Willigis habe den neuen Dom gewestet um ihn Alt-St. Peter in Rom ähnlich werden zu lassen. Er hätte ihn also nur gewestet um in der Tradition des Vorgängerbaus zu stehen.

Im Anschluß gingen wir mit Herrn Dr. Knöchlein noch essen, wobei mir eines nicht aus dem Kopf ging. Als wir in der Kirche waren und ich den ursprünglichen Zustand vor meinem inneren Auge rekonstruierte, fielen mir immer mehr Parallelen den Bauten Hattos auf der Reichenau auf. Allen voran die ausgeschiedene Vierung. Ich Sprach Dr. Knöchlein darauf an und tatsächlich sind es diese Parallelen die es den Historikern erlauben den Bau Hatto zu zuzuordnen, denn entsprechende archäologische Funde gibt es bisher leider nicht. Die Füllschichten waren bisher frei von jeglichen Scherben. Aber das könnte sich noch ändern!
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau hat beschlossen das Bodennivau auf das des 12. Jahrhunderts abzusenken um so den ursprünglichen Raumeindruck wieder herzustellen. Für Dr. Knöchlein bedeutet das noch eine ganze Menge Arbeit und wahrscheinlich auch noch einige überraschende Funde. Wir dürfen gespannt sein.

Hier findet sich eine Bildergalerie (Bei Facebook)

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