Interview mit Karl III.

Nach meinem Aufenthalt in Regensburg wo ich Arnulf von Kärnten interviewen konnte ist es mir nun gelungen am Bodensee ein Interview mit Karl III. zu führen..

KarlIII
Epitaph Karls III. in der Klosterkiche St. Maria und Markus, Insel Reichenau

Frage: Hallo Herr… ähhh… Karl III. schön das Sie Zeit für dieses Gespräch gefunden haben hier im Umfeld von St. Maria und Markus auf der Insel Reichenau

Karl: Ach ich hab sonst nicht viel zu tun und einfach Karl reicht auch.

F: Sie tragen den Beinamen „der Dicke“ nun sehen sie aber alles andere als dick aus.

K: (leicht schmunzelnd) so ist das mit den Beinamen. Aber ich denke ich kann mich nicht beklagen. Zu meinen Lebzeiten bin ich verspottet worden für Ideen die ich umsetzten wollte und die nicht gelangen. Meinem Verwandten, dem Westfranken Karl , hab ihn noch als Kind kennengerlernt, gelang es dann und er trägt den Beinamen „der Einfältige“. Ich denke ich komm mit dem Dick besser weg als er mit der Einfallt, also ich will mich da nicht beklagen, zumal der Beiname der Dicke ja erst mehr als 200 Jahre nach meiner Zeit auftaucht.

F: Auf die Nordmänner kommen wir noch zu sprechen, doch zunächst erlauben Sie mir die Frage wie es sich so anfühlt der letzte Karolinger zu sein, der noch einmal über ein Reich der Größe aus der Zeit Karls des Großen zu regieren.

K: Nun, ich habe mir das so nicht ausgesucht, auch habe ich mich dem Papst für die Kaiserkrone nicht angebiedert, ich wurde dazu gedrängt. Abe es war einfach meine Pflicht die Aufgaben zu übernehmen die Gott mir auferlegte.

F:Es war also nich einfach für Sie?

K: Nein ganz und gar nicht. Ich sollte ja ursprünglich nur Alamannien regieren. Ostfranken war da auch nicht das Problem, aber die Italiener waren schon schwieriger für sich zu gewinnen.

F: Und 885 wurde auch noch die Westfränkische Krone an Sie heran getragen.

K: Das war noch schwieriger. Seit den Vorgängen auf dem Rothfeld…

F: dem Lügenfeld 833…

K: Genau, das Lügenfeld. Nun ja, seit dem war das Verhältnis zwischen West- und Ostfranken zutiefst getrübt, die Sprachbarriere zwischen romanischer und deutscher Sprache und so Sachen kommen ja auch noch dazu. Eigentlich waren wir nicht mehr ein Frankenreich, keine Brüder mehr, sondern nur noch weit entfernte Verwandte und allen Vorstellungen gerecht zu werden war geradezu unmöglich. Sie sehen es ja an Arnulf, der hatte an Westfranken schon gar kein Interesse, da er wusste das mit denen nichts mehr läuft.

F: In Frankreich, also Westfranken hatten Sie ja auch eine Ihrer größten Niederlage. Sie standen sehr in der Kritik für den Verlauf der Belagerung von Paris und der Preisgabe Burgunds an die Nordmänner.

F: Ja,ja, hab davon gehört. (murmelt etwas unverständliches) Aber sie müssen das aus meiner Perspektive sehen. Natürlich hätte ich die Möglichkeit kurz vor dem Winter noch mal alles was in Franken Beine hat zu mobilisieren. Aber was wäre gewesen wenn wir den Kampf gegen die Nordmänner bei Paris verloren verloren, oder nur knapp gewonnen hätten? Es wäre zu einer Hungersnot gekommen , die Grenzen hätten offen gestanden ohne Verteidigung, weil wir keine verfügbaren Heerführer gehabt hätten. Die Mauren und Mährer hätten ihre Chance genutzt und wären von Westen und Osten ins Reich eingefallen. Wahrscheinlich wären auch die Magyaren dann noch früher gekommen. Das wäre das Ende gewesen. Ich hab mich also für das kleinere Übel entschieden: Burgund preis zu geben, Paris zu verschonen und Kräfte und Material sammeln.

F: Aber Sie gerieten auch in die Kritik, weil Sie Nordmänner zuvor an der Küste ansiedeln wollten.

A: Ja genau. Man hat mich verspottet, als Verräter bezeichnet. Ich frage mich aber wieso? Meine Vorfahren haben schon immer in den Grenzregionen Verbündete gesucht, diese an- und umgesiedelt und entsprechend verheiratet.  Auch Arnulf von Kärnten hat das gemacht, aber mir wird das zum Nachteil gehalten. Seltsam oder? Aber Geschichte wird eben von den Siegern geschrieben.

F: Wo sie gerade Arnulf von Kärnten erwähnen, er hat sie abgesetzt. Was war das eine Situation für sie  als sie von ihrem eigenen Neffen abgesetzt wurden?

A:(überlegt) Nun ja, natürlich war es eine schlimme Situation, aber andererseits war es auch gut. Ich meine es gab für das Reich keine bessere Lösung.

F: Wie darf ich das verstehen?

K: mhhh… (zwirbelt den Schnurrbart) Zu dem Zeitpunkt meiner Absetzung wusste ich das mein Gesundheitszustand nicht sonderlich gut war. Ich wusste es könnte  zu Ende gehen. Ich hatte keinen Sohn mehr und somit weder einen legitimen noch irgendeinen anderen Nachfolger. Von daher war Arnulfs Handlung vollkommen verständlich und auch im Sinne des Reiches. Alles hätte sich um meine Stellung geprügelt, wenn ich ohne Erbe gestorben wäre und das fränkische Reich wäre vor die Hunde gegangen. So konnten wir Ostfranken erhalten. Und mal im Ernst. Wie hätte ich ohne Nachfolger zurücktreten sollen, ein Kaiser von Gottes Gnaden? Arnulf konnte so mit seiner Machtergreifung schon sein Durchsetzungsvermögen demonstrieren und auch seine königliche Fähigkeit zur Gnade.

F: Wollen sie sagen alles war so geplant?

K:Nein, natürlich nicht. Aber als ich hörte das Arnulf auf dem Weg nach Trebur war war mir bewusst was kommen würde. Selbst wenn der Adel bei mir geblieben wäre, wäre ein militärisches Vorgehen sinnlos gewesen bei meiner Gesundheit. Das wusste auch Arnulf. So konnte ich mich zurückziehen und seine Gnade war mir Gewiss. Schon aus christlicher Nächstenliebe heraus.

F: Vielen Dank, Karl. Ich bedanke mich für das erhellende Gespräch!

K: Ich habe zu Danken. Nur wenige Leute finden noch den Weg zu mir.

Zur Erläuterung: Noch immer wird Karl III. in der Literatur als schwächlicher Versager dargestellt. Ob das wirklich so war, werden wir wohl nie erfahren. Die Darstellung in diesem fiktiven Interview sollte nun zeigen das seine Handlungen auch unter anderen Aspekten zu sehen sind. Ein Herrscher, der eigentlich nie damit rechnen konnte jemals über ein solches Reich zu regieren, dessen Teile sich seit Karl dem Großen schon weit auseinander gelebt hatten und der durchaus nachvollziehbare Entscheidungen getroffen hatte.

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