Lanzen als Herrschaftszeichen im Bezug zu Oriflamme

Lanzen/Speere sind mithin die ältesten Waffen der Menschheit. Waffen wurden immer wieder mystifiziert und mit unglaublichen Fähigkeiten versehen.  Die  bekannteste dieser Lanzen ist wahrscheinlich die „heilige Lanze“  in Wien. Es gibt aber noch weitere Lanzen die den Anspruch haben die wahre heilige Lanze zu sein.

Lanze und Feldzeichen sind eng miteinander verwoben. Nimm einen langen, spitzen Stock, binde einen Lappen dran und du hast ein Feldzeichen, so könnte man es zusammenfassen.

Im Post zu den Bannern wies ich auf die Oriflamme hin, ihre verschiedenen Darstellungsformen und das das einzige was an ihr gleich zu bleiben schien die Stange/Lanze war an der sie befestigt wurde. Eine goldene oder vergoldete Lanze soll es gewesen sein, was schon ein hinweis auf deren Bedeutung ist.

Um nun weiter zu kommen hatte ich verschieden Punkte an denen ich ansetzten wollte. Ich werde versuchen alle irgendwie abzuhaken.

Die Fleur-de-Lil (Lilie) Auf der Darstellung des Trikliniummosaiks (hier eine Abbildung) zeigt sich die Flügellanze Karls des Großen stilisiert, ja abstrahiert. Die Flügel, die fast noch wie die Auflieger früher Flügellanzen erscheinen, sind stark gewölbt, das Blatt wirkt kurz und breit, fast wie die heraldische Darstellung einer Lilie.

Die Lilie als Wappen der französischen Könige soll erstmals auf einem Siegel Roberts II (972-1031) als Kronschmuck zu sehen sein.  Ich habe dieses Siegel gesehen (bei Wikipedia). Ich möchte mich nicht gegen die Wissenschaft auflehnen, aber für mich scheint es sich eher um Kolbenperlen, wie auch bei der Reichskrone zu handeln.  Ab Philipp I. (1052–1108) ist die Lilie im Siegel auf dem Szepter angebracht.
Ich für meinen Teil hatte nun den Gedanken das die Lilie tatsächlich nur die Stilisierung einer Lanzenspitze darstellt. Tatsächlich musste ich bei einer oberflächlichen Suche in Google Books feststellen, das der Gedanke bereits anderen gekommen war, jedoch fand ich hierzu keine neuere Litaratur.

Die Lilie auf dem Szepter – Die Darstellung der des französischen Lilienszepter ist, so denke ich mal, recht bekannt. Ein kurzer Stab mit einer Lilie oben drauf. Szepter, Zepter kommt vom griechischen skeptron und bedeutet Stab. So besaßen die französischen Könige auch noch ein langes, mannshohes Zepter. Schaut man sich Darstellungen aus dem frühen Mittelalter an, so zum Beispiel die Darstellung Karls des Großen hier, sind die die als Szepter interpretierten Stäbe recht lang.

Es waren also keine kurzen, handlichen Stäbe. Sondern fast Lanzen…

Und davor? Nun wirds richtig interessant. Die Szepter zählen zu den Herrschaftsinsignien. Und solche gab es bereits früher.  Gregor von Tours berichtet das der Merovingerkönig Guntram II. Childebert II designierte in dem er ihm seine Lanze  reichte. Paulus Diaconus berichtet über die Langobarden, das die königliche Lanze ein zentrales Herrschaftselent war. Hierzu schrieb im Übrigen, was nun die ganze Sache noch erweitert , Karl Hauk 1966 in “Herrschaftszeichen eines wodanistisches Königtums“, Jahrbuch fur fränkische Landesforschung 14 , das es in der Geschichtsschreibung von Paul Diakonus bei den Langobarden ja einen Gungingi gibt, dessen Namen nun eine verblüffende Ähnlichkeit mit Gungnir aufweist. Gungnir war der Speer Wodans/Odins und die Berufung auf einen Gott als Stammhalter der eigenen Linie ist ja nun wirklich nichts unbekanntes.

Wodans Speer -Hauck vermutet nun einen Zusammenhang von Langobarden und Wodans Speer in dem Sinne das sich die Könige der  Langobarden Wodan/Odin als Stammhalter „auserkoren“ und als Zeichen ihrer königlich-göttlichen Würde eine Lanze als Herrschaftssymbol führten, die sie mit dem Speer Wodans/Odins gleichsetzten.  Ob diese Lanze nun identisch ist mit „der heiligen Lanze“ die mit der Eroberung der Lombardei  und damit der quasi „Lanzenergreifung“ Karls des Großen in den Besitzt der Franken gekommen sei, wie das schon theoretisiert worden ist, identisch ist ,lass ich mal ganz außen vor.
Tatsache scheint aber zu sein das Lanze als Herrschaftszeichen eine wichtige Rolle spielte. Welche Rolle dabei auch noch, gerade im gallo-romanischen Westen, die römischen Feldzeichen (Stichwort Fahnenheiligtum) gespielt haben könnte, sei mal ausgeklammert.

Die heilige Lanze in Wien – Die heilige Lanze, die heute in Wien verwahrt wird, war das wichtigste Zeichen der ottonischen Herrschaft und kam durch Heinrich I. in den Thronschatz. Mit der Flügellanze, die den Grundstock für dieses komplexe Herrschaftszeichen bildet, wurde wohl nie gekämpft. Zumindest weist das Blatt keine Kampfspuren auf, im Gegesatz zu den seitlich, nachträglich angefügten Klingen. Die Lanzenspitze selbst, war zunächst nicht heilig, heilig war euch nicht das Ding das als Nagel bezeichnet wird und das in der Lanzenspitze steckt. Heilig waren eigentlich nur die 3 kleinen Kreuze darauf, den die sollen aus dem Nagel Christi stammen. Nun gibt es die Idee dahinter das mit dem Einfügen des Dorns ein heidnisches Herrschaftszeichen, also die Lanze als solches, zu einem christlichen Symbol gemacht worden war.Lass ich jetzt einfach mal so stehen.

Zurück zu Oriflamme – Die Oriflamme wurde in St. Denis aufbewahrt, dessen Banner es war. Die Schutzherrschaft besaßen ursprünglich die Grafen des Vexin, die übrigens vom Karolinger Pippin dem Mittleren abstammen, kam aber 1077 in königlichen Schutz, womit die kapetingischen Könige zur Unterstützung deren (heiliges?) Banner beim Kampf erhielten. Aber St. Denis war mehr. St. Denis war die Grablege der Merowinger , Karls des Kahlen, der Kapetinger und andere. Der Laden beherbergte einen riesigen Schatz an Reliquien von denen wir heute nur noch einen Bruchteil kennen. Zum Beispiel solche wichtigen Gegenstände wie den Dagoberts Thron. Auch Fahnen , Banner und Lanzen wird es mehr als genug gegeben haben, die Beispielsweise die Gräber schmückten.
Vielleicht gab es eine Lanze Odos von Paris, die bei der Verteidigung von Paris gegen die Normannen eingesetzt wurde, ein goldenes Szepter Dagoberts II. oder ähnliches, dessen Bedeutung längst vergessen war. Vielleicht spielt auch die Erinnerung an ein römisches Vexillum eine Rolle.

Das sich nun die Fahne an dieser goldenen Stange über die Jahrhunderte veränderte, verwundert bei genauerer Überlegung wenig. Wer bei sich einen älteren Sport- oder Gesangsverein hat soll sich mal deren alten Banner ansehen, die wenn sie überhaupt noch genutzt werden, dann nur mit Schutzfolie ins Freie dürfen. Oriflamme wurde aber nicht bei Sportveranstaltungen gezeigt, sondern in Schlachten mitgeführt, bei Schlachten die auch verloren gingen. Dabei war sie Wind und Wetter ausgesetzt. Verschleiß war vorprogrammiert. Eine Neuanfertigung fast unumgänglich. So veränderte Oriflamme sein Aussehen. Die Sagen blieben, so zum Beispiel das Tuch das Leichentuch des hl. Dionysius sei.

Hier noch ein kleines Video zum Schatz von St. Denis, leider ohne Namen der einzelnen Objekte.

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