Mantel reloaded

redo from start…

Also fangen wir in Sachen noch mal von vorne an und sehen das Ganze als lautes, öffentliches Nachdenken. Es darf natürlich mitgedacht werden. Ich muss noch dazu sagen das der letzte Artikel nur am Beispiel des Mantels zeigen sollte wie vorgehe wenn ich mir Kleidung nähe.

Bis ins 6. Jahrhundert dienen Zwiebelknopf, späte Armbrust und Bügelkopffibeln (Fiebel u. Fibeltracht S.168) zum Verschluss des Mantels. Diese, zum Teil wuchtigen und schweren Fibeln, wurden durch den Mantelstoff gesteckt und dort verblieben sie. Um den Mantel an oder auszuziehen wurde er einfach über den Kopf gezogen. Dieses spricht natürlich für eine reine Schutz- oder Schaubekleidung.

Ab dem 8. Jahrhundert fehlen die Funde aus Gräbern, jedoch gibt es vielfältiges Fibelmaterial aus anderen Funden. Neben einigen Gleicharmfibeln dominieren die Scheibenfibeln, Rechteckfibeln, Kreuzfibeln und einige Sonderformen (Halbmond, Vogelform). Gemein ist den Fibel (lassen wir mal die Gleicharmfibel weg) das sie kleiner und Filigraner sind.

In Abbildungen tauchen große Fibeln,  die optisch an Bügelfibeln oder an Filigranscheibenfibeln erinnern, nur noch im Zusammenhang mit Herrscherdarstellungen auf.

Die kleineren, filigraneren Fibeln bringen aber  Nachteile mit sich. Die dünneren Nadel reißen reißen leichter Löcher in den Stoff, da sie das Gewicht nicht verteilen können und die kleinere Nadelrast kann das Gewicht kaum aufnehmen. Sie dienen daher nicht mehr als Verschluß des Mantels sondern sind als Schmuck/Brosche zu verstehen.

Exkurs: Warum die Veränderung von Manteltracht und Fibel? Das  9. Jahrhundert zeichnet  etwas aus, das ein Autor (ist mir entfallen wer) mal als Military-Look bezeichnete. Statt einer prunkvollen Mantelschließe ist das Schmuckstück der karolingischen männlichen Tracht der Schwertgurt mit seinen Beschlägen. Vor und noch zu Beginn der fränkischen Expansion unter den Merowingern waren die meisten Gefechte lokale Scharmützel. – ein kleiner Feldzug hier, eine kleine Eroberung dort-  die tatsächliche militärische Aufrüstung und durchstrukturierung des „Militärs“ kam erst unter den Karolingern  und dort wird sie am besten greifbar durch die überlieferten Erlasse Karls des Großen. Die Franken waren ein Volk im Dauerkriegszustand mit Mehrfrontenkrieg.  Der große germanische Prunkmantel (Thorsberger Prunkmantel) war nicht als Decke gedacht, er repräsentierte die Macht und den Reichtum  seines Trägers. Wer bei der Bundeswehr im Feld ist, schleppt aber nun in der Regel nicht seinen Dienst- oder Gesellschaftsanzug mit sich rum. Im Gegenteil, je leichter das Gepäck ist desto besser. Die Allzweckmäntel des einfachen Volkes jedoch waren genau das was man für einen langen Feldzug gebrauchen konnte. Decke und Mantel in einem. Fibel, Löcher oder ähnliches waren nur störend.

Hier nur zwei Beispiele um die Flexibilität des Mantels aufzuzeigen sollen. Im ersten Bild (links) habe ich den Mantel genau in der Mitte umgeschlagen. Der obere Rand wurde um ca. 30cm nach unten umgeschlagen.  Die entstandene Kante habe ich  nach oben gezogen und mit einem Riemen (an dem ich eine Scheibenfibel befestigt habe) zusammengebunden. Der Mantel reicht nun vorne und hinten bis zu den Knöcheln.

Im zweiten Bild (rechts) habe ich den Mantel asymmetrisch umgeschlagen, so das die kürzere Hälfte nach vorne zeigt. Der Mantel bietet nun nach vorne hin mehr Freiheit.

Seit der Erfindung des Selbstauslösers machen sich Menschen zum Affen - es soll sogar schon Blogs geben die sich nur dieses Themas annehmen (Falls einer fragt: der Saum ist noch nicht fertig!)

Dieses Umschlage- und Umlegespielchen lässt sich beliebig variieren, wodurch ich verschiedene Längen und Tragweisen erzielen kann. Wollte ich dieses mit einer Fibel erzielen, riskiere ich das an verschiedenen Stellen Löcher im Stoff entstehen. Gleiches Problem würde entstehen wenn ich Bänder mittels Nestellöcher durch den Stoff ziehen wollte (eine Idee die ich auch mal hatte)  – ich hätte eine Vielzahl von Löchern im Stoff! So etwas kann nicht gewünscht sein.

Die Fibel als Schmuck an diesem Mantel sollte, wie ja bereits in den Kommentaren geschrieben wurde, abhängig vom Stand des Trägers gewesen sein.

Anders sieht es bei explizit repräsentativen Mänteln aus, etwa bei Empfängen in Anwesenheit des Königs. Hier kann ich mir sehr gut angenähte Bänder vorstellen, da diese Mäntel nur für diesen Zweck gemacht und getragen worden sein könnten. Gleiches sollte für halbkreisartige Mäntel gelten. Ich besitze zwar auch einen solchen, an dem die Bänder festgenäht sind (Eigentlich ist es ein Band das um den Halsauschnitt herum läuft), aber zur Zeit gestehe ich einen solchen Mantel am ehestem dem Klerus oder etwa Laienäbten zu.

Ein Gedanke zu „Mantel reloaded“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.