halbrundes Mantelgedöns

Eine Sache mit der ich mich hin und wieder mal befasse, ohne allerdings bisher so tief eingedrungen zu sein wie ich mir das wünsche, ist das Thema des Mantels im Frühmittelalter.

Mit dem Grundsatz „nimm im Frühmittelalter einen Rechteckmantel, dann machts du nichts falsch“ liegt man eigentlich immer gut. Der Hinweis auf das Tragen eines Rechteckmantels gibt schon Einhard, wenn er Karl den Großen beschreibt. Dort heißt es das er einen blauen Umhang trug (sag0 vom lat. sagum). Es ist der klassische Rechteckmantel wie ihn auch schon das römschische Militär trug. Kurz darauf heißt es das er zuliebe der Päpste in Rom die Chlamys trug. Ebenfalls ein Rechteckmantel, jedoch kürzer, der für die Franken fremdartig war.

Einen halbrunden, frühmittelalterlichen Mantel gibt es. Es ist der Mantel der um 680 gestorbenen Witwe Chlodwigs II, der hl. Bathilde. Er ist gelb, hat Fransen und einen Halsauschnitt wie man ihn etwa vom Sternenmantel Heinrichs II. kennt. Wer jetzt jubiliert ist zu früh dran, denn Bathilde lebte im Kloster und der Mantel wird als Pluviale, als kirchliches Gewand angesehen.

Das ursprüngliche Pluviale kann man auf jedem Mittelaltermarkt erstehen. Es ist ein halbrunder Mantel mit Kapuze. Ursprünglich war es ein römischer Regenmantel, der von Christen gerne für Prozessionen verwendet wurde (es könnte ja regnen). Mit der Zeit verschwand die Kapuze und zum Teil ist sie auf dem Messgewand Pluviale noch als Schild auf dem Rücken stilisiert erkennbar. Man sollte also überlegen ob man einen im Regen stehenden Römer oder Kleriker darstellen will wenn man sich so ein Ding zulegt.

Auch die Mäntel Heinrichs II. und Kunigundes in Bamberg werden als Pluvieale bezeichnet und sollen dem Kaiserpaar religiöse Handlungen im Gottesdienst ermöglicht haben. Aber auch die Mäntel einiger Herrscherabbildungen aus früherer  ottonische Zeit werden als halbrunde Mäntel gedeutet.

Jetzt hab ich ein Problem. Trägt man einen Rechteckmantel, so bildet sich am Rücken ein Spitze durch eine Ecke des Rechtecks. Blättert man nun durch den Stuttgarter Psalter oder andere Handschriften hat man immer wieder Probleme diese Spitze zu erkennen. So ist zum Beispiel der Mantel der Abbildung Ludwigs des Frommen als Miles Christi von Hrabanus Maurus als halbkreisförmiger Mantel interpretierbar. Wäre religiös erklärbar. Ebenso bei der Darstellung Karls des Großen aus der Hofschule Karls des Kahlen.

Ich stelle mir daher immer wieder die Frage ob der hablkreisförmige Mantel nicht so eine Art Sonntagskleid für den Kirchgang des gehobenen Adels ist. Oder kam er erst auf mit der Sakralüberhöhung des Königtums in der ottonischen Zeit?

Außer Frage steht,  dass ein einfacher Mensch weder das Geld für einen Mantel hätte der soviel Verschnitt produzieren würde, noch hätte er Verwendung dafür , denn für den alltäglichen Gebrauch, also auch zum zudecken, taugt er nicht. Muss da mal tiefer eintauchen.

 

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