Illegale Grabung und die Presse spielt Helferlein [Update3]

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11 Antworten

  1. Segestes sagt:

    Wenn ein Grundstückseigentümer die Erlaubnis gibt zu graben, dann geht das, meinem Rechtsempfinden nach, niemanden außer den Grundstückseigentümer etwas an.
    Alles andere ist de facto Enteignung und Bevormundung. Ich verzichte dankend auf so eine Spielart des Kommunismus ^^
    Wenn der Staat möchte, dass Bodendenkmäler erhalten und fachgerecht analysiert werden, dann soll er eine adäquate, nämlich eine hundertprozentige, finanzielle Entschädigung bieten, wie das in GB der Fall ist, und für jeden mitgenommenen Stein bezahlen. Und da man einen Steuer-Euro nur einmal ausgeben kann, sollte er weniger deutsche Archäologen in Übersee (Ilium, Ephesos, usw. usw. usw.) finanziell unterstützen, sondern das Geld lieber in eine flächendeckende archäologische „Überwachung“ der Heimat investieren.
    Denn wenn jemand weiß, dass er bei der Meldung eines Fundes, sehr bald fachmännische Unterstützung bekommt – und ihn diese nichts kostet, sondern sogar etwas bringt, dann wird es eher unterlassen selbst zu buddeln. So werden keine Fundzusammenhänge durcheinander gebracht und alle sind glücklich und zufrieden.
    Belohnen statt quasi zu bestrafen, ist die Devise!

  2. Jøran-Njål sagt:

    Wenn aber durch solch einer illegalen Grabung eines Einzelnen, Wissen über die Geschichte für die Allgemeinheit verloren geht, dann wird nach meinem Rechtsempfinden der Staat geschädigt. Und, da viele das gerne immer mal wieder vergessen oder einfach übersehen möchten, der Staat, dass sind immer noch wir alle zusammen!

    Warum darf ich einen Raubgräber als Wiedergutmachung nicht einfach alles wegnehmen?
    Einfach in sein Haus / Wohnung einsteigen und alles einpacken.
    Einbruch? Diebstahl? Nicht doch, ist auch meine Devise: Belohnung anstatt einer Bestrafung.

  3. Jetzt muss ich doch noch was schreiben. Zur Zeit hätte ich Zugriff auf ein Privatgrundstück im potentiellen Areal der Pfalz Tribur. Ich könnte sogar hingehen und sagen ich grab einfach mal den Gemüsegarten um , damit da wieder was anständig wächst. Dagegen wäre nicht einmal was zu sagen.
    Ich machs aber nicht weil ich a) Respekt vor der Substanz habe und b) es mir einfach nicht zutraue im Ernstfall akkurat und entsprechend zu dokumentieren. (Ganz abgesehen davon das ich natürlich in Darmstadt anrufen würde wenn ich etwas fände)
    Aber das Problem an dem Video oben ist einfach, das irgendjemand, der mal wirklich „null Plan“ hat, animiert werden könnte einfach mal in der Wetterau auf den Limes zu ziehen und da mal mit dem Spaten durchzugehen und sich wie ein Berserker zu verhalten. Mehr noch als jeder „normale Sondengänger“ Und dazu animiert das Video meiner Ansicht nach.
    Es ist also Moment nicht so ganz der Vorgang der im Vordergrund steht sondern der Umgang der Presse damit.
    Ich habe keinen Zweifel das immer irgendjemand irgendwo budddeln wird. Nur mann muss nicht auch noch dazu animieren. Eben wie beim Rauchen.

  4. Segestes sagt:

    Markus, es geht mir nicht um „Zugriff auf irgendein Privatgrundstück“.
    Es geht mir darum, dass wenn ich auf MEINEM Grund und Boden grabe oder graben lasse, es niemanden außer mich etwas anzugehen hat.
    Und wenn der Staat dieses Land archäologisch ausbeuten will, dann soll er mich gefälligst finanziell voll dafür entschädigen – so wie wenn er eine Straße über meinen Grund und Boden bauen möchte. Hier wird, obwohl ebenfalls im öffentlichen Interesse (schwammiger Begriff), eine marktübliche Ablöse fällig.
    Warum soll das bei einer archäologischen Ausgrabung nicht, oder nur sehr eingeschränkt, gelten?

    @ Jörg: Hör du mir bloß mit deinem „Raubgräbern“ auf.
    Du mischt Begriffe wie Diebstalh, Raub und illegale Grabungen absichtlich durcheinander,
    so als ob es keine klar abgegrenzten rechtlichen Definitionen für die einzelnen Delikte gibt.
    Ein Delikt mit der Bezeichnung „Raubgrabung“ gibt es übrigens gar nicht.
    Aber das hatten wir ja alles schon einmal.

    Abschließend folgende Frage:
    Versteht ihr nicht, dass Ihr mit eurer Denke mehr Schaden als Nutzen anrichtet?
    Warum landet denn so viel Material am Schwarzmarkt?
    Doch nur weil absolut kein Anreiz für Finder besteht, Funde zu melden!
    Strafandrohungen und eine de facto Enteignung sind absolut Kontraproduktiv!
    Das müsste wirklich jeder irgendwann einmal begreifen.
    Schwer zu sagen, warum sich die Archäologen dermaßen dagegen wehren, ihre offensichtlich gescheiterte Strategie zu ändern.

  5. Segestes sagt:

    Nachtrag: Und damit keine Missverständnisse aufkommen, ich bin kein Sondengänger.

  6. Und es war Ausnahmsweise nicht Jörg da oben 😉 (Ihr habt euch auch gefressen ? 😉 )

  7. Segestes sagt:

    Ach du meine Güte.
    Dann entschuldige ich mich mal für diese Verwechslung 😉

  8. Marco sagt:

    Hallo Markus,

    die Art und Weise wie hier mit Raubgrabungen umgegangen wird … unglaublich … aber dazu wurde ja schon genug gesagt.
    Beruhigend ist aber, dass mir der Stein gleich seltsam in seiner Gestaltung und zu „spektakulär“ vorkam. Hier hat sich wohl jemand hervortun wollen und hat es regional zumindest auch kurz geschafft.
    Traurig ist die Arbeit der Presse: Nicht nur, dass man ein solches Vorgehen billig, auch die Recherchen und die Nacharbeit sind auf „Käseblatt-Niveau“.

  9. Jøran-Njål sagt:

    Wer ist Jörg? Ich glaube, er könnte mein neuer Freund werden. 😉

  10. Jøran-Njål sagt:

    Oh, gleich noch eine Frage hinterher.

    @Segestes

    „Warum landet denn so viel Material am Schwarzmarkt?“

    Warum landen denn så viele Navigeräte auf dem Schwarzmarkt?

    Antwort: Weil Beides Geld einbringt.

    Noch eine Frage: Wenn die Sondler, Grabräuber, Banidten oder wie man die auch immer bezeichnen sollte, nur Interesse an geschichtliche Kulturgegenstände haben (wie ja oft von ihnen behauptet), warum geben die dann ihre geplünderten Fundstücke gegen Bares auf dem Schwarzmarkt ab?

  11. Ralf sagt:

    @ Segestes
    Einschränkungen des Eigentumsrechts sind eine lästige Sache, aber sehr verbreitet in unserem Staat. Ich darf in meinem Wohngebiet keinen 10-m-Betonturm bauen, obwohl ich total auf Betonarchitektur stehe. Ich darf ein altes Haus in der Innenstadt nicht abreißen, obwohl für ein neues Parkhaus Bedarf wäre, darf nicht mal die Fassade magenta anstreichen und als Werbefläche für ein Telefonunternehmen vermieten. Der Staat verbietet sogar Adelshäusern, gewisse altererbte Kunstwerke ins Ausland zu verkaufen, obwohl amerikanische oder saudische Milliardäre viel Geld dafür zahlen würden. Ich darf auf meinem eigenen Grundstück kein atomares Endlager einrichten, obwohl viele Staaten dringend ihren Atommüll loswerden müssen.

    Denkmalschutz ist Bundesländersache und nicht überall fallen historisch bedeutsame Gegenstände ohne feststellbaren Besitzer automatisch an die Allgemeinheit. Das kann man durchaus diskutieren, aber das ist nicht der Punkt, um den es hier geht.

    Der Punkt ist hier, dass bei ilegalen Grabungen bis zur Bergung des Fundstücks (egal ob ein Steinbeil oder ein Topf voll Münzen) die wichtigsten historischen Informationen unwiederbringlich zerstört sind: Wo lagen die Dinge – in einer Siedlungsgrube, in einem Grab oder in einer Planierschicht darüber? Wurden sie sorgfältig niedergelegt oder reingeworfen, oder gar kultisch angeordnet? War noch Holzkohle erhalten, die den Gegenstand genauer datieren könnte? Es geht um die genaue fachgerechte Dokumentation der Fundumstände, oft weniger um den Gegenstand selber.

    Und auf dem Schwarzmarkt landet kaum ein Fund vom Grundstücksbesitzer. Meist sind es Metallfunde, die aus fremden Grundstücken herausgewühlt wurden. Die Siedlungsgruben und Pfostenlöcher, denen die am besten zu datierenden Stücke entrissen wurden, sind zerstört oder haben einen Großteil ihrer Aussagekraft für die Geschichte des Ortes und der Gegend verloren.

    Daran ändert auch ein liberales Fundrecht wie in Bayern nichts.

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