Zur Forschungsgeschichte der Lorscher Torhalle

Um das Chaos, das um die Datierung der Lorscher Torhalle gemacht wird, zu verstehen, muss man sich die verschiedenen Datierungen und ihre Argumente einmal genauer Ansehen. Ich werde an dieser Stelle einmal versuchen sie, soweit möglich, in chronologischer Reihenfolge darzustellen.

Georg Moller 1815
Georg Moller, der große klassizistische Baumeister, der in Darmstadt wirkte, war der Erste der die Bedeutung der Lorscher Torhalle erkannte und sie als karolingisch „entdeckte“. Sie diente zu diesem Zeitpunkt als Kapelle des „Kurfürstlichen Hauses“, die Durchgänge waren verbaut. Er veröffentlichte sie in seinen „Denkmälern der deutschen Baukunst“ und setzte sich beim Großherzog für den Bau ein, was zum ersten „Denkmalschutzgesetzt“ auf deutschem Boden führte. Sie wurde aber erst ab 1860, nach dem der Bau den Altertumsforschen bei einer Münchner Konferenz vorgestellt wurde langsam Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.

Friedrich Schneider 1878
Schneider publiziert „Der karolingische Torbau zu Lorsch“ im „Korrespondenzblatt des Gesamtvereins“ und schlägt vor, die Torhalle als Ehrenpforte im Sinne römischer Triumphbögen zu verstehen, findet aber kein Gehör.

Rudolf Adamy 1891
Rudolf Adamy war der erste der Separat über Lorsch in seinem Buch „Die fränkische Torhalle und die Klosterkirche zu Lorsch“ publizierte. Für Adamy war die Torhalle das Eingansportal in das Atrium und nach seiner Vorstellung war sie direkt mit einer Mauer mit diesem verbunden und besaß kein Obergeschoss! Des Weiteren hält er die Treppentürme, von denen der nördliche 1842 einstürzte, für eine spätere Anfügung.

Georg Dehio 1919/1926
Dehio ging in „Geschichte der deutschen Kunst“ (1919) und „Handbuch der deutschen Denkmäler 4“ (1926) davon aus, das die Halle zweigeschossig war, jedoch war sie für ihn immernoch ein profaner Torbau, dessen Obergeschoss als Torwächterstube diente.

Zwischenzeitlich:
Diverse Ideen zur Torhalle machen die Runde: Die Grabkirche der Karolinger in Lorsch wird als „eclessia varia“ Bunte Kirche bezeichnet ist die Torhalle diese Bunte Kirche? Der Einsatz von Spaten und Schaufel bringt keine Begräbnisse zu Tage, zudem waren die Särge die Zur Gruftkirche gehörten bereits um 1800 aus dem Boden hinter der Klosterkirche geholt worden.

Alois Fuchs 1929
Fuchs schreibt 1921 in den „Lorscher Heimatblättern“ und in seinem Buch „Die karolingischen Westwerke“ über das Bauwerk. Er ist es der den Begriff „Königshalle“ prägt. Er sieht in dem Bau eine Kombination von Triumphbogen mit aufgesetzter Versammlungshalle des Königs (Aula Regia) und stellt dazu Vergleiche mit der gotischen Halle von Naranco aus dem 9. Jahrhundert her. Zudem ist inzwischen klar das die Türme teil des Originals waren und das die Halle frei im Atrium stand.

Es entwickeln sich verschieden Theorien über Entstehungszeit und Zweck der Halle. Es ist die Rede von einem Triumphbogen Karls den Großen, der 774 als Sieger über die Langobarden aus Italien heimkehrt und die Halle Bauen ließ. Auch die Kaiserkrönung 800 wird als Stichtag angenommen. Die Funktionen reichen von Gerichthalle bis zum Reliquienschrein zur Präsentation der Nazarius Reliquie.

Und heute?
Heute ist man eigentlich auch nicht weiter! Die Mauertechnik und Farbe der verwendeten Stein gleicht denen, die in der Gruftkirche verwendet wurde und die man bei Grabungen fand. Die Gruftkirche wurde von Ludwig dem Deutschen kurz nach 876 erbaut. Schriftfragment im Obergeschoss werden in die Zeit zwischen 820 und 900 gedeutet. Zur Funktion wird als Vergleich die Torhalle in St. Emmeram in Regensburg herangezogen (siehe meinen Artikel zu dem Thema). Man mag also denken Ludwig der Deutsche hätte sich als Erbauer herauskristallisiert. Dies ist auch die Meinung , die man ganz ofiziell von und in Lorsch erfährt (siehe hier)

Pustekuchen!
Denn zu Anfang des Jahres ließ die Denkmalpflege, im Zuge der Aufwertung der Anlage, in Lorsch Tafeln aufstellen auf denen steht das die Torhalle wahrscheinlich von Ludwig dem Frommen, zwischen 814 und 840 als Höhepunkt der renovatio, der Rückbesinnung auf die Antike, erbaut worden sein soll, lediglich die Funktion deckt sich mit der oberen Angabe…

Theorien und kein Ende!

11 Gedanken zu „Zur Forschungsgeschichte der Lorscher Torhalle“

  1. Naja, vielleicht bringt ja die baldige Ausstellung mit dem dazugehörigen Ausstellungskatalog „Vom Reichskloster Karls des Großen zu Weltkulturerbe der Menscheit“ mehr kritische Klarheit in diese unterschiedlichen Lehrmeinungen. Besagte Ausstellung im Museumszentrum Lorsch findet vom 28.05.2011 bis 29.01.2012 statt. Dazugehörige Lektüre Ende Mai im Imhoff Verlag.

  2. Laut Heinrich Walbe, wurde die Lorscher Halle in langobardisch Maßen errichtet:

    Sie ist exakt 25 „pes liutprandi“ (langobardische Fuß) breit
    und 3 x 25/2 „pes liutprandi“ (= 25 Cubiti bzw Ellen) lang.

    Karl d. Gr. hat angeblich 774 langobardische Handwerker nach Lampertheim(?), bzw zu den beiden Baustellen Worms und Lorsch, gebracht – dass daran etwas dran sein kann, sieht man nun an den Abmessungen der Torhalle von Lorsch.
    Die Spur dieser Langobarden lässt sich noch einige Zeit verfolgen. Auch beim Klosters Lorschmit wurde, einige Jahre später, mit den „pes liutprandi“ gearbeitet.
    Deshalb ist die These mit Karl. d. Gr. als Erbauer nicht gerade unwahrscheinlich.
    Mag sein, dass der fromme Ludwig sie lediglich umgebaut hat.

  3. Soweit ich die Walbe Aussagen kenne (habe sie nur im Pörtner) scheint das auch vollkommen korrekt zu sein. Jedoch geben J.Fleckenstein (Erinnerungen an Karl den Großen) und R.Zeilinger-Büchler (Kunstgeschichtliche Betrachtungen zur Datierungen der Lorscher Kunsthalle) dargelegt das a) die Zeit bis zur Weihe 774 zum Bau der Torhalle nicht ausgereicht hätte zumal nur die Kirche fertig gestellt wurde und der Rest in Holzbauweise abgeschlossen wurde und b)stilistisch der Bau erst nach 800 einzuordnen wäre… Konjunktiv 😉 Also alle Möglichkeiten offen, kann ja alles ganz anders gewesen sein.

    warten wir mal ab was Lorsch demnächst so sagt (hab seit der Päpstin Aktion von denen auch nicht mehr so viel vertrauen), wurde auch schon mit Flyern bombardiert worden.

  4. Jetzt nehmt mir doch nicht alle meine kommenden Post vorweg! *lach*
    (Habs auch schon bestellt, das war ja der Grund das ich so ein bisschen Lorsch Gedöns mache, um dann hinterher Vergleichen zu können!)

  5. Der so genannte Sarg Ludwigs des Deutschen wurde nicht im Reichskloster Lorsch auf der Düne gefunden, sondern im Kloster Hagen an der Weschnitz. Er wird im Volksmund dem Nibelungen Siegfried zugeordnet. Er ist nich datierbar.
    Die bisher beste Datierung der Torhalle finden Sie unter „Datierung Torhalle“ oder unter „Eschbornblog“ im Iternet.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.