Warum diese Geheimniskrämerei und Falschinformationen?

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9 Antworten

  1. Holger sagt:

    Spende einfach umfangreiche Summe an die zuständigen Stellen mit dem Hinweis auf diese Umstände und es wird korrigiert. Wenn Du dazu kein Geld hast – was wahrscheinlich ist – dann hast Du auch gleich schon den Grund, warum das bisher so schwer ist.

    Geschichte und das Verständnis dafür ist Luxus, erst recht im Detail. Es heißt zwar, wir sollen aus der Geschichte lernen und sie ist immanent wichtig für das Verständnis heutiger Vorgänge, aber machen wir uns nichts vor: Ob die Laurentiuskirche nun ottonisch oder karolingisch ist, spielt nunmal nur für Fachleute eine wirkliche Rolle. Das Gros der Menschen intereessiert das nicht und wenn doch, haben sie es 3 Minuten nach dem Flyer wieder vergessen.

    Dementsprechend gering ist auch der Verbreitungsgrad „neuer“ Informationen und das Interesse, dafür Geld auszugeben. Meines erachten vollkommen nachvolziehbar, wenn man mal den Standpunkt eines Fachidioten verlässt – auf dem Du Dich nunmal befindest.

  2. Ich geb dir vollkommen Recht was die Sache mit Geld angeht. Auch die Sache mit dem Flyer ist wahrscheinlich in der breiten Öffentlichkeit nur halb so schlimm.
    Aber wenn ich hier eine Magisterarbeit Kunstgeschichte liegen hab, die sich auf eben genau die falschen Angaben bezieht, dann dreht sich mir der Magen um! Ich meine jeder Volltrottel (ich) hat zumindest irgendwie mal in der Schule gelernt wie eine Bibliotheksrecherche funktioniert. Und dann schreibt jemand unter der Ägide von Kiesow eine Magisterarbeit deren zusammenfassend historischer Teil keinen Pfifferling wert ist und bezieht sich darin auf die Angaben von 1934 die die schon bei der Veröffentlichung durch die Fachwelt angezweifelt wurden und bekommt dafür noch den Magister. Hallo? Da läuft doch irgendwas generell falsch!

  3. andreas sagt:

    Ja, es gibt viele ähnliche Fälle wie beispielsweise ein Buch aus der Mitte der 90er, das die Stadt Frankfurt persönlich über aktuelle archäologische Ausgrabungen im Frankfurter Stadtgebiet veröffentlicht hatte. Darin wird verbunden mit den Ausgrabungen um den Vorgängerbau der Nikolaikirche am Römerberg die überzeugende These aufgestellt, der Altstadtbereich um die alte Goldhutgasse, Alter Markt, Samstagsberg, über die alte Braubach-Senke sei in fränkisch-karolingischer Zeit befestigt gewesen, was damals auch durch Ausgrabung und einen Blick auf den Stadtplan sich plausibel bestätigen lässt.
    Bei diesem Bereich dürfte es sich wohl um eine erste Kaufmannssiedlung im westlichen Vorfeld der Kaiserpfalzgebäude gehandelt haben. Das war alles noch bevor dann in ottonischer Zeit eine einheitliche steinerne Ringmauer um Samstags- und Domberg gezogen worden war.

    Das seltsame für mich ist, daß seitdem in keinem Buch und auch nirgends im Internet davon mehr ein Wort davon erscheint und nur das anscheinend viel bequemere althergebrachte um diese allererste Steinmauer weiter fleißig weitergegeben wird, obwohl dieses Buch eine offizielle Veröffentlichung der Stadt Frankfurt gewesen war!

    Das Theiss-Buch „Romanik in Hessen“ mußte ich damal als Kind (bin ebenfalls Jahrgang 1974) auch unbedingt haben und bin daher auch immer von einem karolingischen Kirchengebäude ausgegangen.

  4. @andreas Ich hab auch immer brav geglaubt was da steht, bis mir irgendwann aufgefallen ist das der Westbau keinerlei Ähnlichkeit zu sonstigen karolingischen Westanlagen hat. Kiesow hätte es eigentlich wissen sollen, aber wie ich gehört habe sollen seine Studenten die Artikel für seine Buch recherchiert/geschrieben haben, vielleicht deswegen… aber jedenfalls ein schönes Buch!
    In Wintergerst, Magnus „Franconofurd I -Die Befunde der karolingisch-ottonischen Pfalz aus den Frankfurter Altstadtgrabungen“ sollte eigentlich was drin stehen, bin aber noch nicht nach FFM gekommen ums mir im zu holen (keine Lust auf Versandkosten) und bei Amazon ist es doppelt so teuer wie im Archäologischen Museum 🙁 aber auch zu den Altstadtgrabungen gibt es Fachbücher hatte bei Terraplana eins in der Hand. Dr. Maurer verkauft die auf Kommission.

  5. Holger hat gesagt: „Das Gros der Menschen intereessiert das nicht und wenn doch, haben sie es 3 Minuten nach dem Flyer wieder vergessen.
    Dementsprechend gering ist auch der Verbreitungsgrad “neuer” Informationen und das Interesse, dafür Geld auszugeben. Meines erachten vollkommen nachvolziehbar, wenn man mal den Standpunkt eines Fachidioten verlässt – auf dem Du Dich nunmal befindest.“

    Vielleicht ist es ja richtig, dass es das Gross der Menschen nicht interessiert, ob nun karolingisch oder ottonisch. Wer allerdings Denkmale besucht und dann auch noch generell an Informationen darüber interessiert ist, muss m.E. korrekte Informationen erwarten können. Und ob ottonisch oder karolingisch ist in diesem Zusammenhang keine Frage der ‚Fachidiotie‘, sondern des allgemeinen Bildungsauftrags. Wenn ich aus journalistischer bzw. touristischer (also mit Sicherheit nicht ‚fachidiotischer‘) Sicht die Frage betrachte, ob ottonisch oder karolingisch, so geht es immerhin darum, zu erfahren, in welcher Zeitscheibe innerhalb einer Region ich mich gerade bewege, in welchem kulturgeschichtlichen Zusammenhang ein bestimmtes Gebäude, ein Ort zu seinem Umfeld steht, welche gesellschaftlichen und Herrschaftliche Strukturen das verkörpert u.s.w.. Da ist es mir ziemlich Wurscht, welche Interessen ein ‚Fachidiot‘ an dieser Frage hat, für mich ist eine korrekte Information vor allem wichtig, weil ich Zusammenhänge, Wechselwirkungen, regionale Identitäten und zeitliche und kulturelle historische Prozesse betrachte, weil ich eher Generalist (so etwas wie ein ‚Bildungsbürger‘) bin und daher auf präzise Informationen von Spezialisten (Ich habe den ‚Fachidioten‘ bei Holger nicht diskriminierend verstanden) angewiesen. Und ja, die Masse mag sich dafür nicht interessieren. Aber wir haben schon eine katastrophale Rechtschreibreform aus Rücksicht auf das zunehmende Desinteresse der breiten Masse an Sprache und Grammatik über uns ergehen lassen müssen. Wir müssen das nicht auch noch mit unserer gesamten kulturellen Vergangenheit veranstalten.
    Und nein, meist ist es keine Geldfrage, denn Flyer werden immer wieder nachgedruckt und könnten somit leicht korrigiert werden. Es gibt sicherlich nicht zu wenige, die das alles interessiert, es gibt inzwischen zu wenige, die bereit sind, ausgefahrene Gleise zu verlassen. Ich habe solche historischen ‚Falschaussagen‘ bereits bemerkt, als ich noch als Stadtführer in Berlin tätig war. Da geht es um die Frage der Entstehung Berlins. Die Stadtwerdung wird regelmßig mit der besonders günstigen Verkehrslage in dieser Region begründet. tatsächlich hätte es verkehrsmäßig kaum einen ungünstigeren Ort geben können. Die Stadt Berlin/Cölln war schlichtweg eine (deutsche) landesherrliche Entscheidung, mit dem Ziel, die verkehrsgünstig gelegenen slawischen Handelszentren Spandau und Köpenik auszuhebeln. Kulturgeschichtlich ist dieser Vorgang von gewaltigem Interesse und seine Verheimlichung eigentlich ein kulturhistorisches Politikum (dürfte übrigens ebenfalls in der nationalsozialistischen Zeit begründet liegen). Nein, Es geht selbst bei so scheinbar speziellen Fragen schlichtweg in einem ganz modernen Sinne um Bildung und Bildungspolitik und nicht um Masse und ‚Fachidiotie‘.

    PS: für die Überarbeitung von Informationsmaterial ließe sich im Rahmen von entsprechenden Projekten durchaus Fördermittel (EU etc.) locker machen, am Geld kanns nicht liegen.

  6. Petra sagt:

    „Das Gros der Menschen interessiert das nicht…“ – Ich weiß nicht. Ich sitze hier in der tiefsten bayrischen Provinz und werde sehr wahrscheinlich nie nach Trebur kommen. Trotzdem schaue ich hier täglich rein und freue mich gerade über Beiträge zur Laurentius-Kirche immer sehr, und das auch und gerade, weil ich dank diesem Blog so ein bißchen miterleben kann, daß Recherche echt _spannend_ sein kann. Vielleicht ist es ja gerade das trockene Vorkauen vorgeblicher Fakten, das vielen die Lust auf historische Details verleidet. Vielleicht wäre schon viel damit gedient, wenn man Laien wie mir öfter mal öfter mal Gelegenheit gäbe zu fragen „Woher weiß man das denn?“ und „Muß das wirklich so gewesen sein?“

    Und dazu:
    „Scheu vor Unterlagen die vor Fachbegriffen nur so strotzen in der Kirchengemeinde, so das niemand sie mal ernsthaft durchgesehen hat und nach 20 Seiten aufgab.“ – Das ist mit Sicherheit ein Problem für uns normalsterbliche Nicht-Fachleute; das merke ich doch schon, wenn ich mich mal durch einen archäologischen Fachartikel quäle. Und da stehe ich schon ein bißchen auf dem Standpunkt, daß die Fachwissenschaft da in der Pflicht ist, Dinge auch für Laien verständlich zu erklären – nicht simplifiziert (nach dem Motto: so genau mußt du das sowieso nicht wissen), sondern verständlich. Im konkreten Fall: Was hilft denn ein Fachgutachten, das für denjenigen, für den es bestimmt ist, großteils völlig unverständlich bleibt?

    Wenn Geschichte schon Luxus ist, den die Gesellschaft sich leistet, indem sie Wissenschaftler dafür füttert, nach neuen Erkenntnissen zu forschen, dann kann man aber von diesen Wissenschaftlern doch erwarten, daß sie an die Gesellschaft auch etwas zurückgibt?

  7. Markus sagt:

    @wOLFGANG EU Fördermittel sind schon seit langem ein Gedanke von mir, gerade im Bezug auf Pfalz und Austellungs Geschichten ganz allgemein. Mein großes Vorbild wäre hier Memleben! Aber wie das so ist müßßte das bedeuten das sich alle Parteien, alle Vereine, alle Verbände mal zusammreißen müssten. Und das bei sturen Hessen könnte schwer werden. Aber wenn einige bedeutende Pfalzenforscher während der Austellung Trebur besuchen werden erhoffe ich mir einige Fortschritte!

    @Petra Du bist gerne eingeladen nach Trebur zu kommen , ich hab auch Verwandte in der bayrischen Provinz (die einzigen Namensträger meines Nachnamens Weltweit ausserhalb Hessens)
    Ich darf dich beruhigen es wird noch einige Posts übr die Laurentiuskirche geben, da ich das Fachchinesisch übersetzten werde und hier reinstellen werde, komplett mit Aufrissen u.s.w. ausserdem gibts da noch einige Sachen dich in dann in dem Zusammenhang noch einflechten werde, die ich so noch nicht erwähnt habe (weil z.Zt. nicht beweisbar)
    Ach, und Danke für die Treue!

  8. Holger sagt:

    @wolfgang

    „Vielleicht ist es ja richtig, dass es das Gross der Menschen nicht interessiert, ob nun karolingisch oder ottonisch. Wer allerdings Denkmale besucht und dann auch noch generell an Informationen darüber interessiert ist, muss m.E. korrekte Informationen erwarten können.“

    Ich habe noch erheblich mehr geschrieben.

    Und natürlich ist es eine Geldfrage – auch Korrekturen vor dem nächsten Druck kosten Geld und vor diesen Korrekturen steht natürlich auch die entsprechende Arbeit, damit diese Korrekturen überhaubt bis zu jemandem kommen, der eine Änderung des Flyers erst veranlassen kann und vor dieser Auswertungsarbeit steht die Recherche und davor die angemessene Archivierung. Das alles kostet Geld – die zusätzlichen kosten auf den simplen Nachdruck des Flyers zu reduzieren greift einfach zu kurz.

    Und das bringt einen halt wieder zu diesem Punkt: Geschichte ist Luxus, wenn Du mehr davon an passender Stelle willst, wirst Du – zumindest in unserer gegenwärtigen Gesellschaftsform – jemanden finden müssen, der es auch bezahlt. Punktum. Und ja, dabei ist es vollkommen unerheblich, was Du willst oder worauf Du angewiesen bist.

    Sich einfach nur hinzustellen und erbost „So geht das aber nicht!“ zu rufen, ist weder sonderlich produktiv, noch der Sache dienlich.*

    Und das sage ich als jemand, der es schon fertig gebracht hat, defenitiv falsche Textpassagen in einem solchen Infoflyer mit korrekten Informationen zu überkleben, bis er von der betreffenden Baudenkmalverwaltung eine Anzeige wegen Sachbeschädigung am Hals hatte 🙂

  9. Markus sagt:

    @alle Ich denke das ich eine Möglichkeit gefunden wie ich mit einer Methode was ändern kann. Ist fast wie das überkleben, blos ohne das „über“ und das „kleben“ 😉
    Ausserdem wäre das was für ´ne Austellung

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