Der Name Tribur/Trebur

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4 Antworten

  1. Jörg sagt:

    Ich hab großen Respekt vor Herrn Tischner, weil er sich mit seinen Seiten unvorstellbar viel Arbeit gemacht hat und dabei auch den Mut hatte, althergebrachten Blödsinn nicht einfach weiterzuspinnen (wie das, was Ortsnamen betrifft, leider selbst unser Stadtarchivar Dr. Engels macht). Allerdings läuft man bei so viel „unabhängingen Schlussfolgerung“ auch Gefahr, sich gelegentlich in Ideen zu verrennen, die kaum realistisch sein dürften. Und so vermutet Tischner viel zu viele Ortsnamen im Keltischen. Dass die Kelten zu irgendeiner Zeit solch eine Bedeutung in Südhessen gehabt hätten, kann ich aber nicht sehen, noch weniger, warum die Alemannen und Franken die keltischen Namen übernommen haben sollten, höchstens bei einigen Landschaftsbezeichnungen wäre das denkbar.

    Mit Etymologien ist das immer so eine Sache… ohne eine halbwegs zeitliche Einordnung kann man alles finden, je nachdem, was man sucht. Nur zum Beispiel, laut dem Altdeutschen Wörterbuch von Oscar Schade kann „bur“ auch „Wind“ bedeuten. Tribur also als Ort der drei Winde? Schöner poetischer Name, aber wohl zu 99,99999999999% auszuschließen. aber wenn man solch eine gewagte Ableitung wollte, wären die Argumente dafür auch nicht wirklich schwächer. Ebenfalls laut Schade hat buren (laut Tischner taucht Tribur ja im 8. Jhd als Triburen auf) die Bedeutung „erheben“. Sollte man also nach drei erhobenen Plätzen bei Trebur suchen? Oder ist es einfach nur ein verstümmeltes „Burg“, wobei Burg dann schlicht als „befestigtes Gebäude“ zu verstehen wäre, Tribur also drei Befestigungen an einem Platz bedeutet.

    Ich mache mir jetzt schon einige Zeit Gedanken über die Namensherleitungen südhessischer Orte und je mehr man sich darin „vergräbt“, desto klarer wird, dass jede Ableitung zu einem Großteil Wunschdenken und Willkür ist. Fast nie gibt es ausreichende Argumente um auf diese Weise die Bedeutung zu erschließen. Man müsste erst mal exakt wissen, wann ein Ort bzw. dessen Name entstanden ist, bevor man überhaupt irgendeinen seriösen Ansatz hat. Alles andere ist Willkür, je nach dem, was man denn gerne hätte, in welchem Zusammenhang der Ort entstanden ist. Ob man nun lieber einen römischen, einen keltischen oder einen germanischen Ursprung hätte.

  2. Markus sagt:

    Auch ich habe großen Respekt vor Herrn Tischner und die Mühe die er sich macht (die Seite ist echt der Mörderhammer!) und ich habe auch eine Zeit lang mit ihm gemailt (schon lange vordieser Seite) , weshalb ich zu dem Link auch keine Wertung abgegeben habe.

    Man hat in Trebur einen keltischen Halsring gefunden , ich hatte ihn irgend wann mal hier, und es gab auch die typischen Spekuationen des 19. Jahrhunderts, die aus Trebur, zusammen mit dem Rosengarten in Worms und noch irgendeinem Ort, der mir gerade nicht einfällt, eine Art riesiges magisches Dreieck und aus Trebur ein keltisches Großheiligtum machen wollten.

    Triburen taucht im 9.Jh. auf, aber auch Triburias, Tribure…, Wie du das auch richtig geschrieben hats kamen auch schon mal die drei Burgen ins spiel, aber genau da ist der Punkt. Burg kann auch nur befestigtes Haus bedeuten, es ist schließlich der selbe Wortstamm.

    Interessant ist da auch E.E.Metzner *hüstel* (darf ja im Grunde nichts schlechtes schreiben über ihn, weil wegen Vortrag und so bla, bla)der dann schon mal als Germanist aus verschiedenen Textquellen , in xxx (hier bitte Trebur oder Königstädten einsetzten) den Sitz des Alamannenfürsten Makrian verortet und in xxx (hier bitte Trebur oder Königstädten einsetzten) den Hof seiner Tochter…

    Klar ist nur das Trebur schon in alamannischer Zeit besiedelt war und auch nach deren Rheinübertritt besiedelt blieb (2 alamannische Körpergräber in der Nauheimerstraße mit goldenenen Gürtelbeschlägen im germanischen Tierstil II die wahrscheinlich aus dem Langobardischen stammen sollen ca.5Jh.)In der aufgegebnen siedlung gibts auch noch römisches Material, aber das könnte auch Tauschgut von Alamannen sein…

    Wie du schon sagts, es ist alles recht Spekulativ. Die bedeutung Tribur= „Drei Siedlungseinheiten“ halte ich aber für die (zur Zeit) sinnvollste, gerade wegen der Vergleiche zu anderen Orten. Wie so oft könnte hier nur exzessives Graben helfen um auf die Ursprünge der südhessischen Orte zu stoßen.

  3. Jörg sagt:

    In Abwandlung eines bekannten Sprichworts: ein keltischer Halsring allein macht noch keine keltische Siedlung ;-).

    Was mich an den „drei Siedlungseinheiten“ stört, ist, warum man das ausgerechnet nur bei drei Einheiten getan haben soll. Da ist das Tribur in Bayern, Trebur in Hessen, evtl. Trifels, etc. Aber wo sind Orte, die auf zwei oder vier Siedlungseinheiten beruhen? Ein Bibur oder ein Tetribur gibt es meines Wissens nicht ;-). Um diese Überlegungen zu untermauern, müsste man also plausibel machen, wieso man solche „Dreierkonstellationen“ für sinnvoll hielt, Zweier- oder Viererkonstellationen aber offenbar nicht.

    Trebur und Königstädten als Sitz von Makrian und seiner Tochter zu verorten, ist dagegen fast so schräg, wie den Drachentöter Siegfried auf Arminius zurückzuführen… wobei… auch das schafft das ZDF ja in voller Ernsthaftigkeit und ohne dabei in schallendes Gelächter auszubrechen als sogenannte „Dokumentation“ zu inszenieren 😉

  4. Markus sagt:

    Ich werd mal nachfragen, wenn ich bei meinem Fachmann bin. „Ahnliches“ fällt mir im Moment nur bei „Zweibrücken“ ein oder „Dreihausen“ (ist aber schon wieder drei!) Aber vielleicht liegt es daran das die Welt in wirklichkeit dreieckig ist und und wir alle dreieckig denken sollten, wobei ich auf das im Grundriss dreieckige Eingangsportal des Erfurter Doms verweise…. 😉 (Dreibeinige Herrscher Rules!)

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